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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#423972) Verfasst am: 01.03.2006, 15:22 Titel: |
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DerTorsten hat folgendes geschrieben: | max hat folgendes geschrieben: | DerTorsten hat folgendes geschrieben: | max hat folgendes geschrieben: | Der Sozialismus ist aber nicht dadurch gekennzeichnet, dass die Arbeiter keinerlei Kontrolle über die Produktionsmittel und den "Arbeiterstaat" haben und durch Parteibonzen massiv ausgebeutet und unterdrückt werden. |
Richtig. |
Deshalb ist es auch unsinnig, wenn man die Ostblockstaaten, China, Kuba etc. als sozialistisch bezeicht |
Brav gelernt, Deinen Springer-Jargon und Deine pseudo- und antikommunistischen Verwirrparolen. |
Tja, mehr scheint dir ja nie einzufallen. Aber das hatten wir ja schon öfters.
_________________ Für die AGENDA 3010! 30-Stunden-Woche mit vollen Lohnausgleich und 10 Euro gesetzlicher Mindestlohn!
The only general I like is called strike
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GermanHeretic Individualoptimist & Kulturpessimist
Anmeldungsdatum: 16.06.2004 Beiträge: 4932
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(#423973) Verfasst am: 01.03.2006, 15:22 Titel: Re: Frage eines Arbeiters |
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annox hat folgendes geschrieben: | Die Sozialdemokratie hat sich mit dem Kapitalismus arrangiert und unterstützt bzw. bewahrt dieses System, statt es grundlegend zu bekämpfen. |
Genaugenommen hat es bisher keine deutsche Regierung gegeben, die dem Großkapital soviel Zucker in den Arsch geblasen hat, wie die verblichene rot-grüne. Da wird ja selbst mir als Kleinkapitalist übel.
_________________ "Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, und Sie nehmen ihm zu gleicher Zeit das Glück." (Henrik Ibsen)
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Yamato Teeist
Anmeldungsdatum: 21.08.2004 Beiträge: 4548
Wohnort: Singapore
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(#423975) Verfasst am: 01.03.2006, 15:24 Titel: |
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DerTorsten hat folgendes geschrieben: | max hat folgendes geschrieben: |
... Ostblockstaaten ... |
Brav gelernt, Deinen Springer-Jargon und Deine pseudo- und antikommunistischen Verwirrparolen. |
Viel Feind, viel Ehr'?
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DerTorsten dauerhaft gesperrt
Anmeldungsdatum: 28.10.2005 Beiträge: 2166
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(#423980) Verfasst am: 01.03.2006, 15:51 Titel: Re: Frage eines Arbeiters |
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GermanHeretic hat folgendes geschrieben: |
Genaugenommen hat es bisher keine deutsche Regierung gegeben, die dem Großkapital soviel Zucker in den Arsch geblasen hat, wie die verblichene rot-grüne. Da wird ja selbst mir als Kleinkapitalist übel. |
Tja, Du bist auch nicht der Auftraggeber und Sponsor der Politiker. Die Akkumulation und Konzentration des Kapitals gehört nunmal zu den Grundgesetzen des Kapitalismus, ebenso wie die Tatsache, daß der kapitalistische Staat nichts Anderes ist als eine Lakaientruppe der Großen, die den Rahmen schafft, die Kleinen zu fressen.
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Cato Der Freund der Bösen
Anmeldungsdatum: 13.08.2005 Beiträge: 970
Wohnort: Wolkenkuckucksheim
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(#424542) Verfasst am: 03.03.2006, 02:03 Titel: Re: Frage eines Arbeiters |
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annox hat folgendes geschrieben: | Na na, nicht so fix. Der Vorwurf an die Sozialdemokratie ist gerechtfertigt. Ihr Verrat an der Arbeiterklasse, anders kann man es nicht nennen, war keine Bewahrung von Demokratie und Freiheit. Die Sozialdemokratie hat sich mit dem Kapitalismus arrangiert und unterstützt bzw. bewahrt dieses System, statt es grundlegend zu bekämpfen. |
Noch viel fixer, die Sozialdemokratie hat den Kapitalismus so weit gezähmt, dass die Arbeiter in diesem einigermaßen gut über die Runden kommen; zugegeben Schröder ist teilweise weiter weg vom Ursprung als Teile der CDU, aber der Medien-Schröder ist ja nun Geschichte und die SPD dürfte langsam wieder auf Konfrontationskurs mit den kleinen Unternehmerschweinchen gehen – hoffe ich mal. Das mit dem grundlegend bekämpfen ist immer so eine Sache, leichter gesagt als getan. Eine radikale Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse hat so ihre Tücken und wenn man einen "fairen" Kompromiss schließen kann, ist das alle mal besser als eine gescheiterte Revolution mit anschließender reaktionärer Restauration. Die berühmte Politik der kleinen Schritte...
DerTorsten hat folgendes geschrieben: | Die Versprechen von Nazis, den Kapitalismus, insbesondere das Finanzkapital, zu zähmen, kennen wir aus den 30er Jahren. Das Ende vom Lied auch. |
Wieso, dass haben sie doch getan. Die deutsche Wirtschaft baute ihnen die Waffen für ihre Vernichtungs- und Eroberungskriege, half mit das Volksvermögen zu arisieren, finanzierte den Bau der Konzentrationslager und beteiligte sich eifrig an der Ausbeutung der Zwangsarbeiter. Du siehst also die deutsche Wirtschaft stellte sich bedingungslos in den Dienst des Nationalsozialismus...
_________________ Im Übrigen bin ich dafür, dass der Monotheismus zerstört werden muss.
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DerTorsten dauerhaft gesperrt
Anmeldungsdatum: 28.10.2005 Beiträge: 2166
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(#424576) Verfasst am: 03.03.2006, 08:47 Titel: Re: Frage eines Arbeiters |
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Cato hat folgendes geschrieben: |
Die deutsche Wirtschaft baute ihnen die Waffen für ihre Vernichtungs- und Eroberungskriege ... |
Andersrum. Der Vernichtungskrieg diente zur Realisierung von Rüstungsprofiten, Vernichtung von Arbeitslosen und materiellem Kahlschlag zwecks Lösung der Krise - die eine Krise der "Wirtschaft", also der Großkapitalisten war.
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annox Grim Reaper
Anmeldungsdatum: 30.05.2004 Beiträge: 5800
Wohnort: Berlin
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(#424705) Verfasst am: 03.03.2006, 18:00 Titel: Re: Frage eines Arbeiters |
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Cato hat folgendes geschrieben: | annox hat folgendes geschrieben: | Na na, nicht so fix. Der Vorwurf an die Sozialdemokratie ist gerechtfertigt. Ihr Verrat an der Arbeiterklasse, anders kann man es nicht nennen, war keine Bewahrung von Demokratie und Freiheit. Die Sozialdemokratie hat sich mit dem Kapitalismus arrangiert und unterstützt bzw. bewahrt dieses System, statt es grundlegend zu bekämpfen. |
Noch viel fixer, die Sozialdemokratie hat den Kapitalismus so weit gezähmt, dass die Arbeiter in diesem einigermaßen gut über die Runden kommen; zugegeben Schröder ist teilweise weiter weg vom Ursprung als Teile der CDU, aber der Medien-Schröder ist ja nun Geschichte und die SPD dürfte langsam wieder auf Konfrontationskurs mit den kleinen Unternehmerschweinchen gehen – hoffe ich mal. |
Aus meiner kommunistischen Sicht ist Sozialdemokratie Opportunismus in Reinkultur. Das sozialdemokratische Herumdoktern an den Syptomen des Kapitalismus bewahrt ihn vor seinem Untergang. Vorgeblich will auch die Sozialdemokratie den Kapitalismus überwinden, tatsächlich aber unterstützt sie ihn. Mit Reförmchen gelangt man eben nicht zum Sozialismus.
Zitat: | Das mit dem grundlegend bekämpfen ist immer so eine Sache, leichter gesagt als getan. Eine radikale Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse hat so ihre Tücken und wenn man einen "fairen" Kompromiss schließen kann, ist das alle mal besser als eine gescheiterte Revolution mit anschließender reaktionärer Restauration. |
Der Abgrund wirkt nicht mehr ganz so bedrohlich, wenn man zwischenzeitlich das Tempo reduziert mit dem man auf ihn zu rennt. Allein: nur eine Kursänderung kann wirklich Abhilfe schaffen.
Zitat: | Die berühmte Politik der kleinen Schritte... |
...bringt nichts wenn man auf dem falschen Weg ist und obendrein rückwärts läuft, was wir übrigens gerade tun.
_________________ Ich bin jenes Pferd, das unter der Peitsche der Kutscher den Wagen voller Gesindel hinter sich her ziehen muss.
[Sadegh Hedayat]
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#424725) Verfasst am: 03.03.2006, 18:49 Titel: |
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Zitat von Torsten:
"Von einer gemeinnützigen Lohnarbeit, bei der ich gut verdiene."
Wenn du nach eigenen Angaben "gut verdienst", wie kannst du dann ausgebeutet werden, bzw. dich für "Ausgebeutete Proletarier" engagieren? Oder eine derartige Ideologie vertreten? Du gehörst anscheinend nicht zu denjenigen, die vom kapitalistischen System extrem benachteiligt werden, so dass sie ein Interesse daran haben könnten es zu stürzen und durch eine bessere Herrschaft (ihre eigene) zu ersetzen.
Der Kommunismus ist vielfach daran gescheitert, dass das Proletariat bzw. deren Vertreter die Macht
(Stichwort: Diktatur des Proletariats) nicht abgeben wollten. Das Problem ist der Mensch: Der Kommunismus lebt von einem utopischen Menschenbild.
Gerade das macht die Erde zur Hölle, weil der Mensch sie zu seinem Himmel machen wollte... oder so
Kommunismus ist sch****
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Tarvoc Holy shit, 4 decades already.
Anmeldungsdatum: 01.03.2004 Beiträge: 44759
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(#424758) Verfasst am: 03.03.2006, 20:01 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: | Der Kommunismus ist vielfach daran gescheitert, dass das Proletariat bzw. deren Vertreter die Macht nicht abgeben wollten. |
Nein. Der Realsozialismus ist vielfach daran gescheitert, dass die sogenannten Vertreter des Proletariats die Macht nicht an selbiges abgeben wollten.
Frei nach dem Motto: Die Macht geht zwar vom Volke aus, sie kehrt nur nicht zu ihm zurück.
_________________ "Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der Ausnahmezustand, in dem wir leben, die Regel ist."
- Walter Benjamin, VIII. These zum Begriff der Geschichte
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#424977) Verfasst am: 04.03.2006, 12:20 Titel: |
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so in etwa meinte ich das auch, hätte mich präziser ausdrücken sollen
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#424989) Verfasst am: 04.03.2006, 13:28 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: | so in etwa meinte ich das auch, hätte mich präziser ausdrücken sollen  |
Hier gibt es schon einen Unterschied: der Sozialismus ist eben nicht an einem falschen Menschenbild gescheitert, sondern primär daran, dass es nicht gelungen ist Oligarchie der Kapitalisten zu überwinden, während in den staatskapitalistischen Staaten die Stalinisten bzw. die Maoisten die Position der Kapitalisten einnahmen und die Arbeiterklasse ausbeuteten. Es gab eben keinen Arbeiterstaat und keine Rätedemokratie, sondern eine Diktatür über die Arbeiterklasse. In den meisten staatskapitalistischen Staaten (z.B. DDR, China, Kuba) gab es nie einer Rätedemokratie. Diese Staaten beruhten auch nicht auf Arbeiterrevolutionen, sondern auf Aktionen von bewaffneten Minderheiten (Kuba, China) oder Eroberungen (die Vasallenstaaten Stalins).
Wenn man allerdings annimmt, dass die Herrschaft einer Minderheit von Parteifunktionären tatsächlich letztendlich zu einer kommunistischen Gesellschaft führen könnte, dann hätte man tatsächlich ein falsches Menschenbild. Allerdings wäre dies eine idealistische Annahme und stünde damit im klaren Gegensatz zum Marxismus, der auf einer materialistischen Philosophie beruht. Marx fordert eben auch die Selbstbefreiung der Arbeiterklasse und nicht die Herrschaft einer Minderheit über die Arbeiterklasse.
_________________ Für die AGENDA 3010! 30-Stunden-Woche mit vollen Lohnausgleich und 10 Euro gesetzlicher Mindestlohn!
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#425048) Verfasst am: 04.03.2006, 16:28 Titel: |
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Ich wollte nur sagen, dass Ideologien, Weltanschauungen etc. die eine bestimmte Gruppe (in-group) im Kampf gegen eine andere Gruppe(out-group) darstellen, nur Streit hervorrufen/hervorgerufen haben, welcher irgendwann in wirklich tragischen Ereignissen aufgegangen ist.
Marx' Theorie von dem ewigen Kreislauf von Herrscher und Beherrschtem,
der, seiner Ansicht nach, irgendwann über die Umkehrung der Verhältnisse (gewaltsame Enteignung und Entmachtung der Herrschenden), durchbrochen werden müsste, um eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen, in der alle gleich seien und alle den gleichen Wohlstand inne hätten, sodass es halt keinen Neid u. ä. gäbe, ist ein schöner Traum, der, wie wir gesehen haben, in Russland zum Beispiel nicht funktioniert hat.Aus welchen Gründen auch immer.Hauptsächlich wohl wegen des Eigensinns des Menschen.
Den letzten Schritt hin zur klassenlosen Gesellschaft haben die Arbeiter-und Soldatenräte ja nicht gemacht, weil sie Angst hatten, dass das kapitalistische Ausland einmarschiert und wieder alles rückgängig macht. Folge war Krieg und Terror.
Marx Theorie ist meiner Meinung nach phänomenal gescheitert.Eine Theorie, die die wichtigste Konstante (in diesem Falle der Mensch und seine Eigenarten) außen vor lässt, ist nichts weiter als eine Utopie. Und Utopien sind nicht lebensfähig.
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DerTorsten dauerhaft gesperrt
Anmeldungsdatum: 28.10.2005 Beiträge: 2166
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(#425064) Verfasst am: 04.03.2006, 16:59 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: |
Wenn du nach eigenen Angaben "gut verdienst", wie kannst du dann ausgebeutet werden ... |
Ganz einfach: indem nur ein Teil des Wertes der von mir erbrachten Leistung entlohnt wird und sich den Rest mein Ausbeuter (bzw. im kapitalistischen System meine Ausbeuter) als Mehrwert aneignen. Daß kein Kapitalist Arbeitern MEHR bezahlen würde und könnte, als die ihm leisten, sondern immer weniger, dürfte selbst bürgerlich und wenig Denkenden einleuchten.
Zudem weiß ich, daß mein relativ hohes Einkommen dadurch möglich ist, daß andere Einkommen wesentlich niedriger sind und am anderen Ende der Gesellschaft (zumal im globalen Maßstab) Armut erzeugt wird. Ich weiß auch, daß ich meinen "Wohlstand" der Tatsache verdanke, daß die zukünftigen Lebensbedingungen täglich weiter verschlechtert werden und das mir, spätestens aber den Nachkommen derer, die im "Wohlstand" leben, irgendwann in Form drastischer Verschlechterung auf die Füße fallen wird.
Aus diesem Grund und nicht etwa aus "Idealismus", "Moralismus" oder gar Machtgier, wie uns Kommunisten ja oft unterstellt wird, setze ich mich für die Beseitigung des verbrecherischen und zerstörerischen Ausbeutersystems ein.
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#425129) Verfasst am: 04.03.2006, 19:05 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: | Marx' Theorie von dem ewigen Kreislauf von Herrscher und Beherrschtem,
der, seiner Ansicht nach, irgendwann über die Umkehrung der Verhältnisse (gewaltsame Enteignung und Entmachtung der Herrschenden), durchbrochen werden müsste, um eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen, in der alle gleich seien und alle den gleichen Wohlstand inne hätten, sodass es halt keinen Neid u. ä. gäbe, ist ein schöner Traum, der, wie wir gesehen haben, in Russland zum Beispiel nicht funktioniert hat.Aus welchen Gründen auch immer.Hauptsächlich wohl wegen des Eigensinns des Menschen.
Den letzten Schritt hin zur klassenlosen Gesellschaft haben die Arbeiter-und Soldatenräte ja nicht gemacht, weil sie Angst hatten, dass das kapitalistische Ausland einmarschiert und wieder alles rückgängig macht. Folge war Krieg und Terror. |
Die Folge war nicht Krieg und Terror - sondern Krieg und Terror war die Ursache. Der Schritt wurde auch nicht deshalb gemacht, weil man Angst vor einer Invasion hatte, sondern er konnte nicht gemacht werden, weil der Einmarsch der damaligen Grossmächte ihn unmöglich machte.
Die drehst hier die Realität um. Es gab erst eine von der überwätigenden Mehrheit gewählte Koalition der Bolschewiki und der Linken Sozialrevolitionäre, die die feudalen Tyrannen und die Kapitalisten entmachtet haben. Danach gingen die Anhänger der Monarchisten, sowie Faschisten unterstützt von allen damaligen Grossmächten gegen die Räterepublik vor, veranstalteten z.B. in Finnland furchtbare Massaker und lösten den Bürgerkrieg aus. Es war eben nicht nur Angst, sondern tatsächlich marschierte damals Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, USA, Japan und diverse kleinere Staaten in Russland ein, verwüsteten die Wirtschaft und lösten eine massive Hungernot aus.
Im Laufe dieses Bürgerkriegs und nach diversen Terroranschläge gegen führende Bolschewiki begann auch der Rote Terror. Im Laufe dieses Bürgerkriegs wurden die Räte vernichtet - alleine schon deshalb, weil einer der wesentlichen Grundlagen, die Fabrikräte, durch die Vernichtung der Wirtschaft nicht mehr existierten. Im Laufe des Bürgerkriegs wurde die Arbeiterklasse im Endeffekt physisch vernichtet.
Die Folge war ein Arbeiterstaat ohne revolutionäre Arbeiterklasse, die diesen kontrollierte. Dies machte es Stalin leicht durch eine Konterrevolution gestützt auf Karrieristen und zaristische Beamte und Offiziere die Macht zu ergreifen und die letzten Reste der Rätedemokratie zu vernichten. Stalin errichtete eine Terrorherrschaft über die Arbeiterklasse und die Bauern. Wenn dies zu einer kommunistischen Gesellschaf geführt hätte, wären tatsächlich grundlegende marxistische Theorien widerlegt.
Aber so wurden nur die Theorien von einem Haufen Stalinisten widerlegt.
Greg hat folgendes geschrieben: | Marx Theorie ist meiner Meinung nach phänomenal gescheitert.Eine Theorie, die die wichtigste Konstante (in diesem Falle der Mensch und seine Eigenarten) außen vor lässt, ist nichts weiter als eine Utopie. Und Utopien sind nicht lebensfähig. |
Dann zeig dich mal, warum der Mensch und seine Eigenarten aussen vor gelassen werden. Bisher hast du dies nicht gemacht.
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The only general I like is called strike
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#425418) Verfasst am: 05.03.2006, 12:08 Titel: |
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[quote]Danach gingen die Anhänger der Monarchisten, sowie Faschisten unterstützt von allen damaligen Grossmächten gegen die Räterepublik vor, [code]
Hm? Waren es nicht die Bolschewiki, die zur "Vernichtung der Bourgeoisie" aufriefen?
Haben die Bolschewiki nicht in den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung 1917 den Rückhalt in der russischen Bevölkerung verloren ( 25%)? Und hat Lenin das nicht ignoriert und mit seiner Partei gewaltsam die Macht ergriffen (5. Januar 1918) und politische Gegner ausgeschaltet?
Und war das Eingreifen des Auslands, die die Menschewiki unterstützten nicht die Antwort auf diese Handlungsweise Lenins? Lenin war wohl ein schlechter Verlierer...
Ja, danach kam der "Kriegskommunismus" durch den die Räte untergingen, das stimmt. Aber den Startschuss für den Terror gegen die russische Bevölkerung haben doch die Bolschewiki angefangen, oder etwa nicht? Und die Enttäuschten Kronstädter Matrosen haben sich dann gesagt: "Nö, DAS wollten wir nicht!" und haben rebelliert, was ihnen aber auch nichts genützt hat, denn Trotzkis Rote Armee war ihnen letztendlich überlegen.
Aber um nochmal auf Marx' Theorie zurückzukommen: Marx' Darstellung der Geschichte mit Sklavenhaltern/Sklaven, Feudalherren/Leibeigenen, Kapitalisten/Proletariern ist viel zu simpel. Menschliche Gesellschaften sind nicht einfach so zu erklären, sie sind komplexer aufgebaut. Soweit ich mich mit dem Marxismus auskenne, fehlt da das Bürgertum zum Beispiel. Und Marx hat ja selber gesagt, dass zum Beispiel auf die asiatischen Kulturen seine Theorie nicht so einfach anzuwenden ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Asiatische_Produktionsweise
Und ich sage nocheinmal: der Mensch ist für eine klassenlose "Gleichheitsarmut" nicht geschaffen.
Wieso sollte sich jemand, der viel Verantwortung in einem Betrieb hat, mit demselben Lohn zufrieden geben wollen, den der einfache Arbeiter am Fließband bekommt? Neid wird es immer geben, das ist dem Menschen eigen. Marx hat das ignoriert.
Planwirtschaft mit ihrer "Bedarfsdeckungsgesellschaft" schafft keinen Fortschritt.
Marktwirtschaft mit ihrer "Bedarfsweckungsgesellschaft" zwingt zu Weiterentwicklung und Fortschritt.
Natürlich sollte man aus ethischen Gründen die grotesken Auswüchse einer kapitalistischen Marktwirtschaft mit einem "Sozialen Netz" auffangen, damit sowas wie in den USA nicht passieren kann, wo die wirtschaftlich Schwachen gnadenlos an die Wand gedrängt werden. Das ist selbstverständlich fies. Aber selbst den Kapitalismus in den USA kann man nicht so einfach darstellen, da muss man zur Erklärung schon die Calvinistische Erwerbsethik hinzuziehen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus#Calvinistische_Arbeitsethik
Zeig mir den Menschen, der zum Wohl aller auf den Großteil seiner "Macht" und seines Besitzes
verzichtet. Leugnest du den Eigensinn des Menschen? Wenn der Mensch nicht Eigensüchtig wäre, könnte das mit dem Kommunismus klappen. Aber er ist es nicht. Und das ist eine Tatsache.
Und wenn etwas schiefgegangen ist, liegts natürlich immer an allem Möglichen, nur nicht an der Theorie selber...
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DerTorsten dauerhaft gesperrt
Anmeldungsdatum: 28.10.2005 Beiträge: 2166
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(#425543) Verfasst am: 05.03.2006, 17:30 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: |
Wieso sollte sich jemand, der viel Verantwortung in einem Betrieb hat, mit demselben Lohn zufrieden geben wollen, den der einfache Arbeiter am Fließband bekommt? |
Bekanntermaßen ist das "Verantwortungtragen" eine so hochbezahlte Wenigtätigkeit, weil die "Verantwortungtragenden" über ihre Entlohnung bestimmen und in den ihnen gehörenden Medien verkünden lassen, wie wichtig die Verantwortungtragenden sind und daß ihr Luxus allzu verdient ist.
Nun können sie Dir zwar alles Mögliche einzureden versuchen, diesem Unsinn aber unter Umgehung selbständigen Denkens Glauben zu schenken und ihn nachzuplappern, ist Deine persönliche Entscheidung.
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#425639) Verfasst am: 05.03.2006, 21:17 Titel: |
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"Alles böse Kapitalistenpropaganda! Es gibt nur Schwarz und Weiß! Du bist dumm und ich bin klug!"
Hab ich dich richtig verstanden?
Du bist lustig.
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#425642) Verfasst am: 05.03.2006, 21:18 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: | Hm? Waren es nicht die Bolschewiki, die zur "Vernichtung der Bourgeoisie" aufriefen?
Haben die Bolschewiki nicht in den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung 1917 den Rückhalt in der russischen Bevölkerung verloren ( 25%)? Und hat Lenin das nicht ignoriert und mit seiner Partei gewaltsam die Macht ergriffen (5. Januar 1918) und politische Gegner ausgeschaltet? |
Die Bolschewiki haben nicht zur physischen Vernichtung der Bourgeoisie aufgerufen und diese auch nicht durchgeführt.
Die Bolschewiki haben auch nicht den Rückhalt verloren, sondern in den Wahlen zu den Räten vor und nach der Oktoberrevolution zusammen mit den verbündeten Linken Sozialrevolutionären klare Mehrheiten erzielt. Bei den Wahlen zum gesamtrussischen Kongress der Räte haben die Bolschewiki folgende Ergebnisse erzielt: 1.6.1917: 13%, 12.10.1917: 51%, 3.1.1918: 61%, 4.3.1918: 64%, 5.7.1918: 66%.
Und warum sollte Lenin am 5.1.1918 gewaltsam die Macht ergriffen haben? Die Räte haben am 6.1.1918 beschlossen, dass die Konstituierende Versammlung aufgelöst wird, da man eben eine Rätedemorkratie und keine bürgerliche, parlamentarische Demokratie wollte. Das war keine Aktion von Lenin und Lenin hat damals auch nicht die Macht ergriffen.
Greg hat folgendes geschrieben: | Und war das Eingreifen des Auslands, die die Menschewiki unterstützten nicht die Antwort auf diese Handlungsweise Lenins? |
Die Invasionen diverser Grossmächte unterstützten nicht die Menschewiki, die ab Mitte 1917 kaum mehr eine Rolle spielten, sondern diverse weisse Gruppen, also Monarchisten und Faschisten.
Greg hat folgendes geschrieben: | Aber den Startschuss für den Terror gegen die russische Bevölkerung haben doch die Bolschewiki angefangen, oder etwa nicht? |
Den Bürgerkrieg haben die Weissen angefangen. Bereits drei Tage nach Oktoberrevolution gingen sie militärisch gegen die gewählten Räte vor. In Finnland reagierten die Weissen auf die Unterstützung für die Roten mit Massakern und dies war von etwa April bis Juni 1918. Der Rote Terror dagegen begann im Spätsommer 1918. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle damaligen Grossmächte in Russland einmarschiert und der Terror der Weissen wütete schon seit Monaten.
Greg hat folgendes geschrieben: | Aber um nochmal auf Marx' Theorie zurückzukommen: Marx' Darstellung der Geschichte mit Sklavenhaltern/Sklaven, Feudalherren/Leibeigenen, Kapitalisten/Proletariern ist viel zu simpel. Menschliche Gesellschaften sind nicht einfach so zu erklären, sie sind komplexer aufgebaut. Soweit ich mich mit dem Marxismus auskenne, fehlt da das Bürgertum zum Beispiel. |
Das Bürgertum fehlt?! Ich befürchte ehrlich, dass deine Vorstellung von Marxismus eine drastische Vereinfachung ist! Marxisten unterscheiden übrigens zwischen Bourgeoisie ("Grossbürgertum") und dem Kleinbürgertum. Ebenso unterscheiden Marxisten zwischen mehr als zwei Klassen in der Antike (Grossgrundbesitzer, Händler, Handwerker, Bauern, Sklaven) oder im Feudalismus (mindestens Feudalherren, Händler, Handwerker und Bauern, später noch Kapitalisten und Arbeiter)
Greg hat folgendes geschrieben: | Und ich sage nocheinmal: der Mensch ist für eine klassenlose "Gleichheitsarmut" nicht geschaffen. |
Nur strebt kein Marxist "Gleichheitsarmut" an
Greg hat folgendes geschrieben: | Wieso sollte sich jemand, der viel Verantwortung in einem Betrieb hat, mit demselben Lohn zufrieden geben wollen, den der einfache Arbeiter am Fließband bekommt? |
Nur geht es darum, dass die Produktion gemeinsam kontrolliert wird Übrigens bekommt heute jemand, der sich mehr anstrengt, dafür auch nicht mehr Lohn Es gibt meist Tariflöhne, falls du schon mal von davon gehört hast.
Greg hat folgendes geschrieben: | Zeig mir den Menschen, der zum Wohl aller auf den Großteil seiner "Macht" und seines Besitzes verzichtet. |
Davon gehe ich ja überhaupt nicht aus, weshalb ich übrigens die Idee des gezähmten Kapitalismus für eine Illusion halte, da kein Kapititalist freiwillig auf seine Macht verzichtet.
Greg hat folgendes geschrieben: | Leugnest du den Eigensinn des Menschen? Wenn der Mensch nicht Eigensüchtig wäre, könnte das mit dem Kommunismus klappen. |
Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass Egoismus eine der wesentliche Antriebskräfte des Kommunismus sein würden und eine der wesentlichen Motivation aller Sozialisten ist. Nur gibt es halt zwei Möglichkeiten zu versuchen die eigenen Situation zu verbessern:
a) alleine, per Ellenbogen versuchen aufzusteigen. Das kann offensichtlich nur für eine winzige Minderheit funktionieren und fällt deshalb als sinnvolle politische Strategie aus.
b) kollektiv Verbesserungen durchsetzen, kurzfristig sind dies z.B. gewerkschaftliche Methoden wie Streiks zur Durchsetzung von höheren Löhnen, kürzeren Arbeitszeiten etc. Langfristig wäre dies eben die demokratische Kontrolle der Wirtschaft, um so direkt die eigenen Interessen durchsetzen zu können.
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Jalava registrierter User
Anmeldungsdatum: 10.01.2006 Beiträge: 3
Wohnort: Innsbruck
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(#425649) Verfasst am: 05.03.2006, 21:52 Titel: |
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Mit der Glorifizierung des russischen Rätesystems wäre ich sehr vorsichtig... der theoretische Aufbau ist durchaus demokratisch (nicht aus bürgerlicher Sicht, da eine ganze Klasse faktisch vom demokratischen Prozess ausgeschlossen wird), aber in der Praxis hatte das System nicht besonders viel Gelegenheit, sich zu beweisen - während des Bürgerkrieges war es faktisch unmöglich, schnelle Entscheidungsfindungen mithilfe des Allrussischen Sowjetkongresses durchzuführen, da dieses Gremium einfach zu langsam und schwerfällig war, um einen Bürgerkrieg zu gewinnen.
Dass ein Krieg, der die ganze Gesellschaft direkt und hart betrifft, zwangsläufig zu einer starken Zentralisierung der Macht bei den kriegsführenden Parteien führt, erscheint mir logisch.
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#425661) Verfasst am: 05.03.2006, 22:29 Titel: |
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Jalava hat folgendes geschrieben: | Mit der Glorifizierung des russischen Rätesystems wäre ich sehr vorsichtig... der theoretische Aufbau ist durchaus demokratisch (nicht aus bürgerlicher Sicht, da eine ganze Klasse faktisch vom demokratischen Prozess ausgeschlossen wird), aber in der Praxis hatte das System nicht besonders viel Gelegenheit, sich zu beweisen |
Wie du oben lesen kannst, habe ich auch geschrieben, dass das Rätesystem im Bürgerkrieg untergegangen ist. Die Zentraliserung ist sicher ein Aspekt, aber die Zerstörung der Grundlage des Rätesystems - eben die Fabrikräte - durch die Vernichtung der Wirtschaft ist sicher wichtiger. Die Basis des Arbeiterstaats, die Arbeiterklasse, wurde eben im Bürgerkrieg im Endeffekt vernichtet, ein Teil wurde getötet, viele wurden zerstreut. Dies erklärt eben auch, warum eben nach dem Bürgerkrieg die Arbeiterklasse eben nicht einfach das zentralisierte System wieder vollständig aufheben konnte - und der Konterrevolution von Stalin nichts entgegen setzen konnte. Den Bürgerkrieg hatte eben nur der Arbeiterstaat, aber nicht dessen Basis überlebt. Es wäre grob idealistisch anzunehmen, dass ein Arbeiterstaat ohne revolutionäre Arbeiterklasse als Basis, eine Grundlage für den Sozialismus sein könnte. Die Antwort Trotzkis auf dieses Problem war übrigens der "Export der Revolution", was letztendlich mit der Niederlage der KPD 1923 scheiterte. Stalin setzte dagegen auf "Sozialismus in einem Land", eine Perspektive, die jeder Marxist für utopisch halten muss. Stalin setzte tatsächlich auf eine Entwicklung der Schwerindustrie, um gegen die westlichen Grossmächte zumindest militärisch konkurrenzfähig zu sein. Für dieses Ziel entrechtete er die Arbeiterklasse und die Bauern und errichtete ein Terrorregime, vernachlässigte die Konsumgüterindustrie (also die Grundlage des Lebensstandards für die Arbeiter und Bauern), förderte Einkommensunterschiede und Privilegien der hohen Funktionäre etc.
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Tarvoc Holy shit, 4 decades already.
Anmeldungsdatum: 01.03.2004 Beiträge: 44759
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(#425667) Verfasst am: 05.03.2006, 22:37 Titel: |
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@ Max:
Laut Marx wird ja die Weltrevolution des Proletariats in dem wirtschaftlich fortschrittlichsten Land beginnen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Dies war allerdings zu der Zeit gar nicht das zaristische Russland, sondern England. Glaubst du, dass die russische Revolution damals überhaupt eine Aussicht auf Erfolg hätte haben können, wenn man schon diesbezüglich gegen die 'Grundlagen' handelte? Bist du also, anders gefragt, der Ansicht, dass die russische Revolution überhaupt Erfolgschancen hatte, oder war ein solches Scheitern von Anfang an abzusehen?
_________________ "Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der Ausnahmezustand, in dem wir leben, die Regel ist."
- Walter Benjamin, VIII. These zum Begriff der Geschichte
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#425683) Verfasst am: 05.03.2006, 22:55 Titel: |
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Tarvoc hat folgendes geschrieben: | @ Max:
Laut Marx wird ja die Weltrevolution des Proletariats in dem wirtschaftlich fortschrittlichsten Land beginnen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Dies war allerdings zu der Zeit gar nicht das zaristische Russland, sondern England. Glaubst du, dass die russische Revolution damals überhaupt eine Aussicht auf Erfolg hätte haben können, wenn man schon diesbezüglich gegen die 'Grundlagen' handelte? Bist du also, anders gefragt, der Ansicht, dass die russische Revolution überhaupt Erfolgschancen hatte, oder war ein solches Scheitern von Anfang an abzusehen? |
Die russische Revolution hatte deshalb Aussicht auf Erfolg, weil es in zahlreichen anderen Staaten damals im Zeitraum 1917-23 Revolutionen oder zumindest Massenstreiks gab. Es bestand eben die Aussicht darauf, dass die Revolution in Russland zu einem Auslöser, einer Motivation wird. Tatsächlich hat sie ja dazu beigetragen, z.B. zur Revolution in Deutschland, in Ungarn, in Italien, in Spanien, den Massenstreiks in Grossbritannien, diversen Massenbewegungen in den USA, Massendesertationen im französischen Militär während der Intervention im Bürgerkrieg, zur Entstehung von antikolonialen Bewegungen, der Bildung der Komintern etc.
Nur scheiterten die Revolutionen z.B. in Deutschland, wodurch die Revolution in Russland isoliert wurde und zwangsläufig isoliert dem Untergang geweiht war. Deshalb setzte Trotzki eben auf eine Ausweitung, weil ihm klar war, dass die Russland alleine zum Scheitern verurteilt war.
Stalin dagegen setzte eben auf "Sozialismus in einem Land" und zur Stabiliserung seiner Herrschaft ging er eben auch gegen Arbeiterrevolutionen z.B. in Spanien und China vor, da er Staaten wie Frankreich und Grossbritannien als Verbündete wollte.
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Tarvoc Holy shit, 4 decades already.
Anmeldungsdatum: 01.03.2004 Beiträge: 44759
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(#425684) Verfasst am: 05.03.2006, 22:57 Titel: |
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Hm. Wie du vielleicht weisst, bin ich, was diesen Zeitrahmen angeht, historisch nicht so ganz informiert. Kannst du nochmal kurz zusammenfassen, warum sich Stalin durchsetzen konnte und nicht Trotzki? Und was wäre deiner Ansicht nach geschehen, wenn Trotzki sich durchgesetzt hätte?
Das Scheitern der Revolution in Deutschland hattest du ja schon genannt. Aber mich interessiert das näher, auch was Zusammenhänge angeht...
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#425696) Verfasst am: 05.03.2006, 23:07 Titel: |
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Tarvoc hat folgendes geschrieben: | Hm. Wie du vielleicht weisst, bin ich, was diesen Zeitrahmen angeht, historisch nicht so ganz informiert. Kannst du nochmal kurz zusammenfassen, warum sich Stalin durchsetzen konnte und nicht Trotzki? Und was wäre deiner Ansicht nach geschehen, wenn Trotzki sich durchgesetzt hätte? |
Stalin konnte sich im Endeffekt durchsetzen, als die Revolution in Deutschland 1923 scheiterte. Dies gab seiner Ansicht auftrieb, da Trotzkis Perspektive damit kurzfristig nicht mehr funktionieren konnte. Dazu kommt eben noch, dass im Bürgerkrieg eben die Basis der Revolution von 1917 vernichtet worden war - und damit Stalin, der mittels zahlreicher Karrieristen den Staatsapparat kontrollierte, in einen klaren Vorteil versetzte.
Tarvoc hat folgendes geschrieben: | Das Scheitern der Revolution in Deutschland hattest du ja schon genannt. Aber mich interessiert das näher, auch was Zusammenhänge angeht... |
Du meinst, warum die Revolution in Deutschland gescheitert ist? Kurz: an der KPD. Sie waren anfangs zu unerfahren, ging in die Offensive, als keinen Rückhalt hatte (1919, 1921) und zog daraus die falschen Schlussfolgerungen, so dass sie 1920 oder 1923 - als Rückhalt hatte - passiv blieb.
Sehr empfehlenswert dazu ist "Die verlorene Revolution. Deutschland 1918-1923" von Chris Harman (edition Aurora, 1998). Womit ich aber nicht sagen will, dass ich nur auf das Buch verweise und selbst keine Antworten mehr geben will (was ich leider hier schon erlebt habe). Ich werde nur jetzt ins Bett gehen, da ich früh raus muss. Wegen dem Schneechaos wahrscheinlich eigentlich noch früher Deshalb nur eine kurze Antwort.
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Tarvoc Holy shit, 4 decades already.
Anmeldungsdatum: 01.03.2004 Beiträge: 44759
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(#425702) Verfasst am: 05.03.2006, 23:15 Titel: |
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max hat folgendes geschrieben: | Du meinst, warum die Revolution in Deutschland gescheitert ist? |
Ich meinte das eher 'gesamtheitlicher' gesehen.
Also z.B. welche Erklärungen gibt es für das seltsame Verhalten der KPD?
Was passierte in Deutschland? Was passierte außerhalb Deutschlands, etc.
Naja, ist wohl für ein Forum zu umfangreich...
Trotzdem vielen Dank. Das Buch kommt in meine Must-Read-Liste.
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#425731) Verfasst am: 06.03.2006, 00:24 Titel: |
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Um ehrlich zu sein, max, meine Kenntnisse über den Marxismus, die Russische Revolution etc. beschränken sich auf das, was man an einem deutschen Gymnasium so lernt im Geschichtsunterricht und das is ne Weile her . Aber in der Wikipedia stand folgendes:
Zitat: | Die Wahlen zur Konstituante (Verfassunggebende Versammlung)
Am 11. November 1917 fanden die Wahlen zur Konstituante (Verfassunggebenden Versammlung) statt. Die Bolschewiki trugen eine schwere Niederlage davon, sie erhielten nur 25 % der Stimmen.
Lenin beschloss, dass es ein Missverhältnis zwischen dem Wahlresultat und dem inzwischen fortgeschrittenen Volkswillen gäbe. Er löste die Konstituante am 5. Januar 1918 kurzer Hand durch Waffengewalt auf. Der Aufstand der Massen blieb jedoch aus. Grund hierfür sind erste positive Reformmaßnahmen der Partei und Kampfmaßnahmen gegen die politische Opposition.
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Also: Wat denn jetzt?
Hat sich die Verfassungsgebende Versammlung selbst aufgelöst oder hat Lenin die gewaltsam aufgelöst?
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DerTorsten dauerhaft gesperrt
Anmeldungsdatum: 28.10.2005 Beiträge: 2166
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(#425770) Verfasst am: 06.03.2006, 08:53 Titel: |
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Greg hat folgendes geschrieben: | "Alles böse Kapitalistenpropaganda! Es gibt nur Schwarz und Weiß! Du bist dumm und ich bin klug!"
Hab ich dich richtig verstanden? |
Wiedergegeben im Wesentlichen ja, verstanden wohl eher doch nicht.
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max registrierter User
Anmeldungsdatum: 18.07.2003 Beiträge: 3055
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(#425785) Verfasst am: 06.03.2006, 10:46 Titel: |
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Tarvoc hat folgendes geschrieben: | max hat folgendes geschrieben: | Du meinst, warum die Revolution in Deutschland gescheitert ist? |
Ich meinte das eher 'gesamtheitlicher' gesehen. |
Dafür müsste ich ein Buch schreiben Die Gründe sind recht unterschiedlich, liegen aber nicht daran, dass die objektiven Bedingungen für eine erfolgreiche Revolution nicht erfüllt waren, sondern im Wesentlichen an taktischen Fehlern der Revolutionäre.
Tarvoc hat folgendes geschrieben: | Also z.B. welche Erklärungen gibt es für das seltsame Verhalten der KPD? |
Der wesentliche Grund ist Unerfahrenheit der Kader. Die KPD wurde ja erst während der Novemberrevolution gegründet und war deshalb eine sehr junge (auch in Bezug auf die Mitglieder) und so unerfahrene Partei. Dies wurde noch dadurch verschlimmert, dass viele erfahrene Kader (u.a. Luxemburg) von den Freikorps ermordet wurden. Das war ein wesentlicher Grund, warum die KPD unfähig war entsprechend der Situation zu handeln. Bekannt ist z.B, dass viele KPDler sich Anfang 1919 sich durch die SPD zu offensiven Aktionen provozieren liesen, aber keinen Rückhalt dafür hatten. Das gleiche Problem - offensives Vorgehen ohne Rückhalt - gab es bei der Märzaktion 1921. Umgedreht war die KPD wären des Kapp-Putschs und im Oktober 1923 zu passiv, obwohl sie Rückhalt hatte.
Greg hat folgendes geschrieben: | Hat sich die Verfassungsgebende Versammlung selbst aufgelöst oder hat Lenin die gewaltsam aufgelöst? |
Aufgelöst hat die Verfassungsgebende Versammlung ein anarchistisches Mitglied der Arbeitermilizen Dafür war allerdings keine Waffengewalt notwendig, es gab auch keinen Widerstand gegen die Auflösung.
Es stimmt, dass die Bolschewiki bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung nur 25% der Stimmen erziehlten, dafür erreichten sie aber in den Räten klare Mehrheiten. Die Mehrheit war damals in den Räten für eine Räterepublik - und stimmte deshalb eben für die Auflösung der Parlaments, weil eben keine parlamentarische Demokratie wollte.
Ursache für den fehlenden Widerstand ist die Reformpolitik der Bolschewiki, die eben in kurzer Zeit deutliche Erfolge erzielten, während die von u.a. von den Menschewiki unterstützte Provisorische Regierung (am Ende von Rechten Sozialrevolutionären geführt) überhaupt nichts erreich hatte. Deshalb erhielten die Bolschewiki und die Linken Sozialrevolutionäre klare Mehrheiten in den Räten, während die Menschewiki und die Rechten Sozialrevolutionären eben nur von einer Minderheit gewählt wurden.
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Tarvoc Holy shit, 4 decades already.
Anmeldungsdatum: 01.03.2004 Beiträge: 44759
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(#425790) Verfasst am: 06.03.2006, 11:38 Titel: |
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max hat folgendes geschrieben: | Dafür müsste ich ein Buch schreiben.  |
Ich würd's mir kaufen.
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Greg auf Wunsch deaktiviert
Anmeldungsdatum: 03.03.2006 Beiträge: 1098
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(#425796) Verfasst am: 06.03.2006, 12:06 Titel: |
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@DerTorsten:
Wenn ich's in meinen Worten wiedergeben kann, dann hab ich's auch verstanden.
Das nennt man "eigenständig denken".
@max:
Also stimmt das nicht, was in der Wikipedia steht?
Welches anarchistische Mitglied hat die verfassungsgebende Versammlung aufgelöst?
Gib doch mal bitte eine historische Quelle an, damit ich das nachschlagen kann.
Meine Quellen sagen halt was anderes...
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