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Aufklärung, Mythos und Ideologie
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3106

Beitrag(#2197749) Verfasst am: 18.12.2019, 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Marcellinus hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Ich halte Rausch, Schwulsein und Juden nicht für eine Volkskrankheit.

Was den Rausch betrifft, nur, wenn man andere nicht damit belästigt oder sogar gefährdet. Im Straßenverkehr gilt Rausch als strafverschärfend. Das sollte in jeden anderen Zusammenhang auch so sein. Über die beiden anderen Punkte brauchen wir nicht zu reden.


tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Die Volksgesundheit kann nicht unbedingt was für die Nazis.

Bzw: Nicht jeder Begriff, den die Nazis benutzt haben, ist ein Nazibegriff.


Beides möchte ich nicht weiter vertiefen, wenn's recht ist. Hab' noch mehr. Falls mir zur Volksgesundheit etwas einfällt, dann in einem anderen Thread.

Solange wir uns über das Mill-Zitat einig sind, sind Detailfragen eine andere Diskussion. Falls nicht, bitte sagen.
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Zuletzt bearbeitet von smallie am 18.12.2019, 18:37, insgesamt einmal bearbeitet
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3106

Beitrag(#2197754) Verfasst am: 18.12.2019, 18:36    Titel: Antworten mit Zitat

zelig hat folgendes geschrieben:
Ist undifferenzierte Kritik nicht das Kennzeichen der Wutbürger?


Etwas Hintergrund, bevor ich im Sachtext weitermache.

Zitat:
Hulk always angry


Wie's hierzulande läuft, ist mir erst so richtig aufgefallen, als ich ein Kind hatte. Vorher, da hatte ich meine Leute, mit denen verträgt man sich, rauft sich zusammen oder läßt es bleiben. In der Arbeit zoffen wir uns bisweilen darüber, wie man's richtig macht. Manchmal kommen wir zu einem Konsens, wenn nicht, macht es jeder auf seine Art, solange es am Ende zusammenpasst.

Und dann bist du plötzlich in einer Maschine und hast keine Macht mehr. Und sollst nicht wütend werden. Schon klar, Wut ist negativ besetzt, weil es üblicherweise in Zusammenhang mit einem Machtgefälle auftritt. Chef staucht Mitarbeiter, oder so. Unter Gleichen ist Wut nichts als ein weiteres Gefühl neben Freude, Trauer und so weiter. Ich schweife ab.

Lehrer, die Kindern das Gähnen verbieten. Die ihnen verbieten, unter der Stunde auf's Klo zu gehen. Die ihnen unsinnige Hausaufgaben aufgeben. Lehrer, die Fragen nicht beantworten: "Warum soll nur ein Elternteil zum Lerngespräch kommen?" Antwort: *rumgedruckse" Beharrlich weitergefragt, hieß es dann unvermittelt, ich sei unhöflich, weil ich nicht gegrüßt habe. Ja, klar, wenn ihr schon vor der Zeit anfangen, dann spiel ich Mäuschen und sag nix. Am Ende hieß es dann: "Ich werde dem Rektor davon erzählen." Tja, wenn der Umgang mit mir schon so ist, wird er gegenüber Kindern nicht anders sein.

Ok, vielleicht ist das, was ich erlebe nicht repräsentativ - weil ich in einer merkwürdigen Gegend lebe. Das macht es aber auch nicht besser. Ich befürchte, Vergleichbares gibt es auch jenseits meiner kleinen Welt.




Ein Satz ist mir unterm Schreiben eingefallen. Bei Aufklärung geht es auch darum, ob man die Dinge anders machen kann - oder ob die Welt untergeht, wenn man es anders macht.

In China ist es legal, sich die Urne eines Verstorbenen ins Wohnzimmer zu stellen. Bei uns nicht. Im Vereinigten Königreich ist es möglich, Fahrunterricht von einem Führerscheinbesitzer zu erhalten. Bei uns muß es ein Fahrlehrer sein.

Dazu gibt es keinen öffentlichen Diskurs. Entweder sind alle mit dem Ist-Zustand glücklich. Oder der Ist-Zustand wird nicht hinterfragt, im Sinne einer ausgewachsenen Betriebs- und Kulturblindheit.
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beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 42252
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2197757) Verfasst am: 18.12.2019, 18:57    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:


.....Ein Satz ist mir unterm Schreiben eingefallen. Bei Aufklärung geht es auch darum, ob man die Dinge anders machen kann - oder ob die Welt untergeht, wenn man es anders macht.....




Eine Welt, die nicht verträgt, wenn jemand etwas anders macht, und deshalb gleich untergeht, taugt eh nix und man laesst sie besser untergehen zwinkern
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3106

Beitrag(#2197765) Verfasst am: 18.12.2019, 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die zweite Aufklärung
Neil Postman - 1999

Fünfundvierzig Jahre lang habe ich nun herauszufinden versucht, weshalb in der Schule das Fragenstellen nicht als ein Kernthema des Unterrichts gilt. Keine der Antworten, die mir dazu durch den Kopf gegangen sind, - unter anderem intellektuelle Unschuld von Lehrern, das Fehlen von Prüfungsmodellen, um Kompetenz in dieser Fähigkeit zu messen, der Umstand, daß die Lehrer selbst dieses Thema in ihrer Schulzeit nicht gelernt haben, und auch die Tatsache, daß die Schule traditionellerweise als Ort gilt, wo Schüler Antworten lernen, nicht aber die Fragen, denen die Antworten entspringen -, reichen hin, um diese Tatsache zu erklären.


Gleich im Anschluß dieser erstaunliche Satz:

Neil Postman hat folgendes geschrieben:
Möglicherweise wissen Lehrer inuitiv, daß eine ernsthafte Beschäftigung mit der Kunst und der Wissenschaft des Fragenstellens politisch explosiv ist, und weichen ihr deshalb aus.

Intuitiv. Woher kommt die Intuition?


Damit kriege ich die Kurve zurück dazu:

smallie hat folgendes geschrieben:
Menschen leben in Großgruppen zusammen. Wenn einzelne Mitglieder nicht spuren, dann hat die Gruppe Schiß, im Vergleich mit anderen Gruppen zurückzufallen. Damit das nicht passiert, stiefelt man jene, die nicht spuren.

Konkretisiert:

    - Der Lehrer fürchtet, daß er mit dem Stoff nicht durchkommt, wenn zu viele Fragen gestellt werden. Dann fallen die Zensuren in seiner Klasse schlechter aus, als die der Kollegen.

    - Der Schichtleiter fürchtet, daß er das Produktionsziel nicht einhalten kann, wenn die Arbeiter Fragen stellen, statt zu arbeiten.

    - Der Unteroffizier fürchtet, daß er auf den Deckel kriegt, wenn seine Leute fragen stellen, statt zu schießen.



Wenn man gewinnen will, sind zu viele Fragen störend. Naja, wenn man auf kurzfristige Gewinne schielt.
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Skeptiker
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Anmeldungsdatum: 14.01.2005
Beiträge: 14801
Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#2197778) Verfasst am: 19.12.2019, 13:48    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Die zweite Aufklärung
Neil Postman - 1999

Fünfundvierzig Jahre lang habe ich nun herauszufinden versucht, weshalb in der Schule das Fragenstellen nicht als ein Kernthema des Unterrichts gilt. Keine der Antworten, die mir dazu durch den Kopf gegangen sind, - unter anderem intellektuelle Unschuld von Lehrern, das Fehlen von Prüfungsmodellen, um Kompetenz in dieser Fähigkeit zu messen, der Umstand, daß die Lehrer selbst dieses Thema in ihrer Schulzeit nicht gelernt haben, und auch die Tatsache, daß die Schule traditionellerweise als Ort gilt, wo Schüler Antworten lernen, nicht aber die Fragen, denen die Antworten entspringen -, reichen hin, um diese Tatsache zu erklären.


Gleich im Anschluß dieser erstaunliche Satz:

Neil Postman hat folgendes geschrieben:
Möglicherweise wissen Lehrer inuitiv, daß eine ernsthafte Beschäftigung mit der Kunst und der Wissenschaft des Fragenstellens politisch explosiv ist, und weichen ihr deshalb aus.

Intuitiv. Woher kommt die Intuition?


Damit kriege ich die Kurve zurück dazu:

smallie hat folgendes geschrieben:
Menschen leben in Großgruppen zusammen. Wenn einzelne Mitglieder nicht spuren, dann hat die Gruppe Schiß, im Vergleich mit anderen Gruppen zurückzufallen. Damit das nicht passiert, stiefelt man jene, die nicht spuren.

Konkretisiert:

    - Der Lehrer fürchtet, daß er mit dem Stoff nicht durchkommt, wenn zu viele Fragen gestellt werden. Dann fallen die Zensuren in seiner Klasse schlechter aus, als die der Kollegen.

    - Der Schichtleiter fürchtet, daß er das Produktionsziel nicht einhalten kann, wenn die Arbeiter Fragen stellen, statt zu arbeiten.

    - Der Unteroffizier fürchtet, daß er auf den Deckel kriegt, wenn seine Leute fragen stellen, statt zu schießen.


Wenn man gewinnen will, sind zu viele Fragen störend. Naja, wenn man auf kurzfristige Gewinne schielt.


Auch auf dem Segelschiff gibt es keine Zeit für Fragen, ohne dass da was mit Großgruppen oder Konkurrenz ist. Man will vielleicht einfach voran kommen und bei einem eventuellen Unwetter nicht kentern.

Im übrigen waren weiter oben die Großgruppen eine Erklärung für Faschismus. Jetzt ist der Faschismus wieder verschwunden und Neil Postman erzählt.

Du springst ganz schön mit deinen Themen.
_________________
°
"Ich verwarne Ihnen!" (Schiri)
"Ich danke Sie" (Willi Lippens)

Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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