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Freigeisterhaus -> Spiel, Spaß und Unterhaltung

#601: Füchse sind auch nur Diebe - veganer Protest gegen Limburger Glockenspiel Autor: Religionskritik-WiesbadenWohnort: Wiesbaden BeitragVerfasst am: 26.02.2017, 19:55
    —
fwo hat folgendes geschrieben:
(...)

So stelle ich mir auch den typischen Veggie vor, dass der keinen Goethe-Text lesen kann, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass Goethe gerne Braten aß.

(...)

So was braucht man sich nicht nur vorstellen,
das reale Leben bietet uns hierfür schon Beispiel zur Genüge:

http://hessenschau.de/panorama/limburg-aendert-rathaus-glockenspiel-nach-veganer-protest,limburg-rathaus-glockenspiel-100.html

Zitat:
Die Melodie von "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ erklingt erst einmal nicht mehr aus dem Türmchen des Limburger Rathauses. Einer veganen Tierschützerin war das Kinderlied auch in der Instrumentalversion zu heftig.

Es sei nicht der Gans-Diebstahl gewesen, der die Frau an dem Lied geärgert habe. Vielmehr traf sie die im Liedtext geäußerte Drohung: "Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr ...“ Dass aus dem Turm eine rein instrumentale Version zum Besten gegeben wurde, war offenbar kein Trost.



Lachen

#602:  Autor: WilsonWohnort: Swift Tuttle BeitragVerfasst am: 26.02.2017, 20:12
    —
fwo hat folgendes geschrieben:
Wilson hat folgendes geschrieben:
....
was lernt man nun im besten falle daraus?
das wagner ignorant war, ihm nichts über sich ging? er keine ahnung hatte? ihm nicht klar war, was er damit anrichtete?
das vermiest mir die musik.

jedenfalls ist kunst politisch.


im grunde müsste man, wäre man konsequent, handeln wie bei den geschützten edelhölzern oder elfenbein?
es gibt ja schließlich keinen grund zur annahme, dass parallel aufklärung bzw Reflexion was brächte..

http://www.zeit.de/wissen/2016-04/kenia-elfenbein-verbrennung-uhuru-kenyatta

Alles, was Du daraus lernst, ist, dass Wagner ein Kind seiner Zeit war, also niemand, der in der Lage war, die Geschichte und daraus die Lehren für die Moral der nächsten 100 Jahre vorherzusehen. Antisemitismus war damals in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung, auch bei den Gebildeten, verbreitet, und ganz einfach normal, so etwa wie PC heute. Was meinst Du denn, wie groß Deine Chance gewesen wäre, damals nicht antisemitisch gewesen zu sein?

So stelle ich mir auch den typischen Veggie vor, dass der keinen Goethe-Text lesen kann, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass Goethe gerne Braten aß.

Kann man machen, muss man aber nicht.


rahm dir deinen gestickten "zeitgeistspruch" ein, häng ihn ins schlafzimmer und mach die augen zu.

#603:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 27.02.2017, 13:39
    —
fwo hat folgendes geschrieben:
Alles, was Du daraus lernst, ist, dass Wagner ein Kind seiner Zeit war, also niemand, der in der Lage war, die Geschichte und daraus die Lehren für die Moral der nächsten 100 Jahre vorherzusehen. Antisemitismus war damals in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung, auch bei den Gebildeten, verbreitet, und ganz einfach normal, so etwa wie PC heute. Was meinst Du denn, wie groß Deine Chance gewesen wäre, damals nicht antisemitisch gewesen zu sein?

Gering, schätze ich, was mich betrifft, sehr gering. Auch Wilhelm Busch war dabei:

Kurz die Hose, lang der Rock,
krumm die Nase und der Stock,
Augen schwarz und Seele grau,
Hut nach hinten, Miene schlau -
so ist Schmulchen Schivelbeiner.
(schöner ist doch unsereiner).
aus: Plisch und Plum (für Kinder gezeichnet und geschrieben!)

Das wahre Gesocks auf dem Festspielhügel waren Wagners Nachkommen.

#604:  Autor: fwoWohnort: nicht fest BeitragVerfasst am: 27.02.2017, 15:27
    —
Ahriman hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
Alles, was Du daraus lernst, ist, dass Wagner ein Kind seiner Zeit war, also niemand, der in der Lage war, die Geschichte und daraus die Lehren für die Moral der nächsten 100 Jahre vorherzusehen. Antisemitismus war damals in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung, auch bei den Gebildeten, verbreitet, und ganz einfach normal, so etwa wie PC heute. Was meinst Du denn, wie groß Deine Chance gewesen wäre, damals nicht antisemitisch gewesen zu sein?

Gering, schätze ich, was mich betrifft, sehr gering. Auch Wilhelm Busch war dabei:

Kurz die Hose, lang der Rock,
krumm die Nase und der Stock,
Augen schwarz und Seele grau,
Hut nach hinten, Miene schlau -
so ist Schmulchen Schivelbeiner.
(schöner ist doch unsereiner).
aus: Plisch und Plum (für Kinder gezeichnet und geschrieben!)

Das wahre Gesocks auf dem Festspielhügel waren Wagners Nachkommen.

Das war jetzt nicht wirklich eine Frage, die ich von irgendjemandem beantwortet haben wollte, weil man sie nicht beantworten kann.

Sich ernsthaft in eine andere Zeit - und Gesellschaft - zu versetzen ist unmöglich, denn man kennt sich selbst nur in der Sozialisation, in der man geworden ist. Hätte man aber wirklich damals gelebt, wäre man auch damals aufgewachsen und hätte dementsprechend auch anders wahrgenommen und gefühlt. Auch in unserer Gefühlswelt sind wir sozialisationsabhängig.

#605:  Autor: SkeptikerWohnort: 129 Goosebumpsville BeitragVerfasst am: 27.02.2017, 15:43
    —
Wilson hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
Wilson hat folgendes geschrieben:
....
was lernt man nun im besten falle daraus?
das wagner ignorant war, ihm nichts über sich ging? er keine ahnung hatte? ihm nicht klar war, was er damit anrichtete?
das vermiest mir die musik.

jedenfalls ist kunst politisch.


im grunde müsste man, wäre man konsequent, handeln wie bei den geschützten edelhölzern oder elfenbein?
es gibt ja schließlich keinen grund zur annahme, dass parallel aufklärung bzw Reflexion was brächte..

http://www.zeit.de/wissen/2016-04/kenia-elfenbein-verbrennung-uhuru-kenyatta

Alles, was Du daraus lernst, ist, dass Wagner ein Kind seiner Zeit war, also niemand, der in der Lage war, die Geschichte und daraus die Lehren für die Moral der nächsten 100 Jahre vorherzusehen. Antisemitismus war damals in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung, auch bei den Gebildeten, verbreitet, und ganz einfach normal, so etwa wie PC heute. Was meinst Du denn, wie groß Deine Chance gewesen wäre, damals nicht antisemitisch gewesen zu sein?

So stelle ich mir auch den typischen Veggie vor, dass der keinen Goethe-Text lesen kann, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass Goethe gerne Braten aß.

Kann man machen, muss man aber nicht.


rahm dir deinen gestickten "zeitgeistspruch" ein, häng ihn ins schlafzimmer und mach die augen zu.


Das mit dem Zeitgeist plus Verniedlichung a là "Kind seiner Zeit" riecht nach Entschuldigung.

Es gab immer auch Widerstand gegen Antisemitismus, selbst im Mittelalter und erst Recht in der Epoche Richard Wagners.

#606:  Autor: schtonk BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 01:11
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...

Das mit dem Zeitgeist plus Verniedlichung a là "Kind seiner Zeit" riecht nach Entschuldigung.

...

Nein, das ist keine Verniedlichung. Lies Ein Kind unserer Zeit von Ödön von Horvath, dann verstehst du das.
Wer etwas über das Aufblühen des Faschismus wissen will und wie er sich in den Köpfen der Einzelnen festsetzte, kommt mE an Horvath nicht vorbei (auch Sladek oder die Schwarze Armee und Der ewige Spießer).

#607:  Autor: WilsonWohnort: Swift Tuttle BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 01:26
    —
schtonk hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...

Das mit dem Zeitgeist plus Verniedlichung a là "Kind seiner Zeit" riecht nach Entschuldigung.

...

Nein, das ist keine Verniedlichung. Lies Ein Kind unserer Zeit von Ödön von Horvath, dann verstehst du das.
Wer etwas über das Aufblühen des Faschismus wissen will und wie er sich in den Köpfen der Einzelnen festsetzte, kommt mE an Horvath nicht vorbei (auch Sladek oder die Schwarze Armee und Der ewige Spießer).

und wozu?

#608:  Autor: schtonk BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 01:33
    —
Wilson hat folgendes geschrieben:
schtonk hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...

Das mit dem Zeitgeist plus Verniedlichung a là "Kind seiner Zeit" riecht nach Entschuldigung.

...

Nein, das ist keine Verniedlichung. Lies Ein Kind unserer Zeit von Ödön von Horvath, dann verstehst du das.
Wer etwas über das Aufblühen des Faschismus wissen will und wie er sich in den Köpfen der Einzelnen festsetzte, kommt mE an Horvath nicht vorbei (auch Sladek oder die Schwarze Armee und Der ewige Spießer).

und wozu?

Wozu was?

#609:  Autor: WilsonWohnort: Swift Tuttle BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 01:41
    —
schtonk hat folgendes geschrieben:
Wilson hat folgendes geschrieben:
schtonk hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...

Das mit dem Zeitgeist plus Verniedlichung a là "Kind seiner Zeit" riecht nach Entschuldigung.

...

Nein, das ist keine Verniedlichung. Lies Ein Kind unserer Zeit von Ödön von Horvath, dann verstehst du das.
Wer etwas über das Aufblühen des Faschismus wissen will und wie er sich in den Köpfen der Einzelnen festsetzte, kommt mE an Horvath nicht vorbei (auch Sladek oder die Schwarze Armee und Der ewige Spießer).

und wozu?

Wozu was?

wozu das lesen?

#610:  Autor: schtonk BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 02:23
    —
Wilson hat folgendes geschrieben:
schtonk hat folgendes geschrieben:
Wilson hat folgendes geschrieben:
schtonk hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...

Das mit dem Zeitgeist plus Verniedlichung a là "Kind seiner Zeit" riecht nach Entschuldigung.

...

Nein, das ist keine Verniedlichung. Lies Ein Kind unserer Zeit von Ödön von Horvath, dann verstehst du das.
Wer etwas über das Aufblühen des Faschismus wissen will und wie er sich in den Köpfen der Einzelnen festsetzte, kommt mE an Horvath nicht vorbei (auch Sladek oder die Schwarze Armee und Der ewige Spießer).

und wozu?

Wozu was?

wozu das lesen?

Streiche das das und antworte dir selbst.

#611:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 13:27
    —

********



wörtlicherText eines Propagandaliedes der Hilterjugend vorläufig entfernt. astarte


....
Hab ich mit Begeisterung gesungen, damals 10-11 Jahre alt. Es hat übrigens eine wirklich mitreißende Melodie.
Das war auch beliebt:

Text von " es zittern die morschen Knochen" von Hans Baumann vorläufig entfernt. astarte.

Allerdings sangen wir:
denn heute gehört uns Deutschland
und morgen die ganze Welt
und hielten das für den richtigen Text.

#612:  Autor: vrolijkeWohnort: Stuttgart BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 14:20
    —
Ahriman hat folgendes geschrieben:
H-J-Lied


Mehr Information darüber.

Zitat:
Ein junges Volk steht auf war ein Propagandalied der Hitlerjugend (HJ). Das von Werner Altendorf gedichtete Lied wurde 1935 erstmals veröffentlicht. Bis in die Gegenwart wird es von der extremen Rechten in Deutschland genutzt.

#613:  Autor: AdvocatusDiaboliWohnort: München BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 15:11
    —
vrolijke hat folgendes geschrieben:
Ahriman hat folgendes geschrieben:
H-J-Lied


Mehr Information darüber.

Zitat:
Ein junges Volk steht auf war ein Propagandalied der Hitlerjugend (HJ). Das von Werner Altendorf gedichtete Lied wurde 1935 erstmals veröffentlicht. Bis in die Gegenwart wird es von der extremen Rechten in Deutschland genutzt.


Vielleicht sollte man es deswegen nicht im Forum stehen lassen. Nostalgie hin oder her...

#614: Philou 43 Autor: Gödelchen BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 15:51
    —
Noch en Jedicht:

Ist die Korrektheit riesengroß,
geht sie oft nach hinten los.

Im Korrekten ganz allein,
wir niemals echtes Leben sein.

#615:  Autor: fwoWohnort: nicht fest BeitragVerfasst am: 28.02.2017, 16:46
    —
AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
...
Vielleicht sollte man es deswegen nicht im Forum stehen lassen. Nostalgie hin oder her...

Nicht nur vielleicht, sondern ganz sicher nicht:
Wikipedia hat folgendes geschrieben:
"Ein rechtes Lied kostet 600 Euro."

Das hätte vrolijke auch eigentlich auffallen müssen, der Link ist von ihm.

p.s. weil das offensichtlich ein Missverständnis gegeben hat: Das war von mir nicht gegen Ahriman gerichtet, der hier noch nie auch nur als als faschismusnah aufgetreten ist und dessen Post auch auch nicht so verstanden habe.

#616:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 01.03.2017, 07:45
    —
Na, ich habs doch nicht gesungen. Oder doch, ja, aber vor etwa 70 Jahren. Das ist verjährt.
Ich finde, diese beiden Texte zeigen überdeutlich die Denkweise und die Brutalität des damaligen Nationalsozialismus. "weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt". Hat man ja auch gemacht. Sind übrigens problemlos im Netz zu finden. Ich meine, man sollte sie sich genau ansehen und darüber nachdenken. Wär vielleicht auch was für den Thread "Was ist Propaganda?"

#617: Re: Philou 43 Autor: AdvocatusDiaboliWohnort: München BeitragVerfasst am: 01.03.2017, 10:23
    —
Gödelchen hat folgendes geschrieben:
Noch en Jedicht:

Ist die Korrektheit riesengroß,
geht sie oft nach hinten los.

Im Korrekten ganz allein,
wir niemals echtes Leben sein.


Die letzten Worte des Bombenbastlers

#618:  Autor: vrolijkeWohnort: Stuttgart BeitragVerfasst am: 01.03.2017, 10:50
    —
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Na, ich habs doch nicht gesungen. Oder doch, ja, aber vor etwa 70 Jahren. Das ist verjährt.
Ich finde, diese beiden Texte zeigen überdeutlich die Denkweise und die Brutalität des damaligen Nationalsozialismus. "weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt". Hat man ja auch gemacht. Sind übrigens problemlos im Netz zu finden. Ich meine, man sollte sie sich genau ansehen und darüber nachdenken. Wär vielleicht auch was für den Thread "Was ist Propaganda?"

Wir sind hier alle Gäste eines Betreibers, der auch nur Ärger durch Versuche das FGH anzuprangern, nicht braucht. Denke in Zukunft nach, bevor Du Nazi-Propagandalieder komplett hier reinschreibst. Zudem schreibst du selbst, dass es keinen Grund gibt, den Text zu zitieren, um ihn zu diskutieren:

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Na, ich habs doch nicht gesungen. Oder doch, ja, aber vor etwa 70 Jahren. Das ist verjährt.
Ich finde, diese beiden Texte zeigen überdeutlich die Denkweise und die Brutalität des damaligen Nationalsozialismus. "weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt". Hat man ja auch gemacht. Sind übrigens problemlos im Netz zu finden. Ich meine, man sollte sie sich genau ansehen und darüber nachdenken. Wär vielleicht auch was für den Thread "Was ist Propaganda?"

#619:  Autor: worseWohnort: Stoapfalz BeitragVerfasst am: 02.06.2017, 18:34
    —
Annette von Droste-Hülshoff

Der Knabe im Moor

O, schaurig ists, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt -
O, schaurig ists, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind -
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre;
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf,
Voran, als woll' es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
"Ho, ho, meine arme Seele!"
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war's fürchterlich,
O, schaurig war's in der Heide!



hab ich grad im Wald gefunden. Da sind n paar hübsche Ausdrücke drin. Cool

#620:  Autor: BravopunkWohnort: Edo BeitragVerfasst am: 24.06.2017, 16:20
    —
"Es war einmal ein altes Schloss
und Kunibert, so hieß der Boss.

Er hatte Mägde, er hatte Knechte
und eine Frau, das war das Schlechte.
Ihr Mund war breit, ihr Hals war lang
und es klang scheußlich wenn 'se sang.

Da zielte er mit Korn und Kimme
und Wut auf sie, dass war das Schlimme.

Es machte 'Bumm'
(natürlich lauter),
dann fiel 'se um.
Zum Himmel schaut er
und spricht das Auge voll Gewässer:
'Vielleicht singt 'se da oben besser!?'"


- Heinz Erhardt, "Das alte Schloss"

#621:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 25.06.2017, 01:48
    —
Das Bild des Mannes in nackter Jugendkraft
so stolz in Ruhe und bewegt so edel,
wohl ist's ein Anblick, der Bewundrung schafft;
drum Licht herbei! Und merke dir's, oh Schädel!

Jedoch ein Weib, ein unverhülltes Weib -
Da wird dir's doch ganz anders, alter Junge.
Bewundrung zieht sich durch den ganzen Leib
und greift mit Wonneschreck an Herz und Lunge.

Und plötzlich jagt das losgelaßne Blut
durch alle Gassen wie die Feuerreiter.
Der ganze Kerl ist eine helle Glut;
er sieht nichts mehr und tappt nur noch so weiter.

Wilhelm Busch

#622:  Autor: WilsonWohnort: Swift Tuttle BeitragVerfasst am: 04.08.2017, 17:37
    —
Victor Hugo

Viro Major – An Louise Michel


Du sahst das maßlose Gemetzel, den Kampf,

Das Volk ans Kreuz geschlagen, Paris auf seinem Schmerzenslager,

Und ungeheures Mitleid war in deinen Worten;

Du tatest das, was große Seelen tun, außer sich;

Und müde des Kampfes, des Träumens, des Leidens,

Sprachst du: - ich habe getötet! – denn du wolltest sterben.



Schrecklich und übermenschlich gabst du falsch Zeugnis wider dich.

Judith, die düstre Jüdin, Aria, die Römerin,

Sie hätten deinen Worten Beifall gezollt.

Du sprachst zum Volk: - ich brannte die Paläste nieder! –

Verherrlichtest, die man zugrunde richtet und mit Füßen tritt.



Du riefest: - ich habe getötet! So töte man mich! –

Und die Menge lauschte der stolzen Frau, die sich selbst bezichtigte.

Du schienst dem Grabe Küsse zuzuwerfen;

Schwer auf den bleichen Richtern wog dein fester Blick,

Und, gleich den düstren Eumeniden, träumtest du.

Der bleiche Tod stand hinter dir.

Der ganze Saal war erfüllt von Entsetzen,

Denn das blutende Volk haßt den Krieg unter Bürgern.

Diese Frau lauschte den wirren Geräuschen des Lebens,

Herab von unbeugsamer Weigerung Höhe.

Nichts schien sie zu verstehen als den Pranger,

Errichtet zu einer Apotheose;

Voll Würde schien ihr die Schmach, voll Schönheit die Strafe,

Und finster eilte sie dem Grabe zu.

Die Richter murmelten: - Sie sterbe! Das ist gerecht,

Denn ruchlos ist sie! – „Sie wäre denn göttlich“,

Sprach ihr Gewissen. Und nachdenklich ob ja, ob nein,

Wie zwischen Klippen, blickten im Zögern die Richter

Auf die unbeugsame Schuldige.

Und alle, die, wie ich dich all des unfähig wissen,

Was nicht heroisch und voll Tugend ist,

Die wissen, dass, wenn Gott dich fragte: “Woher kommst du?“

Die Antwort wäre: ich komme aus der Dunkelheit des Leidens;

Mein Gott, ich komme aus der Pflicht, die du zu einem Abgrund machst!



Alle, die deine geheimnisvollen und sanften Verse kennen,

Deine Tage, deine Nächte, deine Mühen,

Deine Tränen, die du für alle gabst,

Das Vergessen deiner selbst in der Hilfe für den Anderen,

Deine Worte gleich den Flammenreden der Apostel;

Alle, die das Haus ohne Feuer, ohne Luft, ohne Brot,

Das Feldbett kennen mit dem Tisch aus Tannenholz,

Deine Güte, deinen Stolz einer Frau aus dem Volke,

Die herbe Rührung unter deinem Zorn,

Den langen, Hasserfüllten Blick auf alle die Unmenschlichen,

Die Kinderfüße, die du mit den Händen wärmtest;

Sie alle, Frau, voll Andacht vor deiner ungezähmten Größe,

Nicht achtend des bittren Zugs um deinen Mund,

Nicht achtend des teuflischen Verfolgers, der,

Dir ständig auf den Fersen,

Alle Empörung des Gesetzes ins Gesicht dir schlug,

Nicht achtend deiner unheilvollen, lauten Stimme, die dich anklagt,

Sie alle sahn durch das Medusenhaupt

Den Widerschein des Engels.



Du warst erhaben, seltsam fremd diesem Gericht,

Denn, armselig wie sie sind,

Verwirrt die Lebenden hienieden

Nichts mehr als zwei verschmolzene Seelen,

Als das göttliche Chaos gehirnentrückter Dinge

Am Grunde eines unerbittlich großen Herzens,

ein Götterlicht in einem Höllenfeuer.



Dezember 1871

#623:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 05.08.2017, 11:50
    —
Was für ein geballte Ladung Schwachsinn.
" das göttliche Chaos gehirnentrückter Dinge"
Ja, genau das.

#624:  Autor: WilsonWohnort: Swift Tuttle BeitragVerfasst am: 05.08.2017, 14:33
    —
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Was für ein geballte Ladung Schwachsinn.
" das göttliche Chaos gehirnentrückter Dinge"
Ja, genau das.

ich wusste, du würdest entzückt sein.

#625:  Autor: worseWohnort: Stoapfalz BeitragVerfasst am: 05.08.2017, 17:23
    —
Die Wanderratten

von Heinrich Heine


Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viel tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl durch die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,
Die lebenden lassen die toten zurück.

Es haben diese Käuze
Gar fürchterliche Schnäuze;
Sie tragen die Köpfe geschoren egal,
Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale Rotte
Weiß nichts von einem Gotte.
Sie lassen nicht taufen ihre Brut,
Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,
Er will nur fressen und saufen,
Er denkt nicht, während er säuft und frißt,
Daß unsre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs neue zu teilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!
Sie sind schon in der Nähe.
Sie rücken heran, ich höre schon
Ihr Pfeifen - die Zahl ist Legion.

O wehe! wir sind verloren,
Sie sind schon vor den Toren!
Der Bürgermeister und Senat,
Sie schütteln die Köpfe, und keiner weiß Rat.

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,
Die Glocken läuten die Pfaffen.
Gefährdet ist das Palladium
Des sittlichen Staats, das Eigentum.

Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
Nicht hohlwohlweise Senatsdekrete,
Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
Sie helfen Euch heute, Ihr lieben Kinder!

Heut helfen Euch nicht die Wortgespinste
Der abgelebten Redekünste.
Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
Sie springen über die feinsten Sophismen.

Im hungrigen Magen Eingang finden
Nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
Nur Argumente von Rinderbraten,
Begleitet mit Göttinger Wurst-Zitaten.

Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
Behaget den radikalen Rotten
Viel besser als ein Mirabeau
Und alle Redner seit Cicero.

#626:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 06.08.2017, 11:04
    —
Der hat so viele schöne Gedichte gemacht, und so traurige auch über unglückliche Lieben. Und du zitierst grade das und setzt dich dem Verdacht aus, du meinst damit die Flüchtlinge, die uns überrennen und kahl fressen.

#627:  Autor: WilsonWohnort: Swift Tuttle BeitragVerfasst am: 06.08.2017, 16:10
    —
Niemand bin ich! Und du?
Ein Niemand- noch dazu?
Dann sind wir zwei im Land!
Still! Gleich wird man bekannt!

Wie öde- Jemand sein!
Sein Lebtag- Fröschen gleich-
Den eignen Namen auszuquaken-
Für den applaus im Teich!

Emily Dickinson

#628:  Autor: BravopunkWohnort: Edo BeitragVerfasst am: 04.09.2017, 07:09
    —
Kam mir vorhin auf schier unerklärliche Weise (Pfeifen) in den Sinn:

Heidenröslein
Johann Wolfgang v. Goethe

Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah’s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will’s nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt’ es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.

#629:  Autor: AhrimanWohnort: 89250 Senden BeitragVerfasst am: 04.09.2017, 13:45
    —
Dafür hätte man den perversen Lustlümmel auspeitschen sollen. Oder war es zu seiner Zeit fein, ein Mädchen zu vergewaltigen? Es gibt heute noch Sopranistinnen, die diesen Scheiß sogar singen und auf CDs verewigen lassen.

#630:  Autor: BravopunkWohnort: Edo BeitragVerfasst am: 04.09.2017, 13:54
    —
Ich dachte eigentlich mehr daran es an eine Wand zu malen. Cool



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