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GBS und die Psychoanalyse
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mondkalbnatur
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Anmeldungsdatum: 29.08.2010
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Beitrag(#1992895) Verfasst am: 29.03.2015, 16:51    Titel: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich hab mich nach einiger Zeit mal wieder für meine Mitgliedschaft in der GBS interessiert und folglich eher für einen Austritt, da mir diese humanistische, szientistische Weltanschauung einfach nicht mehr zusagt. Auch das, was manche Mitglieder von sich geben interessiert mich nicht mehr wirklich (Abdel-Samad wirkt für mich mit seinem neuen Buch ein wenig fragwürdig aber das ist eine andere Diskussion...)Ganz besonders seltsam finde ich, dass die Psychoanalyse - vor allem als Kulturtheorie - kaum bis überhaupt nicht vertreten ist. Meines Erachtens ist diese Art der Kulturkritik, die in allem Religion und "unwissenschaftliches, irrationales" Denken sieht vollkommen unhistorisch und reduktionistisch und missachtet die Herrschaftsverhältnisse im Kapitalismus in ihrer Historität. Natürlich gibt es Gründe dafür, dass die Psychoanalyse so verdrängt ist im deutschsprachigen Raum (mussten vor gut 70 Jahren ja alle auswandern, die sich damit auskannten). Aber das kann ja nicht der einzige Grund sein dafür, oder?
Was hält - wenn ihr noch Teil der GBS seid - euch an der Vereinigung?

Smilie
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Beitrag(#1992897) Verfasst am: 29.03.2015, 17:06    Titel: Re: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Hallo!

Ich hab mich nach einiger Zeit mal wieder für meine Mitgliedschaft in der GBS interessiert und folglich eher für einen Austritt, da mir diese humanistische, szientistische Weltanschauung einfach nicht mehr zusagt. Auch das, was manche Mitglieder von sich geben interessiert mich nicht mehr wirklich (Abdel-Samad wirkt für mich mit seinem neuen Buch ein wenig fragwürdig aber das ist eine andere Diskussion...)Ganz besonders seltsam finde ich, dass die Psychoanalyse - vor allem als Kulturtheorie - kaum bis überhaupt nicht vertreten ist. Meines Erachtens ist diese Art der Kulturkritik, die in allem Religion und "unwissenschaftliches, irrationales" Denken sieht vollkommen unhistorisch und reduktionistisch und missachtet die Herrschaftsverhältnisse im Kapitalismus in ihrer Historität. Natürlich gibt es Gründe dafür, dass die Psychoanalyse so verdrängt ist im deutschsprachigen Raum (mussten vor gut 70 Jahren ja alle auswandern, die sich damit auskannten). Aber das kann ja nicht der einzige Grund sein dafür, oder?
Was hält - wenn ihr noch Teil der GBS seid - euch an der Vereinigung?

Smilie


So ist es! Das Gefettete habe ich hier auch schon mehrfach in verschiedenen Formulierungen anklingen lassen (Sermon hatte einmal kurz darauf geantwortet).

Die *Verdrängung der Psychoanalyse* als einer Methode und Theorie der Kulturanalyse ist ebenfalls kennzeichnend für oberflächlich agierende Religionskritiker und -innen.

Statt dessen wird - auch hier im Forum - oft auf den ultrareaktionären Nietzsche bezug genommen, der nun für die Religionskritik wirklich nichts beizutragen hat - außer eben jener von dir oben bereits erwähnten, platten, reduktionistischen *Erkenntniskritik*, gepaart mit dem bei ihm einschlägigen Biologismus.

Religionskritik - auch in Deutschland - war schon mal weiter als heute ...-
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Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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step
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Beitrag(#1992911) Verfasst am: 29.03.2015, 17:58    Titel: Re: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
... da mir diese humanistische, szientistische Weltanschauung einfach nicht mehr zusagt. ... Ganz besonders seltsam finde ich, dass die Psychoanalyse - vor allem als Kulturtheorie - kaum bis überhaupt nicht vertreten ist.

Kannst Du das näher erläutern? Bin mir nicht sicher, wie ich es verstehen soll: Stört Dich, daß die Psychoanalyse von der GBS als unwissenschaftlich angesehen wird, weil Du selbst der Ansicht bist, sie eigne sich gut als Kulturtheorie?

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Meines Erachtens ist diese Art der Kulturkritik, die in allem Religion und "unwissenschaftliches, irrationales" Denken sieht vollkommen unhistorisch und reduktionistisch und missachtet die Herrschaftsverhältnisse im Kapitalismus in ihrer Historität.

Hmm ... ich persönlich finde, die Kritik an unwissenschaftlichem Denken, Esoterik, Religion usw., hat eine ganz eigene Berechtigung, die sich eher aus dem Inhaltlichen und Methodischen speist und daher als solche aufpassen muß, daß sie nicht in einen ideologischen, z.B. marxistischen oder völkischen, Rahmen gezwängt wird. Ähnlich auch bei der institutionellen Religionskritik: Wenn ich mich gegen Kirchen in Rundfunkräten engagiere oder gegen den RU in Schulen, muß ich das nicht marxistisch begründen.

Ich denke, wenn man von der GBS hauptsächlich eine marxistische Analyse historischer Herrschaftsverhältnisse erhofft, und eine Deutung aller Inhalte und Phänomene durch diese Brille, ist man da eher falsch.

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Natürlich gibt es Gründe dafür, dass die Psychoanalyse so verdrängt ist im deutschsprachigen Raum (mussten vor gut 70 Jahren ja alle auswandern, die sich damit auskannten). Aber das kann ja nicht der einzige Grund sein dafür, oder?

Ein weiterer Grund ist mE die desaströse Beurteilung der in der Psychoanalyse anzutreffenden wissenschaftlichen Qualitätsmerkmale. Ihr Verhältnis von viel Dogmatik und viel Spekulation einerseits zu wenig Überprüfbarkeit andererseits ist meines Wissens katastrophal. Ich würde daher erwarten, daß die Psychoanalyse auch außerhalb Deutschlands zumindest im akademischen Bereich zurückgedrängt wird. Da sie aber sehr stark archetypisch und auch sexuell geprägt ist, bleibt sie in Kunst, Boulevard und Volk sehr zäh erhalten. Ähnlich wie Religion oder Astrologie, vielleicht nicht so extrem.

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Was hält - wenn ihr noch Teil der GBS seid - euch an der Vereinigung?

Mich stören da vor allem 2 Dinge:
- einige Beiträge, die aus meiner Sicht die Grenze zum Hetzerischen überschreiten (Beispiel A.Hamad hattest Du bereits genannt)
- der "evolutionäre Humanismus" als solcher - ich möchte eigentlich keine moderne Metaphysik gepredigt bekommen, sondern Aufklärung pur (gern auch szientistisch und reduktionistisch zwinkern.
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mondkalbnatur
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Beitrag(#1992930) Verfasst am: 29.03.2015, 19:12    Titel: Re: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
... da mir diese humanistische, szientistische Weltanschauung einfach nicht mehr zusagt. ... Ganz besonders seltsam finde ich, dass die Psychoanalyse - vor allem als Kulturtheorie - kaum bis überhaupt nicht vertreten ist.

Kannst Du das näher erläutern? Bin mir nicht sicher, wie ich es verstehen soll: Stört Dich, daß die Psychoanalyse von der GBS als unwissenschaftlich angesehen wird, weil Du selbst der Ansicht bist, sie eigne sich gut als Kulturtheorie?


Ja, genau. Ich denke, psychoanalytische Methoden eignen sich gut um kulturelle Phänomene zu deuten oder zu erklären.

step hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Meines Erachtens ist diese Art der Kulturkritik, die in allem Religion und "unwissenschaftliches, irrationales" Denken sieht vollkommen unhistorisch und reduktionistisch und missachtet die Herrschaftsverhältnisse im Kapitalismus in ihrer Historität.

Hmm ... ich persönlich finde, die Kritik an unwissenschaftlichem Denken, Esoterik, Religion usw., hat eine ganz eigene Berechtigung, die sich eher aus dem Inhaltlichen und Methodischen speist und daher als solche aufpassen muß, daß sie nicht in einen ideologischen, z.B. marxistischen oder völkischen, Rahmen gezwängt wird. Ähnlich auch bei der institutionellen Religionskritik: Wenn ich mich gegen Kirchen in Rundfunkräten engagiere oder gegen den RU in Schulen, muß ich das nicht marxistisch begründen.


Das stimmt!

step hat folgendes geschrieben:
Ich denke, wenn man von der GBS hauptsächlich eine marxistische Analyse historischer Herrschaftsverhältnisse erhofft, und eine Deutung aller Inhalte und Phänomene durch diese Brille, ist man da eher falsch.


Deswegen würde ich um Herrschaftsverhältnisse zu kritisieren eben nicht mehr die GBS vorziehen, da diese es meines Erachtens irgendwie oberflächlich tut. Bzw. würde eine marxistische Analyse umfassender sein, das sie den Rahmen erfasst, indem sich der Rest abspielt. "Wissenschaftliche" Erklärungen jeder Art sind mir nach wie vor willkommen.

step hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Natürlich gibt es Gründe dafür, dass die Psychoanalyse so verdrängt ist im deutschsprachigen Raum (mussten vor gut 70 Jahren ja alle auswandern, die sich damit auskannten). Aber das kann ja nicht der einzige Grund sein dafür, oder?

Ein weiterer Grund ist mE die desaströse Beurteilung der in der Psychoanalyse anzutreffenden wissenschaftlichen Qualitätsmerkmale. Ihr Verhältnis von viel Dogmatik und viel Spekulation einerseits zu wenig Überprüfbarkeit andererseits ist meines Wissens katastrophal. Ich würde daher erwarten, daß die Psychoanalyse auch außerhalb Deutschlands zumindest im akademischen Bereich zurückgedrängt wird. Da sie aber sehr stark archetypisch und auch sexuell geprägt ist, bleibt sie in Kunst, Boulevard und Volk sehr zäh erhalten. Ähnlich wie Religion oder Astrologie, vielleicht nicht so extrem.


Genau das sehe ich anders Smilie

ME wird die Psychoanalyse dahingehend missverstanden, dass sie auf die Schriften Freuds und einige auswendiggelernte Phrasen begrenzt wird, als habe sie nie einem wissenschaftlichen Diskurs unterstanden. Ich verstehe sie als eine komplexe "Methode des Verstehens", die von durchaus nicht bloß weit hergeholten Annahmen ausgeht (das Unbewusste und den Einfluss auf die Selbstwahrnehmung beispielsweise) und den Menschen als historische Figur annimmt und zeigt, dass er in seiner Selbstbetrachtung stets beeinflusst ist, nie ein neutrales Bild von sich hat. Das ist doch eine wichtige Message auch hinsichtlich einer Psychologie und Soziologie, die sich Frei der Knechtschaft von Ökonomie wähnt. Sie nun ausführlich als wissenschaftliche Disziplin verteidigen bin ich jedoch nicht befähigt.
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Beitrag(#1992942) Verfasst am: 29.03.2015, 20:01    Titel: Re: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Ich denke, psychoanalytische Methoden eignen sich gut um kulturelle Phänomene zu deuten oder zu erklären.

Hmm ... ja, bei manchen "kulturellen Phänomenen" drängt sich das in der Tat auf - aber man sollte skeptisch sein, ob das wirklich eine Erklärung (des zugrundeliegenden Wirkmechanismus) ist, oder nur ein archetypisches Bild.

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
ME wird die Psychoanalyse dahingehend missverstanden, dass sie auf die Schriften Freuds und einige auswendiggelernte Phrasen begrenzt wird, als habe sie nie einem wissenschaftlichen Diskurs unterstanden. Ich verstehe sie als eine komplexe "Methode des Verstehens", die von durchaus nicht bloß weit hergeholten Annahmen ausgeht (das Unbewusste und den Einfluss auf die Selbstwahrnehmung beispielsweise) ...

Wobei man fairerweise sagen muß, daß die Existenz unbewußter Vorgänge auch in anderen psychologischen Theorien nicht geleugnet wird.

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
... und den Menschen als historische Figur annimmt und zeigt, dass er in seiner Selbstbetrachtung stets beeinflusst ist, nie ein neutrales Bild von sich hat.

Ja, aber auch das ist in anderen psychologischen Theorien weit verbreitet, soweit ich weiß.

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Das ist doch eine wichtige Message auch hinsichtlich einer Psychologie und Soziologie, die sich Frei der Knechtschaft von Ökonomie wähnt.

Da würde ich zustimmen. Jedoch scheint mir, daß auch die nicht-psychoanalytische Religionskritik (auch er gbs) diesen Punkt beinhaltet.

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Sie nun ausführlich als wissenschaftliche Disziplin verteidigen bin ich jedoch nicht befähigt.

Gilt umgekehrt für mich ebenfalls. Man informiert sich als fachfremder Intellektueller halt sekundär, aber damit natürlich auch oberflächlich, z.B. über http://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalyse#Kritik
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Beitrag(#1992957) Verfasst am: 29.03.2015, 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Ich hab mich nach einiger Zeit mal wieder für meine Mitgliedschaft in der GBS interessiert und folglich eher für einen Austritt, da ...

Die GBS ist eine private Stiftung und keine Mitgliederorganisation. Der GBS kann man weder beitreten, noch aus ihr austreten. Maximal hast Du einst erklaert, Dich selbst zum beitragsfreien Freundeskreis der GBS zu zaehlen. Schulterzucken
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mondkalbnatur
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Beitrag(#1992961) Verfasst am: 29.03.2015, 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

Sermon hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Ich hab mich nach einiger Zeit mal wieder für meine Mitgliedschaft in der GBS interessiert und folglich eher für einen Austritt, da ...

Die GBS ist eine private Stiftung und keine Mitgliederorganisation. Der GBS kann man weder beitreten, noch aus ihr austreten. Maximal hast Du einst erklaert, Dich selbst zum beitragsfreien Freundeskreis der GBS zu zaehlen. Schulterzucken


Gerne meine ich genau das.
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schtonk
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Beitrag(#1992965) Verfasst am: 29.03.2015, 23:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zum Thema PSA und Kultur/Gesellschaftskritik könnte ich was sagen, zur GBS nicht.
Wäre das noch im Rahmen der Fragestellung?
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Beitrag(#1992966) Verfasst am: 29.03.2015, 23:16    Titel: Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Sermon hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Ich hab mich nach einiger Zeit mal wieder für meine Mitgliedschaft in der GBS interessiert und folglich eher für einen Austritt, da ...

Die GBS ist eine private Stiftung und keine Mitgliederorganisation. Der GBS kann man weder beitreten, noch aus ihr austreten. Maximal hast Du einst erklaert, Dich selbst zum beitragsfreien Freundeskreis der GBS zu zaehlen. Schulterzucken


Gerne meine ich genau das.




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Beitrag(#1992969) Verfasst am: 29.03.2015, 23:32    Titel: Antworten mit Zitat

schtonk hat folgendes geschrieben:
Zum Thema PSA und Kultur/Gesellschaftskritik könnte ich was sagen, zur GBS nicht.
Wäre das noch im Rahmen der Fragestellung?


Wenn du etwas zum Thema PA und Religionskritik weißt, was über wikipedia hinaus geht, das wäre doch toll und passt prima zum Eingangsposting.

Wieso bist du so unsicher?
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schtonk
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Beitrag(#1992971) Verfasst am: 29.03.2015, 23:46    Titel: Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
schtonk hat folgendes geschrieben:
Zum Thema PSA und Kultur/Gesellschaftskritik könnte ich was sagen, zur GBS nicht.
Wäre das noch im Rahmen der Fragestellung?


Wenn du etwas zum Thema PA und Religionskritik weißt, was über wikipedia hinaus geht, das wäre doch toll und passt prima zum Eingangsposting.

Wieso bist du so unsicher?

Ich bin nicht unsicher. Aber dieses
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
...
Was hält - wenn ihr noch Teil der GBS seid - euch an der Vereinigung?

interpretiere ich als Hauptanliegen des Trööt-Eröffners. OT gibts ja genug im Forum, deshalb frage ich lieber vorher.
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Beitrag(#1992973) Verfasst am: 29.03.2015, 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

schtonk hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
schtonk hat folgendes geschrieben:
Zum Thema PSA und Kultur/Gesellschaftskritik könnte ich was sagen, zur GBS nicht.
Wäre das noch im Rahmen der Fragestellung?


Wenn du etwas zum Thema PA und Religionskritik weißt, was über wikipedia hinaus geht, das wäre doch toll und passt prima zum Eingangsposting.

Wieso bist du so unsicher?

Weil ich dieses
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
...
Was hält - wenn ihr noch Teil der GBS seid - euch an der Vereinigung?

als Hauptanliegen des Trööt-Eröffners interpretiere. OT gibts ja genug im Forum, deshalb frage ich lieber vorher.


Ja, aber damit im Zusammenhang stand sein Hinweis, dass z.B. zu wenig die PA mit in die Religionskritik der GBS mit einbezogen wurde.

Genau genommen war das einer der Gründe für seine Distanzierungsgedanken bzw. seine Enttäuschung über die GBS. Da drängt sich doch direkt die Frage auf: Was ist denn nun eigentlich das religionskritische Potenzial der PA.

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Beitrag(#1992978) Verfasst am: 30.03.2015, 00:18    Titel: Antworten mit Zitat

Sermon hat folgendes geschrieben:


Kann das Bild nicht sehen!


Zitat:
Was ist denn nun eigentlich das religionskritische Potenzial der PA.


Ich finde das Thema Gottvorstellung und Psychoanalyse (Über-Ich, Mutterbilder etc.) interessant, kenne mich aber auch nicht aus.

Mich interessiert besonders, wieso die Psychoanalyse nicht in der Arbeit der GBS vorkommt,
bzw. wieso man so wenig psychoanalytische Phrasen liest zwinkern . Es wird halt immer gesagt man brauche Wissenschaft und Kunst und so und das reiche aus. Ich denke aber, damit macht man es sich zu einfach, wenn man der Religion und Gottesvorstellungen etwas entgegensetzen will. Und in dem Punkt wäre doch die PA interessant.

Darüber hinaus interessiert mich genauso was ihr zur Kulturkritik/PA zu sagen habt wie das, was euch an der GBS hält.
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schtonk
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Beitrag(#1992980) Verfasst am: 30.03.2015, 00:27    Titel: Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...
Genau genommen war das einer der Gründe für seine Distanzierungsgedanken bzw. seine Enttäuschung über die GBS. Da drängt sich doch direkt die Frage auf: Was ist denn nun eigentlich das religionskritische Potenzial der PA.

Mach, wie du denkst ...- Schulterzucken

Ich bin nicht so begabt in Sachen Intrinsik wie du. Außerdem wollte ich höflich sein.
(Dass man das erklären muss, tz tz)
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Wilson
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Beitrag(#1992981) Verfasst am: 30.03.2015, 00:35    Titel: Antworten mit Zitat

jetzt schreib doch endlich mal was zum thema PSA und Kultur/Gesellschaftskritik.
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unquest
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Beitrag(#1992983) Verfasst am: 30.03.2015, 00:58    Titel: Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:

Mich interessiert besonders, wieso die Psychoanalyse nicht in der Arbeit der GBS vorkommt,
bzw. wieso man so wenig psychoanalytische Phrasen liest zwinkern .

Vielleicht hat niemand in der GBS den Initiationsritus der Lehranalyse vollzogen und ist somit nicht Mitglied im Geheimbund der Analytiker?
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mondkalbnatur
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Beitrag(#1992988) Verfasst am: 30.03.2015, 01:46    Titel: Antworten mit Zitat

unquest hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:

Mich interessiert besonders, wieso die Psychoanalyse nicht in der Arbeit der GBS vorkommt,
bzw. wieso man so wenig psychoanalytische Phrasen liest zwinkern .

Vielleicht hat niemand in der GBS den Initiationsritus der Lehranalyse vollzogen und ist somit nicht Mitglied im Geheimbund der Analytiker?


Entweder existiert der Geheimbund nicht oder er ist sehr geheim.
Oder all die AnalytikerInnen die ich kenne sind bloß Hologramme.

Im Ernst, dieser Vorwurf der Geheimniskrämerei ist doch bloß eine Ausrede derer, die sich damit nicht beschäftigen wollen. Btw ist der mW einzige Psychoanalytiker der im Namen der GBS tätig war tot (Prof. Dr. Riedesser). Das spricht nicht unbedingt für die GBS zynisches Grinsen
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Beitrag(#1993016) Verfasst am: 30.03.2015, 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

schtonk hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
...
Genau genommen war das einer der Gründe für seine Distanzierungsgedanken bzw. seine Enttäuschung über die GBS. Da drängt sich doch direkt die Frage auf: Was ist denn nun eigentlich das religionskritische Potenzial der PA.

Mach, wie du denkst ...- Schulterzucken

Ich bin nicht so begabt in Sachen Intrinsik wie du. Außerdem wollte ich höflich sein.
(Dass man das erklären muss, tz tz)


Von wegen höflich. Erst mit dem großen Wissen über die PSA wedeln und dann den schwanz einziehen. Auf den Arm nehmen

Und prompt kommt dann so ein Berufsspötter wie unquest und zieht das Ganze dann vollendes ins lächerliche und esoterische.

Wilson hat folgendes geschrieben:
jetzt schreib doch endlich mal was zum thema PSA und Kultur/Gesellschaftskritik.


Genau! Trau dich und erkläre uns allen, was Sache ist mit der PSA ...-! Anbeten
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Beitrag(#1993037) Verfasst am: 30.03.2015, 13:59    Titel: Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:

Im Ernst, dieser Vorwurf der Geheimniskrämerei ist doch bloß eine Ausrede derer, die sich damit nicht beschäftigen wollen.

Besser: "Deine Kritik lässt sich als emotionaler Widerstand, bzw. Angstabwehr deuten. Solltest du an deiner Kritik festhalten, könnte es sich auch um eine manifeste Störung handeln." Lachen
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Beitrag(#1993064) Verfasst am: 30.03.2015, 15:25    Titel: Antworten mit Zitat

unquest hat folgendes geschrieben:
mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:

Im Ernst, dieser Vorwurf der Geheimniskrämerei ist doch bloß eine Ausrede derer, die sich damit nicht beschäftigen wollen.

Besser: "Deine Kritik lässt sich als emotionaler Widerstand, bzw. Angstabwehr deuten. Solltest du an deiner Kritik festhalten, könnte es sich auch um eine manifeste Störung handeln." Lachen


Ebenso billig.
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Beitrag(#1993069) Verfasst am: 30.03.2015, 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte von G. Kehrer ein Buch gelesen, in dem er Religionssoziologie auf Kirchensoziologie verengt mit der Ausrede, dass die Kirchen die Hauptakteure auf dem religiösen Feld hierzulande wären (sinngemäß, ist schon 15-20 Jahre her). Als ich dann hierher kam und es hieß, "wir haben auch einen Soziologen", wandte ich mich gähnend (vpn der GBS) ab.

Noch eine Engführung?
Sollte mich das wundern?
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schtonk
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Beitrag(#1993087) Verfasst am: 30.03.2015, 16:05    Titel: Antworten mit Zitat

Oft wird die Psychoanalyse auf Freud reduziert und ihr der Vorwurf gemacht, sie sei sexualistisch ausgerichtet und spekulativ.
Etwas überspitzt gesagt reduziert man sie gerne auf den Penisneid und den Ödipuskomplex - das verträgt sich z.B. nicht mit den
emanzipatorischen Ansichten etwa der Befürworter der Frauenbewegung und anderer libertär gesinnten Gesellschaftskritikern.
Es erzeugt Abwehr und Aggression.

Die PSA wurde schon in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts von Intellektuellen als Erklärungswerkzeug zur Transparentmachung von
gesellschaftlichen Verhältnissen und sozialer Ungleichheit angewandt. Das setzte zuerst einmal voraus, dass man sie nicht nur als eine neue
Therapieform betrachtete. Siegfried Bernfeld etwa schrieb 1928 in seinem Aufsatz "Ist Psychoanalyse eine Weltanschauung", dass die PSA eine
wissenschaftliche Entdeckung sei, die weltanschauliche Wirkung habe. Er verglich sie dabei mit der Lehre Darwins.
Sandor Ferenci setzte sie in Bezug zum Rechtswesen einer Gesellschaft, Paul Federn zur Revolution unter dem Eindruck der Geschehnisse 1918/19.
Und nicht zu vergessen Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus.
Es gäbe noch viele Namen zu nennen. Eines eint sie alle: Die Erkenntnis, dass es in der Gesellschaft ungerecht zugeht, dass Herrschaftsverhältnisse
der Grund dafür sind und dass es augenscheinlich Bedingungen in der Psyche eines jeden Einzelnen gibt, die dafür sorgen, dass das so funktionieren kann.

Aus einem therapeutischen Instrument wurde also eine psychologische Blaupause zum Verständnis gesellschaftlicher Prozesse, die von ihrem abstrakten
Niveau abgelöst und individualisiert wurden. Zwangsläufig stieß man auf Mechanismen, die eine bestimmte Ordnung aufrecht erhielten, auf die individuellen
Besonderheiten derjenigen, die sie befürworteten und dies weitergaben und somit auf - im weitesten Sinne - Traditionen. Also auch historisches Denken
wurde zwangsläufig zum integralen Bestandteil dieser Denkschule.

Daraus entwickelte sich das, was analytische Sozialpsychologie genannt wird. Mithin ihre bekanntesten Vertreter sind die Mitscherlichs.
Ein Schüler A. Mitscherlichs, Helmut Dahmer, hat 1980 einen informativen und fundierten Sammelband zu diesem Thema herausgegeben.

Die PSA sowohl als Therapieform als auch als Instrument der Kritik von Gesellschaft und ihren Institutionen hatte ihre Hochzeit vom Beginn der 70er Jahre
bis etwa Mitte der 90er und wurde mitgetragen von den mannigfaltigen emanzipatorischen Strömungen in Deutschland und anderen Teilen Europas sowie in den USA.
Warum sie an Einfluss verlor hat Gründe, die zu benennen den Rahmen eines Forumsbeitrages sprengen würde.

Zur Kritik speziell an der Religion aus Sicht der PSA schreibe ich vielleicht später etwas.
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Skeptiker
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Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#1993170) Verfasst am: 30.03.2015, 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

schtonk hat folgendes geschrieben:
Siegfried Bernfeld etwa schrieb 1928 in seinem Aufsatz "Ist Psychoanalyse eine Weltanschauung", dass die PSA eine wissenschaftliche Entdeckung sei, die weltanschauliche Wirkung habe. Er verglich sie dabei mit der Lehre Darwins.

Sandor Ferenci setzte sie in Bezug zum Rechtswesen einer Gesellschaft, Paul Federn zur Revolution unter dem Eindruck der Geschehnisse 1918/19.

Und nicht zu vergessen Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus. (...)

Aus einem therapeutischen Instrument wurde also eine psychologische Blaupause zum Verständnis gesellschaftlicher Prozesse, die von ihrem abstrakten Niveau abgelöst und individualisiert wurden. (...)

Zur Kritik speziell an der Religion aus Sicht der PSA schreibe ich vielleicht später etwas.


très bon! merci ...-! Daumen hoch!
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Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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funkeimdunkeln
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Beitrag(#1993418) Verfasst am: 31.03.2015, 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

schtonk hat folgendes geschrieben:

Aus einem therapeutischen Instrument wurde also eine psychologische Blaupause zum Verständnis gesellschaftlicher Prozesse, die von ihrem abstrakten
Niveau abgelöst und individualisiert wurden. Zwangsläufig stieß man auf Mechanismen, die eine bestimmte Ordnung aufrecht erhielten, auf die individuellen
Besonderheiten derjenigen, die sie befürworteten und dies weitergaben und somit auf - im weitesten Sinne - Traditionen. Also auch historisches Denken
wurde zwangsläufig zum integralen Bestandteil dieser Denkschule.


Hervorhebung von mir.

Was sind das für Mechanismen? Ist man diesen Mechanismen eigentlich hilflos ausgeliefert oder gibt es dagegen ein Heilmittel? Und wenn ja, warum hat das keiner vorher entdeckt?

Mirko
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funkeimdunkeln
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Beitrag(#1993419) Verfasst am: 31.03.2015, 20:52    Titel: Re: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

mondkalbnatur hat folgendes geschrieben:
Hallo!

Ich hab mich nach einiger Zeit mal wieder für meine Mitgliedschaft in der GBS interessiert und folglich eher für einen Austritt, da mir diese humanistische, szientistische Weltanschauung einfach nicht mehr zusagt. Auch das, was manche Mitglieder von sich geben interessiert mich nicht mehr wirklich (Abdel-Samad wirkt für mich mit seinem neuen Buch ein wenig fragwürdig aber das ist eine andere Diskussion...)Ganz besonders seltsam finde ich, dass die Psychoanalyse - vor allem als Kulturtheorie - kaum bis überhaupt nicht vertreten ist. Meines Erachtens ist diese Art der Kulturkritik, die in allem Religion und "unwissenschaftliches, irrationales" Denken sieht vollkommen unhistorisch und reduktionistisch und missachtet die Herrschaftsverhältnisse im Kapitalismus in ihrer Historität. Natürlich gibt es Gründe dafür, dass die Psychoanalyse so verdrängt ist im deutschsprachigen Raum (mussten vor gut 70 Jahren ja alle auswandern, die sich damit auskannten). Aber das kann ja nicht der einzige Grund sein dafür, oder?
Was hält - wenn ihr noch Teil der GBS seid - euch an der Vereinigung?

Smilie


Du hast viel zu hohe Ansprüche an die GBS. Hauptsächlich ist das ein Haufen von Leute, die durch religiöse Erfahrungen traumatisiert sind und nun gute Gründe dafür suchen endlich gegen den bösen Übeltäter Religion wettern zu dürfen. Die Sache mit dem "Evolutionären Humanismus" ist sozusagen eine Ideologie, die dazu dient diesen Menschen ihr Bedürfnis nach einer gottfreien und wissenschaftlich fundierten Weltanschauung zu befriedigen. Du musst dir vorstellen, manche von denen sind jahrzehntelang unter der Rute der Kirche gewesen und denen musst du erst einmal vermitteln, dass Wissenschaft so richtig geil ist. Und um in diesen Menschen so richtig die Lust und die Freude an wissenschaftlich fundierter Erkenntnis zu vermitteln eignet sich die Evolutionstheorie als Ausgangsbasis für ein Weltbild natürlich viel besser als marxistische oder psychoanalystische Kulturkritik, da letztere doch mit dem Stigma zu kämpfen haben möglicherweise eine bloße Ideologie zu sein und als solche nicht hundertprozentig seriös, während die Evolutionstheorie im Allgemeinen als hieb- und stichfest gilt.

Im Übrigen bin ich nicht dort, um dort nochmal die hundertste neue Weltanschauung zu lernen, sondern weil es dort sehr interessante Menschen gibt.

Mit freundlichem Gruß,
Mirko
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schtonk
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Beitrag(#1993421) Verfasst am: 31.03.2015, 21:08    Titel: Antworten mit Zitat

funkeimdunkeln hat folgendes geschrieben:
...
Was sind das für Mechanismen? Ist man diesen Mechanismen eigentlich hilflos ausgeliefert oder gibt es dagegen ein Heilmittel? Und wenn ja, warum hat das keiner vorher entdeckt?

Denk halt nach, bist doch schlau.
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funkeimdunkeln
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Beitrag(#1993423) Verfasst am: 31.03.2015, 21:12    Titel: Antworten mit Zitat

Also, ich würde ja sagen, dass die Menschen dazu neigen sich an die gesellschaftlichen Verhältnisse anzupassen, weil die sozialen Kosten für Widerstand oft sehr hoch sind. Das Gleiche erleben wir heutzutage mit der "political correctness" und funktioniert im Prinzip genauso wie die Gotteslehre der katholischen Kirche im Mittelalter. Wer früher gegen die damals herrschende Ideologie verstieß, wurde verbrannt. Wer heute gegen die herrschenden Ideologien verstößt, wird sozial stigmatisiert. Ergo hat man hohe soziale Kosten und ergo wollen nur wenige die entsprechenden Risiken eingehen.

Okay, soweit würde ich mir das erklären. Ich frage mich aber, warum ich dafür die Psychoanalyse brauche?

Mirko
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schtonk
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Beiträge: 9431

Beitrag(#1993428) Verfasst am: 31.03.2015, 21:37    Titel: Antworten mit Zitat

funkeimdunkeln hat folgendes geschrieben:
Also, ich würde ja sagen, dass die Menschen dazu neigen sich an die gesellschaftlichen Verhältnisse anzupassen, weil die sozialen Kosten für Widerstand oft sehr hoch sind. Das Gleiche erleben wir heutzutage mit der "political correctness" und funktioniert im Prinzip genauso wie die Gotteslehre der katholischen Kirche im Mittelalter. Wer früher gegen die damals herrschende Ideologie verstieß, wurde verbrannt. Wer heute gegen die herrschenden Ideologien verstößt, wird sozial stigmatisiert. Ergo hat man hohe soziale Kosten und ergo wollen nur wenige die entsprechenden Risiken eingehen.

Okay, soweit würde ich mir das erklären. Ich frage mich aber, warum ich dafür die Psychoanalyse brauche?

Mirko

Brauchst du nicht. Frage geklärt.
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Beitrag(#1993441) Verfasst am: 31.03.2015, 22:32    Titel: Re: GBS und die Psychoanalyse Antworten mit Zitat

funkeimdunkeln hat folgendes geschrieben:
Im Übrigen bin ich nicht dort, um dort nochmal die hundertste neue Weltanschauung zu lernen, sondern weil es dort sehr interessante Menschen gibt.

Mit freundlichem Gruß,
Mirko


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Beitrag(#1993445) Verfasst am: 31.03.2015, 23:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich stehe vielem was aus der psychoanalytischen Ecke kommt mittlerweile eher skeptisch gegenüber.
Mindestens einen wissenschaftlichen Anspruch halte ich für zweifelhaft. Oder als Frage formuliert:

Welches Kriterium bietet uns die Psychoanalyse an, um als widerlegt zu gelten?

Als Beispiel möchte ich den für die analytische Praxis zentralen Begriff "Verdrängung" nehmen.
"Die Verdrängungslehre ist nun der Grundpfeiler, auf dem das Gebäude der Psychoanalyse ruht" (Freud, Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung)

Im Laufe der Ausarbeitung Freuds kann dieser Begriff 2 Bedeutungen annehmen (Ich beziehe mich auf die Ausführung von Pontalis/Laplanche, Das Vokabular der Psychoanalyse)

A. An den Trieb gekopplte Vorstellungen werden ins Unbewusste zurück gestossen.
B. Verdrängung als Abwehrmechanismus des Ich

Gibt es empirische Studien, die den Mechanismus der Verdrängung belegen?
Die Wirklichkeit scheint eher das Gegenteil zu bezeugen:

Zitat:
"Eine Vielzahl von Studien bei Kindern (Terr 1983; Malmquist 1986; Pynoos & Nader 1989) und Erwachsenen (Leopold & Dillon 1963) hat gezeigt, daß psychologisch traumatische Ereignisse lebhaft, wenn auch nicht immer akkurat, erinnert werden und regelmäßig von eindrücklichem Wiedererleben in der einen oder anderen Form gefolgt werden. Das Problem bei den meisten Arten von Traumata ist nicht, daß die gewalttätigen Erlebnisse komplett aus dem Bewußtsein getilgt werden, sondern daß die Menschen nicht in der Lage sind, zu vergessen. Amnesien sind selten."
(Dr. Sydney Brandon et al: "Recovered memories of childhood sexual abuse: implications for clinical practice," British Journal of Psychiatry, April 98, S.300

http://www.novo-magazin.de/41/novo4134.htm


In diesem Zusammenhang auch interessant 2 Artikel von Gardner über Falsche Erinnerungen in Randow, Der Fremdling im Glas(Aufsätze aus dem Skeptical Inquirer).

Kann die Psychoanalyse als widerlegt gelten, sollte sich die Verdrängung als Einbildung Freuds herausstellen?
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