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Weiterleben als Zombie
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 5%  [ 1 ]
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26%
 26%  [ 5 ]
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42%
 42%  [ 8 ]
Etwas anderes
26%
 26%  [ 5 ]
Stimmen insgesamt : 19

Autor Nachricht
Critic
oberflächlich



Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14756
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#2155467) Verfasst am: 24.10.2018, 22:33    Titel: Antworten mit Zitat

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schtonk hat folgendes geschrieben:
Die Funktion der Unterhaltungsbranche (speziell damals zeitgemäß: Das Fernsehen) hatte Neil Postman 1985 in seinem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" gut herausgearbeitet.
Untertitel: Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Er kam dabei ganz gut ohne ideologischen Krimskrams aus.

Allerdings gibt es zu dem Thema auch ein Buch mit Schwerpunkt Klassenverhältnisse:
"Kritik des Fernsehens" von Dahlmüller/Hund/Kommer (Sammlung Luchterhand 1973).
Habe ich damals mit großem Interesse gelesen.


Ohne das hier im Detail auseinanderklamüsern zu wollen: Ich fand eigentlich das Gegenteil, z.B. daß Postman da eher nicht nach Gegenargumenten gesucht hat und für ihn alles, was mit bildlicher Darstellung zu tun hatte, irgendwie "von Übel" war. Postmans Ausführungen sind mir zuerst etwa 1998 im Unterricht begegnet, und damals fand ich das schon irgendwo plausibel - aber in der Erinnerung fiel mir auf, daß ich damals auch kaum Gegenargumente bekommen habe, sondern mir da eine Ansammlung von Autoren präsentiert wurde, die relativ ähnlich dachten. Das kann man ja auch schnell mit einem "Forschungskonsens" verwechseln. Während, als ich das vor so etwa zehn Jahren mal durchexerziert hatte, das doch sehr einseitig fand. Mindestens ist doch zu sehen, daß es mehr um Anekdotisches geht, und da ist es doch leichter, "pro" zu sein, weil man das ja "heute wieder" beobachtet hat... .

Also: Das Medium ist nicht "per se" von Übel. Es kommt drauf an, wie man es handhabt. Es mag sein, daß die Vorstellung, die man hatte, als das Fernsehen oder auch das Internet erstmal kamen, sich so nicht verwirklicht haben.

Und es mag auch sein, daß sich auch gesellschaftliche Erwartungen verändert haben: Zu Abe Lincolns Zeiten beinhalteten politische Diskussionen in der Öffentlichkeit durchaus einmal 1 1/2stündige Reden, in denen die Kontrahenten ihre Auffassungen ausführlich darlegten. Das ist aus heutiger Sicht ein etwas sperriges Format (allerdings wäre auch zu klären, woraus die Öffentlichkeit damals bestand - es gibt Untersuchungen dazu, daß diese Reden auch sprachlich auf einem höheren Niveau lagen als heutzutage, daß die Politiker sich also eher an Bildungsbürger als an Landarbeiter richteten). Auch die Nachrichtenwelt hat sich verändert: Vor ein paar hundert Jahren haben durchschnittliche Menschen kaum je von irgendetwas erfahren, das in China passierte, und wenn, dann war die Information gedruckt und Jahre alt. Während man heute innerhalb von Minuten von jeder Springflut informiert wird. Es mag damit auf Menschen mit einem eher ängstlicheren Naturell so wirken, daß die Welt sehr viel komplexer und bedrohlicher geworden sei, weil es mehr Meldungen gibt und die bildliche Darstellung auch eine größere Kraft und Unmittelbarkeit hat.

Aber Medienkritiken hat es ja schon zu allen Zeiten gegeben: Namen mögen mir jetzt gerade entfallen, aber in der klassischen Antike beklagte doch Platon schon, daß mit der Alphabetisierung der Gesellschaft und daß man damit anfing, alles Mögliche aufzuschreiben, die Leistung des Gedächtnisses abnehme. Und als die erste Telegraphenleitung zwischen Europa und Nordamerika in Betrieb genommen werden sollte, ätzte auch schon einer: "Ja toll, da kriegen wir unsere aktuellen Nachrichten. Und die erste Meldung wird wohl sein, daß die Prinzessin X sich erkältet hat."

Und es ist ja auch nicht so, daß es im Fernsehen nur die Fake-Realitäten von RTL2 und Konsorten oder Krimis, an die man sich schon am nächsten Tag nicht mehr erinnern kann, und im Internet nur die jugendlichen Youtube-"Influencer" für Billig-Kosmetik zu sehen gäbe. Ja, ich - ich weiß, anekdotisch, aber ich kann so immerhin zeigen, daß das auch möglich ist - bin heutzutage den Großteil meiner wachen Zeit irgendwie medial verbunden/nur einen Klick vom Internet entfernt und lese auch weniger "gute Bücher" als ich eigentlich möchte. Aber ich schaffe es trotzdem nicht, komplexe Gedanken auf Twitter-Länge unterzubringen, und ich genieße Zeiten, in denen ich - auch durchaus bewußt - nicht mit irgendwelchen Piepsgeräten rumhantiere.

...da soll man nicht sagen, daß nicht selbst Neil Postman oder der Unterricht an einer deutschen Schule (zumindest irgendwann) zum kritischen Nachdenken bringen können - was ja auch nicht heißt, daß man dem Präsentierten grundsätzlich zustimmen muß... Am Kopf kratzen.


(Späterer Edit: Und wie paßt das noch zum Thread? Vielleicht so: Einige Filmemacher benutzen demnach das Bild der "Zombie-Invasion" als Sinnbild für Auswüchse der modernen Konsumgesellschaft. Einerseits ist es ja schon lustig, wenn jemand die Konsumgesellschaft und die Popkultur mit Mitteln kritisiert, die ihm diese erst an die Hand gegeben hat. Wenn andererseits ein "Medienkritiker" die Darstellung -- oder gar das Medium selbst - kritisiert, hat das dann nicht auch eine Süffisanz...?)
_________________
"Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"

Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

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