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Erster Weltkrieg
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Rene Hartmann
Säkular? Na klar!



Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 1359
Wohnort: Rhein-Main

Beitrag(#164947) Verfasst am: 12.08.2004, 15:57    Titel: Erster Weltkrieg Antworten mit Zitat

Vor ziemlich genau 90 Jahren begann der erste Weltkrieg.

Im Web habe ich ich mir eine Zusammenstellung von Propagandaplakaten angesehen. Dabei fiel mir auf, dass besonders die deutschen Plakate oft religiöse Motive verwendeten.

Zum Beispiel das hier:

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"Es kommt darauf an, zur Gruppe der Individualisten zu gehören"
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
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Beitrag(#164988) Verfasst am: 12.08.2004, 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Überhaupt weist die Situation von damals starke Paralellen zu der von heute auf.

Das Deutsche Reich, eine wichtige Macht in der Welt, verprellt der Reihe nach alle wichtigen Verbündeten und lässt sich auf schwachsinnige aussenpolitische Abenteuer ein. Ausserdem ist sein Staatsoberhaupt (Kaiser Wilhelm) nicht wirklich zurechnungsfähig.

Genau das Selbe ist heute mit den USA so!
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nickchanger
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Anmeldungsdatum: 07.06.2004
Beiträge: 1753

Beitrag(#164996) Verfasst am: 12.08.2004, 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Ausserdem ist sein Staatsoberhaupt (Kaiser Wilhelm) nicht wirklich zurechnungsfähig.

Genau das Selbe ist heute mit den USA so!



ich hoffe doch sehr, dass man bush, rumsfeld und die anderen verbrecher als zurechnungsfähig erklärt, wenn nach dem einmarsch der internationalen schutztruppe dem regime der prozess gemacht wird. alles andere wäre ein skandal!
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RKK, Mafiosi, Kinderschänder, Hetzer, Massenmörder
-
den Zusammenhang kennt jeder hier, drum bleibt er unausgesprochen!
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 32754
Wohnort: Bonn

Beitrag(#164998) Verfasst am: 12.08.2004, 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Da stimme ich dir zu. Kaiser Wilhelm ist damals allerdings nie der Prozess gemacht wurden. Er lebte noch munter und fidel in den Niederlanden bis 1934.
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Effô Tisetti
Königsblau bis in den Tod



Anmeldungsdatum: 18.09.2003
Beiträge: 9869
Wohnort: 75

Beitrag(#165006) Verfasst am: 12.08.2004, 18:27    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Da stimme ich dir zu. Kaiser Wilhelm ist damals allerdings nie der Prozess gemacht wurden. Er lebte noch munter und fidel in den Niederlanden bis 1934.


Willy 2 ist am 4. Juni 1941 gestorben.

Außerdem hat er sich nicht wesentlich schuldiger gemacht, als alle anderen am Krieg beteiligten Monarchen - er war höchstens ein bisschen doofer. Und bei Nikolaus sowie Franz-Josef hat sich das "Problem" ja quasi von selbst erledigt.

Im Übrigen pflegen solche historischen Analogien, wie du sie anstellst, immer zu hinken.
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"Die einfache Formel: Jesus ist stärker! hilft Menschen, sich aus der Fixierung völlig irrationaler Wertesysteme zu lösen."
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 32754
Wohnort: Bonn

Beitrag(#165007) Verfasst am: 12.08.2004, 18:30    Titel: Antworten mit Zitat

Schalker hat folgendes geschrieben:
Willy 2 ist am 4. Juni 1941 gestorben.


Aha. Okay, von mir aus!

Btw. wusstet ihr, dass Willy nach dem Angriff Österreichs auf Serbien trotz der Akzeptierung des Ultimatums keinen Grund mehr sah, militärisch zu Österreich zu halten? Er wollte Nicky das mitteilen lassen, aber der damalige Reichskanzler (wie hieß der nochmal?) hat die Nachricht zurückgehalten, bis es zu spät war...
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Raphael
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Anmeldungsdatum: 01.02.2004
Beiträge: 8362

Beitrag(#165013) Verfasst am: 12.08.2004, 19:35    Titel: Antworten mit Zitat

Schalker hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Da stimme ich dir zu. Kaiser Wilhelm ist damals allerdings nie der Prozess gemacht wurden. Er lebte noch munter und fidel in den Niederlanden bis 1934.


Willy 2 ist am 4. Juni 1941 gestorben.

Außerdem hat er sich nicht wesentlich schuldiger gemacht, als alle anderen am Krieg beteiligten Monarchen - er war höchstens ein bisschen doofer. Und bei Nikolaus sowie Franz-Josef hat sich das "Problem" ja quasi von selbst erledigt.

Im Übrigen pflegen solche historischen Analogien, wie du sie anstellst, immer zu hinken.



Vor wenigen historischen Persönlichkeiten habe ich so große Hochachtung wie vor Nikolaus II. Sein Wort: "Für Serbien werden wir alles tun" galt - ganz im Gegensatz zu dem Geschwätz, das Monarchen und Politiker so abzusondern und auch schnell wieder zu vergessen pflegen. Nikolaus stand zu seinem Wort. Er ließ sich selbst und seine Familie für Serbien erschießen. Mehr konnte er wirklich nicht tun. Hut ab vor dem Mann!
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max
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Anmeldungsdatum: 18.07.2003
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Beitrag(#165015) Verfasst am: 12.08.2004, 19:55    Titel: Antworten mit Zitat

Raphael hat folgendes geschrieben:
Nikolaus stand zu seinem Wort. Er ließ sich selbst und seine Familie für Serbien erschießen.

Für Serbien erschiessen? Mit den Augen rollen War da nicht eher etwas mit Eroberungsplänen des Balkans und des Bosporus? Und warum wurde dieser Tyrann erschossen?
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Rene Hartmann
Säkular? Na klar!



Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Beitrag(#165016) Verfasst am: 12.08.2004, 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Schalker hat folgendes geschrieben:
Willy 2 ist am 4. Juni 1941 gestorben.


Aha. Okay, von mir aus!

Btw. wusstet ihr, dass Willy nach dem Angriff Österreichs auf Serbien trotz der Akzeptierung des Ultimatums keinen Grund mehr sah, militärisch zu Österreich zu halten? Er wollte Nicky das mitteilen lassen, aber der damalige Reichskanzler (wie hieß der nochmal?) hat die Nachricht zurückgehalten, bis es zu spät war...


Der Reichskanzler hieß Theobald von Bethmann-Hollweg.

Das eigentlich verhängnisvolle war der Schlieffenplan in Verbindung mit der russischen Gesamtmobilmachung. Denn dieser Plan sah vor, bei einem Krieg mit Russland erst Frankreich zu schlagen und sich dann gegen Russland zu wenden und setzte dabei auf die Langsamkeit der russischen Mobilmachung.

Die Konsequenz war, dass der Plan bereits zum Zeitpunkt der russischen Mobilmachung ausgelöst werden musste, denn sonst hätte der Zeitplan nicht mehr gestimmt. Und wegen des geplanten Durchmarschs durch Belgien war letztlich auch der Kriegseintritt Großbritanniens vorprogrammiert. Und es gab auch keinen Alternativplan.

So gesehen haben es die Generäle verbockt. Willy II. muss man allerdings den Vorwurf machen, dass seine Politik vor dem Krieg wesentlich zu den Spannungen beitrug, die zum Krieg geführt haben.
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Rene Hartmann
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Beitrag(#165017) Verfasst am: 12.08.2004, 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Raphael hat folgendes geschrieben:

Vor wenigen historischen Persönlichkeiten habe ich so große Hochachtung wie vor Nikolaus II. Sein Wort: "Für Serbien werden wir alles tun" galt - ganz im Gegensatz zu dem Geschwätz, das Monarchen und Politiker so abzusondern und auch schnell wieder zu vergessen pflegen. Nikolaus stand zu seinem Wort. Er ließ sich selbst und seine Familie für Serbien erschießen. Mehr konnte er wirklich nicht tun. Hut ab vor dem Mann!


Als Mensch und Familienvater war er anscheinend kein schlechter Kerl, aber als Zar eindeutig eine Fehlbesetzung.
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max
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Anmeldungsdatum: 18.07.2003
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Beitrag(#165030) Verfasst am: 12.08.2004, 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

Rene Hartmann hat folgendes geschrieben:
So gesehen haben es die Generäle verbockt. Willy II. muss man allerdings den Vorwurf machen, dass seine Politik vor dem Krieg wesentlich zu den Spannungen beitrug, die zum Krieg geführt haben.

Die Generäle existieren ja nicht im politischen Vakuum, sondern ihnen wurde ja auch die Ausarbeitung und Umsetzung des Schlieffen-Plans erlaubt. Die politische Führung ist also für diese Kriegsverbrechen mitverantwortlich.

Wenn es schon um den Ersten Weltkrieg geht, sollte vielleicht auch an die damalige Zustimmung der SPD erinnert werden, die kurz zuvor noch die internationale Solidarität und den Kampf gegen den Krieg in den Sonntagsreden hochhielt, aber dann kapitulierte:
Vor 90 Jahren: SPD stimmt für Kriegskredite Der 4. August 1914 und seine Folgen
Zitat:
Die Zustimmung zu den Kriegskrediten bedeutete einen beispiellosen Verrat an den eigenen Grundsätzen und Prinzipien. "Noch nie, seit es eine Geschichte der Klassenkämpfe, seit es politische Parteien gibt, hat es eine Partei gegeben, die in dieser Weise, nach fünfzigjährigem unaufhörlichem Wachstum, nachdem sie sich eine Machtstellung ersten Ranges erobert, nachdem sie Millionen um sich geschart hatte, sich binnen vierundzwanzig Stunden so gänzlich als politischer Faktor in blauen Dunst aufgelöst hatte wie die deutsche Sozialdemokratie," charakterisierte Rosa Luxemburg das Ereignis. Und sie zog den Schluss: "Am 4. August 1914 hat die deutsche Sozialdemokratie politisch abgedankt, und gleichzeitig ist die sozialistische Internationale zusammengebrochen."

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Zuletzt bearbeitet von max am 12.08.2004, 22:19, insgesamt einmal bearbeitet
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Raphael
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Anmeldungsdatum: 01.02.2004
Beiträge: 8362

Beitrag(#165033) Verfasst am: 12.08.2004, 21:56    Titel: Antworten mit Zitat

max hat folgendes geschrieben:
Raphael hat folgendes geschrieben:
Nikolaus stand zu seinem Wort. Er ließ sich selbst und seine Familie für Serbien erschießen.

Für Serbien erschiessen? Mit den Augen rollen War da nicht eher etwas mit Eroberungsplänen des Balkans und des Bosporus? Und warum wurde dieser Tyrann erschossen?



Sollte meine feine Ironie mal wieder nicht erkannt worden sein?
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max
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Anmeldungsdatum: 18.07.2003
Beiträge: 3055

Beitrag(#165036) Verfasst am: 12.08.2004, 22:13    Titel: Antworten mit Zitat

Raphael hat folgendes geschrieben:
Sollte meine feine Ironie mal wieder nicht erkannt worden sein?

Sorry, für mich war sie wohl zu fein zwinkern

Hier mein alter Beitrag zum Ersten Weltkrieg:
Zitat:
Die Ermordung des Österreichischen Erzherzogs Franz Ferdinand in Sarajevo am 28.6.1914 war der Auslöser für den ersten weltweiten Konflikt zwischen den imperialistischen Großmächten. Österreich-Ungarn erklärte Serbien den Krieg am 28.7., worauf Rußland, um seine Interessen auf den Balkan zu schützen, gegen Österreich-Ungarn am 30.7 mobilisierte. Dies resultierte in Ultimaten Deutschlands, dessen Regierung und Militär zuvor Österreich-Ungarn zum Angriff auf Serbien ermutigt hatte, an Rußland und Frankreich (31.7.), in denen die Einstellung der Mobilmachung Rußlands bzw. die Zusicherung der Neutralität Frankreichs im Falle eine deutsch-russischen Krieges gefordert wurde. Dies führte wiederum zur Mobilmachung Deutschlands und Frankreichs am 1.8. und der Kriegerklärung Deutschlands an Rußland am gleichen Tag. Frankreich fürchtete, wie auch Großbritannien, dass ein Sieg Deutschlands über Rußland seine eigene Position schwächen würde. Am 3.8. erklärte Deutschland Frankreich den Krieg und marschierte Belgien ein um die französischen Befestigungsanlagen zu umgehen. Die deutsche Invasion im neutralen Belgien war schließlich der Vorwand für Großbritannien um Deutschland am 4.8. den Krieg zu erklären. Innerhalb einer Woche war eine Epoche von 44 Jahren Frieden zwischen den europäischen Großmächten beendet.

Schon zuvor war deutlich geworden, dass der Imperialismus nicht nur zur Eroberung von Kolonien, sondern auch zu Kriegen zwischen den Kolonialmächten führt. 1904 war es zum Krieg zwischen Japan und Rußland gekommen, als die russischen Expansion nach Osten mit der japanischen nach Westen in Korea kollidierte. 1906 und 1911 schien es, als würde ähnliche Ursachen zu einem Krieg zwischen Deutschland und Frankreich führen (Marokko-Krisen). Der gefährlichste Konfliktpunkt war der Balkan. Hier stritten Rußland, Italien und Österreich-Ungarn um die Konkursmaße des Osmanischen Reichs, wobei sie von ihren jeweiligen Verbündeten unterstützt wurden. Dieser Konflikt führte zu einer Reihe von Stellvertreter-Kriegen (1. und 2. Balkan-Krieg). 1912 fielen Serbien, Griechenland, Montenegro und Bulgarien mit der Unterstützung Rußlands über die verbliebenen europäischen Territorien des Osmanischen Reichs her, während 1913 im Zweiten Balkan-Krieg Bulgarien, was von dabei von Österreich-Ungarn unterstützt wurde, wegen Streit um die Beute Serbien angriff. Griechenland, Montenegro, Rumänien und die Türkei unterstützten Serbien und besiegten Bulgarien. Der Versuch der Mittelschichten der entstehenden Balkanstaaten einheitliche Nationalstaaten zu errichten verursachte Vertreibungen und Massaker. Diese Kriege änderten nichts an der Explosivität der Situation, was sich im August 1914 zeigen sollte.

Eine ein relativ unbedeutendes Ereignis hatte eine Kette von diplomatischen Aktivitäten ausgelöst, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führten. Deshalb werden die Ereignisse im Juli und August 1914 oft auch als Produkt einer zufällige Verkettung unglücklicher Umstände und Fehleinschätzungen der Beteiligten dargestellt.

Diese Anschauung ignoriert aber die wirklichen Ursachen des Krieges. Im Gegensatz zum frühen Kapitalismus mit seiner freien Konkurrenz zwischen kleinen und mittleren Unternehmen, ist der reife Kapitalismus durch monopolistische Strukturen mit marktbeherrschenden Positionen weniger großer Kapitalisten gekennzeichnet. Der Prozeß der Konzentrierung und Zentralisation des Kapitals hatte sich während der Stagnation zwischen 1873 und 1895 massiv beschleunigt. Die entstandenen Großunternehmen waren von Binnenmärkten abhängig, die durch Zölle abgeschottet wurden, so dass mit Dumpingpreisen exportiert werden konnte. Wegen der niedrigen Profitraten stieg der Anteil der Direktinvestitionen im Ausland stark an. Um diese Investitionen zu schützen stützten sich die Kapitalisten auf ihre jeweiligen Nationalstaaten, was zur eine Kolonialisierungswelle führte, der fast ganz Afrika, sowie Teile Chinas zum Opfer fielen. Durch die Schutzzölle und die Kolonialpolitik veränderte sich die Konkurrenz zwischen den Unternehmen von einem Preiskrieg zu einer Konkurrenz zwischen den Nationalstaaten. Die Interessen der Großkonzerne und der Nationalstaaten verschmolzen und die wirtschaftliche Konkurrenz schlug in eine militärische Konkurrenz um. Dies war besonders deutlich in dem Flottenwettrüsten zwischen Deutschland (Aufbau der Risikoflotte) und Großbritanniens. Die einzelne Nationalstaaten versuchten ihre wirtschaftlichen Probleme durch territoriale Expansion zu lösen. Dabei waren nicht etwa landwirtschaftliche Gebiete (wie in der Feudalzeit), sondern industrialisierte bzw. rohstoffreiche Gebiete das Ziel für die Eroberungspläne.

Die einzelnen Mächte hatten dazu jeweils spezifische Ziele. Österreich-Ungarn versuchte den Vielvölkerstaat zusammenzuhalten und die Bedrohungen im Form des jugoslawischen Nationalismus (bzw. Pan-Slawismus) und dem großserbischen Nationalismus auszuschalten. Die russische herrschende Klasse war durch eine Revolution bedroht (im Juli 1914 kam es zu Streiks und Barrikadenkämpfen in St. Petersburg) und suchte ihr Heil in einem Krieg. Ziel war es auch die eigenen Ansprüche auf dem Balkan und das verbündete Serbien zu schützen und den Bosporus zu kontrollieren. Frankreich sah das Bündnis mit Rußland als Chance Elsaß-Lothringen zurückzuerobern und Kontrolle über die Industrie im Rheinland zu erlangen. Deutschland sah sich durch zwischen Rußland und Frankreich eingezwängt und so an seinen Expansionsbestrebungen behindert. Das Ziel war es die Industriegebiete Belgiens und der französischen Lorraine erobern, sowie die deutsche Einflußzone auf Rumänien und über die Türkei bis in den Nahen Osten (Bagdad-Bahn) auszudehnen. Das Britische Empire sah sich durch das Expansionstreben Deutschlands bedroht und versuchte auf Kosten des Osmanischen Reichs Kontrolle über den Nahen Osten zu erlangen.

Zu Beginn des Krieges war nicht nur die jeweilige Herrschende Klasse für den Krieg, sondern auch in der Bevölkerung, insbesondere in den Mittelschichten, gab es eine starke Kriegsbegeisterung. Diese wurde durch das Verbreiten vermeintlicher Greueltaten der Gegner und die Umdichtung des Krieges als Krieg für die Zivilisation und gegen die Tyrannei verstärkt. Die Sozialdemokratie, die in den Tagen vor Kriegsausbruch noch große Antikriegsdemonstrationen und –kongresse organisiert hatte und beschlossen hatte gegen einen Krieg einen Generalstreik in allen beteiligten Ländern zu organisieren, stellte sich hinter die jeweiligen nationalen Regierungen und war damit für die Kriegsbegeisterung mitverantwortlich. Eine rühmliche Ausnahme bildeten die serbischen und italienischen (auch nach Kriegseintritt Italiens) Sozialdemokraten und ein Flügel der russischen Sozialdemokratie (Bolschewiki), sowie einzelne isolierte Sozialisten, wie in Deutschland Karl Liebknecht.

Das deutsche Militär ging nach dem Schlieffen-Plan vor, der eine Konzentrierung auf die Westfront vorsah. Um die französischen Truppenmassierungen an der Grenze zu umgehen erfolgte ein Einmarsch in das neutrale Belgien. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte der Vormarsch in der Marne-Schlacht. An der Westfront entwickelte sich ein Stellungskrieg im Westen, in dem beide Seiten versuchten die andere "ausbluten" zu lassen. Beispiele für diese menschenverachtende Taktik waren die Schlachten von Verdun und an der Somme 1916. Beide Seiten versuchten durch eine wirtschaftliche Blockade die andere auszuhungern. Deutschland war durch die geographische Lage dabei im Nachteil, den es durch den Uboot-Krieg auszugleichen suchte. Im Osten war den anfangs erfolgreiche russische Vormarsch in der Schlacht von Tannenberg gestoppt worden. Auf dem Balkan waren die österreichisch-ungarischen Truppen nicht in der Lage sich durchzusetzen. Deutschland gelingt es die Türkei durch das Überlassen des Schlachkreuzers Goeben und des Leichten Kreuzers Breslau auf seine Seite zu ziehen. Auch Bulgarien schließt sich am 14.10.1915 Deutschland an, während Italien am 23.5.1915, Rumänien am 27.8.1916 und Griechenland am 27.6.1917 sich der Entente anschließen. Japan hatte bereits am 23.8.1914 Deutschland den Krieg erklärt um die deutschen Kolonien im Pazifik und China zu besetzen. Die deutschen Kolonien wurden mit Ausnahme von Deutsch-Ostafrika, wo sich Truppen bis 1918 hielten, schnell erobert und die dort stationierten Kreuzer bis 1915 alle versenkt. Der Versuch der Entente 1915 eine dritte Front zu eröffnen und die Dardanellen zu erobern scheitert (Ladung auf Galliploli). Ebenso scheitert der Vormarsch der Türken auf den Suez-Kanal, während die Gegenoffensive der Briten in Palästina und im Irak mit Unterstützung der Araber, denen Unabhängigkeit versprochen wurde, erfolgreich war. Zuvor war schon 1914 Zypern und Ägypten von den Briten besetzt worden, die auch Persien 1917 eroberten. Die USA hatten seit Kriegsbeginn die Entente wirtschaftlich unterstützt und nach einer Reihe von Zwischenfälle auf See und der Erklärung des uneingeschränkten Ubootkrieges, sowie der Veröffentlichung des Zimmermann-Telegrams (deutscher Versuch Mexiko als Verbündeten zu gewinnen), erklärte die USA am 6.4.1917 Deutschland den Krieg. Dadurch standen der Entente frische Truppen und zusätzlicher Nachschub zu Verfügung. Zwar gelang den Deutschen unter Ausnutzung der Russischen Revolution große Teile der Ukraine zu erobern, die deutschen Frühjahrsoffensiven im März/April 1918 brachten aber nicht den entscheidenden Durchbruch, während die Offensive der Entente im Sommer 1918 Deutschland an den Rande der Niederlage brachten. Die deutsche Oberste Heeresleitung erklärte die Fortführung des Krieges am 14.18.18 für aussichtslos und die Militärdiktatoren Hindenburg und Luddendorf verlangten im September einen Waffenstillstand. Dies war auch eine Reaktion auf den Zusammenbruch des bulgarischen Armee und den Durchbruch der Entente in Mazedonien, sowie der Zusammenbruch der türkischen Armee in Palästina im gleichen Monat. Auch die österreichische Armee auf dem Balkan brach zusammen und die Tschechoslowakei und Jugoslawien erklärten am 28. bzw. 29. Oktober ihre Unabhängigkeit, worauf Österreich-Ungarn am 3.11.1918 den Waffenstillstand akzeptierte. Angesichts der Revolution in Deutschland übergibt das Militär die Regierungsgewalt an die SPD, die unter diesen Bedingungen auch für die Waffenstillstandsverhandlungen und den folgenden Friedensvertrag von Versailles verantwortlich gemacht werden konnte.

Der Erste Weltkrieg war der bis dahin blutigste Krieg der Geschichte. Insgesamt 10 Millionen starben, davon 1,8 Millionen aus Deutschland, 1,7 Millionen aus Rußland, 1,4 Millionen aus Frankreich, 1,3 Millionen aus Österreich-Ungarn, 740 000 aus dem Britischen Empire und 615 000 aus Italien. Ein Fünftel der männlichen Franzosen im wehrfähige Alter und ein Achtel der Deutschen starben. Alleine in der Schlacht von Verdun und Somme starben jeweils eine Million. Dazu kommen noch die Opfer durch die mangelnde Versorgungslage. So verhungerten in Deutschland 750 000, weil die tägliche Diät des durchschnittlichen Arbeiters um ein Drittel unterhalb die für das langfristige Überleben notwendige Kalorienmenge gefallen war.

Der Erste Weltkrieg zerstörte die verbliebenen Vielvölkerstaaten aus der Feudalzeit und leitete den relativen Niedergang der europäischen Großmächte im Vergleich zu Japan und insbesondere den USA ein. Nicht nur die Verlierer des Krieges hatten unten den wirtschaftlichen Folgen zu leiden, sondern auch die Sieger Großbritannien und Frankreich. Zudem stellte der Krieg den Auslöser für eine revolutionäre Epoche dar. Die ökonomischen Kämpfe der Arbeiter wegen ihrer wirtschaftlichen Notlage und der Kampf gegen den Krieg, die anfangs isoliert voneinander waren, verbanden sich gegen Ende des Krieges. In den meisten Armeen kam es zu großen Meutereien. So meuterten 68 Divisionen, die Hälfte der französischen Armee, im April 1917, als sie nach einer Offensive mit 250 000 Toten wieder an die Front sollten. Auch in Italien meuterten 1917 50 000 Soldaten, genauso wie 100 000 Soldaten in dem britischen Basislager Ètables bei Boulogne. Diese Rebellionen wurden durch eine Mischung von Zugeständnissen und brutaler Repression inklusive zahlreicher Hinrichtung niedergeschlagen. Die größten Auswirkungen hatte die Februarrevolution und die folgende Oktoberrevolution in Rußland. Auf den Friedensaufruf Trotzkis reagierten die Spartakisten und Kriegsgegner in der SPD mit der Organisation der großen Streiks im Januar 1918. Diese blieben, wie ein Aufstand der Matrosen der österreichisch-ungarischen Marine in Cattaro am 1.2.1918, erfolglos. Erst der Matrosenaufstand am 29.10 löste die Revolution in Deutschland aus. In den meisten Staaten konnte in der Folge das allgemeine Wahlrecht (inklusive des Wahlrechts für Frauen) erkämpft werden. Die revolutionäre Kämpfe gingen bis Anfang der 1920er Jahre, so in Spanien (Trienio Bolchevista), Italien, Deutschland, Ungarn und Großbritannien.

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narziss
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Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 21939

Beitrag(#165042) Verfasst am: 12.08.2004, 22:37    Titel: Antworten mit Zitat

Der "All das vergesst bitte nie" Thread ist jetzt in meinen Favoriten.
Echt interessant was man da so findet.
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Hannibal
Freiheitskämpfer



Anmeldungsdatum: 07.11.2003
Beiträge: 5062
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Beitrag(#165075) Verfasst am: 13.08.2004, 02:54    Titel: Antworten mit Zitat

Raphael hat folgendes geschrieben:

Vor wenigen historischen Persönlichkeiten habe ich so große Hochachtung wie vor Nikolaus II. Sein Wort: "Für Serbien werden wir alles tun" galt - ganz im Gegensatz zu dem Geschwätz, das Monarchen und Politiker so abzusondern und auch schnell wieder zu vergessen pflegen. Nikolaus stand zu seinem Wort. Er ließ sich selbst und seine Familie für Serbien erschießen. Mehr konnte er wirklich nicht tun. Hut ab vor dem Mann!


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Critic
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
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Beitrag(#165428) Verfasst am: 13.08.2004, 22:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hatten die Serben nicht sogar das Ultimatum angenommen?

Im Nachhinein ist man aber immer klüger. Da kann man dann projizieren, daß es keinen Krieg gegeben hätte, hätte nur Einer der Kontrahenten einen Schritt gemacht. Sieht man ja... Aber leichter ist es immer im frühen Vorfeld. Bismarck war zwar national-konservativ, aber immerhin ein Pragmatiker. Er hat alle europäischen Staaten so geschickt miteinander verbunden, daß ein Schlagabtausch praktisch unmöglich war. Dieses Bündnissystem ist ja nach dessen Entlassung kaputtgegangen.
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Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

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rabenkrähe
Gast






Beitrag(#165785) Verfasst am: 15.08.2004, 02:55    Titel: Antworten mit Zitat

Die Auslösemomente von Kriegen sind ziemlich nebensächlich, häufig auch manipuliert.
Entscheidend ist die Entwicklung, der Weg zum Krieg.
Und wenn dem nicht sehr schnell entgegengewirkt wird, dann nimmt der schon eine Eigendynamik an, bevor er ausbricht.
Südosteuropa mit seiner Völkervielfalt oder der Nahe Osten sind solche Gebiete, in denen ja eine Art permanenter Kriegszustand herrscht, auch wenn aktuell vielleicht mal gerade nicht offiziell die Säbel gekreuzt werden.

bin rabenkrähe Anbetung des lila Einhorns
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Hannibal
Freiheitskämpfer



Anmeldungsdatum: 07.11.2003
Beiträge: 5062
Wohnort: Wien

Beitrag(#165789) Verfasst am: 15.08.2004, 07:48    Titel: Antworten mit Zitat

Critic hat folgendes geschrieben:
Hatten die Serben nicht sogar das Ultimatum angenommen?


Die Serben haben das Ultimatum weitestgehend erfüllt. Nur die zwei radikalsten Punkte, welche die Aufhebung Souveränität und die Gerichtshochheit (österreichische Beamte sollten unter anderem auf serbischem Boden bezüglich des Mordfalls des Thronfolgers Franz-Ferdinant ermitteln dürfen, obwohl er nicht auf dem serbischen Boden stattfand) Serbiens forderten, wurden abgelehnt.

Wenige Stunden nach dieser Entscheidung der serbischen Regierung befahl Franz Joseph die Mobilmachung gegen Serbien.

"Kaiser" Wilhelms, des Hauptverbündeten des "K.u.K."-Reichs Äusserung dazu ist sehr interessant, wobei er selbst in der Praxis trotzdem keinerlei Schritte unternahm, um Österreich zu mässigen:

'Kaiser' Wilhelm hat folgendes geschrieben:
Das ist mehr, als man erwarten könnte: Ein großer moralischer Erfolg für Wien; aber damit fällt jeder Kriegsgrund fort [...] Daraufhin hätte ich niemals die Mobilmachung befohlen!

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Herbert
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Anmeldungsdatum: 15.08.2004
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Beitrag(#165929) Verfasst am: 15.08.2004, 15:21    Titel: Erster Weltkrieg Antworten mit Zitat

Ausgezeichnete Zusammenfassung von Max; zur Ergänzung weitere Aspekte:
Frankreich wollte den Preußen 1870 mal wieder eine Lektion erteilen - Bismarck, dem geschickten und weitsichtigen Taktiker, paßte das gut ins Konzept. Er ließ Frankreich auflaufen (Feinheiten? Lasse ich mal weg.) und zwang auch die süddeutschen Staaten ins Boot. So ging der Schuß für Frankreich nach hinten los - und die Beute von etwa 1618 (Elsaß) war weg. Dazu die Kontributionen. Und Lothringen (dieses gegen den ausdrücklichen Wunsch von Bismarck).

Ergebnis: "Immer daran denken - nie davon Sprechen: Revanche!" - das Dauermotto französicher Politik nach 1871 hatte fürderhin eine solide Grundlage.

Bismarck machte langfristig angelegte, sehr umsichtig austarierte Bündnis- und Vertragspolitik in Mitteleuropa. Zu recht sah er Deutschland in einer äußerst prekären, nahezug täglich gefährdeten Position in der Mitte: Kriegführen war für alle Staaten, so sie denn stark genug waren, daß sie sich den Sieg erhoffen durften, so selbstverständlich wie für uns das Zähneputzen. Das DR war da absolut nichts Besonderes.

Der Umbruch, der Ausbruch aus der Zeit relativer Sicherheit kam mit Wilhelm II., mit Imperialismus (wahrlich nicht nur in DR)... und Größenwahn. Das Bündnissystem wurde zerstört, Rußland zum Feind, selbst Frankreich und GB verbündeten sich - die alten Erbfeinde.
Dann spitzte sich die Lage geschwind zu und wurde von Jahr zu Jahr explosiver. Immer mehr offene oder alte Rechnungen wurden sichtbar. Immer mehr alte Regime waren morsch geworden - und Krieg war die scheinbare Lösung.

So gab es also viele Staaten in Mitteleuropa, die bereit waren zum Krieg. Krieg als der (Er-)Lösung aus allen Widrigkeiten.

Die Haltung des Deutschen Reiches bzw. seiner politischen "Führung" (für meine Begriffe taumelten diese Leute nur durch die Politik) war da eigentlich nichts Besonderes - die Betrachtungsweise, die Kalkulationen, die Leichtfertigkeit, vor allem der fehlende Weitblick: das alles war nur ganz entscheidend dümmer, emotionaler, selbstberauscht.

Das Ende war dann für das DR bitter; Versailles war eine gute, eine solide Grundlage für den deutschen Faschismus.

Der dann folgende Abstieg war noch bitterer. Aber nicht das Ende des Niedergangs: heute haben wir Schröder. Und die S.P.D. - schützt uns denn niemand vor unseren jeweiligen politischen Führern?? Womit haben wir das alles verdient? Traurig(
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Herbert Steffes
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Critic
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Beitrag(#166116) Verfasst am: 16.08.2004, 00:31    Titel: Antworten mit Zitat

Kossuth hat folgendes geschrieben:
Critic hat folgendes geschrieben:
Hatten die Serben nicht sogar das Ultimatum angenommen?


Die Serben haben das Ultimatum weitestgehend erfüllt. Nur die zwei radikalsten Punkte, welche die Aufhebung Souveränität und die Gerichtshochheit (österreichische Beamte sollten unter anderem auf serbischem Boden bezüglich des Mordfalls des Thronfolgers Franz-Ferdinant ermitteln dürfen, obwohl er nicht auf dem serbischen Boden stattfand) Serbiens forderten, wurden abgelehnt.


Das erinnert mich doch irgendwie an den berüchtigten "Anhang B" von Rambouillet, 1999. Traurig
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Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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Ralf Rudolfy
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Beitrag(#166144) Verfasst am: 16.08.2004, 08:54    Titel: Antworten mit Zitat

Rene Hartmann hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Schalker hat folgendes geschrieben:
Willy 2 ist am 4. Juni 1941 gestorben.


Aha. Okay, von mir aus!

Btw. wusstet ihr, dass Willy nach dem Angriff Österreichs auf Serbien trotz der Akzeptierung des Ultimatums keinen Grund mehr sah, militärisch zu Österreich zu halten? Er wollte Nicky das mitteilen lassen, aber der damalige Reichskanzler (wie hieß der nochmal?) hat die Nachricht zurückgehalten, bis es zu spät war...


Der Reichskanzler hieß Theobald von Bethmann-Hollweg.

Das eigentlich verhängnisvolle war der Schlieffenplan in Verbindung mit der russischen Gesamtmobilmachung. Denn dieser Plan sah vor, bei einem Krieg mit Russland erst Frankreich zu schlagen und sich dann gegen Russland zu wenden und setzte dabei auf die Langsamkeit der russischen Mobilmachung.

Die Konsequenz war, dass der Plan bereits zum Zeitpunkt der russischen Mobilmachung ausgelöst werden musste, denn sonst hätte der Zeitplan nicht mehr gestimmt. Und wegen des geplanten Durchmarschs durch Belgien war letztlich auch der Kriegseintritt Großbritanniens vorprogrammiert. Und es gab auch keinen Alternativplan.

So gesehen haben es die Generäle verbockt. Willy II. muss man allerdings den Vorwurf machen, dass seine Politik vor dem Krieg wesentlich zu den Spannungen beitrug, die zum Krieg geführt haben.

Ich empfehle dazu das m.E. sehr gute und anschauliche Buch "Die sieben Todsünden des Deustchen Reiches" von Sebastian Haffner.
Die Gründe für den Krieg liegen in der Abkehr Wilhelms von der Bismarckschen Außenpolitik, die auf Ausgleich mit den anderen europäischen Mächten ausgelegt war, während die Wilhelms Frankreich und Großbritannien gegen Deutschland aufbringen mußte.
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Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk. (Carl Schmitt)
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Ralf Rudolfy
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Beitrag(#166145) Verfasst am: 16.08.2004, 08:57    Titel: Re: Erster Weltkrieg Antworten mit Zitat

Herbert hat folgendes geschrieben:
Die Haltung des Deutschen Reiches bzw. seiner politischen "Führung" (für meine Begriffe taumelten diese Leute nur durch die Politik) war da eigentlich nichts Besonderes - die Betrachtungsweise, die Kalkulationen, die Leichtfertigkeit, vor allem der fehlende Weitblick: das alles war nur ganz entscheidend dümmer, emotionaler, selbstberauscht.

Ich finde, das hast Du gut erkannt. Sebastian Haffner drückte das mal so aus, daß die Tragik der deutschen Politik nicht eigentlich in einem Mangel an Verstand, sondern in einem Übermaß an Emotion bestanden habe. Da ist was dran.
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kutschi
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Beitrag(#166219) Verfasst am: 16.08.2004, 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

narziss hat folgendes geschrieben:
Der "All das vergesst bitte nie" Thread ist jetzt in meinen Favoriten.
Echt interessant was man da so findet.


Tust du mir den Gefallen und postest den Link hier ? Bin scheinbar unfähig ihn - selbst mit Suchfunktion - selbst ausfindig zu machen Mit den Augen rollen

Danke im Voraus zwinkern
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narziss
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Beitrag(#166258) Verfasst am: 16.08.2004, 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Das Problem ist, dass sich der Thread in einem anderen Forum befindet. zwinkern Dann kannst du ihn ja nicht finden.

http://www.scifi-forum.de/showthread.php?t=15735&page=1&pp=20
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kutschi
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Beitrag(#166270) Verfasst am: 16.08.2004, 15:56    Titel: Antworten mit Zitat

narziss hat folgendes geschrieben:
Das Problem ist, dass sich der Thread in einem anderen Forum befindet. zwinkern Dann kannst du ihn ja nicht finden.

http://www.scifi-forum.de/showthread.php?t=15735&page=1&pp=20


Wieso habe ich das geahnt ? zwinkern

Also danke, werd ich gleich mal durchlesen !
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max
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Beitrag(#166335) Verfasst am: 16.08.2004, 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Komplett von der Rolle Hatte ganz vergessen, dass der "All das vergesst bitte nie"-Thread mit einem Beitrag über JopaII beginnt Verwundert
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Sermon
panta rhei



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Beitrag(#1936819) Verfasst am: 26.07.2014, 14:44    Titel: Antworten mit Zitat

Als Deutschland 1914 in den Dschihad zog

Zitat:
Am 1. August 2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. Während die großen Schlachten von Verdun bis Tannenberg in Europa hinreichend bekannt sind, wurde das Kriegsgeschehen in Nordafrika und im Nahen Osten nur im Kreis von Orientexperten aufgearbeitet. So ist kaum bekannt, dass das Deutsche Kaiserreich im Verbund mit der Türkei damals mehrere hundert Millionen Muslime zum "Heiligen Krieg" gegen Engländer und Franzosen aufrief. Der deutsche Auslandsgeheimdienst "Abteilung IIIb" und die "Nachrichtenstelle für den Orient" waren für Attentate, Sprengstoffanschläge und Umsturzversuche zuständig. Für diesen staatlichen Terrorismus ist in Deutschland nie ein Politiker, Militär oder Geheimdienstler zur Rechenschaft gezogen worden.

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beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, Postfeminist



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Beitrag(#1936851) Verfasst am: 26.07.2014, 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Sermon hat folgendes geschrieben:
Als Deutschland 1914 in den Dschihad zog

Zitat:
Am 1. August 2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. Während die großen Schlachten von Verdun bis Tannenberg in Europa hinreichend bekannt sind, wurde das Kriegsgeschehen in Nordafrika und im Nahen Osten nur im Kreis von Orientexperten aufgearbeitet. So ist kaum bekannt, dass das Deutsche Kaiserreich im Verbund mit der Türkei damals mehrere hundert Millionen Muslime zum "Heiligen Krieg" gegen Engländer und Franzosen aufrief. Der deutsche Auslandsgeheimdienst "Abteilung IIIb" und die "Nachrichtenstelle für den Orient" waren für Attentate, Sprengstoffanschläge und Umsturzversuche zuständig. Für diesen staatlichen Terrorismus ist in Deutschland nie ein Politiker, Militär oder Geheimdienstler zur Rechenschaft gezogen worden.


Sonst muessten doch auch heutzutage amerikanische "Politiker, Militärs oder Geheimdienstler zur Rechenschaft gezogen werden". zwinkern
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Stoppt die Bajuwarisierung der Kurpfalz jetzt!
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Religionskritik-Wiesbaden
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Beitrag(#1965310) Verfasst am: 17.11.2014, 00:20    Titel: Sunniten und Schiiten in der FAZ Antworten mit Zitat

immer wieder interessant:
die Nachrichten aus der FZ [FAZ] vor 100 Jahren,
und daraus wird dann immer ein Artikel präsentiert - leider nicht in Fraktur Smilie,
das epaper der FZ aber schon.

hier also der spannende Artikel von heute:

Zitat:
Sunniten und Schiiten
Im Streit über die Nachfolge des Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert spaltete sich die muslimische Glaubensgemeinschaft in Sunniten und Schiiten. Die Frankfurter Zeitung berichtet am 16. November 1914 über die Entstehung beider Lager.


http://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/historisches-e-paper/e-paper-16-11-1914-sunniten-und-schiiten-13245449.html
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Religionskritik-Wiesbaden
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Beitrag(#1968306) Verfasst am: 29.11.2014, 18:47    Titel: Verdun und Argonnen in der FAZ Antworten mit Zitat

Zitat:
E-Paper: 29.11.1914 Verdun und die Argonnen

Seit Anfang September dauern die Kämpfe in Verdun und Argonnen inzwischen an. Was in der Zeit passierte bilanziert die Frankfurter Zeitung am 29. November 1914.


http://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/historisches-e-paper/e-paper-29-11-1914-verdun-und-die-argonnen-13283725.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

darin auch eine 'gewagte' Diagnose zwinkern

Zitat:
Wer die Frontlinie im Kampfabschnitt von Verdun verfolgt, wird leicht einsehen, daß auch auf diesem Teil des Kriegsschauplatzes langsam, aber mit vollkommener Sicherheit auf ein bestimmtes Ziel hingearbeitet wird. Es gilt nur noch, das letzte Stück des Argonnenwaldes zu säubern und vor allem an die Bahnlinie heranzukommen, dann ist der Weg für den Angriff auf die Höhen der Südwestfront der Festung frei. Alles andere ist genügend vorbereitet. Das schwerste Stück der Arbeit ist bereits getan. Man nehme die Karte und messe!


mmh,
da sind wir doch alle ganz wunschig und gespannt darauf,
wann dieser scheußliche Krieg vor 100 Jahren endlich in Verdun und den Argonnen entschieden wird.

Dumm nur,
dass die andere Seite wohl auch so ähnlich von Verdun dachte,
da wäre doch auch ein Blick in die Franzmannpresse vor 100 Jahren ganz schön,
dies den historischen Epaperazzis der FAZ mal so eingeflüstert.
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Derzeit ohne Untertitel
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