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Rasse und Intelligenz
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Zumsel
registrierter User



Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 4189

Beitrag(#2252813) Verfasst am: 06.06.2021, 18:08    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Ist das aus der Minima Moralia?


Ja, richtig Nr. 126.
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Zumsel
registrierter User



Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 4189

Beitrag(#2252814) Verfasst am: 06.06.2021, 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Ist das aus der Minima Moralia? Auf jeden Fall super Text. Daumen hoch!


Also mein IQ ist zu niedrig, um das zu verstehen. Weinen


Langsam, gründlich und ggf. wiederholt jeden Satz lesen.
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Ahriman
boshafter Spötter



Anmeldungsdatum: 31.03.2006
Beiträge: 17765
Wohnort: 89250 Senden

Beitrag(#2252893) Verfasst am: 07.06.2021, 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Ist das aus der Minima Moralia? Auf jeden Fall super Text. Daumen hoch!


Also mein IQ ist zu niedrig, um das zu verstehen. Weinen

Vielleicht, wenn das mal einer in die deutsche Sprache übersetzt?
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Zumsel
registrierter User



Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 4189

Beitrag(#2252904) Verfasst am: 07.06.2021, 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Wie gut, dass der Angeklagte hier nicht der Worte Anderer zur Verteidigung bedarf:

Teddy Wiesengrund hat folgendes geschrieben:
Moral und Stil. - Man wird als Schriftsteller die Erfahrung machen, daß, je präziser,
gewissenhafter, sachlich angemessener man sich ausdrückt, das literarische Resultat
für um so schwerer verständlich gilt, während man, sobald man lax und
verantwortungslos formuliert, mit einem gewissen Verständnis belohnt wird. Es hilft
nichts, alle Elemente der Fachsprache, alle Anspielungen auf die nicht mehr
vorgegebene Bildungssphäre asketisch zu vermeiden. Vielmehr bewirken Strenge und
Reinheit des sprachlichen Gefüges, selbst bei äußerster Einfachheit, ein Vakuum.
Schlamperei, das mit dem vertrauten Strom der Rede Schwimmen, gilt für ein
Zeichen von Zugehörigkeit und Kontakt: man weiß, was man will, weil man weiß,
was der andere will. Beim Ausdruck auf die Sache schauen, anstatt auf die
Kommunikation, ist verdächtig: das Spezifische, nicht bereits dem Schematismus
Abgeborgte erscheint rücksichtslos, ein Symptom der Eigenbrötelei, fast der
Verworrenheit. Die zeitgemäße Logik, die auf ihre Klarheit so viel sich einbildet, hat
naiv solche Perversion in der Kategorie der Alltagssprache rezipiert. Der vage
Ausdruck erlaubt dem, der ihn vernimmt, das ungefähr sich vorzustellen, was ihm
genehm ist und was er ohnehin meint. Der strenge erzwingt Eindeutigkeit der
Auffassung, die Anstrengung des Begriffs, deren die Menschen bewußt entwöhnt
werden, und mutet ihnen vor allem Inhalt Suspension der gängigen Urteile, damit ein
sich Absondern zu, dem sie heftig widerstreben. Nur, was sie nicht erst zu verstehen
brauchen, gilt ihnen für verständlich; nur das in Wahrheit Entfremdete, das vom
Kommerz geprägte Wort berührt sie als vertraut. Weniges trägt so sehr zur
Demoralisierung der Intellektuellen bei. Wer ihr entgehen will, muß jeden Rat, man
solle auf Mitteilung achten, als Verrat am Mitgeteilten durchschauen.
Minima Moralia, 64
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 40144

Beitrag(#2252909) Verfasst am: 07.06.2021, 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wer ihr entgehen will, muß jeden Rat, man solle auf Mitteilung achten, als Verrat am Mitgeteilten durchschauen.

Ausrufezeichen Daumen hoch!
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Ahriman
boshafter Spötter



Anmeldungsdatum: 31.03.2006
Beiträge: 17765
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Beitrag(#2252955) Verfasst am: 08.06.2021, 12:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, das kenn ich, als ich noch klein war: Das verstehst du nicht, dazu bist du zu dumm.
Bankrotterklärung des weisen Mannes: Egal, was ich sage und schreibe, keiner versteht es wirklich.
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 40144

Beitrag(#2252958) Verfasst am: 08.06.2021, 12:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Hm, das kenn ich, als ich noch klein war: Das verstehst du nicht, dazu bist du zu dumm.

Das steht da nicht. Also beziehungsweise allenfalls ist das genau die psychologische Projektion, die dort kritisiert wird.

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Bankrotterklärung des weisen Mannes: Egal, was ich sage und schreibe, keiner versteht es wirklich.

Ich verstehe es.
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Skeptiker
"I can't breathe!"



Anmeldungsdatum: 14.01.2005
Beiträge: 16022
Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#2252961) Verfasst am: 08.06.2021, 13:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Hm, das kenn ich, als ich noch klein war: Das verstehst du nicht, dazu bist du zu dumm.
Bankrotterklärung des weisen Mannes: Egal, was ich sage und schreibe, keiner versteht es wirklich.


Also zunächst einmal sollte man Adorno nicht mit Addi verwechseln, auch wenn einige ihm vielleicht diesen Spitznamen gegeben haben mögen.

Das eine ist die kritische Theorie mit Sprachwurmfortsatz innen drinnen, das andere ... sehen wir hier manchmal wirken.

Für Menschen, die ungern allzu tief in die deutsche Sprache hinein kriechen, gibt es Hilfen. Da ist zum Beispiel die "einfache Sprache", mit der man auch Adorno in seine vielen Einzelteile zerlegen kann.

Voilà:

Zitat:
Der Originalsatz erscheint dabei immer fett gedruckt, die Übersetzung befindet sich darunter.

Zur Selbstverständlichkeit wurde, dass nichts, was die Kunst betrifft, mehr selbstverständlich ist, weder in ihr noch in ihrem Verhältnis zum Ganzen, nicht einmal ihr Existenzrecht.

Malen und Tanzen macht Spaß.
Aber viele Opas in Deutschland haben ganz viele Menschen tot gemacht.
Deutschland ist ein Land.
In dem Land leben wir.
Darum darf Malen und Tanzen keinen Spaß mehr machen.
Das ist klar.
Malen und Tanzen ist nicht mehr Malen und Tanzen.
Malen und Tanzen gibt es fast nicht mehr!
Das wissen Malen und Tanzen sogar selber.

Die Einbuße an reflexionslos oder unproblematisch zu Tuendem wird nicht kompensiert durch die offene Unendlichkeit des möglich Gewordenen, der die Reflexion sich gegenübersieht.

Opa war böse.
Malen und Tanzen muss dafür bestraft werden.
Alle haben Haue bekommen.
Aber die Haue geht weiter.
Wir müssen beim Malen und Tanzen immer an Haue denken!
Malen und Tanzen hat mit Haue zu tun.

Erweiterung zeigt in vielen Dimensionen sich als Schrumpfung.

Opa war böse.
Malen und Tanzen ist deshalb kaputt.
Kaputt heißt nicht danach wieder lustig sein dürfen.


https://blogs.nmz.de/badblog/2017/06/27/adorno-in-einfacher-sprache-teil-i-aesthetische-theorie-i/


Wie man sieht, ist es ganz einfach mit Adorno! Sehr glücklich
_________________
°
"Ich verwarne Ihnen!" (Schiri)
"Ich danke Sie" (Willi Lippens)

Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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Zumsel
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Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 4189

Beitrag(#2252971) Verfasst am: 08.06.2021, 14:27    Titel: Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
adorno-in-einfacher-sprache-teil-i-aesthetische-theorie-i/
...
Wie man sieht, ist es ganz einfach mit Adorno! Sehr glücklich


Naaa ja, netter Versuch würde ich sagen zwinkern

Übrigens sind viele Texte Adornos tatsächlich nicht so ohne weiteres Jedem verständlich, sondern, im Gegenteil, oft sehr voraussetzungsvoll. Das gilt für den Großteil der Minima Moralia (aus der ich hier zweimal zitiert habe) aber gerade nicht. Die Minima Moralia wurde für ein breites Publikum geschrieben und das meiste davon kann, behaupte ich, von jedem, der eine durchschnittliche Allgemeinbildung hat, mit ein bisschen Mühe ziemlich gut verstanden werden. Der Text zu "Moral und Stil" bspw. setzt außer einer muttersprachlichen Beherrschung der deutschen Grammatik und durchschnittlicher Konzentrationsfähigkeit eigentlich gar nichts weiter zum Verständnis voraus (dass Ahrimann es trotzdem schafft, ihn falsch zu verstehen, bestätigt, wie Tarvoc schon bemerkte, bloß die Diagnose, die dort gestellt wird). Das trifft auf z.B. die Ästhetische Theorie, die Dialektik der Aufklärung und die Negative Dialektik so natürlich nicht zu.
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Ahriman
boshafter Spötter



Anmeldungsdatum: 31.03.2006
Beiträge: 17765
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Beitrag(#2253031) Verfasst am: 09.06.2021, 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Ahriman hat folgendes geschrieben:
Hm, das kenn ich, als ich noch klein war: Das verstehst du nicht, dazu bist du zu dumm.

Das steht da nicht. Also beziehungsweise allenfalls ist das genau die psychologische Projektion, die dort kritisiert wird.

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Bankrotterklärung des weisen Mannes: Egal, was ich sage und schreibe, keiner versteht es wirklich.

Ich verstehe es.

Das bezweifle ich.
Zitat:
Die Einbuße an reflexionslos oder unproblematisch zu Tuendem wird nicht kompensiert durch die offene Unendlichkeit des möglich Gewordenen, der die Reflexion sich gegenübersieht.

Tok,tok,tok.
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 40144

Beitrag(#2253036) Verfasst am: 09.06.2021, 14:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
Das bezweifle ich.

Mit Verlaub: Das ist mir doch egal.
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smallie
resistent!?



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3387

Beitrag(#2253156) Verfasst am: 10.06.2021, 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

Zumsel hat folgendes geschrieben:
Langsam, gründlich und ggf. wiederholt jeden Satz lesen.


Zumsel hat folgendes geschrieben:
Adorno hat folgendes geschrieben:
I. Q. - Die jeweils dem fortgeschrittensten technischen Entwicklungsstand angemessenen Verhaltensweisen beschränken sich nicht auf die Sektoren, in denen sie eigentlich gefordert sind.

Wer von "angemessenen Verhaltensweisen" spricht, sollte sagen, was er darunter versteht. Sonst kann ich nicht beurteilen, ob diese Verhaltensweisen dann in Sektoren ausgerollt werden, in die sie nicht gehören.

Ich denke bei Verhaltensweisen zuerst an Best-Practices. Bücher wie The Pragmatic Programmer. Oder, ganz andere Ecke: Sun Tzu - Die Kunst des Krieges. Beide Bücher lassen sich leicht auf andere Sektoren anwenden.

Andere Deutungen sind möglich. Technische Normen, DIN 9000ff, EU-Gurken-Normen, Windkraft-Ausbau, Ressourcenschonung? Auch gibt es nicht immer einen Konsens über "angemessene Verhaltensweisen". Ein deutscher Sicherheitsbeauftragter wird ne Krise kriegen, wenn er sieht, wie Leute in Asien in Bambusgerüsten an Wolkenkratzern arbeiten.

Tipp: Roß und Reiter nennen. Dann muß ich nicht raten.


Adorno hat folgendes geschrieben:
So unterwirft Denken sich der gesellschaftlichen Leistungskontrolle nicht dort bloß, wo sie ihm beruflich aufgezwungen wird, sondern gleicht seine ganze Komplexion ihr an. Weil nachgerade der Gedanke in die Lösung von zugewiesenen Aufgaben sich verkehrt, wird auch das nicht Zugewiesene nach dem Schema der Aufgabe behandelt.

"gesellschaftliche Leistungskontrolle" - keine Ahnung, was Adorno damit meint. Er sagt es nicht. Ich kann mir einen Kontext zurechtschustern, in dem das stimmt. Genauso kann ich einen finden, in dem das nicht stimmt.

Was ist diese Leistungskontrolle denn nun? Geraten:

    - Wenn die Kirche Frau Ranke-Heinemann die Lehrbefugnis entzieht?
    - Wenn die Medien einen Minister wegen eines milliardenschweren Fehlkaufs kritisieren?
    - Wenn eine Firma einen Mitarbeiter feuert, weil er grob-fahrlässig teuren Ausschuß produziert hat?
    - Wenn eine Firma wegen Missmanagement pleite geht?
    - Ein Shitstorm in Internet?


"Das Nichtzugewiesene"? Also die Freizeit? Hmm. Wiederum geraten: Wenn ich nächstes Mal einkaufen gehe, muß ich das in seiner "Komplexion" als Travelling-Salesman-Problem betrachten. Pfeifen Niemand fährt oder läuft Wege mehrfach zwischen mehreren Geschäften. Mathe im Alltag - und man braucht nicht mal den Namen des Problems zu kennen, um es zu lösen. Das als Beispiel für eine angemessene Verhaltensweise, die "sektorenübergreifend" ist.

"Das Schema der Aufgabe". Ja welche Aufgabe denn? Einkaufen gehen? Wer hat mir was aufgegeben, wer hat euch was aufgegeben? Klar, Menschen übernehmen manchmal mehr, manchmal weniger die Sitten in ihrem Kulturkreis. Ist das gemeint?

Irgendwie scheint Adorno sagen zu wollen, Denken sei zunehmend normiert. Warum sagt er es dann nicht? Vermutlich hat er kein Maß, um die Normierung von Gedanken zu messen. Adorno flüchtet ins Metaphorische:


Adorno hat folgendes geschrieben:
Der Gedanke, der Autonomie verlor, getraut sich nicht mehr, Wirkliches um seiner selbst willen in Freiheit zu begreifen.

Ein Gedanke, der sich um seiner selbst willen begreift. Gnade! Es ist nicht hilfreich, Gedanken zu vermenschlichen.

Wenn ich stattdessen sage: "Menschen denken nicht mehr autonom" - müßte man sofort fragen, stimmt das überhaupt und wenn ja, woran liegt es.


Adorno hat folgendes geschrieben:
Das überläßt [der Gedanke] mit respektvoller Illusion den Höchstbezahlten und macht dafür sich selber meßbar.

Wer sind die Höchstbezahlten? Nochmal: Bitte Roß und Reiter nennen. Sind Wirtschaftsleute wie Steve Jobs oder Elon Musk gemeint? Leute mit Abschluß an einer Elite-Uni? Politiker wie Obama? Philosophen gar? Irgendwie steckt da die Aussage drin, die Höchstbezahlten steuern die Welt.

Adornos Text ist mit beliebigen Denkhintergründen aufladbar, Umweltschützer, Kommunisten oder Gegner der hochbezahlten jüdischen Finanz-Weltverschwörung können ihn für ihre Zwecken deuten, weil der Text im Vagen bleibt. "Denken ist erstickt! Ihr denkt nicht autonom!" - das kann jede Gruppe über ihren Gegner behaupten. Insofern ist der Text eine Null-Aussage.


Adorno hat folgendes geschrieben:
[Der Gedanke] benimmt sich tendenziell bereits von sich aus, als ob er unablässig seine Tauglichkeit darzutun hätte.

Da möchte man dem Gedanken zurufen: "Trau dich!". Seine Tauglichkeit muß er Ende trotzdem dartun. Davon sollte man nicht abrücken.

Das "unablässig" hat Adorno hinzugemogelt. Es finden sich meiner Meinung nach genügend Gedanken, die nicht auf ihre Tauglichkeit überprüft wurden. Ist im Brain-Storm-Modus auch in Ordnung.


Adorno hat folgendes geschrieben:
Überlegungen, die sich durch Beziehung zur Sache und damit vor sich selber verantworten möchten, fordern den Argwohn heraus, sie seien eitle, windige, asoziale Selbstbefriedigung.

Den Satz verstehe ich nicht. Ein Bezug zur Sache macht mich nicht argwöhnisch. Im Gegenteil, wenn der Bezug zur Sache fehlt, dann werde ich argwöhnisch.

Eigentlich ist es ja Adorno selbst, der eitel und windig schreibt.


Adorno hat folgendes geschrieben:
Wie den Neopositivisten Erkenntnis sich spaltet in die angehäufte Empirie und den logischen Formalismus, so polarisiert sich die geistige Tätigkeit des Typus, dem die Einheitswissenschaft auf den Leib geschrieben ist, ins Inventar des Gewußten und die Stichprobe der Denkfähigkeit: ...

Die Einheitswissenschaft. Das Wort kannte ich noch nicht. Damit sind wohl jene Wissenschaften gemeint, die einen ausreichend empirischen Kern haben, um ihre Tauglichkeit zu überprüfen. Es gibt nur eine Physik, nur eine Chemie, usw. während es mehrere Theologien und mehrere Philosophie-Schulen gibt. Das sind dann wohl die Vielfalts-Wissenschaften.

"Das Inventar des Gewußten". Bläh-Wort. Das ist heißt schlicht das "Wissen". Als Versuch, das in einfachem Deutsch zu sagen:

    Die Neopositivsten stützen sich auf Empirie und den logischen Formalismus. Sie gleichen dabei dem Typ Einheitswissenschaftler, die sich auf ihr Wissen und ihre Denkfähigkeit verlassen.

Was ist daran falsch, sich auf Wissen und Denkfähigkeit zu verlassen?


Adorno hat folgendes geschrieben:
... jeder Gedanke wird [den Einheitswissenschafts-Typen] zum Quiz entweder der Informiertheit oder der Eignung. Irgendwo müssen die richtigen Antworten schon verzeichnet stehen.

Hat Adorno gerade Informiertheit - also Bildung - gebasht?

Und wer hat behauptet, die richtigen Antworten seien schon verzeichnet?


Adorno hat folgendes geschrieben:
Instrumentalism, die jüngste Version des Pragmatismus, ist längst nicht mehr bloß Sache der Anwendung des Denkens, sondern das Apriori seiner eigenen Form.

Die "Anwendung des Denkens"? Noch eine Bläh-Formulierung. Normale Menschen wenden ihr Denken nicht an, die denken einfach.

Adorno, Schinder von Worten und Zeilen.

Kurz noch die Anwendung meines Denkens zur Durchführung gebracht. Zustimmung Auf das Wesentliche reduziert geht der Satz so:

    Instrumentalismus ist die Voraussetzung seiner selbst.

Das ist keine Aussage, keine Einsicht, die bei irgendetwas weiterhilft.


Adorno hat folgendes geschrieben:
Während der Gedanke verlernt hat, sich selbst zu denken, ...

Manchmal habe ich einen Gedanken, der plötzlich in meinem Kopf auftaucht, ohne daß ich ihn (bewußt) gedacht hätte. Manchmal erzwingt ein Gedanke auch den nächsten. In diesem Sinn denken sich Gedanken gelegentlich von selbst.

Adorno spricht gar nicht über IQ. Er spricht über's Denken. Die Regeln des Denkens und des Schlußfolgerns sind bereits bekannt. Nur hilft die Kenntnis nicht unbedingt dabei, in intelligenter Weise Fakt A und Fakt B zusammenzubringen. Die eigentliche Frage nach Intelligenz geht doch so: warum kommt man manchmal nach Tagen oder Jahren auf einen Gedanken oder eine Lösung oder hat einen Aha-Moment, obwohl man alle Fakten zuvor bereits kannte? Warum kommen manche schneller, andere langsamer auf eine Lösung?


Adorno hat folgendes geschrieben:
... ist [der Gedanke] zugleich zur absoluten Prüfungsinstanz seiner selbst geworden.

Ein Gedanke prüft sich nicht selbst.

Ich prüfe einen Gedanken indem ich ihn mit anderen Gedanken und Fakten in Beziehung setze.


Adorno hat folgendes geschrieben:
Denken heißt nichts anderes mehr als in jedem Augenblick darüber wachen, ob man auch denken kann. Daher das Erstickte noch jeder scheinbar unabhängigen geistigen Produktion, der theoretischen nicht weniger als der künstlerischen.

Ist mir zu kulturpessimistisch. Auch wenn man Sturgeons Law anhängt - 90% von allem sind Mist -, bleiben noch 10 %, die kein Mist, die nicht erstickt sind. Ich finde immer wieder erstaunliches, lebendiges, atmendes Zeug.

"Scheinbar unabhängig" - auch wieder so ein Wieselwort.
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 40144

Beitrag(#2253163) Verfasst am: 10.06.2021, 20:22    Titel: Antworten mit Zitat

Unglaublich, dass ich hier Adorno verteidigen muss. Mit den Augen rollen Aber gut, wenn wir schon beim Zerhackstückeln sind, dann mach' ich doch einfach mal mit.

smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno hat folgendes geschrieben:
Der Gedanke, der Autonomie verlor, getraut sich nicht mehr, Wirkliches um seiner selbst willen in Freiheit zu begreifen.

Ein Gedanke, der sich um seiner selbst willen begreift. Gnade!

Das steht da nicht. Ich hab' mal gefettet und unterstrichen, wo du dich verlesen hast. Und nein, dein Verlesen ist keine weitere Evidenz dafür, dass Adorno kryptisch schreibt. Die grammatische Struktur ist hier sehr wohl klar.

smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno hat folgendes geschrieben:
Das überläßt [der Gedanke] mit respektvoller Illusion den Höchstbezahlten und macht dafür sich selber meßbar.

Wer sind die Höchstbezahlten? Nochmal: Bitte Roß und Reiter nennen. Sind Wirtschaftsleute wie Steve Jobs oder Elon Musk gemeint?

Adorno geht wohl davon aus, dass seine Leser schon eine minimale Ahnung von der Problematik der Arbeitsteilung und ihrer Realität im Kapitalismus, insbesondere der Teilung von körperlicher und geistiger Arbeit haben. Adorno wird ja öfters mal jammernder Pessimismus vorgeworfen, aber angesichts der Reaktionen hier auf diese Passage ist das womöglich noch hoffnungslos optimistisch.

smallie hat folgendes geschrieben:
Es finden sich meiner Meinung nach genügend Gedanken, die nicht auf ihre Tauglichkeit überprüft wurden.

Du meinst so wie hier gerade? Mit den Augen rollen

smallie hat folgendes geschrieben:
Als Versuch, das in einfachem Deutsch zu sagen:

Netter Versuch.

smallie hat folgendes geschrieben:
Hat Adorno gerade Informiertheit - also Bildung - gebasht?

Abgesehen davon, dass das keine Synonyme sind: Nein.

smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno hat folgendes geschrieben:
Instrumentalism, die jüngste Version des Pragmatismus, ist längst nicht mehr bloß Sache der Anwendung des Denkens, sondern das Apriori seiner eigenen Form.

Die "Anwendung des Denkens"? Noch eine Bläh-Formulierung. Normale Menschen wenden ihr Denken nicht an, die denken einfach. Stil-Tipp: Überflüssiges wegstreichen.

Adorno setzt voraus, dass seine Leser schon mal von Pragmatismus und Instrumentalismus als philosophische Positonen gehört haben und diese Positionen zumindest ungefähr kennen. Das ist natürlich eine hoffnungslos naive Annahme.

smallie hat folgendes geschrieben:
Auf das Wesentliche reduziert geht der Satz so:

    Instrumentalismus ist die Voraussetzung seiner selbst.

Das ist keine Aussage, keine Einsicht, die bei irgendetwas weiterhilft.

Wenn man weiß, was der Instrumentalismus beinhaltet, dann versteht man auch, warum das eine Kritik an ihm ist. Ich weiß, viel verlangt, s.o..

smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno spricht gar nicht über IQ. Er spricht über's Denken.

Mit den Augen rollen Adorno spricht über die Unterwerfung des Denkens unter gesellschaftliche Zwecke mit Hilfe seiner Quantifizierung durch Skalen wie z.B. dem I.Q.

smallie hat folgendes geschrieben:
Die eigentliche Frage nach Intelligenz geht doch so: warum kommt man manchmal nach Tagen oder Jahren auf einen Gedanken oder eine Lösung oder hat einen Aha-Moment, obwohl man alle Fakten zuvor bereits kannte?

Klar, der IQ ermittelt, warum man nach Tagen oder Jahren auf eine Lösung kommt. Deshalb ist ja auch die Zeit für die Bearbeitung nicht knapp bemessen. Lachen

smallie hat folgendes geschrieben:
Warum kommen manche schneller, andere langsamer auf eine Lösung?

Bei einem Problem, bei dem man erst nach Jahren einen Aha-Moment hat, dürfte das wohl kaum an irgendeiner messbaren, inhärenten und persistenten Fähigkeit des Individuums liegen.

smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno hat folgendes geschrieben:
... ist [der Gedanke] zugleich zur absoluten Prüfungsinstanz seiner selbst geworden.

Ein Gedanke prüft sich nicht selbst. Ich prüfe einen Gedanken indem ich ihn mit anderen Gedanken [...] in Beziehung setze.

Aha. Wie grenzt man denn einzelne Gedanken scharf gegeneinander ab? Was wäre dabei das Kriterium der Identität?

smallie hat folgendes geschrieben:
Ist mir zu kulturpessimistisch.

Ich hoffe, du verwechselst das nicht mit einem Argument.

smallie hat folgendes geschrieben:
Auch wenn man Sturgeons Law anhängt

"Sturgeon's Law". Genau dieses bloße Wiederkäuen von anderen vorgekauter Gedanken ist das von Adorno Kritisierte.

smallie hat folgendes geschrieben:
Ich finde immer wieder erstaunliches, lebendiges, atmendes Zeug.

Ich auch. Nur nicht in den bisherigen Antworten auf Adornos Passagen. zwinkern

smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno spricht von "jeder geistigen Produktion". Damit sind Adornos eigene geistige Produktionen ebenfalls betroffen. Adorno schießt sich argumentativ selbst ab - und merkt es nicht.

Hat zwar nichts mehr mit IQ zu tun, aber angesichts von Adornos nicht haltbarer These eines "totalen Verblendungszusammenhangs" ist das der einzige Teil deines Beitrags, der zumindest ungefähr in eine richtige Richtung weist. Dementsprechend ein schöner Punkt zum Abschluss. (Man könnte allerdings darauf hinweisen, dass es Adorno gerade um die Reflektion des Denkens auf die Bedingungen seines eigenen Scheiterns geht, aber sei's drum. Man muss es ja nicht zu kompliziert machen.)
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closeman
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Anmeldungsdatum: 27.11.2007
Beiträge: 883

Beitrag(#2253182) Verfasst am: 10.06.2021, 23:17    Titel: Antworten mit Zitat

Zehn Seiten über "Rasse" und Intelligenz?! Kann das weg oder euer Ernst?
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
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Beitrag(#2253190) Verfasst am: 11.06.2021, 06:14    Titel: Antworten mit Zitat

closeman hat folgendes geschrieben:
Zehn Seiten über "Rasse" und Intelligenz?! Kann das weg oder euer Ernst?

Also von mir aus kann das alles weg.
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Zumsel
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Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 4189

Beitrag(#2253194) Verfasst am: 11.06.2021, 09:05    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno spricht gar nicht über IQ. Er spricht über's Denken.

Mit den Augen rollen Adorno spricht über die Unterwerfung des Denkens unter gesellschaftliche Zwecke mit Hilfe seiner Quantifizierung durch Skalen wie z.B. dem I.Q.


Darin scheint mir auch das Hauptproblem zu bestehen, dass dieser Kernpunkt des Textes offenbar nicht verstanden wurde. Adorno schreibt an anderer Stelle ja, in einem philosophischen Text sollten alle Sätze gleich nah zum Zentrum stehen. Was das für ihn heißt, kann man an diesem Text recht gut nachvollziehen, denn tatsächlich drückt jeder Satz (je unterschiedliche Aspekte betonend) Kritik an genau dieser Sucht zur Skalierung, Messung, Normung, Berechnung, Funktionalisierung aus bzw. die Durchdringung des Denkens durch diese ist gewissermaßen die gesellschaftliche Diagnose, die er hier stellt und die einzelnen Aussagen beschreiben wenn man so will Symptome davon. Wenn man beim Lesen des ganzen Textes zu diesem Kern nicht durchdringt wird’s mit dem Verstehen jedes einzelnen Satzes natürlich schwierig. Denn eine Struktur der Art: "Wie wir oben gesehen haben gilt X und da wir nun gesehen haben, dass auch Y gilt, kommt als Erklärung für unser Problem Z nur noch A oder B in Frage" sucht man hier natürlich vergebens.

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:
Adorno spricht von "jeder geistigen Produktion". Damit sind Adornos eigene geistige Produktionen ebenfalls betroffen. Adorno schießt sich argumentativ selbst ab - und merkt es nicht.

Hat zwar nichts mehr mit IQ zu tun, aber angesichts von Adornos nicht haltbarer These eines "totalen Verblendungszusammenhangs" ist das der einzige Teil deines Beitrags, der zumindest ungefähr in eine richtige Richtung weist. Dementsprechend ein schöner Punkt zum Abschluss. (Man könnte allerdings darauf hinweisen, dass es Adorno gerade um die Reflektion des Denkens auf die Bedingungen seines eigenen Scheiterns geht, aber sei's drum. Man muss es ja nicht zu kompliziert machen.)


Muss man nicht, aber wenn man Adorno diese Art Naivität unterstellt ("merkt es nicht") ist es schon angemessen darauf hinzuweisen, dass er das natürlich sehr wohl tut. In diesem Text wird es nicht thematisiert, in anderen auch der Minima Moralia implizit aber sehr wohl. Das notwendig sich wiederholende Scheitern des Denkens auf Grund der Verhältnisse, in die es nun mal eingebunden ist, ist ja gewissermaßen die Grundannahme einer "Negativen Dialektik", die eben die Möglichkeit der absoluten Aufhebung der dialektischen Widersprüche in einer abschließenden Synthese verneint. Was aber andererseits nicht ausschließt, dass es Fortschritt und Verbesserung geben kann.
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smallie
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Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 3387

Beitrag(#2253234) Verfasst am: 11.06.2021, 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
AdvocatusDiaboli hat folgendes geschrieben:
Also mein IQ ist zu niedrig, um das zu verstehen. Weinen

Vielleicht, wenn das mal einer in die deutsche Sprache übersetzt?

Grob etwa so:

Adorno übersetzt hat folgendes geschrieben:
Technisch angemessene Verhaltensweisen werden in Bereiche übertragen, in die sie nicht gehören. Deshalb unterwirft sich Denken der gesellschaftlichen Leistungskontrolle, man überlässt das Denken den Höchstbezahlten. Das liegt an den Einheitswissenschaftstypen, die sich auf Wissen und Denkfähigkeit verlassen. Deshalb ist die theoretische wie die künstlerische Produktion so erstickt.


Vermutlich läuft es auf den Spruch von Marx hinaus: "Die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden." Warum das bei Adorno unter IQ läuft? Keine Ahnung - wieder mal. Zustimmung
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Tarvoc
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Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 40144

Beitrag(#2253346) Verfasst am: 13.06.2021, 01:05    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Keine Ahnung - wieder mal. Zustimmung

Ja, das fasst deine Beiträge dazu eigentlich insgesamt ziemlich gut zusammen.
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