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EU-Verfassung: CSU will christliches Europa!

 
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Nordseekrabbe
linker Autist



Anmeldungsdatum: 16.07.2003
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Beitrag(#1393) Verfasst am: 18.07.2003, 20:51    Titel: EU-Verfassung: CSU will christliches Europa! Antworten mit Zitat

Auf dem heute in Nürnberg beginnenden, 2tägigen Parteitag der CSU wurde von einem Redner einer entsprechenden CSU-internen Arbeitsgruppe zum Thema EU-Verfassung die Forderung erhoben, daß Europa ein "christliches Europa" sein müsse und "kein atheistisches Europa" werden dürfe!

Als Begründung wurde die Person des Bundesaußenministers Joschka Fischer genannt. Ganz nebenbei bemerkt, daß diese Begründung ja eigentlich schon lächerlich ist... ist Joschka Fischer eigentlich Atheist? Mit den Augen rollen Frage
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notkerbakker
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Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 1474
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Beitrag(#1398) Verfasst am: 18.07.2003, 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Fischer ist Katholik.

Pillepalle
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"[Die Kirchen versuchen] ... das, was sie an unmittelbarem Einfluß auf die moderne Gesellschaft verloren haben, mittelbar durch staatskirchenrechtliche Institutionalisierung zurückzugewinnen" Der Staatsrechtler Konrad Hesse 1965.
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Sermon
panta rhei



Anmeldungsdatum: 16.07.2003
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Wohnort: Sine Nomine

Beitrag(#1399) Verfasst am: 18.07.2003, 20:55    Titel: Re: EU-Verfassung: CSU will christliches Europa! Antworten mit Zitat

Nordseekrabbe hat folgendes geschrieben:
Auf dem heute in Nürnberg beginnenden, 2tägigen Parteitag der CSU wurde von einem Redner einer entsprechenden CSU-internen Arbeitsgruppe zum Thema EU-Verfassung die Forderung erhoben, daß Europa ein "christliches Europa" sein müsse und "kein atheistisches Europa" werden dürfe!

Als Begründung wurde die Person des Bundesaußenministers Joschka Fischer genannt. Ganz nebenbei bemerkt, daß diese Begründung ja eigentlich schon lächerlich ist... ist Joschka Fischer eigentlich Atheist? Mit den Augen rollen Frage


Josef Fischer ruehmt sich seit Jahren, Mitglied der katholischen Kirche zu sein. Vor einigen Monaten hat er nach einer Privataudienz beim Papst oeffentlich erklaert, er wolle sich fuer einen Kirchenartikel in der EU-Verfassung einsetzen.
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Heike J
ganz entspannt



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Wohnort: Bochum

Beitrag(#1418) Verfasst am: 18.07.2003, 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hier ist übrigens die aktuelle Statistik der Angaben der Abgeordneten zu ihrer Konfession:

http://www.bundestag.de/mdb15/mdbinfo/religion.html
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Heike J
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Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 26285
Wohnort: Bochum

Beitrag(#1426) Verfasst am: 18.07.2003, 21:25    Titel: Re: EU-Verfassung: CSU will christliches Europa! Antworten mit Zitat

Sermon hat folgendes geschrieben:
Josef Fischer ruehmt sich seit Jahren, Mitglied der katholischen Kirche zu sein. Vor einigen Monaten hat er nach einer Privataudienz beim Papst oeffentlich erklaert, er wolle sich fuer einen Kirchenartikel in der EU-Verfassung einsetzen.


Aus der Evangelischen Zeitung:

Zitat:
Ein Blick auf die Liste der Bundesminister macht zumindest eines deutlich: Nur drei Katholiken finden sich in der 14-köpfigen Riege: Außenminister Joschka Fischer (Grüne), Arbeits- und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).
[...]
So bezeichnete sich Joschka Fischer gegenüber seinen Biographen Bernd Ulrich und Matthias Geis als "katholischen Atheisten". Er sei geprägt vom Katholizismus seiner Mutter. Von der Kirche hat sich Fischer jedoch seit langem abgewandt. Als der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, im Rom die Kardinalswürde erhielt, kniete Fischer dennoch bei der Eucharistie nieder.
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
Beiträge: 20843
Wohnort: Germering

Beitrag(#1439) Verfasst am: 18.07.2003, 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

Heike Jackler hat folgendes geschrieben:
Hier ist übrigens die aktuelle Statistik der Angaben der Abgeordneten zu ihrer Konfession:

http://www.bundestag.de/mdb15/mdbinfo/religion.html

Ist das eigentlich Opportunismus / Lippenbekenntnisse? Die meisten aktiven Grünen, die ich kenne, sind konfessionslos oder Atheisten.
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Was ist der Sinn des Lebens? - Keiner, aber Leere ist Fülle für den, der sie sieht.
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Sermon
panta rhei



Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 18430
Wohnort: Sine Nomine

Beitrag(#1446) Verfasst am: 18.07.2003, 22:13    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Heike Jackler hat folgendes geschrieben:
Hier ist übrigens die aktuelle Statistik der Angaben der Abgeordneten zu ihrer Konfession:

http://www.bundestag.de/mdb15/mdbinfo/religion.html

Ist das eigentlich Opportunismus / Lippenbekenntnisse? Die meisten aktiven Grünen, die ich kenne, sind konfessionslos oder Atheisten.


Das laesst sich nicht so einfach beantworten. In den Gruenen haben sich ja Ende der siebziger Jahre ganz unterschiedliche Stroemungen zusammengefunden - das reichte von Ex-Straszenkaempfern ueber diverse K-Gruppler, linke Sozialdemokraten, buergerrechtsliberale, konservative Umweltschuetzer bis hin zu esoterischen und rechtsextremen Personen. (Insbesondere im Gesundheitsbereich fordern einige Gruene bis heute die Anerkennung von esoterischen Methoden.) Dazwischen etliche Initiativler: gegen Atomkraft, fuer alternative Engergien usw.

Einige der Gruppen waren stark christlich gepraegt: erhebliche Teile der Dritte-Welt-Bewegung z.B., aber auch in den Umweltschutzgruppen. Diesen Personen tut man sehr unrecht bzw. man schaetzt sie falsch ein, wenn man deren ernsthaften Anspruch, Glauben und Politik zu verbinden, negiert. Ja, manche verbanden Ihr Engagement in der Politik mit dem Ziel, damit die katholische Kirche zu reformieren. Die personelle Ueberschneidung zu "Kirche von unten" usw. ist evident. Christliche Gruene haben sich seinerzeit auch ueber die kirchliche Basisbewegung definiert und nicht ueber Kardinaele. Die Bundesaarberitsgemeinschaft ChristINNen bei den Gruenen war seinerzeit sehr reformorientiert.

Davon zu unterscheiden ist sicher die Karriereorientierung eines Joschka Fischer und der Opportunismus einer Parteifuehrung, welche Regierungsbeteiligung fuer einen Wert an sich haelt.

Die Gruenen hatten programmatisch jedoch von Anfang an einen wesentlichen Dissenspunkt mit der katholischen Kirche. Dies betraf den Punkt Selbstbestimmung. Die Gruenen traten sowohl fuer das Selbstbestimmungsrecht der Frau ueber ihren eigenen Koerper ein, als auch fuer das Selbstbestimmungsrecht von Schwulen und Lesben.

Der erste Dissenspunkt entschaerfte sich durch Bundestagskompromiss zum Paragraphen 218 Strafgesetzbuch, weil die katholische Kirche ploetzlich erstmalig allein gegen sogar Teile der CDU/CSU stand.

Der zweite Dissenspunkt fuehrte ja zu einer lebhaften Debatte in der Legislaturperiode 1998-2002 - wurde aber vom BverfG faktisch erledigt - zum Leidwesen der Kirchen.

Nach 1989 kamen Teile der DDR-Buergerechtsbewegung hinzu. Die hatten mit Staat und Kirche wesentlich andere Erfahrungen gemacht. Die fuehlten sich durch den bloszen Beitritt duepiert und wollten die Verfassungsdebatte. Der Pfarrer Wolfgang Ullmann hat seinerzeit ein Papier zur Trennung von Staat und Kirche verfasst, welches aber nur teilweise zur Grundlage des Wahlprogrammes 1994 wurde. Danach haben erst die Konfessionslosen in den Gruenen sich erstmals organisiert und das auch nur in NRW. Die haben dann noch Reste des Ansatzes des Christen Ullmann 1998 (gegen die mittlerweile weitgehend zur Kirchenlobby verkomme BAG ChristINNen) verteidigen koennen. (Ullamann selbst schied 1999 aus Altersgruenden aus dem EP aus und schreibt heute u.a. fuer FREITAG.)

Seit 1997 parlieren Spitzengruene mit Kirchenhierarchen bei Kaffee und Kuchen. Seitdem haben die Gruenen die Programmatik von Wahl zu Wahl kirchenfreundlicher umformuliert, bis 2002 fast nichts mehr uebrig geblieben ist. Statt dessen steht nunmehr im Grundsatzprogramm, dasz die Kirchen "Verbuendete" seien.

Ueberhaupt verschwanden nicht nur Hindernisse, es wuchsen auch gemeinsame Interessen. Die Gruenen haben sich immer sehr fuer Migranten eingesetzt. Die Kirchen profilieren sich ueber Kirchenasyl und ueber Sozialeinrichtungen - letzteres natuerlich weitgehend mit oeffentlichen Mitteln - und an deren Erhalt oder Ausbau sind sie sehr interessiert. In den lertzten 15 Jahren haben die groszen Sozialkonzerne Caritas und Diakonie ihre Geschaeftsfelder deutlich ausweiten koennen, insbesondere gepuscht von der Einfuehrung der Pflegeversicherung. Heute, wo im Sozialbereich gekuerzt wird, trifft dies zuallerst die freien Traeger, ja es ist sogar angestrebtes Ziel, sich auf die groszen Anbieter zu konzentrieren - siehe das beruehmte Duesseldorfer Signal, wo alle immer nur auf den Wegfall des Metrorapid geschaut haben. Faktisch heiszt dies: die Unternehmen, welche eine Wettbewerbsvorteil haben, weil bei ihnen das allgemeine Arbeitsrecht nicht gilt (was eine grundrechtfeindliche Angelegenheit ist!), werden zusaetzlich auch anderswo noch im Subventionsbereich bevorzugt.

Indem sich generell die traditionelle Milieubildung aufloest, d.h. ein Gewerkschaftsmitglied nicht mehr unbedingt ein SPD-Waehler sein muss und ein Katholik ein Unionswaehler, ja auch die Parteien sich in der Praxis immer weniger unterscheiden, ist natuerlich eine Partei wie die Gruenen dabei, sich im Waehlerspektrum neu zu positionieren. Seit 1998 geht bei den Gruenen der Anteil der konfessionlosen Waehlerinnen zurueck. Das brachte bis 2002 ja auch zunaechst nur Verluste.
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Beitrag(#1493) Verfasst am: 19.07.2003, 09:03    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die Zusammenfassung, Sermon zwinkern .
Sermon hat folgendes geschrieben:
... Ueberhaupt verschwanden nicht nur Hindernisse, es wuchsen auch gemeinsame Interessen. Die Gruenen haben sich immer sehr fuer Migranten eingesetzt. Die Kirchen profilieren sich ueber Kirchenasyl und ueber Sozialeinrichtungen - letzteres natuerlich weitgehend mit oeffentlichen Mitteln - und an deren Erhalt oder Ausbau sind sie sehr interessiert. ...

Genau, und daher meine Frage. Fast alle Grünen, die ich kenne, sagen sinngemäß: "Wir haben zwar teilweise gemeinsame Ziele mit den Kirchen, aber ich bin nicht christlich." Es erstaunt und ärgert mich deshalb, daß die grünen MDBs fast ausschließlich einer christlichen Konfession angehören. Die Frage lautete ja eben nicht nach den Zielen, sondern nach der Konfession. Es erinnert mich irgendwie an die windigen Antworten, die Notker mal auf seine Briefe an MDBs bekommen hat ...

gruß/step
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Heike J
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Anmeldungsdatum: 16.07.2003
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Beitrag(#1496) Verfasst am: 19.07.2003, 09:10    Titel: Antworten mit Zitat

step hat folgendes geschrieben:
Genau, und daher meine Frage. Fast alle Grünen, die ich kenne, sagen sinngemäß: "Wir haben zwar teilweise gemeinsame Ziele mit den Kirchen, aber ich bin nicht christlich." Es erstaunt und ärgert mich deshalb, daß die grünen MDBs fast ausschließlich einer christlichen Konfession angehören.


Du darfst bei der Statistik die Spalte nicht vergessen, wo keine Angaben gemacht wurden. Die Mehrheit der Abgeordneten der Grünen hat keine Angaben zur Konfession gemacht. Eigentlich konsequent, wenn man für eine Trennung von Staat und Kirche ist.

Da haben wir dann 24 bekennende Kirchenchristen, 1 Konfessionlose und immerhin 29 ohne Angaben.
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step
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Anmeldungsdatum: 17.07.2003
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Beitrag(#1503) Verfasst am: 19.07.2003, 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Oops,

Du hast recht, Heike, das hatte ich tatsächlich übersehen Verlegen - das kommt wohl davon, wenn man nebenher Artikel über Quantenphysik liest ... also damit ist meine Frage natürlich beantwortet.

gruß/step
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