Falschmeldungen
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Freigeisterhaus -> Kultur und Gesellschaft

#1: Falschmeldungen Autor: vrolijkeWohnort: Stuttgart BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 10:36
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In der Stuttgarter Nachrichten war heute einen Bericht über die zunehmende Zahl der Falschmeldungen.

Zitat:
Die Polizei muss sich in Stuttgart immer wieder mit angeblichen Straftaten beschäftigen, die es gar nicht gegeben hat. Die erfundenen Verbrechen finden mitunter weite Verbreitung – doch wie lassen sich solche Fake News in Kriminalfällen erkennen?


Ein paar schöne Beispiele sind aufgeführt.

U.A.:

Prügelei in der Stadtbahn

Drogenhändler im Haus

Vergewaltiger am Bahnsteig

Noch lustig dabei ist der Bericht:

Das verschwundene Schaf

Zitat:
In Meßstetten im Zollernalbkreis, Sitz der Landeserstaufnahmestelle, macht seit zwei Jahren das Gerücht die Runde, Flüchtlinge hätten aus dem Streichelzoo ein Schaf gestohlen, geschlachtet und verspeist. Der Schäfer Peter Deufel weiß es freilich besser: „Ich hatte die Schafe ins Winterquartier genommen, und alle sind wohlauf.“ Doch selbst aus der Jägerschaft sei er auf die angebliche Schlachtung angesprochen worden. Als seine Frau im Wartezimmer einer Arztpraxis einer älteren Dame habe widersprechen wollen, hätte die unbeeindruckt gesagt: „Ich weiß es aber ganz sicher.“


Was bewegt Menschen dazu, Falschmeldungen in die Welt zu setzen?
Wieso hält man, trotz Aufklärung, so vehement daran fest?

#2: Re: Falschmeldungen Autor: BravopunkWohnort: Edo BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 10:45
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vrolijke hat folgendes geschrieben:

Was bewegt Menschen dazu, Falschmeldungen in die Welt zu setzen?
Wieso hält man, trotz Aufklärung, so vehement daran fest?


Meine Vermutung dazu ist zwar auch nur eine potentielle Falschmeldung, aber nach meiner Beobachtung ist es meistens so (jetzt hab ich da einen ganzen Haufen Weasel Words eingebaut Verlegen ), dass man, wenn man bei einer Lüge oder einer Fehlinterpretation der Realität ertappt wird, meist aus Schamgefühl daran festhält.

Oft ist gewiss aber auch eine gewisse Autosuggestion am Werk, dass man sich, um der eigenen Beobachtung Wert und Gewicht zu verleihen, aus Selbstschutz heraus eben einredet, dass es genauso gewesen sein muss, wie man überzeugt ist, dass es gewesen war... oder so. Am Kopf kratzen

Wie gesagt: Nur eine Vermutung meinerseits.

Man will sich halt nicht blamieren, indem man zugibt, dass man sich geirrt hat oder u. U. will nur das eigene Unterbewusstsein einen davor schützen sich durch Relativierungen selbst bloßstellen zu müssen und reproduziert dann eben falsche Erinnerungen und Wahrnehmungen zu diesem Zweck.

#3: Re: Falschmeldungen Autor: Ratio BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 10:46
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vrolijke hat folgendes geschrieben:


Das verschwundene Schaf

Zitat:
In Meßstetten im Zollernalbkreis, Sitz der Landeserstaufnahmestelle, macht seit zwei Jahren das Gerücht die Runde, Flüchtlinge hätten aus dem Streichelzoo ein Schaf gestohlen, geschlachtet und verspeist. Der Schäfer Peter Deufel weiß es freilich besser: „Ich hatte die Schafe ins Winterquartier genommen, und alle sind wohlauf.“ Doch selbst aus der Jägerschaft sei er auf die angebliche Schlachtung angesprochen worden. Als seine Frau im Wartezimmer einer Arztpraxis einer älteren Dame habe widersprechen wollen, hätte die unbeeindruckt gesagt: „Ich weiß es aber ganz sicher.“


Was bewegt Menschen dazu, Falschmeldungen in die Welt zu setzen?
Wieso hält man, trotz Aufklärung, so vehement daran fest?


In die Welt setzen: In dem Fall womöglich um der eigenen Sache Vorschub zu leisten und Vorurteile zu schüren.

Wieso hält man daran fest: An der Stellle würde ich nicht verallgemeinern und von dem Beispiel der einen senilen Frau auf alle Weiterverbreiter schließen. Der Großteil wird einfach nicht zur Fraktion derer gehören, die ihre Quellen prüfen. Erst recht nicht, wenn die Story erzählenswert ist und für Aufmerksamkeit im Umfeld sorgt.

#4: Re: Falschmeldungen Autor: sünnerklaasWohnort: Da, wo noch Ruhe ist BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 12:02
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vrolijke hat folgendes geschrieben:


Was bewegt Menschen dazu, Falschmeldungen in die Welt zu setzen?
Wieso hält man, trotz Aufklärung, so vehement daran fest?


In der Regel sind solche Leute kleine Lichter mit großem Geltungsbedürfnis und miesen Charakterzügen. Man will AUCH mal wichtig sein, will AUCH mal was zu sagen haben. Und wird man erwischt und überführt, bleiben sie dann kleinkindhaft-trotzig bei ihrer Behauptung. Manche werden dann sogar gewalttätig.
Ich halte so ein Verhalten für patholigisch. Früher war man schneller dran, solche Leute einer amtsärztlich-psychiatrischen Begutachtung zuzuführen und ggf. eine richterliche Unterbringung zu veranlassen.

#5: Re: Falschmeldungen Autor: Ratio BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 12:20
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sünnerklaas hat folgendes geschrieben:


In der Regel sind solche Leute kleine Lichter mit großem Geltungsbedürfnis und miesen Charakterzügen...

...Ich halte so ein Verhalten für patholigisch. Früher war man schneller dran, solche Leute einer amtsärztlich-psychiatrischen Begutachtung zuzuführen und ggf. eine richterliche Unterbringung zu veranlassen.


That escalated quickly...

#6:  Autor: diskordianerpapst BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 12:25
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Das dran festhalten ist ja besonders dann zu beobachten wenn so eine Meldung mal wieder das eigene
Weltbild stützt. Das hinterfragt ja keiner gern, ist halt durch jahrelange "Erfahrung" entstanden
und durch confirmation bias oft bombengefestigt.

Das sich das im Moment besonders ausgeprägt zeigt ist vermutlich wirklich auf den "Facebook-
Algorithmus" zurückzuführen der es den Leuten gar nicht mehr bewusst werden lässt das sie sich
in einer dauern selbstverstärkenden Echokammer bewegen.

Jedenfalls war das die Erklärung vieler Politiker und (Online-)Medienschaffenden gestern in der
Sendung "Die nervöse Republik" (oder so, hab da zufällig reingezappt, sehr interessant übrigens der
Bld.de-Chef: Durchaus selbstkritisch, aber: Die wissen sehr genau was sie da machen).

#7:  Autor: sünnerklaasWohnort: Da, wo noch Ruhe ist BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 13:58
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diskordianerpapst hat folgendes geschrieben:
Das dran festhalten ist ja besonders dann zu beobachten wenn so eine Meldung mal wieder das eigene
Weltbild stützt. Das hinterfragt ja keiner gern, ist halt durch jahrelange "Erfahrung" entstanden
und durch confirmation bias oft bombengefestigt.

Das sich das im Moment besonders ausgeprägt zeigt ist vermutlich wirklich auf den "Facebook-
Algorithmus" zurückzuführen der es den Leuten gar nicht mehr bewusst werden lässt das sie sich
in einer dauern selbstverstärkenden Echokammer bewegen.

Jedenfalls war das die Erklärung vieler Politiker und (Online-)Medienschaffenden gestern in der
Sendung "Die nervöse Republik" (oder so, hab da zufällig reingezappt, sehr interessant übrigens der
Bld.de-Chef: Durchaus selbstkritisch, aber: Die wissen sehr genau was sie da machen).


Sehr interessant und aufschlussreich war da der Markwort vom Focus... Der ist ja der Hoax, Gabriel würde ganz schnell zu gunsten von Olaf Scholz zurücktreten, aufgesessen und hat die dann mit großém Verve vorgetragen.

Aber: ohne die Algorithmen würde das Geschäftsmodell von Facebooks nicht funktionieren. Wenn den Leuten in ihrer Timeline auf dem Smartphone nicht das angezeigt wird, was ihnen gefällt, funzt der Verkauf von Werbung dort nicht mehr. Und nicht wenige glauben ja inzwischen, Facebook sei "Das Internet".

#8:  Autor: unquestWohnort: 2311 N. Los Robles Avenue in Pasadena BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 18:48
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Die Geschichte der Fake News wird überschätzt.

Beispiel:

Am 25.10.1946 trafen im Kings College Mitglieder des Moral Science Club mit Russell, Wittgenstein und Popper zusammen. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass hier Menschen zusammen saßen, die einen großen Teil ihres Lebens der Erkenntnistheorie widmeten. Fest steht allerdings auch, dass die erzählten Versionen darüber, was an diesem Abend mit dem Feuerhaken geschah, die Anzahl der teilnehmenden Personen weit übersteigt. Lachen



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