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Soziale Gerechtigkeit
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3117

Beitrag(#2199526) Verfasst am: 12.01.2020, 18:48    Titel: Re: Trickle-Up Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Ein erstaunlich einfaches Modell, um die Vermögensverteilung in Volkswirtschaften zu beschreiben.
https://www.scientificamerican.com/article/is-inequality-inevitable/

So in aller Kürze:
- selbst wenn alle gleich anfangen und zufällig im Markt agieren, stellt sich unausweichlich eine extreme Oligarchie ein
- die Möglichkeit, Schulden zu machen, ändert das nicht prinzipiell
- einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist eine signifikante Umverteilung
- die Mechanismen sind äquivalent zu Phasenübergängen bzw. Symmetriebrechungen in der Physik

Ein verblüffende Übereinstimmung zu den tatsächlichen (und schiefen) Vermögensverteilungen haben die da gefunden haben.

Mit dem Modell hab' ich noch meine Probleme. Wie der deutsche Titel "Gefangen im Kasino" nahelegt, handelt es sich eher um ein Art random walk, eine Monto-Carlo-Methode, als um eine Markt-Simulation. Markt heißt, der Käufer kann zwischen verschiedenen Angeboten wählen und wählt das günstigste.


Artikel hat folgendes geschrieben:
Our deceptively simple mathematical models, which are based on voluntary transactions, suggest, however, that it is time for a serious reexamination of this idea.

Ich sehe keine freiwilligen Transaktionen im Modell.


Artikel hat folgendes geschrieben:
let us imagine a system of 1,000 individuals who engage in pairwise exchanges with one another. Let each begin with some initial wealth, which could be exactly equal. Choose two agents at random and have them transact, then do the same with another two, and so on. In other words, this model assumes sequential transactions between randomly chosen pairs of agents.

...

To begin with—just because these numbers are familiar to us—let us suppose delta w is 20 percent of Shauna's wealth, w, if she wins and –17 percent of w if she loses. (Our actual model assumes that the win and loss percentages are equal, but the general outcome still holds...

Ich kann das System nicht nachvollziehen. Klar kommt eine schiefe Verteilung heraus, wenn Gewinne und Verluste unterschiedlich sind.


Artikel hat folgendes geschrieben:
1.2 x 1.2 x 1.2 x 1.2 x 1.2 x 0.83 x 0.83 x 0.83 x 0.83 x 0.83 x $100 = $98.02


Die Rechnung sollte so gehen.

    1.2 x 1/1.2 x ... x $100 = $100



step hat folgendes geschrieben:
Falls mal jemand mal noch ein gutes Argument gegen Marktpuristen benötigt ...

In einem perfekten Markt haben Teilnehmer vollständige Information über den Markt. Sie würden einem Geschäft, in dem 1/1,2 = 0,8333... auf 0,83 gerundet wird, nicht zustimmen.

In meiner Lesart zeigt die Arbeit, daß wir keine Marktwirtschaft a la Adam Smith haben, sondern eine Tendenz zu oligarchischen Kartellen. Womit das Spiel zu einer Lotterie wird. Ja, es braucht Umverteilung, um oligarchische Schiefe auszugleichen. Nur geht die Begründung etwas anders. Ich wette einen Fünfer, daß es diese Schiefe auch in anderen Gesellschaftsformen gibt, authoritäre, feudalistische, "sozialistische", usw.

Anders gesagt: die Autoren unterschätzen die Tragweite ihres Modells. Trotz meiner Detailkritik halte ich die Arbeit insgesamt für sehr gelungen.
_________________
"There are two hard things in computer science: cache invalidation, naming things, and off-by-one errors."
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 22133
Wohnort: Germering

Beitrag(#2199529) Verfasst am: 12.01.2020, 19:32    Titel: Re: Trickle-Up Antworten mit Zitat

@smallie, danke, daß Du Dich des Inhalts angenommen hast und nicht auch noch 2 riesige Buchcover postest zwinkern

smallie hat folgendes geschrieben:
Artikel hat folgendes geschrieben:
Our deceptively simple mathematical models, which are based on voluntary transactions, suggest, however, that it is time for a serious reexamination of this idea.
Ich sehe keine freiwilligen Transaktionen im Modell.

Ja, das ist irreführend. In der deutschen Redaktion wurde das tatsächlich geändert, dort ist der Abschnitt umgestellt und es heißt: "... Einige Menschen setzen sogar den freien Markt mit dem Begriff von Freiheit selbst gleich. Unsere aktuelle Arbeit legt jedoch nahe, daß man diesen Standpunkt ernsthaft überdenken sollte."

Letztlich wird aber die Freiwilligkeit hier sogar sozusagen simuliert durch eine zufällige Entscheidung, das macht (in diesem vereinfachten Modell) keinen Unterschied. Ein Teilnehmer, der zufällig besonders oft gewinnt, entspricht in der Realität einem vielleicht besonders geschickten Händler. So habe jedenfalls ich das verstanden. Solange das Modell nur die Verteilung voraussagt und nicht den Erfolg des Einzelnen, ist das korrekt, denke ich. Ironischerweise dürfte gerade das aber den Vertretern des "eigenen Glückes Schmied" nicht passen - daß nämlich das Einzelverhalten keinerlei Auswirkung auf die Gesamtverteilung hat.

smallie hat folgendes geschrieben:
Artikel hat folgendes geschrieben:
... let us suppose delta w is 20 percent of Shauna's wealth, w, if she wins and –17 percent of w if she loses. (Our actual model assumes that the win and loss percentages are equal, but the general outcome still holds...
Ich kann das System nicht nachvollziehen. Klar kommt eine schiefe Verteilung heraus, wenn Gewinne und Verluste unterschiedlich sind.

Genau, daß ist extrem irreführend, sieht man ja auch leicht, wenn man "glatte" Werte wählt, etwa 25%, dann hat man 1,25 und 0,80. Für die Argumentation ist das aber egal, es kommt nmV nur darauf an, daß 1,2*(1/1,2) < 0,5*(1,2 + 1/1,2).

smallie hat folgendes geschrieben:
Ich wette einen Fünfer, daß es diese Schiefe auch in anderen Gesellschaftsformen gibt, authoritäre, feudalistische, "sozialistische", usw.

Diese extreme "trickle-up" Schiefe entsteht jedenfalls überall dort, wo freier Handel ohne entsprechende Umverteilung herrscht, selbst bei ursprünglich völlig ausgeglichenem Vermögen. Wenn in einem sozialistischen Staat eine Oligarchie entsteht, so herrscht dort entweder doch ein (heimlicher) freier Markt, oder das Vermögen wird mittels anderer Techniken angehäuft, z.B. durch Kaderbereicherung, Korruption, staatliche Bevorzugung o.ä.
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Was ist der Sinn des Lebens? - Keiner, aber Leere ist Fülle für den, der sie sieht.
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