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DDR - Erziehung/ Indoktrination/ Ausgrenzung
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Asz
WiW (Weib im Web)



Anmeldungsdatum: 31.01.2008
Beiträge: 2431
Wohnort: Berlin

Beitrag(#1452375) Verfasst am: 30.03.2010, 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
@wuffi
...
Dafür, dass die historische Bewertung dieser Figuren zwiespältig ausfällt, können die Denkmäler Rauchs nichts.


Zu diesem Thema fällt mir immer die Moltke-Diskussion in der "Aula" ein. Gröhl... Und gleich darauf der Bischof mit dem Tomatenwein.
Kann ich hier übrigens nur empfehlen, die Stelle, als die Protagonisten ihren Austritt aus der Kirche erklären und der Bischof mit ihnen Tomatenwein trinkt. Gröhl...
_________________
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(Marie von Ebner-Eschenbach)
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
Beiträge: 5125
Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1452407) Verfasst am: 30.03.2010, 21:42    Titel: Antworten mit Zitat

@Asz

Zu Deiner sehr interessanten Jugendgeschichte, wenn Du willst, hier später einige Anmerkungen, ansonsten PN.

Zur "Aula" und zu Hermann Kant. Die "Aula" ist natürlich auch heute noch Kult. Quasi Rieck, der in den Westen gegangene FDJler, als Wirt in einer heruntergekommenen Hamburger Kneipe, in der er auf die Frage nach der Speisekarte ausweichend antwortet, dass sie in der Küche gerade noch überlegen, wie Bockwurst geschrieben wird.

Ich kannte noch "Das Impressum" und den stark autobiographischen "Der Aufenthalt" (in polnischer Kriegsgefangenschaft). Der "Dritte Nagel" aber ging mir dann gehörig auf den Wecker wegen dieser zur Manie gewordenen witzelnden Schreibweise. Ja, 1989 gehörte das ZK-Mitglied Kant zu den ersten, die sich der öffentlichen Diskussion stellten. Aber immer mit diesem Unterton "Ja, ich weiß, da war noch etwas anderes, aber wir kommen schon drüber weg."
Ich mache nicht einmal seine Haltung 1976 in erster Linie zum Vorwurf, er mag tatsächlich davon überzeugt gewesen sein, dass sich Biermann dem "Gegner" angedient habe. Aber etwas mehr Einsicht - nicht Reue - hätte ihm gut gestanden.
Und am 4. November waren dann Christa Wolf (die ich am Anfang in den 1970er Jahren nicht leiden konnte, weil sie selbstverständlich die Honorare aus dem Westen einstrich, dafür auf ihrem mecklenburgischen Landgut im "einfachen Landleben" badete, während in Berlin schon der Teufel los war; ich tat ihr Unrecht) und Stefan Heym und Christoph Hein auf dem Alexanderplatz. Und als sich in das Kesseltreiben gegen Gregor Gysi bereits wieder antisemitische Töne mischten, besuchte St. Heym ihn demonstrativ, um ihm seine Solidarität zu bekunden.
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HomoCarnula
Brezokoff



Anmeldungsdatum: 08.02.2008
Beiträge: 665
Wohnort: Berlin

Beitrag(#1452418) Verfasst am: 30.03.2010, 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab nur *rechne* ~9 Jahre meiner Kindheit in der DDR verbracht, kann aber (bis auf meine völlig bescheuerte Lehrerin in der 1.-4.... die sicher auch in der BRD bescheuert gewesen wäre) nur positives sagen.
Ich hab keine Ahnung gehabt wie der Generalfeldmarschallvonundzuhastenichtgesehen geheissen hat Geschockt ich mochte die russischen Soldaten, die die ich traf, hatten Geschenke dabei Lachen Verlegen, ich liebte "Der kleine Trompeter" heiss und innig, und habe auch gerade wieder die Melodie im Kopf, und fand nichts schlimmes an den Pioniergesetzen.

Die Christen, die ich kannte, zumindest in meiner Klasse die eine... waren merkwürdig. Ich bin zu einem Geburtstag von der Klassenkameradin eingeladen worden, und wurde regelrecht gezwungen, beim Tischgebet teilzunehmen. Das hat in mir instinktiven Widerstand ausgelöst.

Ich mochte den Sportunterricht nicht, wahrscheinlich weil ich die Beweglichkeit eines Bambusstammes der in Stahl eingekleidet ist hatte. Dadurch bin ich beim Turnunterricht negativ aufgefallen, und mir machte es definitiv keinen Spass, dass man mich zu Leistungen zwingen wollte, die ich nicht erbringen konnte/wollte.

Das Pionierwesen hatte schon etwas religiöses... aber ich mochte es. Ich mochte meine Goldene Eins, die mir der doofe Polizist wieder abgenommen hat, nachdem ich nach der Prüfung vor Freude vor ein Auto lief Geschockt

Meine Oma hat mir öfter erzählt, dass ich weinend zu ihr kam und meinte "Die haben erzählt dass Honecker ein Verbrecher ist", als sich dann die Zeiten änderten. Und ich glaube, damals hab ich gelernt, dass Ideale einen nirgendwohin bringen. Alles ändert sich plötzlich... die ganze Welt ist anders, obwohl sich *äusserlich* nichts geändert hat. Daran knabber ich im Endeffekt immer noch. Aber das ist bei dem Alter damals wohl auch verständlich... wenn dir von heut auf morgen erklärt wird, dass alles falsch und schlecht ist, was du vorher gemacht hast.

Von Repressalien hab ich (ausser bei besagter doofen Lehrerin) nichts mitbekommen. Und ich wage zu behaupten, dass man das in dem Alter (sofern es nicht den eigenen Familienbereich betrifft) auch nicht für sowas Augen hat. Weder hab ich mit 8 gedacht, dass Lieder Indoktrination seien oder sonstiges.
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Ste videli lepote, ko jutro naredi srebrne bisere rose
Ste videli lepote, ko sredi noči zapiha veter samote


Siddharta - slowenische Musik
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Femina
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Anmeldungsdatum: 24.07.2005
Beiträge: 1038

Beitrag(#1452439) Verfasst am: 30.03.2010, 22:27    Titel: Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Femina hat folgendes geschrieben:
@Telliamed: Zu diesen ganzen politischen Hintergründen aus dieser Zeit kann ich fast gar nichts sagen, weil ich Politik bewusst abgeblockt habe. Sie war langweilig und nervig. Berichte über Krieg, ... usw. haben mir schon beim Sehen einiger Bilder Angst gemacht, habe ich stets sofort abgeschaltet. Erst nach der Wende begann ich mich für Politik zu interessieren, weil es plötzlich spannend und interessant wurde.


Da waren die Kriegsbilder aus Belgrad und Irak plötzlich interessant oder wie?

Skeptiker


Nee, natürlich nicht. Die spannenden Berichte aus der ersten Zeit waren die über die DDR und über das, was wir vorher alles nicht wussten. Danach hatte sich für mich irgendwie eine Tür zum Politikinteresse geöffnet. Es gab ja auch so Vieles, womit man erstmal klar kommen musste. Wie funktioniert das neue system jetzt? Das bekam man ja auch über die Nachrichten mit. Heute interessiert mich insbesondere der sozialpolitische Bereich. Etwas, worum sich meine Eltern wohl weniger sorgen gemacht haben.

@ASZ: Wir hatten auch mittwochs Hausaufgaben auf. Traurig
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wuffi
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Anmeldungsdatum: 23.12.2009
Beiträge: 1256

Beitrag(#1452453) Verfasst am: 30.03.2010, 22:41    Titel: Antworten mit Zitat

@ Talliamed , vieleicht reden wir aneinander vorbei . Ich meinte den propagandistischen Aufwand der im Zusammenhang mit der Neu- und Wiedererrichtung der Denkmäler betrieben wurde . Es hätte auch ohne dem gehen können , ausser Biermann hat sich ja auch keiner an den preussischen Adlern an der Weidendammer Brücke gestört . Das mit dem alten Fritz war doch der Höhepunkt , es muss Ende der 70 er gewesen sein ? Du bist doch gut in Geschichte
Ich hatte den Eindruck hier sollten alte Geister beschwört werden
Was homo carnula beschrieb musste ich oft denken , alles was du gemacht gelernt und gedacht hast ist plötzlich falsch . Wer soll das an den Kindern wieder gut machen , hatte einen Neffen in dem Alter
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Asz
WiW (Weib im Web)



Anmeldungsdatum: 31.01.2008
Beiträge: 2431
Wohnort: Berlin

Beitrag(#1452562) Verfasst am: 31.03.2010, 09:30    Titel: Antworten mit Zitat

Femina hat folgendes geschrieben:
...

@ASZ: Wir hatten auch mittwochs Hausaufgaben auf. Traurig


Boah, das war gemein!
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Asz
WiW (Weib im Web)



Anmeldungsdatum: 31.01.2008
Beiträge: 2431
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Beitrag(#1452565) Verfasst am: 31.03.2010, 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
@Asz

Zu Deiner sehr interessanten Jugendgeschichte, wenn Du willst, hier später einige Anmerkungen, ansonsten PN.

Zur "Aula" und zu Hermann Kant. Die "Aula" ist natürlich auch heute noch Kult. Quasi Rieck, der in den Westen gegangene FDJler, als Wirt in einer heruntergekommenen Hamburger Kneipe, in der er auf die Frage nach der Speisekarte ausweichend antwortet, dass sie in der Küche gerade noch überlegen, wie Bockwurst geschrieben wird.



Ich komm aus Greifswald. Das erklärt ja wohl fast alles. Außerdem kannten meine Eltern die Originale der Kantschen Protagonisten.
Ich bin übrigens beim "Aufenthalt" ausgestiegen. Das war für mich der Höhepunkt des Manierismus und völlig undurchschaubar.
Ich fand den Roman auch propagandistisch - und zwar hatte ich den Eindruck, als wenn Kant sich zwingen mußte, dieses Buch mit diesen Intentionen zu schreiben. Daher die Wortspielereien. Es wirkte völlig unehrlich.
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
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Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1452571) Verfasst am: 31.03.2010, 09:44    Titel: Antworten mit Zitat

@wuffi

Zitat:
@ Talliamed , vieleicht reden wir aneinander vorbei . Ich meinte den propagandistischen Aufwand der im Zusammenhang mit der Neu- und Wiedererrichtung der Denkmäler betrieben wurde .


Ich wollte nur die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen, aus dem Stegreif zu "pransen", wie der sächsische Ausdruck meiner Eltern für nerv lautete. Das wiederum hängt damit zusammen, dass mir als altem Sack vor allem die 1960/1970er Jahre lebhaft vor Augen stehen, und zwar gerade jetzt in Verbindung mit einer bevorstehenden Abiturfeier, und ich gern ins Erzählen abrutsche.

Die Bronzestatuen Rauchs in Berlin wurden eher klammheimlich enthüllt.

Was den militaristischen Aufwand betrifft, so war er zwar in der DDR höher, aber auch die "finale Vergruftung" des Preußenkönigs Friedrich II. neben seinen Lieblingshunden in Potsdam-Sanssouci 1991, in Anwesenheit von Präsident und Bundeswehr mit klingendem Spiel, war nicht ohne. Oder die Verabschiedung Helmut Kohls mit dem "Großen Zapfenstreich" vor der Kulisse des Speyerer Domes.

Die Antwort @Feminas auf die Frage nach dem Erwachen des Interesses für Politik hätte ich fast vorausgesehen. Erst nach 1990 wurde deutlich, was alles an sozialen Errungenschaften in der DDR, die man zuvor für selbstverständlich gehalten hat, nicht mehr da war.
Sofort sind dann allerdings möglicherweise welche zur Stelle, die irgendwie "Dankbarkeit" einfordern, obwohl die Ereignisse in der DDR ihren Ausgangspunkt hatten, die 1989 ihren Höhepunkt fanden (ich suche sowohl den Begriff der "Revolution" als auch den der "Wiedervereinigung" zu vermeiden). Was nützt die schönste Reisefreiheit, wenn man kein Geld dafür hat, weil man auf Hartz.IV ist.
Man kann zwar jetzt gefahrlos sagen, dass Westerwelle ein ... ist, aber versuch mal im Betrieb zu sagen, dass Dein Chef ein ... ist. Die Zeiten sind mitnichten vorbei, in denen man sich sehr genau überlegen muss, was man in welcher Umgebung sagt.

@Asz
Völlig konform, was den "späten" Hermann Kant betrifft.
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
Beiträge: 5125
Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1452575) Verfasst am: 31.03.2010, 09:49    Titel: Antworten mit Zitat

@Asz

Mir hat mal einer erzählt, dass er das Vorbild für den Trullesand abgegeben hätte. Der wurde auch nach China verfrachtet und mit einer Frau verbandelt, die ich ebenfalls kennenlernte.
Seine jahrelangen Erfahrungen in China verarbeitete er in einem Buch über die dortige Arbeiterklasse im 20. Jahrhundert. Aber wie das bei literarischen Vorbildern so ist, können auch mehrere Modell gestanden haben.

So wie die "Fischköppe" aus dem Norden für uns als "Kasperkopfschnitzer" titulierte Thüringer. fool
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Wilson
zwischen gaga und dada



Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 11219
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Beitrag(#1452602) Verfasst am: 31.03.2010, 11:11    Titel: Antworten mit Zitat

Die Gesetze der Thälmannpioniere

Wir Thälmannpioniere
lieben unser sozialistisches Vaterland, die Deutsche Demokratische Reublik. In Wort und Tat ergreifen wir immer und überall Partei für unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat, der ein fester Bestandteil der sozialistischen Staatengemeinschaft ist.

Wir Thälmannpioniere
tragen mit stolz unser rotes Halstuch und halten es in Ehren. Unser rotes Halstuch ist Teil der Fahne der Arbeiterklasse. Für uns Thälmannpioniere ist es eine große Ehre, das rote Halstuch als äußeres Zeichen unserer engen Verbundenheit zur Sache der Arbeiterklasse und ihrer Partei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, zu tragen.

Wir Thälmannpioniere
lieben und achten unsere Eltern. Wir wissen, daß wir unseren Eltern viel verdanken. Wir befolgen ihren Rat und helfen ihnen immer. Wir wollen bewußte Gestalter der sozialistischen Gesellschaft werden.

Wir Thälmannpioniere
lieben und schützen den Frieden und hassen die Kriegstreiber. Durch fleißiges Lernen und durch gute Taten stärken wir den Sozialismus und helfen den Friedenskräften der ganzen Welt. Wir treten immer und überall gegen die Hetze und die Lügen der Imperialisten auf.

Wir Thälmannpioniere
sind Freunde der Sowjetunion und aller sozialistischen Bruderländer und halten Freundschaft mit allen Kindern der Welt. Die Freundschaft zur Sowjetunion ist uns Herzenssache. Die Leninpioniere sind unsere besten Freunde. Wir arbeiten eng mit den Pionieren der sozialistischen Länder und allen fortschrittlichen Kinderorganisation in der Welt zusammen. Wir üben aktive Solidarität mit allen um ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpfenden Völker.

Wir Thälmannpioniere
lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert. Wir eignen uns gründliche Kenntnisse und Fertigkeiten an und treten überall für Ordnung, Disziplin und Sauberkeit ein. Wir sorgen dafür, das jeder ehrlich lernt, sein Wissen anwendet und bei ihm Wort und Tat übereinstimmen. So bereiten wir uns auf das Leben und die Arbeit in der sozialistischen Gesellschaft vor.

Wir Thälmannpioniere
lieben die Arbeit, achten jede Arbeit und alle arbeitenden Menschen. Wir lernen von den Arbeitern, Genossenschaftsbauern und den anderen Werktätigen und packen schon heute bei jeder Arbeit mit zu, wo immer es auf unsere Hilfe ankommt. Wir schützen das Volkseigentum.

Wir Thälmannpioniere
lieben die Wahrheit, sind zuverlässig und einander freund. Wir streben immer danach, die Wahrheit zu erkennen, und treten für den Sozialismus ein. Wir erfüllen die von uns übernommenen Aufgaben und stehen zu unserem Pionierwort. Wir sorgen dafür, daß unsere Gruppe eine feste Gemeinschaft wird, und helfen kameradschaftlich jedem anderen Schüler.

Wir Thälmannpioniere
machen uns mit der Technik vertraut, erforschen die Naturgesetze und lernen sie Schätze der Kultur kennen. wir interessieren uns für das Neue in Wissenschaft und Technik. Wir nehmen an naturwissenschaftlich-technichen Staffeln teil, betätigen uns künstlerisch, fördern die Talente und beweisen unser Können.

Wir Thälmannpioniere
halten unseren Körper sauber und gesund, treiben regelmäßig Sport und sind fröhlich. Wir stählen unseren Körper bei Sport, Spiel und Touristik. Wir interessieren uns für die Schönheiten unserer Heimat und wandern gern. Wir rauchen und trinken keinen Alkohol.

Wir Thälmannpioniere
bereiten uns gut darauf vor, gute Mitglieder der Freien Deutschen Jugend zu werden. Wir interessieren uns für die Geschichte des sozialistischen Jugendverbandes und die Taten der FDJ-Mitglieder. Ihre hervorragenden Leistungen sind uns Vorbild und Ansporn. Wir verwirklichen mit ihnen gemeinsame Vorhaben.
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"als ob"
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Telliamed
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Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1452616) Verfasst am: 31.03.2010, 11:42    Titel: Antworten mit Zitat

@Wilson

Das sind jetzt elf Gebote, eines mehr als die 10 Gebote der Kirche, gepostet um 11 Uhr 11! Geschockt

"Wir interessieren uns für die Schönheiten unserer Heimat und wandern gern." Passt.

Aber dann, ich habe gleich danach gesucht und den Rest nur überflogen:
Am meisten beeindruckte mich schon damals in Nr. 10:
Zitat:
Wir rauchen und trinken keinen Alkohol.

Bei Dir ist ein wichtiges Wörtchen weggelassen: zwinkern

Zitat:
"Wir rauchen nicht und trinken keinen Alkohol."
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Asz
WiW (Weib im Web)



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Beitrag(#1452619) Verfasst am: 31.03.2010, 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
@Wilson

Das sind jetzt elf Gebote, eines mehr als die 10 Gebote der Kirche, gepostet um 11 Uhr 11! Geschockt

"Wir interessieren uns für die Schönheiten unserer Heimat und wandern gern." Passt.

Aber dann, ich habe gleich danach gesucht und den Rest nur überflogen:
Am meisten beeindruckte mich schon damals in Nr. 10:
Zitat:
Wir rauchen und trinken keinen Alkohol.

Bei Dir ist ein wichtiges Wörtchen weggelassen: zwinkern

Zitat:
"Wir rauchen nicht und trinken keinen Alkohol."


Arrrgh! Ohnmacht
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
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Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1452621) Verfasst am: 31.03.2010, 11:46    Titel: Antworten mit Zitat

Und weil es so schön war, gleich noch die

"Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik " aus den Zeiten Walter Ulbrichts:*

http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote_der_sozialistischen_Moral_und_Ethik


*Sein Vorname zeigt, wie wichtig der Buchstabe "W" im Alphabet ist. Wie würde es denn sonst lauten: Walter Ulbricht, Waffenbrüderschaft ...
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fwo
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Anmeldungsdatum: 05.02.2008
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Beitrag(#1452696) Verfasst am: 31.03.2010, 14:36    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
@Wilson

Das sind jetzt elf Gebote, eines mehr als die 10 Gebote der Kirche, gepostet um 11 Uhr 11! Geschockt

"Wir interessieren uns für die Schönheiten unserer Heimat und wandern gern." Passt.

Aber dann, ich habe gleich danach gesucht und den Rest nur überflogen:
Am meisten beeindruckte mich schon damals in Nr. 10:
Zitat:
Wir rauchen und trinken keinen Alkohol.

Bei Dir ist ein wichtiges Wörtchen weggelassen: zwinkern

Zitat:
"Wir rauchen nicht und trinken keinen Alkohol."

Das ist überinterpretiert und war bestimmt nicht so gemeint, weil das ein zu offensichtlicher Affront gegenüber den Genossen aus der Sowietunion gewesen wäre. Das sollte wohl schon so heißen und bedeutet einfach, das der Alkohol nicht gleichzeitig geraucht und getrunken werden soll. zwinkern

fwo
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Ich glaube an die Existenz der Welt in der ich lebe.

The skills you use to produce the right answer are exactly the same skills you use to evaluate the answer. Isso.

Es gibt keinen Gott. Also: Jesus war nur ein Bankert und alle Propheten hatten einfach einen an der Waffel.
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
Beiträge: 5125
Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1452761) Verfasst am: 31.03.2010, 15:54    Titel: Antworten mit Zitat

@fwo

Na in der Sowjetunion, so in Karelien, sind die Schamanen sogar auf Fliegenpilz abgefahren, der bei uns nur als ästhetisch wertvolle Zierde neben dem Gartenzwerg steht.

Aber so etwas wie diese zehn oder elf Gebote haben die Genossen in der SU dann doch nicht hingekriegt. Die Kartechismen waren ein Import aus dem lateinischen Europa und haben sich an der Basis, in den Städten und Dörfern, nie richtig durchgesetzt. Beliebt blieb hingegen bis heute die "rote Ecke" in der Hütte, wo früher die Ikone hing, und der sich der Gast zuerst mit Ehrfurcht zuneigte.
Um den Hals tragen dort auch viele AtheistInnen ein kleines Amulett mit Heiligenmotiven, eine Erinnerung an eine besonders geschätzte Person, wie Mutter oder Geliebter, außerdem kann man ja nie wissen, ob es nicht doch hilft.
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Religionskritik-Wiesbaden
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Anmeldungsdatum: 04.11.2008
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Wohnort: Wiesbaden

Beitrag(#1453472) Verfasst am: 01.04.2010, 23:56    Titel: Produkt: Staatskind Antworten mit Zitat

Heute (01.04) kam auf ZDF-Info die folgende Doku:

Produkt: Staatskind

Zitat:
Produkt: Staatskind
Das Kinderkombinat in der Königsheide Film von Konrad Herrmann
In der Königsheide im östlichen Teil Berlins entstand 1953 das größte Kinderheim der DDR. Später bekannt auch unter dem Namen Kinderkombinat A.S. Makarenko . Gut 6.000 Kinder sind bis 1981 dort aufgewachsen. Nicht wenige haben dort ihre ganze Kindheit und Jugend verbracht. Anfangs erbaut, um Kriegswaisen unterzubringen, avancierte die Erziehungsanstalt schnell zum Vorzeigeheim der DDR. Hier sollte ab Mitte der 60er Jahre unter der Parole: Idealheim in einem Idealstaat der ideale sozialistische Mensch herangezogen werden - das Staatskind.


Die Doku kommt bestimmt demnächst nochmal.
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Derzeit ohne Untertitel
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
Beiträge: 5125
Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1468420) Verfasst am: 04.05.2010, 21:54    Titel: Antworten mit Zitat

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=14644

Der hier rezensierte Sammelband untersucht die "forcierte" Säkularität in der DDR. Sie wird daran gemessen, wie schnell, innerhalb von drei Jahrzehnten, sich ein Großteil der Bevölkerung von den Kirchen abwandte.
Das kann nicht allein auf staatlichen Druck zurückgeführt werden. Zu Recht wird in dem Band auf die wichtige Rolle der Familien hingewiesen, was ich anhand der Erfahrungen meiner Familie in drei Freidenker-Generationen bestätigen kann.

Schlimm ist dieser Soziologen-Neusprech in der Rezension, sollte er auch in dem Buch vorherrschen, dann gute Nacht: Mit den Augen rollen

Zitat:
machen so den Prozess der Generationenbildung sichtbar, der in kommunikativen Aushandlungsprozessen innerhalb der Familie über Strategien der Überblendung, Externalisierung oder Problematisierung von Unterschieden aufscheint. Die „Familie als Verweisungszusammenhang milieutypischer Selbstverständlichkeiten“ (S. 65)


Zitat:
die These von der Aneignung forcierter Säkularität als Habitus im Prozess familialer Tradierung


Zitat:
eine Theorie mittlerer und großer Transzendenzen. In den mittleren Transzendenzen, die Fragen nach Sinnhaftigkeit und Identität in einem von christlicher Semantik weitgehend entleerten Raum verhandeln,

Brrr

So was braucht man heutzutage wahrscheinlich, um sich als gebildet auszuweisen.

Wobei sich die Autoren als durchaus anschlußfähig an die im Westen vorherrschende Kultivierung christlicher Werte erweisen, die Orientierung an der Wissenschaft war dann natürlich nur der ideologischen Verblendung der SED-Funktionäre geschuldet. Mit den Augen rollen Dass man sich in der DDR auch an den Traditionen des französischen Atheismus des 18. Jh., Ludwig Feuerbachs und anderer antireligiöser Denker orientierte, wird es in dem Band erwähnt?
Jede Generation entdeckt Altes wieder neu, für manche scheint die Geschichte der Säkularisierung erst mit dem 20. Jahrhundert einzusetzen.
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wuffi
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Anmeldungsdatum: 23.12.2009
Beiträge: 1256

Beitrag(#1468523) Verfasst am: 05.05.2010, 02:21    Titel: Antworten mit Zitat

Das sind meist solche Leute die in Medien als Experten auftreten Nahost - Terrorismus- oder DDR Experten und nur schlaue Bücher gelesen haben . Ich werd mir das mit Sicherheit nicht antun .
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Landei
Gesinnungspolizist



Anmeldungsdatum: 27.02.2011
Beiträge: 1151
Wohnort: Sandersdorf-Brehna

Beitrag(#1693520) Verfasst am: 03.10.2011, 17:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ist zwar Thread-Fledderei, aber bei einem interessanten Thema...

Meine Kindheit verlief in einem interessanten Spannungsfeld: Meine Eltern waren beide atheistisch, aber mein Vater war als Richter natürlich in der Partei und bis zu einem gewissen Grade "überzeugt", und meine Mutter bot Paroli. Die materialistische Weltsicht habe ich nie in Frage gestellt - Fragen nach der Religion wurden recht ehrlich beantwortet, aber ich fand das Gedankensystem nicht besonders schlüssig. Bei der politischen Frage neigte ich eher zu meiner Mutter. Sie stammte von der thüringisch-hessischen Grenze, und ich besuchte den Ort hin und wieder mit meiner Oma, weil die Urgroßeltern noch dort lebten. An der Werra zu stehen, die Ortsnamen auf der anderen Seite genannt zu bekommen - und wer von der Verwandschaft dort wohnt - hat mich viel tiefer geprägt als alles Pionierzeugs.

In der Schule hatte ich keine Probleme, ich habe den ganzen Kram mitgemacht - schließlich wollte ich ja einen Studienplatz. Den Unterricht fand ich gut, und die Indoktrination hielt sich in Grenzen.

Honneckers Entmachtung habe ich in einem moskauer Hotel angesehen, es war die Abschlussfahrt der zehnten Klasse. Als der Rückflug gestrichen wurde und es mit der Bahn zurückging, hat ein Lehrer in Warschau "Das mir jetzt keiner [in die Botschaft] abhaut!" rausgehauen, aber darüber nachgedacht habe ich schon.
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soulreaver
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Anmeldungsdatum: 08.11.2007
Beiträge: 649

Beitrag(#1693524) Verfasst am: 03.10.2011, 18:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das DDR-Bildungssystem war - so meine Wahrnehmung auch damals -ein straff durchorganisiertes Indoktrinationsinstrument mit stark militaristischer Ausrichtung.


Also an eine militaristische Ausrichtung der staatlichen Erziehung kann ich mich als ehemaliger DDR-Bürger nicht erinnern. Zumindest während meiner Zeit als 6-9jähriger. Die Wende kam, als ich 9 war.
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Religion ist das Opium des Volkes!
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Defätist
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Anmeldungsdatum: 09.06.2010
Beiträge: 8557

Beitrag(#1693547) Verfasst am: 03.10.2011, 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin wahrscheinlich so sehr indoktriniert, dass sich die Wahrnehmung und Erinnerung der durch mich selbst erlebten Wiedervereinigung so gar nicht mit dem Jubeltirlilerieuhussa der heutigen Mediendarstellung decken.
Muss also an meiner DDR-Vergangenheit liegen und weil ich indoktrinierter (wenn auch rebellierender und systemkritischer) Jugendlicher war.
Komplett von der Rolle
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Misterfritz
mini - mal



Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 21867
Wohnort: badisch sibirien

Beitrag(#1693554) Verfasst am: 03.10.2011, 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

Defätist hat folgendes geschrieben:
Ich bin wahrscheinlich so sehr indoktriniert, dass sich die Wahrnehmung und Erinnerung der durch mich selbst erlebten Wiedervereinigung so gar nicht mit dem Jubeltirlilerieuhussa der heutigen Mediendarstellung decken.
Muss also an meiner DDR-Vergangenheit liegen und weil ich indoktrinierter (wenn auch rebellierender und systemkritischer) Jugendlicher war.
Komplett von der Rolle

also, ich bin nicht indoktriniert worden, jedenfalls nicht wirklich deutlich. trotzdem habe ich weder gejubelt, als die mauer geöffnet wurde und schon gar nicht zu "wiedervereinigung".
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I'm tapping in the dusternis
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Defätist
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Beitrag(#1693631) Verfasst am: 04.10.2011, 08:40    Titel: Antworten mit Zitat

Misterfritz hat folgendes geschrieben:
Defätist hat folgendes geschrieben:
Ich bin wahrscheinlich so sehr indoktriniert, dass sich die Wahrnehmung und Erinnerung der durch mich selbst erlebten Wiedervereinigung so gar nicht mit dem Jubeltirlilerieuhussa der heutigen Mediendarstellung decken.
Muss also an meiner DDR-Vergangenheit liegen und weil ich indoktrinierter (wenn auch rebellierender und systemkritischer) Jugendlicher war.
Komplett von der Rolle

also, ich bin nicht indoktriniert worden, jedenfalls nicht wirklich deutlich. trotzdem habe ich weder gejubelt, als die mauer geöffnet wurde und schon gar nicht zu "wiedervereinigung".

Genau. Es war eher eine nachdenkliche Grundstimmung, da es sich um eine "Reise ins Ungewisse" handelte, welche mit jeder Menge Zukunftsängsten belastet war. Die am gestrigen Tag teilweise ausgestrahlten Inszenierungen auf privaten Sendern und auch im Radio gaben das nicht einmal mehr ungenügend wieder.
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Telliamed
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Beitrag(#1693637) Verfasst am: 04.10.2011, 09:24    Titel: Antworten mit Zitat

Landei hat folgendes geschrieben:
Ist zwar Thread-Fledderei, aber bei einem interessanten Thema...

Meine Kindheit verlief in einem interessanten Spannungsfeld: Meine Eltern waren beide atheistisch, aber mein Vater war als Richter natürlich in der Partei und bis zu einem gewissen Grade "überzeugt", und meine Mutter bot Paroli. Die materialistische Weltsicht habe ich nie in Frage gestellt - Fragen nach der Religion wurden recht ehrlich beantwortet, aber ich fand das Gedankensystem nicht besonders schlüssig. Bei der politischen Frage neigte ich eher zu meiner Mutter. Sie stammte von der thüringisch-hessischen Grenze, und ich besuchte den Ort hin und wieder mit meiner Oma, weil die Urgroßeltern noch dort lebten. An der Werra zu stehen, die Ortsnamen auf der anderen Seite genannt zu bekommen - und wer von der Verwandschaft dort wohnt - hat mich viel tiefer geprägt als alles Pionierzeugs.

In der Schule hatte ich keine Probleme, ich habe den ganzen Kram mitgemacht - schließlich wollte ich ja einen Studienplatz. Den Unterricht fand ich gut, und die Indoktrination hielt sich in Grenzen.

Honneckers Entmachtung habe ich in einem moskauer Hotel angesehen, es war die Abschlussfahrt der zehnten Klasse. Als der Rückflug gestrichen wurde und es mit der Bahn zurückging, hat ein Lehrer in Warschau "Das mir jetzt keiner [in die Botschaft] abhaut!" rausgehauen, aber darüber nachgedacht habe ich schon.


Ich wohnte bis zum 19. Lebensjahr in Erfurt und hatte überhaupt keine Westverwandtschaft. Ob man es glauben will oder nicht: bis 1989 kannte ich niemanden aus dem Westen persönlich. Da hatte ich allerdings insgesamt schon an die anderthalb Jahre in der Sowjetunion gelebt.

In Eisenach war Schluss mit dem Zugfahren in westlicher Richtung, obwohl die Staatsgrenze noch mehr als 10 Kilometer entfernt war. Im Alter von 19 Jahren, als ich schon Student war, holte mich einmal ein Transportpolizist aus dem Zug nach Eisenach, obwohl ich eine Anzugjacke trug und keine langen Haare hatte. Er fragte, wohin ich wollte und wie viel Geld ich bei mir hätte. Meine Antwort, dass ich nur so in den Wald ginge, machte ihn erst recht mißtrauisch, als ich ihm erklärte, dass ich ermitteln wollte, ob in dem südlich von Eisenach gelegenen Wilhelmstal Vorbilder für den Garten in Goethes "Wahlverwandtschaften" anzutreffen seien (von denen er vermutlich noch nie etwas gehört hatte), machte ihn noch unwirscher. Auf der Polizeiwache entließ man mich mit dem Ratschlag, nicht allein durch die Gegend zu streifen
D. h., aus verschiedenen Erlebnissen hatte man verinnerlicht, dass selbst Leute mit Parteiabzeichen einfach angehalten und gefragt werden konnten, wohin sie wollten und was sie in der Aktentasche hätten. Es konnte einfach heißen: "Machen sie ihre Tasche auf!", nicht etwa "Können wir einen Blick in Ihre Tasche werfen?"
Da war es geraten, nicht auf irgendwelche "individuellen Freiheitsrechte" zu pochen.

Übrigens in den Wäldern von Eisenach: Der Forstmeister erklärte, dass man dort Wildschweine mit schwarzen Hausschweinen gekreuzt hätte, damit die nicht so schnell laufen können, wenn hohe Partei- und Staatsfunktionäre zur Jagd kämen. Lachen

Als Honecker zur Hasenjagd in Erfurt eintraf, bildeten die Genossen, Parteischüler und Gewerkschaftsfunktionäre Spalier. Jeder hatte ein Hasen-Abzeichen am Revers.

Als Präsident Kirchschläger in Erfurt war, wurden Funktionäre der Bezirksparteischule als katholische Geistliche verkleidet, die das abgesperrte Stadtzentrum bevölkern sollten. Sehr glücklich Der österreichische Staatsgast mochte wissen, dass es in Erfurt, Sitz eines katholischen Weihbischofs, besonders viele Geistliche beider Konfessionen gäbe.

Ich höre lieber auf. nee
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Telliamed
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Beitrag(#1693640) Verfasst am: 04.10.2011, 09:44    Titel: Antworten mit Zitat

Defätist hat folgendes geschrieben:
Misterfritz hat folgendes geschrieben:
Defätist hat folgendes geschrieben:
Ich bin wahrscheinlich so sehr indoktriniert, dass sich die Wahrnehmung und Erinnerung der durch mich selbst erlebten Wiedervereinigung so gar nicht mit dem Jubeltirlilerieuhussa der heutigen Mediendarstellung decken.
Muss also an meiner DDR-Vergangenheit liegen und weil ich indoktrinierter (wenn auch rebellierender und systemkritischer) Jugendlicher war.
Komplett von der Rolle

also, ich bin nicht indoktriniert worden, jedenfalls nicht wirklich deutlich. trotzdem habe ich weder gejubelt, als die mauer geöffnet wurde und schon gar nicht zu "wiedervereinigung".

Genau. Es war eher eine nachdenkliche Grundstimmung, da es sich um eine "Reise ins Ungewisse" handelte, welche mit jeder Menge Zukunftsängsten belastet war. Die am gestrigen Tag teilweise ausgestrahlten Inszenierungen auf privaten Sendern und auch im Radio gaben das nicht einmal mehr ungenügend wieder.


Am 3. Oktober 1990 hatten wir bereits die Bemerkungen Älterer zur Kenntnis genommen, die das noch erlebt hatten: "Jetzt wird die Arbeitslosigkeit auf Euch zukommen! Darauf seid Ihr nicht vorbereitet, die habt Ihr nicht kennengelernt. Mal sehen, was dann Eure Abschlüsse noch wert sind!"

Dieser Tag sollte an und für sich Tag besonderer Freude sein - wir gingen in den Grunewald, Pilze sammeln, was so 1989, vor Jahresfrist nicht möglich gewesen wäre, und fanden auch viele. Es war also warm und feucht. Am Abend des 3. Oktober habe ich mich in der Wohnung über eine Flasche hergemacht, so dass meine Frau in Sorge geriet.

Nach dem Wegfall der Parteiherrschaft entstand ein Vakuum bei der Deutung der Geschichte der DDR. Unter Teilnahme von einigen Vertretern der Bürgerrechtsbewegungen wurde ein holzschnittartiges Geschichtsbild installiert, das Einzug in die Schulen und in die Lehre hielt. Dabei waren die Bürgerrechtler ursprünglich nahezu ausnahmslos für eine Verbesserung des Sozialismus und nicht für die vollständige Übernahme eines anderen Staats- und Wirtschaftssystems. Zwischen ihnen gab und gibt es große Unterschiede.
Aber es konnte sich keine Alternative durchsetzen. Den Aufruf "Für unser Land" von 1989 hatte ich nicht mehr unterzeichnet.
Es brach eine lange Phase der Neuorientierung an, die im Grunde bis heute anhält. Günstig, wenn man Lernbereitschaft mitbrachte. Der "Wanderer zwischen den Welten" vergisst nicht, dass er in einem völlig anderen System gelebt hat.

"Indoktrination", sicher die hat es gegeben, und ich sehe auch das sehr starke militärische Element im DDR-Erziehungssystem. Ein militärischer Wortgebrauch, vergleichbar Victor Klemperers "LTI" (was mir einmal 1975 schlagartig auffiel, als ich das Reclam-Büchlein in die Hand bekam) - "Ernteschlacht", nationale "Front", "Kampf um beste Ergebnisse im sozialistischen Wettbewerb", usw., nur "fanatisch" fehlte.

Nur gut, dass diese große Armee keinen Schuß bei der Machtübergabe abzugeben brauchte und sang- und klanglos aufgelöst wurde.
Aber von etlichen Dingen war man auch, je nach Herkunft, überzeugt, ohne dass größere "Indoktrination" nötig gewesen wäre. Das war z. B. die Abscheu vor jeglichem Krieg, das war der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit, das war die selbstverständliche Gleichberechtigung von Frauen. Ich sehe auch heute, ohne die SED, nicht ein, warum es Multimilliardäre und Hartz.IV-Empfänger geben muss, was eine ihren Bebel (seit 1969 bekannte ständige Ausstellung im Parteitagsgebäude in Erfurt von 1891, zu sehen auch Bebels Knotenstock) vergessen habende rosarote und eine christliche staatstragende Partei für völlig normal halten.
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Telliamed
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Beitrag(#1694478) Verfasst am: 07.10.2011, 09:26    Titel: Antworten mit Zitat

Nachdem am 23. Mai 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik beschlossen und sich aus den drei westlichen Besatzungszonen ein neuer Staat konstituiert hatte, erfolgte als Antwort am 7. Oktober 1949 , heute vor 62 Jahren, die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.

Zu Beginn waren etwa 80 Prozent der Bevölkerung kirchlich gebunden. Um 1989 waren 70 Prozent der DDR-Bürger konfessionslos.

Vor mehr als dreißig Jahren versuchten die Hofphilosophen Alfred Kosing
http://www.edition-ost.de/autoren-2/autor/721-Alfred_Kosing.html

http://www.edition-ost.de/programm-2/titel/1024-Im_Schatten_des_Kreuzes.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Buhr

und Manfred Buhr, da sämtliche Wege zur Herstellung einer deutschen Einheit versperrt schienen, die Theorie von einer eigenständigen "sozialistischen Nation in der DDR" zu begründen. Das Wort "national" bis dahin hatte noch in einigen Institutionen und einer Partei überlebt: Nationale Front (darin waren alle Parteien und Massenorganisationen vereint), Nationale Volksarmee und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands, ein 1948 von der SED gegründeter Ableger, um ehemalige Wehrmachtsangehörige, Handwerker und Lehrer zu organisieren. Doch auf welchen Nation-Begriff sollte man sich stützen?
Stalin war derart zur Unperson geworden, dass in den Schulen und Einrichtungen niemand mehr zu sagen vermochte, was im einzelnen mit diesem Staatsführer verbunden war. Er hatte aber die bisher einzige Nationendefinition geliefert. Auf die stützten sich Kosing und Buhr, ohne ihren Schöpfer zu nennen. Die sozialökonomischen und politischen Faktoren der Einheit einer Nation seien vorrangig gegenüber der sprachlichen und kulturellen Einheit. Da sich nun die DDR ökonomisch und politisch grundlegend von der BRD unterschied, war die "sozialistische Nation in der DDR" geboren.

Es wurde aber noch verzwickter. Da sich nach Lenin innerhalb einer Nation eine Kultur der Herrschenden und eine Kultur der Unterdrückten entwickelten, dürfte es nach dieser Lesart schon drei Kulturen in beiden deutschen Staaten gegeben haben, Österreich blieb draußen. Um den Staatsbürgerkundelehrer zu reizen, fragte eine Schülerin ernsthaft, wie es mit der Kultur in der selbständigen politischen Einheit Berlin (West) stehe, die ja bekanntermaßen nicht zur BRD gehöre und nicht von ihr regiert werden dürfe? Heilloses Gestammel und Durcheinander folgten. Mittelalterliche Klosterschüler waren Waisenknaben gegenüber diesen Exegeten der reinen Lehre.


Dafür sah man bei den Paraden der Nationalen Volksarmee am 7. Oktober, wie ernst die Gefährdung des Weltfriedens eingeschätzt wurde. Nachdem die Fußtruppen im preußischen Stechschritt an der Tribüne vorbeimarschiert waren und ihr Grußwort gebrüllt hatten, wurden zu Beginn der 1980er Jahre auch Trägerfahrzeuge gezeigt, von denen atomare Kurz- und dann Mittelstreckenwaffen abgeschossen werden konnten. In Moskau waren das - noch eine Stufe höher - Interkontinentalraketen.

Jeden Mittwoch marschierte die NVA zur Ehrung der Opfer des Faschismus und Militarismus vor dem Schinkelbau von 1816 Unter den Linden auf, seit 1981 am Denkmal Friedrichs des Großen von Rauch vorbei. Und jeden Mittwoch protestierten die westlichen Alliierten gegen diesen illegalen Akt in der entmilitarisierten Stadt, die zur Hauptstadt der DDR erhoben wurde.
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Beitrag(#1694503) Verfasst am: 07.10.2011, 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
... Am 3. Oktober 1990 hatten wir bereits die Bemerkungen Älterer zur Kenntnis genommen, die das noch erlebt hatten: "Jetzt wird die Arbeitslosigkeit auf Euch zukommen! Darauf seid Ihr nicht vorbereitet, die habt Ihr nicht kennengelernt. Mal sehen, was dann Eure Abschlüsse noch wert sind!"
....


Wie viele davon haben zu diesem Zeitpunkt nur ansatzweise verstanden, was die Altvorderen damit meinten? Mahnende Stimmen wurden doch fast durchweg als "linientreue Querulanten" und (schon damals) "lernressistente Kommunisten" abgestempelt.

Meine eigenen Befürchtungen zeigten sich zumindest berechtigt.
Mein Facharbeiterberuf und damit verbunden etliche Qualifikationen waren danach null wert. Unterbezahlung, Lohnausfall und schließlich Kündigung waren die Folge. Qualifikation und tatsächliches Wettbewerbsverständnis spielten gegenüber eingebrachtem Besitz (Land) keine Rolle mehr. Letztendlich spiegelte sich das in der Zerschlagung ganzer funktionierender und noch wettbewerbsfähiger Teilbereiche von Wirtschaftszweigen.

Nicht, dass ich mit meinem Schicksal hadere, mir geht´s jetzt besser als je zuvor. Aber: diesen Zustand hätte man auch mit besserer gegenseitiger Anpassung und Aufrechterhaltung von bewährten Eigenständigkeiten bereits früher erreichen können.
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Telliamed
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Beitrag(#1695433) Verfasst am: 10.10.2011, 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Defätist hat folgendes geschrieben:
Telliamed hat folgendes geschrieben:
... Am 3. Oktober 1990 hatten wir bereits die Bemerkungen Älterer zur Kenntnis genommen, die das noch erlebt hatten: "Jetzt wird die Arbeitslosigkeit auf Euch zukommen! Darauf seid Ihr nicht vorbereitet, die habt Ihr nicht kennengelernt. Mal sehen, was dann Eure Abschlüsse noch wert sind!"
....


Wie viele davon haben zu diesem Zeitpunkt nur ansatzweise verstanden, was die Altvorderen damit meinten? Mahnende Stimmen wurden doch fast durchweg als "linientreue Querulanten" und (schon damals) "lernressistente Kommunisten" abgestempelt.

Meine eigenen Befürchtungen zeigten sich zumindest berechtigt.
Mein Facharbeiterberuf und damit verbunden etliche Qualifikationen waren danach null wert. Unterbezahlung, Lohnausfall und schließlich Kündigung waren die Folge. Qualifikation und tatsächliches Wettbewerbsverständnis spielten gegenüber eingebrachtem Besitz (Land) keine Rolle mehr. Letztendlich spiegelte sich das in der Zerschlagung ganzer funktionierender und noch wettbewerbsfähiger Teilbereiche von Wirtschaftszweigen.

Nicht, dass ich mit meinem Schicksal hadere, mir geht´s jetzt besser als je zuvor. Aber: diesen Zustand hätte man auch mit besserer gegenseitiger Anpassung und Aufrechterhaltung von bewährten Eigenständigkeiten bereits früher erreichen können.


Um die Jahre 1982/83 fielen mir in der Bundesrepublik herausgegebene Bände mit Akten zur deutschen Außenpolitik der 1950er Jahre in die Hände. Darin waren Dokumente abgedruckt, in denen festgehalten wurde, was nach einem "Anschluss" oder einer "Übernahme" der DDR mit ihren Wirtschaftseinheiten zu geschehen habe. Wären diese Pläne verwirklicht worden, hätten nur wenige Jahre zwischen dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes und der von den Westmächten unterstützten Restauration in den Westzonen und einer beginnenden Restitution in der Ostzone gelegen. Doch nach Etablierung der NATO und des Warschauer Vertrages 1954/55 war klar, dass dies ohne Krieg nicht mehr möglich gewesen wäre. Es vergingen Jahrzehnte, in denen in der DDR neue Formen der Vergesellschaftung geschaffen wurden. Am Ende, nach der Beseitigung der halbstaatlichen Betriebe und der Betriebe mit staatlichen Beteiligung 1972 waren 97 Prozent der Betriebe in staatlicher Hand.
Damit war die Herausbildung ganz anderer Berufsbilder verbunden. Auch mein Berufsabschluss wurde nach 1990 nicht anerkannt, und es bedurfte langer Laufereien durch die Ämter. Auf diese neue Lage der vollständigen Verstaatlichung und der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, auf ein völlig anderes Bildungssystem und eine zu drei Vierteln entkirchlichte Bevölkerung, war man 1990 nicht vorbereitet. Und da es die "Kommunisten" waren, die solches in einem Viertel Deutschlands geschaffen hatten, musste alles völlig beseitigt werden, bis auf den idiotischen Rechtsabbiegepfeil aus Zeiten kriechender und keuchender Trabanten, der alterskranken Fußgängern wegen der Raser mit ihren Sonnenbrillen in ihren schnittigen Automobilen Angst machen muß.
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Religionskritik-Wiesbaden
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Beitrag(#2164703) Verfasst am: 25.01.2019, 15:55    Titel: Israel im Schwarzen Kanal Antworten mit Zitat

Interessante Untersuchen im 'Deutschland Archiv' der bpb:

Quelle:
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/284384/israel-im-schwarzen-kanal

Autor:
Clemens Escher

Zitat:

Israel im Schwarzen Kanal
Anhand der Aufzeichnungen und der Sendemanuskripte zu der DDR-Fernsehsendung „Der schwarze Kanal“ beschäftigte sich Clemens Escher mit dem Israelbild, das deren Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler für die DDR-Bürgerinnen und Bürger lieferte. Dabei habe es sich um eine Israelisierung des Antisemitismus gehandelt, wie sie, als Kritik getarnt, auch noch heute vorkomme.(...)

Schnitzlers Analogien zum Nationalsozialismus

Mit schier unerschütterlicher Redundanz bemühte Schnitzler in Sachen Israel NS-Vergleiche und eine Täter-Opfer-Umkehr. Immer wieder lautete die Botschaft: Israel hätte selbst einen Holocaust zu verantworten, würde selbst die Menschen in Unter- und Herrenmenschen separieren, würde selbst, „das Palästinenser-Problem auf zionistische Weise aus der Welt zu schaffen: durch eine ‚Endlösung‘.“[11] So heißt es im September 1982 im Zusammenhang mit dem Libanon-Krieg: „Arik Sharons (alias Ariel Schoenermanns) Blutspur führt vom Suezkanal […]. Araber sind für diese zionistischen Rassisten ‚Untermenschen‘ und Palästinenser gibt es für sie überhaupt nicht, wie Golda Meir einmal gesagt hat. Da ist es nur ein Schritt bis zur ‚Endlösung‘, zum Holocaust.“[12]

Ein dreiviertel Jahr später wird die angebliche Maschinerie spezifiziert: Tötung durch Gas. Quelle war die Nachrichtenagentur „Wafa“, wonach scharenweise Schulmädchen durch israelisches Gas im Westjordanland vergiftet worden seien. Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bereits als Fake-News entlarvt[13], gefiel Schnitzler die Pointe so gut, dass er sie in seinem Magazin brachte: Auch eine Methode des Holocaust, des Völkermords – nachdem die Mörder von Sabra und Shatila trotz Messern, Bajonetten und Massenmord – vornehmlich an palästinensischen Frauen und Kindern – unter israelischen Befehl ihr Ziel nicht erreicht haben. Schwefelhaltiges Gas, (...)



Mmh - in wie weit wohl Geschichtsverdrehung von Rechts in solch indoktrinierter Bevölkerung auf fruchtbaren Boden fällt?
_________________
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Beitrag(#2164706) Verfasst am: 25.01.2019, 16:11    Titel: Re: Israel im Schwarzen Kanal Antworten mit Zitat

Religionskritik-Wiesbaden hat folgendes geschrieben:
Interessante Untersuchen im 'Deutschland Archiv' der bpb:

Quelle:
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/284384/israel-im-schwarzen-kanal

Autor:
Clemens Escher

Zitat:

Israel im Schwarzen Kanal
Anhand der Aufzeichnungen und der Sendemanuskripte zu der DDR-Fernsehsendung „Der schwarze Kanal“ beschäftigte sich Clemens Escher mit dem Israelbild, das deren Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler für die DDR-Bürgerinnen und Bürger lieferte. Dabei habe es sich um eine Israelisierung des Antisemitismus gehandelt, wie sie, als Kritik getarnt, auch noch heute vorkomme.(...)

Schnitzlers Analogien zum Nationalsozialismus

Mit schier unerschütterlicher Redundanz bemühte Schnitzler in Sachen Israel NS-Vergleiche und eine Täter-Opfer-Umkehr. Immer wieder lautete die Botschaft: Israel hätte selbst einen Holocaust zu verantworten, würde selbst die Menschen in Unter- und Herrenmenschen separieren, würde selbst, „das Palästinenser-Problem auf zionistische Weise aus der Welt zu schaffen: durch eine ‚Endlösung‘.“[11] So heißt es im September 1982 im Zusammenhang mit dem Libanon-Krieg: „Arik Sharons (alias Ariel Schoenermanns) Blutspur führt vom Suezkanal […]. Araber sind für diese zionistischen Rassisten ‚Untermenschen‘ und Palästinenser gibt es für sie überhaupt nicht, wie Golda Meir einmal gesagt hat. Da ist es nur ein Schritt bis zur ‚Endlösung‘, zum Holocaust.“[12]

Ein dreiviertel Jahr später wird die angebliche Maschinerie spezifiziert: Tötung durch Gas. Quelle war die Nachrichtenagentur „Wafa“, wonach scharenweise Schulmädchen durch israelisches Gas im Westjordanland vergiftet worden seien. Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bereits als Fake-News entlarvt[13], gefiel Schnitzler die Pointe so gut, dass er sie in seinem Magazin brachte: Auch eine Methode des Holocaust, des Völkermords – nachdem die Mörder von Sabra und Shatila trotz Messern, Bajonetten und Massenmord – vornehmlich an palästinensischen Frauen und Kindern – unter israelischen Befehl ihr Ziel nicht erreicht haben. Schwefelhaltiges Gas, (...)



Mmh - in wie weit wohl Geschichtsverdrehung von Rechts in solch indoktrinierter Bevölkerung auf fruchtbaren Boden fällt?


auf meinen feuchten humus ist sie SO nicht gefallen und schlägt aus, da schlägt der antikommunismus im westen jedenfalls mehr blüten.

so einen quatsch hat man sowieso nicht geschaut, so einen schwarzen-kanal-käse. als jugendlicher sowieso nicht.
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