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Zumsel
registrierter User



Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 3411

Beitrag(#2143805) Verfasst am: 20.07.2018, 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Samson83 hat folgendes geschrieben:
Zumsel hat folgendes geschrieben:
Samson83 hat folgendes geschrieben:
Geilergeilergeilertyp!


Klingt irgendwie eher nach Dieter Bohlen als nach Platon oder Montaigne...
das schließt sich nicht aus. Ich schätze Herrn Bohlen.


Personen, die mit ihren Ideen die Geistesgeschichte geprägt habe und der Inbegriff kleinbürgerlicher Unterhaltung? Äh...doch, schließt sich aus.
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Samson83
Gegenaufgeklärt



Anmeldungsdatum: 18.01.2013
Beiträge: 5228

Beitrag(#2143809) Verfasst am: 20.07.2018, 23:20    Titel: Antworten mit Zitat

Zumsel hat folgendes geschrieben:
Samson83 hat folgendes geschrieben:
Zumsel hat folgendes geschrieben:
Samson83 hat folgendes geschrieben:
Geilergeilergeilertyp!


Klingt irgendwie eher nach Dieter Bohlen als nach Platon oder Montaigne...
das schließt sich nicht aus. Ich schätze Herrn Bohlen.


Personen, die mit ihren Ideen die Geistesgeschichte geprägt habe und der Inbegriff kleinbürgerlicher Unterhaltung? Äh...doch, schließt sich aus.
We can win the Race... Heino schätze ich auch.
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"Als User hier muss man in der Lage sein, sich auf Bewertung der Beiträge zu beschränken, und Beleidigungen der Person zu unterlassen!" Astarte
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schtonk
Korinthenliegenlasser
Moderator



Anmeldungsdatum: 17.12.2013
Beiträge: 9648

Beitrag(#2143810) Verfasst am: 20.07.2018, 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Samson83 hat folgendes geschrieben:
Zumsel hat folgendes geschrieben:
Samson83 hat folgendes geschrieben:
Geilergeilergeilertyp!


Klingt irgendwie eher nach Dieter Bohlen als nach Platon oder Montaigne...
das schließt sich nicht aus. Ich schätze Herrn Bohlen.

Samson83 hat folgendes geschrieben:
...Hier Trolle ich. ...

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Es ist schon alles gesagt worden. Nur noch nicht von allen. - Karl Valentin
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Critic
oberflächlich



Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14369
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#2143811) Verfasst am: 20.07.2018, 23:28    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Ich mach mal gleich weiter mit dem OT:

fwo hat folgendes geschrieben:
Der Personaler einer kleinen Firma entscheidet selbst und trägt die Verantwortung auch selbst.

Es gibt nur sehr wenige Firmen, die groß genug sind, einen Personaler zu haben, aber diesen dann allein entscheiden lassen. Meistens redet auch der Fachvorgesetzte mit.

fwo hat folgendes geschrieben:
In größeren Firmen ist normalerweise niemand bereit, eine Personal-Entscheidung zu fällen, die nicht durch die Papierform gefällt wurde, also ein Regelwerk.

Da muß ich aber energisch widersprechen, aus erster Hand. Üblicherweise läuft es auf den unteren Schichten etwa so ab:

1. Das gesamte Recruiting Frontend wird typischerweise überhaupt nicht von der Personalabteilung gemacht, sondern ist an einen externen Dienstleister ausgelagert. Diese machen eine relativ dumme Vorfilterung tatsächlich nach Papierform. Grund dafür ist vor allem die Menge der Bewerbungen, aber es gibt auch manchmal Beschränkungen, etwa daß aus bestimmten Ländern niemand genommen werden darf.

2. Fachabteilung und PA bekommen dann die verbleibenden Vorschläge zugespielt. In technischen Berufen ist es fast immer so, daß die Fachabteilung (also der/die spätere Vorgesetzte) dann eine zweite Filterung vornimmt, wen er eingeladen haben will. Sagen wir, für eine Stelle kann er es sich leisten, bis zu 20 Interviews zu führen, evtl. auch nur 10. Der Vorgesetzte wählt völlig frei und nach etwas schlaueren Kriterien aus, z.B. kann er eine Referenz kontaktieren oder sogar den Bewerber direkt fragen, ob er sich selbst z.B. in einer Programmiersprache wirklich für gut genug hält, einen schwierigen Test zu bestehen. Ein Problem ist nämlich tatsächlich, daß in Bewerbungen meistens gelogen wird, was das Zeug hält. Aber eben nicht immer.

3. Es kommt zum Interview mit Fachvorgesetztem/r, PersonalerIn und Bewerber. Es werden gemeinsam fachliche Eignung und allerlei Softskills überprüft, und beide Seiten tauschen ihre Erwartungen, Präferenzen usw. aus. Oft zieht der Vorgesetzte auch eine Projektleiter oder sogar das ganze Team hinzu, da die noch eine etwas andere Sicht haben und letztlich mit denen zusammengearbeitet werden muß.

4. Der Fachvorgesetzte wählt 1-2 erfolgreich Interviewte zu einem Zweitgespräch aus, wenn nötig, und trifft die Entscheidung. Die Personalabteilung hat typischerweise ein Vetorecht, für den Fall daß es aus ihrer Sicht überhaupt nicht geht.

Auf diese Weise hat die Fachabteilung letzlich die Verantwortung, sie muß ja auch die nächsten Jahre mit dem neuen Mitarbeiter zurechtkommen.


Menschen sind ja nicht gleich, und irgendein "standardisiertes Vorgehen" mag dazu führen, daß ein nicht normierbarer Mensch durchs Rost fällt... Am Kopf kratzen.

(Meinen "stream of consciousness" dazu habe ich einstweilen wieder wegeditiert.)
_________________
"Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"

Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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Zumsel
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Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 3411

Beitrag(#2143826) Verfasst am: 21.07.2018, 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Samson83 hat folgendes geschrieben:
Zumsel hat folgendes geschrieben:
Samson83 hat folgendes geschrieben:
Zumsel hat folgendes geschrieben:
Samson83 hat folgendes geschrieben:
Geilergeilergeilertyp!


Klingt irgendwie eher nach Dieter Bohlen als nach Platon oder Montaigne...
das schließt sich nicht aus. Ich schätze Herrn Bohlen.


Personen, die mit ihren Ideen die Geistesgeschichte geprägt habe und der Inbegriff kleinbürgerlicher Unterhaltung? Äh...doch, schließt sich aus.
We can win the Race... Heino schätze ich auch.


Wie hat man sich das vorzustellen? Du lädst deinen Chef zum Dinner ein, servierst ihm Filet vom Kobe-Rind und Rothschild-Bordeaux, ihr sinniert (einfach weil ihr es könnt) in Hexametern über die Freuden der Rechtssupervision - während im Hintergrund leise eine Playlist mit "Cherry Lady" und "Blau blüht der Enzian" dudelt?
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 20671
Wohnort: Germering

Beitrag(#2143846) Verfasst am: 21.07.2018, 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

Critic hat folgendes geschrieben:
Menschen sind ja nicht gleich, und irgendein "standardisiertes Vorgehen" mag dazu führen, daß ein nicht normierbarer Mensch durchs Rost fällt... Am Kopf kratzen.

Natürlich, andererseits hat so ein Unternehmen ja selbst ein Interesse daran, daß ihm keine Kandaten mit Potenzial entgehen. Ich kann ein paar Dinge nennen, die typischerweise kein Problem sind, sofern fachliche Eignung und Teamfähigkeit gegeben sind:

Geschlecht, sexuelle Ausrichtung, Religion, Aussehen (außer echt extrem), die meisten körperlichen Behinderungen, Alter (sofern unter Rentenalter), Bildungsweg, ... Unterbrochene Erwerbsbiografien sind kein größeres Problem, wenn man überzeugende Kompensation vorweisen kann.

Wissen und fachliche Eignung werden vermehrt direkt getestet, so daß Schul- oder Uni-Noten keine wesentliche Rolle mehr spielen, zumal sie auch nur sehr begrenzt aussagefähig sind. Wer also nicht so tolle Noten hat, sollte sich besonders gut auf die fachlichen Überprüfungen vorbereiten und kann das dann locker kompensieren. Wenn er denn eingeladen wird.

Beschreib mal ein Beispiel, was Deiner Meinung nach leicht "durch den Rost fällt", obwohl die fachliche und Team-Eignung paßt.

Mir fällt vielleicht ein Beispiel ein: jemand, bei dem alles paßt, der aber in Bewerbungssituationen total versagt, z.B. in Schockstarre verfällt. So einen Bewerber hatte ich tatsächlich mal, der hat 1 Stunde lang nur "ja" und "nein" rausgebracht und gezittert, obwohl er fachlich eher gut war und noch gar nicht explizit unter Druck gesetzt wurde. Der hatte einfach Panik und konnte nicht damit umgehen. Ich habe ihn gefragt, ob er lieber einen neuen Termin möchte, Antwort "nein". Bei dem war ich echt ratlos. Sowas kommt aber echt selten vor.
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Was ist der Sinn des Lebens? - Keiner, aber Leere ist Fülle für den, der sie sieht.
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Critic
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14369
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#2143899) Verfasst am: 21.07.2018, 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Critic hat folgendes geschrieben:
Menschen sind ja nicht gleich, und irgendein "standardisiertes Vorgehen" mag dazu führen, daß ein nicht normierbarer Mensch durchs Rost fällt... Am Kopf kratzen.

Natürlich, andererseits hat so ein Unternehmen ja selbst ein Interesse daran, daß ihm keine Kandaten mit Potenzial entgehen. Ich kann ein paar Dinge nennen, die typischerweise kein Problem sind, sofern fachliche Eignung und Teamfähigkeit gegeben sind:

Geschlecht, sexuelle Ausrichtung, Religion, Aussehen (außer echt extrem), die meisten körperlichen Behinderungen, Alter (sofern unter Rentenalter), Bildungsweg, ... Unterbrochene Erwerbsbiografien sind kein größeres Problem, wenn man überzeugende Kompensation vorweisen kann.

Wissen und fachliche Eignung werden vermehrt direkt getestet, so daß Schul- oder Uni-Noten keine wesentliche Rolle mehr spielen, zumal sie auch nur sehr begrenzt aussagefähig sind. Wer also nicht so tolle Noten hat, sollte sich besonders gut auf die fachlichen Überprüfungen vorbereiten und kann das dann locker kompensieren. Wenn er denn eingeladen wird.

Beschreib mal ein Beispiel, was Deiner Meinung nach leicht "durch den Rost fällt", obwohl die fachliche und Team-Eignung paßt.

Mir fällt vielleicht ein Beispiel ein: jemand, bei dem alles paßt, der aber in Bewerbungssituationen total versagt, z.B. in Schockstarre verfällt. So einen Bewerber hatte ich tatsächlich mal, der hat 1 Stunde lang nur "ja" und "nein" rausgebracht und gezittert, obwohl er fachlich eher gut war und noch gar nicht explizit unter Druck gesetzt wurde. Der hatte einfach Panik und konnte nicht damit umgehen. Ich habe ihn gefragt, ob er lieber einen neuen Termin möchte, Antwort "nein". Bei dem war ich echt ratlos. Sowas kommt aber echt selten vor.


Auf der Basis - auch aus eigenen Erfahrungen, bei denen man sich "um Kopf und Kragen geredet" hat -, lassen sich ja viele Situationen denken, bei denen es irgendwie schiefgeht.

Zum einen könnte derjenige Situationen tödlich hassen, in denen er "beurteilt" wird: Also ich habe Prüfungen hassen gelernt, habe da regelmäßig vorher tagelang mit der Übelkeit gekämpft, weil ich mit Unsicherheit nicht gut klarkomme: Ich möchte dort doch wissen, worum es geht. Dabei ist diese Scheu eigentlich ja kompatibel zur Implementierung von Software, weil es dort ja auch um die Beseitigung von Unsicherheit geht.

Bei Uni-Prüfungen hat man noch den Vorteil, daß es haufenweile alte Klausuren oder Gedächtnisprotokolle gibt, die man durcharbeiten kann. "Auf Lücke" lernen ist nicht ganz so gut, es gibt auch Prüfer, die die Protokolle auch lesen und sich neue Fragen ausdenken. Aber es ist ja eine Handreichung, worum es geht bzw. wie tief es geht, so kann man sich auch das Gesamtgebiet verhackstücken. Und besonders gelitten - einmal bis dahin, daß ich mir ein Attest holen mußte - habe ich, wenn ich mir da wieder ein Fach ausgesucht hatte, wofür es solche Unterlagen nicht gab:

Der Name der Veranstaltung ist dann auch wieder zu grob, da hat man dann das 1000-Seiten-Buch (kann in der Informatik wie bei BWL ja vorkommen) liegen, und das kann man nicht zur Gänze alles wissen. Auch wenn ich z.B. sozusagen seit der Jahrhundertwende mit Java hantiere, weiß ich dennoch nicht alles, und wenn mich jmd. fragt, wie man denn mit Sockets hantiert oder (noch verwegener, dafür gibt es doch entsprechende Werkzeuge, sowas zu entwerfen, man ergänzt doch höchstens einen vergessenen Menupunkt noch manuell?!) eine GUI baut, dann würde ich sagen: Das müßte ich erstmal googeln oder nachlesen. (Daß ich das wüßte, hatte ich ja auch nie gesagt, sondern "Java" angegeben.)

Es kann auch sein, daß man in dem Moment eigentlich nicht auf derartige Fragen vorbereitet ist, weil man etwas Anderes erwartet hat: Analog zur Uni, am Tag der x-Prüfung hat man natürlich einen x-Kopf, da kann man Fragen aus einem ganz anderen Kontext womöglich gar nicht beantworten, obwohl man das eigentlich weiß oder leicht recherchieren könnte.


Oft erfährt man auch gar nicht, woran es gelegen hat. Wobei ich auch schon das Gefühl hatte, daß es mal "kulturell" nicht paßte: Offiziell reduzierte Stundenzahl, also etwa 66%, 80% oder so etwas kann durchaus heißen, daß erwartet wird, daß man trotzdem ganztags da ist, nur daß es geringer bezahlt wird. Oder es wird kommuniziert, daß man auch am WE oft da sei, sprich arbeite (das kann in der IT ja vorkommen, wenn ein Meilenstein erreicht werden oder das Ding pünktlich ausgerollt werden soll) und danach noch mit den Mitarbeitern grille oder Fußball gucke. Dabei haben meine Äugelchen nicht ganz so geleuchtet, weil mich Fußball an und für sich nicht interessiert und ich nicht so ein Feierer und Sozialkontakte-Mensch bin. Wer weiß, ob nicht in dem Moment der Blendladen runtergefallen ist?

Oder ich habe auch schon im Laufe der Jahre mal gehört, daß inzwischen selbst für eine Anfängerstelle erwartet werde, daß die Leute schon mehrere (natürlich, schöne neue Arbeitswelt, unentgeltliche) Praktika absolviert hätten.

Et cetera, et cetera.

Letztlich geht es ja wohl darum, daß jemand in der Arbeitssituation (die sogar teilweise selbst gewählt sein kann*) das Gewünschte produzieren kann, und da sehe ich immer die Frage, ob derartige Überprüfungen das adäquat abbilden können.

Aber ich kann mir denken, daß es erstens Luxus für ein Unternehmen wäre, unterschiedliche Verfahrensweisen vorzusehen oder sich ein Modell auszudenken, das unnötige Stressoren möglichst ausschließt; meinetwegen: nur grob vorzusortieren und dann 10, 20 Kandidaten einzuladen, jeden in ein Team zu stecken und mal zu gucken, wie sie sich da verhalten -- oder zu sagen, sie sollten die nächste Woche über im Team ein kleines Projekt realisieren, das zweitens für alle Kandidaten hinreichend angstfrei zu gestalten (schon zum Zeitpunkt der Bewerbung weiß man, wie es abläuft, wenn man eingeladen wird, und wird rechtzeitig vor jedem weiteren Schritt informiert, worum es geht; man muß nicht perfekt sein, es geht insbesondere darum, wie man mit dem Problem und mit den Anderen umgeht; es können ggf. Mehrere genommen werden etc.), daß man auch sehen kann, und drittens dann auch die potentiellen Kollegen o.ä. in die Beurteilung einzubeziehen, ob sie mit demjenigen arbeiten könnten.

Und wenn derjenige z.B. Asperger-Autist ist und mit sozialen Situationen Probleme hat, müßte man wieder anders mit ihm umgehen. ...


_______________
(* = Vor ein paar Tagen hörte ich auch einen dieser Berichte über die Vorteile der neuen Arbeitswelt: derjenige arbeitet für eine Internetbude in Hamburg, lebt aber auf Bali. Dem Chef dürfte es demnach relativ egal sein, ob er sein Arbeitspaket in der Strandbar sitzend implementiert hat.)
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 20671
Wohnort: Germering

Beitrag(#2144106) Verfasst am: 23.07.2018, 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Critic hat folgendes geschrieben:
Zum einen könnte derjenige Situationen tödlich hassen, in denen er "beurteilt" wird ... weil ich mit Unsicherheit nicht gut klarkomme ...

Ja, aber der einigermaßen souveräne Umgang mit Unsicherheiten ist nun mal eine für die meisten Tätigkeiten wichtige Fähigkeit, verzerrt also nicht nur einfach das Bewerbungsinterview. Auch in der SW-Branche gibt es ja kaum noch Leute, die in der Ecke sitzen und ihre SW entwicklen. Sondern sie müssen vor den Kunden standhalten, Designs und Code zusammen mit Kollegen entwickeln (Konflikt- und Beurteilungssituationen) u.ä. - für solche Jobs ist etwa Asperger wenn überhaupt nur in sehr schwacher Ausprägung möglich.

Es gibt ganz wenige Jobs, die speziell die Fähigkeiten von Autisten nutzen und diese dafür auch sehr gut bezahlen. Dazu arbeiten Firmen mit spezialisierten Personalvermittlern zusammen, z.B. Fa. Auticon. Das sind dann meistens Tätigkeiten, bei denen Nichtautisten nach kurzer Zeit "verrückt" würden. Medizin, Geheimdienst, Finanzamt, Militär ... leider werden gerade die zunehmend von KI verdrängt.

Critic hat folgendes geschrieben:
"Auf Lücke" lernen ist nicht ganz so gut, es gibt auch Prüfer, die die Protokolle auch lesen und sich neue Fragen ausdenken. ...

Ich frage in Bewerbungsinterviews grundsätzlich kein Wissen ab, sondern Domänen-Erfahrung und die Fähigkeit, etwas schnell zu verstehen, gut zu erklären usw. - einzige Ausnahme könnte ein Test z.B. in einer Programmiersprache sein. Zum Großteil geht es darum, wie man intelligent und flexibel mit komplexen, unerwarteten Situationen umgeht.

Critic hat folgendes geschrieben:
... dann würde ich sagen: Das müßte ich erstmal googeln oder nachlesen.

Muß nicht unbedingt ein Problem sein, jeder gute Programmierer nutzt Referenzen oder fragt sogar mal in Foren nach. Wenn der Interviewer gut ist, hat er schnell raus, wenn Du sehr viel Ahnung/Erfahrung hast, auch wenn Du mal eine spezielle Sache nicht weißt.

Critic hat folgendes geschrieben:
... da kann man Fragen aus einem ganz anderen Kontext womöglich gar nicht beantworten

Das finde ich bei einem Bewerber schon schwerwiegender - weil er genau dieses flexible, schnelle Umschalten später ständig braucht. In den Jobs, die ich so kenne, würde ich das tendenziell als No-Go ansehen.

Critic hat folgendes geschrieben:
Oft erfährt man auch gar nicht, woran es gelegen hat.

Sowas finde ich unverschämt. Zumindest ein grober Hinweis sollte drin sein. Mich können Bewerber z.B. danach direkt anschreiben, und manche nutzen das auch. Ne große Diskussion fange ich aber natürlich nicht an.

Critic hat folgendes geschrieben:
... daß man trotzdem ganztags da ist, nur daß es geringer bezahlt wird ... auch am WE oft da ... und danach noch mit den Mitarbeitern grille oder Fußball gucke. Dabei haben meine Äugelchen nicht ganz so geleuchtet, weil mich Fußball an und für sich nicht interessiert und ich nicht so ein Feierer und Sozialkontakte-Mensch bin. Wer weiß, ob nicht in dem Moment der Blendladen runtergefallen ist?

Kann ich sehr gut nachvollziehen, finde ich unmöglich und würde als Bewerber auch deutlich sagen, daß ich klare Verhältnisse schätze bei der Trennung von Arbeit und Freizeit usw.. Solche Gruselgeschichten habe ich auch schon erzählen hören, aber selbst noch nie erlebt, weder als Bewerber noch als Einsteller. Ist auch in D verboten, zumindest im großen Bereich der tarifgebundenen Firmen.

Critic hat folgendes geschrieben:
Oder ich habe auch schon im Laufe der Jahre mal gehört, daß inzwischen selbst für eine Anfängerstelle erwartet werde, daß die Leute schon mehrere (natürlich, schöne neue Arbeitswelt, unentgeltliche) Praktika absolviert hätten.

Ja, viele Personaler wollen halt sehen, daß man sich schon überdurchschnittlich reingehängt/engagiert hat. Bei Bewerbern mit Hocschschulabschluß wird meist noch mehr erwartet, z.B. daß sie Werkstudent oder dualer Student waren, internationale Erfahrung u.ä. - die meisten Bewerber haben sowas auch, und zwar meistens akzeptabel bezahlt.

Critic hat folgendes geschrieben:
... daß es erstens Luxus für ein Unternehmen wäre, unterschiedliche Verfahrensweisen vorzusehen oder sich ein Modell auszudenken, das unnötige Stressoren möglichst ausschließt;

Nö, wenn man dadurch besser geeignete Leute bekommt, ist das kein Luxus.

Critic hat folgendes geschrieben:
... für alle Kandidaten hinreichend angstfrei zu gestalten (schon zum Zeitpunkt der Bewerbung weiß man, wie es abläuft ...

Man kann meistens nachfragen, wie es abläuft. Aber es kommen natürlich (absichtlich) auch Überraschungen. Die wollen ja auch sehen, wie Du unter Stress reagierst.

Critic hat folgendes geschrieben:
Und wenn derjenige z.B. Asperger-Autist ist und mit sozialen Situationen Probleme hat, müßte man wieder anders mit ihm umgehen. ...

Ja, da sehe ich Schwierigkeiten - es ist leichter, einen sagen wir Rollifahrer oder evtl. sogar einen Gehörlosen zu integrieren in einem typischen Projektteam, als jemanden mit schwerwiegenden sozialen Problemen - und damit meine ich jetzt nicht, daß er nicht gerne abends mit den Kollegen grillt und Fußball schaut (tu ich auch nicht).

Critic hat folgendes geschrieben:
... derjenige arbeitet für eine Internetbude in Hamburg, lebt aber auf Bali. Dem Chef dürfte es demnach relativ egal sein, ob er sein Arbeitspaket in der Strandbar sitzend implementiert hat.)

In der Tat. Besonders bei an Unterauftragnehmer vergebene Gewerke ist nur wichtig, daß Du in time lieferst und es gut ist, alles Andere ist Dein Ding. Solche Jobs sind aber oft auch nicht soo lustig, weil da großer Marktdruck herrscht wegen der vielen Inder, Chinesen usw.
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Zumsel
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Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 3411

Beitrag(#2144109) Verfasst am: 23.07.2018, 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Critic hat folgendes geschrieben:
Zum einen könnte derjenige Situationen tödlich hassen, in denen er "beurteilt" wird...


Diese Abneigung ist verständlich und menschlich sogar sympathisch. Die Weigerung, sich selbst, seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten der Beurteilung des stumpfen Effizienzdenkens zu unterwerfen, ist von Grund auf richtig und vernünftig. Das einzige, was da hilft ist die Haltung, nichts persönlich zu nehmen, die berufliche Persönlichkeit strikt von der privaten zu trennen. Das ist natürlich schwierig in einer Gesellschaft, in dem der berufliche Status nicht unerheblich de facto die Achtung bedingt, die einer Person entgegengebracht wird und in der darüber hinaus die ureigenensten Felder des privaten in übergriffiger Weise durch das karrieristische Effizienzdenken okkupiert werden (selbst das Baby wir zum "Projekt"). Aber ehrlicherweise muss man konstatieren, dass man auf eine Änderung dieser Umstände wohl bis ins Grab warten würde. Der Triumph der instrumentellen Vernunft war derart absolut, derart durchdringend, dass man gegenwärtig schon Eremit werden müssten, um sich dieser allumfassenden Verwertungslogik konsequent zu entziehen.
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Critic
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14369
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Beitrag(#2144138) Verfasst am: 23.07.2018, 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

(Ich vermute natürlich eher, daß ich halt im Umgang mit Anderen ängstlich und ungelenk bin. Für irgendwelche Autismus-Studien müßte ich ja auch bei irgendjemandem vorsprechen und irgendwelche Tests absolvieren... Bitte nicht!)

Wie gesagt, kann man "Nervosität über Unsicherheit" auch als Vorteil begreifen, weil es ja bei der Entwicklung von Software gerade darum geht, irgendeine vergröberte Skizze in etwas umzuwandeln, mit dem so ein deterministischer Chip umgehen kann. Und da ist es ja dann gut, wenn man erkennt, wo es Klärungsbedarfe gibt, etwa wenn es eine Ambiguität gibt oder nicht beschrieben ist, was in dem und dem Fall passieren soll, und das massive Konsequenzen für die Umsetzung und die letztendliche Funktionalität haben kann.


Es sind zumindest manche Arten von Unsicherheiten, die einen (zumindest mich) schonmal tangiert haben:

(1) Wenn man nicht weiß, wie irgendwas organisiert ist, wo man hinmuß, was für Schriebe man braucht et cetera.


(2) Oder wenn nicht hinreichend klar ist, worum es geht.

Noch so ein blödes Beispiel: Da habe ich mal einen Schrieb gebraucht, stattdessen kam freitags ein Brief von der entsprechenden Stelle mit im wesentlichen einem Satz: "Erscheinen Sie bitte bei uns, es sind noch einige Fragen zu klären." Und ich habe dann erstmal übers Wochenende am Rad gedreht, was da wohl sein könnte, ob ich irgendwas nicht eingereicht oder eine Deadline gerissen oder sonst irgendeine Bestimmung nicht beachtet hätte o.ä..

Und was war? In deren Computersystem fehlte aufgrund eines Erfassungsfehlers mein Geburtsort, deshalb konnten sie mir die Bescheinigung nicht ausstellen. Das hätte die/der Zuständige ja durchaus auch klar in den Brief reinschreiben können, das wäre für mich weniger Unsicherheit - und damit weniger Streß gewesen.


(3) Und davon abgeleitet eben auch - wie in dem Beispiel aus meinem vorigen Beitrag -, daß man mit einer bestimmten Erwartung irgendwo hingeht und dann passiert etwas, das einen rausträgt.


Ich denke mal, im Team ist es normalerweise schon anders (gut, vielleicht hält man auch für normal, was man erlebt oder erhofft?!). Z.B. beim Scrum-Vorgehen klärt man ja wohl zunächst mal, worum es überhaupt geht, welche Anforderungen es gibt und plant das Vorgehen, und man klärt, wo man sich aktuell befindet. Man sieht dann also letztlich auch, was die aktuellen Aufgaben für einen persönlich sind. Und damit weiß man natürlich auch, womit man sich noch beschäftigen muß, um die Aufgaben umsetzen zu können et pipapo. Und wenn sich an irgendeiner Stelle was ändert - *was es naturgemäß tut* -, wenn also ggf. nachgesteuert werden muß, dann wird das entsprechend auch transparent gemacht und ist idealerweise hinreichend klar.
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