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Ist die Philosophie tot?
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Freidenker1
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Anmeldungsdatum: 25.09.2012
Beiträge: 14

Beitrag(#1784783) Verfasst am: 26.09.2012, 17:03    Titel: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Lange Zeit war die Philosophie die Mutter aller Wissenschaften. Doch was ist die Philosophie heute noch? Viele ihrer Kinder hat sie an Einzelwissenschaften verloren. Seit Wittgenstein soll sich die Philosophie auf "Sprachtherapie" beschränken, die Knoten wieder auflösen, die meist von Philosophen selbst durch falschen Sprachgebrauch entstanden sind. Ich denke, die Philosophie war die vernünfterige Schwester der vom Wunschdenken, Teufels- und Gotteswahn besessenen Religion. Heute sind es die Erkenntnisse der Naturwissenschaftler, besonders die der Physiker, Biologen und die der Hirnforschung, die ein aufgeklärter Geist genau beobachten und verdauen sollte. Mehr zu diesem Thema könnt ihr in der neuen Freidenker Galerie finden. mehr hier:
http://www.freidenker-galerie.de/philosophie-hirnforschung-und-willensfreiheit/

Stewen Hawking meinte in seinem neuen Buch, die Philosophie seit tot.
Was meint ihr?
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Wohnort: Germering

Beitrag(#1784818) Verfasst am: 26.09.2012, 20:15    Titel: Antworten mit Zitat

http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?t=33112

und viele andere.
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Die Fiktion
unsanft



Anmeldungsdatum: 15.02.2009
Beiträge: 2008
Wohnort: Düsseldorf

Beitrag(#1784854) Verfasst am: 26.09.2012, 22:09    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, Philosophie ist sicher nicht tot.
Aber, Sie ist längst nicht mehr Mainstream.
Das war Sie eh nur, immer für ganz kurze Augenblicke !

Für kurze Augenblicke, ist Sie ``modern´´ und liegt im Trend der Aufmerksamkeit.
Der Moment, in dem ``das Volk´´ begreift.

Eigentlich, schon immer eine eher verborgene Wissenschaft, die ihre größten Helden gefeiert hat, nachdem Sie schon lange tot waren.
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Murphy
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Anmeldungsdatum: 29.04.2011
Beiträge: 5000

Beitrag(#1784887) Verfasst am: 27.09.2012, 07:14    Titel: Antworten mit Zitat

Philosophie ist tot.
Yeah.

Gestern sagt einer, der in der Hängematte lag, ganz enthusiasthisch zu mir, der auf dem kargen Boden Platz genommen hatte:
"Hey, Wow, ich hab noch ne zweite Hängematte!"
sag ich: "Schön, Du hast aber trotzdem nur einen Arsch."

Philosophie ist tot.
Definitiv.
Finitiv.
tiv.
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Wohnort: Germering

Beitrag(#1784892) Verfasst am: 27.09.2012, 07:59    Titel: Antworten mit Zitat

Die Philosophie hatte ihre große Zeit, als die reflektive Methode das Weltbild noch effektiver korrigieren konnte als die zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich herausgebildeten Natur- und Humanwissenschaften.

Heute sind die Schwächen der reflektiven Methode offenbar, die Philosophie ist nicht mehr dazu da, wesentliche Erkenntnise über Welt und Mensch zu erwirtschaften, sondern hat sich auf verschiedene Meta-Gebiete verlagert, in denen meist wortreich und unüberprüfbar gedeutet wird. So wird u.a. auch die aus wissenschaftlicher Sicht etwas peinliche Tatsache, daß es nie eine auch nur halbwegs konvergente philosophische Lehrmeinung gibt, von den Philosophen selbst i.a. positiv-konstruktiv gedeutet.
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Fake
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Anmeldungsdatum: 11.11.2011
Beiträge: 3548

Beitrag(#1784899) Verfasst am: 27.09.2012, 08:32    Titel: Antworten mit Zitat

Fragen über die man früher nur philosophieren konnte, kann man heute mit den Methoden der Naturwissenschaft beantworten. Philosophie kann heute nicht mehr aus sich selbst Erkenntnisse schaffen, sie ist an die Erkenntnisse der Naturwissenschaften gebunden.

Ich meine nicht, dass sie deswegen ihre Existenzberechtigung verloren hat, aber sie muss wohl eine erhebliche Degradierung hinnehmen: von der Königin der Wissenschaften zur einer Art Vermittlerrolle zwischen Mensch und Wissenschaft.
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
Beiträge: 5539

Beitrag(#1784923) Verfasst am: 27.09.2012, 10:08    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn man sich über die Rolle von Philosophie und ihre heutige Bedeutung unterhalten will, sollte man vielleicht erst einmal sagen, was man eigentlich unter Philosophie versteht, was sie zB von Religion auf der einen und Wissenschaften auf der anderen Seite unterscheidet.
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"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."

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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 20250
Wohnort: Germering

Beitrag(#1784950) Verfasst am: 27.09.2012, 12:18    Titel: Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Wenn man sich über die Rolle von Philosophie und ihre heutige Bedeutung unterhalten will, sollte man vielleicht erst einmal sagen, was man eigentlich unter Philosophie versteht, was sie zB von Religion auf der einen und Wissenschaften auf der anderen Seite unterscheidet.

Das hatte Tarvoc in einem anderen Thread schon mal versucht. Wir haben dort zwar diverse Unterschiede angesprochen und auch klassische Themen identifiziert, aber letztlich war die Erkenntnis, daß "Philosophie" insgesamt weder eine wohldefinierte Methodik noch eine wohldefinierte inhaltliche Abgrenzung hat. Beides bleibt letztlich dem einzelnen Philosophen überlassen.
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
Beiträge: 5539

Beitrag(#1784951) Verfasst am: 27.09.2012, 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Wenn man sich über die Rolle von Philosophie und ihre heutige Bedeutung unterhalten will, sollte man vielleicht erst einmal sagen, was man eigentlich unter Philosophie versteht, was sie zB von Religion auf der einen und Wissenschaften auf der anderen Seite unterscheidet.

Das hatte Tarvoc in einem anderen Thread schon mal versucht. Wir haben dort zwar diverse Unterschiede angesprochen und auch klassische Themen identifiziert, aber letztlich war die Erkenntnis, daß "Philosophie" insgesamt weder eine wohldefinierte Methodik noch eine wohldefinierte inhaltliche Abgrenzung hat. Beides bleibt letztlich dem einzelnen Philosophen überlassen.

Ja, aber man kann zumindest eine eigene Vorstellung davon haben. Daß die dann nicht allgemeinverbindlich ist, ist klar. Vielleicht schreibe ich heute abend etwas dazu.
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Kival
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Beitrag(#1784962) Verfasst am: 27.09.2012, 15:07    Titel: Antworten mit Zitat

Philosophie kann auch Wissenschaft im engeren Sinne sein. So kann im Rahmen der Ethik zum Beispiel die Struktur existierender moralische Systeme sowie deren Inhalte analyisiert werden. In der Soziologie geht es hier ja meistens eher um die zugrndeliegenden Prozesse, im Rahmen der Ethik interessiert man sich eher für die konkreten Inhalte, wie sie tatsächlich zusammenängen und welche Arten von Rechtfertungsmustern es gibt. Ähnlich kann man auch Wissenschaftstheorie teilweise deskriptiv betreiben, in dem man Fallstudien betreibt und die Strukturen wissenschaftlicher Theorien, deren Entwicklung und die genutzten Argumentationsstrukturen analysiert. Auch hier ist der Unterschied zur Soziologie, dass man sich weniger auf die dabei zugrundeliegenden sozialen Prozesse konzentriert, und mehr auf Theorien selber.
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"A basic literacy in statistics will one day be as necessary for efficient citizenship as the ability to read and write." (angeblich H. G. Wells)
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Murphy
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Anmeldungsdatum: 29.04.2011
Beiträge: 5000

Beitrag(#1784973) Verfasst am: 27.09.2012, 16:00    Titel: Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Wenn man sich über die Rolle von Philosophie und ihre heutige Bedeutung unterhalten will, sollte man vielleicht erst einmal sagen, was man eigentlich unter Philosophie versteht, was sie zB von Religion auf der einen und Wissenschaften auf der anderen Seite unterscheidet.

(fett von mir)

Das ist wohl der springende Punkt. Und warum in die Ferne schweifen? Philosophie ist die Liebe zur Weisheit wie jeder gelernt und schon hundertmal vernommen hat. Weisheit ist heute ein leerer Begriff, niemand mag mehr 'weise' sein, kaum einer kann mit dem Begriff noch etwas anfangen und auch die Philosophiegeschichte lehrt, dass oft andere Dinge im Vordergrund standen. Eben Dinge wie einen Gegenentwurf zur Religion und ihren Schöpfungsberichten zu finden oder gleich ganze Weltbilder entstehen zu lassen oder in den Teildisziplinen der Wissenschaft die Welt im Detail zu erklären.

Weisheit ist out. Philosophie tot. Der Affe hat seinen eigenen Namen vergessen.

Alles endet in Chaos und im Chaos endet dann alles (Stichwort: Ka-Boom). Das klingt jetzt vielleicht nicht so toll wie 'Alles geht aus dem Chaos hervor', aber klaren Blicks mittelfristig nach vorne geschaut lässt es sich nunmal nicht völlig von der Hand weisen. In den letzten zehn Jahren gabs zwei amtliche Fälle von Kannibalismus in Deutschland.
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
Beiträge: 5539

Beitrag(#1784988) Verfasst am: 27.09.2012, 17:16    Titel: Antworten mit Zitat

Sargnagel hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Wenn man sich über die Rolle von Philosophie und ihre heutige Bedeutung unterhalten will, sollte man vielleicht erst einmal sagen, was man eigentlich unter Philosophie versteht, was sie zB von Religion auf der einen und Wissenschaften auf der anderen Seite unterscheidet.

(fett von mir)

Das ist wohl der springende Punkt. Und warum in die Ferne schweifen? Philosophie ist die Liebe zur Weisheit wie jeder gelernt und schon hundertmal vernommen hat. Weisheit ist heute ein leerer Begriff, niemand mag mehr 'weise' sein, kaum einer kann mit dem Begriff noch etwas anfangen und auch die Philosophiegeschichte lehrt, dass oft andere Dinge im Vordergrund standen. Eben Dinge wie einen Gegenentwurf zur Religion und ihren Schöpfungsberichten zu finden oder gleich ganze Weltbilder entstehen zu lassen oder in den Teildisziplinen der Wissenschaft die Welt im Detail zu erklären.

Weisheit ist out. Philosophie tot. Der Affe hat seinen eigenen Namen vergessen.

Alles endet in Chaos und im Chaos endet dann alles (Stichwort: Ka-Boom). Das klingt jetzt vielleicht nicht so toll wie 'Alles geht aus dem Chaos hervor', aber klaren Blicks mittelfristig nach vorne geschaut lässt es sich nunmal nicht völlig von der Hand weisen. In den letzten zehn Jahren gabs zwei amtliche Fälle von Kannibalismus in Deutschland.

Oh ja, eine Runde Mitleid! zwinkern "Liebe zur Weisheit" war die Philosophie in der nichtchristlichen Antike, unter anderem. Derartig heidnischer Blödsinn wurde dann untersagt, und die Philosophie bekam die Aufgabe, den Glauben mit dem Verstand zu rechtfertigen, was nie so recht gelungen ist. Danach haben sich einige Philosophen die Aufgabe gestellt, den Glauben zu widerlegen - auch nicht ganz zuende geführt. Und heute? Nun, jeder mag diese Darstellung für sich fortsetzen (oder zerreißen). zwinkern
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
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Beitrag(#1784991) Verfasst am: 27.09.2012, 17:21    Titel: Antworten mit Zitat

Kival hat folgendes geschrieben:
Philosophie kann auch Wissenschaft im engeren Sinne sein. So kann im Rahmen der Ethik zum Beispiel die Struktur existierender moralische Systeme sowie deren Inhalte analyisiert werden. In der Soziologie geht es hier ja meistens eher um die zugrndeliegenden Prozesse, im Rahmen der Ethik interessiert man sich eher für die konkreten Inhalte, wie sie tatsächlich zusammenängen und welche Arten von Rechtfertungsmustern es gibt. Ähnlich kann man auch Wissenschaftstheorie teilweise deskriptiv betreiben, in dem man Fallstudien betreibt und die Strukturen wissenschaftlicher Theorien, deren Entwicklung und die genutzten Argumentationsstrukturen analysiert. Auch hier ist der Unterschied zur Soziologie, dass man sich weniger auf die dabei zugrundeliegenden sozialen Prozesse konzentriert, und mehr auf Theorien selber.

Wenn Philosophie Wissenschaft wäre, was wäre ihr Gegenstand, was ihre Theorien, und wie wären sie zu belegen oder zu kritisieren? Und wenn du die Philosophie als Metawissenschaft behaupten willst, womit willst du das rechtfertigen?
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Myron
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Beitrag(#1784996) Verfasst am: 27.09.2012, 18:26    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Freidenker1 hat folgendes geschrieben:
Seit Wittgenstein soll sich die Philosophie auf "Sprachtherapie" beschränken, die Knoten wieder auflösen, die meist von Philosophen selbst durch falschen Sprachgebrauch entstanden sind.


Nach Wittgenstein und den Positivisten befassen sich etliche Philosophen wieder mit ernsthafter Metaphysik/Ontik, die sich nicht auf Sprachanalysen reduzieren lässt, sondern über die Welt nachdenkt und spricht anstatt bloß über das Nachdenken und Sprechen über die Welt.

Freidenker1 hat folgendes geschrieben:
Heute sind es die Erkenntnisse der Naturwissenschaftler, besonders die der Physiker, Biologen und die der Hirnforschung, die ein aufgeklärter Geist genau beobachten und verdauen sollte.


Die naturalistisch gesinnten zeitgenössischen Philosophen arbeiten nicht gegen die Wissenschaften, sondern mit ihnen.

Freidenker1 hat folgendes geschrieben:

Stewen Hawking meinte in seinem neuen Buch, die Philosophie seit tot.
Was meint ihr?


Erst erklärt er die Philosophie für tot, und dann präsentiert er auf den folgenden Seiten seine eigene Philosophie, die er offenkundig nicht für tot hält.
Ich frage mich, wie viele zeitgenössische philosophische Bücher Herr Hakwing im letzten Vierteljahrhundert überhaupt gelesen hat.
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Myron
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Beiträge: 1943

Beitrag(#1784998) Verfasst am: 27.09.2012, 18:34    Titel: Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
Wenn man sich über die Rolle von Philosophie und ihre heutige Bedeutung unterhalten will, sollte man vielleicht erst einmal sagen, was man eigentlich unter Philosophie versteht, was sie zB von Religion auf der einen und Wissenschaften auf der anderen Seite unterscheidet.



(Quelle: Oxford Companion to Philosophy, Oxford University Press, 1995.)

Ich würde sagen, der Kernbereich der Philosophie umfasst Folgendes:

1. Metaphysik/Ontik (Wirklichkeits-/Seinslehre)
2. Epistemik (Erkenntnislehre)
3. Logik
4. Ethik
5. Ästhetik
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Marcellinus
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Beitrag(#1785000) Verfasst am: 27.09.2012, 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:

Ich würde sagen, der Kernbereich der Philosophie umfasst Folgendes:

1. Metaphysik/Ontik (Wirklichkeits-/Seinslehre)
2. Epistemik (Erkenntnislehre)
3. Logik
4. Ethik
5. Ästhetik

Was machen wir nun mit jemandem, der diesen Glauben nicht teilt, der zum Beispiel stark bezweifelt, daß eine Philosophie der Geschichte einen zutreffenden Beitrag zur Geschichtswissenschaft zu leisten imstande ist?
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Marcellinus
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Beitrag(#1785001) Verfasst am: 27.09.2012, 18:52    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:

Ich frage mich, wie viele zeitgenössische philosophische Bücher Herr Hakwing im letzten Vierteljahrhundert überhaupt gelesen hat.

Du meinst also, man könne Religion nur kritisieren, wenn man sich an der aktuellen theologischen Diskussion geteilige? zwinkern
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step
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Beitrag(#1785002) Verfasst am: 27.09.2012, 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

@Myron: Mich würde mal interessieren, warum gerade Epistemology, Metaphysics und Logic den "inneren Kern" von Philosophie ausmachen sollen.
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Myron
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Beitrag(#1785004) Verfasst am: 27.09.2012, 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
@Myron: Mich würde mal interessieren, warum gerade Epistemology, Metaphysics und Logic den "inneren Kern" von Philosophie ausmachen sollen.


Das ist einfach eine (geistes)geschichtliche Tatsache.
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Myron
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Beitrag(#1785006) Verfasst am: 27.09.2012, 19:08    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Du meinst also, man könne Religion nur kritisieren, wenn man sich an der aktuellen theologischen Diskussion geteilige? zwinkern


Hawking hält die Philosophie wohl nur deshalb irrtümlich für tot, weil er das gegenwärtige philosophische Leben gar nicht wahrgenommen hat. Denn wenn er dies getan hätte, dann hätte er die Falschheit seiner Behauptung selbst erkannt.
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Marcellinus
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Beitrag(#1785007) Verfasst am: 27.09.2012, 19:20    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Du meinst also, man könne Religion nur kritisieren, wenn man sich an der aktuellen theologischen Diskussion geteilige? zwinkern


Hawking hält die Philosophie wohl nur deshalb irrtümlich für tot, weil er das gegenwärtige philosophische Leben gar nicht wahrgenommen hat. Denn wenn er dies getan hätte, dann hätte er die Falschheit seiner Behauptung selbst erkannt.

Das ist keine Antwort auf meine Frage. Ich kenne Hawkins nicht und Physik ist nun wirklich nicht mein Spezialgebiet, aber ich sehe einfach, daß der Fortschritt der physikalischen, wie der biologischen oder soziologischen Wissenschaften nicht auf Philosophie beruht (auch wenn einige Philosophen das zu glauben scheinen).

Also noch einmal: Es ist kein Zweifel, daß man an einer philosophischen wie an einer theologischen (Fach-)Diskussion nur teilnehmen kann, wenn man über Fachkenntnisse auf diesem Gebiet verfügt. Aber hier geht es um die Frage, welche Bedeutung die Philosophie außerhalb ihres Fachs hat. Und nein, es ist nicht die Frage, ob es nicht den einen oder anderen klugen Philosophen gibt, oder ob der den einen oder anderen klugen Gedanken hat.
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Myron
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Beitrag(#1785008) Verfasst am: 27.09.2012, 19:25    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Du meinst also, man könne Religion nur kritisieren, wenn man sich an der aktuellen theologischen Diskussion geteilige? zwinkern


Die Intellektuellen unter den Religionskritikern müssen sich an den innertheologischen Diskussionen nicht beteiligen, aber sie zumindest zur Kenntnis nehmen.
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Myron
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Anmeldungsdatum: 01.07.2007
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Beitrag(#1785010) Verfasst am: 27.09.2012, 19:32    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Also noch einmal: Es ist kein Zweifel, daß man an einer philosophischen wie an einer theologischen (Fach-)Diskussion nur teilnehmen kann, wenn man über Fachkenntnisse auf diesem Gebiet verfügt. Aber hier geht es um die Frage, welche Bedeutung die Philosophie außerhalb ihres Fachs hat. Und nein, es ist nicht die Frage, ob es nicht den einen oder anderen klugen Philosophen gibt, oder ob der den einen oder anderen klugen Gedanken hat.


Zwei die Metaphysik/Ontik betreffende Zitate aus einem neuen Buch, das ich gerade lese:

"Think of fundamental physics as being in the business of telling us how the universe is. Fundamental ontology is in the business of telling us what the universe must be like if any theory is true. In this way ontology constrains science. Ontology does so, not by laying down immutable principles a priori, but by working in concert with science to discern the texture of being. One perhaps surprising consequence of this endeavour is the discovery of how often our predecessors were on target, even when they were wrong about the details."
(p. 2)

"Metaphysics, and in particular ontology, sets the limits of scientific theorizing, at least in this sense: in plotting basic categories of being, ontology constrains science. These constraints are not externally imposed rules. The constraints are the expression of principles we are all—including the scientists—bound to accept. Such principles are not based on armchair reflection, but on our ongoing give and take with being."
(p. 11)

(Heil, John. The Universe As We Find It. Oxford: Oxford University Press, 2012.)

Noch eines:

"Ontology sets out an even more abstract model of how the world is than theoretical physics, a model that has placeholders for scientific results and excluders for tempting confusions. Ontology and theoretical science can help one another along, we hope, with minimal harm."

(Martin, C. B. The Mind in Nature. Oxford: Oxford University Press, 2007. p. 42)

Die Metaphysik/Ontik ist die rationale intellektuelle Beschäftigung mit den kategorialen Grundelementen und -strukturen des Seins/der Wirklichkeit, und in diesem Sinne ist sie nicht "erste Philosophie", sondern sozusagen "erste Wissenschaft". Die Ontik und die Physik arbeiten zusammen an dem gleichen Ziel: die Erkenntnis des Seins/der Wirklichkeit und seiner/ihrer Beschaffenheit.
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
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Beitrag(#1785015) Verfasst am: 27.09.2012, 19:46    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Du meinst also, man könne Religion nur kritisieren, wenn man sich an der aktuellen theologischen Diskussion geteilige? zwinkern


Die Intellektuellen unter den Religionskritikern müssen sich an den innertheologischen Diskussionen nicht beteiligen, aber sie zumindest zur Kenntnis nehmen.

Das eine kannst du nicht ohne das andere. Und ich kann dir vertrauensvoll versichern, selbst das hilft nicht, weil du ihren Grundannahmen nicht teilst. "Sprung des Glaubens" nennt sich das. Wenn deine Vorstellung richtig wäre, wäre Religionskritik wie sie heute von Hitchens oder Dawkins kommt, irrelevant, und genau das ist auch das Argument der Religiösen. Sie behaupten, Religion können man nur von innen kritisieren, sonst sei der Unglauben einfach nur eine andere (schlechtere) Art von Glauben.
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Beitrag(#1785019) Verfasst am: 27.09.2012, 19:54    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:

Die Metaphysik/Ontik ist die rationale intellektuelle Beschäftigung mit den kategorialen Grundelementen und -strukturen des Seins/der Wirklichkeit, und in diesem Sinne ist sie nicht "erste Philosophie", sondern sozusagen "erste Wissenschaft". Die Ontik und die Physik arbeiten zusammen an dem gleichen Ziel: die Erkenntnis des Seins/der Wirklichkeit und seiner/ihrer Beschaffenheit.

Das ist die Sicht aus dem Inneren der Philosophie. Das Dumme ist nur, daß die Wissenschaften sich ganz anders entwickelt haben, daß zwar vielleicht der eine oder andere Wissenschaftler über eine persönliche Philosophie verfügte, aber eben jeder über eine andere. Und trotzdem, oder gerade deswegen, waren Wissenschaft und Technik in den letzten 200 Jahre extrem erfolgreich.

Dieser Erfolg ist nicht zu bezweifeln, zu bezweifeln ist allerdings, ob er wirklich in einer "Erkenntnis des Seins" bestand. Insofern ist Philosophie eine, nein, nicht eine, sondern viele Weltanschauungen, und viele davon nehmen für sich in Anspruch, "erste Wissenschaft" zu sein, nur leider, ohne dafür tatsächliche Belege anführen zu können. Die reale Entwicklung unseres Wissens, unserer Vorstellungen paßt eben nicht in diese philosophische Fantasievorstellung, man brauche Philosophie, um Wissenschaft zu betreiben, und könne daher Philosophie auch nur von innen kritisieren. Du siehst die Ähnlichkeit (bei allen Unterschieden) mit der Theologie? zwinkern
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Beitrag(#1785021) Verfasst am: 27.09.2012, 20:03    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:
Zwei die Metaphysik/Ontik betreffende Zitate aus einem neuen Buch, das ich gerade lese:

"Think of fundamental physics as being in the business of telling us how the universe is. Fundamental ontology is in the business of telling us what the universe must be like if any theory is true. ...

Falls hier das ontologische "wahr" gemeint ist, ist das für die Wissenschaft keinerlei Einschränkung, entgegen dem später Behaupteten, da die Wissenschaft ohne diese Voraussetzung auskommt.

Falls das naturwissenschaftliche "wahr" (= gut voraussagefähig) gemeint ist, würde ich den Zusammenhang als Teil der Wissenschaft ansehen.

Myron hat folgendes geschrieben:
"Metaphysics, and in particular ontology, sets the limits of scientific theorizing, at least in this sense: in plotting basic categories of being, ontology constrains science. These constraints are not externally imposed rules. The constraints are the expression of principles we are all—including the scientists—bound to accept. Such principles are not based on armchair reflection, but on our ongoing give and take with being."(p. 11)

Solche Constraints sind in der Tat keine Lehnstuhlreflektionen, sondern faktische, selbst wiederum naturwissenschaftlich fassbare Bedingungen.

Myron hat folgendes geschrieben:
Noch eines:

"Ontology sets out an even more abstract model of how the world is than theoretical physics, a model that has placeholders for scientific results and excluders for tempting confusions. Ontology and theoretical science can help one another along, we hope, with minimal harm."

(Martin, C. B. The Mind in Nature. Oxford: Oxford University Press, 2007. p. 42)

Wenn Ontologie noch abstrakter und fundamentaler als Physik ist, warum können sich die Ontologen nicht auf eine einigen? Ich denke, hier wird verschwiegen, daß die Ontologie eben keine weitere Abstraktion der Realität mit Modellgewinn darstellt. Sie scheint mir eine Scheinabstraktion, die eher etwas über unser Selbstbild als über die Welt aussagt.

Myron hat folgendes geschrieben:
One perhaps surprising consequence of this endeavour is the discovery of how often our predecessors were on target, even when they were wrong about the details."

Im Gegenteil finde ich es auffällig, daß Philosophen und Ontologen in den letzten paar hundert Jahren eigentlich immer dann falsch lagen, und zwar fundamental falsch, wenn die Wissenschaften mal einen weniger intuitiv erratbaren Zusammenhang fanden.
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Marcellinus
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Beitrag(#1785023) Verfasst am: 27.09.2012, 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

@step
Du schreibst das soviel schöner und kenntnisreicher als ich. Ich sollte einfach die Klappe halten. Sehr glücklich

step hat folgendes geschrieben:

Im Gegenteil finde ich es auffällig, daß Philosophen und Ontologen in den letzten paar hundert Jahren eigentlich immer dann falsch lagen, und zwar fundamental falsch, wenn die Wissenschaften mal einen weniger intuitiv erratbaren Zusammenhang fanden.


Hier vielleicht noch das Zitat eines Philosophen dazu:
"Jede Theorie, die einen Fortschritt darstellt, wird anfänglich kontraintuitiv sein müssen."
Daniel C. Dennett, The Intentional Stance (1978)
_________________
"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."

Friedrich Nietzsche


Zuletzt bearbeitet von Marcellinus am 27.09.2012, 20:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Myron
Humanistischer Naturalist



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Beiträge: 1943

Beitrag(#1785026) Verfasst am: 27.09.2012, 20:11    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Dieser Erfolg ist nicht zu bezweifeln, zu bezweifeln ist allerdings, ob er wirklich in einer "Erkenntnis des Seins" bestand. Insofern ist Philosophie eine, nein, nicht eine, sondern viele Weltanschauungen, und viele davon nehmen für sich in Anspruch, "erste Wissenschaft" zu sein, nur leider, ohne dafür tatsächliche Belege anführen zu können. Die reale Entwicklung unseres Wissens, unserer Vorstellungen paßt eben nicht in diese philosophische Fantasievorstellung, man brauche Philosophie, um Wissenschaft zu betreiben, und könne daher Philosophie auch nur von innen kritisieren. Du siehst die Ähnlichkeit (bei allen Unterschieden) mit der Theologie? zwinkern


Die naturalistischen Metaphysiker – und das sind diejenigen, auf die ich mich beziehe – betrachten die Metaphysik keineswegs als eine hermetisch abgeschottete Disziplin, die gegen erfahrungswissenschaftliche Kritik immun ist. Umgekehrt sind die Erfahrungswissenschaften nicht immun gegen metaphysische Kritik, wenn es um die metatheoretischen Voraussetzungen und Deutungen erfahrungswissenschaftlicher Theorien geht. Ein Paradebeispiel sind die Interpretationen der Quantenmechanik.
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Marcellinus
Outsider



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Beiträge: 5539

Beitrag(#1785028) Verfasst am: 27.09.2012, 20:18    Titel: Re: Ist die Philosophie tot? Antworten mit Zitat

Myron hat folgendes geschrieben:
Marcellinus hat folgendes geschrieben:

Dieser Erfolg ist nicht zu bezweifeln, zu bezweifeln ist allerdings, ob er wirklich in einer "Erkenntnis des Seins" bestand. Insofern ist Philosophie eine, nein, nicht eine, sondern viele Weltanschauungen, und viele davon nehmen für sich in Anspruch, "erste Wissenschaft" zu sein, nur leider, ohne dafür tatsächliche Belege anführen zu können. Die reale Entwicklung unseres Wissens, unserer Vorstellungen paßt eben nicht in diese philosophische Fantasievorstellung, man brauche Philosophie, um Wissenschaft zu betreiben, und könne daher Philosophie auch nur von innen kritisieren. Du siehst die Ähnlichkeit (bei allen Unterschieden) mit der Theologie? zwinkern


Die naturalistischen Metaphysiker – und das sind diejenigen, auf die ich mich beziehe – betrachten die Metaphysik keineswegs als eine hermetisch abgeschottete Disziplin, die gegen erfahrungswissenschaftliche Kritik immun ist. Umgekehrt sind die Erfahrungswissenschaften nicht immun gegen metaphysische Kritik, wenn es um die metatheoretischen Voraussetzungen und Deutungen erfahrungswissenschaftlicher Theorien geht. Ein Paradebeispiel sind die Interpretationen der Quantenmechanik.

Genau diese Interpretationen sind nun wirklich ein weites Feld. Dem Außenstehenden erscheint es eher als ein Religionskrieg, was für mich heißt, die Tatsachenbeobachtungen sind hinlänglich belegt, und zwar bis zu einer erstaunlichen Genauigkeit, die Modellvorstellungen dagegen enthalten doch wohl noch sehr viele Fantasieanteile. zwinkern
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
Beiträge: 5539

Beitrag(#1785031) Verfasst am: 27.09.2012, 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht steckt hinter alle dem auch ein Mißverständnis, was Wissenschaften tun und erreichen können. Hier dazu ein Zitat von John von Neumann, das ich bei Stenger: "God, The Failed Hypothesis" fand:

"The sciences do not try to explain, they hardly even try to interpret, they mainly make models. By a model is meant a mathematical construct which, with the addition of certain verbal interpretations, describes observed phenomena. The justification of such a mathematical construct is solely and precisely that it is expected to work."
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