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Der Upload-Filter kommt

 
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wolle
Anti-Theist und Welt-Verbesserer



Anmeldungsdatum: 23.03.2015
Beiträge: 2467

Beitrag(#2139808) Verfasst am: 20.06.2018, 18:12    Titel: Der Upload-Filter kommt Antworten mit Zitat

https://www.watson.de/digital/interview/811103460-der-upload-filter-kommt-eu-parlament-stimmt-fuer-urheberrechtsreform-das-steckt-dahinter schrieb:
Zitat:
die Überwachungssoftware kann nicht zwischen Terrorpropaganda und etwa Kriegsberichterstattung unterscheiden.​

Zudem könnten Parodien zensiert werden, befürcheten Kritiker.
Die Filter Software ist eine art maschinelle Zensur, bevor ein Artikel/ Datei/ Kunstwerk elektronisch veröffentlicht/ gepostet wird.
Fachleute sehen darin ein Problem.
Zudem ist diese Software teuer.
Falls das FGH davon betroffen sein wird, werde ich es finanziell unterstützen.
_________________
72. Generalversammlung der Vereinten Nationen, Presse-Mitteilung
http://www.un.org/en/ga/72/presskit/pdf/full_kit72_en.pdf
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Beiträge: 14091
Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#2139842) Verfasst am: 20.06.2018, 22:31    Titel: Re: Der Upload-Filter kommt Antworten mit Zitat

wolle hat folgendes geschrieben:
https://www.watson.de/digital/interview/811103460-der-upload-filter-kommt-eu-parlament-stimmt-fuer-urheberrechtsreform-das-steckt-dahinter schrieb:
Zitat:
die Überwachungssoftware kann nicht zwischen Terrorpropaganda und etwa Kriegsberichterstattung unterscheiden.​

Zudem könnten Parodien zensiert werden, befürcheten Kritiker.
Die Filter Software ist eine art maschinelle Zensur, bevor ein Artikel/ Datei/ Kunstwerk elektronisch veröffentlicht/ gepostet wird.
Fachleute sehen darin ein Problem.
Zudem ist diese Software teuer.
Falls das FGH davon betroffen sein wird, werde ich es finanziell unterstützen.


Es gibt Vorzensur (vor Veröffentlichung) und Nachzensur (danach).

Die Upload-Filter sind ersteres und bei diversen Berichten über die "Urheberrechtsreform" wird selten der Begriff "Zensur" verwendet.

Dabei gilt: Nordkorea ist überall!

Hier mal ein paar nette Kommentare auf TP:

Zitat:
Neoliberalismus kann kein freies Netz dulden, wo ist die Überraschung?

Wer da noch überrascht ist, ist naiv.
Dazu noch der Umbau der "Sicherheitsarchitektur" in Europa, ...

Die einfachste Form einen Aufstand niederzuschlagen ist, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Ein-trauriger-Tag-fuer-das-Internet-und-Europa/Neoliberalismus-kann-kein-freies-Netz-dulden-wo-ist-die-Ueberraschung/posting-32563636/show/

Das ist eben die digitale Transformation in Europa...

... alles Digitale in Europa wird in Nichts aufgelöst und alle ganzen Neuland-Blödglotzer klatschen dazu Beifall.

Erst DSGVO und dann jetzt die neue Katastrophe.


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Ein-trauriger-Tag-fuer-das-Internet-und-Europa/Das-ist-eben-die-digitale-Transformation-in-Europa/posting-32563730/show/

Das Ende für freie Foren

Wenn die Abmahnanwälte erst einmal Blut geleckt haben, ist dies das Ende für freie, unmoderierte Foren im Netz.

Die Moderation in dem nötigen Umfang werden sich aber nur große Betreiber leisten können, welche wegen ihrer Größe unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz fallen: Staatsfunk.

Und das ganz ohne direkte Zensur durch den Staat. Ist das nicht praktisch?


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Ein-trauriger-Tag-fuer-das-Internet-und-Europa/Das-Ende-fuer-freie-Foren/posting-32563172/show/

Ein fröhlicher Tag

für das verdammte Juristenpack.


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Ein-trauriger-Tag-fuer-das-Internet-und-Europa/Ein-froehlicher-Tag/posting-32562793/show/

Jeder Mensch hat das Recht...

...seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äussern. Eine Zensur findet statt.


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Ein-trauriger-Tag-fuer-das-Internet-und-Europa/Jeder-Mensch-hat-das-Recht/posting-32564601/show/


Und der Artikel zu den Kommentaren:

"Ein trauriger Tag für das Internet und Europa"

Hup Europa Hup, Der Zensor winnt de cup (2018)
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"Ich verwarne Ihnen!" (Schiri)
"Ich danke Sie" (Willi Lippens)

Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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Tarvoc
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Beiträge: 35938
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Beitrag(#2139848) Verfasst am: 21.06.2018, 00:22    Titel: Antworten mit Zitat

Die Enclosure des 21. Jahrhunderts had begonnen.
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"Es wird der Tag kommen, da werden alle Menschen gleich sein! Es wird der Tag kommen, da werden alle Menschen WIXXER sein!!!"
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narr
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Beiträge: 703

Beitrag(#2139872) Verfasst am: 21.06.2018, 10:19    Titel: Antworten mit Zitat

Am Leistungsschutzrecht wird doch schon eine Weile gebastelt. Dazu hatte ich letzte Woche ein link zu einer Kolumne von Sascha Lobo. Da hat's komischerweise noch niemand interessiert. skeptisch
narr hat folgendes geschrieben:
Nächste Woche wird über dieses Gesetz im Europaparlament abgestimmt. Wenn das durch geht - na dann gute Nacht
Kolumne von Sascha Lobo zum Leistungsschutzrecht
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wolle
Anti-Theist und Welt-Verbesserer



Anmeldungsdatum: 23.03.2015
Beiträge: 2467

Beitrag(#2139950) Verfasst am: 21.06.2018, 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

narr hat folgendes geschrieben:
Am Leistungsschutzrecht wird doch schon eine Weile gebastelt. Dazu hatte ich letzte Woche ein link zu einer Kolumne von Sascha Lobo. Da hat's komischerweise noch niemand interessiert. skeptisch
narr hat folgendes geschrieben:
Nächste Woche wird über dieses Gesetz im Europaparlament abgestimmt. Wenn das durch geht - na dann gute Nacht
Kolumne von Sascha Lobo zum Leistungsschutzrecht

Den Artikel hatte ich auch gelesen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/leistungsschutzrecht-fuer-presseverleger-so-ein-quatschgesetz-a-1212697.html schrieb:
Zitat:
Es geschieht nicht oft, dass BDI, Linkspartei, Chaos Computer Club, Bitkom, die Grünen, der Handelsverband und die Jungliberalen der FDP sowie die meisten Wissenschaftler aus dem Bereich Urheberrecht an einem Strang ziehen.



https://t3n.de/news/leistungsschutzrecht-linksteuer-uploadfilter-1086337/ schrieb:
Zitat:
Zukünftig sollen Links auf Inhalte von Verlagen nur noch lizenziert möglich sein. Im Regelfall dürfte das bedeuten, das Links kostenpflichtig werden. Ebenfalls betroffen sind kurze Anreißertexte. Das Verlinken und Teilen von Inhalten wird damit monopolisiert, erschwert und letztlich verhindert.


Und
Zitat:
Noch wesentlich schlimmer ist die Tatsache, dass das System ganz simpel missbraucht werden kann. Jeder kann jederzeit Urheberrechte für Inhalte beanspruchen und dann sind alle Nutzer von der Gnade eines Algorithmus abhängig. Die Electronic-Frontier-Foundation beschreibt beispielsweise, was passieren würde, wenn jemand die ganze Wikipedia hochladen würde: Niemand wäre mehr in der Lage, Wikipedia-Inhalte zu zitieren oder zu verlinken, bis die Maschinerie den Unfug wieder aussortiert hätte.

Nutzer, deren Inhalte böswillig von einem anderen Nutzer als urheberrechtlich geschützt deklariert wurden, müssten erst einmal den Rechtsweg beschreiten und klagen – um ihre eigenen Inhalte wieder nutzen zu können.


Kurzum, das geplante Gesetz ist eine Daten-Verarbeitungs-Katastrophe.
Die Links oben würde man praktisch gar nicht mehr posten dürfen, auch nicht die Zitate.

Betreiber wie das FGH müssten tausende bis zehntausende € monatlich an Filter-Anbieter wie Google zahlen.
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72. Generalversammlung der Vereinten Nationen, Presse-Mitteilung
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Beitrag(#2169728) Verfasst am: 09.03.2019, 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Im folgenden einige Informationen zum Upload-Filter von digitalcourage:

Zitat:
Wer helfen will, die Uploadfilter in Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform zu verhindern, kann auf die zahlreichen Demos gehen oder Abgeordnete kontaktieren.

Die Kampagne Pledge2019 (#Pledge2019) fordert dazu auf, Mitglieder des Europäischen Parlaments zu kontaktieren, damit sie versprechen, gegen Artikel 13 zu stimmen. Das Argument der Kampagne lautet:
„Europawahl 2019: Wir werden nur Politiker*innen wählen, die gegen Artikel 13 stimmen und 'Nein' zu Upload-Filtern sagen“.

Auch unsere französiche Partnerorganisation La Quadrature du Net ruft dazu auf, Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEPs), insbesondere des LIBE-Ausschusses, zu kontaktieren – und hat dafür ein Online-Tool gebaut: “anti-terrorism” censorship Regulation – Call your MEP. Die wichtigsten Argumente haben wir auf Deutsch zusammengefasst. (...)

CDU und CSU wollten Anfang März 2019 im Europaparlament als Teil der von Manfred Weber angeführten Europäischen Volkspartei (EVP) die Abstimmung über die Urheberrechtsreform mit einem Verfahrensmanöver offenbar vorziehen. Das berichtete die EU-Abgeordnete Julia Reda auf Twitter, während Manfred Weber zunächst ablenkte, dementierte und das Vorhaben schließlich zurückgenommen wurde.

Aus unserer Sicht ist das Manöver der CDU untragbar: Eine Abstimmung nur drei Wochen, nachdem ein hoch umstrittener Kompromiss erreicht wurde – das ist absolut undemokratisch! Dieses Artikel-13-Manöver der Union in Europa zeigt, dass ihre Argumente nicht überzeugen, dass die gefundene Lösung einer Debatte nicht standhält und dass CDU und CSU die Kritik und Proteste aus Kultur, Wirtschaft und netzpolitischen Verbänden fürchten. (...)

Problematisch an der aktuellen Diskussion über Artikel 13 der Urheberrechtsreform ist, dass Uploadfilter zeitgleich auch in der EU-Verordnung zur Verhinderung der Verbreitung terroristischer Online-Inhalte (kurz: #TerReg für Terror-Regulierung) verankert werden sollen. Die wird abseits der öffentlichen und politischen Aufmerksamkeit verhandelt.

Die Terror-Inhalte-Verordnung soll den Missbrauch von Hosting-Diensten zur Verbreitung terroristischer Online-Inhalte verhindern. (...)

In Artikel 6 der Terror-Inhalte-Verordnung sind proaktive Maßnahmen geplant. Demnach können Hosting-Dienste
Maßnahmen ergreifen, „um ihre Dienste vor der Verbreitung terroristischer Inhalte zu schützen“. In der Praxis bedeutet das den Einsatz von Uploadfiltern.


https://digitalcourage.de/blog/2019/uploadfilter-artikel13-und-terreg


Der seit 9/11 vom Fanatiker Bush ausgerufene weltweite "Krieg gegen Terror" erreicht somit - wie zu erwarten war - auch das Internet, das den Herrschenden seit langem ein Dorn im Auge war, sofern dort kritische Diskussionen oder gar die Organisation von Widerstandsbewegungen gegen Krieg und Neoliberalismus stattfinden.

Es geht nicht um die Verhinderung von Desinformationskampagnen, *Fake News* oder *hybrider Kriegsführung*, sondern schlicht um Zensur informierter & kritischer Auseinandersetzungen und Meinungsäußerungen.

Damit geht die Politik wieder einen Schritt weiter in Richtung Vergangenheit. Der alte kalte Krieg ist wieder da ...-

https://savetheinternet.info/demos
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Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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Parvenü
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Beitrag(#2170256) Verfasst am: 13.03.2019, 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

narr hat folgendes geschrieben:
Dazu hatte ich letzte Woche ein link zu einer Kolumne von Sascha Lobo. Da hat's komischerweise noch niemand interessiert. skeptisch


Liegt vielleicht daran, dass Lobo nicht unbedingt als übertrieben neutraler politisch-medialer Akteur rüberkommt.

Aber bei diesem wichtigen Thema gebe ich Dir recht. Im Hinblick auf die bedrohte Meinungsfreiheit sollte man linke wie rechte Dünkel überwinden und temporär auch mit Andersdenkenden kooperieren, damit so etwas nicht Überhand gewinnt: Protest gegen Uploadfilter ungerechtfertigt
Farbe red in violet umgewandelt. Doppelposting gelöscht. astarte
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sponor
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Beitrag(#2170566) Verfasst am: 15.03.2019, 09:58    Titel: Antworten mit Zitat

Inzwischen macht sich sogar der "Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Meinungs- und Ausdrucksfreiheit" Sorgen:
EU must align copyright reform with international human rights standards, says expert

Und das alles, weil Politiker sich gern als Befehlsempfänger von Springer etc. gerieren.
zornig
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Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.
(G. Chr. Lichtenberg)
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sponor
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Wohnort: München

Beitrag(#2170569) Verfasst am: 15.03.2019, 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Und noch ein sehr fundierter Artikel von Friedhelm Greis auf golem.de:
Der Generalangriff auf das Web 2.0
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grass_thierse_kasparek
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Beitrag(#2170579) Verfasst am: 15.03.2019, 11:42    Titel: Foren gegen upload Antworten mit Zitat

Habe das Freigeisterhaus gar nicht in dieser Liste gefunden ...
https://foren-gegen-uploadfilter.eu/
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Ahriman
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Wohnort: 89250 Senden

Beitrag(#2170583) Verfasst am: 15.03.2019, 12:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin alles in allem äußerst pessimistisch: Der Große Bruder kommt, da könnt ihr noch so zetern und zappeln. Computer und Internet bieten Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten, die sich auch George Orwell nicht träumen ließ. Und was möglich ist wird gemacht.
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astarte
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Anmeldungsdatum: 13.11.2006
Beiträge: 39506

Beitrag(#2170646) Verfasst am: 15.03.2019, 17:56    Titel: Re: Der Upload-Filter kommt Antworten mit Zitat

Die Befürchtungen denke ich, sind durchaus berechtigt.
wolle hat folgendes geschrieben:
....
Falls das FGH davon betroffen sein wird, werde ich es finanziell unterstützen.



Was das FGH betrifft, ist meines Wissens dies relevant:
https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Wuerden-Upload-Filter-das-Internet-wirklich-radikal-veraendern-id53773216.html
Zitat:
Von der Regelung ausgenommen sind nicht kommerzielle Angebote.



http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/uploadfilter-und-leistungsschutzrecht-kann-die-urheberrechtsreform-noch-scheitern-a-1253216.html
Zitat:
Ausgenommen sind von der Regelung neben nicht kommerziellen Angeboten nur kommerzielle Anbieter, die zugleich weniger als drei Jahre auf dem europäischen Markt aktiv sind, weniger als zehn Millionen Euro Jahresumsatz erzielen und weniger als fünf Millionen monatlich aktive Nutzer haben.

Die Pläne seien eine "Gefahr für kleine Verlage, Autoren und Internetnutzer", kritisierte Julia Reda -
...

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"Wer nicht genießt, wird ungenießbar"
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14752
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#2171255) Verfasst am: 18.03.2019, 19:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ob man demjenigen eine Bombendrohung schicken müßte, wie hier kolportiert (was man im übrigen auch weder durch eigene Anschauung bestätigen noch widerlegen kann), wage ich mal zu bezweifeln.

Allerdings kann man die Einlassung, die da eine Reaktion erfuhr, auch als einen wenig zielführenden Beitrag ansehen, der obendrein zeigt, daß diejenigen, die darüber bestimmen sollen, selbst uninformiert sind und/oder sich im Prinzip als Lobbyisten der Urheber (bzw. im Falle der meisten Produkte nicht vielmehr ihrer Verwerter?) sehen:

Demnach äußerte ein gewisser Axel Voss, CDU, immerhin der "Verhandlungsführer des Europaparlaments" in Sachen Urheberrecht, daß "Youtube ein Geschäftsmodell auf dem Eigentum anderer Leute aufgebaut habe", und er habe "ein mögliches Verbot der Videoplattform Youtube ins Spiel gebracht" ("Youtube: Axel Voss stellt die Daseinsberechtigung der Plattform in Frage).


Letztlich komme ich nicht umhin, darüber in meiner bekannten Art selbst sarkastisch zu werden:

Nicht nur, daß das Unsinn ist: Ich behaupte, der Zweck von Youtube ist es natürlich, Geld zu verdienen (denn aus purer Menschenliebe stellt man ja diesen Dienst, auf den Nutzer ihre Videos hochladen können, auch nicht zur Verfügung). Aber natürlich: Dadurch, daß man irgendein T-Shirt trägt, das einen Aufdruck hat, oder durch die Verwendung irgendeiner Schriftart im Vor- und/oder Nachspann, die irgendjemand entworfen hat, ist es ja praktisch unmöglich, irgendwie bei Youtube oder überhaupt im Internet aufzutreten, ohne irgendwelche Rechte Dritter zu berühren.

Ich habe dabei gar nicht gesagt, daß Urheber nicht auch dafür bezahlt werden sollten - ich hatte ja selbst schon von Modellen wie einer Kulturflatrate geschrieben, und es wurde ja auch ins Gespräch gebracht, daß große Plattformen ja auch Verträge schließen könnten, mit denen Inhalte abgegolten werden konnten. Nur sollte auch von Seiten der Urheber (oder nicht viel mehr ihrer Verwerter: Denn wieviel Prozent erhält ein Autor von dem Verkaufserlös eines Buches überhaupt? Und kriegt der einzelne Zeichner eigentlich Prozente an dem Gewinn, den Disney mit einem Film macht, der seine Zeichnungen enthält?) und ihrer Lobbyisten(*) mit Augenmaß und einem Willen zur Fairness argumentiert werden.


Dazu fallen mir ganz viele Beispiele ein:

Nehmen wir etwa einen heute 30jährigen Autoren. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren und einem Urheberrechtsschutz von 70 Jahren nach dem Tod hieße das, daß kein heute lebender Mensch mit dessen Werk (außerhalb enger und, so wie es scheint, noch enger wollen-werdender Grenzen) irgendetwas anfangen dürfte. Mal eine historische Betrachtung: Nehmen wir mal die Menge der Bücher, die schätzungsweise von 1900-1950 gedruckt wurden (viele der Autoren könnten inzwischen schon 70 Jahre tot sein). Von denen sind aber heute bestenfalls noch ein Anteil im einstelligen Prozentbereich bekannt und werden als relevant angesehen. Die anderen sind zum Teil deshalb vergessen, weil niemand irgendetwas damit anfangen durfte. Die Bücher wurden einmal aufgelegt und verschwanden dann.

Ähnlich, so finde ich, ist das auch mit 25 Jahre alter Software - die kann man auf heutigen Systemen nur mit Klimmzügen und Hilfsmitteln zum Laufen bringen, die, wenn man die Kommentare selbst auf den Abandonware-Seiten liest, schon deutliche Hürden sind. Dennoch gibt es Softwarehersteller, die diese Software heute noch verkaufen wollen und Versuche unterbinden, sie kostenlos zu verbreiten. Wieviel Gewinn die Hersteller mit dem Verkauf wohl noch einfahren werden? Analog: Muß auch ein Film 70, 80 oder 100 Jahre lang copyright-geschützt werden, weil er zum Beispiel "Steamboat Willie" heißt und von Disney, einem der größten Interessenvertreter in dem Bereich, stammt? Und was soll das, daß eine Zeitung oder Zeitschrift für den Abruf eines 30, 40 Jahre alten Artikels aus dem Archiv bezahlt werden will, oder ein öffentlich-rechtlicher Sender Nutzern den Download eines Beitrags nur gegen eine Gebühr erlaubt oder er nach sieben Tagen verschwindet? Ich denke, daß die Inhalte auf die eine oder andere Weise längst bezahlt sind, bzw. die Beiträge, die sich da erwirtschaften ließen, doch relativ überschaubar sein könnten.

(Das ist natürlich immer noch besser als wenn Dinge einfach verschwinden. Es sind ja auch Fälle bekannt, in denen Dinge in Archiven verschwunden oder sogar komplett verloren sind, weil niemand ein Interesse daran hatte, sie aufzubewahren.)


Wir können aber auch bekanntere Werke betrachten, etwa von dem Kaliber eines "1984", "2001" oder "Blade Runner". Oder haben die Macher von Star Trek je Tantiemen dafür erhalten, daß sie die Idee flacher, tragbarer Computer mit Touch-Bedienung verbreitet haben (und, noch weitergehend, haben sie denjenigen was dafür bezahlt, die die Idee erfunden haben)? Die Welt ist ja recht voll von kulturellen Bezügen auf erfolgreiche Inhalte: Hätte nun beispielsweise Stanley Kubrick irgendwann beschlossen, sein Film dürfe nie wieder gezeigt, jede Kopie müsse vernichtet, jeder Bezug darauf verboten werden, wäre die Welt eventuell doch ärmer? (Und ich weiß, daß es solche Akteure gibt: Alfred Hitchcock hat schonmal bestimmt, daß ein Film nur für kurze Zeit im Kino laufen dürfe, und er wurde erst Jahrzehnte später wieder veröffentlicht. Und Disney hat ja auch seinen "Vault" und ließ schonmal Jahre vergehen, bevor DVDs seiner beliebten Fillme neu aufgelegt wurden.)


Wenn wir jetzt so anerkennten, daß es (wie bei dem Kommentar der Fall zu sein scheint) ausschließlich um das Recht des Urhebers (bzw. seines Verwerters) gehe und das in der Form so durchgesetzt werden sollte, landen wir dann nicht in der Welt von Ayn Rand? Wir erinnern uns: Der Protagonist von "The Fountainhead", Howard Roark, sprengt ein Gebäude in die Luft, weil er nicht damit einverstanden ist, was die Erbauer aus seinem Entwurf gemacht haben. Er wurde wohlgemerkt vorher für seine Arbeit bezahlt, aber er denkt, dann auch darüber bestimmen zu dürfen, daß an dem Bau nichts mehr verändert werden dürfe. Und in dem Universum verstehen das die Geschworenen merkwürdigerweise alle und sprechen ihn dafür frei - egal welchen Schaden sein Sprengstoffattentat für die Interessen Anderer (nämlich derjenigen, die den Bau finanziert hatten, derjenigen, die eigentlich einziehen wollten etc.) oder die Allgemeinheit bewirkt haben mag.

Der Punkt ist doch, es kann ja im allgemeinen nicht im Interesse der Urheber sein, daß ihre Werke nicht gezeigt werden...


________
(*) = (Auch davon nicht gesprochen, daß die Verwerter sich ja schon seit 45 Jahren am Bettelstab sehen: Damals beklagten sie sich, daß durch die Einführung von Audiokassetten "ihre Zuwachsraten bei Schallplattenverkäufen zurückgingen" - wow, da war man schon bei der zweiten Ableitung. Und merkwürdigerweise sind diese Akteure heute immer noch da, es gab in der Zwischenzeit immer wieder neue Produkte und neue Möglichkeiten, Geld zu generieren.

In anderen Fällen hatte die Politik sich ja auch oft geweigert, Unternehmen zu stützen, mit dem Verweis darauf, daß man nicht mangelnde Innovation und überlebte Geschäftsmodelle subventionieren wolle. Die Verbreitung von Inhalten funktioniert offenbar heute anders als vor 45 Jahren, da könnte man auch nicht den Buchhandel vor Ort schützen, indem man Amazon verbietet oder so etwas.)
_________________
"Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"

Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
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