Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
ist direkte Demokratie in Deutschland möglich? |
Ja |
|
67% |
[ 43 ] |
Nein |
|
12% |
[ 8 ] |
Versuch zur Systemänderung zu riskant, wär aber lustisch |
|
7% |
[ 5 ] |
Es wäre möglich aber schlechter als der gegenärtige Parlamentarismus |
|
7% |
[ 5 ] |
was woiss ih, du Seggl |
|
4% |
[ 3 ] |
|
Stimmen insgesamt : 64 |
|
Autor |
Nachricht |
Algol Katholik, saugverwirrte schleichende Scharia
Anmeldungsdatum: 22.06.2006 Beiträge: 4797
Wohnort: Berlin
|
(#593403) Verfasst am: 30.10.2006, 02:06 Titel: |
|
|
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Ich würde gerne mal wissen, nach welchen Muster eure direkte Demokratie ablaufen soll! |
Bei "Direkter Demokratie" gibt es mE keine verschiedene Modelle, denn "direkte Demokratie" heißt, über jeden Belang persönlich abzustimmen und sich nicht durch "Repräsentanten" vertreten zu lassen.
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Nach dem Vorbild der athenischen Demokratie (nach Solon oder den Kleisthenes)? |
Scheiden damit aus.
(Solon war ein Alleinherrscher(Tyrann, der "gute Tyrann"), der allerdings eine große soziale Ader besaß.)
(Der "Rat der 500" des Kleisthenes war nicht einmal einem imperativen Mandat unterworfen, und "die Volksversammlung entschied wie zu Solons Zeiten über Krieg und Frieden, Bündnisse, Verleihung des Bürgerrechts und wählte Beamte.")
infos
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Nach Rousseaus Identitätstheorie? |
Unbesehen - wohl keine direkte Demokratie (denn es kann nur eine geben!), möchtest Du mir Rousseaus Modell erläutern, da ich noch nie etwas davon gehört habe?
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Nach den Rätesystem mit imperativen Mandat? |
"Imperatives Mandat" ist keine direkte, sondern eine indirekte Demokratie.
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Oder wollte ihr die Konkurrenzdemokratie gegen die Konkordanzdemokratie wie in Schweiz, Niederlande etc. ersetzen? |
Wie soll in o.g. Staaten eine direkte Demokratie existieren?
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Oder wollt ihr nur das Plebiszitrecht? |
Ein Plebiszit hat evtl. in einer "repräsentativen Dem." Bedeutung ...
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Seid ihr für einen förderativen oder zentralistischen Staat? |
Ja
Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Ich höre nur das Wort direkte Demokratie, aber niemand erklärt genau, was ihr darunter versteht!
Wollt ihr nur ein Plebiszitrecht wie in der Weimarer Republik? Oder was? |
Unter "Direkter Demokratie" (es kann nur eine geben!) verstehe ich die (aktive) Entscheidung jedes einzelnen Bürgers eines Staates über jeden (ihn betreffenden) Belang, wobei jeder Bürger auch eigene Eingaben zur Abstimmung vorlegen kann.
_________________ Leben kann tödlich sein
|
|
Nach oben |
|
 |
Jolesch Freund des kleineren Übels
Anmeldungsdatum: 11.07.2004 Beiträge: 7390
Wohnort: Omicron Persei VIII
|
(#593433) Verfasst am: 30.10.2006, 08:36 Titel: |
|
|
Algol hat folgendes geschrieben: | Doc Extropy hat folgendes geschrieben: | Direkte Demokratie ist ein Synonym für:
1. Einführung der Todesstrafe
2. Stammtischparolen als Gesetze
3. Ende jeder bürgerlichen Freiheit
Nein danke!  |
Zu1) Wieso Einführung der Todesstrafe?
Du bist doch anscheinend auch dagegen ... |
Das Problem ist: Doc ist nicht (und manchmal zum Glück ) repräsentativ.
Ich habe hier den Eindruck einer etwas abgehobenen Elfenbeinturm-Diskussion: Ein Systemwechsel führt nicht automatisch zu besseren Menschen und mündigen Bürgen. Man hat die selben Menschen einfach in einem neuen System.
Es gibt in jeden System Vor- und Nachteile, die direkte Demokratie ist ein gutes Ziel – keine Frage. Aber jetzt? Mit dieser Politikerkaste, diesen Medien und diesen Bürgern? Nein danke.
_________________ Storm by Tim Minchin
|
|
Nach oben |
|
 |
Scharif ibn Nur ibn Aiman auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.10.2006 Beiträge: 616
|
(#593445) Verfasst am: 30.10.2006, 09:59 Titel: |
|
|
Algol hat folgendes geschrieben: | Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Ich würde gerne mal wissen, nach welchen Muster eure direkte Demokratie ablaufen soll! |
Bei "Direkter Demokratie" gibt es mE keine verschiedene Modelle, denn "direkte Demokratie" heißt, über jeden Belang persönlich abzustimmen und sich nicht durch "Repräsentanten" vertreten zu lassen. |
Es gibt nichts absolutes!
Schau mal unter http://de.wikipedia.org/wiki/Direkte_Demokratie!
Algol hat folgendes geschrieben: | Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Nach dem Vorbild der athenischen Demokratie (nach Solon oder den Kleisthenes)? |
Scheiden damit aus. |
Siehe Wikipedia und deinen geposteten Link, weil dort auch die Rede einer direkten Demokratie ist!
Algol hat folgendes geschrieben: | Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Nach Rousseaus Identitätstheorie? |
Unbesehen - wohl keine direkte Demokratie (denn es kann nur eine geben!), möchtest Du mir Rousseaus Modell erläutern, da ich noch nie etwas davon gehört habe? |
Ich gebe dir mal zwei Links, damit du eine Vorstellung davon hast!
http://www.politik-lk.com/demokratie1.htm
www.harz.ni.schule.de/wvs/Schule/Faecher/Kursraum/Pol12-13/Rousseau-Locke.rtf
Algol hat folgendes geschrieben: | Scharif ibn Nur ibn Aiman hat folgendes geschrieben: | Nach den Rätesystem mit imperativen Mandat? |
"Imperatives Mandat" ist keine direkte, sondern eine indirekte Demokratie. |
Schaue selbst unter Wikipedia unter Rätedemokratie!
Algol hat folgendes geschrieben: | Unter "Direkter Demokratie" (es kann nur eine geben!) verstehe ich die (aktive) Entscheidung jedes einzelnen Bürgers eines Staates über jeden (ihn betreffenden) Belang, wobei jeder Bürger auch eigene Eingaben zur Abstimmung vorlegen kann. |
Ist ganz schön schwammig deine Vorstellung!
Gibt es eine Regierung? Einen Staat?
|
|
Nach oben |
|
 |
iovialis registrierter User
Anmeldungsdatum: 20.07.2006 Beiträge: 151
Wohnort: Kiew
|
(#593452) Verfasst am: 30.10.2006, 10:34 Titel: Die gesunde Mischung machts... |
|
|
Auf kommunaler Ebene, wo Politik auch spürbar ist, kann (und wird eher) sich der Bürger direkt beteiligen; was allerdings überregionale, gar globale Fragen betrifft, ist es wohl unzumutbar, daß sich Bürger über den (meist komplexen) Sachverhalt vorher informieren. Zudem will ich behaupten, daß ein Volksentscheid, ohne Hintergrundwissen, eher gefährlich ist, statt wirklichen Nutzen bringt (mal abgesehen davon, daß der Bürger nur noch damit beschäftigt ist, irgendwas zu entscheiden).
Im Morgenmagazin vom 24.10.06 hat Ulla Schmidt unverblümt zugegeben, daß die Mehrzahl der Abgeordneten die Gesundheitsreform gar nicht kennen, aber nach Maßgabe der Ausschußempfehlung abstimmen - haben wir da nicht schon das, was ich als Kritik der Demokratie hier erwähnte? Wie soll, wenn schon die Repräsentanten nicht können, das "einfache Volk" solche Fragen entscheiden?
Direkte Demokratie ist im persönlichen Gebiet denkbar; was überregionale, alle betreffende Entscheidungen angeht, glaube ich, würde es reichen, wenn die Bürger wieder hinter den politischen Entscheidungen der Repräsentanten stehen. Heute sieht es aber teilweise so aus, daß selbst die Mitgleder einer Partei, nicht hinter Entscheidungen stehen, die von der Partei vorgegeben wurden; wie kann dann ein Volk hinter solchen Entscheidungen stehen?
Eine gesunde Mischung aus direkter und repräsentativer Demokratie ist in meinen Augen eine Lösung. Dazu noch ein "staatliches Vorschlagswesen", bei dem ich meine eigenen Vorschläge einreichen kann (wohin heute mit einer Idee, die unsere Gesellschaft betrifft?) und eine Änderung des Wahlverfahrens, daß ich über Parteipunkte/inhalte abstimmen kann, statt ein komplettes Parteipaket zu wählen. Heute sieht es doch so aus (Beispiel):
Partei A ist für ein Grundeinkommen, aber gegen den Atomausstieg
Partei B ist gegen ein Grundeinkommen, aber für den Atomausstieg
Ich kann nun das Komplettpaket von Partei A wählen, was aber nicht meinen Interessen entspricht, bzw. Komplettpaket von Partei B, was aber auch nicht meinen Interessen entspricht. Aus diesem Grund sollte es möglich sein, die einzelnen Programmpunkte der Parteien zu wählen (vgl. dazu: WikiPedia/Fuzzy-Logik)
Iovialis
_________________ Operation MINDFUCK - Heil Discordia! - http://www.iovialis.org - Let's SMI²LE
|
|
Nach oben |
|
 |
Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
|
(#594023) Verfasst am: 31.10.2006, 02:40 Titel: Re: Klare Forderung... |
|
|
iovialis hat folgendes geschrieben: | Interessant dabei ist, daß unser Grundgesetz direkte Demokratie diskreditiert. Dies aus den Erfahrungen der Weimarer Republik, was als "Mißtrauensvotum gegen das Volk" integriert wurde. Bis in die 70er Jahre schien das auch plausibel und angemessen, weil es noch echte, einfache und große Alternativen (zum Nachdenken und Lösen) gab, wie Marktwirtschaft, Westintegration, Ostpolitik und innere Reformen. |
Man sollte vielleicht bedenken, dass man ein Volk hier erst vom Nationalsozialismus entwöhnen musste und deshalb zur Institutionalisierung und zu kantischen Gesetzen griff – ein unzulängliches Surrogat, wenn es die äußeren Konstellationen nicht gegeben hätte.
Algol hat folgendes geschrieben: | Wenn Du Definitionen gerne auch mit einer persönlichen Wertung verbindest ... |
Populismus wird selten als etwas Positives betrachtet, um es neutral formulieren zu müssen; außer man nimmt es im Wortsinn, also als "Volkstümlichkeit", dann ja...
Algol hat folgendes geschrieben: | (Wenn sie denn nur wüßten, wie sie ihren (unterstellten) "Egoismus" faktisch durchsetzten können.) Das Beispiel mit dem Iran ist mE an den Haaren herbeigezogen, denn weshalb sollte D von iranischen Atomwaffen bedroht sein? |
Weil dieses "D" nicht an den dortigen Gott glaubt und zudem noch dekadent, verdorben und sündig lebt sowie die Juden (bzw. Israel) unterstützt? Außerdem soll dieses "D" von Freimauern und Zionisten kontrolliert werden.
Algol hat folgendes geschrieben: | Weshalb von pakistanischen, indischen, französischen (immerhin der "Erbfeind") oder englischen? Für den gestörten G.W.Bush möchte ich meine Hand allerdings nicht ins Feuer legen. |
Die Zeiten der europäischen Staatenkämpfe sind Vergangenheit (zumal dieser Erbfeindbegriff höchstens von Geschichts- und Kulturblindheit zeugt; der verwandte Rivale der eigenen Kultur ist schließlich etwas anderes als der kulturfremde Feind – die Rabenschlacht zwischen dem westfränkischen und dem ostfränkischen Reich scheint mir durch den Nationalismus allzu sehr theatralisch aufgeladen geworden zu sein). Pakistan ist aber in der Tat nicht minder gefährlich, da dort die Militärdiktatur durch eine dem iranischen Regime wesensverwandte Tyrannei ersetzt werden könnte, die gänzlich ähnliche Vorstellungen über die westliche Welt hegt; Amerika scheidet aus der Liste der nuklearen Bedrohungen aus – es sei denn die dortigen Demagogen würden tatsächlich religiös werden und nicht länger auf das Ende der Welt warten wollen; ähnliches gilt für Indien (sofern Hindus an das Ende der Welt glauben) – China und Russland, die tatsächlich ein gewisses Bedrohungspotenzial haben wurden allerdings vergessen...
Algol hat folgendes geschrieben: | Wenn Du diesen Umstand kritisierst, bzw. als Argument gegen den (angeblichen) "Populismus" benutzt - weißt Du denn, weswegen "Sokrates" verurteilt wurde und ob das Urteil evtl. berechtigt war? Vielleicht hat er ja Kinder geschändet oder schlimmeres? |
Platon ist da die einzige Quelle, daher können wir nur seine Behauptungen annehmen oder verwerfen: "Sie lautet aber etwa so: Sokrates, sagte er, frevle, indem er die Jugend verderbe und die Götter, welche der Staat annimmt, nicht annehme, sondern Anderes, Neues, Daimonisches." – allerdings weißt uns nicht zuletzt Aristophanes, in seinen "Rittern" auf erhebliche Missstände innerhalb des attischen Staates zu dieser Zeit hin; ganz zu schweigen von Thukydides, der eine gewisse Neigung zur Lynch- und Willkürjustiz in den damaligen Gerichten ankreidet. Letzten Endes bleibt es aber spekulativ.
_________________ Im Übrigen bin ich dafür, dass der Monotheismus zerstört werden muss.
|
|
Nach oben |
|
 |
Raphael auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 01.02.2004 Beiträge: 8362
|
(#594032) Verfasst am: 31.10.2006, 05:24 Titel: Re: Klare Forderung... |
|
|
Cato hat folgendes geschrieben: | iovialis hat folgendes geschrieben: | Interessant dabei ist, daß unser Grundgesetz direkte Demokratie diskreditiert. Dies aus den Erfahrungen der Weimarer Republik, was als "Mißtrauensvotum gegen das Volk" integriert wurde. Bis in die 70er Jahre schien das auch plausibel und angemessen, weil es noch echte, einfache und große Alternativen (zum Nachdenken und Lösen) gab, wie Marktwirtschaft, Westintegration, Ostpolitik und innere Reformen. |
Man sollte vielleicht bedenken, dass man ein Volk hier erst vom Nationalsozialismus entwöhnen musste und deshalb zur Institutionalisierung und zu kantischen Gesetzen griff – ein unzulängliches Surrogat, wenn es die äußeren Konstellationen nicht gegeben hätte. |
Wenn von Volksentscheiden die Rede ist, kommen deren Gegner immer sofort auf Weimar und das Dritte Reich. In der Weimarer Republik gab es fast keine Volksentscheide. Mir sind nur diejenigen über die Fürstenenteignung und gegen den Young-Plan erinnerlich. Es ist eine von Demokratiefeinden verbreitete Legende, die Weimarer Republik sei (auch) an von Populisten missbrauchten Volksentscheiden gescheitert. Und das Dritte Reich war keine Demokratie, weder direkt noch indirekt, also taugt es ebenfalls nicht als Negativbeispiel.
Dann noch das ewige "Argument", die Menschen seien einfach zu dumm, sich mit komplexen Sachverhalten zu befassen. Oh nein. Die Politiker sind einfach zu faul, dem Volk als Entscheidungsträger gegenüber zu argumentieren. In Frankreich durfte das Volk z.B. über die EU-Verfassung abstimmen. Da lief eine breite öffentliche Debatte. Die Befürworter der Verfassung sind gescheitert, weil sie das Volk nicht zu überzeugen vermochten. Und noch was: Wenn das Volk zu dumm ist, über über Einzelfragen zu befinden, dann ist es doch erst recht zu dumm, um alle vier Jahre zu wählen, denn da muss es sich ja einen Gesamtüberblick verschaffen über die poltische Lage und nicht nur über eine Einzelfrage, denn wie schon Helmut Kohl sinngemäß sagte: Durch die wahl erhält die neue Regierung Generalvollmacht, alles zu tun, was ihr passt.
|
|
Nach oben |
|
 |
iovialis registrierter User
Anmeldungsdatum: 20.07.2006 Beiträge: 151
Wohnort: Kiew
|
(#594049) Verfasst am: 31.10.2006, 09:50 Titel: Volksentscheide ja, aber nicht bei allem... |
|
|
Hi Dr. Degenhart Datterich,
bestimmt bin ich kein Gegner der direkten Volksbeteiligung, vielmehr unterstütze ich diese Idee. Allerdings sehe ich "direkte Volksbeteiligung" nicht unter dem Gesichtspunkt, zu irgendetwas "ja" oder "nein" sagen zu können. Vielmehr würde ich gern mein Nein oder Ja begründen, bzw. in einen Dialog treten, wie meine Vorstellung zu dem abzustimmenden Thema ist. Und hier sind wir auf Bundesebene, oder auf Weltebene durch die Komplexität relativ überfordert.
Zudem ist die Diskussion über das "Ja/Nein-Abstimm-Wahlverfahren" mathematisch als unzureichend eingestuft worden, wofür es 1972 sogar den Nobelpreis gab. Demokratie ist also mehr, wie nur abzustimmen, oder meinst Du nicht? (Link zur "Unmöglichkeit der Demokratie")
Wie ich hier irgendwo darlegte, bietet die direkte Abstimmung und Entscheidung gewisse Gefahren, wenn die Leute nicht wirklich über das Thema informiert sind; anders sieht es aus, wenn jemand einen eigenen Vorschlag einbringen soll - will diese Person ernstgenommen werden, muß er doch belegen, daß er das Thema verstanden hat.
Noch ein Beispiel: es soll über ein Tempolimit abgestimmt werden - der Abzustimmende ist nun Fußgänger in dem Bereich, wo das Tempolimit eingeführt werden soll und auf der anderen Seite Autofahrer (im gleichen Bereich). Es kommt nun zu einem "inneren Konflikt" - soll jener nun für oder gegen ein Tempolimit sein? Schlimmer aber folgende Frage an einen Fliesbandarbeiter: "Soll die Agrarwirtschaft subventioniert werden?" - Antwort: mir doch egal (undemokratisch!), mich interessiert die Gestaltung des nächsten Wochenendes! Und wie sieht es mit unliebsamen Entscheidungen aus, die eine gewisse Kompromissbereitschaft erfordern, wie z.B. Steuererhöhung?
Die Debatte um direkte Demokratie, bzw. Volksentscheide führt zu der Frage, ob der Nutzen größer ist, wie der Aufwand. Zu gewissen Fragen ist Volksentscheid zwingend notwendig, da stimme ich (trotz der Widerlegung des Demokratiewahlverfahrens) zu - aber alle Entscheidungen sind meines Erachtens nicht darüber wirklich gerecht auszuhandeln.
Iovialis
_________________ Operation MINDFUCK - Heil Discordia! - http://www.iovialis.org - Let's SMI²LE
|
|
Nach oben |
|
 |
L.E.N. im falschen Film
Anmeldungsdatum: 25.05.2004 Beiträge: 27745
Wohnort: Hamburg
|
(#594051) Verfasst am: 31.10.2006, 10:04 Titel: |
|
|
Jolesch hat folgendes geschrieben: | Algol hat folgendes geschrieben: | Doc Extropy hat folgendes geschrieben: | Direkte Demokratie ist ein Synonym für:
1. Einführung der Todesstrafe
2. Stammtischparolen als Gesetze
3. Ende jeder bürgerlichen Freiheit
Nein danke!  |
Zu1) Wieso Einführung der Todesstrafe?
Du bist doch anscheinend auch dagegen ... |
Das Problem ist: Doc ist nicht (und manchmal zum Glück ) repräsentativ.
Ich habe hier den Eindruck einer etwas abgehobenen Elfenbeinturm-Diskussion: Ein Systemwechsel führt nicht automatisch zu besseren Menschen und mündigen Bürgen. Man hat die selben Menschen einfach in einem neuen System.
Es gibt in jeden System Vor- und Nachteile, die direkte Demokratie ist ein gutes Ziel – keine Frage. Aber jetzt? Mit dieser Politikerkaste, diesen Medien und diesen Bürgern? Nein danke. |
ein schönes dilemma: ohne anderen politiker, anderen medien und anderen bürgern keine direkte demokratie? oder keine anderen politiker andere medien und andere bürge ohne direkte demokratie? wo fängt man an? ich denke dort wo man am ehesten etwas bewegen kann: bei den bürgern von morgen, also den kindern! bei den bürgen heute zu beginnen ist zu schwer, solange sie sich mit dem system noch abfinden oder es einfach "nicht so schlimm" finden. es gilt die steigende unzufriedenheit auf den wunsch zu konzentrieren, eine gewaltlose, am besten europaweite radikaldemokratische revolution zu beginnen, um den menschen die macht wiederzugeben.
_________________ Ich will Gott lästern dürfen! Weg mit §166 StGB!
|
|
Nach oben |
|
 |
L.E.N. im falschen Film
Anmeldungsdatum: 25.05.2004 Beiträge: 27745
Wohnort: Hamburg
|
(#594055) Verfasst am: 31.10.2006, 10:13 Titel: Re: Volksentscheide ja, aber nicht bei allem... |
|
|
iovialis hat folgendes geschrieben: | Hi Dr. Degenhart Datterich,
bestimmt bin ich kein Gegner der direkten Volksbeteiligung, vielmehr unterstütze ich diese Idee. Allerdings sehe ich "direkte Volksbeteiligung" nicht unter dem Gesichtspunkt, zu irgendetwas "ja" oder "nein" sagen zu können. Vielmehr würde ich gern mein Nein oder Ja begründen, bzw. in einen Dialog treten, wie meine Vorstellung zu dem abzustimmenden Thema ist. Und hier sind wir auf Bundesebene, oder auf Weltebene durch die Komplexität relativ überfordert.
Zudem ist die Diskussion über das "Ja/Nein-Abstimm-Wahlverfahren" mathematisch als unzureichend eingestuft worden, wofür es 1972 sogar den Nobelpreis gab. Demokratie ist also mehr, wie nur abzustimmen, oder meinst Du nicht? (Link zur "Unmöglichkeit der Demokratie")
Wie ich hier irgendwo darlegte, bietet die direkte Abstimmung und Entscheidung gewisse Gefahren, wenn die Leute nicht wirklich über das Thema informiert sind; anders sieht es aus, wenn jemand einen eigenen Vorschlag einbringen soll - will diese Person ernstgenommen werden, muß er doch belegen, daß er das Thema verstanden hat.
Noch ein Beispiel: es soll über ein Tempolimit abgestimmt werden - der Abzustimmende ist nun Fußgänger in dem Bereich, wo das Tempolimit eingeführt werden soll und auf der anderen Seite Autofahrer (im gleichen Bereich). Es kommt nun zu einem "inneren Konflikt" - soll jener nun für oder gegen ein Tempolimit sein? Schlimmer aber folgende Frage an einen Fliesbandarbeiter: "Soll die Agrarwirtschaft subventioniert werden?" - Antwort: mir doch egal (undemokratisch!), mich interessiert die Gestaltung des nächsten Wochenendes! Und wie sieht es mit unliebsamen Entscheidungen aus, die eine gewisse Kompromissbereitschaft erfordern, wie z.B. Steuererhöhung?
Die Debatte um direkte Demokratie, bzw. Volksentscheide führt zu der Frage, ob der Nutzen größer ist, wie der Aufwand. Zu gewissen Fragen ist Volksentscheid zwingend notwendig, da stimme ich (trotz der Widerlegung des Demokratiewahlverfahrens) zu - aber alle Entscheidungen sind meines Erachtens nicht darüber wirklich gerecht auszuhandeln.
Iovialis |
kann man das problem, das du für so relevant hältst, dass du der direkten demokratie eher skeptisch gegenüberstehst, nicht mit hilfe des schon oben angesprochenen teilweisen föderalismus lösen?
den "inneren" konflikt sehe auch nicht als triftigen grund an, direkte demokratie abzulehnen. es ist schlicht ein abwägen von vor und nachteilen, die man in deinem bsp als fussgänger oder autofahrer hat.ausserdem muss es nicht immer eine überstimmung geben, sondern die diskussion ermöglicht die schaffung eines breit akzeptierten konsenses.
_________________ Ich will Gott lästern dürfen! Weg mit §166 StGB!
|
|
Nach oben |
|
 |
iovialis registrierter User
Anmeldungsdatum: 20.07.2006 Beiträge: 151
Wohnort: Kiew
|
(#594158) Verfasst am: 31.10.2006, 13:39 Titel: Re: Volksentscheide ja, aber nicht bei allem... |
|
|
L.E.N.|Propagandhi hat folgendes geschrieben: | kann man das problem, das du für so relevant hältst, dass du der direkten demokratie eher skeptisch gegenüberstehst, nicht mit hilfe des schon oben angesprochenen teilweisen föderalismus lösen?
den "inneren" konflikt sehe auch nicht als triftigen grund an, direkte demokratie abzulehnen. es ist schlicht ein abwägen von vor und nachteilen, die man in deinem bsp als fussgänger oder autofahrer hat.ausserdem muss es nicht immer eine überstimmung geben, sondern die diskussion ermöglicht die schaffung eines breit akzeptierten konsenses. |
Ich stehe der direkten Demokratie (Volksabstimmung) in sofern skeptisch gegenüber, weil nie gewährleistet werden kann, ob sich das Volk ausreichend mit dem Thema beschäftigt hat oder nicht. Hier hatte ich schon das Beispiel gebracht, daß von Ulla Schmidt öffentlich zugegeben wurde, daß selbst die Mitglieder des Bundestages nicht ausreichend und in vollem Umfang über die Gesundheitsreform bescheid wußten - wie soll das Volk (das nicht die gleiche Zeit besitzt, wie z.B. Abgeordnete) sich intensiv mit solchen Entscheidungen beschäftigen? Zudem gefällt mir, wie angesprochen, das Abstimmungsverfahren (Ja/Nein) an sich nicht.
Was den Ansatz der föderalen Abstimmung angeht, so kann ich mir durchaus vorstellen, daß Gemeinschaften, die von einem bestimmten Sachverhalt (direkt) betroffen sind, auch über diesen Sachverhalt (nach eingehender Beschäftigung dessen) einen Konsens finden. Dies aber nicht aufgrund irgendwelcher "demokratischer Wahlentscheidung" (mittels Ja/Nein), sondern durch Diskussion.
Wie Du ansprichst, wäre es wichtig, Entscheidungen gemeinsam zu erarbeiten, um dadurch die bestmögliche Lösung zu finden. Allein durch Abstimmung kommt (meines Erachtens) kein Optimum (Annäherung an ein Ideal) heraus.
Was bedeutet aber nun "direkte Demokratie" überhaupt? Ist damit das Mitspracherecht über Wahlen gemeint oder das Mitentwurfsrecht, was zur Auswahl gestellt wird? Beim Mitspracherecht und beim Mitentwurfsrecht haben wir das Problem des Informationsstands (weniger des Bildungstandes) und der Zeit. Wenn ich mir meine Diskussionen (in einem anderen Forum) über das Grundeinkommen anschaue, dann merke ich, daß bei vielen der Informationsstand (bzgl. Finanzierung) doch relativ gering ist. Diejenigen, die das Grundeinkommen haben wollen, sind meist selbst Hartz-IV-Empfänger (Zeit vorhanden, Bedarf vorhanden); diejenigen, die gegen ein Grundeinkommen sind, stehen oft in Lohn und wollen keine Veränderung (Zeitmangel, kein Bedarf, kein Wunsch zur Änderung-> weil kein persönlicher Vorteil (auf den ersten Blick)).
Demokratie lebt vom mitmachen (so heißt es); die Ursprungsidee stammt von den Stadtstaaten in Griechenland, die Sklaven hatten und so von Arbeit befreit waren, um sich politisch zu engagieren. Ist Demokratie (direkt oder indirekt) heute in der Form durchführbar? Wenn ja, in welchen Bereichen? Was bedingt die (demokratische) Entscheidung des einzelnen, um "direkte Demokratie" möglich zu machen?
Ich will betonen, daß ich kein Gegner davon bin, im Gegenteil - allerdings will ich auch wissen, was gewollt ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Iovialis
PS: Im Zusammenhang einer ernsthaften Diskussion über das Thema "Demokratie" empfehle ich dringend, das Buch "Demokratie am Wendepunkt: Die demokratische Frage als Projekt des 21. Jahrhunderts" von Werner Weidenfeld, Siedler-Verlag 1996, zu lesen. Dort nehmen 23 führende Politikwissenschaftler Bezug auf die Probleme der Demokratie und geben teilweise Lösungsansätze.
_________________ Operation MINDFUCK - Heil Discordia! - http://www.iovialis.org - Let's SMI²LE
|
|
Nach oben |
|
 |
Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
|
(#594685) Verfasst am: 01.11.2006, 01:15 Titel: Re: Klare Forderung... |
|
|
Dr. Degenhart Datterich hat folgendes geschrieben: | Wenn von Volksentscheiden die Rede ist, kommen deren Gegner immer sofort auf Weimar und das Dritte Reich. |
Indoktrination; der Glaube an den Führerstaat, die Herrenrasse und die jüdische Weltverschwörung. Alles Dinge die mit Sicherheit nicht am 8, Mai '45 im nu verschwunden waren. Sondern vielmehr unter der Oberfläche weiter bestanden und erst durch die 68er Revolte und deren Nachwirkungen allmählich zurückgedrängt wurden: Erst 1998 (also knapp 50 Jahre nach Gründung der Republik) erließ man Gesetze zur Rehabilitieren der deutschen Opfer der NS-Justiz. De Jure waren diese Unrechtsurteile als fast 50 Jahre gültiges Recht! So eine Gesellschaft, der zudem der Demokratien eigne Tyrannenhass fehlte (und noch fehlt – das " in tyrannos" Schillers ist dem Nachkriegsdeutschland fremd geblieben), könnte man nicht basisdemokratisch organisieren. Hier erwies sich die Institutionalisierung und Konservierung der alten Strukturen als segensreich; Adenauer hat schließlich den kompletten Beamten- und Justizapart des Dritten Reiches übernommen und selbst die junge Bundeswehr von ehemaligen Wehrmachtsangehörigen ausbilden lassen. Fragwürdig, aber eine radikaldemokratische Revolution, mit rücksichtsloser Verfolgung der NS-Schergen, hätte nichts anderes bewirkt als die harsche Restaurationspolitik der Bourbonen im nachnapoleonischen Frankreich – nur unter umgekehrten Vorzeichen.
Dr. Degenhart Datterich hat folgendes geschrieben: | In der Weimarer Republik gab es fast keine Volksentscheide. Mir sind nur diejenigen über die Fürstenenteignung und gegen den Young-Plan erinnerlich. Es ist eine von Demokratiefeinden verbreitete Legende, die Weimarer Republik sei (auch) an von Populisten missbrauchten Volksentscheiden gescheitert. Und das Dritte Reich war keine Demokratie, weder direkt noch indirekt, also taugt es ebenfalls nicht als Negativbeispiel. |
Im Wesentlichen richtig; allerdings stimmten wohl auch die meisten Hitler, zumindest bis '43, zu. Das Volk trägt hier eine gewisse Mitschuld – allerdings es waren keine freien Abstimmungen; es gab keine Meinungs- und Pressefreiheit mehr und daher auch keine Gegenstimmen und keine öffentlichen Debatten (zumal die Nazis just zu den Leuten gehören, die auch gerne Wahlergebnisse fälschen).
Dr. Degenhart Datterich hat folgendes geschrieben: | Dann noch das ewige "Argument", die Menschen seien einfach zu dumm, sich mit komplexen Sachverhalten zu befassen. Oh nein. Die Politiker sind einfach zu faul, dem Volk als Entscheidungsträger gegenüber zu argumentieren. |
Das Volk ist eher zu desinteressiert als zu dumm; indes sind die Zusammenhänge enorm komplex und daher sollten auf jeden Fall noch Sicherheitsmechanismen eingefügt werden und Institutionen geschaffen werden, die ein wankelmütiges Regiment der Menge verhindern.
Dr. Degenhart Datterich hat folgendes geschrieben: | Und noch was: Wenn das Volk zu dumm ist, über über Einzelfragen zu befinden, dann ist es doch erst recht zu dumm, um alle vier Jahre zu wählen, denn da muss es sich ja einen Gesamtüberblick verschaffen über die poltische Lage und nicht nur über eine Einzelfrage, denn wie schon Helmut Kohl sinngemäß sagte: Durch die wahl erhält die neue Regierung Generalvollmacht, alles zu tun, was ihr passt. |
Deshalb sollte das Volk auch die Gesetze billigen müssen oder zumindest das Recht haben, auf Verlangen von Institutionen oder einer Mindestanzahl von Wahlberechtigten diese zu bestätigen oder zu verwerfen. Das kollektive Ausarbeiten und Diskutieren von Gesetzen erscheint mir jedoch unpraktikabel; hier sollten Ausschüsse und Kollegien eingerichtet werden, welche die Vorschläge bündeln und dann zur Abstimmung stellen. Gerade das Internet und andere virtuelle Kommunikationsmittel bieten hier bedeutende Möglichkeiten zur Teilhabe.
_________________ Im Übrigen bin ich dafür, dass der Monotheismus zerstört werden muss.
|
|
Nach oben |
|
 |
Agnost dauerhaft gesperrt
Anmeldungsdatum: 12.11.2006 Beiträge: 5618
|
(#604020) Verfasst am: 17.11.2006, 04:28 Titel: |
|
|
Sokrateer hat folgendes geschrieben: | L.E.N.|Propagandhi hat folgendes geschrieben: | Algol hat folgendes geschrieben: | "Demokratie" kann nicht funktionieren, denn um sinnvoll Entscheidungen zu treffen, benötigt man das entsprechende Hintergrundwissen - das haben aber die meisten Deutschen nicht.
Andererseits - Schlimmeres, als die (west-)deutsche Politik in den letzten 40 Jahren, könnte wohl selbst das ungebildetste "Stimmvieh" hier nicht bewerkstelligen. |
wie wäre es denn damit etwas an der situation "mangelndes hintergrundwissen" zu ändern?
aber das ist natürlich nicht im interesse der machtelite.
lest ruhig weiter BLÖD. |
BLÖD sind all jene, die über Bild und Krone jammern, aber sich zu gut sind, ein Boulevard-Blatt aus für ihre politische Richtung auf die Beine zu stellen. |
In der Schweiz ist der Blick aus dem Hause Ringier schon seit über 10 Jahren links der Mitte angesiedelt, macht das Blatt trotzdem nicht besser und hat Blocher nicht verhindern können.
Dierekte Demokratie ist möglich, wenn man geringe Stimmbeteiligung nicht als Demokrtiekrise betrachtet.
Die meisten Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz weisen eine Stimmbeteiligung deutlich unter 50% aus.
Das ist eine Folge der direkten Demokratie, Leute stimmen nur noch wenn es ihnen wichtig erscheint.
Was aber nicht gegen die direkte Demokratie spricht.
Agnost
|
|
Nach oben |
|
 |
Ermanameraz auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 07.05.2006 Beiträge: 3932
|
(#604022) Verfasst am: 17.11.2006, 04:34 Titel: |
|
|
Wenn eine Wahlbeteiligung dadurch erhöht wird, dass ein Zwang besteht, die Möglichkeit einer vierjährigen unerwünschten Repräsentation zu minimieren, dann spricht das auch nicht wirklich für das Demokratische am deutschen Parlamentarismus.
|
|
Nach oben |
|
 |
|