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Digitalisierung (in) den Schulen - Habe ich was versäumt?

 
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Vronib111
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Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1048

Beitrag(#2189022) Verfasst am: 10.09.2019, 17:14    Titel: Digitalisierung (in) den Schulen - Habe ich was versäumt? Antworten mit Zitat

Was ist jetzt aus der Digitalisierung der Schulen geworden. Zwar hatte man, wenn ich richtig erinnere, nun jeder Schule in Deutschland ca. 120.000.-- Euro Einmalzahlung zuerkannt, aber damit werden die Kids kaum fit für die Zukunft. Außerdem ist nicht geklärt wer die E-Teile dann repariert, und auf welcher Haushaltsstelle die Lehrer*Innen geschult werden können.

Neulich hörte ich erstmals - oh, wie alt ich scheinbar schon bin - dass der Staat ja schon (gnädigerweise wie ein Mäzen, gegenüber dem Souverän? LoL) die Bücher und den Unterhalt der Schule bezahlt. Deshalb werden Erstklässlerin nicht auch noch bei Bedarf ein Schulzranzen und Unterrichtszeugs bezahlt. Schliesslich - O-Ton Bayern - "könnten diese Dinge auch zuhause verwendet werden.
Ich bekomms nicht mehr auf die Reihe! Ist doch schön, wenn Schüler*Innen auch zuhause schreiben.

Jetzt haben wir schon das Internet als solches in Deutschland seit über 20 Jahren "gedisst". Jetzt auch noch die Schüler*Innen, und wir haben die künftigen Arbeitsd*ppen als verlängerte Werkbank, die wir zukünftig anstelle von Südkorea etc. geben dürfen.

Ergänzung 19.20 h MESZ:
Eben hörte ich im BR5-Newsradio, dass nur jeder fünfte Jugendliche in Deutschland denkt, dass die Politiker*Innen einen Plan haben, Sinnvolles für die nachwachsende Generation tun, und die Digitalisierung gerade zum Nutzen für die Jugend verschlafen haben.

BRAVO!! Dann gebe ich die Hoffnung doch noch nicht auf. Also an Freitagen nicht fürs Klima, sondern für eure Bildungszukunft auf die Strasse. Werden mal sehen wie schnell die Politiker*Innen dann nicht mehr mit euch einverstanden sind.
_________________
Ich bin nicht mehr aus Überzeugung römisch-katholisch, sondern ausgetreten!!!
Umso mehr bin ich für strikte (finanzielle) Trennung von Kirche und Staat! Opus Dei oder die Piusbrüder mag ich schon gleich überhaupt nicht!
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wolle
Anti-Theist und Welt-Verbesserer



Anmeldungsdatum: 23.03.2015
Beiträge: 3172

Beitrag(#2224175) Verfasst am: 10.09.2020, 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

https://www.tagesschau.de/inland/digitalisierung-schule-103.html schrieb:
Zitat:
Dass Ministerin Karliczek die Antragsstellung nicht entschlacke, grenzt nach Ansicht Sudings an "Arbeitsverweigerung".

Deutschland ist Schlusslicht bei der Digitalisierung, was vor Allem an einer Rekord-Bürokratie liegt, der selbst die behördlichen Antragsteller nicht gewachsen sind.
Das hat dazu geführt, dass unsere Kinder in der Corona-Krise bildungs-technisch verkümmert sind, statt Unterricht oder die Hausaufgaben digital zu erledigen.
Kleine Kinder müssen sich mit schweren Rucksäcken zur Schule quälen, und jeden Tag neu Bücher packen.

https://www.tagesschau.de/inland/digitalisierung-schulen-interview-101.html schrieb:
Zitat:
Im internationalen Vergleich mit anderen Industrienationen dürften wir da ein Schlusslicht sein.


Noch nicht einmal die Übung der Katastrophenwarnung heute ist digital gelungen.
Warn-Apps wie Katwarn oder NINA standen im Datenstau.
_________________
72. Generalversammlung der Vereinten Nationen, Presse-Mitteilung
http://www.un.org/en/ga/72/presskit/pdf/full_kit72_en.pdf
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3327

Beitrag(#2224221) Verfasst am: 10.09.2020, 18:56    Titel: Antworten mit Zitat

Digitalisierung um der Digitalisierung willen halte ich für falsch. Erst müssen die Inhalte passen.

Eine digitale Hausaufgabe meiner Tochter hat "Ein Würfel ist ein Quader" als falsch bewertet. Ein andere Aufgabe auf der Seite wollte wissen:

    Wie oft im Jahr sieht man den Vollmond?

    [] 1
    [] 10
    [] 12

Die richtige Antwort fehlte. Es sind 13, oder?


Sag ich am Elternsprechtag zur Lehrerin: "Manche der Hausaufgaben sind mißverständlich formuliert oder schlicht falsch."
Sagt sie: "Wir orientieren uns am Lehrplan des Kultusministeriums."

Was keine sinnvolle Antwort auf meinen Satz war. Au Mann. Mit den Augen rollen


Heimat- und Sachkunde-Schulaufgabe. Frage: "welche Art von Wasser gibt es am meisten auf der Welt?" Antwort meiner Tochter: "flüssiges Wasser". Null Punkte, weil die Lehrerin "Salzwasser" hören wollte. Das ist Schlüsselwort-Denken, das nicht mal mehr schaut, ob eine Antwort zur Frage passt. Vielleicht würde ein digitales Werkzeug präzisere Fragen stellen - vielleicht hätte es noch mehr Probleme als Lehrer, unerwartete aber richtige Antworten zu erkennen.

Ich denke, zumindest in der Elementarstufe oder bis zur fünften oder sechsten Klasse wäre es am Besten, Probleme in natürlicher Sprache anzugehen und auf Formalismen weitgehend zu verzichten. Digitale Medien sind hier naturgemäß schlecht aufgestellt.
_________________
"There are two hard things in computer science: cache invalidation, naming things, and off-by-one errors."
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jdf
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Anmeldungsdatum: 30.05.2007
Beiträge: 18362

Beitrag(#2224238) Verfasst am: 10.09.2020, 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
    Wie oft im Jahr sieht man den Vollmond?

    [] 1
    [] 10
    [] 12

Die richtige Antwort fehlte. Es sind 13, oder?

Mal 12 mal 13 und 12 ist häufiger.

smallie hat folgendes geschrieben:
Das ist Schlüsselwort-Denken, das nicht mal mehr schaut, ob eine Antwort zur Frage passt. Vielleicht würde ein digitales Werkzeug präzisere Fragen stellen - vielleicht hätte es noch mehr Probleme als Lehrer, unerwartete aber richtige Antworten zu erkennen.

Da fragt man sich schon, wer solche Fragen entwirft...

smallie hat folgendes geschrieben:
Ich denke, zumindest in der Elementarstufe oder bis zur fünften oder sechsten Klasse wäre es am Besten, Probleme in natürlicher Sprache anzugehen und auf Formalismen weitgehend zu verzichten. Digitale Medien sind hier naturgemäß schlecht aufgestellt.

Jo. Aber jeder hat eine andere Sprache. Da finde ich "natürliche Sprache" mindestens missverständlich.
_________________
Die Geschichte soll mich als jemanden in Erinnerung behalten, der sich zu hundert Prozent für den kleinen Mann eingesetzt hat.
(HC Strache)
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3327

Beitrag(#2224252) Verfasst am: 10.09.2020, 20:53    Titel: Antworten mit Zitat

jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
    Wie oft im Jahr sieht man den Vollmond?

    [] 1
    [] 10
    [] 12

Die richtige Antwort fehlte. Es sind 13, oder?

Mal 12 mal 13 und 12 ist häufiger.

Wirklich? Dann muß ich in Astronomie nachsitzen. Verlegen

Ich erinnere mich dunkel an Diskussionen unter Anthropologen, ob prähistorische Darstellungen der Zahl 13 auf Mondphasen im Jahr oder den Zyklus der Frau gründen. Wenn 12 häufiger ist, waren diese Diskussionen komplett daneben.

Unabhängig davon, ob ich falsch liege oder nicht, ist das eine Frage der Allgemeinbildung. Vroni denkt bei Bildung eher an den Arbeitsmarkt.


Vronib111 hat folgendes geschrieben:
Jetzt auch noch die Schüler*Innen, und wir haben die künftigen Arbeitsd*ppen als verlängerte Werkbank, die wir zukünftig anstelle von Südkorea etc. geben dürfen.

Meines Erachtens zu kurz gedacht. Bildung braucht man, um Richtiges von Falschem unterscheiden zu können. Die 12 von der 13. Pfeifen


jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Das ist Schlüsselwort-Denken, das nicht mal mehr schaut, ob eine Antwort zur Frage passt. Vielleicht würde ein digitales Werkzeug präzisere Fragen stellen - vielleicht hätte es noch mehr Probleme als Lehrer, unerwartete aber richtige Antworten zu erkennen.

Da fragt man sich schon, wer solche Fragen entwirft...

Es ist ja noch viel schlimmer. Ein weiteres Beispiel:

Meine Tochter hat heute die natürlichen Zahlen durchgenommen. |N und |N0 und die geschweifte Klammer für Mengen und das ist-Element-von-Zeichen.

Frag ich sie: "Was für Zahlen gibt es noch außer den natürlichen Zahlen?" Wußte sie nicht. Entweder sie hat nicht aufgepasst, oder es wurde nicht gesagt - was ziemlich daneben wäre. Im Aufschrieb der Stunde wird es jedenfalls nicht erwähnt. Man setzt den Kindern Formalismen vor, aber den Zusammenhang unterschlägt man.

Digitale Medien sind gegen solche didaktischen Auslassungen genau sowenig gefeit, wie gedruckte Schulbücher oder die Skripten der Lehrer.


jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Ich denke, zumindest in der Elementarstufe oder bis zur fünften oder sechsten Klasse wäre es am Besten, Probleme in natürlicher Sprache anzugehen und auf Formalismen weitgehend zu verzichten. Digitale Medien sind hier naturgemäß schlecht aufgestellt.

Jo. Aber jeder hat eine andere Sprache. Da finde ich "natürliche Sprache" mindestens missverständlich.

Klar, kannst du nicht wissen, was ich mit "natürliche Sprache" verbinde. Zum Beispiel:

Keith Devlin berichtet von brasilianischen Kinder, die auf der Straße Waren verkaufen und in der Lage sind, den Gesamtpreis zu errechnen. Stellt man ihnen genau die gleiche Aufgabe im Schulunterricht - dann versagen sie.
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Zumsel
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Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 4095

Beitrag(#2224255) Verfasst am: 10.09.2020, 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Digitalisierung um der Digitalisierung willen halte ich für falsch. Erst müssen die Inhalte passen.


Das sehe ich ebenso. Die Frage ist ja auch, was man mit "der Digitalisierung der Schulen" überhaupt konkret erreichen will. Fähigkeiten im Sinne von IT-Anwendungswissen lernen Kinder doch heute ganz von alleine, so etwas ist keine Kulturtechnik wie schreiben, lesen oder rechnen. Tiefer gehende Fähigkeiten hingegen wie bspw. Programmieren erfordert neben Interesse v.a. eine Neigung zu logischem und formalen Denken. Hat man das nicht, wird man sich auch außerhalb der Schule oder nach der Schulzeit nicht mit so etwas beschäftigen. Programmiersprachen müssen daher m.E. auch nicht unbedingt standardmäßig in der Schule gelehrt werden, auch wenn freiwillige Kursangebote hier sicherlich nichts Schlechtes wären. Was bleibt bei diesem Thema also wirklich zu tun für Schulen? Eine schulische Kernaufgabe sollte so etwas wie die Vermittlung von "Medienkompetenz" sein, also Medienkompetenz im Sinne der Fähigkeit, Informationen richtig einordnen und kritisch prüfen zu kommen. Das ist aber natürlich nicht damit getan, dass man jedem Kind ein Tablet in die Hand drückt und man Klausuren digital schreibt.
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jdf
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Anmeldungsdatum: 30.05.2007
Beiträge: 18362

Beitrag(#2224257) Verfasst am: 10.09.2020, 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Wirklich? Dann muß ich in Astronomie nachsitzen. Verlegen

Ich erinnere mich dunkel an Diskussionen unter Anthropologen, ob prähistorische Darstellungen der Zahl 13 auf Mondphasen im Jahr oder den Zyklus der Frau gründen. Wenn 12 häufiger ist, waren diese Diskussionen komplett daneben.

Unabhängig davon, ob ich falsch liege oder nicht, ist das eine Frage der Allgemeinbildung.

Ich habe erst in einen Kalender geguckt und es dann noch nachgerechnet: 365 / 29,53 = 12,36. Gewusst habe ich das auch nicht...

smallie hat folgendes geschrieben:
Meines Erachtens zu kurz gedacht. Bildung braucht man, um Richtiges von Falschem unterscheiden zu können. Die 12 von der 13. Pfeifen

Bildung braucht man, um den Wunsch und die Fähigkeit zu haben, das herauszufinden, was man nicht weiß. Und natürlich noch aus vielen anderen Gründen und zu vielen anderen Zwecken...

smallie hat folgendes geschrieben:
Digitale Medien sind gegen solche didaktischen Auslassungen genau sowenig gefeit, wie gedruckte Schulbücher oder die Skripten der Lehrer.

Aber mit der Lehrperson kann man darüber in einen sinnvollen Dialog treten. Dieser fehlende Dialog ist mE das größte Problem bei den meisten (geskripteten) Dialogen von Programmen. (Ist zumindest meine Vermutung, ohne eine Ahnung zu haben, wie heutige "Lehrprogramme" aussehen und funktionieren.)

smallie hat folgendes geschrieben:
Klar, kannst du nicht wissen, was ich mit "natürliche Sprache" verbinde. Zum Beispiel:

Keith Devlin berichtet von brasilianischen Kinder, die auf der Straße Waren verkaufen und in der Lage sind, den Gesamtpreis zu errechnen. Stellt man ihnen genau die gleiche Aufgabe im Schulunterricht - dann versagen sie.

Sagt er auch, woran das liegt? Eher am Raum? Oder an der Abstraktion? Oder an was anderem?
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smallie
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Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3327

Beitrag(#2224644) Verfasst am: 12.09.2020, 19:13    Titel: Antworten mit Zitat

jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Wirklich? Dann muß ich in Astronomie nachsitzen. Verlegen

Ich habe erst in einen Kalender geguckt und es dann noch nachgerechnet: 365 / 29,53 = 12,36. Gewusst habe ich das auch nicht...

Dann habe ich der Online-Hausaufgaben-Seite unrecht getan. In 2/3 aller Fälle.

Vermutlich bin ich durch Mondkalender, die 13 Monate haben, auf die falsch Idee gekommen.


jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Meines Erachtens zu kurz gedacht. Bildung braucht man, um Richtiges von Falschem unterscheiden zu können. Die 12 von der 13. Pfeifen

Bildung braucht man, um den Wunsch und die Fähigkeit zu haben, das herauszufinden, was man nicht weiß. Und natürlich noch aus vielen anderen Gründen und zu vielen anderen Zwecken...

In einem Gespräch kommt man schnell von einem Thema auf mehrere andere.

Lehrplangebundener Unterricht verhindert das ein bisschen. Lernsoftware vermutlich noch viel mehr.


jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Digitale Medien sind gegen solche didaktischen Auslassungen genau sowenig gefeit, wie gedruckte Schulbücher oder die Skripten der Lehrer.

Aber mit der Lehrperson kann man darüber in einen sinnvollen Dialog treten. Dieser fehlende Dialog ist mE das größte Problem bei den meisten (geskripteten) Dialogen von Programmen.

So meinte ich das mit der natürlichen Sprache.


jdf hat folgendes geschrieben:
(Ist zumindest meine Vermutung, ohne eine Ahnung zu haben, wie heutige "Lehrprogramme" aussehen und funktionieren.)

Geht mir auch so, von den genannten Beispielen abgesehen.

Wenn Vroni eine gute Demo einer Lernsoftware kennt, lasse ich mich gern von deren Wert überzeugen.

Nichts gegen Software im Unterricht. Ein Mathe-Lehrer hat in einen Programmierer-Forum, in dem ich mitlese, eine äußerst umfangreiche Mathe-Visualisierungs-Software veröffentlicht. Als Werkzeug zur Veranschaulichung ist Software sicher sehr gut geeignet.

Mit der Digitalisierung stellt sich aber auch die Frage nach den Lehrinhalten. Wenn man eh schon am Rechner sitzt, warum sollte man dann noch schriftliche Division lernen? Wie baut man gute Lernsoftware, wenn die richtigen Antworten nur ein paar Suchmaschinen-Klicks entfernt sind? Usw.


jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Keith Devlin berichtet von brasilianischen Kinder, die auf der Straße Waren verkaufen und in der Lage sind, den Gesamtpreis zu errechnen. Stellt man ihnen genau die gleiche Aufgabe im Schulunterricht - dann versagen sie.

Sagt er auch, woran das liegt? Eher am Raum? Oder an der Abstraktion? Oder an was anderem?

Es ist die Abstraktion. Die Kinder können das, was sie auf der Straße machen, nicht in die formalen Regeln der Mathematik übertragen.


Keith Devlin hat folgendes geschrieben:
Da die Recife-Kinder gezeigt haben, dass sie mit dem Rechnen im entsprechenden Kontext umgehen können, wenn die Zahlen ihnen etwas bedeuten, scheint es klar, dass die Bedeutung eine wichtige Rolle für unsere Fähigkeit zu rechnen spielt. Als die Kinder an ihren Ständen Berechnungen durchführten, hatten sowohl die Zahlen als auch die Operationen, die sie an ihnen durchführten, eine Bedeutung, und die Operationen machten Sinn. ...

Im Gegensatz zur Straßenmathematik besteht das Wesen der Schulmathematik, zu der die Kinder von Recife nicht in der Lage waren, darin, dass sie vollständig symbolisch ist - d.h. sie operiert mit Symbolen, die keine Bedeutung haben.

https://www.maa.org/external_archive/devlin/devlin_05_05.html

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smallie
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Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3327

Beitrag(#2224646) Verfasst am: 12.09.2020, 19:18    Titel: Antworten mit Zitat

wolle hat folgendes geschrieben:
Kleine Kinder müssen sich mit schweren Rucksäcken zur Schule quälen, und jeden Tag neu Bücher packen.

Die Schule meiner Tochter (5. Klasse) schreibt über E-Books:

Zitat:
Im Unterricht werden weiterhin die gedruckten Schulbücher verwendet! Die E-Books dienen lediglich der Unterrichtsvor- und nachbereitung zuhause. Da die Schulbücher somit in der Schule gelassen werden können, entfällt der Transport in die Schule und zurück!

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jdf
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Anmeldungsdatum: 30.05.2007
Beiträge: 18362

Beitrag(#2224747) Verfasst am: 13.09.2020, 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Keith Devlin berichtet von brasilianischen Kinder, die auf der Straße Waren verkaufen und in der Lage sind, den Gesamtpreis zu errechnen. Stellt man ihnen genau die gleiche Aufgabe im Schulunterricht - dann versagen sie.

Sagt er auch, woran das liegt? Eher am Raum? Oder an der Abstraktion? Oder an was anderem?

Es ist die Abstraktion. Die Kinder können das, was sie auf der Straße machen, nicht in die formalen Regeln der Mathematik übertragen.


Keith Devlin hat folgendes geschrieben:
Da die Recife-Kinder gezeigt haben, dass sie mit dem Rechnen im entsprechenden Kontext umgehen können, wenn die Zahlen ihnen etwas bedeuten, scheint es klar, dass die Bedeutung eine wichtige Rolle für unsere Fähigkeit zu rechnen spielt. Als die Kinder an ihren Ständen Berechnungen durchführten, hatten sowohl die Zahlen als auch die Operationen, die sie an ihnen durchführten, eine Bedeutung, und die Operationen machten Sinn. ...

Im Gegensatz zur Straßenmathematik besteht das Wesen der Schulmathematik, zu der die Kinder von Recife nicht in der Lage waren, darin, dass sie vollständig symbolisch ist - d.h. sie operiert mit Symbolen, die keine Bedeutung haben.

https://www.maa.org/external_archive/devlin/devlin_05_05.html

Erstaunlich. Oder eben auch nicht... Auf jeden Fall faszinierend.
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Quéribus
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Anmeldungsdatum: 21.07.2003
Beiträge: 5789
Wohnort: Avaricum

Beitrag(#2224759) Verfasst am: 13.09.2020, 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
jdf hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Keith Devlin berichtet von brasilianischen Kinder, die auf der Straße Waren verkaufen und in der Lage sind, den Gesamtpreis zu errechnen. Stellt man ihnen genau die gleiche Aufgabe im Schulunterricht - dann versagen sie.

Sagt er auch, woran das liegt? Eher am Raum? Oder an der Abstraktion? Oder an was anderem?

Es ist die Abstraktion. Die Kinder können das, was sie auf der Straße machen, nicht in die formalen Regeln der Mathematik übertragen.


Keith Devlin hat folgendes geschrieben:
Da die Recife-Kinder gezeigt haben, dass sie mit dem Rechnen im entsprechenden Kontext umgehen können, wenn die Zahlen ihnen etwas bedeuten, scheint es klar, dass die Bedeutung eine wichtige Rolle für unsere Fähigkeit zu rechnen spielt. Als die Kinder an ihren Ständen Berechnungen durchführten, hatten sowohl die Zahlen als auch die Operationen, die sie an ihnen durchführten, eine Bedeutung, und die Operationen machten Sinn. ...

Im Gegensatz zur Straßenmathematik besteht das Wesen der Schulmathematik, zu der die Kinder von Recife nicht in der Lage waren, darin, dass sie vollständig symbolisch ist - d.h. sie operiert mit Symbolen, die keine Bedeutung haben.

https://www.maa.org/external_archive/devlin/devlin_05_05.html

Erstaunlich. Oder eben auch nicht... Auf jeden Fall faszinierend.


Mich wundert das eigentlich nicht besonders. Ich stand in der Schulmathematik mit dem Dreisatz sehr sehr lange auf Kriegsfuss und bekam das in der Aufgabenstellung einfach nicht gebacken.
Bis mir schliesslich klar wurde, dass ich den Dreisatz völlig problemlos anwendete, wenn ich zum Beispiel in einer Strickanleitung für einen Pulli andere Wolle als die darn angegebene verwenden wollte: zur Berechnung der tatsächlich benötigten Anzahl von Wollknäueln (Lauflängen pro Knäuel etc).
_________________
"He either fears his fate too much
or his deserts are small
That dares not put it to the touch
To gain or lose it all."
James Graham
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