"... Und Gottes Segen"
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Freigeisterhaus -> Weltanschauungen und Religionen

#1: "... Und Gottes Segen" Autor: King-of-fools BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 10:21
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Hi!
Mir ist folgendes aufgefallen:

in letzter Zeit begegnet einem immer öfter der satz "... und gottes segen" in verbindung mit glückwünschen.
mein opa (selbst christ) hat mir erzählt, dass er in den letzten jahren von der verwandtschaft zum geburtstag meistens mit "alles gute zum geburtstag und [feierliche pause] gottes segen" gratuliert bekam. er glaubt zwar selbst an gott, hält das aber für extrem scheinheilig, weil er der meinung ist, dass man auch zum geburtstag gratulieren kann ohne mit seinem glauben hausieren zu gehen. außerdem hat die verwandtschaft sich jahrelang nicht um den glauben gekümmert (teilweise nichtmal kirchlich geheiratet) und hat erst in den letzten jahren mit dieser formulierung angefangen

anderes beispiel:
der musikverein in dem ich spiele hat gestern das zehnjährige bestehen seines vereinsheims gefeiert und alle möglichen politiker und funktionäre der stadt, die damals am projekt mitgewirkt oder es unterstützt haben, waren da. viele haben eine lobrede gehalten auf die leistungen der mitglieder des vereins, einige betonten das engagement der geldgeber, aber alle (!) beendeten ihre rede mit weiteren glückwünschen für die zukunft und "gottes segen". ich persönlich fühle mich von sowas igendwie ein bisschen diskriminiert, schließlich glaube ich nicht an gott und bin der meinung, dass derselbe auch bei einer festivität wie dieser nichts verloren hat

was denkt ihr darüber? begegnet euch sowas häufig oder eher gar nicht?
und wie reagiert ihr bei solchen glückwünschen?
ich persönlich bin dann ziemlich angepisst, halt aber meistens die klappe...

#2:  Autor: Raphael BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 11:15
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Diese Floskel gibt ihrem Verwender die Gelegenheit, penetrant darauf hinzuweisen, dass er Christ -und damit ein besserer Mensch- ist. Ich erinnere mich, dass der seinerzeitige Bundespräsident Karl Carstens, bekannt für sein schlechtes Gedächtnis, welcher Nazi-Gruppe er einst angehört hatte, und deshalb keineswegs ein achtbarer Mensch-, mal in einem interview gefragt wurde, weshalb er seinem Amtseid die religiöse Beteuerung angehängt habe. Seine Antwort: Er sei Christ, und das sei eine Gelegenheit gewesen, dies öffentlich zu machen. In einem angeblich religiös neutralen Staat hat aber der Präsident im Gegenteil seinen Glauben aus staatlichen Zeremonien herauszuhalten. Zu dieser Feststellung konnte sich der Interviewer natürlich nicht durchringen, und Volksgenosse Carstens erhielt für sein christliches Bekenntnis Applaus. Offenbar wohnt dem Christen ein gewisser Bekennerdrang inne. Der zeigt sich auch in der von Dir angeführten Floskel. Dass deren Adressat vielleicht gar keinen Wert auf den Segen eines Gottes legen könnte, der schon mal fast die gesamte Menschheit ersäuft und alle erstgeborenen Kinder Ägyptens ermordet hat, kommt dem Christen eh nicht in den Sinn.

#3:  Autor: SanneWohnort: Nordschland BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 11:31
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Raphael hat folgendes geschrieben:
Dass deren Adressat vielleicht gar keinen Wert auf den Segen eines Gottes legen könnte, der schon mal fast die gesamte Menschheit ersäuft und alle erstgeborenen Kinder Ägyptens ermordet hat, kommt dem Christen eh nicht in den Sinn.

Gerade deswegen: Der Aberglaube verlangt, daß sie Segenswünsche aussprechen, um derartiges Übel (das ansonsten unausweichlich wäre) von dem Adressaten abzuwenden.

#4: Re: "... Und Gottes Segen" Autor: Tapuak BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 11:36
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King-of-fools hat folgendes geschrieben:
was denkt ihr darüber? begegnet euch sowas häufig oder eher gar nicht?
und wie reagiert ihr bei solchen glückwünschen?
ich persönlich bin dann ziemlich angepisst, halt aber meistens die klappe...

Ich hab mich beim Lesen deines Beitrags gefragt, in welch obskuren Kreisen du dich eigentlich aufhältst, dass dir ständig "Gottes Segen" gewünscht wird. Ist das da in der Gegend so üblich? Zieh einfach ein paar Kilometer weiter nach Norden, und du bist das Problem los. zwinkern

#5:  Autor: FyodorWohnort: Weinheim a.d.B. BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 13:15
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Die Großmutter meiner Freundin ist sehr (aber)gläubig, und hat mir am Anfang auch zu jeder Gelegenheit irgendwas mit Gottes Segen oder ähnlichem gewünscht. Mittlerweile läßt sie das zum Glück bleiben, obwohl ich mich nie darüber beschwert habe.

#6:  Autor: L.E.N.Wohnort: Hamburg BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 15:19
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ich habs glaub ich schon mal irgendwo im fgh geschrieben...

in solchen fällen revangiere ich mich mit einem etwas längerem säkularen Abschiedsgruß:

"Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein langes, gesundes und glückliches Leben in Wohlstand und Frieden!" Sehr glücklich

#7: Re: "... Und Gottes Segen" Autor: King-of-fools BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 15:22
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Tapuak hat folgendes geschrieben:
King-of-fools hat folgendes geschrieben:
was denkt ihr darüber? begegnet euch sowas häufig oder eher gar nicht?
und wie reagiert ihr bei solchen glückwünschen?
ich persönlich bin dann ziemlich angepisst, halt aber meistens die klappe...

Ich hab mich beim Lesen deines Beitrags gefragt, in welch obskuren Kreisen du dich eigentlich aufhältst, dass dir ständig "Gottes Segen" gewünscht wird. Ist das da in der Gegend so üblich? Zieh einfach ein paar Kilometer weiter nach Norden, und du bist das Problem los. zwinkern

ich wohne in einer kleinstadt 30 km westlich von stuttgart, am rand des schwarzwaldes...
meine familie setzt sich aus schwarzwäldern und stuttgartern zusammen, allesamt recht gläubig (bis auf meine eltern und mich)

#8:  Autor: tillich (epigonal) BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 18:30
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Ich finde, gerade in einer weltanschaulich neutralen Gesellschaft ist es das gute Recht eines jeden, Glückwünsche in der Formulierung/Symbolsprache auszusprechen, die seinem Glauben entspricht; außer, wenn ihm bewusst wäre, dass er damit unnötig provoziert. Sprich: Wenn ich von jemandem weiß, dass er erklärter Atheist ist, würde ich mir das bei Geburtstagsglückwünschen verkneifen; ebenso, wenn ich (um ein konstruiertes Beispiel zu bringen) als christlicher Gastreferent bei einem humansitischen/atheistischen Verein reden würde. Wenn einer das bei einem beliebigen Verein macht, der weltanschaulich nicht gebunden ist, sollte aber jeder in der Lage sein, sich das "für sich" entsprechend zu übersetzen.
Den einfachen Gebrauch derartiger religiöser Wendungen kann ich noch nicht als "Bekenntnisdrang" sehen. Den mag es auch geben, klar. Den gibt es aber auch umgekehrt bei der penetranteren Sorte Atheisten, die gleich auf HB-Männchen machen, wenn irgendwo ein religiöses Symbol auftaucht ...

#9:  Autor: Evilbert BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 18:40
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tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Ich finde, gerade in einer weltanschaulich neutralen Gesellschaft ist es das gute Recht eines jeden, Glückwünsche in der Formulierung/Symbolsprache auszusprechen, die seinem Glauben entspricht; außer, wenn ihm bewusst wäre, dass er damit unnötig provoziert. Sprich: Wenn ich von jemandem weiß, dass er erklärter Atheist ist, würde ich mir das bei Geburtstagsglückwünschen verkneifen; ebenso, wenn ich (um ein konstruiertes Beispiel zu bringen) als christlicher Gastreferent bei einem humansitischen/atheistischen Verein reden würde. Wenn einer das bei einem beliebigen Verein macht, der weltanschaulich nicht gebunden ist, sollte aber jeder in der Lage sein, sich das "für sich" entsprechend zu übersetzen....


Da haste recht.

tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Den einfachen Gebrauch derartiger religiöser Wendungen kann ich noch nicht als "Bekenntnisdrang" sehen. Den mag es auch geben, klar. Den gibt es aber auch umgekehrt bei der penetranteren Sorte Atheisten, die gleich auf HB-Männchen machen, wenn irgendwo ein religiöses Symbol auftaucht ...


Wenn irgendwo= öffentliches -Gebäude ist, dann ist Streß angesagt, zu recht. Sowas hat da rein gar nix zu suchen.

#10:  Autor: tillich (epigonal) BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 18:54
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Evilbert hat folgendes geschrieben:
Wenn irgendwo= öffentliches -Gebäude ist, dann ist Streß angesagt, zu recht. Sowas hat da rein gar nix zu suchen.

Grundsätzlich ja, klar. Ich meinte auch eher private Kontexte, wo es eben auch Leute gibt, denen schon der Blutdruck hochgeht, wenn ihnen nur einer entgegen kommt, der ein Kreuz trägt, oder so. So extrem sind natürlich nur wenige.

#11:  Autor: JohnnyboyWohnort: Babylon BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 19:00
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Kreuze gehen ja noch. Sind unter Umständen hochgradig erotisch (So auf alabasterfarbenen Hälsen mancher katholischen Schönheit, die nach außen fromm tut, aber unterschwellig vor Sinnlichkeit bebt). Fische hingegen kotzen nur an.

#12:  Autor: tillich (epigonal) BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 19:14
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Johnnyboy hat folgendes geschrieben:
Fische hingegen kotzen nur an.

Warum?

#13:  Autor: JohnnyboyWohnort: Babylon BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 19:17
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tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Johnnyboy hat folgendes geschrieben:
Fische hingegen kotzen nur an.

Warum?


Weil die generell nur - oder zumindest in den meisten Fällen - von Fundamentalisten getragen werden. Außerdem gefallen sie mir nicht besonders. Vom rein künsterischen Wert, tragen die Katholiken so im Durschnitt noch das Brauchbarste. Evangelische Kreuze wirken meist zu puritanisch.

#14:  Autor: gwarpyWohnort: KinA BeitragVerfasst am: 22.05.2006, 01:06
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In einer Einkaufspassage in meiner Heimatstadt hat die besitzerin einer Boutique einen mit Bilderrahmen versehenen Zettel ins Schaufenster gestellt, auf dem die Gottes Segen für alle Kunden ihrer Boutique und für ihre Nachbarn erfleht. Kurz darauf wurde sie so krank, dass sie für zwei Monate den laden dicht machte, und inzwischen ist schon jeder Laden in der Passage mindestens einmal pleite gegangen.

War wohl nichts mit Gottes Segen Lachen


gwarpy

#15:  Autor: Stingery BeitragVerfasst am: 22.05.2006, 01:23
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Hehe, sowas sagt mir zu Auf den Arm nehmen
Aber erzähl das mal jenem Herrn:
http://www.hjp.ch/texte/Erzaelung/Atheist.htm#M1

#16:  Autor: Freya BeitragVerfasst am: 22.05.2006, 11:54
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Johnnyboy hat folgendes geschrieben:
Fische hingegen kotzen nur an.

Ich weiß nicht, ob die Frage schon einmal kam, aber weil es gerade wieder erwähnt wurde:

Welche tiefere Bedeutung steckt denn eigentlich hinter diesem "Ich-bin-Christ-Fisch"?
Auch Google Allwissend und die Forumssuche konnten mir nicht weiter helfen...

#17:  Autor: Xamanoth BeitragVerfasst am: 22.05.2006, 11:55
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Freya hat folgendes geschrieben:
Johnnyboy hat folgendes geschrieben:
Fische hingegen kotzen nur an.

Ich weiß nicht, ob die Frage schon einmal kam, aber weil es gerade wieder erwähnt wurde:

Welche tiefere Bedeutung steckt denn eigentlich hinter diesem "Ich-bin-Christ-Fisch"?
Auch Google Allwissend und die Forumssuche konnten mir nicht weiter helfen...

Das war zur Zeit der Christenverfolgungen das Geheimzeichen der römischen Christen.
Von wegen menschenfischer und so.

#18:  Autor: tillich (epigonal) BeitragVerfasst am: 22.05.2006, 13:21
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Freya hat folgendes geschrieben:
Welche tiefere Bedeutung steckt denn eigentlich hinter diesem "Ich-bin-Christ-Fisch"?

Griechisch heißt Fisch "Ichthys" (wobei "ch" und "th" in der griechischen Schrift ein einzelner Buchstabe sind). Das kann benutzt werden als Akronym für "Iesous Christos Theou Huios Soter", zu deutsch: "Jesus ist der Messias, Sohn Gottes und Erlöser". Das Symbol ist also ein kurzes Glaubensbekenntnis (und um Xamanoth nicht komplett zu widersprechen, natürlich auch eine mögliche Anspielung auf die Menschenfischersache).

#19:  Autor: wolle BeitragVerfasst am: 08.11.2022, 00:21
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https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_100076408/beruechtigter-russischer-priester-stirbt-angeblich-bei-himars-angriff.html zitiert einen russischen Priester:

Zitat:
Michail Wassiljew: "Wenn eine Frau mehr als ein Kind hat, schmerzt es sie auch nicht so sehr, wenn eines für den Krieg eingezogen wird."


Außerdem in dem Artikel: drei russische Priester segnen eine Atomrakete "Satan" mit Weihwasser.
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