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Urheberrecht
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sehr gut
im Hamsterrad



Anmeldungsdatum: 05.08.2007
Beiträge: 10142

Beitrag(#1763928) Verfasst am: 01.07.2012, 12:58    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Zudem stellt der Bauer das Nahrungsmittel ja (meist) nicht innovativ her, sondern er reproduziert es selbst nur.

...da ihm der innovative Teil von Saatgutfirmen verboten wird
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 20193
Wohnort: Germering

Beitrag(#1763930) Verfasst am: 01.07.2012, 13:08    Titel: Antworten mit Zitat

sehr gut hat folgendes geschrieben:
step hat folgendes geschrieben:
Zudem stellt der Bauer das Nahrungsmittel ja (meist) nicht innovativ her, sondern er reproduziert es selbst nur.
... da ihm der innovative Teil von Saatgutfirmen verboten wird

Die allerwenigsten Landwirte würden - selbst wenn sie vertraglich ungebunden wären - gen-, dünge- oder nutzfahrzeugtechnische Innovationsforschung betreiben - allein schon aufgrund des dazu notwendigen Spezialisierungswissens. Klassische Züchtung vielleicht.
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Was ist der Sinn des Lebens? - Keiner, aber Leere ist Fülle für den, der sie sieht.
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fwo
hat offensichtlich gerade wenig zu tun



Anmeldungsdatum: 05.02.2008
Beiträge: 20035
Wohnort: nicht fest

Beitrag(#1763932) Verfasst am: 01.07.2012, 13:24    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
sehr gut hat folgendes geschrieben:
step hat folgendes geschrieben:
Zudem stellt der Bauer das Nahrungsmittel ja (meist) nicht innovativ her, sondern er reproduziert es selbst nur.
... da ihm der innovative Teil von Saatgutfirmen verboten wird

Die allerwenigsten Landwirte würden - selbst wenn sie vertraglich ungebunden wären - gen-, dünge- oder nutzfahrzeugtechnische Innovationsforschung betreiben - allein schon aufgrund des dazu notwendigen Spezialisierungswissens. Klassische Züchtung vielleicht.

Da hat sehr gut wahrscheinlich etwas anderes schreiben wollen: Neuzüchtungen (Innovation) kann nicht verboten werden. Was die Saatgutfirmen verbieten, ist die Nachzucht, also Vermehrung ihrer geschützten Sorten.

Das machen einige Bauern durchaus, wie man jetzt z.B. an der Kartoffel Linda sehen kann, die auf dem Markt angeboten wird und dann wahrscheinlich aus eigener Vermehrung stammt - der Sortenschutz ist hier abgelaufen.

fwo
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Ich glaube an die Existenz der Welt in der ich lebe.

The skills you use to produce the right answer are exactly the same skills you use to evaluate the answer.

Es gibt keinen Gott. Also: Jesus war nur ein Bankert und alle Propheten hatten einfach einen an der Waffel.
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 20193
Wohnort: Germering

Beitrag(#1763934) Verfasst am: 01.07.2012, 13:31    Titel: Antworten mit Zitat

OK, ja so stimme ich zu. Auswüchse wie die knebelartige Lieferung von resistentem aber einjährigem Saatgut finde ich ethisch falsch, hat allerdings wenig mit Urheberrecht zu tun.
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wuffi
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Anmeldungsdatum: 23.12.2009
Beiträge: 1256

Beitrag(#1764148) Verfasst am: 02.07.2012, 17:46    Titel: Antworten mit Zitat

Die Machenschaften der GEMA , sehr interessant , einiges wusste ich auch nicht : http://www.neotrax.de/business-und-web-news/2275-gema-verklagt-musikpiraten-e-v-wegen-nutzung-eines-creative-commons-songs/#post25451
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Shadaik
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 26309
Wohnort: MG

Beitrag(#1764305) Verfasst am: 03.07.2012, 13:26    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Das Urheberrecht bei Literatur, Musik, Film u.ä. kommt mE vor allem den Verlagen und nicht den Künstlern zugute. Ich bin dafür, hier ganz ohne Urheberrecht für private Nutzung auszukommen. Nur kommerzielle Nutzer des geistigen Erzeugnisses, z.B. Verlage, Zeitungen, Kinos, müßtem dem Autor weiterhin etwas zahlen. Der Autor lebt entweder freiberuflich von Aufträgen, Honoraren für Erstveröffentlichungen u.ä., oder er ist gleich angestellt bei einem Verlag.
Was ein Blödsinn.

Fangen wir mal damit an, dass zumindest in der Schriftstellerei keineswegs die Verlage die Großverdiener sind, sondern der Buchhandel, speziell die Großhändler (die Buchhändler vor Ort in der regel wiederum nicht).
Dein Modell ist weitgehend undurchdacht: Wenn die private Nutzung (was immer das sein soll) kostenlos ist, woher genau erhalten die Verlage dann das Geld, mit dem sie die Künstler bezahlen sollen?

Dein restliches Post geht von einer Art Arbeitnehmerverhältnis von Kreativen und Forschern aus - das aber besteht in der Regel nicht, der weitaus größte Teil dieser Leute sind in irgendeiner Form Freischaffende, bestenfalls mit befristeten Verträgen. Die Ausnahme sind die Mitarbeiter in den großen R&D-Abteilungen der Industrieunternehmen. Die aber werden auch nur so lange beschäftigt, wie sich mit ihren Entwicklungen Geld verdienen lässt.
Und das ist dann der Sinn des Patentrechts: Es soll dafür sorgen, dass sich Neu- und Weiterentwicklung wirtschaftlich lohnen und diese somit fördern.

Dass das nicht immer so wie gewollt funktioniert ist dann nochmal eine andere Frage, deren Lösung aber mE nicht die Abschaffung dieser Rechtskonstrukte sein kann.
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Fische schwimmen nur in zwei Situationen mit dem Strom: Auf der Flucht und im Tode
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step
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Beitrag(#1764323) Verfasst am: 03.07.2012, 15:14    Titel: Antworten mit Zitat

Shadaik hat folgendes geschrieben:
Wenn die private Nutzung (was immer das sein soll) kostenlos ist, woher genau erhalten die Verlage dann das Geld, mit dem sie die Künstler bezahlen sollen?

Z.B. von Sponsoren. Natürlich können die Sponsoren auch gleich die Künstler selbst bezahlen, z.B. wenn diese schon bekannt sind.

Shadaik hat folgendes geschrieben:
Dein restliches Post geht von einer Art Arbeitnehmerverhältnis von Kreativen und Forschern aus - das aber besteht in der Regel nicht, der weitaus größte Teil dieser Leute sind in irgendeiner Form Freischaffende, bestenfalls mit befristeten Verträgen. Die Ausnahme sind die Mitarbeiter in den großen R&D-Abteilungen der Industrieunternehmen. Die aber werden auch nur so lange beschäftigt, wie sich mit ihren Entwicklungen Geld verdienen lässt.

Trotzdem sind sie mW der Großteil, jedenfalls bei den Forschern.

Shadaik hat folgendes geschrieben:
Und das ist dann der Sinn des Patentrechts: Es soll dafür sorgen, dass sich Neu- und Weiterentwicklung wirtschaftlich lohnen und diese somit fördern.

Moment mal, das hatte ich doch geschrieben.
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Shadaik
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Beiträge: 26309
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Beitrag(#1764327) Verfasst am: 03.07.2012, 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Shadaik hat folgendes geschrieben:
Wenn die private Nutzung (was immer das sein soll) kostenlos ist, woher genau erhalten die Verlage dann das Geld, mit dem sie die Künstler bezahlen sollen?

Z.B. von Sponsoren. Natürlich können die Sponsoren auch gleich die Künstler selbst bezahlen, z.B. wenn diese schon bekannt sind.

Joa, weil's beim restlichen Kulturbetrieb so toll funktioniert. Unseren Theatern und Opern geht es ja bekanntlich blendend, die brauchen nicht einen Cent vom Staat oder ähnliches. Mit den Augen rollen

Zitat:
Shadaik hat folgendes geschrieben:
Dein restliches Post geht von einer Art Arbeitnehmerverhältnis von Kreativen und Forschern aus - das aber besteht in der Regel nicht, der weitaus größte Teil dieser Leute sind in irgendeiner Form Freischaffende, bestenfalls mit befristeten Verträgen. Die Ausnahme sind die Mitarbeiter in den großen R&D-Abteilungen der Industrieunternehmen. Die aber werden auch nur so lange beschäftigt, wie sich mit ihren Entwicklungen Geld verdienen lässt.

Trotzdem sind sie mW der Großteil, jedenfalls bei den Forschern.

IN einzelnen Forschungsfeldern, die sich direkt wirtschaftlich auswerten lassen (Chemie, Medizin, Ingenieurswissenschaften), ja.

Zitat:
Shadaik hat folgendes geschrieben:
Und das ist dann der Sinn des Patentrechts: Es soll dafür sorgen, dass sich Neu- und Weiterentwicklung wirtschaftlich lohnen und diese somit fördern.

Moment mal, das hatte ich doch geschrieben.
Um so weniger verstehe ich deine Position.
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Beitrag(#1764339) Verfasst am: 03.07.2012, 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Shadaik hat folgendes geschrieben:
Unseren Theatern und Opern geht es ja bekanntlich blendend, die brauchen nicht einen Cent vom Staat oder ähnliches.

Ja, hier ist der Staat der Sponsor. Die (normalen) Schauspieler und Musiker verdienen nur wenig am Urheberrecht (vielleicht wenn sie mal ne CD aufnehmen), aber hauptsächlich an ihrem subventionierten Gehalt. Es ist sogar so, daß die Urheberrechtsgebühren z.B. für Notenmaterial für kleinere Orchester einen erheblichen Ausgabeposten darstellen. Ich kenne Orchester, die zahlen deutlich mehr an die Gema als sie selbst Einnahmen darüber haben. Das Geld landet bei den Notenverlagen oder auch bei Erben von Komponisten.
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satsche
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Beiträge: 2086
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Beitrag(#1764392) Verfasst am: 03.07.2012, 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Diskussionsbeitrag eines „Realo-Piraten“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/urheberrecht-ich-bin-mitglied-der-gema-na-und-11806056.html
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Shadaik
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 26309
Wohnort: MG

Beitrag(#1764458) Verfasst am: 04.07.2012, 10:14    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Shadaik hat folgendes geschrieben:
Unseren Theatern und Opern geht es ja bekanntlich blendend, die brauchen nicht einen Cent vom Staat oder ähnliches.

Ja, hier ist der Staat der Sponsor. Die (normalen) Schauspieler und Musiker verdienen nur wenig am Urheberrecht (vielleicht wenn sie mal ne CD aufnehmen), aber hauptsächlich an ihrem subventionierten Gehalt. Es ist sogar so, daß die Urheberrechtsgebühren z.B. für Notenmaterial für kleinere Orchester einen erheblichen Ausgabeposten darstellen. Ich kenne Orchester, die zahlen deutlich mehr an die Gema als sie selbst Einnahmen darüber haben. Das Geld landet bei den Notenverlagen oder auch bei Erben von Komponisten.
Bei diesem Beispiel ging es mir nicht um Urheberrecht, sondern um die Frage, ob die Finanzierung von Künstlern aus Spenden u.ä. realistisch bzw. sinnvoll ist.
Das sehe ich nicht.
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14005
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#1764595) Verfasst am: 05.07.2012, 04:37    Titel: Antworten mit Zitat

Wieder mal ein freies Assoziieren:

(1)
satsche hat folgendes geschrieben:
Ein Diskussionsbeitrag eines „Realo-Piraten“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/urheberrecht-ich-bin-mitglied-der-gema-na-und-11806056.html


Um es vorauszuschicken: Ich bin auch für eine Kompromißposition, die beispielsweise "übliche" Nutzungsmuster und Entgeltungsinteressen berücksichtigt, und eine Kulturflatrate könnte ja dazu beitragen.

Ich sehe aber auch in dem Beitrag noch Widersprüche: Erstmal heißt "normal" nicht unbedingt "Bagatellisierung", sondern man hält fest, daß es ein bestimmtes Nutzungsmuster oder Verhalten gibt, das heutzutage weithin üblich ist. In dem Falle natürlich auch, daß man es nicht kriminalisieren will.

Zweitens sieht der Autor dort vor, daß privates Hochladen weiterhin verboten bleiben müsse. Nur, wenn sowieso alles der KFR unterfallen würde, also entweder der Urheber/Verbreiter es frei stellen würde oder es von ihm so eingestellt würde, daß er vergütet würde, wäre es nicht sogar irrelevant, aus welcher Quelle genau man es bezieht - bei Torrents wird eine Datei beispielsweise aus vielen verschiedenen Quellen für ein und dieselbe Datei zusammengefügt, im Prinzip könnte man also auch Teildownloads von legalen Servern erfassen - oder zumindest über statistische Auswertungen einen Gewichtungsschlüssel g vorsehen und die Inhalte dann mit einer Gewichtung (1+g) in die Vergütung mit aufnehmen?

Und bliebe nicht, wenn man die KFR den Urhebern/Verbreitern nur als eine weitere Möglichkeit zur Verfügung stellen würde, ihre Inhalte zu verbreiten, also man sich doch wieder entscheiden könnte, die Inhalte selbst zu vermarkten o.ä., die Situation weiterhin eher wie gehabt? (Im Prinzip könnte es natürlich Modellversuche u.ä. geben, mit denen Daten gewonnen und eine Akzeptanz geschaffen werden könnte.)


(2) Übrigens ist heute das ACTA-Abkommen vom europäischen Parlament abgelehnt worden. Als Gründe dafür werden auch die Proteste dagegen angesehen (- wobei allerdings in anderen Fällen Regelungen trotz Massenprotesten dagegen durchgesetzt wurden) (Link). Indessen wird die Intransparenz der Verhandlungen angeführt (Link), aber es ist zumindest zu argwöhnen, daß das ohne die Proteste weniger Leute gestört hätte (siehe 2010: da wurde es angeblich überwiegend positiv beurteilt, Link) Schulterzucken.

In Bezug auf ACTA kommen aber auch Argumente, die irgendwie widersprüchlich zu sein scheinen. Da wurde einerseits aus Befürwortersicht behauptet, daß man ohne dieses Abkommen Markenrechtsverletzungen, Produktfälschungen usw. nicht verfolgen könne (so meint CDU-Mann Daniel Caspary, der natürlich für ACTA war, Link), einem also praktisch die Hände gebunden wären. Andererseits aber hörte man auch, daß das Abkommen ja gar nicht über die deutschen Regelungen hinausgehen würde (so z.B. Leutheusser-Schnarrenberger in dem Spiegel-Link, daß ACTA ja i.d.S. keine neuen Regelungen nach sich ziehen müßte) -- also in dem Sinne für die Deutschen gar keine Problematik bestehen würde. Nur, wenn es auch keinen Zusatznutzen bieten würde, warum dann eigentlich verabschieden (Link):


(3) Es sind nämlich gerade die Länder, aus denen mutmaßlich viele Produktfälschungen kommen, dem Abkommen gar nicht beigetreten, während es in den Ländern, die beigetreten sind, offenbar Regelungen gibt, die vielleicht nicht harmonisiert, aber offenbar effektiv genug sind, daß Samsung sein Gerät nicht vermarkten konnte, mit dem Apple "Verwechslungsgefahr" sah (weil es viereckig ist, man es in der Hand halten kann, es einen Touchscreen gibt usw.), und so fort. Und ich weiß nicht einmal unbedingt, ob der Verbrauer sich so über alles freut: Wer 5000 Euro für eine Rolex oder 1000 Euro für eine Tasche von Chopard ausgibt, erwartet wahrscheinlich, daß das Produkt auch echt und keine "billige Kopie aus Fernost" ist*. Nur was macht der Verbrauer, der an dem Nimbus zwar teilhaben und auch ein bißchen angeben möchte, ... Schulterzucken. Sind also einige Regelungen nicht am Ende sogar überscharf, bzw. sollte man nicht das Geschäft von dem Nimbus trennen dürfen, es nicht z.B. am Ende möglich sein dürfen, Produkte herzustellen, die im Prinzip gleich aussehen wie das Originalprodukt, aber eben auch Merkmale haben, die eine Verwechselungsgefahr beim Verkauf ausschließen, - wie dies beispielsweise auch bei Gemälden möglich ist? Oder denke ich da zu kurz, und geht der Nimbus nicht sowieso aus, weil ja auch die Freundinnen am Kaffeekränzchen googeln und recht schnell feststellen können, daß die neue Handtasche von Tante Meta kein 1000 Euro teures Original, sondern ein 25 Euro teures Mitbringsel aus dem Ägyptenurlaub ist, wenn etwa innen kein Etikett mit einem auf der Homepage des Originalherstellers überprüfbaren Code oder Hologramm prangt?

_____________
(* = Wobei, noch ein Gedanke: Könnte es nicht womöglich sein, daß in einer Fabrik in Bangladesh die Arbeiterin A das Originalprodukt herstellt, die Arbeiterin B am Nebentisch zum selben Lohn eine "billige Kopie"?)
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"Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"

Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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Critic
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14005
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#1919872) Verfasst am: 02.05.2014, 23:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe dies hier ein bißchen vor mir hergeschoben, wollte aber nochmal einen Radiobericht zum Thema Urheberrecht kommentieren. Ich habe das mal so als Ideenskizze relativ schnell zusammengetippt Am Kopf kratzen:


(1) Anläßlich eines in Paris veranstalteten Kulturforums unterschrieben "50 Kulturschaffende einen Appell zum 'Schutz der Kultur in Europa'". Als Beteiligte werden unter anderem die Musiker Björn Ulvaeus und Jean-Michel Jarre genannt, Aussagen von ihnen kolportiert, die "ganze, junge Generation" glaube, "alles im Internet sei kostenlos" et cetera (Link).


(2) Das hat mich dennoch ein bißchen stutzig gemacht, denn gerade Ulvaeus und Jarre dürften mit ihren Produkten gerade keine Geldsorgen haben. Letztlich ergibt sich ja die Frage, wessen Interessen da letztlich ausbezahlt werden: "Nützt das (bestehende System) wirklich dem kleinen Sänger?"

Auf die Schnelle: Ulvaeus soll laut einer Zeitschrift "People with money" aktuell der bestverdienende Sänger der Welt sein, und er soll sich auch in den letzten Jahren deutlich gesteigert haben (Link) (wobei in der auf die Schnelle ergoogelten Mitteilung nicht steht, wieviel von den 48 Millionen US-$, die er von März 2013 bis März 2014 verdient haben soll, genau auf Verkäufe von "Abba" zurückgeht). Und auch Jarre dürfte bisher nicht schlecht verdient haben (Link).

Insofern habe ich mich erstmal - unwillkürlich - an andere Beiträge erinnert: Die Unterhaltungsindustrie beschwerte sich schon in den 70er Jahren, als die Cliquen untereinander auf dem Schulhof Schallplatten herumreichten und auf Kassette kopierten, oder man - boshafterweise - Musik aus dem Radio mitschnitt, sie würde zugrundegehen, bald am Hungertuch nagen: "die Zuwachsrate" bei den Plattenverkäufen sei auch damals schon im Zurückgehen begriffen gewesen (Link) - um die These zu rechtfertigen, ging man dann schon in die zweite Ableitung, noch während man jedes Jahr immer mehr verdiente, beklagte man sich. (Und ein paar Jahre später kam natürlich die CD, und die Leute haben ihre analogen Datenträger durch digitale ersetzt, was ein dickes Umsatz-Plus bescherte.)

Andererseits dachte ich dabei an eine Folge der Serie "South Park", mit meiner Erinnerung nach folgender Handlung: Die Pennäler laden sich unbezahlt einen Song runter, und noch während der Download läuft, stürmt schon ein SWAT-Team die Bude, sie werden einkassiert und zu der luxuriösen Residenz gebracht, die sich der Sänger gebaut hat. Dieser heult ihnen dort vor, daß er doch so gerne noch ein zweites massiv goldenes Badezimmer hätte und die Leute, die sich seine Songs runterlüden, ohne zu bezahlen, ihm diesen Traum kaputtmachen würden.

Handelt es sich dabei also doch um ein "Jammern auf hohem Niveau"?


(3) Es kann natürlich auch sein, daß die Herren nicht gerade viel Geld für sich behalten, sich als Philanthropen betätigen oder andere Künstler fördern wollen, müßte man ggf. nochmal nachrecherchieren. Man wird auch sagen, daß ein Ladendieb, der im Supermarkt irgendwas klaut, sich kaum damit verteidigen könne, daß der Laden ja wohl immer noch genug Umsätze mache (wobei sich eine Datei von einem physikalischen Tonträger wieder insofern unterscheidet, daß das Original ja noch vorhanden ist; und es gibt ja auch die These, daß viele von denen, die sich das so besorgen, womöglich nicht als Kunde ausfallen, weil sie das Stück sowieso nicht gekauft hätten).


Man kann auch argumentieren, daß nur ein geringer Anteil der Musikproduktionen, Filme etc. überhaupt Gewinn abwirft, und dieser Anteil das Gros der Produktionen mittragen müsse, die vielleicht gerade so oder nicht einmal ihre Produktionskosten wieder einbringen. Allerdings sehe ich aus den - auf die Schnelle geholten - Zahlen auch keinen Trend, daß die Anzahl Neuerscheinungen geringer geworden sei - sondern die gegenteilige Entwicklung (Link).


(4) Bei Künstlern dürfte es indessen nicht anders sein: Ein kleiner Anteil verkauft sich "wie geschnitten Brot", ein gewisser Anteil kommt gerade so zurecht, und Viele müßten eigentlich noch Geld mitbringen. Und auch wer als Musiker (oder auch in verwandten Berufen, wie Schauspieler oder gemeinhin Künstler) tätig ist, tut das wohl auch mit einem ziemlichen Idealismus - mit einem anderen Job könnten diejenigen mehr Geld verdienen, womöglich mit weniger Arbeit. (Ich habe auch auf die Schnelle schon Diskussionsbeiträge gefunden, worin Musiker vorrechneten, daß eigentlich noch Geld mitbringen müßten, so wie ihre Gigs vergütet würden und so weiter.)

Und an dieser Situation würde sich qualitativ vielleicht auch mit einer "Weiterentwicklung" (sprich: härteren Durchsetzung/Verschärfung) von "Urheberrechten" nichts ändern:

Bei Youtube hat man ja oft den politisch gemeinten Vermerk, daß der Inhalt nicht gezeigt werden könne, weil die liebe Gema den Youtubern zuviel pro Klick kassieren wolle. Andererseits könnte man vielleicht überspitzt auch behaupten, daß wer nicht bekannt ist, zwar nicht kopiert, aber eben auch nicht gekauft wird. (Wobei es natürlich für den kleinen Krauter schon ein Unterschied ist, ob er 200 oder 400 Euro mit Verkäufen verdient.)

Und auch "Modelle fürs Internet", die es bisher so gibt, bringen noch nicht so richtig weiter: ein Verkauf bei Amazon soll zwar dem Künstler zumindest noch in der Größenordnung eines CD-Verkaufs bringen - was ja schon als prekär kritisiert wird -, aber die Verdienste bei Streaming und ähnlichem doch eher kläglich seien (Link). Auch die Musiker äußern weiterhin Kritik, wonach Andere im Gegenteil doch ganz gut an ihrer Arbeit verdienten (Link), kann es also sogar sein, daß selbst wer sich gut verkauft, erstmal nichts verdient, weil die Produktionsfirma erstmal ihre Kosten wieder einbringen will.


(Vielleicht ergibt sich daraus so mein erster Impuls, daß es bei diesem Manifest natürlich _zumindest auch_ um das eigene Einkommen geht. Man könnte weitergehend aber die These äußern, daß ja gerade diejenigen, die in dem System gut verdienen, nicht unbedingt an wirklichen Veränderungen interessiert seien.)


(5) Daraus ergeben sich aber andere Fragen: Kann man irgendwas tun, um einen "fairen Ausgleich" zu erreichen, der alle Interessen berücksichtigt?

Was läßt sich an "alternativen Modellen" denken? Einerseits schon genannt wurde ja eine "Kulturflatrate", also ein Topf, der erstmal unabhängig vom eigentlichen Konsum bereits schon für die "technische Möglichkeit" kassiert würde. Dafür gibt es ja andere Vergleichsfälle, etwa die "Haushaltsabgabe"/Fernsehgebühr, oder auch (echte) Internet-Flatrates, die ja unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch erhoben werden und bei denen natürlich derjenige, der seinen Internetanschluß nur für Emails oder den Fernsehapparat nur für die Tagesschau benutzt, denjenigen quasi "quersubventioniert", der während seiner ganzen wachen Zeit online ist oder sechs Stunden am Tag ÖR-Fernsehen aushält.

Oder auch ein "(Künstler-)Grundeinkommen", ... . ...
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Martin Mitchell
„schwer (um)erziehbarer“ Senior anderer Kultur



Anmeldungsdatum: 25.09.2003
Beiträge: 1357
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Beitrag(#2103819) Verfasst am: 08.08.2017, 04:52    Titel: Documenta 14 - bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Antworten mit Zitat

.
vrolijke hat folgendes geschrieben:
Despiteful hat folgendes geschrieben:
Schöner Bericht. Coole Sache, das... Und Fotos hast Du keine weil Du Dein Tablet im Rucksack abgeben musstest? Oder weils so geregnet hat? Auf den Arm nehmen


Doch; habe ich. Zusammen haben wir fast 80 Bilder gemacht.
Ich war so sehr mit meinen Text beschäftigt, dass ich glatt vergessen habe, ein paar Bilder hier dazu zu posten.
Bilder mache ich nicht mit dem Tablet. das ist mir zu unhandlich. Die mache ich mit dem Smartphone. Das macht ganz passable Fotos.
Schau mal:

[ Dem folgen einige Privatfotos, von Kunstwerken aufgenommen von »vrolijke« ]
.


OFF-TOPIC--- aber, trotzdem, möglicherweise sehr wichtig für den ein oder anderen hier …

Bin immer bereit anderen zu helfen (auch denjenigen, die mir persönlich weniger entgegenkommend sind).

Kurzer Auszug aus einem sehr, sehr langen Artikel:


Zitat:
.
Fotos mit urheberrechtlich geschützten Werken

Auch finden sich oftmals Bilder mit urheberrechtlich geschützten Gegenständen. Das können Handtaschen, Gemälde oder Designersofas sein. Hier gilt auch: Werden diese Gegenstände als „unwesentliches“ Beiwerk (§ 57 UrhG) abgelichtet und verwertet, verstoßen Sie nicht gegen das Urheberrecht. Wird ein solcher Gegenstand aber wieder so in den Vordergrund gestellt, dass er nicht bloß als unwesentliches Beiwerk zu betrachten ist, verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder Schutzrechte anderer, die diesen vom Urheber eingeräumt wurden. Der Schutz des Urhebers ist weiter als der eines Markeninhabers. Hierbei kommt es nämlich nicht darauf an, dass Sie als Wettbewerber handeln. Es reicht schon für eine Verletzung aus, dass Sie das Fotomaterial nicht bloß zu privaten Zwecken nutzen. Nur eine wirklich private Nutzung – also für das Fotoalbum oder eine Dia-Show im Freundeskreis ist urheberrechtlich nicht zu beanstanden.
.

QUELLE: http://www.aufrecht.de/beitraege-unserer-anwaelte/urheberrecht/fotografie-und-recht-was-darf-ich-fotografieren-und-was-nicht.html

WEITERE WICHTIGE QUELLE ZU DIESEM "OFF-TOPIC" THEMA: http://www.ksta.de/ratgeber/finanzen/recht/urheberrecht-warum-fotos-vom-eiffelturm-teuer-werden-koennen-22390310

UND SIEHE AUCH @ http://www.zeit.de/kultur/kunst/2012-06/urheberrecht-kunst
Gefunden @ Link
mit folgendem Suchstrang: "Urheberrecht"+"Fotografien"+"Kunstwerken"+"Verbreitung"

.

Überbreiten Link gekürzt. astarte
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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GESCHIEHT VIELFACH BEIDES NICHT.
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vrolijke
Bekennender Pantheist
Moderator



Anmeldungsdatum: 15.03.2007
Beiträge: 31738
Wohnort: Stuttgart

Beitrag(#2103833) Verfasst am: 08.08.2017, 08:55    Titel: Antworten mit Zitat

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/fotografieren-im-museum-wir-im-copyright-dschungel-14357053.html

Zitat:
Private könnten zum Beispiel versuchen, sich auf zulässigen Privatgebrauch zu stützen oder die Aktualitätsausnahme in Anspruch nehmen. Diese sagt, dass es gestattet ist, ohne Genehmigung urheberrechtlich geschützte Werke zu verwenden, wenn man über ein aktuelles Ereignis berichtet.
Bevor es soziale Medien gab, konnten sich eigentlich nur Medienhäuser auf diese Ausnahme stützen. Aber mit den heutigen technischen Möglichkeiten, ist jeder in der Lage, über aktuelle Ereignisse zu berichten. Wieso sollte sich dann nicht auch jeder auf die Aktualitätsausnahme berufen dürfen?


Zitat:
Als Leitschnur würde ich das kommerzielle Interesse nehmen. Lädt man etwas hoch, um damit direkt oder indirekt Geld zu verdienen, ist es eher nicht erlaubt. Ansonsten schon.

_________________
Glück ist kein Geschenk der Götter; es ist die Frucht der inneren Einstellung.
Erich Fromm

Sich stets als unschuldiges Opfer äußerer Umstände oder anderer Menschen anzusehen ist die perfekte Strategie für lebenslanges Unglücklichsein.

Grenzen geben einem die Illusion, das Böse kommt von draußen
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