100 Jahre russische Revolution
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Freigeisterhaus -> Politik und Geschichte

#1: 100 Jahre russische Revolution Autor: NaastikaWohnort: an der Fütterungsstelle der Eichhörnchen BeitragVerfasst am: 20.10.2017, 12:08
    —
Erstaunlicherweise hört und liest man gegenwärtig kaum was von dem o.g. Jahrestag (Ausnahme scheint die aktulle ZEIT zu sein, eine Ausgabe habe ich für die Wartezeit beim Frisör gekauft, kam aber schnell dran, so dass ich zum Inhalt noch nichts sagen kann).

Nun bin ich nun wirklich kein Anhänger des kommunistischen System, was wohl einige Male deutlich wurde.

Trotzdem kann ich kaum bestreiten, dass es DAS prägende Ereignis des Jahrhunderts ist, und wesentliche Mitursache für weitere globale Entwicklungen wie den WWII, Blockbildung, Ende des Kolonialismus usw.

So erlaue ich mir mal, den Fred zu öffnen, zu dem ich selbst inhaltich nicht viel beitragen kann.


showtime

#2: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Religionskritik-WiesbadenWohnort: Wiesbaden BeitragVerfasst am: 20.10.2017, 13:16
    —
Naastika hat folgendes geschrieben:
Erstaunlicherweise hört und liest man gegenwärtig kaum was von dem o.g. Jahrestag (...)


Weil noch nicht Jahrestag ist Ausrufezeichen
Warte noch 2 Wochen - und dann bekommst Du genügend input.

Sie fand im Oktober nach 'altem', julianischem Kalender statt - nicht nach unsererem 'gregorianischen'.

Bis zum eigentlichen Jahrestag empfehle ich durchaus einen Blick zurück -
und zwar nach der Fragestellung:

Warum ist denn die 'Februar' Revolution von 1917 'gescheitert?

Erst wenn man sich also mit Kerenski und Co beschäftigt hat -
ihre Rolle im WK1,
ihre Rolle in der sozialen Frage,
etc.

erst also,
wenn man dies analysiert hat - sollte man mit dem November 1917 beschäftigen.

Ansonsten wird es nur wieder ein emotionaler Eiertanz - Smilie

#3: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: NaastikaWohnort: an der Fütterungsstelle der Eichhörnchen BeitragVerfasst am: 20.10.2017, 13:19
    —
Religionskritik-Wiesbaden hat folgendes geschrieben:
Naastika hat folgendes geschrieben:
Erstaunlicherweise hört und liest man gegenwärtig kaum was von dem o.g. Jahrestag (...)


Weil noch nicht Jahrestag ist Ausrufezeichen
Warte noch 2 Wochen - und dann bekommst Du genügend input.


Sie fand im Oktober nach 'altem', julianischem Kalender statt - nicht nach unsererem 'gregorianischen'.

Bis zum eigentlichen Jahrestag empfehle ich durchaus einen Blick zurück -
und zwar nach der Fragestellung:

Warum ist denn die 'Februar' Revolution von 1917 'gescheitert?

Erst wenn man sich also mit Kerenski und Co beschäftigt hat -
ihre Rolle im WK1,
ihre Rolle in der sozialen Frage,
etc.

erst also,
wenn man dies analysiert hat - sollte man mit dem November 1917 beschäftigen.

Ansonsten wird es nur wieder ein emotionaler Eiertanz - Smilie


Hej, bei der Reformation haben die mit Vorlauf von zwei Jahren angefangen, und du sprichts von zwei Wochen! Auf den Arm nehmen

#4: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: sehr gut BeitragVerfasst am: 20.10.2017, 18:37
    —
Naastika hat folgendes geschrieben:
Trotzdem kann ich kaum bestreiten, dass es DAS prägende Ereignis des Jahrhunderts ist, und wesentliche Mitursache für weitere globale Entwicklungen wie den WWII,

Die Revolution von 1917 war "wesentliche Mitursache" für den 2.Weltkrieg?

#5: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 20.10.2017, 19:19
    —
sehr gut hat folgendes geschrieben:
Naastika hat folgendes geschrieben:
Trotzdem kann ich kaum bestreiten, dass es DAS prägende Ereignis des Jahrhunderts ist, und wesentliche Mitursache für weitere globale Entwicklungen wie den WWII,

Die Revolution von 1917 war "wesentliche Mitursache" für den 2.Weltkrieg?

Nun, ohne die russische Revolution von 1917 wäre die weitere Geschichte sicherlich anders verlaufen. Ohne Oktoberrevolution kein Stalin, ohne Stalin kein Hitler-Stalin-Pakt. Für die Hitler-Bewegung war der Antibolschewismus sicherlich eine wesentliche Bedingung. Ein bürgerliches Rußland hätte diese Rolle sicherlich nicht gespielt. Wäre also ein hübscher Gedanke, ob es ohne die Oktoberrevolution auch keinen Hitlerismus gegeben hätte.

Aber eben nur ein hübscher Gedanke, mehr nicht. Genauso gut könnte man behaupten, ohne die Bolschewiki hätte es eine andere Art von Diktatur in Rußland gegeben, vielleicht auf der Basis eines Panslavismus, den es ja schon vor dem WWI gegeben hat. Aus dem Antikommunismus wäre in Deutschland dann vielleicht ein Antislavismus geworden. Da die Niederlage Deutschlands im WWI in diesem Gedankenexperiment weiterhin stattgefunden hätte, und auch der Antisemitismus als Hauptmotiv der Hitlerbewegung vom Bolschewismus unabhängig war, wäre die Geschichte vielleicht gar nicht so viel anders verlaufen. Aber wie gesagt: Alles nur Gedankenexperimente, mehr nicht. Geschichte ist kein mechanisches Spiel von Ursache und Wirkung.

#6: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: unquestWohnort: 2311 N. Los Robles Avenue in Pasadena BeitragVerfasst am: 20.10.2017, 20:33
    —
Religionskritik-Wiesbaden hat folgendes geschrieben:
Ansonsten wird es nur wieder ein emotionaler Eiertanz - Smilie


Wieso? 1917 fand doch gar keine Revolution sondern nur ein Putsch der Bolschewiki mit anschließendem Bürgerkrieg statt. Die Russische Revolution war 1905. Smilie

#7: Arte - der Zug - Lening - Mediathekview Autor: Religionskritik-WiesbadenWohnort: Wiesbaden BeitragVerfasst am: 13.11.2017, 23:21
    —
Hier mal ein Link zu einem Spielfilm Zweiteiler,
wie er noch bis 16.11 in der Artemediathek zu sehen ist.

Wer keine Zeit hat, sollte sich diesen (und vielleicht auch anderes) mit dem Mediathekview downloaden:

https://mediathekview.de/

Nun aber zum Link:

https://www.arte.tv/de/videos/077291-001-A/der-zug-1-2/
Zitat:

Der Zug (1/2)
(...)
Das Deutsche Reich kämpft während des Ersten Weltkrieges 1917 an zwei Fronten. Der deutsche Generalstab entwickelt einen wagemutigen Plan, um die Kämpfe im Osten zu beenden: dem russischen Revolutionär Lenin (Ben Kingsley) soll die Möglichkeit gegeben werden, in seine Heimat zurückzukehren. In einem versiegelten Sonderzug fährt er von Zürich durch Deutschland nach Petrograd.
Während des Ersten Weltkriegs steht das Deutsche Reich 1917 in einem Zweifrontenkrieg. Die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten den Alliierten zu Hilfe kommen, wird täglich akuter. Gäbe es eine Möglichkeit, das Russische Kaiserreich auszuschalten, könnten sich die Deutschen voll und ganz auf die Westfront konzentrieren. In dieser Situation unterbreitet der windige Exilrusse Dr. Helphand dem deutschen Generalstab einen ungewöhnlichen Plan: Russland würde sich eventuell aus dem Krieg zurückziehen, wenn man jenem Mann, der als Einziger eine erfolgreiche Revolution in Russland bewirken kann, die Rückkehr in seine Heimat ermöglichte. Dieser Mann ist Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin. Er lebt im Schweizer Exil, und ihm soll sicheres Geleit durch die umkämpften Gebiete ermöglicht werden. (...)


Im Film selbst tauchen das "Wer ist Wer" der frühen Bolschewiki auf - was zu einigem Stöbern anregen sollte.
Ben Kingsley spielt großartig und auch der übrige Cast ist gut aufgelegt.

Ein wenig nervig ist die Dreiecksgeschichte um Lenin - ein Zugeständnis wohl an den leicht verpornten Zeitgeist historische Stoffe einer breiteren Masse durch erotisches Knistern zugänglich zu machen.
Als ob es dass denn braucht.

Interessant ist er auch aus medienhistorischer Sicht. Solche Filme waren 1988 noch möglich.
Heute tendiert man eher zu gefälligen Geschichtsdramen um erfundene mittelalterliche Päpstinen und setzt ihnen einen Filmfernsehdenkmal der peinlichsten Sorte - eingebettet in Dokus von Guido-Knopp und Terra-X Trash der ÖRs.

Mich würde interessieren - wie oft dieser Zweiteiler denn nach seiner Erstausstrahlung 1988 denn im Fernsehen kam - und in welchen Sendern.

Die Eingangsszene mit der Absurdität und dem Wahnsinn von WK1 zu beginnen - ist sehr gelungen. Die zögerliche Haltung der Menschewiki - ihr dumpfes Scheitern - ihre sozialdemokratisch zu nennende Burgfriedenqualität - entlarvend gezeichnet.

Also insgesamt recht brauchbar - wenn man auch das Exil etwas eindrücklich leidender hätte 'zeichnen' können.

#8: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: TarvocWohnort: Bonn BeitragVerfasst am: 14.11.2017, 17:22
    —
unquest hat folgendes geschrieben:
1917 fand doch gar keine Revolution sondern nur ein Putsch der Bolschewiki mit anschließendem Bürgerkrieg statt.

1917 bildeten dementsprechend die Arbeiter auch nicht ab Februar in den russischen Großstädten eigenständig Arbeiterräte. Die Sowjetunion wurde auch nicht (trotz deren späterer weitestgehender Entmachtung durch Lenin) nach diesen Arbeiterräten benannt. Sie hieß quasi überhaupt nie Sowjetunion, der Name existiert nur in den Wahnvorstellungen verwirrter Historiker. Schon klar. Mit den Augen rollen

#9: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: SkeptikerWohnort: Lovetown BeitragVerfasst am: 14.11.2017, 17:58
    —
Es gibt einen neuen Animationsfilm diverser Künstler über die Oktoberrevolution mit dem Titel:
"1917 - Der wahre Oktober".



Insgesamt sehr schön und liebevoll produziert und meiner Ansicht nach echt informativ, unterhaltsam und sehenswert! Daumen hoch!

#10: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: placeboWohnort: umdieecke BeitragVerfasst am: 16.11.2017, 19:48
    —
Naastika hat folgendes geschrieben:
....................
Nun bin ich nun wirklich kein Anhänger des kommunistischen System, was wohl einige Male deutlich wurde. ....................


Ja gut,wahrscheinlich bist du kein Anhänger von Nichts,
sondern einfach nur ein Hänger

#11: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: NaastikaWohnort: an der Fütterungsstelle der Eichhörnchen BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 10:04
    —
placebo hat folgendes geschrieben:
Naastika hat folgendes geschrieben:
....................
Nun bin ich nun wirklich kein Anhänger des kommunistischen System, was wohl einige Male deutlich wurde. ....................


Ja gut,wahrscheinlich bist du kein Anhänger von Nichts,
sondern einfach nur ein Hänger


Ahh, der attraktive junge Mann meldet sich gewohnt geistvoll zu Wort.....

#12: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 10:44
    —
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
unquest hat folgendes geschrieben:
1917 fand doch gar keine Revolution sondern nur ein Putsch der Bolschewiki mit anschließendem Bürgerkrieg statt.

1917 bildeten dementsprechend die Arbeiter auch nicht ab Februar in den russischen Großstädten eigenständig Arbeiterräte. Die Sowjetunion wurde auch nicht (trotz deren späterer weitestgehender Entmachtung durch Lenin) nach diesen Arbeiterräten benannt. Sie hieß quasi überhaupt nie Sowjetunion, der Name existiert nur in den Wahnvorstellungen verwirrter Historiker. Schon klar. Mit den Augen rollen


Es gab die Räte schon in der Revolution von 1905, wie du sicher weißt. So spontan war das also nicht. Ob 1917 eine Revolution oder ein Putsch war, ist ein Streit um Begriffe. Sowjetunion heißt das Ganze nicht wegen, sondern trotz der Tatsache, daß die Räte nichts mehr zu sagen hatten. Die DDR nannte sich ja auch „demokratisch“. Daß die Räte entmachtet wurden, schreibst du ja selbst. Worüber streitet ihr euch also? Gefällt dir die Bezeichnung Putsch im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Bolschewiki nicht? Oder möchtest du dein Traumbild von der an sich „guten“ Revolution nicht verlieren?

#13: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: SkeptikerWohnort: Lovetown BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 12:28
    —
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
unquest hat folgendes geschrieben:
1917 fand doch gar keine Revolution sondern nur ein Putsch der Bolschewiki mit anschließendem Bürgerkrieg statt.

1917 bildeten dementsprechend die Arbeiter auch nicht ab Februar in den russischen Großstädten eigenständig Arbeiterräte. Die Sowjetunion wurde auch nicht (trotz deren späterer weitestgehender Entmachtung durch Lenin) nach diesen Arbeiterräten benannt. Sie hieß quasi überhaupt nie Sowjetunion, der Name existiert nur in den Wahnvorstellungen verwirrter Historiker. Schon klar. Mit den Augen rollen


Es gab die Räte schon in der Revolution von 1905, wie du sicher weißt. So spontan war das also nicht. Ob 1917 eine Revolution oder ein Putsch war, ist ein Streit um Begriffe. Sowjetunion heißt das Ganze nicht wegen, sondern trotz der Tatsache, daß die Räte nichts mehr zu sagen hatten. Die DDR nannte sich ja auch „demokratisch“. Daß die Räte entmachtet wurden, schreibst du ja selbst. Worüber streitet ihr euch also? Gefällt dir die Bezeichnung Putsch im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Bolschewiki nicht? Oder möchtest du dein Traumbild von der an sich „guten“ Revolution nicht verlieren?


Eine gesellschaftliche Revolution betrifft vor allem die Revolutionierung der Produktionsweise, also der Produktionsverhältnisse und der Produktivkräfte.

Kennzeichen eines bloßen Putsches ist es dagegen, wenn die Wirtschaftsweise unangetastet bleibt oder sogar vor einer drohenden Revolution geschützt wird, wie insbesondere beim Faschismus der Fall.

#14: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 12:34
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
unquest hat folgendes geschrieben:
1917 fand doch gar keine Revolution sondern nur ein Putsch der Bolschewiki mit anschließendem Bürgerkrieg statt.

1917 bildeten dementsprechend die Arbeiter auch nicht ab Februar in den russischen Großstädten eigenständig Arbeiterräte. Die Sowjetunion wurde auch nicht (trotz deren späterer weitestgehender Entmachtung durch Lenin) nach diesen Arbeiterräten benannt. Sie hieß quasi überhaupt nie Sowjetunion, der Name existiert nur in den Wahnvorstellungen verwirrter Historiker. Schon klar. Mit den Augen rollen


Es gab die Räte schon in der Revolution von 1905, wie du sicher weißt. So spontan war das also nicht. Ob 1917 eine Revolution oder ein Putsch war, ist ein Streit um Begriffe. Sowjetunion heißt das Ganze nicht wegen, sondern trotz der Tatsache, daß die Räte nichts mehr zu sagen hatten. Die DDR nannte sich ja auch „demokratisch“. Daß die Räte entmachtet wurden, schreibst du ja selbst. Worüber streitet ihr euch also? Gefällt dir die Bezeichnung Putsch im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Bolschewiki nicht? Oder möchtest du dein Traumbild von der an sich „guten“ Revolution nicht verlieren?


Eine gesellschaftliche Revolution betrifft vor allem die Revolutionierung der Produktionsweise, also der Produktionsverhältnisse und der Produktivkräfte.

Kennzeichen eines bloßen Putsches ist es dagegen, wenn die Wirtschaftsweise unangetastet bleibt oder sogar vor einer drohenden Revolution geschützt wird, wie insbesondere beim Faschismus der Fall.


Das ist vor allen Dingen Revolutionsromantik.

#15: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: SkeptikerWohnort: Lovetown BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 12:49
    —
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
unquest hat folgendes geschrieben:
1917 fand doch gar keine Revolution sondern nur ein Putsch der Bolschewiki mit anschließendem Bürgerkrieg statt.

1917 bildeten dementsprechend die Arbeiter auch nicht ab Februar in den russischen Großstädten eigenständig Arbeiterräte. Die Sowjetunion wurde auch nicht (trotz deren späterer weitestgehender Entmachtung durch Lenin) nach diesen Arbeiterräten benannt. Sie hieß quasi überhaupt nie Sowjetunion, der Name existiert nur in den Wahnvorstellungen verwirrter Historiker. Schon klar. Mit den Augen rollen


Es gab die Räte schon in der Revolution von 1905, wie du sicher weißt. So spontan war das also nicht. Ob 1917 eine Revolution oder ein Putsch war, ist ein Streit um Begriffe. Sowjetunion heißt das Ganze nicht wegen, sondern trotz der Tatsache, daß die Räte nichts mehr zu sagen hatten. Die DDR nannte sich ja auch „demokratisch“. Daß die Räte entmachtet wurden, schreibst du ja selbst. Worüber streitet ihr euch also? Gefällt dir die Bezeichnung Putsch im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Bolschewiki nicht? Oder möchtest du dein Traumbild von der an sich „guten“ Revolution nicht verlieren?


Eine gesellschaftliche Revolution betrifft vor allem die Revolutionierung der Produktionsweise, also der Produktionsverhältnisse und der Produktivkräfte.

Kennzeichen eines bloßen Putsches ist es dagegen, wenn die Wirtschaftsweise unangetastet bleibt oder sogar vor einer drohenden Revolution geschützt wird, wie insbesondere beim Faschismus der Fall.


Das ist vor allen Dingen Revolutionsromantik.


Um die Produktionsweise geht es schlicht und einfach bei einer Revolution.

Hierbei sollen also die revolutionären Potenziale der Produktivkräfte durch entsprechende Produktionsverhältnisse von der Weltbevölkerung genutzt werden.

Der Faschismus dagegen verteidigt mit Klauen und Zähnen so eine Produktionsweise wie den Kapitalismus.

Wo siehst du da so etwas wie Romantik?

#16: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 17:02
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Wo siehst du da so etwas wie Romantik?


In deiner Anhäglichkeit an eine Geschichtsphilosophie aus dem 19. JH. Smilie

#17: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Kramer BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 17:28
    —
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Wo siehst du da so etwas wie Romantik?


In deiner Anhäglichkeit an eine Geschichtsphilosophie aus dem 19. JH. Smilie


Die einen trauern um das tote Pferd, die anderen prügeln nostalgisch darauf ein. So sind sie halt, die Romantiker.

#18: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 17:37
    —
Kramer hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Wo siehst du da so etwas wie Romantik?


In deiner Anhäglichkeit an eine Geschichtsphilosophie aus dem 19. JH. Smilie


Die einen trauern um das tote Pferd, die anderen prügeln nostalgisch darauf ein. So sind sie halt, die Romantiker.


Ja, Kramer, der Vorwurf ist berechtigt, aber ist das Einprügeln auf tote Pferde nicht der eigentliche Zweck dieses Forums? zwinkern

#19: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: SkeptikerWohnort: Lovetown BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 18:52
    —
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Kramer hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Wo siehst du da so etwas wie Romantik?


In deiner Anhäglichkeit an eine Geschichtsphilosophie aus dem 19. JH. Smilie


Die einen trauern um das tote Pferd, die anderen prügeln nostalgisch darauf ein. So sind sie halt, die Romantiker.


Ja, Kramer, der Vorwurf ist berechtigt, aber ist das Einprügeln auf tote Pferde nicht der eigentliche Zweck dieses Forums? zwinkern


Seit wann ist die vernünftige & gesamtgesellschaftliche Entwicklung und Anwendung der modernen Produktivkräfte ein totes Pferd?

Und was spielt es für eine Rolle, dass man diese Möglichkeiten - in einer gewissen Klarheit - erst (!) im 19. Jahrhundert erkannt hat? Schließlich begannen sich tatsächlich erst in dieser Phase die Produktivkräfte so zu entwickeln, dass die menschliche Produktivität sprunghaft anstieg.

Also: Du redest wirr, Kollege. Das "19. Jahrhundert" als Beginn der *richtigen Soziologie*, also der fortgeschrittenen Gesellschaftsanalyse ist leicht erklärbar. Alles davor war doch nur Geplänkel ohne materielle Grundlage. zwinkern


Zuletzt bearbeitet von Skeptiker am 17.11.2017, 19:09, insgesamt einmal bearbeitet

#20: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 19:07
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Das "19. Jahrhundert" als Beginn der richtigen Soziologie ist leicht erklärbar. zwinkern


Oh, ja, und zwar mit Auguste Comte, von dem auch die Bezeichnung stammt. Nur ist das kein Grund, dabei zu bleiben. Mit Marx ist es ähnlich. Wenn man ihn nimmt, als das was er ist, als ein Mann des Übergang von der Philosophie zur Wissenschaft, dann kann man ihn schätzen. Wenn man seine Theorien dagegen wie ein Backrezept behandelt, das man anwendet, ob es paßt oder nicht, dann trägt es nicht nur nicht mehr zur Erkenntnis bei, sondern wird zum Glauben, und die eigene Tätigkeit zur allzu vorhersehbaren Apologetik. Deshalb weiß man immer schon im Voraus, was du schreiben wirst. Totes Pferd halt. Du solltest absteigen und dir ein anderes, lebendes suchen. zwinkern

#21: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: SkeptikerWohnort: Lovetown BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 19:16
    —
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Das "19. Jahrhundert" als Beginn der richtigen Soziologie ist leicht erklärbar. zwinkern


Oh, ja, und zwar mit Auguste Comte, von dem auch die Bezeichnung stammt. Nur ist das kein Grund, dabei zu bleiben. Mit Marx ist es ähnlich. Wenn man ihn nimmt, als das was er ist, als ein Mann des Übergang von der Philosophie zur Wissenschaft, dann kann man ihn schätzen. Wenn man seine Theorien dagegen wie ein Backrezept behandelt, das man anwendet, ob es paßt oder nicht, dann trägt es nicht nur nicht mehr zur Erkenntnis bei, sondern wird zum Glauben, und die eigene Tätigkeit zur allzu vorhersehbaren Apologetik. Deshalb weiß man immer schon im Voraus, was du schreiben wirst. Totes Pferd halt. Du solltest absteigen und dir ein anderes, lebendes suchen. zwinkern


Niemand betrachtet Marx als ein Backrezept.

Dazu gibt es einen treffenden Artikel auf TP, dem ich im Wesentlichen zustimme:

Zitat:
Jagd auf Roter Oktober

Der Sturm auf das Winterpalais war nicht die große Massenaktion, aber es war auch kein Putsch, wie es seit 100 Jahren viele Kritiker behaupten. Der 7.November 1917 war lediglich der Höhepunkt einer Entwicklung innerhalb der europäischen Arbeiterbewegung. Gegen den Flügel, der sich ein organisches Verschmelzen in den kapitalistischen Staat vorstellen konnte, stand der linke Flügel, der nur im Bruch mit den Strukturen des bürgerlichen Staates eine Voraussetzung für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg sah.

In der Pariser Kommune setzte sich diese Strömung für kurze Zeit durch und schuf sich Räte. Fortan orientierte sich der linke Flügel der Arbeiterbewegung an dem Modell. Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs kam dieser Strömung eine besondere Verantwortung zu. Er lehnte es ab, wie die Rechten in das Kriegsgeschrei einzustimmen. Vielmehr sah er durch den Weltkrieg die Bedingungen für eine Revolution heranreifen.

Die Bolschewiki sahen sich als integraler Teil dieser linken Strömung. Sie hatten nie die Absicht, die Revolution in einem Land zu machen. Sie wollten das Startzeichen für eine globale Revolution geben und sie feierten, als es ihnen gelangt, die Macht länger als die Pariser Kommune zu behalten. Die Bolschewiki verachteten alles Nationale, bekämpften den Antisemitismus und sahen sich an der Spitze einer weltweiten Bewegung der linken Arbeiterbewegung. Land und Frieden war ihre Parole.

Es war also keineswegs die Machtgelüste einer Gruppe von Möchtegerndiktatoren, die für die Oktoberrevolution verantwortlich waren. Es war vielmehr der Versuch der organisierten Arbeiterbewegung, aus den Erfahrungen der Niederlage der Pariser Kommune Konsequenzen zu ziehen. Ähnliche Vorstellungen hatten zu jener Zeit Linke in vielen Ländern der Welt. Die Bolschewiki machten damit ernst, das machte sie auf der ganzen Welt populär.

Sie siegten nicht als nationale Partei, sondern als Teil einer internationalen Arbeiterbewegung. Sie wurden getragen von der Überzeugung großer Teile der lohnarbeitenden Menschen, dass es möglich ist, eine Welt vernünftig zu gestalten. Hierin lag und liegt die Bedeutung der Ereignisse vor 100 Jahren und nicht in dem Sturm auf ein Gebäude. (...)

Wenn Gramsci den Bolschewiki bescheinigte, die Oktoberrevolution sei eine Revolution gegen das Kapital von Karl Marx, war das ein Lob. Denn er bescheinigte ihnen, dass sie keine Doktrinäre sind, Schriften von Marx nicht als Bibel auffassten und sich im Zweifel an den realen Kämpfen und nicht den Schriften orientierten.

Gleichzeitig waren die Bolschewiki die Partei, die die alte Gesellschaft konsequent ablehnte, die sich nicht in irgendwelche Mitmachmodelle einspannen ließen. So konnte sie zu einem dritten Pool werden, der die Unzufriedenheit vor allem der unteren Schichten der Bevölkerung aufnehmen konnte. Es war gerade die Kompromisslosigkeit gegenüber dem alten System, das die Bolschewiki populär machte. Sie haben nicht die Pariser Kommune imitiert, sondern die Klassenkämpfe in Russland vorbereitet.

Das ist eben der Unterschied zwischen einer Inszenierung und einer Revolution. Die Bolschewiki waren keine Schauspieler, sie haben die Gesellschaft verändert. Das konnten sie nur, weil sie verstanden hatten, was in der russischen Gesellschaft vor 100 Jahren vorgegangen ist.


https://www.heise.de/tp/features/Jagd-auf-Roter-Oktober-3885179.html?seite=all


Das Wichtigste an Marx ist seine Methode. Das hatte ich schon mal etwas ausführlicher dargelegt.

Was du hier bringst, das sind wirklich unterirdische, billigste Klischees über Marxismus & Revolution. Muss das sein?

#22: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: Marcellinus BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 19:37
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:

Was du hier bringst, das sind wirklich unterirdische, billigste Klischees über Marxismus & Revolution. Muss das sein?

Nein, das muß nicht nur nicht sein, gegen soviel gläubige Anhänglichkeit anzuschreiben, ist sogar vollkommen nutzlos, vor allem angesichts der Tatsache, daß die historische Entwicklung darüber hinweg gegangen ist. Während meines Studiums vor 40 Jahren machte das noch einen gewissen Sinn. Heute ist es den Aufwand einfach nicht mehr wert.

#23: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: placeboWohnort: umdieecke BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 21:22
    —
Naastika hat folgendes geschrieben:
..............
So erlaue ich mir mal, den Fred zu öffnen, zu dem ich selbst inhaltich nicht viel beitragen kann.


showtime


Selbsterkenntniss ist der erste Weg zur Besserung!
siehe ebenda
https://youtu.be/rq68A07CDcM

#24: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: vrolijkeWohnort: Stuttgart BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 21:28
    —
placebo hat folgendes geschrieben:
Naastika hat folgendes geschrieben:
..............
So erlaue ich mir mal, den Fred zu öffnen, zu dem ich selbst inhaltich nicht viel beitragen kann.


showtime


Selbsterkenntniss ist der erste Weg zur Besserung!
siehe ebenda
https://youtu.be/rq68A07CDcM

Und eben deswegen kann man einen thread eröffnen. Damit man was dazu lernen kann.

#25: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: placeboWohnort: umdieecke BeitragVerfasst am: 18.11.2017, 18:22
    —
vrolijke hat folgendes geschrieben:
..........
Und eben deswegen kann man einen thread eröffnen. Damit man was dazu lernen kann.


Tja,hat der Mensch aus der Geschichte gelernt??
Ganz schwieriges Thema.
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.Insofern hast du natürlich recht.

#26:  Autor: NaastikaWohnort: an der Fütterungsstelle der Eichhörnchen BeitragVerfasst am: 20.11.2017, 18:46
    —
Thx, vrolli, das war in der Tat meine Absicht.

#27:  Autor: placeboWohnort: umdieecke BeitragVerfasst am: 21.11.2017, 00:45
    —
Naastika hat folgendes geschrieben:
Thx, vrolli, das war in der Tat meine Absicht.


Ja wunderbar!
Wenn man allerdings vorausschickt wie du,das man Linke und den sogenannten Kommunismus sowieso ablehnt,brauch man sich doch gar nicht auszutauschen?????

Ist eh eine Nummer zu groß für dich das Thema Cool

quotefehler gerichtet. vrolijke

#28: Re: 100 Jahre russische Revolution Autor: TarvocWohnort: Bonn BeitragVerfasst am: 21.11.2017, 05:13
    —
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Die Sowjetunion wurde auch nicht ( trotz deren späterer weitestgehender Entmachtung durch Lenin) nach diesen Arbeiterräten benannt.

Sowjetunion heißt das Ganze nicht wegen, sondern trotz der Tatsache, daß die Räte nichts mehr zu sagen hatten.

Das ist buchstäblich genau das, was in meinem Beitrag steht. Mit den Augen rollen



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