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Schule
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Ahriman
boshafter Spötter



Anmeldungsdatum: 31.03.2006
Beiträge: 14801
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Beitrag(#2086667) Verfasst am: 23.02.2017, 15:15    Titel: Antworten mit Zitat

fwo hat folgendes geschrieben:
Es gäbe auch die "harte Tour", nämlich dass smallie nicht anfragt, sondern seine Tochter einfach für eine außerschulische Bildungsveranstaltung abmeldet. Ich glaube nicht, dass irgend ein Direx unter diesen Bedingungen versuchen würde die formale Schulpflicht per Richter durchzusetzen. Wahrscheinlich könnte er nicht einmal sicher darauf vertrauen, dass der Richter sich der Ansicht anschließt, die Schulpflicht sei in so einem Fall verletzt.

In Bayern gab's bei sowas eine schriftliche Abmahnung vom Landrat, damit konnte ich mir den Hintern wischen.
Ich hatte meinen Sohn nicht mit der Klasse zum Skiurlaub fahren lassen, mit der Begründung, daß diese Art Wintersport die Alpenumwelt ruiniert und außerdem sinnlose unnötige Kosten verursacht (Ausrüstung und Kleidung, die man wegen Klimawandels am Fuß der Alpen schon lange nicht mehr gebrauchen kann). Boshafterweise ließ ich ihn auch noch zuhause bleiben, warum sollte er nicht schulfrei haben wie die anderen?
Es ging also nicht mal um eine Bildungsveranstaltung. Ich vermute, solche Vergehen gegen die Schulpflicht muß man wohl öfter machen, ehe da ernsthafte Folgen eintreten.
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smallie
Mädchen.



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 2189

Beitrag(#2086696) Verfasst am: 23.02.2017, 17:24    Titel: Antworten mit Zitat

fwo hat folgendes geschrieben:
@smallie
Irgendwie habe ich wohl meinen wesentlichen Gedanken nicht so richtig weitergegeben:
Der kulturelle Überbau, mit dem wir leben, ist so groß und mit hierarchischer Struktur, dass Du den wahrscheinlich nur bei Ausnahmekindern spielerisch vermitteln kannst.

Neuer Versuch:

du meinst also, weil wir in einer hierarchischen Gesellschaft leben, würde der egalitäre Jäger-und-Sammler-Ansatz zu Kindern führen, die in der Gesellschaft nicht sozialadäquat leben können?

Die Gefahr sehe ich eher nicht. O-Ton smalline zum Opa:
    Beim Papa bin ich die Bestimmerin, im Kindergarten bin ich nicht die Bestimmerin.

Diese Einstellung qualifiziert sie für einen Job bei VW. Ermm.




Zu den Ausnahmekindern hat Sylvia Serfaty kürzlich geschrieben:

Zitat:
So you don’t think of yourself as having a gift — you weren’t a prodigy.

No. We do a disservice to the profession by giving this image of little geniuses and prodigies. These Hollywood movies about scientists can be somewhat counterproductive, too. They are telling children that there are geniuses out there that do really cool stuff, and kids may think, “Oh, that’s not me.”

https://www.quantamagazine.org/20170221-mathematical-truth-sylvia-serfaty-interview/




fwo hat folgendes geschrieben:
Der brauch die Struktur auch schon in der Vermittlung - auch wenn ich davon ausgehe, dass die Pädagogik und Didaktik da noch nicht wirklich am Menschen angekommen ist.

Du sprichst von hierarchischer Struktur? Also etwas wie: "Du lernst jetzt das große Einmaleins, sonst..."?

Die denke eher, die Vermittlung muß echtes Interesse wecken, damit sie nachhaltig wirkt. Im Unterricht wird vorgegebener Stoff in vorgegebener Reihenfolge abgearbeitet. (Hoffentlich kein Klischee!?) Das kollidiert mit der Natur der menschlichen Neugier und Aufmerksamkeit, die eher sprunghaft ist.

Vergleiche:

Zitat:
F: Papa, was ist in den Zellen?
A: Zellflüssigkeit, Membranen, der Zellkern.
F: Was ist im Zellkern?
A: Atome.
F: Was ist in den Atomen?
A: Elektronen und Atomkerne.
F: Und was ist in den Atomkernen?
A: Protonen und Neutronen.
F: Und was ist in denen?
A: Quarks.
F: Und was ist in den Quarks?
A: Das weiß niemand.


mit:

Zitat:
Heute erzähle ich dir von den Protonen.

Letzteres hat einen hohen Gähn-Koeffizienten. Ist kein spielerisches Herangehen an die Sache. Außerdem ist mit nacktem Faktenwissen oder schriftlich dividieren heute nicht mehr viel gewonnen in Zeiten von Suchmaschinen oder Taschenrechnern.

Ich stelle mir eine gute Schule als etwas Dialogisches vor, bei dem man sich gemeinsam gerade auftauchenden Fragen nähert, anstatt mit einer vorgefertigten Antwort in die Tür zu fallen. Oft genug werden Kinderfragen so tief gehen, daß auch der Lehrer nur mit Nachschlagen eine Antwort findet.

So sollte Schule aussehen. Ich werde nicht die Luft anhalten, bis es soweit ist.
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Quinn (the Eskimo)
registrierter User



Anmeldungsdatum: 16.02.2017
Beiträge: 12
Wohnort: Duisburg; Isny

Beitrag(#2086710) Verfasst am: 23.02.2017, 19:19    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Ich stelle mir eine gute Schule als etwas Dialogisches vor, bei dem man sich gemeinsam gerade auftauchenden Fragen nähert, anstatt mit einer vorgefertigten Antwort in die Tür zu fallen. Oft genug werden Kinderfragen so tief gehen, daß auch der Lehrer nur mit Nachschlagen eine Antwort findet.

So sollte Schule aussehen. Ich werde nicht die Luft anhalten, bis es soweit ist.


Lernen II
Hallo, da bin ich noch mal, um den Beitrag von gestern etwas abzurunden.
Der entscheidende Haken ist erreicht durch die Kontamination von Lernen durch die Schule, weil sie als Sozialisationsinstanz auf die Normierung menschlichen Verhalten hin organisiert ist; Schüler können sich drehen und wenden, sooft sie wollen: sie bekommen Schule als Kontrollinstanz zu Gesicht. Das baut nicht unbedingt Eigeninitiative auf. Deutlicher noch: Das provoziert das sog. defensive Lernen; Lernen nämlich nicht aufgrund des Interesses an einem Gegenstand, sondern Lernen als Bedrohungsabwehr (Lieber Vokabeln lernen, sonst exponiert einen der Französischlehrer wieder; besser die binomischen Formeln irgendwie in die Birne, sonst ist Mutter nach der Klassenarbeit enttäuscht: „Was soll noch mal aus dir werden?“ u. ä. m.), als eine Art Palisadenzaun (auf dem Tisch Goethe, darunter sms).
Dem defensiven Lernen entgegengesetzt wäre das sog. expansive Lernen, im Zuge dessen der Lerner der Herr über das Verfahren wäre, indem er es wäre, er „seine“ Probleme aufwerfen, seine Fragen stellen könnte, da ja (vgl. oben) nur er wissen kann, was er als nächstes „braucht“.
Schließlich noch ein paar Bemerkungen zur Methodik. Dem expansiven Lernen entspricht die antwortsuchende Frage, deren Kennzeichen es ist, dass sie nur mein Gegenüber beantworten kann, nach dem Muster: „Wie bist du auf diese Lösung gekommen?“ resp. „Was möchtest du als nächstes tun? Warum?“ – Dieses Verhalten wäre geeignet, die Youngster in der Formulierung von Lernentscheidungen zu trainieren, was bedeuten würde, dass der Lerner sich immer besser kennenlernt, mithin verhaltenssicherer wird.
Dem defensiven Lernen hingegen entspricht die sog, vorauswissende Frage, die zur Bewertung, Sortierung, letztlich zur Installation von Herrschaftsstrukturen im Klassenraum dient. Sie ist bis zur Stunde offenbar nicht aus Klassenräumen zu verbannen. Das Muster ist ein Dreischritt: Lehrer initiiert („Wann war die Schlacht bei Cap Finisterre?“ – Schülerin reagiert („1512?“) – Lehrer evaluiert („Falsch, fünf.“). Man kann das auch „Frage – Antwort – Note“ nennen. Das ist der Deutlichkeit halber sehr schematisch dargestellt, ist aber immer noch das beherrschende Szenarium (Ich nenne dies die Jaucherisierung des Unterrichts.
Der mehrfach erwähnte Holzkamp fordert, diese Methode als Kunstfehler (wie im Hospital ein unsterile Spritze) zu ächten. Und recht hat er: Die vorauswissende Frage gehört in dieselbe Abfalltonne wie die Noten.
Daran müssen alle Interessierten arbeiten, weil die hier angesprochenen Individuallösungen eben keine Lösungen sind (obwohl sie einem im Einzelfall das Herz erwärmen). Das wäre anstrengend, würde aber auf Dauer zwingend zu anderen gesellschaftlichen Verhältnissen führen.
Und das ist es doch, was wir alle wollen, oder?

Herzlich grüßt
Der Quinn

quote gerichtet. vrolijke
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fwo
hat offensichtlich gerade wenig zu tun



Anmeldungsdatum: 05.02.2008
Beiträge: 19051
Wohnort: nicht fest

Beitrag(#2086721) Verfasst am: 23.02.2017, 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
@smallie
Irgendwie habe ich wohl meinen wesentlichen Gedanken nicht so richtig weitergegeben:
Der kulturelle Überbau, mit dem wir leben, ist so groß und mit hierarchischer Struktur, dass Du den wahrscheinlich nur bei Ausnahmekindern spielerisch vermitteln kannst.

Neuer Versuch:

du meinst also, weil wir in einer hierarchischen Gesellschaft leben, würde der egalitäre Jäger-und-Sammler-Ansatz zu Kindern führen, die in der Gesellschaft nicht sozialadäquat leben können?

.....

Ähhh - lässt Du Dich jetzt auch schon von einzelnen Reizwörtern leiten, weil Du schon vorher weißt, was die andere Seite schreiben will?

Mit hierarchischer Stuktur meine ich, dass Du schon ungeheuer viel Vorwissen haben musst, um zum Beispiel die Frage nach einem Mitochondrium überhaupt stellen zu können und nochmehr, um die Antworten dazu zu verstehen.

Das Mitochondrium war jetzt ein willkürliches Beispiel aus meinem Arbeitgebiet, ich hätte auch das Bruttosozialprodukt oder den Risikostrukturausgleich der Krankenkassen als Beispiel nehmen können. Oder eine Risc-Architektur. oder oder oder

Dass man einen fragend entwicklenden Unterricht vorbereiten kann, genauso, wie man die Fragen aus der Schülerschaft aufgreifen kann (setzt aber voraus, dass die überhaupt welche stellen, ist eine ganz andere Sache.
_________________
Ich glaube an die Existenz der Welt in der ich lebe.

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smallie
Mädchen.



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 2189

Beitrag(#2086805) Verfasst am: 24.02.2017, 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

fwo hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
@smallie
Irgendwie habe ich wohl meinen wesentlichen Gedanken nicht so richtig weitergegeben:
Der kulturelle Überbau, mit dem wir leben, ist so groß und mit hierarchischer Struktur, dass Du den wahrscheinlich nur bei Ausnahmekindern spielerisch vermitteln kannst.

Neuer Versuch:

du meinst also, weil wir in einer hierarchischen Gesellschaft leben, würde der egalitäre Jäger-und-Sammler-Ansatz zu Kindern führen, die in der Gesellschaft nicht sozialadäquat leben können?

.....

Ähhh - lässt Du Dich jetzt auch schon von einzelnen Reizwörtern leiten, weil Du schon vorher weißt, was die andere Seite schreiben will?

Erwischt. Immerhin habe ich noch den Anstand, nachzufragen, bevor ich lospoltere. zwinkern


fwo hat folgendes geschrieben:
Mit hierarchischer Stuktur meine ich, dass Du schon ungeheuer viel Vorwissen haben musst, um zum Beispiel die Frage nach einem Mitochondrium überhaupt stellen zu können und nochmehr, um die Antworten dazu zu verstehen.

Also war meine erste Auslegung doch richtig? Du meinst, weil es so viel zu lernen gibt, kann es kein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Eltern und Kind mehr geben?

Du gehst die Sache aus einem zu akademischen Blickwinkel an. Hier mein Vorschlag, wie man Mitochondrien schultauglich darstellt. Dazu muß ich ein bisschen ausholen.


Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:
Dazu ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, dass niemand den Blick auf den ganzen Kuchen des möglichen Wissens haben kann; jeder Einzelne „sieht“ immer nur den ihm zugewandten Teil der Torte. Das heißt: Der Blick aufs Ganze ist uns verstellt, aber wir können (und sollten) versuchen, ein immer größeres Stück Torte zu erkennen.

Auf akademischen Niveau stimmt das, da kann niemand mehr den Blick auf's Ganze über alle Fächer hinweg behalten. Sogar innerhalb eines Faches weiß der Ameisenkundler Dinge, die der Vogelkundler nicht weiß und umgekehrt. Auf Schulniveau sieht das anders aus, hier ist der Überblick noch möglich.

Big History - ich würde das mit Universalgeschichte übersetzen, ist ein Ansatz, der Wissen in den großen Zusammenhang der Weltgeschichte stellt. Vom Urknall über die Entstehung der Erde und des Lebens auf ihr, über die Entstehung von intelligentem Leben, Bewußtsein, und Kultur bis hin zur Frage, was das für's Menschsein bedeutet.

Die Idee hat inzwischen den Weg ins populäre gefunden. Bill Brysons "Kurze Geschichte von Allem" drehts sich doch darum? - Hab's nicht gelesen. Oder dies als Kinderbuch:

Zitat:
Peter Goes: "Vom Urknall bis heute"

Nicht weniger als die Geschichte der Welt erzählt der Illustrator Peter Goes: Vom Urknall bis in die Gegenwart verpackt er sie in beeindruckende Wimmelbilder, die in den Bann ziehen. Die Textpassagen fallen dagegen überraschend ab.

http://www.deutschlandradiokultur.de/peter-goes-vom-urknall-bis-heute-zeitreise-in.1270.de.html?dram:article_id=357816


Soviel als Anregung für einen Lehrplan mit 30% mehr Sinn.

Zurück zu fwo:


fwo hat folgendes geschrieben:
Das Mitochondrium war jetzt ein willkürliches Beispiel aus meinem Arbeitgebiet, ich hätte auch das Bruttosozialprodukt oder den Risikostrukturausgleich der Krankenkassen als Beispiel nehmen können. Oder eine Risc-Architektur. oder oder oder

Unterschätze das Mitochondrium nicht. In der Universalgeschichte kommt ihm ein tragende Rolle zu.

Hier die Geschichte des Lebens auf der Erde, zusammengefasst in vier Buchstaben, wobei ein Buchstabe für eine Milliarde Jahre steht:

    BCCC


Soll bedeuten: eine Milliarde Jahre lang gab es nur einfache Bakterien und Archaen. Danach gab es auch Blaualgen, Cyanobakterien - mit Mitochondrien - und die haben unseren Planeten erst zu dem gemacht, was er heute ist. Das Kambrium und folgende Zeitalter sind in dieser Auflösung nicht darstellbar. zwinkern

Diese B/C-Zäsur läßt sich auch Grundschülern vermitteln. Denke ich.






PS:

Hier schließt sich ein interessantes philosophisches Problem an: ab wann weiß ich - oder ein Schüler -, was Mitochondrien sind?

Zum Beispiel weiß ich zum Stichwort sexuelle Fortpflanzung: das Erbgut des Zellkern stammt von Mutter und Vater, das Mitochondrium nur von der Mutter. Außerdem sind die Mitochondrien die Kraftwerke der Zellen. ATP. Adenintriphosphat oder war es Adenotriphosphat? *räusper* Darüber hinaus weiß ich nichts.

Weiß ich jetzt, was Mitochondrien sind? Meh. Weiß es der Schüler, der das im Unterricht gelernt hat, dafür eine 1 erhält, aber trotzdem nicht mehr von der Sache versteht, als ich? Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?
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sehr gut
im Hamsterrad



Anmeldungsdatum: 05.08.2007
Beiträge: 9835

Beitrag(#2086810) Verfasst am: 24.02.2017, 22:47    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Außerdem sind die Mitochondrien die Kraftwerke der Zellen. ATP. Adenintriphosphat oder war es Adenotriphosphat? *räusper* Darüber hinaus weiß ich nichts.

Adenosintriphosphat? (nicht gegoogelt)
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fwo
hat offensichtlich gerade wenig zu tun



Anmeldungsdatum: 05.02.2008
Beiträge: 19051
Wohnort: nicht fest

Beitrag(#2086843) Verfasst am: 25.02.2017, 05:48    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
....
Zum Beispiel weiß ich zum Stichwort sexuelle Fortpflanzung: das Erbgut des Zellkern stammt von Mutter und Vater, das Mitochondrium nur von der Mutter. Außerdem sind die Mitochondrien die Kraftwerke der Zellen. ATP. Adenintriphosphat oder war es Adenotriphosphat? *räusper* Darüber hinaus weiß ich nichts.

Weiß ich jetzt, was Mitochondrien sind? Meh. Weiß es der Schüler, der das im Unterricht gelernt hat, dafür eine 1 erhält, aber trotzdem nicht mehr von der Sache versteht, als ich? Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?

Also bevor ein Kind die Frage nach Mitochondrien stellen kann, muss es zuerst wissen, dass es eine belebte Welt und eine unbelebte Welt gibt. Dann muss es lernen, dass die belebte Welt in Zellen aufgebaut sind und dass diese Zelle alle relativ ähnlich sind.

Jetzt sagst Du , dass die Mitochondrien Kraftwerke sind, aber was sind Kraftwerke? Vom Phospahtsäurecyclus rede ich noch gar nicht, ich rede von dem Vorwissen, das Du brauchst, um nur das Bild Kraftwerk zu verstehen. Und ich möchte eigentlich, dass die Kinder verstehen und nicht auswendig lernen.

Um mal ein Beispiel aus der Praxis zu bringen: Mein Älterer sollte am Anfang der Oberstufe einen Vortrag über irgendeine Ecke des innerzellulären Stoffwechsels halten. Der Bursche ist neugierig und auch nicht doof und war mit Begeisterung dabei. Das erste war natürlich: "Papa, komm mal her. Du hast doch Lehrbücher .... "
Habe ich natürlich noch, wenn auch schon etwas älter. Sein Stichwort war auch nicht im Index, das hieß damals noch anders. Ich habe ihm dann die Stichwörter gegeben, unter denen er suchen muss, und ihn damit erstmal allein gelassen.

Nach ein paar Stunden habe ich mir dann angesehen, wie weit er gekommen war, und er war so weit, dass er fast geheult hätte: Meine altern Schwarten hatten ihm natürlich nicht gereicht, deshalb war er ins Internet gegangen. Was er immerhin schon von mir angenommen hat: Bei so einer Suche von Wikipedia auszugehen. Er hatte da inzwischen fürchterlich viel Biochemie auf zwei Bildschirmen dargestellt, von der er anfing zu ahnen, dass er das bis zum nächsten Montag nicht verstehen würde. Ich habe ihm dann ein nicht ganz dünnes Buch "Reaktionsmechanismen der organischen Chemie auf den Tisch gelegt, das die organische Chemie auf der Ebene der Bindungselektronen abhandelt und habe ihn dann mit der Bemerkung, dass er das durchgearbeitet haben müsste, wenn er nur die Chance haben wollte, das zu verstehen, völlig zerstört.

Danach habe ich mich noch ca 2 h mit ihm unterhalten, um ihm zu erklären, dass das verständnis, was er bis Montag erlangen könne, nur auf der Bildebene (Kraftwerk u.Ä.) sei, und das bereits das für einen Schüler relativ heftig sei (gut, er war Einserkandidat).

Du kannst also bei diesem Informationsangebot auch richtig neugierige Kinder nicht einfach loslaufen lassen, wie der Lehrer es hier gemacht hatte, weil Du bereits einen ordentlichen Überblick brauchst, um nur die Ebene zu beschränken, in der Du noch verstehst.
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Ahriman
boshafter Spötter



Anmeldungsdatum: 31.03.2006
Beiträge: 14801
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Beitrag(#2086864) Verfasst am: 25.02.2017, 12:30    Titel: Antworten mit Zitat

Smallie hat folgendes geschrieben:
Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?
Will sie das überhaupt?
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fwo
hat offensichtlich gerade wenig zu tun



Anmeldungsdatum: 05.02.2008
Beiträge: 19051
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Beitrag(#2086870) Verfasst am: 25.02.2017, 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Smallie hat folgendes geschrieben:
Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?
Will sie das überhaupt?

Vom Anspruch her schon, aber es ist sehr stark personenabhängig, ob sie es überhaupt kann.
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AdvocatusDiaboli
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Anmeldungsdatum: 12.08.2003
Beiträge: 20975
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Beitrag(#2086876) Verfasst am: 25.02.2017, 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

fwo hat folgendes geschrieben:
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Smallie hat folgendes geschrieben:
Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?
Will sie das überhaupt?

Vom Anspruch her schon, aber es ist sehr stark personenabhängig, ob sie es überhaupt kann.


Wird in den Schulen heutzutage eigentlich das Lernen gelernt? Ich habe das in meiner Schulzeit vermisst. Ich war an zwei verschiedenen Gymnasien in NRW und Bayern. Kein Lehrer hat je darüber gesprochen WIE man den Stoff lernt, der einem da vorgesetzt wurde.
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astarte
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Beiträge: 36813

Beitrag(#2086882) Verfasst am: 25.02.2017, 14:27    Titel: Antworten mit Zitat

AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Smallie hat folgendes geschrieben:
Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?
Will sie das überhaupt?

Vom Anspruch her schon, aber es ist sehr stark personenabhängig, ob sie es überhaupt kann.


Wird in den Schulen heutzutage eigentlich das Lernen gelernt? Ich habe das in meiner Schulzeit vermisst. Ich war an zwei verschiedenen Gymnasien in NRW und Bayern. Kein Lehrer hat je darüber gesprochen WIE man den Stoff lernt, der einem da vorgesetzt wurde.

Mein Sohn hatte ich glaube sogar in der Fünften das Fach "Lernen lernen".
Fand er doof.
Vielleicht war das zu früh.
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vrolijke
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Anmeldungsdatum: 15.03.2007
Beiträge: 30916
Wohnort: Stuttgart

Beitrag(#2086896) Verfasst am: 25.02.2017, 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

astarte hat folgendes geschrieben:
AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Smallie hat folgendes geschrieben:
Ist Schule in der Lage, zwischen Auswendiggelerntem und Verstandenem zu unterscheiden?
Will sie das überhaupt?

Vom Anspruch her schon, aber es ist sehr stark personenabhängig, ob sie es überhaupt kann.


Wird in den Schulen heutzutage eigentlich das Lernen gelernt? Ich habe das in meiner Schulzeit vermisst. Ich war an zwei verschiedenen Gymnasien in NRW und Bayern. Kein Lehrer hat je darüber gesprochen WIE man den Stoff lernt, der einem da vorgesetzt wurde.

Mein Sohn hatte ich glaube sogar in der Fünften das Fach "Lernen lernen".
Fand er doof.
Vielleicht war das zu früh.

Hätte es das bei mir gegeben, wer weiß was aus mir geworden wäre. zwinkern
In der Schule war ich nicht der Hellste. Ich habe aber auch mehr "die Zeit abgesessen".
Eines Tages hatten wir mal ein Referendar (ich hoffe, ich habe die richtige Bezeichnung benutzt), der uns in eine stunde eine "Schaafbank" (keine Ahnung wie das ding auf Deutsch heißt. Übersetzt heißt das "Hobelbank". Bei Hobelbank kommen aber nur Holzverarbeitende Maschinen) erklärte.
So sieht das aus:

Damit werden mittels einen Meißel, Metalwerkstücken "gehobelt".

Nach der Stunde bekamen wir darüber eine Klausur.
Meine Klassenkameraden hatten nur Bahnhof verstanden, und brachten kaum was zur Papier.
Ich hatte die maximale Punktzahl.

Der Typ hat wohl genau meine "Lernader" getroffen.
Leider war dies eine sehr seltene Erfahrung bei mir.
Wahrscheinlich hätte mir das Fach "Lernen lernen" viel bringen können.
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astarte
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Beitrag(#2086898) Verfasst am: 25.02.2017, 16:39    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:

Hätte es das bei mir gegeben, wer weiß was aus mir geworden wäre. zwinkern
In der Schule war ich nicht der Hellste. Ich habe aber auch mehr "die Zeit abgesessen".
Eines Tages hatten wir mal ein Referendar (ich hoffe, ich habe die richtige Bezeichnung benutzt), der uns in eine stunde eine "Schaafbank" (keine Ahnung wie das ding auf Deutsch heißt. Übersetzt heißt das "Hobelbank". Bei Hobelbank kommen aber nur Holzverarbeitende Maschinen) erklärte.
So sieht das aus:

Damit werden mittels einen Meißel, Metalwerkstücken "gehobelt".

Nach der Stunde bekamen wir darüber eine Klausur.
Meine Klassenkameraden hatten nur Bahnhof verstanden, und brachten kaum was zur Papier.
Ich hatte die maximale Punktzahl.

Der Typ hat wohl genau meine "Lernader" getroffen.
Leider war dies eine sehr seltene Erfahrung bei mir.
Wahrscheinlich hätte mir das Fach "Lernen lernen" viel bringen können.

Nee, das war eher theoretisch. Was du beschreibst, ist eher eine sehr anschauliche Art des Lehrens.

Den Kindern sollten Lerntechniken vermittelt werden, wie man sich den Lernstoff zB Vokabeln besser merken kann.

Ich denke aber bei deinem Beispiel auch, den Lehrern sollte man eher das Lehren besser beibringen, als den Kindern Tricks, sich den schlecht präsentierten Lehrstoff dennoch anzueignen.
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vrolijke
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Beitrag(#2086901) Verfasst am: 25.02.2017, 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

astarte hat folgendes geschrieben:

Nee, das war eher theoretisch. Was du beschreibst, ist eher eine sehr anschauliche Art des Lehrens.

Den Kindern sollten Lerntechniken vermittelt werden, wie man sich den Lernstoff zB Vokabeln besser merken kann.

Ich denke aber bei deinem Beispiel auch, den Lehrern sollte man eher das Lehren besser beibringen, als den Kindern Tricks, sich den schlecht präsentierten Lehrstoff dennoch anzueignen.


Es gibt auch gewisse "Tricks", womit man Sachen besser merken kann.
Manchmal kommt man selber drauf*, aber es wäre schon nützlich das manchmal gezeigt zu bekommen.

* Neben unsere Toilette ist ein Duschvorhang mit 12 Katzen drauf.
Ich habe von Anfang an versucht, die verschiedene Katzen auswendig zu lernen.
Wochenlang ist mir dies nicht gelungen... bis ich drauf gekommen bin, sie in gleichartige Gruppen einzuteilen.
Ich habe einmal draufgeschaut, und ich hatte sie "drinn"!
3 schwarze: Waterloo, Elektrik und Psycho
2 mit Kinder: Mammy und Babysitter
2 die was anhaben: Boxer und Mylady
2 "normale": Single und Tiger
2 die sich umdrehen: Boss und Cheese
1 ganz bunten: Gay
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Ahriman
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Beitrag(#2087000) Verfasst am: 26.02.2017, 13:22    Titel: Antworten mit Zitat

Die fragliche Maschine hieß in der Maschinenfabrik, in der ich mal arbeitete, "der Shepping". Leicht zu erraten, daß das "Shaping" heißen sollte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Fmaschine
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vrolijke
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Beitrag(#2087006) Verfasst am: 26.02.2017, 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Die fragliche Maschine hieß in der Maschinenfabrik, in der ich mal arbeitete, "der Shepping". Leicht zu erraten, daß das "Shaping" heißen sollte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Fmaschine


Auf Deutsch heiß die Stoßmaschine. Da wäre ich nie draufgekommen. Nicht mal der, (meistens guter) Übersetzer www.uitmuntend.de hats gewußt.
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Ahriman
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Beitrag(#2087035) Verfasst am: 26.02.2017, 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Die fragliche Maschine hieß in der Maschinenfabrik, in der ich mal arbeitete, "der Shepping". Leicht zu erraten, daß das "Shaping" heißen sollte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Fmaschine


Auf Deutsch heiß die Stoßmaschine. Da wäre ich nie draufgekommen. Nicht mal der, (meistens guter) Übersetzer www.uitmuntend.de hats gewußt.

Die Fachleute für die "spanabhebende Verformung" in Deutschland nennen den Vorgang, da das Werkzeug sich über dem Material bewegt "stoßen". Wird aber das Material unter dem fest angebrachten Werkzeug bewegt, nennen sie es "hobeln". Das sieht dann so aus:

An haargenau so einem Ding hab ich mal gearbeitet.
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Quinn (the Eskimo)
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Beitrag(#2087063) Verfasst am: 26.02.2017, 20:30    Titel: Lernen:? Antworten mit Zitat

Hi,
mir ist nicht ganz klar, worüber hier diskutiert wird:
Geht es um Erinnerungen an die eigene Schulzeit?
Die mehr oder weniger schlüssigen Erläuterungen diverser Verfahren in verschiedenen Disziplinen, mithin um die methodische Kompetenz von Lehrer oder Lehrerin?
Die Tricks, wie man als Schüler/in mit schulischen Zumutungen umgehen kann?
Die Möglichkeiten, die Eltern haben, ihr Kind dem System zu entziehen?
Die Frage, ob Menschen vor ewigen Zeiten genauso gelernt haben wie Menschen heutzutage; also um das Menschenbild?

Ich finde alle diese Ansätze (und mehr) total interessant. Der Haken ist m. E. nur, dass, wenn man glaubt, aus (vermutlichen) Abläufen und Verhaltensweisen im Neolithikum Schlüsse auf das heute notwendige, sinnvolle, organisierte und/oder verlangte Lernen ziehen zu können, daraus andere Schlussfolgerungen gezogen werden müssten, als wenn man annähme, der Mensch ändere sich im Laufe der Jahrtausende.

Um daran anzuknüpfen: Ich ziehe ein historisches Menschenbild vor, dem zu Grunde liegt, dass alles geworden ist (sich entwickelt hat). Das zieht allerdings sofort das Problem nach sich, dass sich die Lerninhalte zügig verändern. Wenn dann aber die Institution, in der
die menschliche Tätigkeit (Lernen) organisiert wird, sich immer noch in der Logik von vor 200 Jahren bewegt, haben wir ein Problem. Und diesem Problem kommen wir nicht durch Verhaltensweisen bei, die den Schulzirkus augenzwinkernd akzeptieren, weil wir dann den gegebenen Rahmen staatlich organisierter Lernorganisation (man kann auch sagen: Untertanenproduktion) nicht verlassen resp. überschreiten/ändern. Daran hat keine Schulbehörde ein Interesse.

Wichtig wäre mir noch anzudeuten, dass ich mich natürlich auch auf die Seite meiner Tochter gestellt habe, wenn es "gegen das System" ging; aber: s. o. Das hat Spaß gemacht, aber nix geändert.

Also wäre für mich eine mögliche Spezifizierung des Themas spannend: Schule muss radikal (an die Wurzel gehend) geändert werden, wenn wir die Youngster nicht in ihr verrotten lassen wollen.

Ich bin gespannt.

Lieben Gruß an euch alle von

Quinn (the Eskimo)
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vrolijke
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Beitrag(#2087072) Verfasst am: 26.02.2017, 21:22    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:
Hi,
mir ist nicht ganz klar, worüber hier diskutiert wird:
Geht es um Erinnerungen an die eigene Schulzeit?
Die mehr oder weniger schlüssigen Erläuterungen diverser Verfahren in verschiedenen Disziplinen, mithin um die methodische Kompetenz von Lehrer oder Lehrerin?
Die Tricks, wie man als Schüler/in mit schulischen Zumutungen umgehen kann?
Die Möglichkeiten, die Eltern haben, ihr Kind dem System zu entziehen?
Die Frage, ob Menschen vor ewigen Zeiten genauso gelernt haben wie Menschen heutzutage; also um das Menschenbild?

Ich finde alle diese Ansätze (und mehr) total interessant. Der Haken ist m. E. nur, dass, wenn man glaubt, aus (vermutlichen) Abläufen und Verhaltensweisen im Neolithikum Schlüsse auf das heute notwendige, sinnvolle, organisierte und/oder verlangte Lernen ziehen zu können, daraus andere Schlussfolgerungen gezogen werden müssten, als wenn man annähme, der Mensch ändere sich im Laufe der Jahrtausende.

Um daran anzuknüpfen: Ich ziehe ein historisches Menschenbild vor, dem zu Grunde liegt, dass alles geworden ist (sich entwickelt hat). Das zieht allerdings sofort das Problem nach sich, dass sich die Lerninhalte zügig verändern. Wenn dann aber die Institution, in der
die menschliche Tätigkeit (Lernen) organisiert wird, sich immer noch in der Logik von vor 200 Jahren bewegt, haben wir ein Problem. Und diesem Problem kommen wir nicht durch Verhaltensweisen bei, die den Schulzirkus augenzwinkernd akzeptieren, weil wir dann den gegebenen Rahmen staatlich organisierter Lernorganisation (man kann auch sagen: Untertanenproduktion) nicht verlassen resp. überschreiten/ändern. Daran hat keine Schulbehörde ein Interesse.

Wichtig wäre mir noch anzudeuten, dass ich mich natürlich auch auf die Seite meiner Tochter gestellt habe, wenn es "gegen das System" ging; aber: s. o. Das hat Spaß gemacht, aber nix geändert.

Also wäre für mich eine mögliche Spezifizierung des Themas spannend: Schule muss radikal (an die Wurzel gehend) geändert werden, wenn wir die Youngster nicht in ihr verrotten lassen wollen.

Ich bin gespannt.

Lieben Gruß an euch alle von

Quinn (the Eskimo)

Die Intension des Threads wird meistens in den ersten Beitrag formuliert.
Im Laufe der Diskussion gibt es meistens Abweichungen in diverse Richtungen.
Um genaueres zu erfahren kommt man nicht drumm herum, den ganzen Thread zu lesen.
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Marcellinus
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Beitrag(#2087080) Verfasst am: 26.02.2017, 22:04    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:
Hi,
mir ist nicht ganz klar, worüber hier diskutiert wird:
[...]
Also wäre für mich eine mögliche Spezifizierung des Themas spannend: Schule muss radikal (an die Wurzel gehend) geändert werden, wenn wir die Youngster nicht in ihr verrotten lassen wollen.

Ich bin gespannt.

Lieben Gruß an euch alle von

Quinn (the Eskimo)


Hallo Quinn,

bis heute habe ich noch keine Debatte über Pädagogik oder Schule erlebt, die nicht nach kurzer Zeit entweder im Anekdotischen oder in Konfusion geendet ist, oder einer Mischung aus beidem. Schlimmer noch, meistens endeten sie dann nicht, sondern zogen sich hin, bis auch der Letzte den Tod der Langeweile gestorben war.

Warum das so ist, kann ich nicht abschließend sagen, vielleicht, weil jeder, der einmal eine Schule besucht hat, meint, auf diesem Gebiet ein Fachmann zu sein, vielleicht, weil dieses Thema von sich aus zu Illusion und Selbstbetrug einlädt.

Vielleicht sind aber auch einfach die Ansprüche falsch. Man kann nicht mit erwarten, mit dem Wissen von gestern und den Lehrern von heute für eine Welt von morgen vorzubereiten, von der noch keiner weiß, wie sie aussehen wird. Insofern bin ich nicht sicher, ob es möglich ist, dich hier und in einem solchen Thread zufriedenzustellen.
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"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."

Friedrich Nietzsche
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Quinn (the Eskimo)
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Beitrag(#2087086) Verfasst am: 26.02.2017, 22:44    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:
Hi,
mir ist nicht ganz klar, worüber hier diskutiert wird:
[...]
Also wäre für mich eine mögliche Spezifizierung des Themas spannend: Schule muss radikal (an die Wurzel gehend) geändert werden, wenn wir die Youngster nicht in ihr verrotten lassen wollen.

Ich bin gespannt.

Lieben Gruß an euch alle von

Quinn (the Eskimo)


Hallo Quinn,

bis heute habe ich noch keine Debatte über Pädagogik oder Schule erlebt, die nicht nach kurzer Zeit entweder im Anekdotischen oder in Konfusion geendet ist, oder einer Mischung aus beidem. Schlimmer noch, meistens endeten sie dann nicht, sondern zogen sich hin, bis auch der Letzte den Tod der Langeweile gestorben war.

Warum das so ist, kann ich nicht abschließend sagen, vielleicht, weil jeder, der einmal eine Schule besucht hat, meint, auf diesem Gebiet ein Fachmann zu sein, vielleicht, weil dieses Thema von sich aus zu Illusion und Selbstbetrug einlädt.

Vielleicht sind aber auch einfach die Ansprüche falsch. Man kann nicht mit erwarten, mit dem Wissen von gestern und den Lehrern von heute für eine Welt von morgen vorzubereiten, von der noch keiner weiß, wie sie aussehen wird. Insofern bin ich nicht sicher, ob es möglich ist, dich hier und in einem solchen Thread zufriedenzustellen.


Hi Marcellinus,

ich suche Mitstreiter (im besten Sinne des Wortes), aus zwei Gründen:
1. Es geht nicht an, dass ganze Jahrgänge von jungen Leuten den Zynikern in den Schulbehörden überlassen werden, weil
2. politisch/gesellschaftliche Veränderungen zeigen, dass den Jugendlichen zumindest in einem großen Teil ihrer Schulzeit vorenthalten wird, sich mit Denken anzufreunden.
Ich glaube, dass dein vorletzter Satz den Kern trifft. Das bedeutet für mich aber, dass wir den Schülerinnen und Schülern Unterstützung anbieten sollten. Die sollte m. E. darin bestehen, die pädagogische Praxis einem Update zu unterziehen, nämlich die Youngster zu den Hauptakteuren von Schule zu machen (Wissen von heute), damit sie zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern, die's wirklich begreifen, versuchen können, ihre/unsere Zukunft zu formen.
Und: Ich wäre nicht beleidigt, wenn deine Vermutung einträfe, nach der ich nicht zufriedenzustellen wäre. Schade wär's halt.

Liebe Grüße

Quinn
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Marcellinus
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Beitrag(#2087090) Verfasst am: 26.02.2017, 23:10    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:

... Und: Ich wäre nicht beleidigt, wenn deine Vermutung einträfe, nach der ich nicht zufriedenzustellen wäre. Schade wär's halt.


Dann muß man zuerst einmal schauen, worum es überhaupt geht:

1. Das Reden bzw. Schreiben über Schulen, wie sie sind, wie sie sein sollten; oder
2. Das Betreiben von Schulen bzw. das Handeln in Schulen, als Lehrer, als Schüler, als Schulbehörden, um nur mal die drei zu nennen.

Auf das zweite haben wir eigentlich keinen Einfluß. Das ist Schulpolitik und die ist in Deutschland ein hoffnungsloses Minenfeld als politischen Interessen auf quer über alle Ebenen, von den Kommunen über die Kreise bis zum jeweiligen Bundesland.

Dann ist da das beteiligte Personal, in Deutschland in verbeamteten oder quasiverbeamten Verhältnissen. Da bewegt sich nur etwas in Jahrzehnten.

Schließlich gibt es kaum ein Gebiet, auf dem es so sehr menschelt wie im Bereich von Schule, und auf dem es so wenige belastbare Tatsachen gibt. Gleichzeitig ist es schwer bis unmöglich, etwas Neues aufzubauen, aber ungeheuer leicht, etwas Funktionierendes zu zerstören, auch, aber nicht nur, weil es kaum Einigkeit darüber gibt, was das eigentlich ist: "etwas Funktionierendes".

Ich will dich weder beleidigen, noch enttäuschen; das brauche ich auch gar nicht, das schafft die Wirklichkeit ganz allein. zwinkern
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Pfirsich
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Beitrag(#2087374) Verfasst am: 28.02.2017, 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

Manchmal verläuft der Wandel in der Schulpolitik richtig schnell. Etwa wenn ein Wahlkampf ansteht.

Bayern kehrt zum G9 zurück.
Noch vor ein paar Monaten hat Kumi Spaenle kategorisch ausgeschlossen, dass das G9 flächendeckend wieder eingeführt wird.

Ein Kommentator des Merkur schrieb dazu, mit Schulpolitik ließen sich keine Wahlen gewinnen, wohl aber verlieren. Prominentes Beispiel sei der ehem. Ministerpräsident von Niedersachsen, McAllister.
Weiß jemand, was der bzw. sein Kultusminister da verbockt hat?
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Quinn (the Eskimo)
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Beitrag(#2087439) Verfasst am: 01.03.2017, 12:56    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:

... Und: Ich wäre nicht beleidigt, wenn deine Vermutung einträfe, nach der ich nicht zufriedenzustellen wäre. Schade wär's halt.


Dann muß man zuerst einmal schauen, worum es überhaupt geht:

1. Das Reden bzw. Schreiben über Schulen, wie sie sind, wie sie sein sollten; oder
2. Das Betreiben von Schulen bzw. das Handeln in Schulen, als Lehrer, als Schüler, als Schulbehörden, um nur mal die drei zu nennen.

Auf das zweite haben wir eigentlich keinen Einfluß. Das ist Schulpolitik und die ist in Deutschland ein hoffnungsloses Minenfeld als politischen Interessen auf quer über alle Ebenen, von den Kommunen über die Kreise bis zum jeweiligen Bundesland.

Dann ist da das beteiligte Personal, in Deutschland in verbeamteten oder quasiverbeamten Verhältnissen. Da bewegt sich nur etwas in Jahrzehnten.

Schließlich gibt es kaum ein Gebiet, auf dem es so sehr menschelt wie im Bereich von Schule, und auf dem es so wenige belastbare Tatsachen gibt. Gleichzeitig ist es schwer bis unmöglich, etwas Neues aufzubauen, aber ungeheuer leicht, etwas Funktionierendes zu zerstören, auch, aber nicht nur, weil es kaum Einigkeit darüber gibt, was das eigentlich ist: "etwas Funktionierendes".

Ich will dich weder beleidigen, noch enttäuschen; das brauche ich auch gar nicht, das schafft die Wirklichkeit ganz allein. zwinkern


Hallo Marcellinus,
warum so pessimistisch, gerade in so einem Forum, das doch in der Grundhaltung gegen einen ganz alten Hut, nämlich Religion und Kirche mit Deschner bewaffnet anrennt?
Der Philosoph, von dem ich am meisten gelernt habe (Ernst Bloch), hat mal gesagt: "Wird Wissen wiedergekäut, so ernährt es nur Ochsen. Die keine sind, suchen die Regel des Findens und folgen ihr dann." (Pädagogica, 31) Grandios, oder?
Es gäbe eine Menge Gründe, dieser Einsicht zu folgen. Allerdings ist sie nicht sehr verbreitet, wird geradezu verschwiegen: Dass nämlich, wollte sich diese Gesellschaft tatsächlich - wie du an anderer Stelle schreibst - einer emanzipierten Zukunft entgegen entwickeln, Schule grundsätzlich und radikal ausgemistet und im wohlverstandenen Sinne der Subjekte des Lernens, der Schülerinnen und Schüler nämlich, organisiert gehört. Davon ist nix zu sehen. Eher im Gegenteil: Wenn z. B. die NRW-Landesregierung verkündet, sie werde erhebliche Mittel in die Schulen Pumpen, klingt das gut. Wenn man aber weiß, dass die Mittel für Computer ausgegeben werden, wenn man dann vielleicht zudem weiß, wie der schulische Alltag im Umgang mit Computern abläuft, dann kann man sich schon mal fragen, wem außer den Herstellern der Rechner das Ganze zugute kommt.
In der Tat ist "Schule" ein schwieriges Gebiet, aber wieso lassen wir uns davon beeindrucken? Es gibt nämlich die von dir vermissten belastbaren Tatsachen, und zwar mengenweise. Wir müssten sie nur finden und zur Kenntnis nehmen wollen, um dann eine Lobby für die Youngster zu bilden, insbesondere vor Wahlen.
Interessant fände ich in diesem Zusammenhang in der Tat, mal genau und kühl zu gucken, was da eigentlich in den aktuellen Schulen "funktioniert"; da wird man nicht viel finden (wozu i. ü. die aktiven Lehrerinnen und Lehrer, obwohl m. E. falsch resp. unzureichend ausgebildet, nicht viel können).
Die Wirklichkeit (zu der wir beide doch wohl auch gehören, oder?) übrigens kann mich nicht enttäuschen. Ich bin allerdings seit mehreren Jahrzehnten immer wieder von den Socken, wie leichtfertig man die Youngster (und mit ihnen unsere Zukunft) dem irrationalen Gewese der zuständigen Politik überlässt. Ich bin jetzt 68, aber dazu bin ich nach wie vor nicht bereit.

Liebe Grüße!

Quinn (the Eskimo)
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Marcellinus
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Beitrag(#2087440) Verfasst am: 01.03.2017, 13:06    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:

Hallo Marcellinus,
warum so pessimistisch [...] ?


Erfahrung! Eher legt ein Schwein Eier, als daß es im Deutschland mit seinen 16 Duodezfürstentümern, deren Ehrgeiz im umgekehrten Verhältnis zu ihren Fähigkeiten steht, zusätzlich unter den Begrenzungen des Beamtenrechts, zu einer Bildungsreform kommt, die diesen Namen verdient. Das ist auch kein Pessimismus, sondern Realismus.
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Quinn (the Eskimo)
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Beitrag(#2087441) Verfasst am: 01.03.2017, 13:16    Titel: Antworten mit Zitat

Pfirsich hat folgendes geschrieben:
Manchmal verläuft der Wandel in der Schulpolitik richtig schnell. Etwa wenn ein Wahlkampf ansteht.

Bayern kehrt zum G9 zurück.
Noch vor ein paar Monaten hat Kumi Spaenle kategorisch ausgeschlossen, dass das G9 flächendeckend wieder eingeführt wird.

Ein Kommentator des Merkur schrieb dazu, mit Schulpolitik ließen sich keine Wahlen gewinnen, wohl aber verlieren. Prominentes Beispiel sei der ehem. Ministerpräsident von Niedersachsen, McAllister.
Weiß jemand, was der bzw. sein Kultusminister da verbockt hat?


Das ist relativ einfach: Seit einiger Zeit hat sich in Bayern (wie in NRW, BaWü und anderswo) Widerstand formiert, weil G8 die Schülerinnen und Schüler unter einen Druck setzt, der sie kaum noch atmen lässt, der ihr gesamtes Leben auf "Lernen" zuschneidet. "Lernen" deshalb in " ", weil es sich im Wesentlichen um sog. bulimisches Lernen handelt: Fakten in den Kopf, in der Klassenarbeit wieder ausspucken, fertig. Das nun wieder liegt daran, dass in G8 die Inhalte von G9 vermittelt werden sollen, also der Stoff von neun Jahren in acht. Das hat mit der berühmten Zukunftsfähigkeit so viel zu tun wie Kuh mit Handstand.
Wichtiger aber: Viele Jugendliche kennen kaum noch Leben außer der Schule. Darüber klagen i. Ü. Vereine, caritative Organisationen, Feuerwehr etc., denen der Nachwuchs fehlt. Auf der anderen Seite werden Tranquilizer, Aufputschmittel oder Ritalin etc. verordnet, um die jungen Menschen für ein Leben im Hamsterrad zu präparieren.
Das machen immer mehr nicht mehr mit, in den verschiedensten Bundesländern.

Liebe Grüße vom
Quinn

P.S.: Komme mir jetzt bitte keiner mit Enkel oder Nachbarstochter, die entspannt durchs G8 gesurft sind: Geschenkt!
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Quinn (the Eskimo)
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Beitrag(#2087442) Verfasst am: 01.03.2017, 13:25    Titel: Re: Lernen:? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:

Hallo Marcellinus,
warum so pessimistisch [...] ?


Erfahrung! Eher legt ein Schwein Eier, als daß es im Deutschland mit seinen 16 Duodezfürstentümern, deren Ehrgeiz im umgekehrten Verhältnis zu ihren Fähigkeiten steht, zusätzlich unter den Begrenzungen des Beamtenrechts, zu einer Bildungsreform kommt, die diesen Namen verdient. Das ist auch kein Pessimismus, sondern Realismus.


Solche Erfahrungen, auf die du anspielst, habe ich auch, mengenweise. Aber wir haben die Argumente. Diese, in die richtigen Hände gebracht, werden irgendwann Sprengkraft entwickeln, da bin ich mir mit Nietzsche (in deiner Signatur) einig.

Lieben Gruß (und in die Hände gespuckt)!

Quinn
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Pfirsich
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Beitrag(#2087446) Verfasst am: 01.03.2017, 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:
Pfirsich hat folgendes geschrieben:
Manchmal verläuft der Wandel in der Schulpolitik richtig schnell. Etwa wenn ein Wahlkampf ansteht.

Bayern kehrt zum G9 zurück.
Noch vor ein paar Monaten hat Kumi Spaenle kategorisch ausgeschlossen, dass das G9 flächendeckend wieder eingeführt wird.

Ein Kommentator des Merkur schrieb dazu, mit Schulpolitik ließen sich keine Wahlen gewinnen, wohl aber verlieren. Prominentes Beispiel sei der ehem. Ministerpräsident von Niedersachsen, McAllister.
Weiß jemand, was der bzw. sein Kultusminister da verbockt hat?


Das ist relativ einfach: Seit einiger Zeit hat sich in Bayern (wie in NRW, BaWü und anderswo) Widerstand formiert, weil G8 die Schülerinnen und Schüler unter einen Druck setzt, der sie kaum noch atmen lässt, der ihr gesamtes Leben auf "Lernen" zuschneidet. "Lernen" deshalb in " ", weil es sich im Wesentlichen um sog. bulimisches Lernen handelt: Fakten in den Kopf, in der Klassenarbeit wieder ausspucken, fertig. Das nun wieder liegt daran, dass in G8 die Inhalte von G9 vermittelt werden sollen, also der Stoff von neun Jahren in acht. Das hat mit der berühmten Zukunftsfähigkeit so viel zu tun wie Kuh mit Handstand.
Wichtiger aber: Viele Jugendliche kennen kaum noch Leben außer der Schule. Darüber klagen i. Ü. Vereine, caritative Organisationen, Feuerwehr etc., denen der Nachwuchs fehlt. Auf der anderen Seite werden Tranquilizer, Aufputschmittel oder Ritalin etc. verordnet, um die jungen Menschen für ein Leben im Hamsterrad zu präparieren.
Das machen immer mehr nicht mehr mit, in den verschiedensten Bundesländern.

Liebe Grüße vom
Quinn

P.S.: Komme mir jetzt bitte keiner mit Enkel oder Nachbarstochter, die entspannt durchs G8 gesurft sind: Geschenkt!


Herzlichen Dank, Quinn the Eskimo!

Als ich mich, u. a. wegen des bayerischen Schulsystems, gegen Kinder entschied, war ich 16 und das G8 noch nicht einmal ein Gedanke.
Aber ich habe nicht gewusst, dass man in Niedersachsen auch so [...] war wie die hohle Frau Meier (Monika Hohlmeier, Qualifikation: Strauß-Tochter). Die wiederum ist der Hauptgrund, weshalb ich keinesfalls auf Europaebene CSU wählen werde.

Edit: Soviel ich mich erinnere, ging es der Partei, die bei uns immer Recht hat, gar nicht um die SchülerInnen selber (Zukunftsfähigkeit), sondern um einen möglichst frühen Zugriff der "Wirtschaft" auf selbige.
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Quinn (the Eskimo)
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Beitrag(#2087449) Verfasst am: 01.03.2017, 15:52    Titel: Antworten mit Zitat

Pfirsich hat folgendes geschrieben:
Quinn (the Eskimo) hat folgendes geschrieben:
Pfirsich hat folgendes geschrieben:
Manchmal verläuft der Wandel in der Schulpolitik richtig schnell. Etwa wenn ein Wahlkampf ansteht.

Bayern kehrt zum G9 zurück.
Noch vor ein paar Monaten hat Kumi Spaenle kategorisch ausgeschlossen, dass das G9 flächendeckend wieder eingeführt wird.

Ein Kommentator des Merkur schrieb dazu, mit Schulpolitik ließen sich keine Wahlen gewinnen, wohl aber verlieren. Prominentes Beispiel sei der ehem. Ministerpräsident von Niedersachsen, McAllister.
Weiß jemand, was der bzw. sein Kultusminister da verbockt hat?


Das ist relativ einfach: Seit einiger Zeit hat sich in Bayern (wie in NRW, BaWü und anderswo) Widerstand formiert, weil G8 die Schülerinnen und Schüler unter einen Druck setzt, der sie kaum noch atmen lässt, der ihr gesamtes Leben auf "Lernen" zuschneidet. "Lernen" deshalb in " ", weil es sich im Wesentlichen um sog. bulimisches Lernen handelt: Fakten in den Kopf, in der Klassenarbeit wieder ausspucken, fertig. Das nun wieder liegt daran, dass in G8 die Inhalte von G9 vermittelt werden sollen, also der Stoff von neun Jahren in acht. Das hat mit der berühmten Zukunftsfähigkeit so viel zu tun wie Kuh mit Handstand.
Wichtiger aber: Viele Jugendliche kennen kaum noch Leben außer der Schule. Darüber klagen i. Ü. Vereine, caritative Organisationen, Feuerwehr etc., denen der Nachwuchs fehlt. Auf der anderen Seite werden Tranquilizer, Aufputschmittel oder Ritalin etc. verordnet, um die jungen Menschen für ein Leben im Hamsterrad zu präparieren.
Das machen immer mehr nicht mehr mit, in den verschiedensten Bundesländern.

Liebe Grüße vom
Quinn

P.S.: Komme mir jetzt bitte keiner mit Enkel oder Nachbarstochter, die entspannt durchs G8 gesurft sind: Geschenkt!


Herzlichen Dank, Quinn the Eskimo!

Als ich mich, u. a. wegen des bayerischen Schulsystems, gegen Kinder entschied, war ich 16 und das G8 noch nicht einmal ein Gedanke.
Aber ich habe nicht gewusst, dass man in Niedersachsen auch so [...] war wie die hohle Frau Meier (Monika Hohlmeier, Qualifikation: Strauß-Tochter). Die wiederum ist der Hauptgrund, weshalb ich keinesfalls auf Europaebene CSU wählen werde.

Edit: Soviel ich mich erinnere, ging es der Partei, die bei uns immer Recht hat, gar nicht um die SchülerInnen selber (Zukunftsfähigkeit), sondern um einen möglichst frühen Zugriff der "Wirtschaft" auf selbige.
...
... und das ist genau, was mich in den Zorn treibt: "Zukunftsfähigkeit"? Man muss sich nur Folgendes vor Augen halten:
1. Das Entwicklungstempo der unterschiedlichsten Bereiche; mein erstes Mobiltelefon z. B. war noch begehbar.
2. Woher soll demzufolge irgendjemand wissen, welche Kenntnisse man braucht, um nach einem Schulabschluss die nächsten 40 Jahre zu absolvieren?
3. Veränderungen in der Schule wirken nach 6 - 8 Jahren; Wahlperioden dauern 4 - 5 Jahre.
Allein schon da passt nix zusammen.

Mach's gut!

Quinn
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Beiträge: 12
Wohnort: Duisburg; Isny

Beitrag(#2087450) Verfasst am: 01.03.2017, 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo pfirsich,

du kannst auch mal in den Link gucken:

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/gymnasium-niedersachsen-plant-rueckkehr-zu-g9-a-954574.html

LG

Quinn
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