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Die Leichtigkeit des Seins der Atheisten

 
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Plath
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Anmeldungsdatum: 24.08.2009
Beiträge: 361

Beitrag(#1411832) Verfasst am: 01.01.2010, 17:51    Titel: Die Leichtigkeit des Seins der Atheisten Antworten mit Zitat

aus http://www.die-tagespost.de/2008/index.php?option=com_content&task=view&id=100054052&Itemid=1
Zitat:
Aus dieser Erkenntnis der Nichtigkeit der menschlichen Existenz kann sich eine Stärke bilden für die paar Lebensjahre, die man hat. Man genießt jeden Augenblick mehr als Gläubige, für die nach der ersten Party noch eine zweite kommt. Man spürt aber auch die Verpflichtung, jede Minute der eigenen Existenz sinnvoll zu nutzen für sich selbst und für andere. Dabei sollte man das eigene Ich jedoch nicht so schrecklich wichtig nehmen, denn nur wer von seinem Selbst lassen kann, entwickelt ein gelasseneres Selbst.

Splett: Nicht ich nehme mich wichtig – jemand nimmt mich wichtig. Wie Brecht sagt: Jemand, der mich lieb hat, hat mir gesagt, pass auf dich auf. Seither habe ich Angst vor jedem Regentropfen, dass er mich erschlagen könnte. Elias Canetti, ein denkender und ernsthafter Atheist, sagte einmal: Was er als Atheist am meisten vermisst, ist eine Adresse für seine Dankbarkeit.

Schmidt-Salomon: Aber das sind doch die Mitmenschen!

Splett: Natürlich bin ich erst mal dem Mitmenschen dankbar, und der ist mir dankbar. Und dann stehen wir da mit unseren Blumen, und wohin jetzt damit? Natürlich bin ich meiner Frau dankbar, und sie ist mir dankbar. Und was machen wir jetzt mit unserer gemeinsamen Dankbarkeit?

Schmidt-Salomon: Sie können mir wirklich glauben, dass ich sehr, sehr dankbar bin. Ich habe großartige Erfahrungen machen dürfen, ich habe großes Glück mit meinem Gehirn, das offensichtlich nicht zu Depressionen neigt. Ich hab das alles nicht verdient! Aber ich leide nicht darunter, dass ich kein personales Gegenüber habe, dem ich das sagen kann, weil ich davon ausgehe, dass alles auf Zufall und Notwendigkeit zurückzuführen ist.

„Ohne Gott gäbs
kein Gutes. Nun gibt
es aber das Gute, also
gibt es Gott“
Splett: Die Welt ist für mich eben nicht ein Zufallsgeschenk, sondern als Ganze einschließlich meines Lebens und meiner selbst ein unglaubliches Geschenk. Das Eigentliche ist nicht das, was ich da kriege, sondern dass ich kriege, was ich kriege. Der Philosoph Franz von Baader sagt mit Recht: Dankbarkeit heißt, die Gegenwart des Gebers in der Gabe anerkennen.

Schmidt-Salomon: Sie haben ja selbst gesagt, dass das Theodizee-Problem nicht lösbar ist. Und dabei dürfen wir nicht nur auf das Grauen in der Menschheitsgeschichte blicken, das im Holocaust gipfelte. Wir haben ja permanent eine Form von Holocaust in der Natur. Ein Gott, der diesen Holocaust zulässt, ein Gott, der die Welt so geschaffen hat, dass kleine Kinder an Leukämie erkranken und fürchterlich sterben, an einen solchen Gott kann ich nicht glauben! Angesichts all des Leids: Warum sind Sie nur dankbar für die Gabe? Müssten Sie nicht zugleich auch erschrocken sein über all das Elend? Hebt sich das nicht gegenseitig auf?

Splett: Nein. Das liegt eben nicht auf einer Ebene. Das habe ich die ganze Zeit über versucht, klarzumachen. Wenn es Gott gibt, warum gibt es Leid? Auf diese Frage ist meine Antwort: Ich weiß es nicht. Auf die Frage: Wenn es Gott nicht gibt, woher dann das Gute?, ist meine Antwort nicht: Ich weiß es nicht. Sondern ich weiß: Ohne Gott gäbs kein Gutes. Nun gibt es aber das Gute, also gibt es Gott.

Schmidt-Salomon: Ich wende dagegen ein, dass wir beides sehr gut erklären können. Denn sowohl das Schreckliche als auch das Positive lässt sich verstehen als Ausdruck des blinden Waltens von Zufall und Notwendigkeit. Diese Antwort entlastet ungemein und verleiht uns eine gewisse Leichtigkeit des Seins.
Splett: Ich verstehe Ihre Strategie gut: Sie senken einfach die Frageebene und haben so eine Antwort auf beide Fragen – und haben den eigentlichen Punkt für Dankbarkeit gestrichen. Ich sehe mich verpflichtet, diese Dankbarkeit festzuhalten mit der Last der offenen Frage an dieser Stelle. Deswegen gehört es zu meinem Glauben dazu, dass er sich rechtfertigen können wird. So heißt es auch in der klassischen Fassung des 50. Psalms an Gott adressiert: Du wirst siegen, wenn du gerichtet wirst. Das kommt aber erst noch. Deswegen hat es ein Gottgläubiger schwerer als ein Atheist. Der hat die Leichtigkeit des Seins – bei uns liegt ein ziemliches Gewicht drauf. Was heute besser ankommt, ist klar.


Kann diese Leichtigkeit eventuell nur von jenen nachvollzogen werden, die massiv mit religiösem Druck aufgewachsen sind?
Mein Atheismus beruht eher darauf, dass ich sowieso wenig religiös beeinflußt wurde, Religion also nicht brauche, die Welt zu beurteilen - trotzdem kann ich keine "Leichtigkeit des Seins" feststellen.


Zuletzt bearbeitet von Plath am 01.01.2010, 18:07, insgesamt einmal bearbeitet
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Skeptiker
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Anmeldungsdatum: 14.01.2005
Beiträge: 13647
Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#1411834) Verfasst am: 01.01.2010, 18:02    Titel: Re: Die Leichtigkeit des Seins der Atheisten Antworten mit Zitat

Plath hat folgendes geschrieben:
aus http://www.die-tagespost.de/2008/index.php?option=com_content&task=view&id=100054052&Itemid=1
Zitat:
Aus dieser Erkenntnis der Nichtigkeit der menschlichen Existenz kann sich eine Stärke bilden für die paar Lebensjahre, die man hat. Man genießt jeden Augenblick mehr als Gläubige, für die nach der ersten Party noch eine zweite kommt. Man spürt aber auch die Verpflichtung, jede Minute der eigenen Existenz sinnvoll zu nutzen für sich selbst und für andere. Dabei sollte man das eigene Ich jedoch nicht so schrecklich wichtig nehmen, denn nur wer von seinem Selbst lassen kann, entwickelt ein gelasseneres Selbst.

Splett: Nicht ich nehme mich wichtig – jemand nimmt mich wichtig. Wie Brecht sagt: Jemand, der mich lieb hat, hat mir gesagt, pass auf dich auf. Seither habe ich Angst vor jedem Regentropfen, dass er mich erschlagen könnte. Elias Canetti, ein denkender und ernsthafter Atheist, sagte einmal: Was er als Atheist am meisten vermisst, ist eine Adresse für seine Dankbarkeit.

Schmidt-Salomon: Aber das sind doch die Mitmenschen!

Splett: Natürlich bin ich erst mal dem Mitmenschen dankbar, und der ist mir dankbar. Und dann stehen wir da mit unseren Blumen, und wohin jetzt damit? Natürlich bin ich meiner Frau dankbar, und sie ist mir dankbar. Und was machen wir jetzt mit unserer gemeinsamen Dankbarkeit?

Schmidt-Salomon: Sie können mir wirklich glauben, dass ich sehr, sehr dankbar bin. Ich habe großartige Erfahrungen machen dürfen, ich habe großes Glück mit meinem Gehirn, das offensichtlich nicht zu Depressionen neigt. Ich hab das alles nicht verdient! Aber ich leide nicht darunter, dass ich kein personales Gegenüber habe, dem ich das sagen kann, weil ich davon ausgehe, dass alles auf Zufall und Notwendigkeit zurückzuführen ist.

„Ohne Gott gäbs
kein Gutes. Nun gibt
es aber das Gute, also
gibt es Gott“
Splett: Die Welt ist für mich eben nicht ein Zufallsgeschenk, sondern als Ganze einschließlich meines Lebens und meiner selbst ein unglaubliches Geschenk. Das Eigentliche ist nicht das, was ich da kriege, sondern dass ich kriege, was ich kriege. Der Philosoph Franz von Baader sagt mit Recht: Dankbarkeit heißt, die Gegenwart des Gebers in der Gabe anerkennen.

Schmidt-Salomon: Sie haben ja selbst gesagt, dass das Theodizee-Problem nicht lösbar ist. Und dabei dürfen wir nicht nur auf das Grauen in der Menschheitsgeschichte blicken, das im Holocaust gipfelte. Wir haben ja permanent eine Form von Holocaust in der Natur. Ein Gott, der diesen Holocaust zulässt, ein Gott, der die Welt so geschaffen hat, dass kleine Kinder an Leukämie erkranken und fürchterlich sterben, an einen solchen Gott kann ich nicht glauben! Angesichts all des Leids: Warum sind Sie nur dankbar für die Gabe? Müssten Sie nicht zugleich auch erschrocken sein über all das Elend? Hebt sich das nicht gegenseitig auf?

Splett: Nein. Das liegt eben nicht auf einer Ebene. Das habe ich die ganze Zeit über versucht, klarzumachen. Wenn es Gott gibt, warum gibt es Leid? Auf diese Frage ist meine Antwort: Ich weiß es nicht. Auf die Frage: Wenn es Gott nicht gibt, woher dann das Gute?, ist meine Antwort nicht: Ich weiß es nicht. Sondern ich weiß: Ohne Gott gäbs kein Gutes. Nun gibt es aber das Gute, also gibt es Gott.

Schmidt-Salomon: Ich wende dagegen ein, dass wir beides sehr gut erklären können. Denn sowohl das Schreckliche als auch das Positive lässt sich verstehen als Ausdruck des blinden Waltens von Zufall und Notwendigkeit. Diese Antwort entlastet ungemein und verleiht uns eine gewisse Leichtigkeit des Seins.
Splett: Ich verstehe Ihre Strategie gut: Sie senken einfach die Frageebene und haben so eine Antwort auf beide Fragen – und haben den eigentlichen Punkt für Dankbarkeit gestrichen. Ich sehe mich verpflichtet, diese Dankbarkeit festzuhalten mit der Last der offenen Frage an dieser Stelle. Deswegen gehört es zu meinem Glauben dazu, dass er sich rechtfertigen können wird. So heißt es auch in der klassischen Fassung des 50. Psalms an Gott adressiert: Du wirst siegen, wenn du gerichtet wirst. Das kommt aber erst noch. Deswegen hat es ein Gottgläubiger schwerer als ein Atheist. Der hat die Leichtigkeit des Seins – bei uns liegt ein ziemliches Gewicht drauf. Was heute besser ankommt, ist klar.


Kann diese Leichtigkeit eventuell nur von jenen nachvollzogen werden, die massiv mit religiösem Druck aufgewachsen sind?
Mein Atheismus beruht eher darauf, dass ich sowieso wenig religiös beeinflußt wurde, ihn also nicht brauche, die Welt zu beurteilen - trotzdem kann ich keine "Leichtigkeit des Seins" feststellen.


Man sieht aber bei Schmidt-Salomon auch so einen Aspekt der Naturalisierung der Gesellschaft. Bei allem Verständnis für seinen Wunsch nach einer "Leichtigkeit" gegenüber dem Elend der Welt:

Man sollte doch unterscheiden zwischen vermeidbarem Leid und zur Zeit unvermeidlichem Leid.

Das vermisse ich bei ihm. Ihm fehlt die politische Dimension.

Skeptiker
_________________
°
"Ich verwarne Ihnen!" (Schiri)
"Ich danke Sie" (Willi Lippens)

Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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AntagonisT
Master of Disaster



Anmeldungsdatum: 28.09.2005
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Wohnort: 2 Meter über dem Boden

Beitrag(#1411839) Verfasst am: 01.01.2010, 18:24    Titel: Re: Die Leichtigkeit des Seins der Atheisten Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Ihm fehlt die politische Dimension.


Er ist ja auch kein Kommunist.
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“Primates often have trouble imagining an universe not run by an angry alpha male.”
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Plath
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Anmeldungsdatum: 24.08.2009
Beiträge: 361

Beitrag(#1411909) Verfasst am: 01.01.2010, 22:21    Titel: Re: Die Leichtigkeit des Seins der Atheisten Antworten mit Zitat

AntagonisT hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Ihm fehlt die politische Dimension.


Er ist ja auch kein Kommunist.


skeptisch
Kommunist oder nicht ist belanglos oder meinst du ein Philosoph muß sich nicht ums Politische kümmern?
Auch der Herr Splett hält dieses "Versprechen" der leichteren Lebensweise für möglich, wenngleich sie für ihn flach ist, er braucht seinen tieferen Sinn.

Ich meine, von "Leichtigkeit des Seins" zu schreiben, weckt zu hohe Erwartungen, die nicht erfüllt werden.
Unabhängig von Glauben oder Nichtglauben bestehen dafür zu viele Schwierigkeiten im Leben.
Das mag in der Tat die politische Dimension sein.
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Johnnyboy
Stück Scheiße



Anmeldungsdatum: 26.06.2005
Beiträge: 2562
Wohnort: Babylon

Beitrag(#1412156) Verfasst am: 02.01.2010, 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Kommunist oder nicht ist belanglos oder meinst du ein Philosoph muß sich nicht ums Politische kümmern?


Nein. Er muß nicht.
_________________
"Das Leben des Starken erfüllt seinen Sinn, das des Schwachen seinen Zweck".
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jagy
Herb Derpington III.



Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 7275

Beitrag(#1412168) Verfasst am: 02.01.2010, 22:03    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Schmidt-Salomon: Ich wende dagegen ein, dass wir beides sehr gut erklären können. Denn sowohl das Schreckliche als auch das Positive lässt sich verstehen als Ausdruck des blinden Waltens von Zufall und Notwendigkeit. Diese Antwort entlastet ungemein und verleiht uns eine gewisse Leichtigkeit des Seins.


Erinnert mich an Bertrand Russells "A Free Man's Worship", zu deutsch in Norbert Hoersters "Religionskritk" auf Reclam (allerdings nur antiquarisch zu bekommen):

http://users.drew.edu/~JLENZ/br-fmw.html

Zitat:
And such thought makes us free men; we no longer bow before the inevitable in Oriental subjection, but we absorb it, and make it a part of ourselves. To abandon the struggle for private happiness, to expel all eagerness of temporary desire, to burn with passion for eternal things--this is emancipation, and this is the free man's worship. And this liberation is effected by a contemplation of Fate; for Fate itself is subdued by the mind which leaves nothing to be purged by the purifying fire of Time.

United with his fellow-men by the strongest of all ties, the tie of a common doom, the free man finds that a new vision is with him always, shedding over every daily task the light of love. The life of Man is a long march through the night, surrounded by invisible foes, tortured by weariness and pain, towards a goal that few can hope to reach, and where none may tarry long. One by one, as they march, our comrades vanish from our sight, seized by the silent orders of omnipotent Death. Very brief is the time in which we can help them, in which their happiness or misery is decided. Be it ours to shed sunshine on their path, to lighten their sorrows by the balm of sympathy, to give them the pure joy of a never-tiring affection, to strengthen failing courage, to instil faith in hours of despair. Let us not weigh in grudging scales their merits and demerits, but let us think only of their need--of the sorrows, the difficulties, perhaps the blindnesses, that make the misery of their lives; let us remember that they are fellow-sufferers in the same darkness, actors in the same tragedy as ourselves. And so, when their day is over, when their good and their evil have become eternal by the immortality of the past, be it ours to feel that, where they suffered, where they failed, no deed of ours was the cause; but wherever a spark of the divine fire kindled in their hearts, we were ready with encouragement, with sympathy, with brave words in which high courage glowed.

Brief and powerless is Man's life; on him and all his race the slow, sure doom falls pitiless and dark. Blind to good and evil, reckless of destruction, omnipotent matter rolls on its relentless way; for Man, condemned to-day to lose his dearest, to-morrow himself to pass through the gate of darkness, it remains only to cherish, ere yet the blow falls, the lofty thoughts that ennoble his little day; disdaining the coward terrors of the slave of Fate, to worship at the shrine that his own hands have built; undismayed by the empire of chance, to preserve a mind free from the wanton tyranny that rules his outward life; proudly defiant of the irresistible forces that tolerate, for a moment, his knowledge and his condemnation, to sustain alone, a weary but unyielding Atlas, the world that his own ideals have fashioned despite the trampling march of unconscious power.

_________________
INGLIP HAS BEEN SUMMONED - IT HAS BEGUN!
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Johnnyboy
Stück Scheiße



Anmeldungsdatum: 26.06.2005
Beiträge: 2562
Wohnort: Babylon

Beitrag(#1412187) Verfasst am: 02.01.2010, 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zum Thema:

Zitat:
Kann diese Leichtigkeit eventuell nur von jenen nachvollzogen werden, die massiv mit religiösem Druck aufgewachsen sind?


Sie kann vorallem von Leuten nachvollzogen werden die so ticken wie unser Michael. Blöderweise, reagieren Menschen verschieden auf dieselbe Realität.
Es gibt sicher auch Menschen die mit ihrem Glauben auch ihre Hoffnung verloren haben.
_________________
"Das Leben des Starken erfüllt seinen Sinn, das des Schwachen seinen Zweck".
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AgentProvocateur
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Anmeldungsdatum: 09.01.2005
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Beitrag(#1412196) Verfasst am: 02.01.2010, 22:41    Titel: Antworten mit Zitat

jagy hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Schmidt-Salomon: Ich wende dagegen ein, dass wir beides sehr gut erklären können. Denn sowohl das Schreckliche als auch das Positive lässt sich verstehen als Ausdruck des blinden Waltens von Zufall und Notwendigkeit. Diese Antwort entlastet ungemein und verleiht uns eine gewisse Leichtigkeit des Seins.


Erinnert mich an Bertrand Russells "A Free Man's Worship", zu deutsch in Norbert Hoersters "Religionskritk" auf Reclam (allerdings nur antiquarisch zu bekommen):

http://users.drew.edu/~JLENZ/br-fmw.html

Zitat:
[...]

Du vergleichst Russells wortgewaltigen Appell an die Freiheit mit MSSs Appell, Freiheit aufzugeben und das Schicksal einfach zu akzeptieren? Geschockt

"Akzeptiere Dein Schicksal halt und lache darüber; Du kannst eh gar nix machen" vs. "nimm Dein Schicksal in Deine Hand, Du kannst das"?

Bei MSS keine Rede von der Fähigkeit, sich über das Schicksal hinwegzusetzen. Es gibt nur "Verstehen", "Notwendigkeit" und "Zufall". Mehr nicht. Kein Stück Freiheit, Freiheit ist für MSS lässlich und sogar gefährlich.

Nicht mein Ding, gar nicht.
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Johnnyboy
Stück Scheiße



Anmeldungsdatum: 26.06.2005
Beiträge: 2562
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Beitrag(#1412202) Verfasst am: 02.01.2010, 22:49    Titel: Antworten mit Zitat

Bitte nicht schon wieder eine Debatte über die Willensfreiheit. Bitte, bitte nicht.
_________________
"Das Leben des Starken erfüllt seinen Sinn, das des Schwachen seinen Zweck".
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AgentProvocateur
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Anmeldungsdatum: 09.01.2005
Beiträge: 7851
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Beitrag(#1412220) Verfasst am: 03.01.2010, 00:29    Titel: Antworten mit Zitat

Tja, tut mir leid, wenn das darauf hinausläuft, aber das tut es nun mal.

Erinnert mich an folgendes Gebet:

"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

MSS ändert das nun anscheinend wie folgt ab:

"Gib mir die Kraft, alles, völlig egal was, in eine Leichtigkeit des Seins umzuinterpretieren, weil ich ja eh nix an dem gegebenen Ablauf ändern kann."

Bin zwar Atheist, aber damit kann ich nichts anfangen (allerdings, nur mal so, kenne ich auch eine gewisse Gläubige, die genau das vertritt, scheint also nichts Atheisten-Spezifisches zu sein). Da sagt mir viel eher das obige Gebet zu, das mir einen Handlungspielraum zugesteht, was nämlich meiner Ansicht nach sehr viel näher an der Realität liegt, als die ewige Behauptung: Du bist determiniert, also füge Dich in Dein Schicksal und lache nur darüber, mehr kannst Du nicht erwarten, kannst eh nix machen.

Und wie man das auch nur in die Nähe der hübschen Polemik von Russell bringen kann, ist mir mehr als unklar.

Und selbst wenn ich hundertmal aufgrund meiner Biologie ein Idiot, nichtswissend und dumm bin, (was ich nie abstreiten werde), dann gilt das logischerweise für alle anderen ebenso.

Grundlage jedes Diskurses ist es mAn aber, dass man den anderen als eigenständig entscheidendes Wesen ansieht. Zumindest muss das jemand tun, der Geltung (abseits von Macht + Gewalt) für seine Aussagen beansprucht. Und wer das nicht schnallt, wer Aussagen einfach nur so tätigt, weil er meint, das habe die Vergangenheit so bestimmt, der lügt sich selber in die Tasche oder er ist nicht zurechnungsfähig. So einfach ist das. Und wer die Grundlagen eines Diskurses nicht akzeptiert, der kann auch keinen für sich beanspruchen, den kann man nicht ernst nehmen, ich wüsste jedenfalls nicht, wieso überhaupt.

Und wieso daraus überhaupt eine "Leichtigkeit des Seins" folgen sollte, ist mir auch unklar. Ich würde mich jedenfalls nicht trauen, diese gegenüber solchen, die vom Schicksal benachteiligt sind, zu vertreten, denn ich sehe kein Argument dafür.
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Kramer
postvisuell



Anmeldungsdatum: 01.08.2003
Beiträge: 28698

Beitrag(#1412228) Verfasst am: 03.01.2010, 01:03    Titel: Antworten mit Zitat

AgentProvocateur hat folgendes geschrieben:
Tja, tut mir leid, wenn das darauf hinausläuft, aber das tut es nun mal.


Du beginnst das neue Jahr aber volle Pulle sadomasochistisch. Wie willst Du das steigern?
_________________
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AgentProvocateur
registrierter User



Anmeldungsdatum: 09.01.2005
Beiträge: 7851
Wohnort: Berlin

Beitrag(#1412229) Verfasst am: 03.01.2010, 01:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hehe, da ist was dran. Will ich erst mal nicht steigern.
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Johnnyboy
Stück Scheiße



Anmeldungsdatum: 26.06.2005
Beiträge: 2562
Wohnort: Babylon

Beitrag(#1412232) Verfasst am: 03.01.2010, 01:42    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Und selbst wenn ich hundertmal aufgrund meiner Biologie ein Idiot, nichtswissend und dumm bin, (was ich nie abstreiten werde), dann gilt das logischerweise für alle anderen ebenso.


Wobei man hier beachten sollte, dass wenn Punkt 1 (Ich bin aufgrund meiner Biologie ein Idiot) zutrifft, Punkt 2 (dann gilt das logischerweise für alle anderen) zwar nicht notwendigerweise falsch, aber doch immens relativiert wird.
_________________
"Das Leben des Starken erfüllt seinen Sinn, das des Schwachen seinen Zweck".
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Valen MacLeod
Antitheist



Anmeldungsdatum: 11.12.2004
Beiträge: 6172
Wohnort: Jenseits von Eden

Beitrag(#1419883) Verfasst am: 20.01.2010, 13:27    Titel: Antworten mit Zitat

AgentProvocateur hat folgendes geschrieben:

"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."


Warum braucht man Gott um diese Fähigkeit zu erlangen? Klar ist es einfacher, wenn man sie sich einfach von seinem Gott schenken lässt. Aber das bedeutet in keinster Weise, dass sie dem Gottbefreiten oder dem Gottlosen verwehrt wäre.

Zitat:
"Mag ich die Gelassenheit finden, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."


Und schwuppdiwupp funktionierts auch ganz ohne Götter.

So oder so fragt man sich: Wo bleibt denn die Änderung!?

De Frage nach der Willensfreiheit. Hmmm...

Was wäre man ohne? Dann wäre auch mit Gott alles sinnlos. Also ist man als denkendes Wesen gezwungen diese einfach vorauszusetzen.
_________________
V.i.S.d.P.:Laird Valen MacLeod (Pseudonym!)
"... Wenn das hier das Haus Gottes ist, Junge, warum blühen hier dann keine Blumen, warum strömt dann hier kein Wasser und warum scheint dann hier die Sonne nicht, Bürschchen?!" <i>Herman van Veen</i>
Das Schlimme an meinen Katastrophenszenarien ist... dass ich damit über kurz oder lang noch immer Recht behielt.
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