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Jolesch Freund des kleineren Übels
Anmeldungsdatum: 11.07.2004 Beiträge: 7390
Wohnort: Omicron Persei VIII
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(#379271) Verfasst am: 27.11.2005, 19:21 Titel: |
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Cato hat folgendes geschrieben: | @AdvocatusDiaboli: Wenn du schon den Heiligen ihren Platz im Himmel streitig machen willst, solltest du nicht vergessen, dass Nazis inhaftieren erstens Geld kostet und zweitens diese dann die ganze Zeit Bücher und Memorieren verfassen – und zumindest ich verzichte gerne auf Waffen-SS und Wehrmachtsnostalgie, sowie Apologien auf den Nationalsozialismus. Selbst wenn ich dafür die Menschenrechte von Kaltenbrunner, Speer und Frank verletzten muss… |
du kannst aber nicht erwarten, dass jeder so eine flexible Ethik hat wie du. Menschenrechte gelten für jeden, vom Kinderschänder bis zum Massenmörder - sonst wären es keine Menschenrechte, sondern "Für nette Personen"-Rechte
_________________ Storm by Tim Minchin
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Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
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(#379273) Verfasst am: 27.11.2005, 19:25 Titel: |
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Meiner Meinung sind diese aber nicht absolut und können durchaus verwirkt werden, so wie im Fall der Völkischen, die ganz nebenbei die Menschenrechte gänzlich abschaffen wollten…
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Jolesch Freund des kleineren Übels
Anmeldungsdatum: 11.07.2004 Beiträge: 7390
Wohnort: Omicron Persei VIII
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(#379279) Verfasst am: 27.11.2005, 19:32 Titel: |
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Menschenrechte sind per definition universal, d.h. die einzige Bedingung die man erfüllen muss ist das Menschensein.
Zitat: | Jeder Mensch hat Anspruch auf die hiermit garantierten Menschenrechte und Freiheiten, ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen. |
Mal davon abgesehen, wer soll denn bitte entscheiden wem welche Menschenrechte zustehen? (einige US-Institutionen melden sich sicher freiwillig für den Job )
_________________ Storm by Tim Minchin
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#379280) Verfasst am: 27.11.2005, 19:37 Titel: |
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Tante_Jolesch hat folgendes geschrieben: | Menschenrechte sind per definition universal, d.h. die einzige Bedingung die man erfüllen muss ist das Menschensein. | Das ist zumindest unser Verständnis. Es ist sogar so, dass man einige Probleme hat, ein Menschenrecht "abzulegen" oder zu "verkaufen". Bei der Menschenwürde bsp. ist es nicht möglich.
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
http://www.gavagai.de
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Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
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(#379281) Verfasst am: 27.11.2005, 19:44 Titel: |
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Tante_Jolesch hat folgendes geschrieben: | Menschenrechte sind per definition universal, d.h. die einzige Bedingung die man erfüllen muss ist das Menschensein. |
...und trotzdem besitzt sie nur eine kleine Minderheit, nämlich diejenigen, die sie durchsetzten und verteidigen können. Das sollte man niemals vergessen, wenn man die Menschenrechte der NS-Schergen und von ähnlichem Büttel verteidigen will.
Zitat: | Mal davon abgesehen, wer soll denn bitte entscheiden wem welche Menschenrechte zustehen? (einige US-Institutionen melden sich sicher freiwillig für den Job ) |
Tun das unsere Institutionen und damit wir alle als Souverän nicht schon? Indem wir beispielsweise für bestimmte Taten bestimmte Rechte zumindest zeitweise aufheben?
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Hel registrierter User
Anmeldungsdatum: 13.11.2003 Beiträge: 375
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(#379309) Verfasst am: 27.11.2005, 21:06 Titel: |
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AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben: | Ich finde, dass lebenslang mit anschliessender Sicherungsverwahrung gerechtfertigt gewesen wäre. |
Zustimmung, würde vollig ausreichen!
Wie verträgt sich das aber mit der, von dir im Thread "Jüdischer Kriegsverbrecher von Polen gesucht"geäußerten Ansicht, man hätte nach dem zweiten Weltkrieg alle SS-Angehörigen ohne Prozess hinrichten sollen??? ( Sorry, bin zu blöd zum verlinken. ) Todesstrafe für Nazis nein, nur für manche, dann aber ruhig ohne Prozess? Ich steh jetzt ein bisschen auf dem Schlauch!
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Hel registrierter User
Anmeldungsdatum: 13.11.2003 Beiträge: 375
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(#379317) Verfasst am: 27.11.2005, 21:18 Titel: |
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narziss hat folgendes geschrieben: | Cato hat folgendes geschrieben: | Bitte? Ist es nicht blanker Hohn hier von Menschenrechtsverletzungen und harten Urteilen zu sprechen? | Hannibal ist nur konsequenter Gegner der Todesstrafe. Man muss seine Meinung zur Todesstrafe sicher nicht teilen, aber verurteilenswert ist sie nicht.
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Und wer da, anders als Hannibal, Ausnahmen macht, ist TODESSTRAFENBEFÜHRWORTER!!!
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annox Grim Reaper
Anmeldungsdatum: 30.05.2004 Beiträge: 5800
Wohnort: Berlin
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(#379322) Verfasst am: 27.11.2005, 21:31 Titel: |
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Hel hat folgendes geschrieben: | Sorry, bin zu blöd zum verlinken.  |
Die Linkadresse eines Beitrages bekommst du, über einen Rechtsklick auf das Blattsymbol links neben Verfasst am...
_________________ Ich bin jenes Pferd, das unter der Peitsche der Kutscher den Wagen voller Gesindel hinter sich her ziehen muss.
[Sadegh Hedayat]
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Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
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(#379345) Verfasst am: 27.11.2005, 22:13 Titel: |
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Die Hinrichtung aller SS-Angehörigen wäre auch notwendig gewesen - der Welt wäre dann Schönhuber erspart geblieben...
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Jolesch Freund des kleineren Übels
Anmeldungsdatum: 11.07.2004 Beiträge: 7390
Wohnort: Omicron Persei VIII
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Critic oberflächlich
Anmeldungsdatum: 22.07.2003 Beiträge: 16377
Wohnort: Arena of Air
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(#379470) Verfasst am: 28.11.2005, 01:52 Titel: |
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Cato hat folgendes geschrieben: | Die Hinrichtung aller SS-Angehörigen wäre auch notwendig gewesen - der Welt wäre dann Schönhuber erspart geblieben... |
Das hat man in manchen Ländern auch gemacht. Zumindest aus "Volkszorn" heraus, hat man Nazikollaborateure und auch Angehörige der SS, deren man habhaft werden konnte, einen Kopf kürzer gemacht, von staatlicher Seite wurde manchmal auch hingerichtet, gab es aber zumindest langjährige Gefängnisstrafen. Nur ist das vielleicht zu kurz gegriffen, kennt man etwa nicht die Beweggründe, und auch nicht die Tragweite jener Handlungen. Ist ein 18jähriger, der zunächst einmal in Unkenntnis der Verhältnisse demjenigen hinterherläuft, der ihm das "große Abenteuer" bietet, ist ein 15jähriger, der ein paar Wochen vor Kriegsende "per Quote" (eene-meene-muh) in die SS gesteckt wurde, genauso schuldig gewesen wie Reinhard Heydrich oder Sepp Dietrich höchstpersönlich? Trotzdem haben z.B. die tschechischen Partisanen jeden deutschen Soldaten, der unter dem Arm seine Blutgruppe eintätowiert hatte (Kennzeichen der SS), in den Graben gezerrt und erschossen. Man kann aber nicht allein aus der Mitgliedschaft auf die individuelle Schuld schließen. Der Eine ist nicht für die Morde des Anderen zu belangen. Und so etwas wie eine - im geradezu religiösen Sinne - kollektive Schuld existiert nicht.
(Noch dazu eben, daß zynischerweise selbst die Siegermächte den Begriff des "Befehlsnotstands" kannten, den deutschen Nazischergen das Recht aber absprachen, sich auf höheren Befehl - und damit auch "höhere Verantwortung" - zu berufen. Im übrigen gibt es auch einige pikante Massaker in den Geschichten von USA und Großbritanniens, und gewisse Konzepte, daß etwa die Führung ein Szenario schafft, in dem gewisse Handlungen geradezu erwartet werden und man durchblicken läßt, daß die Handlung gedeckt werde, aber dann auf empört tun kann und auf individuelle Verantwortung pocht, sobald diese Handlungen entdeckt werden... [Abu Ghreib, Garantien für Saddam am Vorabend des Kuwaitkrieges, in Beziehung zu Babi Jar].)
Sicher, "die Deutschen" hätten sehr wohl wissen können, was Hitler vorhatte. Aber der Mensch ist nicht vollständig selbst verantwortlich, sondern er steckt in gewissen Mustern der Indoktrination. Mit unserem heutigen Horizont nehmen wir - wahrscheinlich fälschlicherweise - immer an, daß uns ein Hitler nie passieren könnte. Sinnigerweise kriegen die Rechtsextremen im Osten Deutschlands, dort, wo bis vor fünfzehn Jahren noch eine Diktatur herrschte, ihre höchsten Stimmenanteile. Es wäre zu fragen, ob das nur Resultat der aktuellen Situation ist, oder ob sie auf bestimmten Tasten der Klaviatur spielt, die während der SED-Zeit geprägt wurden oder sich aus der Zeit davor durchgezogen haben, welche Muster also Diktaturen miteinander gemeinsam haben und was bei entsprechend Indoktrinierten "gut" ankommt. Dafür besetzen im Westen die "etablierten Parteien" vielfach diese ideologischen Nischen, was etwa die "innere Sicherheit" angeht, die "Kinder statt Inder", ... (In dem Fall alles von der CDU).
_________________ "Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"
Dann bin ich halt bekloppt.
"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
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(#381156) Verfasst am: 03.12.2005, 04:36 Titel: |
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@Critic: Das mit den drei, vier Lämmern in der SS mag ein, allerdings dürften keine Zweifel bestehen, dass der Verein an sich eine Verbrecher und Terrororganisation war, der ganz bewusst für die Selbigen geschaffen wurde…
Critic hat folgendes geschrieben: | Im übrigen gibt es auch einige pikante Massaker in den Geschichten von USA und Großbritanniens, |
Die hätte ich doch dann gerne mit Namen gewusst, damit ungefähr der Rahmen klar ist, in dem wir uns bewegen. Und ja, selbst die USA haben einige Stellen in ihrer Geschichte die nicht so besonders toll sind, Großbritannien durch sein Kolonialreich ebenso; der zentrale Unterschied bleibt allerdings: Das mit dem Nationalsozialismus eine Ideologie in die Welt gekommen ist, deren Vernichtungswillen allenfalls in den religiösen Weltgerichts- und Weltuntergangsfantasien ein Äquivalent findet. Das mit dem Befehlsnotstand sehe ich doch ein wenig anders; die führenden Nazis und deren Schergen wurden bestimmt nicht gezwungen den Genozid durchzuführen, das ist eine Lüge aus den Prozessen und dem Versuch der Geschichtsfälschung…
Ebenso wehre ich mich dagegen, die Farce von SED-Diktatur mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen.
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Critic oberflächlich
Anmeldungsdatum: 22.07.2003 Beiträge: 16377
Wohnort: Arena of Air
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(#388930) Verfasst am: 22.12.2005, 01:36 Titel: |
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Cato hat folgendes geschrieben: | @Critic: Das mit den drei, vier Lämmern in der SS mag ein, allerdings dürften keine Zweifel bestehen, dass der Verein an sich eine Verbrecher und Terrororganisation war, der ganz bewusst für die Selbigen geschaffen wurde…
Critic hat folgendes geschrieben: | Im übrigen gibt es auch einige pikante Massaker in den Geschichten von USA und Großbritanniens, |
Die hätte ich doch dann gerne mit Namen gewusst, damit ungefähr der Rahmen klar ist, in dem wir uns bewegen. Und ja, selbst die USA haben einige Stellen in ihrer Geschichte die nicht so besonders toll sind, Großbritannien durch sein Kolonialreich ebenso; der zentrale Unterschied bleibt allerdings: Das mit dem Nationalsozialismus eine Ideologie in die Welt gekommen ist, deren Vernichtungswillen allenfalls in den religiösen Weltgerichts- und Weltuntergangsfantasien ein Äquivalent findet. Das mit dem Befehlsnotstand sehe ich doch ein wenig anders; die führenden Nazis und deren Schergen wurden bestimmt nicht gezwungen den Genozid durchzuführen, das ist eine Lüge aus den Prozessen und dem Versuch der Geschichtsfälschung…
Ebenso wehre ich mich dagegen, die Farce von SED-Diktatur mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. |
Geschichte der USA: Geht schon mit dem "Krieg der Pequots" los, der ersten Vernichtungskampagne gegen die Ureinwohner Nordamerikas, 1637. Wann immer man neues Land brauchte, hat man es den Ureinwohnern einfach mit Gewalt abgenommen. Und das Schaukelspiel aus falschen Verträgen - um die Menschen, mit denen man laut Bibel etc. ja machen konnte, was man wollte -, Entrechtungen und Vertreibungen setzt sich bis Ende des 19.Jahrhunderts fort. Viele fanden auch nichts Falsches daran, sich Sklaven zu halten, und nach der "Emanzipationsproklamation" seitens Abraham Lincoln (wo man mal wieder ein Recht "zugestanden" hat) hat es ein weiteres Jahrhundert gedauert, bis Schwarze von staatlicher Seite aus nicht mehr diskriminiert wurden - so möge man meinen, jedenfalls gab es danach keine Gesetze mehr, die Schwarze daran hinderten, sich im Bus hinzusetzen, wo sie wollten etc..
Beispiele von "Tätigkeiten der Engländer": Im 16. und 17. Jahrhundert "zivilisierten" die Engländer Irland vor allem durch Terror, dem Zehntausende zum Opfer fielen. 1919 schossen englische Kolonialtruppen in Amritsar eine Menge von Indern zusammen, die für die Unabhängigkeit ihres Landes demonstrierten, zusammen, Hunderte kamen dabei um. Im Burenkrieg wendeten die Engländer eine besonders perfide Taktik an, um schließlich gegen die Oberhand gegen die Südafrikaner zu gewinnen: Einwohner von Gebieten, in denen Einheiten der Buren aktiv waren, vor allem Frauen und Kinder, wurden kurzerhand interniert, ihre Besitztümer zerstört, etwa 27.000 der Internierten starben aufgrund der katastrophalen Bedingungen.
Auch noch eine Anmerkung zum "Nürnberger Prozeß": Gerade lief dazu mal wieder ein Bericht auf Phoenix, und wie das bei "Qualitätsfernsehen" so ist, stößt sich da doch der Geist dran:
Zitat: | Darauf folgte Robert Jacksons Eröffnungsrede für die Anklagebehörde. Diese Rede wurde weithin gerühmt, häufig abgedruckt und wird oft zitiert. Hier ein kurzer Auszug:
" ...Die Untaten, die wir zu verurteilen und zu bestrafen suchen, waren so ausgeklügelt, so böse und von so verwüstender Wirkung, daß die menschliche Zivilisation es nicht dulden kann, sie unbeachtet zu lassen, sie würde sonst eine Wiederholung solchen Unheils nicht überleben. Daß vier große Nationen, erfüllt von ihrem Siege und schmerzlich gepeinigt von dem geschehenen Unrecht, nicht Rache üben, sondern ihre gefangenen Feinde freiwillig dem Richterspruch des Gesetzes übergeben, ist eines der bedeutsamsten Zugeständnisse, das die Macht jemals der Vernunft eingeräumt hat."
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(Quelle: http://www.bz.nuernberg.de/bzshop/publikationen/nproz/nproz.html)
So. Das heißt also, daß im allgemeinen die Vernunft beim Handeln nicht der Macht, etwas zu tun, übergeordnet ist. Wenn man ihr etwas zugesteht, dann heißt das, daß man im allgemeinen nicht am Primat der Macht rüttelt.
Der Knackpunkt in der Denke ist wohl einfach, daß manche Leute tatsächlich noch so ewig gestrig sind, diese Vergangenheit ihrer Staaten zu glorifizieren oder zu rechtfertigen. In dem Zitat steckt noch dieses alte Denken, daß nämlich elementare Rechte nicht unveräußerlich sind, sondern "zugestanden" oder "abgesprochen" werden können, und daß eben im Interesse bestimmter Ziele (etwa: ein weiteres Stück Land dem Kolonialreich hinzufügen) bestimmte Handlungen zu rechtfertigen seien. Die süffisante Tatsache, daß sich US-Soldaten bei etwaigen Greueln damals noch sehr wohl auf Befehlsnotstand berufen konnten, macht eben diese Haltung deutlich.
Ein Gerichtsprozeß ist dann Siegerjustiz, wenn man daraus nicht auch Konsequenzen für sein eigenes Handeln zieht. Dann wäre der Prozeß nämlich keine Aufarbeitung gewesen, sondern eine Propagandaveranstaltung, daß nämlich, hätten die Deutschen den zweiten Weltkrieg gewonnen, sie damit durchgekommen wären, daß schließlich die Geschichte die Sieger belohne und die Verlierer bestrafe. Die USA haben auch in der Nachkriegszeit oft so gehandelt, als hätten sie ob ihrer schieren Macht dazu einen Freifahrtschein.
_________________ "Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"
Dann bin ich halt bekloppt.
"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#388966) Verfasst am: 22.12.2005, 10:14 Titel: |
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Critic hat folgendes geschrieben: | So. Das heißt also, daß im allgemeinen die Vernunft beim Handeln nicht der Macht, etwas zu tun, übergeordnet ist. | Zweifelst du daran? Bayrisches Sprichwort: "Der Schelln Ober sticht an Schelln Unter". (Auf Skat und Schriftdeutsch: Der Karo Bube sticht das Karo As).
Zitat: | Ein Gerichtsprozeß ist dann Siegerjustiz, wenn man daraus nicht auch Konsequenzen für sein eigenes Handeln zieht. | Das scheint mir eine wunderliche Behauptung.
Wer ist "man"? Der Richter? Die Dolmetscher? Wer ist das "sein" in "sein eigenes Handeln"?
Wenn ein Richter später (keine Konsequenzen ziehend) in seiner eigenen Familie sich als Haustyrann gebärdet, war der Jahre zuvor von ihm geführte Gerichtsprozeß dann Siegerjustiz?
Wirklich merkwürdige und wunderliche Ansicht.
Zitat: | hätten die Deutschen den zweiten Weltkrieg gewonnen, ... | Wer will gleich das Schlimmste annehmen?
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
http://www.gavagai.de
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Critic oberflächlich
Anmeldungsdatum: 22.07.2003 Beiträge: 16377
Wohnort: Arena of Air
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(#389392) Verfasst am: 23.12.2005, 01:34 Titel: |
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gavagai hat folgendes geschrieben: | Zitat: | Ein Gerichtsprozeß ist dann Siegerjustiz, wenn man daraus nicht auch Konsequenzen für sein eigenes Handeln zieht. | Das scheint mir eine wunderliche Behauptung.
Wer ist "man"? Der Richter? Die Dolmetscher? Wer ist das "sein" in "sein eigenes Handeln"?
Wenn ein Richter später (keine Konsequenzen ziehend) in seiner eigenen Familie sich als Haustyrann gebärdet, war der Jahre zuvor von ihm geführte Gerichtsprozeß dann Siegerjustiz?
Wirklich merkwürdige und wunderliche Ansicht. |
Bei einem Richter, der eben noch jemanden wegen häuslicher Gewalt verurteilt hat und abends zuhause als erstes seine Frau vermöbelt, würde ich doch echt stutzig werden.
In erster Linie ist aber erstmal der Staat gemeint, der bestimmte Verbrechen anklagt, und sich dann später selbst so gebärdet wie diejenigen, die gerade abgeurteilt wurden. Wieviele Menschen sind nochmal schnell durch amerikanische Handlungen in Vietnam umgekommen? Insgesamt drei Millionen oder so? Wieviele Iraker mußten sterben, bis Bush endlich zugegeben hat, daß es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gab? Er meint "nur" 30.000, bekanntlich gehen die Schätzungen bis 200.000 (nicht eingerechnet etwa die Opfer in Fallujah, das ja 2004 auch ohne Rücksicht auf Verluste zusammengeschossen wurde, und so weiter).
Zitat: |
Zitat: | hätten die Deutschen den zweiten Weltkrieg gewonnen, ... | Wer will gleich das Schlimmste annehmen?  |
Tja, das wäre furchtbar übel geworden... . .
_________________ "Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"
Dann bin ich halt bekloppt.
"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#389416) Verfasst am: 23.12.2005, 10:13 Titel: |
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Critic hat folgendes geschrieben: | Bei einem Richter, der eben noch jemanden wegen häuslicher Gewalt verurteilt hat und abends zuhause als erstes seine Frau vermöbelt, würde ich doch echt stutzig werden. | Zugestanden. Doch dann gleich von Siegerjustiz zu reden, finde ich abwegig.
Zitat: |
In erster Linie ist aber erstmal der Staat gemeint, der bestimmte Verbrechen anklagt, und sich dann später selbst so gebärdet wie diejenigen, die gerade abgeurteilt wurden. |
1) In den Nürnberger Prozessen hat nicht ein einzelner Staat bestimmte Verbrechen anklagt
2) Ein Staat ist immer ein Gebilde, das nur mit Zeitindex (also fixiert auf einen Zeitpunkt oder allenfalls kleinen Zeitraum) versehen ein gleich zu nennendes Gebilde ist. Es völlig absurd, dem Deutschen Staat die Gräuel des 30-jährigen Kriegs vorzuhalten. Oder mit eventuellen Gräuel, die Deutschland in diesem Jahrhundert vom Zaune bricht, den Friedenswillen Deutschlands Ende der 1940-er Jahre in Abrede zu stellen.
Zitat: | Wieviele Menschen sind nochmal schnell durch amerikanische Handlungen in Vietnam umgekommen? |
Wieso soll das rückwirkend auf die Nürnberger Prozesse einwirken?
Zitat: | Wieviele Iraker mußten sterben, bis Bush endlich zugegeben hat, daß es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gab? |
Wieso soll das rückwirkend auf die Nürnberger Prozesse einwirken?
Bis jetzt ist immer noch - zumindest in den Naturwissenschaften, aber ich glaube, das kann man auf die Gesellschaftswissenschaften übertragen - ein Merkmal der Kausalität: die Wirkung ist nie vor der Ursache. Daher kannst du von späteren Verstössen eines Richters oder eines Staats nicht auf Siegerjustiz in einem früheren Prozess folgern.
Angenommen, jemand zündet mit 15 Jahren seine Schule an. Mit 20 hat er ein traumatisches Erlebnis mit seinem Schuldirektor. Wer käme auf die Idee zu sagen: ach ja, das mit 15 Jahren war Abreaktion ("Siegerjustiz"), weil er ja von dem Schuldirektor 5 Jahre später gedemütigt wurde?
IMO völliger Krampf.
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
http://www.gavagai.de
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Umunmutamnak auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 30.11.2005 Beiträge: 1725
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(#389443) Verfasst am: 23.12.2005, 12:46 Titel: |
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CoS hat folgendes geschrieben: | Zitat: | Was fällt einem dazu ein? -
Die Holocaust Industrie von Normen G. Finkelstein. |
Mir fällt dazu "schwachsinnige Verschwörungstheorie" ein! Obwohl ich zugeben muss, dass einige Verschwörungen einen gewissen Unterhaltungswert haben. Insbesondere wenn man mal die Quellen untersucht: Quelle A bezichtigt Quelle B - Quelle B bezichtigt Quelle C und Quelle C bezichtigt wieder Quelle A die Weltherrschaft an sich reißen zu wollen!
Zitat: | das zu lesen, ist man platt. |
Falsch - das zu GLAUBEN macht geistig platt. Es gibt selbige Werke die gegen Freimaurer, Illuminati, Islamisten, Satanisten und Außerirdische schießen - Alle mit angeblich dem gleichen Ziel. Nimm einfach diesen Text und ersetze ihn durch Freimaurer, Illimuninati oder Satanist und schon hast Du eine neue lustige Verschwörung...
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Protokolle_der_Weisen_von_Zion
Zitat: | Gier kennt weder Grenzen, noch Konfessionen |
Dummheit auch nicht!
Grüße |
D´accord.
"Internationales Finanzjudentum" ist eine zählebige verdruckst-nationalistische Projektion. (leider selbst durchaus international) . Empfehle hierzu mal Besuch auf hagalil.com (checke irgendwie nicht, wie man hier Links einfügt)
@Wendor
An dieser unglaublichen selbstverschuldeten Katastrophe in der deutschen Geschichte, ändern irgendwelche Feinheiten wie Heß, Verschwörungen xy usw. nicht das geringste.
Daran sind nicht Historiker und/oder Siegermächte schuld, sondern die Deutschen allein.
Wir müssen selbst unsere deutsche Kultur wiederfinden. Die Juden haben bestimmt nichts dagegen,
ebensowenig vermeintliche "Siegermächte".
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kolja der Typ im Maschinenraum

Anmeldungsdatum: 02.12.2004 Beiträge: 16631
Wohnort: NRW
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(#389454) Verfasst am: 23.12.2005, 13:03 Titel: |
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Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | (checke irgendwie nicht, wie man hier Links einfügt) |
Wenn du Links komplett ausschreibst (mit "http://"), macht das Forum automatisch einen Link daraus.
-> http://hagalil.com
_________________ Hard work often pays off after time, but laziness always pays off now.
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Umunmutamnak auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 30.11.2005 Beiträge: 1725
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(#389461) Verfasst am: 23.12.2005, 13:13 Titel: |
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kolja hat folgendes geschrieben: | Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | (checke irgendwie nicht, wie man hier Links einfügt) |
Wenn du Links komplett ausschreibst (mit "http://"), macht das Forum automatisch einen Link daraus.
-> http://hagalil.com |
Danke!
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#389473) Verfasst am: 23.12.2005, 13:54 Titel: |
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Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | "Siegermächte" | Inzwischen gehören wir selbst ja schon wieder zu den Siegermächten: siehe Balkan, Afghanistan, Horn von Afrika und und und
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
http://www.gavagai.de
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Umunmutamnak auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 30.11.2005 Beiträge: 1725
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(#389476) Verfasst am: 23.12.2005, 14:00 Titel: |
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gavagai hat folgendes geschrieben: | Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | "Siegermächte" | Inzwischen gehören wir selbst ja schon wieder zu den Siegermächten: siehe Balkan, Afghanistan, Horn von Afrika und und und  |
Na ja - ich verstehe offen gesagt nicht so ganz, was das heißen soll.
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#389485) Verfasst am: 23.12.2005, 14:24 Titel: |
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Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | gavagai hat folgendes geschrieben: | Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | "Siegermächte" | Inzwischen gehören wir selbst ja schon wieder zu den Siegermächten: siehe Balkan, Afghanistan, Horn von Afrika und und und  |
Na ja - ich verstehe offen gesagt nicht so ganz, was das heißen soll. |
1) Unsere Truppen stehen im Balkan, Afghanistan, Horn von Afrika und und und und zwar nicht als Verlierer sondern als Besatzer, Gewinner, Überwacher, Aufpasser oder wie immer du es nennen willst.
2) Der Begriff "Siegermächte" bezieht sich immer nur auf einen bestimmten krieg oder eine bestimmte Kriegshandlung. Die Siegermächte von einst (Hunnen, Türken, oder was immer) sind es nicht ewig.
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
http://www.gavagai.de
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Umunmutamnak auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 30.11.2005 Beiträge: 1725
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(#389496) Verfasst am: 23.12.2005, 14:50 Titel: |
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gavagai hat folgendes geschrieben: | Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | gavagai hat folgendes geschrieben: | Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | "Siegermächte" | Inzwischen gehören wir selbst ja schon wieder zu den Siegermächten: siehe Balkan, Afghanistan, Horn von Afrika und und und  |
Na ja - ich verstehe offen gesagt nicht so ganz, was das heißen soll. |
1) Unsere Truppen stehen im Balkan, Afghanistan, Horn von Afrika und und und und zwar nicht als Verlierer sondern als Besatzer, Gewinner, Überwacher, Aufpasser oder wie immer du es nennen willst.
2) Der Begriff "Siegermächte" bezieht sich immer nur auf einen bestimmten krieg oder eine bestimmte Kriegshandlung. Die Siegermächte von einst (Hunnen, Türken, oder was immer) sind es nicht ewig. |
Man kann zu dem Problem der dt. Truppen jwd. stehen, wie man will (was heißt eigentlich und und und?) -
Nur finde ich die - offenbar intendierte - Gleichsetzung mit 2. Weltkrieg ein wenig - na ja - überspannt.
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Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
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(#389498) Verfasst am: 23.12.2005, 15:00 Titel: |
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Critic hat folgendes geschrieben: | Geschichte der USA: Geht schon mit dem "Krieg der Pequots" los, der ersten Vernichtungskampagne gegen die Ureinwohner Nordamerikas, 1637. Wann immer man neues Land brauchte, hat man es den Ureinwohnern einfach mit Gewalt abgenommen.Und das Schaukelspiel aus falschen Verträgen - um die Menschen, mit denen man laut Bibel etc. ja machen konnte, was man wollte -, |
Das ewige Dilemma von der geschichtlichen Wirklichkeit als Widerspruch zum moralischen Wunschdenken; das Amerika den Ureinwohnern ihr Land weggenommen hat war bekannt, ebenso, dass die USA die Briten aus Kanada vertreiben wollten, als Napoleon gegen Russland zog und gewaltige Gebiete von Mexiko und Spanien entrissen haben. Dennoch würde ich hier nicht primär von Genozid sprechen – hier handelt es sich eher um eine aggressive und expansionistische Politik: Amerika ist weit davon entfernt in Gebiete einzufallen, um dort Lebensraum für die Züchtung einer Herrenrasse zu gewinnen und dessen Bewohner zu vernichten und zu versklaven.
Critic hat folgendes geschrieben: | Viele fanden auch nichts Falsches daran, sich Sklaven zu halten, und nach der "Emanzipationsproklamation" seitens Abraham Lincoln (wo man mal wieder ein Recht "zugestanden" hat) hat es ein weiteres Jahrhundert gedauert, bis Schwarze von staatlicher Seite aus nicht mehr diskriminiert wurden - so möge man meinen, jedenfalls gab es danach keine Gesetze mehr, die Schwarze daran hinderten, sich im Bus hinzusetzen, wo sie wollten etc.. |
Mag sein, dennoch steht Amerika hier weitaus besser dar, als die römische Republik, die versklavte Menschen einfach als Sachen betrachtete und in der eine generelle Abschaffung der Sklaverei undenkbar gewesen ist, das Selbe gilt für antike Athen. Die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei ist älter, als die Vereinigten Staaten und es war der Konflikt um die Sklaverei, der das Land in den blutigen Bürgerkrieg trieb. In Europa, wo es keine Sklaverei gab, kann man diese sicherlich mit einem Federstrich abschaffen, aber eine einflussreiche, aristokratische Sklavenhalterkaste bringt man nicht so leicht zu Fall.
Abgesehen davon gibt es in der Natur keine Rechte, das Recht selbst ist eine menschliche Satzung und unsere – universell gesetzten – Menschenrechte sind eine Satzung, welche auf die französische Revolution zurückgeht; somit sind diese Rechte vergänglich und müssen verteidigt und gelebt werden, ansonsten verschwinden sie.
Die fortgesetzte Rassendiskriminierung im Süden erklärt sich vor allem im Bestreben des Nordens, die Einheit des Landes zu erhalten – zumal nicht alle auf Seiten des Nordens Gegner der Sklaverei gewesen waren, so wie nicht jeder Konföderierte ein Befürworter der Selbigen war – dem Süden allzu viel in seine Angelegenheiten hinein zu regieren beinhaltete die Gefahr einer dauerhaften inneren Spaltung – wie in Belgien oder Kanada – und damit die automatische Sezession: Ob der Norden einen Krieg gegen den Süden mit dieser Intensität hätte führen gekonnt hätte, ohne die moralische Frage der Sklaverei auf seiner Seite gehabt zu haben, dürfte zumindest als zweifelhaft erscheinen. Derartige Zwangsmaßnahmen widersprechen zutiefst dem moralischen Selbstverständnis Amerikas…
Critic hat folgendes geschrieben: | Beispiele von "Tätigkeiten der Engländer": Im 16. und 17. Jahrhundert "zivilisierten" die Engländer Irland vor allem durch Terror, dem Zehntausende zum Opfer fielen. 1 |
Ach der gute alte Cromwell; ein Fragezeichen: War er wirklich der fanatische Puritaner oder benutzt der den Puritanismus nur, um die pro-katholische und zum Absolutismus neigende Monarchie zu stürzen? Dennoch es gibt nichts Herrlicheres, als der Einfall von schriftgläubigen Christen in einem urkatholischen Land; als Cromwell den irischen Katholiken zurief, sie mögen doch alle zur Hölle fahren, ist dies nur konsequent: Irische Missionare brachten das Christentum zurück nach England, nachdem es von den Sachsen ausgelöscht worden war. Wie sagen doch die Christen: Wer Wind säht, wird Sturm ernten und Cromwell war der Sturm, den die irischen Missionare heraufbeschworen…
Auch die sonstigen eher fragwürdigen Tätigkeiten des britischen Empires sind bekannt, wieder stehen sie in keinem Maß zu den Taten und Absichten der Nazis.
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#389507) Verfasst am: 23.12.2005, 15:36 Titel: |
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Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | Nur finde ich die - offenbar intendierte - Gleichsetzung mit 2. Weltkrieg ein wenig - na ja - überspannt. | Krieg ist immer irgendwo eine (Teil)Gleichsetzung mir anderen Kriegen. "Der 1. Weltkrieg war ein Krieg, der 2. Weltkrieg war ein Krieg, der 30-jährige Krieg war ein Krieg" sind "Gleichsetzungen" wenn du so willst. Ich würde eher von der Verwendung derselben Worte reden.
Wenn man von Truppen redet oder Siegermächten natürlich auch. Was ist daran überspannt? Soll man nicht mehr über Deutschlands Kriegsbeteiligungen reden dürfen (das wollen die Politiker gerne)?
Aber wenn es dich wirklich so mächtig stört, so verwende ich Indices.
Im 2. Weltkrieg (Index: 2. Weltkrieg) gab es Siegermächte (Index: 2. Weltkrieg).
Nach dem 2. Weltkrieg (Index: 2. Weltkrieg) gab es weitere Kriege (Index: nach dem 2. Weltkrieg). Bei einigen davon ist Deutschland wieder auf der Siegerseite (Index: nach dem 2. Weltkrieg) und ist damit Siegermacht (Index: nach dem 2. Weltkrieg).
Das finde ich reichlich kompliziert; erlaube mir weiterhin allgemein von Kriegen, Truppen oder Siegermächten zu reden ohne dass du gleich eine Gleichsetzung mit dem 2. Weltkrieg vermutest.
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
http://www.gavagai.de
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Critic oberflächlich
Anmeldungsdatum: 22.07.2003 Beiträge: 16377
Wohnort: Arena of Air
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(#389760) Verfasst am: 24.12.2005, 02:33 Titel: |
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gavagai hat folgendes geschrieben: | Wieso soll das rückwirkend auf die Nürnberger Prozesse einwirken?
Bis jetzt ist immer noch - zumindest in den Naturwissenschaften, aber ich glaube, das kann man auf die Gesellschaftswissenschaften übertragen - ein Merkmal der Kausalität: die Wirkung ist nie vor der Ursache. Daher kannst du von späteren Verstössen eines Richters oder eines Staats nicht auf Siegerjustiz in einem früheren Prozess folgern.
Angenommen, jemand zündet mit 15 Jahren seine Schule an. Mit 20 hat er ein traumatisches Erlebnis mit seinem Schuldirektor. Wer käme auf die Idee zu sagen: ach ja, das mit 15 Jahren war Abreaktion ("Siegerjustiz"), weil er ja von dem Schuldirektor 5 Jahre später gedemütigt wurde?
IMO völliger Krampf. |
Es geht nicht um den eigentlichen Prozeß. Wenn ich selbst aber meine Untergebenen vor Verfolgung schütze, indem ich den entlastenden Umstand des Befehlsnotstandes vorsehe, aber den Untergebenen eines Anderen diese Entlastung gegebenenfalls nicht zugestehe, dann habe ich damit mit zweierlei Maß gemessen, indem ich etwa denen, die ich anklage, mehr Verantwortung für ihr eigenes Handeln zubillige als meinen eigenen Leuten.
Daß dabei durchaus eine Vergleichbarkeit gegeben ist, behaupte ich einfach mal - und zwar im Zusammenhang mit Abu Ghreib: Saddams Leute haben dort Menschen gefoltert, umgebracht und hinterher verschwinden lassen, das war eine böse Tat; Bushs Leute haben dort Menschen gefoltert, umgebracht und hinterher verschwinden lassen, und das einzig böse - in Bushs Weltbild - daran war, daß die daran beteiligten Soldaten sich damit brüsteten und nicht so diskret sein konnten wie etwa die CIA-Agenten oder die zivilen Büttel.
Und auch im zweiten Weltkrieg selbst kann man solche Vergleiche ziehen: Stalins Leute haben im Wald von Katyn polnische Soldaten umgebracht, und Ilja Ehrenburg hat genauso gegen die Deutschen gehetzt wie Julius Streicher gegen die Juden (wobei die Sowjets, als sie erstmal angekommen waren, diese Haltung allerdings abgelegt haben). Dieses "Messen mit zweierlei Maß" ist ganz klar aus politischen Gründen erfolgt, schließlich haben Stalin und seine Leute eben viele derselben Untaten auf dem Kerbholz.
Cato hat folgendes geschrieben: | Critic hat folgendes geschrieben: | Beispiele von "Tätigkeiten der Engländer": Im 16. und 17. Jahrhundert "zivilisierten" die Engländer Irland vor allem durch Terror, dem Zehntausende zum Opfer fielen. 1 |
Ach der gute alte Cromwell; ein Fragezeichen: War er wirklich der fanatische Puritaner oder benutzt der den Puritanismus nur, um die pro-katholische und zum Absolutismus neigende Monarchie zu stürzen? Dennoch es gibt nichts Herrlicheres, als der Einfall von schriftgläubigen Christen in einem urkatholischen Land; als Cromwell den irischen Katholiken zurief, sie mögen doch alle zur Hölle fahren, ist dies nur konsequent: Irische Missionare brachten das Christentum zurück nach England, nachdem es von den Sachsen ausgelöscht worden war. Wie sagen doch die Christen: Wer Wind säht, wird Sturm ernten und Cromwell war der Sturm, den die irischen Missionare heraufbeschworen… |
Über die Denke, die tatsächliche Motivation sei "Revanche" für irgendein weit zurückliegendes Ereignis, dürften wir hinaus sein. Das Motiv taugt nichts: Man kann ein Leben nicht für ein anderes Leben aufrechnen -- auch wenn das bei Hiob getan wird, als Jahwe die getöteten Verwandten Hiobs dann durch neue ersetzt, als das grausame Spiel vorbei ist, und auch wenn es "Zahn um Zahn" heißt. Wobei für Cromwell natürlich die Bibel die Quelle für die Rechtfertigung ist, in die er seine Machtphantasien kleidet. Ich denke, es ist ganz übliche Praxis, konkrete Machtinteressen religiös zu rechtfertigen, irgendein Gott habe es gewollt oder dergleichen. Wir haben also das Motiv als Machtmotiv entlarvt.
Cato hat folgendes geschrieben: | Auch die sonstigen eher fragwürdigen Tätigkeiten des britischen Empires sind bekannt, wieder stehen sie in keinem Maß zu den Taten und Absichten der Nazis. |
Da gibt es einen jüdischen Spruch, den ich gerne umdrehen möchte: "Wer einen Menschen tötet, der tötet die ganze Welt." Wie gesagt, man kann ein Leben für ein Leben nicht aufrechnen, und der Mord an Zehntausenden ist eben nicht leichter zu rechtfertigen und ist auch nicht moralisch besser als der an Millionen. Allenfalls die Motive sind manchmal andere: Tötung durch Vernachlässigung oder Desinteresse (im Falle der internierten Buren) ist ggf. von Tötung mit Tötungsabsicht (wie etwa in Babij Jar) zu unterscheiden. Wer aber mit scharfen Waffen in eine Menge schießt, geht davon aus, daß dabei auch einige Personen verletzt oder getötet werden, die Absicht ist also klar. Folglich ist Amritsar auch nicht moralisch besser als Babij Jar.
_________________ "Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"
Dann bin ich halt bekloppt.
"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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Umunmutamnak auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 30.11.2005 Beiträge: 1725
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(#389766) Verfasst am: 24.12.2005, 02:55 Titel: |
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Critic hat folgendes geschrieben: | gavagai hat folgendes geschrieben: | Wieso soll das rückwirkend auf die Nürnberger Prozesse einwirken?
Bis jetzt ist immer noch - zumindest in den Naturwissenschaften, aber ich glaube, das kann man auf die Gesellschaftswissenschaften übertragen - ein Merkmal der Kausalität: die Wirkung ist nie vor der Ursache. Daher kannst du von späteren Verstössen eines Richters oder eines Staats nicht auf Siegerjustiz in einem früheren Prozess folgern.
Angenommen, jemand zündet mit 15 Jahren seine Schule an. Mit 20 hat er ein traumatisches Erlebnis mit seinem Schuldirektor. Wer käme auf die Idee zu sagen: ach ja, das mit 15 Jahren war Abreaktion ("Siegerjustiz"), weil er ja von dem Schuldirektor 5 Jahre später gedemütigt wurde?
IMO völliger Krampf. |
Es geht nicht um den eigentlichen Prozeß. Wenn ich selbst aber meine Untergebenen vor Verfolgung schütze, indem ich den entlastenden Umstand des Befehlsnotstandes vorsehe, aber den Untergebenen eines Anderen diese Entlastung gegebenenfalls nicht zugestehe, dann habe ich damit mit zweierlei Maß gemessen, indem ich etwa denen, die ich anklage, mehr Verantwortung für ihr eigenes Handeln zubillige als meinen eigenen Leuten.
Daß dabei durchaus eine Vergleichbarkeit gegeben ist, behaupte ich einfach mal - und zwar im Zusammenhang mit Abu Ghreib: Saddams Leute haben dort Menschen gefoltert, umgebracht und hinterher verschwinden lassen, das war eine böse Tat; Bushs Leute haben dort Menschen gefoltert, umgebracht und hinterher verschwinden lassen, und das einzig böse - in Bushs Weltbild - daran war, daß die daran beteiligten Soldaten sich damit brüsteten und nicht so diskret sein konnten wie etwa die CIA-Agenten oder die zivilen Büttel.
Und auch im zweiten Weltkrieg selbst kann man solche Vergleiche ziehen: Stalins Leute haben im Wald von Katyn polnische Soldaten umgebracht, und Ilja Ehrenburg hat genauso gegen die Deutschen gehetzt wie Julius Streicher gegen die Juden (wobei die Sowjets, als sie erstmal angekommen waren, diese Haltung allerdings abgelegt haben). Dieses "Messen mit zweierlei Maß" ist ganz klar aus politischen Gründen erfolgt, schließlich haben Stalin und seine Leute eben viele derselben Untaten auf dem Kerbholz. |
Leider bleibt es aber dabei: mit 2. Weltkrieg und Holocaust hat die deutsche Gesellschaft und Kultur eine historische "Angelegenheit" (sage ich mal so verniedlichend) auf dem Kerbholz, die seinesgleichen vergeblich sucht.
Natürlich kann man Vergleiche ziehen - natürlich haben andere "eben viele derselben Untaten auf dem Kerbholz". Natürlich ist es legitim und notwendig, daß man differenziert und die Geschichte auch unter Aspekten der deutschen Opfer ansieht.
Trotzdem bleibt es dabei: in seiner unaussprechlichen Brutalität war der deutsche Faschismus die einsame Spitze der Entmenschlichung. Hitler wurde letztlich frei gewählt (Stalin nie)
Der "totale Krieg" stand meines Wissens den Herrn Genossen rund um Stalin auch nicht zur Disposition.
Es bleibt leider dabei. Man wird die Geschichte nicht los.
Es bringt auch nichts, da ständig etwas daran deuteln zu wollen. Nee, jetzt stellt sich eine ganz andere Frage: nach der Zukunft der deutschen Kultur, die es trotz dem damaligen selbstverschuldeten Aderlaß immer noch gibt.
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#389781) Verfasst am: 24.12.2005, 10:05 Titel: |
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Critic hat folgendes geschrieben: |
Daß dabei durchaus eine Vergleichbarkeit gegeben ist, behaupte ich einfach mal - |
und ich habe das nie bestritten. (Im Gegenteil: ich argumentiere in einem Thread (ist es dieser?) sogar gegen den Vorwurf, dass man nix mit dem 2. Weltkrieg und im speziellen mit der Shoa vergleichen darf oder soll).
Mein Punkt ist nur der: du darfst nicht spätere Verfehlungen hernehmen um frühere Verurteilungen ähnlicher Verfehlungen zu desavouieren. Die USA mögen noch soviel im 21. Jhdt. (oder allgemein: nach 1950) foltern, morden und Kriege führen: das ändert nix an der völligen Berechtigung der Nürnberger Prozesse. IMO geht ein Vorwurf, den man in diesem Zusammenhang machen kann, an uns Deutsche: jahrzehntelang liefen viele Täter frei herum, ja teilweise wurde ihnen (oder ihren Nachkommen) noch Rente bezahlt oder sie wurden in Justiz und Wehrmacht hoch befördert.
Deutschland selbst und auch die Einzeltäter sind sowohl nach dem 1. als auch 2. Weltkrieg sehr leidlich weggekommen. (Das mag auch für andere Täter anderer Nationalitäten ebenso oder noch in höherem Masse zutreffen).
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
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OPA registrierter User
Anmeldungsdatum: 12.12.2005 Beiträge: 77
Wohnort: Nürnberg
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(#390954) Verfasst am: 27.12.2005, 19:30 Titel: |
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Und deswegen müssen solche Täter auch posthum noch verurteilt werden.
Also ich wäre dafür, Carstens, Kiesinger, Adenauer jetzt noch zur Rechenschaft zu ziehen und in Abwesenheit nach den bei den Nürnberger Prozessen gültigen Gesetzen zu verurteilen.
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gavagai registrierter User
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Wasserburg
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(#390990) Verfasst am: 27.12.2005, 20:22 Titel: |
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Umunmutamnak hat folgendes geschrieben: | Leider bleibt es aber dabei: mit 2. Weltkrieg und Holocaust hat die deutsche Gesellschaft und Kultur eine historische "Angelegenheit" (sage ich mal so verniedlichend) auf dem Kerbholz, die seinesgleichen vergeblich sucht.
Natürlich kann man Vergleiche ziehen - natürlich haben andere "eben viele derselben Untaten auf dem Kerbholz". Natürlich ist es legitim und notwendig, daß man differenziert und die Geschichte auch unter Aspekten der deutschen Opfer ansieht.
Trotzdem bleibt es dabei: in seiner unaussprechlichen Brutalität war der deutsche Faschismus die einsame Spitze der Entmenschlichung. Hitler wurde letztlich frei gewählt (Stalin nie)... |
Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: in dem vorhergehend Zitiertem stimme ich dir voll zu.
_________________ Servus, tschau, bye
Herbert
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