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Schuld, Sühne und die ungeheuerliche Kraft zur Vergebung
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placebo
Forumsleichenbestatter



Anmeldungsdatum: 04.01.2009
Beiträge: 729
Wohnort: umdieecke

Beitrag(#2114573) Verfasst am: 18.11.2017, 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

zelig hat folgendes geschrieben:
Wir hatten das Thema mal hier.

http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=1274276#1274276

Zitat:
"Versöhnung ist möglich bei Alltagsvorgängen. Im Bereich Kriminalität lässt sich auch noch ein Handtaschendiebstahl verzeihen. Wenn aber darüber hinaus von Versöhnung gesprochen wird, kommt das häufig einer erneuten Verunglimpfung oder Kränkung des Opfers gleich", sagt Seidler.

Professor Günter Seidler hält wenig von dem populären "Täter-Opfer-Ausgleich". Er warnt vielmehr vor den weitreichenden Folgen von schweren Schamverletzungen sowohl bei militärischen Konflikten als auch in scheinbar friedlichen Alltagssituationen in unserer Gesellschaft. Seidler: "Vor einer Versöhnung steht erst einmal der Hass. Nach einer sehr hassvollen Phase kann es sehr selten so etwas wie vergessendes Versöhnen geben. Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein, dass Versöhnung ein sehr seltenes Ereignis ist."



Es ist ja keine Versöhnung in diesem Sinne gemeint das man auf den Täter zugeht und sagt "alles wieder o.k."

Es ist eine Aussöhnung mit dem eigenen Ego,indem innerlich verzichtet wird auf beständige Hass und Rachegefühle.

Deswegen schreibt sie ja so schön das man einen solchen Brief an den Täter NICHT abschicken soll!!!
Sodern nur schreiben und für sich aufbewahren.

Ja und Professorenmeinungen gibt es in Hülle und Fülle die sind auch nicht schlauer,
das läßt mich kalt.
Wie sang Wolf Biermann auf seiner LP Chausseestraße 131:

Was haben wir dann an denen verloren
an diesen deutschen Professoren.
Die auch so manches besser wüßten
wenn sie nicht täglich fressen müßten.
Beamte,feige,fett und platt
die hab ich satt!
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Mit den Meinungen ist es wie mit den Arschlöchern.
Jeder hat sein eigenes!
Den Sozialismus in seinem Lauf,
hält weder Ochs noch Esel auf!
Erich Honecker
Post coitum omne animal triste est, sive gallus et mulier.
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beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, Postfeminist



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 36243
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2114577) Verfasst am: 18.11.2017, 20:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin der Auffassung, dass es Leuten wie mir, die nicht ermessen können in welcher Hölle die Überlebenden der Vernichtungslager überleben mussten, nicht zusteht auch nur in irgendeiner Weise darüber zu urteilen wie sie mit dem, was ihnen angetan wurde, umgehen. Zu unmenschlich und brutal waren die Zustände beispielsweise in Auschwitz. Da kann ich noch so vielen Berichten von überlebenden Lagerinsassen zuhören, die Ereignisse dort werden immer meine Vorstellungskraft sprengen.

Deshalb habe ich mir angewöhnt solchen Menschen einfach nur zuzuhören und die Klappe zu halten, vielleicht kann ich von denen ja was lernen. Und insbesondere enthalte ich mich jeden Urteils darueber und jeglicher schlauen tiefenpsychologischer Erklärung dafür wie sie ganz persoehnlich für sich mit ihren Erinnerungen an diese Zeit umgehen. Ob sie hassen oder vergeben ist letztendlich deren Sache und ich kann das jeweils lediglich zur Kenntnis nehmen. Ein Urteil steht höchstens anderen überlebenden Lagerinsassen zu, weil nur die wirklich wissen können wovon sie reden.


Ich empfehle eine solche Haltung auch anderen meiner Mitmenschen, insbesondere solchen, bei denen das schlimmste Leid, was ihnen je zugefügt wurde, vielleicht die Verwendung eines falschen Pronomens in einem Nebensatz ist.
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placebo
Forumsleichenbestatter



Anmeldungsdatum: 04.01.2009
Beiträge: 729
Wohnort: umdieecke

Beitrag(#2114581) Verfasst am: 18.11.2017, 21:09    Titel: Antworten mit Zitat

beachbernie hat folgendes geschrieben:
...................Da kann ich noch so vielen Berichten von überlebenden Lagerinsassen zuhören, die Ereignisse dort werden immer meine Vorstellungskraft sprengen.
.............

Würde ich spontan auch mal ja sagen,obwohl genauer betrachtet doch auch die Vorstellungskraft der Menschen sich gewaltig unterscheiden kann.

Aber mit deiner Schlussfolgereung und Empfehlung bin ich nicht einverstanden.
Fast jeder Mensch hat schon mal Leid erfahren,viele auch extremes.

Ab welcher Stufe der Leiden darf man dann mitreden,oder schlimmer noch,versuchen mitzufühlen und oder mitzuleiden??

Darf man ganz banal gesagt erst über Treppensturz reden wenn man selbt mal runtergefallen ist?
Nein,leuchtet mir nicht ein.
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beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, Postfeminist



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 36243
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2114583) Verfasst am: 18.11.2017, 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

placebo hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:
...................Da kann ich noch so vielen Berichten von überlebenden Lagerinsassen zuhören, die Ereignisse dort werden immer meine Vorstellungskraft sprengen.
.............

Würde ich spontan auch mal ja sagen,obwohl genauer betrachtet doch auch die Vorstellungskraft der Menschen sich grob unterscheiden kann.

Aber mit deiner Schlussfolgereung und Empfehlung bin ich nicht einverstanden.
Fast jeder Mensch hat schon mal Leid erfahren,viele auch extremes.

Ab welcher Stufe der Leiden darf man dann mitreden,oder schlimmer noch,versuchen mitzufühlen und oder mitzuleiden??

Darf man ganz banal gesagt erst über Treppensturz reden wenn man selbt mal runtergefallen ist?
Nein,leuchtet mir nicht ein.



Auch ohne gleich eine ganze Rangfolge des Leidens aufzustellen kann man zu dem Schluss kommen, dass das, was in Lagern wie Auschwitz passiert ist, jedes menschliche Mass sprengt und deshalb nicht mit anderen Verbrechen vergleichbar ist.

Oder, um es mal anhand eines Extrembeispiels zu erklären:

In Auschwitz gab es nach Berichten Überlebender Lagerinsassen, die als Helfer in den Gaskammern und an den Krematorien arbeiteten. Da kam es auch schon mal vor, dass sie selbst Mithaeftlinge, die das Gas ueberlebt hatten, mit einer Schaufel erschlugen.

Können wir uns auch nur irgendein Urteil über diese Menschen und das, was sie getan haben um zu überleben, erlauben? Ich kann diese Menschen weder verurteilen noch freisprechen, weil ich die Situation, aus der heraus sie taten, was sie taten, überhaupt nicht verstehen kann. Ich kann überhaupt nicht wissen, was permanente Todesangst, systematische Dehumanisierung, ständige Misshandlungen und die dauernde Präsenz des Todes aus Menschen machen, bzw. sie tun oder nicht tun lassen kann. Jedes Urteil Nichtbetroffener wäre hier vermessen.
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placebo
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Anmeldungsdatum: 04.01.2009
Beiträge: 729
Wohnort: umdieecke

Beitrag(#2114585) Verfasst am: 18.11.2017, 22:03    Titel: Antworten mit Zitat

beachbernie hat folgendes geschrieben:
........................... was permanente Todesangst, systematische Dehumanisierung, ständige Misshandlungen und die dauernde Präsenz des Todes aus Menschen machen, bzw. sie tun oder nicht tun lassen kann. Jedes Urteil Nichtbetroffener wäre hier vermessen.


Ja einverstanden.Mußt du mir auch nicht erklären.

Ich weiß bischen bescheid.Bin aus der zweiten Ehe und der erste Mann meiner Mutter war überall dabei,in Polen und Russland.Gefallen in Riga September 44.Ich will nicht wissen was der alles gesehn oder auch MITGEMACHT hat.
Ich kann mich erinnern das zu Kinderzeiten ein Karton mit selbgemachten Fotos in irgendeiner Schublade herumlag,und ich mal darin gestöbert habe.Da waren auch paar Bilder drinn die allerdings schlecht zu erkennen waren für ein Kind.Heute weiß ich das es Fotos von Massengräbern waren,und ich erinnere mich an Kleider mit Blümchenmuster.Also waren es höchstwahrscheinlich ermordete Zivilisten.
Heute bin ich davon überzeugt.


Zitat:
Jedes Urteil Nichtbetroffener wäre hier vermessen.


Und du machst hier einen Denkfehler:
Es ist ja gar kein Urteil was ich fälle und einige hier auch nicht.
Ich bin kein Nürnberger Richter,will auch keiner werden.

Es sind meine Gedanken und Gefühle zu jenen Schandtaten und ich versuche zu verstehen.
Die alte Frau die für sich auf Vergeltung verzichtet hat,aber auch diejenigen die ihre Peiniger zu tode getrammpelt haben.Beide will und kann ich verstehen.

Übrigens war der 30jährige Krieg auch kein Zuckerlecken.Ganze Banden von raubenden und mordenten Söldnern haben ganze Landstriche entvölkert und verwüstet.
Ist auch für uns heute unvorstellbar.
Die Geschichte des menschlichen Elends und Leids ist nicht nur die der Nazi-zeit.Jede Zeit hatte ihre Schrecken wenn man Opfer war.
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