Unfähige und furchtbare Juristen
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Freigeisterhaus -> Politik und Geschichte

#1: Unfähige und furchtbare Juristen Autor: SkeptikerWohnort: 129 Goosebumpsville BeitragVerfasst am: 19.09.2019, 20:52
    —
"Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande." soll angeblich Tucholski mal gesagt haben, während es sich in Wahrheit um einen Ausspruch von Ludwig Thoma handelt.

Aber es gibt eben auch den Typus des furchtbaren Juristen - angefangen von antiken und mittelalterlichen Brutalos bis hin zu Freisler, dem Chefjuristen des Hitler-Faschismus.

Dass die herrschenden Gesetze auch heute noch eine Schande sind und die Ausbildung der Juristen - nicht nur in Deutschland - eher eine Art Verblödungscurriculum ist, sollte allgemein bekannt sein.

Nichtsdestotrotz gab und gibt es auch gute, fähige, engagierte und menschliche Juristen, die sich diese Eigenschaften aber eher autodidaktisch - unabhängig von ihrer Ausbildung - angeeignet haben oder sie von Haus aus mitbekommen haben.

Dieser thread dient dazu, aktuelle und historische Beispiele des Versagens der herrschenden Justiz bzw. von Juristen bekannt zu geben und zu diskutieren.

#2: LG Berlin: "Schlampe" und "Geisteskranke" haben Sachbezug Autor: SkeptikerWohnort: 129 Goosebumpsville BeitragVerfasst am: 19.09.2019, 21:13
    —
Mit Urteil vom 09.09.2019 entschied das Landesgericht Berlin, dass Hetze dasselbe ist wie Kritik, bzw. das Gericht erkennt zwischen beidem gar keinen Unterschied:

Zitat:
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast ist vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, gegen Beschimpfungen wie "Geisteskranke" auf Facebook gegen sie vorzugehen. Laut einem Beschluss des Landgerichts Berlin, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, stellen entsprechende Kommentare "keine Diffamierung der Person der Antragstellerin und damit keine Beleidigungen" dar.

Unbekannte hatten Künast unter anderem als "Stück Scheisse" und "altes grünes Dreckschwein" bezeichnet und noch drastischere und auch sexistische Posts geschrieben. Die Berliner Morgenpost berichtete zuerst darüber. Der Zeitung zufolge habe das Gericht unter anderem argumentiert, der Kommentar "Drecks Fotze" bewege sich "haarscharf an der Grenze des von der Antragsstellerin noch Hinnehmbaren". (...)

Der Berliner Morgenpost zufolge werden in dem Beschluss Äußerungen wie "Knatter sie doch mal so richtig durch, bis sie wieder normal wird" als "mit dem Stilmittel der Polemik geäußerte Kritik" gewertet. Die Unterstellung, dass Künast "vielleicht als Kind ein wenig zu viel gef…" wurde, sei laut Beschluss "überspitzt, aber nicht unzulässig". Die Forderung, sie als "Sondermüll" zu entsorgen, habe "Sachbezug". Attribute wie "Stück Scheiße", "Schlampe" sowie "Geisteskranke" wurden als "Auseinandersetzung in der Sache" gewertet.


https://taz.de/Sexistische-Beschimpfungen-im-Netz/%215627681/


Der beste Kommentar dazu stammt vom Postillon, wie ein Leser bemerkt:

Zitat:
Berlin (dpo) - Drecksfotzenrichter am Berliner Landgericht haben heute in einem geisteskranken Urteil gegen Renate Künast entschieden, dass sie alle (!) Beschimpfungen, die in diesem Artikel stehen, als nicht beleidigend hinzunehmen hat.

Offenbar wurden die Richter als Kinder ein wenig zu viel gefickt – denn sie entschieden, dass es sich bei den Beleidigungen um "Auseinandersetzungen in der Sache" handelt. Wie genau die hohlen Nüsse zu diesem Urteil kamen, ist derzeit noch unklar. (...)

Unabhängige Beobachter empfehlen nun, die Sondermüll-Richter mal richtig durchzuknattern, bis sie wieder normal werden – möglicherweise wird das Urteil dann revidiert.


https://www.der-postillon.com/2019/09/berliner-landgericht.html


Soweit der Postillon mit seiner Auseinandersetzung in der Sache. Pfeifen

#3:  Autor: beachbernieWohnort: Haida Gwaii BeitragVerfasst am: 19.09.2019, 21:31
    —
Daumen hoch!


Noch bevor ich die Postillionglosse dazu gelesen habe, fragte ich mich selbst wie die Herren Richter wohl reagiert hätten, wenn der Anwalt der Frau Kuenast das Urteil direkt im Anschluss an dessen Verlesung in diesem Jargon kommentiert haette. Sehr glücklich


Klar handelt es sich hier um sehr eindeutige Beleidigungen. Das ist absolut keine Geschmacksfrage, bei der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Und ich dachte bisher, dass es sich niemand gefallen muss so schwer beleidigt zu werden. Aber es gibt scheinbar doch Richter, die das anders sehen. Mit den Augen rollen

#4:  Autor: AdvocatusDiaboliWohnort: München BeitragVerfasst am: 19.09.2019, 21:54
    —
beachbernie hat folgendes geschrieben:
Daumen hoch!


Noch bevor ich die Postillionglosse dazu gelesen habe, fragte ich mich selbst wie die Herren Richter wohl reagiert hätten, wenn der Anwalt der Frau Kuenast das Urteil direkt im Anschluss an dessen Verlesung in diesem Jargon kommentiert haette. Sehr glücklich


Klar handelt es sich hier um sehr eindeutige Beleidigungen. Das ist absolut keine Geschmacksfrage, bei der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Und ich dachte bisher, dass es sich niemand gefallen muss so schwer beleidigt zu werden. Aber es gibt scheinbar doch Richter, die das anders sehen. Mit den Augen rollen


Mr. Green Ein Urteil ganz nach meinem Geschmack.

#5:  Autor: beachbernieWohnort: Haida Gwaii BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 01:10
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AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:
Daumen hoch!


Noch bevor ich die Postillionglosse dazu gelesen habe, fragte ich mich selbst wie die Herren Richter wohl reagiert hätten, wenn der Anwalt der Frau Kuenast das Urteil direkt im Anschluss an dessen Verlesung in diesem Jargon kommentiert haette. Sehr glücklich


Klar handelt es sich hier um sehr eindeutige Beleidigungen. Das ist absolut keine Geschmacksfrage, bei der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Und ich dachte bisher, dass es sich niemand gefallen muss so schwer beleidigt zu werden. Aber es gibt scheinbar doch Richter, die das anders sehen. Mit den Augen rollen


Mr. Green Ein Urteil ganz nach meinem Geschmack.



Du weisst, dass man diese Erwiderung auf zweierlei Art interpretieren kann?

#6:  Autor: Effô TisettiWohnort: 75 BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 08:12
    —
Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben mit der Frage beschäftigt, ob ich nicht auswandern sollte.

#7:  Autor: zelig BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 08:14
    —
Ich hoffe doch sehr, daß die nächste Instanz das Urteil pulverisiert.

#8:  Autor: stepWohnort: Germering BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 10:03
    —
Ja, das hoffe ich auch. Absolut unmöglich und auch mit fataler Botschaft an alle Hetzer und Hater.

#9:  Autor: Tarvoc BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 10:23
    —
zelig hat folgendes geschrieben:
Ich hoffe doch sehr, daß die nächste Instanz das Urteil pulverisiert.

Ich hoffe sehr, dass irgendjemand die Karriere des Richters pulverisiert.

#10:  Autor: dissenter BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 12:44
    —
beachbernie hat folgendes geschrieben:
Daumen hoch!


Noch bevor ich die Postillionglosse dazu gelesen habe, fragte ich mich selbst wie die Herren Richter wohl reagiert hätten, wenn der Anwalt der Frau Kuenast das Urteil direkt im Anschluss an dessen Verlesung in diesem Jargon kommentiert haette. Sehr glücklich


Klar handelt es sich hier um sehr eindeutige Beleidigungen. Das ist absolut keine Geschmacksfrage, bei der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Und ich dachte bisher, dass es sich niemand gefallen muss so schwer beleidigt zu werden. Aber es gibt scheinbar doch Richter, die das anders sehen. Mit den Augen rollen


Vielleicht hättest du einfach mal die Urteilsbegründung zu Ende lesen sollen. So eindeutig ist es eben nicht. „Von einer Schmähung kann nicht ausgegangen werden, wenn die Äußerung in dem Kontext einer Sachauseinandersetzung steht.“ Die detallierten Begründungen finden sich hier.
https://www.morgenpost.de/berlin/article227131419/Warum-das-Berliner-Landgericht-diese-zehn-Beschimpfungen-gegen-Renate-Kuenast-zulaessig-findet.html

Es werden halt strenge Anforderungen an die Annahme einer Schmähung gestellt. Deswegen durfte auch ein Volker Beck als „Obergauleiter der SA-Horden“ bezeichnet werden oder bestimmte AfD-Politiker als Neonazis. Wenn es eine Vorgeschichte (Sachbezug) gibt, wird es schwierig. Bei Fr. Künast haben die Richter die Verletzung der Opfer von pädophilen Handlungen und die erklärliche gesellschaftliche Empörung ob ihrer zweifelhaften Aussage, höher gewichtet als die Verletzung von Frau Künast durch die unsäglichen Kommentare. Eine durchaus streitbare Entscheidung, aber in der Begründung und in der Konsequenz zu anderen ähnlich gelagerten juristischen Entscheidungen, durchaus nachvollziehbar.

#11:  Autor: vrolijkeWohnort: Stuttgart BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 13:02
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:
Daumen hoch!


Noch bevor ich die Postillionglosse dazu gelesen habe, fragte ich mich selbst wie die Herren Richter wohl reagiert hätten, wenn der Anwalt der Frau Kuenast das Urteil direkt im Anschluss an dessen Verlesung in diesem Jargon kommentiert haette. Sehr glücklich


Klar handelt es sich hier um sehr eindeutige Beleidigungen. Das ist absolut keine Geschmacksfrage, bei der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Und ich dachte bisher, dass es sich niemand gefallen muss so schwer beleidigt zu werden. Aber es gibt scheinbar doch Richter, die das anders sehen. Mit den Augen rollen


Vielleicht hättest du einfach mal die Urteilsbegründung zu Ende lesen sollen. So eindeutig ist es eben nicht. „Von einer Schmähung kann nicht ausgegangen werden, wenn die Äußerung in dem Kontext einer Sachauseinandersetzung steht.“ Die detallierten Begründungen finden sich hier.
https://www.morgenpost.de/berlin/article227131419/Warum-das-Berliner-Landgericht-diese-zehn-Beschimpfungen-gegen-Renate-Kuenast-zulaessig-findet.html

Es werden halt strenge Anforderungen an die Annahme einer Schmähung gestellt. Deswegen durfte auch ein Volker Beck als „Obergauleiter der SA-Horden“ bezeichnet werden oder bestimmte AfD-Politiker als Neonazis. Wenn es eine Vorgeschichte (Sachbezug) gibt, wird es schwierig. Bei Fr. Künast haben die Richter die Verletzung der Opfer von pädophilen Handlungen und die erklärliche gesellschaftliche Empörung ob ihrer zweifelhaften Aussage, höher gewichtet als die Verletzung von Frau Künast durch die unsäglichen Kommentare. Eine durchaus streitbare Entscheidung, aber in der Begründung und in der Konsequenz zu anderen ähnlich gelagerten juristischen Entscheidungen, durchaus nachvollziehbar.


Zitat:
Alle Kommentare entstanden als Reaktion auf den Post eines Rechtspopulisten, der eine Aussage der Politikerin aus dem Jahr 1986 hernahm und als Unterstützung zur damals durchaus in der grünen Partei diskutierten Haltung wertete, den Geschlechtsverkehr mit Kindern außer Strafe zu stellen. Künasts Anwalt dementiert das entschieden. Das Gericht folgte der Einschätzung des Mannes jedoch.


Das sie das erstens, so nie gesagt hat, und zweitens über 30 Jahr her ist, spielt wohl keine rolle?
Dieses Urteil öffnet die Schleusen der Beschimpfungen.
Ich könnte vor 40 Jahr mal was gesagt haben, was "beschimpungswert" ist. Total Pillepalle

#12:  Autor: astarte BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 13:36
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
Es werden halt strenge Anforderungen an die Annahme einer Schmähung gestellt. Deswegen durfte auch ein Volker Beck als „Obergauleiter der SA-Horden“ bezeichnet werden oder bestimmte AfD-Politiker als Neonazis. Wenn es eine Vorgeschichte (Sachbezug) gibt, wird es schwierig. Bei Fr. Künast haben die Richter die Verletzung der Opfer von pädophilen Handlungen und die erklärliche gesellschaftliche Empörung ob ihrer zweifelhaften Aussage, höher gewichtet als die Verletzung von Frau Künast durch die unsäglichen Kommentare. Eine durchaus streitbare Entscheidung, aber in der Begründung und in der Konsequenz zu anderen ähnlich gelagerten juristischen Entscheidungen, durchaus nachvollziehbar.

Ach.
Welche Art von Sachbezug beispielsweise "Stück Scheiße" haben kann, erkläre mir bitte genauer, damit ich es auch nachvollziehen kann, wann zum Beispiel hier im Forum das jemand an deine Adresse schreiben darf.

#13:  Autor: dissenter BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 13:54
    —
astarte hat folgendes geschrieben:
dissenter hat folgendes geschrieben:
Es werden halt strenge Anforderungen an die Annahme einer Schmähung gestellt. Deswegen durfte auch ein Volker Beck als „Obergauleiter der SA-Horden“ bezeichnet werden oder bestimmte AfD-Politiker als Neonazis. Wenn es eine Vorgeschichte (Sachbezug) gibt, wird es schwierig. Bei Fr. Künast haben die Richter die Verletzung der Opfer von pädophilen Handlungen und die erklärliche gesellschaftliche Empörung ob ihrer zweifelhaften Aussage, höher gewichtet als die Verletzung von Frau Künast durch die unsäglichen Kommentare. Eine durchaus streitbare Entscheidung, aber in der Begründung und in der Konsequenz zu anderen ähnlich gelagerten juristischen Entscheidungen, durchaus nachvollziehbar.

Ach.
Welche Art von Sachbezug beispielsweise "Stück Scheiße" haben kann, erkläre mir bitte genauer, damit ich es auch nachvollziehen kann, wann zum Beispiel hier im Forum das jemand an deine Adresse schreiben darf.


Hier im Forum gelten sicher andere Regeln, als auf dem Parkett der Politiker oder öffentlichen Personen.

Du könntest es vielleicht nachvollziehen, wenn du dem von mir geposteten Link gefolgt wärst und das "Stück Scheiße" nicht aus dem Sachzusammenhang reißen würdest.
"...wie sich aus dem zweiten Satz ergibt, eine Auseinandersetzung in der Sache erfolgte" es wird auf den Beschluss des LG Hamburg vom 11. Mai 2017 verwiesen https://openjur.de/u/962810.html

#14:  Autor: astarte BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 15:12
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
...
Du könntest es vielleicht nachvollziehen, wenn du dem von mir geposteten Link gefolgt wärst und das "Stück Scheiße" nicht aus dem Sachzusammenhang reißen würdest.
"...wie sich aus dem zweiten Satz ergibt, eine Auseinandersetzung in der Sache erfolgte" es wird auf den Beschluss des LG Hamburg vom 11. Mai 2017 verwiesen https://openjur.de/u/962810.html

Das bin ich.

Ich erkenne keinen "Sachzusammenhang". Und ich kann mir auch keine Sache vorstellen, die einen Zusammenhang mit der fäkalen herabwürdigenden Bezeichnung "Stück Scheiße" oder "Drecksau" haben könnte.

#15:  Autor: dissenter BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 17:52
    —
Der Sachzusammenhang ergibt sich aus dem zweiten Satz, wie es dort nachzulesen ist. Der ominöse zweite Satz rechtfertigt anscheinend das Stück Scheiße, weil er sich wohl mit der Entpönalisierung des gewaltfreien Geschlechtsverkehrs mit Kindern befasst.

astarte hat folgendes geschrieben:
Und ich kann mir auch keine Sache vorstellen, die einen Zusammenhang mit der fäkalen herabwürdigenden Bezeichnung "Stück Scheiße" oder "Drecksau" haben könnte.


Ich kann mir schon einen Zusammenhang vorstellen. Stell dir vor du wurdest Anfang der achziger durch ein pädophilies Arschloch missbraucht und leidest seitdem unter den traumatischen Folgen dieses Vorfalls. Und plötzlich hast du die Möglichkeit einer Politikerin die sich damals affirmativ zum Thema Entpönalisierung des gewaltfreien Geschlechtsverkehrs mit Kindern äußerte, die (auch überspitzte) Meinung zu geigen. Sollte das in so einem Fall juristisch sanktioniert werden?

#16:  Autor: beachbernieWohnort: Haida Gwaii BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 18:21
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:
Daumen hoch!


Noch bevor ich die Postillionglosse dazu gelesen habe, fragte ich mich selbst wie die Herren Richter wohl reagiert hätten, wenn der Anwalt der Frau Kuenast das Urteil direkt im Anschluss an dessen Verlesung in diesem Jargon kommentiert haette. Sehr glücklich


Klar handelt es sich hier um sehr eindeutige Beleidigungen. Das ist absolut keine Geschmacksfrage, bei der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Und ich dachte bisher, dass es sich niemand gefallen muss so schwer beleidigt zu werden. Aber es gibt scheinbar doch Richter, die das anders sehen. Mit den Augen rollen


Vielleicht hättest du einfach mal die Urteilsbegründung zu Ende lesen sollen. So eindeutig ist es eben nicht. „Von einer Schmähung kann nicht ausgegangen werden, wenn die Äußerung in dem Kontext einer Sachauseinandersetzung steht.“ Die detallierten Begründungen finden sich hier.
https://www.morgenpost.de/berlin/article227131419/Warum-das-Berliner-Landgericht-diese-zehn-Beschimpfungen-gegen-Renate-Kuenast-zulaessig-findet.html

Es werden halt strenge Anforderungen an die Annahme einer Schmähung gestellt. Deswegen durfte auch ein Volker Beck als „Obergauleiter der SA-Horden“ bezeichnet werden oder bestimmte AfD-Politiker als Neonazis. Wenn es eine Vorgeschichte (Sachbezug) gibt, wird es schwierig. Bei Fr. Künast haben die Richter die Verletzung der Opfer von pädophilen Handlungen und die erklärliche gesellschaftliche Empörung ob ihrer zweifelhaften Aussage, höher gewichtet als die Verletzung von Frau Künast durch die unsäglichen Kommentare. Eine durchaus streitbare Entscheidung, aber in der Begründung und in der Konsequenz zu anderen ähnlich gelagerten juristischen Entscheidungen, durchaus nachvollziehbar.


Urteilsbegründung hin, Urteilsbegründung her, fuer mich gibt es keinen denkbaren Kontext, in dem die Bezeichnung eines Menschen als "Stück Scheisse", "altes grünes Dreckschwein" oder "Drecks Fotze" nicht als schwer beleidigend gewertet werden muss.

#17:  Autor: astarte BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 20:15
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
Der Sachzusammenhang ergibt sich aus dem zweiten Satz, wie es dort nachzulesen ist. Der ominöse zweite Satz rechtfertigt anscheinend das Stück Scheiße, weil er sich wohl mit der Entpönalisierung des gewaltfreien Geschlechtsverkehrs mit Kindern befasst.

In dieser beleidigenden Fäkalsprache sehe ich keine Sachlichkeit, keine Aussage, kein Argument. Daher kann ich auch keinen Sachzusammenhang erkennen.
Zitat:

astarte hat folgendes geschrieben:
Und ich kann mir auch keine Sache vorstellen, die einen Zusammenhang mit der fäkalen herabwürdigenden Bezeichnung "Stück Scheiße" oder "Drecksau" haben könnte.


Ich kann mir schon einen Zusammenhang vorstellen. Stell dir vor du wurdest Anfang der achziger durch ein pädophilies Arschloch missbraucht und leidest seitdem unter den traumatischen Folgen dieses Vorfalls. Und plötzlich hast du die Möglichkeit einer Politikerin die sich damals affirmativ zum Thema Entpönalisierung des gewaltfreien Geschlechtsverkehrs mit Kindern äußerte, die (auch überspitzte) Meinung zu geigen. Sollte das in so einem Fall juristisch sanktioniert werden?

Ja, sicher, wenn ich jemand in einer Forum beleidige, die idR juristisch sanktioniert wird. Allenfalls mildernde Umstände durch eine persönliche Betroffenheit kann bei der Beurteilung in Betracht gezogen werden.

Und welche der facebook-Pöbler hat denn eine solche persönliche Vorgeschichte vorzuweisen, dass ein solcher mildernder Umstand zu tragen käme?

#18:  Autor: swifty BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 22:40
    —
Ein großer Tag für die Meinungsfreiheit. Cool

#19:  Autor: tillich (epigonal) BeitragVerfasst am: 20.09.2019, 22:48
    —
Die Kritik an dem konkreten Urteil teile ich ja, aber was wird aus der hchst allgemeinen Richterschellte aus dem Ausgangspost, wenn die nächste Instanz das kassiert?

#20:  Autor: dissenter BeitragVerfasst am: 21.09.2019, 09:22
    —
So blöde wie dieser Ausgangspost daherkommt, kannst du den getrost ignorieren.
Nur die Autodidakten können fähige Juristen werden, schon klar Pillepalle

#21:  Autor: zelig BeitragVerfasst am: 21.09.2019, 13:04
    —
Guter Kommentar in der SZ

Zitat:
Die 27. Zivilkammer des Landgerichts - Holger Thiel, Sonja Hurek und Katharina Saar - findet, dass die Grünenpolitikerin Künast es hinnehmen muss, auf Facebook als "Stück Scheisse" bezeichnet zu werden.
...
Nur bei "Drecks Fotze" haben sie überlegt. Das sei "haarscharf an der Grenze" des Hinnehmbaren.
...
Inzwischen müht man sich verstärkt, Hass und Hetze aus dem Netz zu tilgen, auch die Staatsanwälte erhöhen den Druck. Müsste nicht auch die Justiz - namentlich das Verfassungsgericht - die Schrauben anziehen?
...
Dessen Leitstern war von Anfang an ein öffentlicher Diskurs, den man nicht mit dem Knigge unterm Arm regulieren darf. Es darf deftig zugehen, polemisch, zugespitzt - solange noch Spurenelemente einer inhaltlichen Auseinandersetzung erkennbar sind. Die großen Entscheidungen des Gerichts waren oft eine Verteidigung scharfzüngiger Kritiker. Der Boykottaufruf eines Hamburger Senatsdirektors gegen den Regisseur des Nazifilms "Jud Süß" im Jahr 1950, die geniale Polemik von Ralph Giordano, der Franz Josef Strauß 1987 einen "Zwangsdemokraten" nannte, auch die radikalpazifistische Formel "Soldaten sind Mörder": Es ging um große Fragen und mächtige Politiker.
...
Das ist im Einzelfall oft nachvollziehbar. Aber die stete Suche nach der sachlichen Substanz in jeder noch so abseitigen Äußerung verstellt bisweilen - siehe Landgericht Berlin - den Blick darauf, dass, was nach Hass und Hetze aussieht, manchmal eben auch nur Hass und Hetze ist. Vielleicht hilft hier der legendäre Satz eines US-Richters zur Pornografie: Er könne sie zwar nicht definieren. "But I know it when I see it."


https://www.sueddeutsche.de/politik/renate-kuenast-hetze-urteil-1.4609316

#22:  Autor: sponorWohnort: München BeitragVerfasst am: 21.09.2019, 14:09
    —
Soweit ich's beurteilen kann, ein recht(s-) kompetenter Leserbrief bei Fefe, worin das Urteil als "fraktal falsch" bezeichnet wird (d.h. falsch, egal mit welcher Detailschärfe man draufblickt) und mehrere Begründungen als "eklig".
Und darin verlinkt der Kommentar vom Law Blog: "Ein Freibrief, jetzt im Internet richtig loszupoltern, ist das Urteil jedenfalls nicht."

#23:  Autor: dissenter BeitragVerfasst am: 21.09.2019, 15:24
    —
sponor hat folgendes geschrieben:
Soweit ich's beurteilen kann, ein recht(s-) kompetenter Leserbrief bei Fefe, worin das Urteil als "fraktal falsch" bezeichnet wird (d.h. falsch, egal mit welcher Detailschärfe man draufblickt) und mehrere Begründungen als "eklig".
Und darin verlinkt der Kommentar vom Law Blog: "Ein Freibrief, jetzt im Internet richtig loszupoltern, ist das Urteil jedenfalls nicht."


Ich zitiere mal aus dem "kompetenten Leserbrief"
"Das Sahnehäubchen ist aber:
Das Gericht ist der Auffassung, dass die Politikerin sich das falsche Zitat (der Halle Leaks Blog, wir erinnern uns dunkel) voll als das eigene zurechnen lassen muss. Denn: Man könnte das Zitat ja in dieser Weise verstehen und sie hat dieser Interpretation nicht widersprochen.
Mit anderen Worten: Nicht die Meute ist schuld, nicht der Hetzer, der der Meute den vergifteten Brocken hingeworfen hat – sondern die Politikerin ist selbst schuld.
Das ist Victim Blaming vom Feinsten. Und natürlich ein Freibrief für all diejenigen, die "den gerechten Volkszorn" entfachen wollen."

Mit Victim Blaming hat das überhaupt nichts zu tun. Fr. Künast hat sich nunmal so geäußert, dass es verstanden werden kann, dass sie den Sex mit Kindern, wenn keine Gewalt im Spiel ist, legitim findet. Selbst wenn es nur eine Ungeschicktheit von ihr war, erntet sie nun die Früchte. Bei diversen Ungeschicktheiten und Zweideutigkeiten ihrer politischen Gegner ist man schließlich auch nicht nachsichtig.

#24:  Autor: schtonk BeitragVerfasst am: 22.09.2019, 00:54
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
[...].. Fr. Künast hat sich nunmal so geäußert, dass es verstanden werden kann, dass sie den Sex mit Kindern, wenn keine Gewalt im Spiel ist, legitim findet. ..

fett von mir

Wer kann, der will.

dissenter hat folgendes geschrieben:
.. Selbst wenn es nur eine Ungeschicktheit von ihr war, erntet sie nun die Früchte. ..

Angenommen, du wärest so ungeschickt, alle Nichtdeutschen implizit als potentielle Vergewaltiger zu bezeichnen:
dissenter hat folgendes geschrieben:
[...]
Ich frage mich auch, wieviel Vergewaltigungen durch Asylbewerber stattfinden müssen, (...)


und ein Kontrahent würde dich daraufhin als einen dreckigen Naziarsch bezeichenen, wäre das nach deiner Logik auch eine Frucht.
Und du als Poster bist ggfs natürlich
dissenter hat folgendes geschrieben:
[...] ..selbst schuld.

#25:  Autor: SkeptikerWohnort: 129 Goosebumpsville BeitragVerfasst am: 22.09.2019, 13:44
    —
tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Die Kritik an dem konkreten Urteil teile ich ja, aber was wird aus der hchst allgemeinen Richterschellte aus dem Ausgangspost, wenn die nächste Instanz das kassiert?


Aus der Richterschelte, die gar keine ist, sondern eine Schelte für nicht selbständig denkende und zu wenig wissende Juristen, wird nichts. Die Schelte bleibt bestehen.

Du bringst hier übrigens wieder eine christlich-religiöse Denkfigur:

Diese liegt in deiner christlich-staatsgläubigen Hoffnung auf die höhere, eigentlich *höchste* gerichtliche Instanz, eigentlich das *jüngste Gericht*.

Alles wird gut, alles ist gut, tillich! Cool Ist ja schon gut...

#26:  Autor: astarte BeitragVerfasst am: 22.09.2019, 13:46
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:


Mit Victim Blaming hat das überhaupt nichts zu tun. Fr. Künast hat sich nunmal so geäußert, dass es verstanden werden kann, dass sie den Sex mit Kindern, wenn keine Gewalt im Spiel ist, legitim findet.

Also ist nicht belegt, dass sie das tatsächlich so sieht, oder selbst wenn, dass sie das heute auch noch so sieht. Es ist in keinster Weise gerechtfertigt, dass jeder sie einfach mal schwerst beleidigen darf.

Zitat:

Was Selbst wenn es nur eine Ungeschicktheit von ihr war, erntet sie nun die Früchte. Bei diversen Ungeschicktheiten und Zweideutigkeiten ihrer politischen Gegner ist man schließlich auch nicht nachsichtig.

Nachsichtig muss man mit Kühnast ja auch nicht sein, verlangt ja niemand. Man kann sie gerne kritisieren auch hart kritisieren. Aber was hat das mit solchen fäkalen Beleidigungen zu tun?

#27:  Autor: SkeptikerWohnort: 129 Goosebumpsville BeitragVerfasst am: 22.09.2019, 13:46
    —
dissenter hat folgendes geschrieben:
So blöde wie dieser Ausgangspost daherkommt, kannst du den getrost ignorieren.
Nur die Autodidakten können fähige Juristen werden, schon klar Pillepalle


Hab' ich doch gar nicht geschrieben, kannst nicht lesen? Frage

#28:  Autor: dissenter BeitragVerfasst am: 22.09.2019, 19:53
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
dissenter hat folgendes geschrieben:
So blöde wie dieser Ausgangspost daherkommt, kannst du den getrost ignorieren.
Nur die Autodidakten können fähige Juristen werden, schon klar Pillepalle


Hab' ich doch gar nicht geschrieben, kannst nicht lesen? Frage


Wer hat denn den folgenden Satz im Ausgangspost geschrieben, wenn nicht du? Ich sehe da keinerlei Anführungszeichen noch einen dazugehörigen Autor?

"Nichtsdestotrotz gab und gibt es auch gute, fähige, engagierte und menschliche Juristen, die sich diese Eigenschaften aber eher autodidaktisch - unabhängig von ihrer Ausbildung - angeeignet haben oder sie von Haus aus mitbekommen haben."

#29:  Autor: tillich (epigonal) BeitragVerfasst am: 22.09.2019, 21:00
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Aus der Richterschelte, die gar keine ist, sondern eine Schelte für nicht selbständig denkende und zu wenig wissende Juristen, wird nichts. Die Schelte bleibt bestehen.

Hä? Es geht doch um diejenigen Juristen, die Richter sind. Und du hast diesem Berufsstand ziemlich allgemein die Kompetenz abgesprochen. Also was soll das denn sonst sein, wenn nicht Richterschelte?

Und da du die Frage beantwortet hast ("Die Schelte bleibt bestehen"): Du nimmst dieses Urteil für die Schelte zum Anlass, es ist eigentlich aber auch völlig egal dafür, denn wenn es aufgehoben und von der nächsten Instanz ganz anders gesprochen würde, würde sich an der Schelte gar nichts ändern? Das ist eine eher ungewöhnliche Argumentatiionslogik.

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Du bringst hier übrigens wieder eine christlich-religiöse Denkfigur:

Diese liegt in deiner christlich-staatsgläubigen Hoffnung auf die höhere, eigentlich *höchste* gerichtliche Instanz, eigentlich das *jüngste Gericht*.

Alles wird gut, alles ist gut, tillich! Cool Ist ja schon gut...

Also wenn man es zumindest für möglich hält, dass die höhere Instanz die Sache besser entscheiden könnte, dann ist das gleich erstens "staatsgläubig" und zweitens eine "christlich-religiöse Denkfigur"?

Ehrlich, verlass doch bitte mal den atheistischen Kindergarten und diskutiere wie ein Erwachsener mit Andersdenkenden.

#30: Re: Unfähige und furchtbare Juristen Autor: sünnerklaasWohnort: Da, wo noch Ruhe ist BeitragVerfasst am: 23.09.2019, 07:08
    —
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
"Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande." soll angeblich Tucholski mal gesagt haben, während es sich in Wahrheit um einen Ausspruch von Ludwig Thoma handelt.

Aber es gibt eben auch den Typus des furchtbaren Juristen - angefangen von antiken und mittelalterlichen Brutalos bis hin zu Freisler, dem Chefjuristen des Hitler-Faschismus.

Dass die herrschenden Gesetze auch heute noch eine Schande sind und die Ausbildung der Juristen - nicht nur in Deutschland - eher eine Art Verblödungscurriculum ist, sollte allgemein bekannt sein.

Nichtsdestotrotz gab und gibt es auch gute, fähige, engagierte und menschliche Juristen, die sich diese Eigenschaften aber eher autodidaktisch - unabhängig von ihrer Ausbildung - angeeignet haben oder sie von Haus aus mitbekommen haben.

Dieser thread dient dazu, aktuelle und historische Beispiele des Versagens der herrschenden Justiz bzw. von Juristen bekannt zu geben und zu diskutieren.


Es gibt drei Gründe, warum man Jurist wird:

1. man ist von einem großen Berufsethos geleitet, der Beruf des Juristen ist ein Beruf, eine Profession.
2. Leute, von denen z.B. in der Familie erwartet wird, dass der Sprößling in die Fußstapfen der Eltern tritt.
3. Leute, wegen des öffentlichen Ansehens und des vermeintlich hohen Einkommens Juristen werden.

Leute, die aus den Gründen 2 und 3 Juristen werden, sind nach meiner Erfahrung oft fachlich lausige Juristen.



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