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Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation!
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Anmeldungsdatum: 12.06.2008
Beiträge: 2546

Beitrag(#1737482) Verfasst am: 16.03.2012, 13:29    Titel: Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation! Antworten mit Zitat

Hallo,

ein neues (altes) Thema, welches mich hin und wieder umtreibt...

Nach unserer Verfassung sind wir ein Sozialstaat und die Menschenwürde zu verteidigen ist eines unserer obersten Staatsziele.

Und in der Tat - (manchen!?) Menschen wird in der Tat das so definierte soziokulturelle Existenzminimum gewährt in Form von Hartz IV oder von Grundsicherung, obwohl auch hier Diskussionsbedarf besteht über die "Bedinungen" - einem (attestierten!) psychisch erkrankten Menschen, der aufgrund seiner Erkrankung nicht arbeiten kann, steht die volle Grundsicherung zu ohne wenn und aber. Einem potentiell (nicht attestierten) psychisch erkrankten Menschen, der sich aufgrund seiner (psychisch bedingten) "Unzuverlässigkeit" (Unwilligkeit) nicht die Tanzschritte nachtanzt, welche die ARGE vorgibt folgen kann (will), die da heißen Vorladung, ABM-Maßnahme, Jobzuweisung, "Ausbildungsmaßnahme" etc wird auch noch das so definierte soziokulturelle Existenzminimum gekürzt. Dieses ist m.A.n. verfassungswidrig und eine Schweinerei sondersgleichen.

(Und die Leute, die meinen, das wäre nicht verfassungswidrig, darf ich doch mal höflichst um eine Begründung ihrer Ansicht bitten, anstatt mit einem nackten "Nein" zu antworten, und auf Nachfrage hin "toter Mann" zu spielen....)

Ok - das war jetzt erst mal nicht mein Thema hier, denn mir ging es primär um das Thema Obdachlosigkeit.

Halten wir also einmal kurz fest, in unserem Kulturkreis steht jedem Menschen aufgrund des Sozialstaatsgebotes und der Menschenwürde eine (eigene?) beheizte Wohnung sowie das soziokulturelle Existenzminimum zu.

Nun gibt es doch tatsächlich - trotz unseres Sozialstaates - Menschen, die auf der Straße leben müssen.

Das ist zunächst einmal unverständlich und widerspricht unseren Feststellungen und Annahmen über den Sozialstaat.

Die Frage ist also, wie es trotz der (angeblichen?!) Sozialstaatlichkeit unseres Staates zu Obdachlosigkeit kommen kann.

Wenn man sich ein bischen mit der Frage beschäftigt, dann kommt man sehr schnell zu der Lösung, dass es sich hierbei um psychisch erkrankte Menschen handeln muss, die irgendwann und irgendwo auf ihrem Lebensweg "abgestürzt" sind.

Nun ist es beileibe nicht so, dass jeder psychisch erkrankte Mensch zum Psychiater rennt, uns sich seine psychische Erkrankung attestieren läßt, und mit diesem Attest dann sein Recht im Sozialstaat einfordert, denn dieses zu tun, dazu gehört schon etwas "Power" und Überwindung - und genau dieses fehlt diesen Menschen ja aufgrund ihrer psychischen Erkrankung.

Und so sieht dieser Schweinestaat einfach dabei zu, wie psychisch erkrankte Menschen, die ihren "Pflichten des Alltags" nicht mehr nachkommen (wollen/können), wie diese aus ihren Wohnungen herausgeklagt und auf die Strasse gesetzt werden.

Und anstatt dass man hier einen Riegel vorschiebt, in dem man dieses verhindert - in dem z.B. der Staat bei einem dieserart psychisch erkrankten Menschen (Alkoholismus?) die Miete direkt dem Vermieter überweist, was wohl auch vielen Vermietern recht wäre..., werden diese Leute auf die Straße geworfen, und als Feigenblatt, um seine Verantwortungslosigkeit zu kaschieren, bietet dieser Staat sog. "Notunterkünfte" an - sprich eine Matratze im Mehrbettzimmer einer Pennerläusepension. Menschenwürdig sind diese Unterkünfte keinesfalls, denn zur Menschenwürde gehört, dass der Mensch einen ausreichend großen Platz hat, in dem seine Privatsphäre gwahrt ist - eine Minimalforderung was die Menschenwürde angeht.

Ich denke, man sollte hier mal eine E-Petition starten, um ein Gesetz auf den Weg zu bringen, welches der Entstehung von Obdachlosigkeit entgegenwirkt, in dem die Zwangsräumung zu verbieten und den Staat notfalls dazu verpflichtet, notfalls die Miete direkt an den Vermieter zu überweisen bei den Personen, die das "nicht mehr auf die Reihe" bekommen.

nv.

Frage eine Ex-Legasthenikers(*):

Weshalb schreibt man die Kammer mit doppel-m und die Kamera mit einem m?
(* der immer dankbar dafür ist, wenn ihn Leute auf offensichtlich "systematisch" falsch eingeprägte Wörter aufmerksam machen, um auch noch den Rest seiner einstmals vorhandenen Rechtschreibschwäche auszumerzen.)


Frage eines Ex-Verbannten:

Weshalb bringt einem das hier im Forum eine Sperre ein, wenn man die Ansicht vertritt, dass Leute, die anderen ihr soziokulturelles Existenzminiumum nicht gönnen "Riesenarschlöcher" sind?

Frage des Autors dieses Artikels:

Auch von Leuten, die sich jetzt nicht motiviert fühlen, auf diesen Artikel zu antworten oder sich an einer Diskussion zum Thema zu beteiligen hätte ich gerne ein Feedback... in dem sie z.B. den folgenden Fragebogen
ausfüllen und einfach posten.

- - - Hier abtrennen und posten - - -

[ ] Das Thema interessiert mich
[ ] Das Thema interessiert mich nicht

[ ] Ich habe den Beitrag mit Interesse gelesen
[ ] Mich hat der Beitrag eher gelangweilt

[ ] Ich finde den Text leichtverständlich und die Formulierungen klar und deutlich
[ ] Ich finde den Text unverständlich, die Satzkonstruktionen zu lang, gestelzt, langatmig

[ ] Ich teile die Ansichten des Beitragsautors
[ ] Ich bin gegensätzlicher Ansicht
[ ] Ich habe zu dem Thema gar keine Meinung

Danke für die kurze Rückmeldung Smilie
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Norm
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Anmeldungsdatum: 12.02.2007
Beiträge: 8149

Beitrag(#1737487) Verfasst am: 16.03.2012, 14:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe keine Lust deine Umfrage zu beantworten. Aber ich finde, du hast einen wichtigen Punkt angesprochen. Natürlich sind unter den Menschen, die ihr Existenzminimum nicht selbst sichern können auch solche Menschen, die das nicht können, weil sie psychische Probleme haben und die auch ansonsten ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen. Von denen zu erwarten, dass das in Bezug auf die Forderungen der ARGE dann anders ist und sie für ihr Defizit mit dem Entzug des Existenzminimums zu bestrafen, statt sie zu unterstützen, finde ich nicht OK.
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tridi
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Anmeldungsdatum: 21.06.2007
Beiträge: 7933

Beitrag(#1737489) Verfasst am: 16.03.2012, 14:07    Titel: Re: Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation! Antworten mit Zitat

Navigator2 hat folgendes geschrieben:

(Und die Leute, die meinen, das wäre nicht verfassungswidrig, darf ich doch mal höflichst um eine Begründung ihrer Ansicht bitten, anstatt mit einem nackten "Nein" zu antworten, und auf Nachfrage hin "toter Mann" zu spielen....)

bitte sehr, du darfst es gern noch einmal lesen:

fuer das sozialstaatsgebot genuegt es, dem menschen ein menschenwuerdiges leben zu ermoeglichen. es steht jedem, der nicht ueber genug geld aus anderer quelle verfuegt, frei, entsprechend den vorgaben der hartz-iv-behoerde sich vorzustellen, bewerbungen zu schreiben, an massnahmen teilzunehmen, arbeitsmoeglichkeiten wahrzunehmen etc. und dafuer dann hartz iv zu bekommen. damit ist ihm das menschenwuerdige leben moeglich und mehr muss der staat nicht tun.

(tatsaechlich psychisch kranken leuten allerdings, die krankheitsbedingt nicht in der lage sind, den ueblichen anforderungen an hartz-iv-bezieher nachzukommen, muss natuerlich auch so geholfen werden, klar.)

Zitat:

Und anstatt dass man hier einen Riegel vorschiebt, in dem man dieses verhindert - in dem z.B. der Staat bei einem dieserart psychisch erkrankten Menschen (Alkoholismus?) die Miete direkt dem Vermieter überweist, was wohl auch vielen Vermietern recht wäre...,

soweit ich weiss wird genau das, was du hier forderst, bei abertausenden, wenn nicht millionen hartz-iv-beziehern gemacht: die miete geht direkt an den vermieter. das muesste auch bei psychisch erkrankten menschen so moeglich sein.

dafuer ist aber moeglicherweise (ich bin nicht sicher) die zustimmung des hartz-iv-beziehers selbst erforderlich. und auch die miete wird wohl nicht mehr gezahlt, wenn kein antrag auf hartz iv mehr gestellt wird oder den aufforderungen der behoerde nicht entsprochen wird.

ich halte fuer moeglich, dass zu den massnahmen, denen man nachkommen muesste, auch die therapie in einer entzugsklinik gehoert - ich weiss es aber nicht.


vermutlich sind die ursachen von obdachlosigkeit nicht so simpel, wie du dir das vorstellst. soweit mir bekannt, gibt es auch leute, die ein zuhause haetten, aber dort einfach nicht mehr hin wollen. aber genaues ueber die typischen ursachen von obdachlosigkeit weiss ich auch nicht. psychische krankheit kann da sicher eine rolle spielen, aber dass jeder obdachlose psychisch krank sei, halte ich auch fuer eine unzulaessige schlussfolgerung.
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Kramer
postvisuell



Anmeldungsdatum: 01.08.2003
Beiträge: 28732

Beitrag(#1737490) Verfasst am: 16.03.2012, 14:07    Titel: Re: Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation! Antworten mit Zitat

Navigator2 hat folgendes geschrieben:

Weshalb schreibt man die Kammer mit doppel-m und die Kamera mit einem m?


Weil da zwei verschiedene orthographische Prinzipien angewendet werden. Beide Worte haben einen lateinischen Ursprung, wurden aber zu unterschiedlichen Zeiten ins Deutsche übernommen. Kammer schon im Althochdeutschen, daher ist die Schreibweise den üblichen Regeln der deutschen Rechtschreibung (Doppelkonsonant nach kurzem Vokal) angepasst, Kamera im 17. Jahrhundert, da wurde die Schreibweise des Ursprungswortes beibehalten.
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Malwieder
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Anmeldungsdatum: 21.06.2011
Beiträge: 331

Beitrag(#1737491) Verfasst am: 16.03.2012, 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Dabei ist es ganz einfach, ein Dach über den Kopf zu bekommen:
Zitat:
Viele Gefängnisinsassen sitzen in Haft, weil sie arm sind und eine Geldstrafe nicht zahlen können – meint zumindest die Vereinigung niedersächsischer Strafverteidiger.

Bericht aus der HAZ "Armut wird bestraft"
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vrolijke
Bekennender Pantheist
Moderator



Anmeldungsdatum: 15.03.2007
Beiträge: 34366
Wohnort: Stuttgart

Beitrag(#1737492) Verfasst am: 16.03.2012, 14:12    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist der Preis der "Freiheit".

In der DDR gabs z.B. keine Wohnsitzlosen.

Unter dem Deckmantel der "Freiheit" drückt man sich um die Verantwortung von Leute, die sich nicht selber helfen können.

Anscheind ist es nicht möglich, sowohl dass eine wie dass andere zu gewährleisten.
_________________
Glück ist kein Geschenk der Götter; es ist die Frucht der inneren Einstellung.
Erich Fromm

Sich stets als unschuldiges Opfer äußerer Umstände oder anderer Menschen anzusehen ist die perfekte Strategie für lebenslanges Unglücklichsein.

Grenzen geben einem die Illusion, das Böse kommt von draußen
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aztec
crazy social liberal drunkard



Anmeldungsdatum: 26.12.2007
Beiträge: 966
Wohnort: DD

Beitrag(#1737499) Verfasst am: 16.03.2012, 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Das ist der Preis der "Freiheit".

In der DDR gabs z.B. keine Wohnsitzlosen.

Unter dem Deckmantel der "Freiheit" drückt man sich um die Verantwortung von Leute, die sich nicht selber helfen können.

Anscheind ist es nicht möglich, sowohl dass eine wie dass andere zu gewährleisten.


Das ist ein anderer Freiheitsbegriff.
Die Freiheit sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, die Freiheit
Milliardär zu werden oder zu verhungern.
Das dürfte in etwa der Freiheitsbegriff sein den FDP und wahrscheinlich auch
Gauck für sich in Anspruch nehmen. Dieser Freiheitsbegriff berücksichtigt aber eben nicht
die Chancenungleichheit in unserem Land. Wir haben hier mehr Abstiegs als
Aufstiegsmöglichkeiten. Wer einmal auf der Straße sitzt, egal ob selbst verschuldet oder
nicht verschuldet, hat kaum Möglichkeiten da wieder rauszukommen und hat somit
nicht mehr die Freiheit sich selbst voll entfalten zu können.
Deswegen kann ich dem Freiheitsbegriff der linken Protagonisten mehr abgewinnen
als dem wirtschaftsliberalen US Modell.
_________________
And I sincerely believe, with you, that banking establishments are more dangerous than standing armies; and that the principle of spending money to be paid by posterity, under the name of funding, is but swindling futurity on a large scale.

Thomas Jefferson, May 28, 1816

Letter to John Taylor
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Uriziel
Herpiderpi



Anmeldungsdatum: 22.12.2007
Beiträge: 1728

Beitrag(#1737507) Verfasst am: 16.03.2012, 15:05    Titel: Re: Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation! Antworten mit Zitat

Navigator2 hat folgendes geschrieben:

Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation!


Achtung please, kurze Belästigung meinerseits und ein wenig Senf von mir. *Nickt*

"Ich" sage zu sowas dann immer, das unsere Spezie's inzwischen sehr modern - aber nicht zivilisiert lebt.

Weil Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Phlegmatismus, die schon Menschenverachtende Ausmaße angenommen haben, sind für mich kein Zeichen eines zivilisierten Wesen's. Eher eines Egomanen...


Und die grösste Überheblichkeit von in unserer Gesellschaft lebenden Menschen, aka. die Kröhnung der Arroganz, ist, wenn man auf andere Egomanen in ANDEREN Gesellschaftsformen herabzuschauen versucht.
Seien diese Egomanen nun in Asien, in Indien, im arabischen Orient, oder in Afrika, oder sonstwo.


Wenn ich manchmal mitkriege, wie sich so einige Individuen darüber auslassen, das andere Menschen in anderen Gebieten entweder primitiv, barbarisch, oder unzivilisiert seien, dann sag ich mir recht schnell, das diese "falschen Kritiker" sicherlich auch so wären.

Denn: Sie sind schwach. Sie sind faul. Viele solcher selbsternannten "Kritiker" wollen selber keine Verantwortung übernehmen und gehen auch nur den Weg der geringsten Mühe.



Es ist ja sooo bequem, mit dem Finger vom Sofa aus auf andere Menschen zeigen zu können und sich überlegen vorzukommen.

Und manche Leute merken noch nicht einmal, das sie in deren Situation ähnlich oder genauso handeln würden. zwinkern
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tridi
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Anmeldungsdatum: 21.06.2007
Beiträge: 7933

Beitrag(#1737514) Verfasst am: 16.03.2012, 15:31    Titel: Re: Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation! Antworten mit Zitat

Uriziel hat folgendes geschrieben:

"Ich" sage zu sowas dann immer, das unsere Spezie's inzwischen sehr modern - aber nicht zivilisiert lebt.

Weil Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Phlegmatismus, die schon Menschenverachtende Ausmaße angenommen haben, sind für mich kein Zeichen eines zivilisierten Wesen's.

mehr kroehnungen diese's typ's siehe bei http://www.apostrophitis.de Smilie
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Norm
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Anmeldungsdatum: 12.02.2007
Beiträge: 8149

Beitrag(#1737517) Verfasst am: 16.03.2012, 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Das ist der Preis der "Freiheit".

In der DDR gabs z.B. keine Wohnsitzlosen.

Unter dem Deckmantel der "Freiheit" drückt man sich um die Verantwortung von Leute, die sich nicht selber helfen können.

Anscheind ist es nicht möglich, sowohl dass eine wie dass andere zu gewährleisten.

Natürlich ist das möglich.
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tridi
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Anmeldungsdatum: 21.06.2007
Beiträge: 7933

Beitrag(#1737522) Verfasst am: 16.03.2012, 15:47    Titel: Antworten mit Zitat

Norm hat folgendes geschrieben:
vrolijke hat folgendes geschrieben:
Das ist der Preis der "Freiheit".

In der DDR gabs z.B. keine Wohnsitzlosen.

Unter dem Deckmantel der "Freiheit" drückt man sich um die Verantwortung von Leute, die sich nicht selber helfen können.

Anscheind ist es nicht möglich, sowohl dass eine wie dass andere zu gewährleisten.

Natürlich ist das möglich.


du wirst die zahl derer, die auf der strasse / unter der bruecke schlafen, nie ganz bis auf null herunter kriegen, wenn du nicht die freiheit beschneidest und die leute zwangsweise in ner wohnung ankettest. vielleicht sind es sehr, sehr wenige, aber es gibt wohl leute, die wollen es so.
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Malwieder
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Anmeldungsdatum: 21.06.2011
Beiträge: 331

Beitrag(#1737562) Verfasst am: 16.03.2012, 18:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr beeindruckender Film z.B. zum Thema Straßenkinder ist
9 Leben
Leider nur ein Trailer und der eigentliche Film ist inhaltlich knüppelhart trotz der ästhetischen Aufnahmen.

Die haben sich oft bei irgendwelchen wechselnden Leuten Unterkunft gesucht und man kann nicht sagen, dass eine feste eigene Wohnung alle Probleme gelöst hätte.
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vrolijke
Bekennender Pantheist
Moderator



Anmeldungsdatum: 15.03.2007
Beiträge: 34366
Wohnort: Stuttgart

Beitrag(#1737587) Verfasst am: 16.03.2012, 19:41    Titel: Antworten mit Zitat

Malwieder hat folgendes geschrieben:
Ein sehr beeindruckender Film z.B. zum Thema Straßenkinder ist
9 Leben
Leider nur ein Trailer und der eigentliche Film ist inhaltlich knüppelhart trotz der ästhetischen Aufnahmen.

Die haben sich oft bei irgendwelchen wechselnden Leuten Unterkunft gesucht und man kann nicht sagen, dass eine feste eigene Wohnung alle Probleme gelöst hätte.


Manch eine bräuchte jemand, der sie ganztäglich betreut. Und dabei ist der Grad zwischen Betreuung und Freiheitsbeschränkung arg schmal.
Bei Kinder wäre ich auf jeden Fall, in Zweifel für die Freiheitsbeschränkung.
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Anmeldungsdatum: 12.06.2008
Beiträge: 2546

Beitrag(#1737625) Verfasst am: 16.03.2012, 21:27    Titel: Re: Obdachlosigkeit - Eine Schande für unsere Zivilisation! Antworten mit Zitat

tridi hat folgendes geschrieben:
Navigator2 hat folgendes geschrieben:

(Und die Leute, die meinen, das wäre nicht verfassungswidrig, darf ich doch mal höflichst um eine Begründung ihrer Ansicht bitten, anstatt mit einem nackten "Nein" zu antworten, und auf Nachfrage hin "toter Mann" zu spielen....)

bitte sehr, du darfst es gern noch einmal lesen:

fuer das sozialstaatsgebot genuegt es, dem menschen ein menschenwuerdiges leben zu ermoeglichen.



Und ermöglicht man ihm, in dem man ihm das soziokulturelle Existenzminimum zusammenstreicht?

Warum nicht gleich ganz verhungern lassen?

Wäre doch nur konsequent, wenn man so drauf ist, wie du?

Außerdem, wie kommst du auf dieses dünne Brett, dass es für das Sozialstaatsgebot genüge, ihm nur ein menschenwürdiges Leben zu "ermöglichen" anstatt ihm das zu garanitieren?

Gibt es da eine schlüssige Begründung von dir dazu?

Im Übrigen - wehalb nicht - nach deiner Begründung Hartz IV ganz streichen, denn jeder hätte so rein hypothetisch theoretisch doch die Möglichkeit, sich so lange zu bilden, bis er so qualifiziert ist, dass er einen Job findet, der ein menschenwürdiges Leben "ermöglicht" - deiner Begrundung zuvolge bräuchte also dieser Staat überhaupt gar nix zu tun, also scheint deine Begründugn doch irgendwie fehlerhaft zu sein. Die Schlüsselfrage an dich lautet also, wieso du glaubst, es genüge, wenn der Staat ein menschenwürdiges Leben "ermögliche" (was immer man sich unter diesem wie Gummi dehnbaren und auslegbaren Begriff "ermöglichen" verstehen mag) anstatt dieses zu garantieren. Nach meiner Ansicht kann Sozialstaatlichkeit nur bedeuten, dass ein menschenwürdiges Leben GARANTIERT wird - und nicht ein abstraktes "ermöglichen" vorgeschoben wird....übrigens eine Lotterie ermöglicht es jedem Menschen, mehrfacher Millionär zu werden...

Zitat:



es steht jedem, der nicht ueber genug geld aus anderer quelle verfuegt, frei, entsprechend den vorgaben der hartz-iv-behoerde sich vorzustellen, bewerbungen zu schreiben, an massnahmen teilzunehmen, arbeitsmoeglichkeiten wahrzunehmen etc. und dafuer dann hartz iv zu bekommen. damit ist ihm das menschenwuerdige leben moeglich und mehr muss der staat nicht tun.

(tatsaechlich psychisch kranken leuten allerdings, die krankheitsbedingt nicht in der lage sind, den ueblichen anforderungen an hartz-iv-bezieher nachzukommen, muss natuerlich auch so geholfen werden, klar.)



Nun muss ich dich halt mal darüber aufklären, dass es den Unterschied zwischen "tatsächlich psychisch erkrankten Menschen" und "nichttatsächlich" psychisch erkrankten Menschen nicht gibt. Eine psychische Erkrankung ist in diesem Sinne nicht objektivierbar, weder im positiven noch im negativen Sinne. Ein Mensch, der einen Leidensdruck empfindet, der gilt bereits als krank. Nun gibt es drei Möglichkeiten:
a) der Mensch arbeitet trotz seines Leidensdrucks - das ist ein psychisch Kranker, der sich zur Arbeit quält

b) der Mensch arbeitet nicht und hängt auch ansonsten durch, und kommt nur sehr lässlich seinen täglichen Pflichten nach - das ist ein psychisch Kranker, der nicht als psychisch krank gilt, weil ihm das Attest eines Psychiaters fehlt - der wird von der ARGE gemoppt und riskiert am Ende in der Obdachlosigkeit landen.

c) der Mensch geht zu Psychiater und läßt sich seine psychische Erkrankung attestieren, und ist damit "fein raus".

Deine Vorstellung, dass du die Menschen in gesunde Menschen und kranke Menschen einteilen kannst, die kannst du knicken.... anders ausgedrückt: eigentlich ist hier jeder krank - es ist lediglich eine Frage der Intensivität der Untersuchung, die darüber unterscheidet, ob man bei einem Menschen etwas krankes findet, und sei es auch nur "Bluthochdruck".

Oder um den Faschisten nach dem Mund zu reden: Wenn du hinter jeden Kranken einen Antreiber mit der Peitsche stellst, dann bringst du 95% aller Kranken dazu, zu arbeiten - und die 5%, die trotz Peitschenhiebe nicht zur Arbeit erscheinen, die sind dann definitiv so krank, dass sie alleine nicht mehr aus dem Bett aufstehen können. Somit ist also auch die Arbeits(un)fähigkeit ein Relativum, welches letztendlich nicht objektivierbar ist. (...ich glaub, das waren jetzt schon wieder viel zu viele Perlen....).

Zitat:


Zitat:

Und anstatt dass man hier einen Riegel vorschiebt, in dem man dieses verhindert - in dem z.B. der Staat bei einem dieserart psychisch erkrankten Menschen (Alkoholismus?) die Miete direkt dem Vermieter überweist, was wohl auch vielen Vermietern recht wäre...,

soweit ich weiss wird genau das, was du hier forderst, bei abertausenden, wenn nicht millionen hartz-iv-beziehern gemacht: die miete geht direkt an den vermieter. das muesste auch bei psychisch erkrankten menschen so moeglich sein.



Und wie kommt es dann, dass es Obdachlose gibt? Es ist möglich, dass es Fälle gibt, in denen das so gehandhabt wird, wie du schreibst - aber dann sollte es doch möglich sein, Vermietern die Kündigung aufgrund von Mietschulden zu verbieten, denn diese Kündigung stürzt einem Menschen meist in die Obdachlosigkeit. Statt dessen wäre es hier die Aufgabe des Sozialstaats, nach dem Rechten zu sehen, und dem Menschen, der aufgrund seiner Situation die Mietzahlung nicht mehr gebacken bekommt, die Miete auf das Konto seines Vermieters zu überweisen, anstatt dem Vermieter zu erlauben, seinem Mieter zu kündigen.

Der Weg müsste folgender sein: Wenn der Vermieter trotz Mahnung etc von seinem Mieter keine Miete mehr bekommt, dann meldet sich der Vermieter beim Staat, der dann nach Prüfung des Sachverhalts, die Miete direkt an den Vermieter überweist.

Zitat:

dafuer ist aber moeglicherweise (ich bin nicht sicher) die zustimmung des hartz-iv-beziehers selbst erforderlich. und auch die miete wird wohl nicht mehr gezahlt, wenn kein antrag auf hartz iv mehr gestellt wird oder den aufforderungen der behoerde nicht entsprochen wird.



Ein Mensch, der es nicht mehr gebacken bekommt, seinen Hartz IV - Antrag auszufüllen und wegzubringen ist _definitiv_ psychisch krank. Von daher ist beireits die Einstellung von Hartz IV die Diskriminierung eines psychisch kranken Menschen!

Zitat:


ich halte fuer moeglich, dass zu den massnahmen, denen man nachkommen muesste, auch die therapie in einer entzugsklinik gehoert - ich weiss es aber nicht.



Auch diese Forderung ist wahnwitzig, unsinnig und fuchtlos, denn in einer "Entzugsklinik" wird primär ein körperlicher Entzug vorgenommen. Dieses beseitigt aber nicht die eigentliche (psychische) Ursache und auch nicht die psychische Sucht; bei jemandem, der nur körperlich Entzogen hat, ohne das sich eine erfolgreiche Psychotherapie angeschlossen hat, ist es eine Frage der Zeit, bis er wieder an der Flasche hängt. Von daher sind diese Zwangstherpien Unsinn zum Quadrat, und Pychotherapie selbst - wenn sie denn überhaupt funktioniert - funktioniert nur, wenn der Betroffene freiwillig und mit einem gewissen eigenen Engagement sich auf die Therapie einläßt, und selbst hier gibt es keine Gewähr für den Erfolg einer solchen Therapie, manche Leute sind nach so einer Psychotherapie kränker, als sie vorher waren.... nennt sich "Therapieschaden", kannst ja mal danach googeln...

Zitat:


vermutlich sind die ursachen von obdachlosigkeit nicht so simpel, wie du dir das vorstellst. soweit mir bekannt, gibt es auch leute, die ein zuhause haetten, aber dort einfach nicht mehr hin wollen. aber genaues ueber die typischen ursachen von obdachlosigkeit weiss ich auch nicht. psychische krankheit kann da sicher eine rolle spielen, aber dass jeder obdachlose psychisch krank sei, halte ich auch fuer eine unzulaessige schlussfolgerung.


Ich denke mal, dass deine Vorstellungen von psychischer Krankheit bzw psychischer Gesundheit ziemlich naiv sind - oder kurz: Du hast keine Ahnung... Ein psychisch gesunder Obdachloser wäre ein Obdachloser, der aus Enthusiasmus obdachlos ist, weil er obdachlos sein so geil findet - einen solchen Obdachlosen findest du aber in unseren Breiten nicht, folglich kannst du davon aus gehen, dass ALLE Obdachlosen zu ihren körperlichen Erkrankungen, die man sich zwangsläufig auf der Straße holt (Alkoholabhängigkeit, Hautkrankheiten, Rheuma etc...) auch psychisch erkrankt sind.

So zu tun, als "seien sie selbst dran Schuld" ist die typische pharisäerhafte Selbstgerechtigkeit von Leuten, die sich aus der Verantwortung stehlen wollen, dabei gleichzeitig nach denen da unten treten um sich selbst zu erhöhen....und nicht selten sind das die gleichen Leute, die nach oben buckeln....

nv.
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vrolijke
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Anmeldungsdatum: 15.03.2007
Beiträge: 34366
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Beitrag(#1737627) Verfasst am: 16.03.2012, 21:48    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt durchaus Obdachlosen die bewußt "Platte machen".

Es gibt Städte, die im winter kostenlose Unterkünfte zur Verfügung stellt.
So auch in Stuttgart.
Dennoch gibts welche, die es vorziehen, nicht dort die Nacht zu verbringen.
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Malwieder
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Anmeldungsdatum: 21.06.2011
Beiträge: 331

Beitrag(#1737641) Verfasst am: 16.03.2012, 22:49    Titel: Antworten mit Zitat

Diderot meinte ja, dass in einer Gesellschaft emanzipierter Individuen persönliches Glück und allgemeines Wohlergehen zusammenfallen müssten.

Sind ungewollt Obdachlose dann nicht emanzipiert genug?
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Anmeldungsdatum: 01.07.2009
Beiträge: 4256

Beitrag(#1737643) Verfasst am: 16.03.2012, 22:52    Titel: Antworten mit Zitat

Malwieder hat folgendes geschrieben:
Diderot meinte ja, dass in einer Gesellschaft emanzipierter Individuen persönliches Glück und allgemeines Wohlergehen zusammenfallen müssten.

Sind ungewollt Obdachlose dann nicht emanzipiert genug?


Vielleicht lag er auch einfach nur daneben mit seiner Meinung?
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Anmeldungsdatum: 12.04.2006
Beiträge: 15463

Beitrag(#1737667) Verfasst am: 17.03.2012, 00:37    Titel: Antworten mit Zitat

Malwieder hat folgendes geschrieben:
Diderot meinte ja, dass in einer Gesellschaft emanzipierter Individuen persönliches Glück und allgemeines Wohlergehen zusammenfallen müssten.

Sind ungewollt Obdachlose dann nicht emanzipiert genug?

Offensichtlich, oder?
Nur dass daran ja nicht sie selbst schuld sind (Emanzipation lässt sich ja nicht einfach durch einen Willensakt des Individuums herstellen), und dass sie damit auch nicht alleine sind. Eine Gesellschaft, in der solche Dinge vorkommen, wäre nach seiner Meinung wohl insgesamt keine Gesellschaft emanzipierter Individuen.
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der uns die Früchte in die Bäume hängt!
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Anmeldungsdatum: 12.06.2008
Beiträge: 2546

Beitrag(#1737671) Verfasst am: 17.03.2012, 00:50    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Es gibt durchaus Obdachlosen die bewußt "Platte machen".



Du meinst, welche die Obdachlosigkeit einem Leben in einer eigenen Wohnung vorziehen?

Schwer vorstellbar! Es gibt eine kleine Gruppe "reisender Obdachloser", aber auch hier machen die meisten wohl eher aus der Not eine Tugend, so dass es wohl eher ein verschwindent kleiner Teil ist von Leuten, die als Lebenskünstler durch die Hauptstätte Europas tippeln. Im Winter wird Südeuropa bevorzugt, währen sie sich im Sommer auch den nördlicherern Ländern zuwenden. Aber das ist wirklich eine verschwindent kleine Gruppe. Die meisten Obdachlosen sind ganz arme Schweine, die von einem Platzverweis zum nächsten sich durch den Tag quälen und bei denen der Alkohol einer der letzten Freudenspender ist, um dieses Leben überhaupt noch ertragen zu können.

Zitat:


Es gibt Städte, die im winter kostenlose Unterkünfte zur Verfügung stellt.
So auch in Stuttgart.
Dennoch gibts welche, die es vorziehen, nicht dort die Nacht zu verbringen.


Das wundert mich überhaupt nicht, denn diese kostenlosen Unterkünfte haben nicht mehr viel mit Menschenwürde zu tun. Mit sechs fremden stinkenden Leuten in einer Bude zu pennen bar jeder Privatsphäre und noch die Gefahr, auch noch die letzten Habseligkeiten geklaut zu bekommen ist wahrlich keine sehr erbauliche Aussicht. Da wundert es mich nicht, dass die meisten Berber irgend ein Loch unter einer Brücke vorziehen. Diese Notunterkünfte sind eine Schande!
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vrolijke
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Beitrag(#1737674) Verfasst am: 17.03.2012, 01:08    Titel: Antworten mit Zitat

Alkohol ist wohl in den meisten Fälle, nicht den letzten Trostspender, sondern der Auslößer des ganzen Dilemma.
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Sich stets als unschuldiges Opfer äußerer Umstände oder anderer Menschen anzusehen ist die perfekte Strategie für lebenslanges Unglücklichsein.

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tillich (epigonal)
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Beitrag(#1737675) Verfasst am: 17.03.2012, 01:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich stimme dir ja zu, dass es eine Schande für unsere Gesellschaft ist, dass es so was gibt. Nur kann ich keine sinnvolle, einfache Lösung erkennen und auch keine so rasche Schuldzuweisung vornehmen. Unser Staat zahlt nun mal Unterhalt für Arme, wenn sie mit dem entsprechenden Amt kooperieren, er stellt auch Notunterkünfte bereit (die dann, wenig überraschend, schlechter sind als eine normale Wohnung), auch Sozialarbeiter, die versuchen einen ins normale Leben zurückzubringen, usw. Das einzige, was er nicht tut, ist, gänzlich bedingungslos das Geld rauszuhauen - und ich würde auch bezweifeln, dass das unbedingt helfen würde.

Sicher gibt es Fälle, in denen eine unsachgemäße Behandlung durch Beamte die Wohnungslosigkeit verursacht, und sicher trägt die Idee, dass man auf Arbeitslose Druck ausüben sollte, dazu bei. Daran könnte man was ändern. Aber bei vielen Wohnungslosen ist es sicher auch so, dass die psychischen Probleme, die dafür sorgen, dass sie nicht zurechtkommen, auch dafür sorgen, dass man ihnen schlecht helfen kann. Dann ist weder die einseitige Schuldzuweisung an die Betroffenen (a la "Selber Schuld!") noch an "die Gesellschaft" besonders sinnvoll.
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Beitrag(#1737676) Verfasst am: 17.03.2012, 01:11    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Das ist der Preis der "Freiheit".



Obdachlose sind nicht frei, und wenn du in dem Zusammhang von "Freiheit" schreibst, so ist das ein einziger Zynismus, denn du meinst damit die "Freiheit" der Reichen, nichts von ihrem Reichtum abgeben zu müssen. Die Armen sind aber nicht frei, sondern Sklaven des Kapitalismus und als Obdachlose Sklaven der Straße, ohne die Freiheit, mal eben eine Dusche zu nehmen, sich einen Kaffee zu kochen, gemütlich vor den Fernseher zu hocken oder sich auf einer weichen Matraze auszuruhen und im Internet mit Leuten zu diskutieren. All diese Freiheiten hat ein Obdachloser nicht, und in diesem Zusammenhang von "Freiheit" zu reden ist Zynismus pur!

Zitat:


In der DDR gabs z.B. keine Wohnsitzlosen.



Die DDR ist ein denkbar schlechter Vergleich, hier wurde zwar aus ideologischen Gründen Obdachlosigkeit nicht offenbar werden lassen, jedoch hier waren die Menschen Gefangene eines autoritären Systems, welches mehr einer Diktatur als einer Demokratie gleicht. Ein wirklich sozialer Staat ist sozial aus reiner Selbstlosigkeit heraus, und das war die DDR nicht. Die Stasi, die Mauer und das Regime selbst waren nicht sozial sondern unterdrückerisch!

Zitat:




Unter dem Deckmantel der "Freiheit" drückt man sich um die Verantwortung von Leute, die sich nicht selber helfen können.



Wohl eher aus dem Grunde, weil Obdachlose keine Lobbyisten haben.

Dabei läßt sich die "Qualität" eines Staates am ehesten daran beurteilen, wie er mit den sozial schwächsten Mitgliedern umspringt.

nv.
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Beitrag(#1737678) Verfasst am: 17.03.2012, 01:16    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Alkohol ist wohl in den meisten Fälle, nicht den letzten Trostspender, sondern der Auslößer des ganzen Dilemma.


Das eine muss ja das andere nicht ausschließen. Mag sein, dass der Alkohl der Auslöser des Dilemmas war, dennoch dürfte er wohl bei den Obdachlosen zweifelsohne auch letzter Trostspender sein.

Viel eher dürfte hier mal die Frage interessant sein sein, was denn die Ursache des Alkoholmissbrauchs ist, und dann kommt man eher dahinter, was diesem Menschen fehlte oder vielleicht schon immer fehlte...
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Tarvoc
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Beitrag(#1737682) Verfasst am: 17.03.2012, 01:34    Titel: Antworten mit Zitat

vrolijke hat folgendes geschrieben:
Das ist der Preis der "Freiheit".

Wessen Freiheit?
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Desperadox
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Beitrag(#1737683) Verfasst am: 17.03.2012, 01:36    Titel: Antworten mit Zitat

In meinem Bekanntenkreis sind einige Leute ohne festen Wohnsitz.Für die meisten ist das Hauptproblem tatsächlich der Alkohol.Wer sichtbar unter Alkoholeinfluss steht, wird Abends bei den Unterkünften abgewiesen.Den ganzen Tag ohne Alkohol zu überstehen, schaffen viele nicht.
Eine Nacht in der Kälte erst recht nicht.Echt ein Teufelskreis aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt.
Wer sich etwas bemüht, bekommt bei uns, sogar relativ einfach,ein Zimmer in einer Pension bezahlt, aber schon dazu, sind einige Leute nicht mehr in der Lage.
Der größten Anteil an Obdachlosen, stellen bei uns allerdings Ostblockangehörige, die nur begrenzt Anspruch auf staatliche Unterstützung haben.

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Beitrag(#1737726) Verfasst am: 17.03.2012, 11:11    Titel: Antworten mit Zitat

tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Ich stimme dir ja zu, dass es eine Schande für unsere Gesellschaft ist, dass es so was gibt. Nur kann ich keine sinnvolle, einfache Lösung erkennen und auch keine so rasche Schuldzuweisung vornehmen.


Nun ja, nach meiner Ansicht liegt hier ein gesetzlicher Missstand vor (wow geil, Missstand mit 3*s).

Es sollte meiner Ansicht nach ein Gesetz geben, welches eine direkte Kündigung von Wohnraum durch den Vermieter untersagt, und ihn statt dessen mit seinem Kündigungsbegehren - es mag ja möglicherweise berechtigt sein, weil der Mieter die Wohnung demoliert und im Flur die Mitbewohner mit Kot bewirft oder ähnlich unhaltbare Dinge - an ein Amt verweist, welches die Kündigungsgründe prüft, und nach Möglichkeit sowohl den Ansprüchen des Vermieters nach Zahlung von Miete als auch dem Mieter den Erhalt der Wohnung ermöglicht. Notfalls muss eben der Staat dazu verpflichtet werden, die Miete direkt an den Vermieter zu überweisen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Das kann ja dann im Falle von Hartz IV berücksichtig werden, und wäre in diesem Sinne lediglich eine Fomalie - nämlich dass der Staat die Miete, die er ALG Empfängern ja sowieso zahlt, statt an den ALG Empfänger direkt an den Vermieter überweist - das verursacht noch nicht einmal höhere Kosten, sondern ist lediglich ein anderes Prozedere, womit der Verlust der Wohnung verhindert wird.

Zitat:


Unser Staat zahlt nun mal Unterhalt für Arme, wenn sie mit dem entsprechenden Amt kooperieren,




Das ist der Knackpunkt! Ab einer bestimmten Schwere einer psychischen Erkrankung ist nämlich dieses sogenannte Kooperieren nicht mehr möglich oder nur noch eingeschränkt möglich. Und hier muss der Staat verpflichtet werden, genauer hinzusehen und bei Bedarf von sich aus Hilfestellung anzubieten. Das Problem der Obdachlosigkeit wäre auf zwei relativ einfache Wege zu beseitigen.

Die eine Möglichkeit, die Obdachlosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen, in dem jeder Wohnungskündigung verpflichtend ein Sozialarbeiter vorgeschaltet wird, der den Sachverhalt prüft und alle Schritte einleitet, um nach Möglichkeit Obdachlosigkeit zu verhindern. Das würde im Falle eines psychisch Erkrankten, der seine Dinge nicht mehr regeln kann, bedeuten, dass das Unterhaltsamt oder das Arbeitsamt - je nach dem, dazu angewiesen wird, die Miete anstatt auf das Konto des Mieters gleich auf das Konto des Vermieters zu überweisen. Das ist dazu auch noch eine völlig kostenneutrale Maßnahme!

Und die zweite Möglichkeit ist, dass der Staat selbst den Wohnraum zur Verfügung stellt, um Obdachlosen einen angemessenen menschenwürdigen Wohnraum zu Verfügung stellt; Menschen, die schon auf der Straße gelandet sind scheinen wohl auch kaum noch in der Lage zu sein, sich eine Wohnung zu suchen.

Zitat:


er stellt auch Notunterkünfte bereit (die dann, wenig überraschend, schlechter sind als eine normale Wohnung),



Diese Notunterkünfte sind nur ein mieses Feigenblatt und imho größtenteils völlig menschenuwürdig - solche Notunterkünfte wären nur akzeptabel, wenn infolge einer Naturkatastrophe plötzlich eine große Anzahl von Menschen obdachlos würden, und der Staat auf die Schnelle keinen Ersatzwohnraum beschaffen kann. Diese Situation ist aber gar nicht gegeben - der Staat kann problemlos den benötigten angemessenen Wohnraum beschaffen, und es ist eine Schweinerei, dass er dieses nicht tut! Obdachlose haben nun mal keine Lobbyisten in den Ministerien - lieber wirft man bei sogenannten Bankenrettungen das Geld den Kapitalisten hinterher, als es für die sozial Schwächsten zu verwenden....

[quote]

Zitat:



auch Sozialarbeiter, die versuchen einen ins normale Leben zurückzubringen, usw. Das einzige, was er nicht tut, ist, gänzlich bedingungslos das Geld rauszuhauen - und ich würde auch bezweifeln, dass das unbedingt helfen würde.



Ich denke, dass ich letzten obigen Absätzen die richtigen und sinnvollen Handlungsanweisungen beschrieben hab, und das hat nix mit "Geld rauszuhauen" zu tun, sondern mit Fürsorge für das Individuum - übrigens meiner Ansicht nach eine der vornehmsten Aufgaben eines Staates. Ein Staat ist nicht dazu da, die Reichen dabei zu unterstützen, wie sie noch reicher werden, sondern ein Staat macht nur Sinn, wenn er dem Individuum eine Daseinsfürsorge ist. Nur dann kann der Staat auch mit der Loyalität seiner Mitglieder rechnen. Es verwundert diesbeüglich dann auch nicht, dass die Menschen, die sich in diesem Staat - auch wenn es oberflächlich betrachtet ihre "eigene Schuld" ist - sich in ihrer Existenz bedroht fühlen mit dem Staat brechen und destruktiv werden. Konkret äußert sich das in blinder Zerstörungswut und beispielsweise dem Anzünden von Autos - auch wenn hier in der Regel die Falschen getroffen werden, Menschen, die sich nicht akzeptiert fühlen und die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen differenzieren nicht mehr so genau.... für die sind alle anderen, die bereits ein bischen mehr haben als sie selbt "der Staat", an dem sie sich "rächen".

Zitat:


Sicher gibt es Fälle, in denen eine unsachgemäße Behandlung durch Beamte die Wohnungslosigkeit verursacht, und sicher trägt die Idee, dass man auf Arbeitslose Druck ausüben sollte, dazu bei.



Jou - der Schuss geht nicht selten nach hinten los. 700 brennende Autos in Berlin jedes Jahr lassen grüssen.... mal sehen, wieviele Autos demnächst in Athen brennen werden...

Zitat:


Daran könnte man was ändern. Aber bei vielen Wohnungslosen ist es sicher auch so, dass die psychischen Probleme, die dafür sorgen, dass sie nicht zurechtkommen, auch dafür sorgen, dass man ihnen schlecht helfen kann.



Vielleicht sollte man die Hilfe nicht aufdrängen, sondern anbieten - wer hungrig ist, der isst schon von ganz alleine, wem man aber befiehlt zu essen, der hat meist schon keinen Appetit mehr....komisch, dass mir da gerade meine Mutter einfällt, die mir jeden Morgen predigte und mich anflehte, ich müsse doch wenigstens einen Bissen Brot zu mir nehmen bevor ich zu Schule geschickt wurde ( jeah...die Formulierung fiel mir auch gerade ein - ich ging nicht zur Schule - ich wurde da hingeschickt...). Kein Wunder, dass ich angesichts dieses ganzen Zwangs und der damit verbundenen Hecktik keinen Appetit hatte....

Zitat:



Dann ist weder die einseitige Schuldzuweisung an die Betroffenen (a la "Selber Schuld!") noch an "die Gesellschaft" besonders sinnvoll.


Na ja - das Problem ist doch, dass in dem Sinne Obdachlose keine Lobby haben, genau so wenig wie alte Menschen, die ebenfalls nicht selten unter katastrophalen menschenunwürdigen Zuständen in irgendwelchen Heimen mit Psychopharmaka vollgestopft dahinvegetieren.

Mir fällt da der Spruch von Pastor Niemöller in etwas abgewandelter Form ein:

Als man die Obdachlosen schlecht behandelte hab ich geschwiegen, denn ich war nicht obdachlos..
Als man die Alten schlecht behandelt hat hab ich geschwiegen, ich war ja nicht alt....
...als man mich dann schlecht behandelt hat gab es dann auch niemanden mehr, den das gestört hat.

Man muss sich einfach mal klar machen, dass wir ALLE potentielle Opfer des sozialen Kahlschlags sind - egal ob als Arbeitsloser, als Kranker, als Obdachloser oder als alter Mensch...man wird schneller alt als man denkt....!

nv.
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esme
lebt ohne schützende Gänsefüßchen.



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Beitrag(#1737742) Verfasst am: 17.03.2012, 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Navigator2 hat folgendes geschrieben:

es mag ja möglicherweise berechtigt sein, weil der Mieter die Wohnung demoliert und im Flur die Mitbewohner mit Kot bewirft oder ähnlich unhaltbare Dinge - an ein Amt verweist, welches die Kündigungsgründe prüft, und nach Möglichkeit sowohl den Ansprüchen des Vermieters nach Zahlung von Miete als auch dem Mieter den Erhalt der Wohnung ermöglicht.


Danke für das schöne Beispiel.

Inwiefern löst die Zahlung der Miete durch den Staat das Problems des Vermieters, dass andere Mitbewohner mit Kot beworfen werden?

Oder zahlt der Staat dann auch die Miete für die dann leerstehenden Wohnungen, weil die anderen ausgezogen sind?

Du kehrst hier völlig unter den Tisch, dass Menschen, die "nichtkooperativ" sind (und zwar in dem Sinn, dass sie nicht einmal für ihre eigenen unmittelbaren Interessen ein einfaches Formular zeitgerecht ausfüllen), auch sonst im Umgang mit anderen Menschen unangenehm sein können.

Es gibt hier neben Stigmatisierung und Vorurteil auch ein echtes fundamentales Problem, dass manche Menschen etwa psychisch kaum in der Lage sind, Bedürfnisse anderer zu erkennen. Das wird auch bei schöneren Unterkünften dazu führen, dass es dort nicht so angenehm ist, und dass andere Leute diesen Leuten aus dem Weg gehen wollen. Außer, dass der Staat mehr Geld aufwenden soll, hast du keine Lösung für dieses Problems.

Was du willst, ist mehr *gesellschaftlicher Status* für diese Leute. Das wenige Geld ist ein Resultat des geringen Status. Mehr Geld führt hier aber nicht zu gesellschaftlichem Status.

Die Autos werden auch aus Statusgründen und noch viel mehr Langeweile/"du traust dich nicht" angezündet als wegen Geldneid.

Wie jemand Anerkennung von anderen Menschen bekommen soll, der die dazu notwendigen Voraussetzungen in der persönlichen Interaktion aus verschiedensten Gründen nicht mitbringt, (sondern die anderen etwa wie in deinem Beispiel mit Kot bewirft), darüber schweigst du dich aus.
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Da hat sich die Kirche beim Rückzugsgefecht noch einmal grandios verstolpert und jetzt wollen sie auch noch Haltungsnoten für die argumentative Brez'n, die sie da gerissen haben.
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vrolijke
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Beitrag(#1737756) Verfasst am: 17.03.2012, 12:44    Titel: Antworten mit Zitat

Navigator2 hat folgendes geschrieben:
vrolijke hat folgendes geschrieben:
Alkohol ist wohl in den meisten Fälle, nicht den letzten Trostspender, sondern der Auslößer des ganzen Dilemma.


Das eine muss ja das andere nicht ausschließen. Mag sein, dass der Alkohl der Auslöser des Dilemmas war, dennoch dürfte er wohl bei den Obdachlosen zweifelsohne auch letzter Trostspender sein.

Viel eher dürfte hier mal die Frage interessant sein sein, was denn die Ursache des Alkoholmissbrauchs ist, und dann kommt man eher dahinter, was diesem Menschen fehlte oder vielleicht schon immer fehlte...


Die Tatsache, dass in unsre Gesellschaft die Gefahr von Alkohol maßlos unterschätzt wird, ist das Grundübel.

Ein Alkoholiker braucht keine "Gründe" zu trinken. Die legt er sich schon selber zurecht.
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Anmeldungsdatum: 12.06.2008
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Beitrag(#1737784) Verfasst am: 17.03.2012, 16:07    Titel: Antworten mit Zitat

esme hat folgendes geschrieben:
Navigator2 hat folgendes geschrieben:

es mag ja möglicherweise berechtigt sein, weil der Mieter die Wohnung demoliert und im Flur die Mitbewohner mit Kot bewirft oder ähnlich unhaltbare Dinge - an ein Amt verweist, welches die Kündigungsgründe prüft, und nach Möglichkeit sowohl den Ansprüchen des Vermieters nach Zahlung von Miete als auch dem Mieter den Erhalt der Wohnung ermöglicht.


Danke für das schöne Beispiel.



Gern geschehen zwinkern

Zitat:


Inwiefern löst die Zahlung der Miete durch den Staat das Problems des Vermieters, dass andere Mitbewohner mit Kot beworfen werden?



Gar nicht, und das ist einer der wirklich wenigen Fälle, in denen die Kündigung berechtigt und gerechtfertigt wäre. Die meisten Fälle von Obdachlosen sind aber anders gelagert, die werden wegen Mietschulden auf die Straße gesetzt, und das finde ich nicht in Ordnung. Hier sollten die Vermieter sich möglichst frühzeitig an die Sozialämter wenden, damit die die Miete auf direktem Wege überweisen.

Es bleibt die Frage offen, was mit so einer (Un)Person zu geschehen hat. Eine abschließende Antwort habe ich da auch nicht, und das dürfte auch Fallabhängig sein - in jedem Fall ist das ein Fall für den Psychiater, den Sozialarbeiter. Ob hier betreutes Wohnen in einer Therapiegruppe oder die (Zwangs)Einweisung in die Psychiatrie die richtige Antwort ist sollen Fachleute klären, die hierfür speziell ausgebildet sind. So jemanden einfach Obdachlos zu machen scheint mir jedoch die schlechteste aller Möglichkeiten zu sein, denn ein psychisch kranker Kotwerfer verhält sich gegenüber seinen Mitmenschen auf der Straße ja nicht besser - d.h. so jemanden einfach nur "rauszuwerfen" verlagert nur das Problem, löst aber das Problem nicht - weder im Interesse der Gesellschaft noch im Interesse der Person selbst.

Zitat:

Oder zahlt der Staat dann auch die Miete für die dann leerstehenden Wohnungen, weil die anderen ausgezogen sind?



siehe oben - eine definitiv sozial unverträgliche Person aus ihrer angestammten Wohnung zu kündigen halte ich für die wenigen Ausnahmen, bei denen ich ein Kündigung akzeptabel finde. Allerdings sollte auch hier der Staat nicht aus der Pflicht genommen sein, und die Straße wäre wirklich nur die aller aller letzte Möglichkeit für Leute, die noch nicht krank genug sind um in die Psychiatrie zwangseingewiesen zu werden, aber die auch so unverträglich sind, dass auch sozial betreute Wohngruppen nicht funktionieren. Das dürfte aber so ziemlich die ganz große Ausnahme sein, und selbst für solcherlei gestörte Menschen könnte der Staat zumindest beheizte Schlafplätze zur Verfügung stellen, in den das Mobiliar unzerströbar aus Beton und Edelstahl gefertigt ist...

Zitat:



Du kehrst hier völlig unter den Tisch, dass Menschen, die "nichtkooperativ" sind (und zwar in dem Sinn, dass sie nicht einmal für ihre eigenen unmittelbaren Interessen ein einfaches Formular zeitgerecht ausfüllen), auch sonst im Umgang mit anderen Menschen unangenehm sein können.



Dieses sind Fälle für speziell betreute Wohngruppen - zumindest sollten verschiedene Programme exisiteren, um auch solche Fälle aufnehmen zu können.

Wenn denn trotz aller Hilfsangebote lieber auf der Straße (Parkbank, unter der Brücke) schlafen will, der soll auch das tun dürfen - aber viele werden das nicht sein, wenn überhaupt.

Die meisten Obdachlosen wären erst gar nicht obdachlos geworden, wenn der Staat der einfachen Kündigung einen Riegel vorgeschoben hätte und dann die Miete direkt überwiesen hätte. Ein weiter Anteil an Obdachlosen würde von betreuten Wohngruppen und der Psychiatrie aufgenommen, und damit dürfte Obdachlosigkeit so ziemlich kein Thema mehr sein...

Zitat:


Es gibt hier neben Stigmatisierung und Vorurteil auch ein echtes fundamentales Problem, dass manche Menschen etwa psychisch kaum in der Lage sind, Bedürfnisse anderer zu erkennen. Das wird auch bei schöneren Unterkünften dazu führen, dass es dort nicht so angenehm ist, und dass andere Leute diesen Leuten aus dem Weg gehen wollen. Außer, dass der Staat mehr Geld aufwenden soll, hast du keine Lösung für dieses Problems.



Wie ich oben schon schrieb, Menschen die wirklich so unzumutbar gestört sind, dass das Zusammenleben mit ihnen eine echte unzumutbare Belastung darstellt, sollten gekündigt werden dürfen - aber das trifft nur auf einen relativ kleinen Teil der Obdachlosen zu. Die meisten Obdachlosen sind harmlos, und wenn man sie als Mensch behandelt können sie durchaus auch nett sein. Auch kann man nicht wegen jeder Kleinigkeit sofort mit der großen Keule kommen, eine gewisse Belastbarkeit im Zusammenleben mit anderen Menschen muss jeder mitbringen.

Zitat:


Was du willst, ist mehr *gesellschaftlicher Status* für diese Leute. Das wenige Geld ist ein Resultat des geringen Status. Mehr Geld führt hier aber nicht zu gesellschaftlichem Status.



Ich finde es merkwürdig, wenn mir andere Leute erklären wollen, was ich "will".

Ich möchte, dass eine Kündigung von Wohnraum, die alleine auf der Begründung von unregelmäßiger Mietzahlung fußt, unmöglich wird.

Bei anderen Problemen - wie dem eines absolut unzumtbaren Verhaltens gegenüber den Mitbewohnern halte ich durchaus eine Kündigung von Wohnraum für gerechtfertigt, aber nicht, ohne das die entsprechenden Sozialstellen des Staates von dieser Kündigung erfahren und sich um den Problemfall "kümmern" und die notwendigen Maßnahmen einleiten (Psychiatrie, betreutes Wohnen, ...), um Obdachlosigkeit nach Möglichkeit zu verhindern.


Zitat:

Die Autos werden auch aus Statusgründen und noch viel mehr Langeweile/"du traust dich nicht" angezündet als wegen Geldneid.

Wie jemand Anerkennung von anderen Menschen bekommen soll, der die dazu notwendigen Voraussetzungen in der persönlichen Interaktion aus verschiedensten Gründen nicht mitbringt, (sondern die anderen etwa wie in deinem Beispiel mit Kot bewirft), darüber schweigst du dich aus.



Ich denke mal, das ist jetzt gar nicht das Thema. Das ist ein Fall für den Sozialtherapeuten und den Psychotherapeuten oder für betreute Therapiewohngruppen, je nach dem...

Jemand der andere Menschen mit Kot bewirft hat sich weit von der Gesellschaft und der Zivilisation entfernt. Wie und ob man solchen Menschen noch helfen kann, dafür gibt es Fachleute; hier halte ich mich nicht mehr für Kompetent, und mit Sicherheit gibt auch Leute, die schon so daneben sind, dass die sich nicht mehr einkriegen. Aber wie gesagt, das ist ein Fall für Spezialisten aus der Psychiatrie...
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vrolijke
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Beitrag(#1737800) Verfasst am: 17.03.2012, 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kannte mal ein pensionierte Lehrer, der auf der Straße lebte.
Mit Beamtenpension, aber total heruntergekommen.
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