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*Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung*

 
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Autor Nachricht
Martin Mitchell
„schwer (um)erziehbarer“ Senior anderer Kultur



Anmeldungsdatum: 25.09.2003
Beiträge: 1448
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Beitrag(#52851) Verfasst am: 14.11.2003, 02:15    Titel: *Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung* Antworten mit Zitat

*Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung* Berichtet von Martin Mitchell aus Australien.

Deutschen, damaligen Minderjährigen, Opfern von staatlicher Gewalt und schweren Misshandlungen auch in kirchlichen Einrichtungen während der NS-Zeit – und auch noch danach – wurde am 17.10.2003, in einer Feierstunde in Münster vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine offizielle öffentliche "Entschuldigung" überreicht (aber wurde danach ungenügend publiziert!).

Die Fakten enthalten in dieser Information und ihre Herkunft sind total glaubwürdig und können daher auch mit Zuversicht überall veröffentlicht und weiterverbreitet werden.

Verantwortlichkeit für diese Veröffentlichung liegt by Martin Mitchell. Er kann auch persönlich kontaktiert werden: Email: martinidegrossi@yahoo.com.au; Webseite: www.freistatt.de.vu.

Copyright über diese Veröffentlichung genau wie hier formuliert wird nicht erhoben.


*Good News!* - *Public Apology issued* Published by Martin Mitchell in Australia.

An overseeing semi-governmental authority in the State of Westfalia in the Federal Republic of Germany, the "Landschaftsverband Westfalen-Lippe", with its seat in Münster, at a public ceremony on Wednesday 17.10.2003, issued a formal public apology to a number of German citizen who whilst they were minors during the time of National Socialism and whilst being held against their will in state and church run institutions suffered horrendous abuse at the hands of their carers. For some of them the abuse continued for decades even after the Third Reich had ceased to exist.

The apology after it had been given to the victims, however, was insufficiently publicised.

The assertions here made are from reliable sources and are totally factual and true and may therefore be republished and distributed with confidence.

The responsibility for the current publication rests with Martin Mitchell who may be contacted via e-mail at: martinidegrossi@yahoo.com.au; Web-site: www.freistatt.de.vu.

Copyright in this news item as formulated here is specifically waived.
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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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Martin Mitchell
„schwer (um)erziehbarer“ Senior anderer Kultur



Anmeldungsdatum: 25.09.2003
Beiträge: 1448
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Beitrag(#52853) Verfasst am: 14.11.2003, 02:25    Titel: *Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung* Antworten mit Zitat

Das "Presseforum 14.10.03" des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ist mir nichts Neues, aber leider auch nicht sehr informativ. Darum habe ich jetzt die Medien, weltweit, wahrheitsgemäß über die genauen Tatsachen und Zusammenhänge der *Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung* informiert.

Wenn auch schon in diesem Forum , d.h. in dem Forum der RA-Kanzlei H. J. Kotz ( @ www.ra-kotz.de ) das * "[LWL] Presseforum 14.10.03"* meinem Bericht zum Vergleich entgegengesetzt wird, wäre eine gute Kopie davon auch sehr schön gewesen; noch besser natürlich ein direkter Link zu der Benachrichtigung damit es interessierte Leute auch selbst auf dem Internet finden können (Es ist nämlich schon beinahe total unmöglich zu finden!).

Ansonsten entspricht mein eigener oben dahingesetzter Bericht genau den Tatsachen und kann auch von jedermann der es wünscht zu unternehmen genau überprüft werden. Wer das zu unternehmen wünscht kann sich an Prof. Dr. Bernd Walter, Westfälisches Institut für Regionalgeschichte, und auch an die Geschäftsführerin des *Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangsterilisierten*, Frau Margret Hamm, wenden. Ein weiterer interessanter Link in diesem Zusammenhang ist auf dieser Webseite zu finden: http://www.krieg-nolte.de.

Jetzt hier noch dazugefügt ein bißchen mehr Information von mir, für die die die Wahrheit nicht einfach total und kategorisch ablehenen wollen:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat sich am 17.10.2003 bei nur sehr wenigen von hundertausenden von deutschen Staatsbürgern entschuldigt weil es nur diese waren die der Landschaftverband Westfalen-Lippe in Westfalen als "noch Lebende" hatte aufspüren können. Das waren eine Dame und 7 Herren, die damals Kinder und/oder Jugendliche (d. h., "Minderjährige") waren. Schon während der NS-Zeit wurden sie gegen ihren Willen in staatlichen und kirchlichen Institutionen – und auch die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel waren daran beteiligt – festgehalten und zwangssterilisiert, weil sie als "minderwertig" und/oder "schwachbegabt" und/oder auch als "schwererziehbar" und/oder auch als "geistesgestört" kategorisiert worden waren.

Also hat man sich jetzt, was diese eine deutsche weibliche Person und 7 männliche Personen betrifft, erst nach ungefähr 50 bis 60 Jahren nur bei *ihnen* entschuldigt. Und jeder sollte auch wissen das dies nicht die einzigen Deutschen waren die dieses Schicksal haben erleiden müssen. Es waren insgesamt ungefähr 400 000 deutsche Opfer (und viele, wenn nicht alle, von ihnen "Minderjährige") die das gleiche Schicksal haben erleiden müssen; und eine weitere Zahl – ungefähr 300 000 – von deutschen Opfern wurden aus ähnlichen absurden Gründen einfach als "lebensunwert" gestempelt und umgebracht, also ermordet.

Und für die die das Dritte Reich überlebten, und die noch immer Kinder und Jugendliche waren, hörte das Leiden ja nicht einfach auf. Für sie (für viele!) ging es genauso weiter wie vor dem Zusammenbruch, und niemand kümmerte sich um sie. Darum auch das, meines Erachtens, *miese* Eingeständnis jetzt vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in ihrem eigenen Bericht das es so weiter ging "auch noch danach".

Mein Bericht stützt sich nicht einzig und allein auf den Bericht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vom 14.10.203, und auch nicht auf den viel kürzeren und noch mehr informationsarmen WDR-TV Bericht vom 17.10.2003 (wirklich eine richtige winzige "Halbtagsfliege"!).

Mir sind jetzt *alle* Details bekannt, bis ins Kleinste, und diese Details erlauben mir mit großer Sicherheit und Genauigkeit meinen eigenen Bericht jetzt hier so zu verfassen wie ich das auf dem RA-Kanzlei H. J. Kotz am 12 Novembe, 2003 um 03:44:23 unternommen habe ( @ www.ra-kotz.de ) und auch noch anderswo unternehmen werde über die nächsten Tage und Wochen.

Wie auch schon oben angedeutet, viele Medien in Deutschland und auch in Übersee sind jetzt schon von mir genau hierüber informiert worden, und auch darüber, wie es im deutschen Bundesstaat nach 1945 (bzw. 1949) für mehrere Jahrzehnte mit Kindern und Jugendlichen weitergetrieben wurde – beinahe genauso wie zuvor, besonders wenn die Kinder und Jugendlichen elternlos waren, nur einen überlebenden Elternteil hatten, oder als "schwachbegabt" und/oder "verwahrlost" kategorisiert oder gestempelt wurden. Mehrere Millionen Kinder und Jugendliche waren davon betroffen und verschwanden in Institutionen (meistens kirchlicher Trägerschaft und auch mit strengem Religionzwang verbunden!) wo sie dann schwerstens misshandelt und stytematisch gefoltert, und als Schwerarbeiter ausgebeutet wurden: ein Menschenverbrechen von ungeheuerem Umfang – einmalig in der deutschen Geschichte – das bisher kaum an die Öffentlichkeit gedrungen ist oder sogar gesühnt worden ist.

Und die die jetzt wissen möchten wie eine Entschuldigung unter solchen Umständen gegenüber den Opfern wirklich aussehen sollte, und wie man sich gegenüber ihnen verhalten sollte, können sich ja mal anschauen den Artikel: … "*»Institutional Child Abuse«* This paper was prepared for the Law Commission of Canada under the title "Apologising for Serious Wrongdoing: Social, Psychological and Legal Considerations" … (leider aber nur in Englisch). Ich empfehle den Artikel jedem der Englisch versteht und sich wirklich mit diesen Angelegenheiten auseinanderzusetzen wünscht. Der direkte Link zu diesem Artikel ist http://www.lcc.gc.ca/en/themes/mr/ica/2000/html/apology.asp.

Siehe auch meine Webseite, www.Freistatt.de.vu, die weiterhin von mir selbst betrieben wird, und in Kürze noch viel mehr ausgedehnt werden wird. Und, was mich betrifft hier in Australien, bin ich ja hier nicht von Zensur betroffen die von machen anderswo ausgeübt wird. I am unstoppable, nicht aufzuhalten, und das Internet ist ein wunderbares Werkzeug meine Nachricht und die Nachricht aller Opfer von Gewaltakten (insbesondere, hier, die Nachricht von Gewaltakten gegen deutsche damalige "Minderjährige", die zum Großteil noch heute alle unter uns leben!) und die Schuld die der Staat, d. h., die NS-Regierung *und* auch die Bundesregierung, und die beiden deutschen Amtskirchen in diesem Zusammenhang auf sich geladen haben, aufzudecken und die Wahrheit darüber ungehindert zu verbreiten.
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Alzi
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Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 2761
Wohnort: Oberfranken

Beitrag(#53288) Verfasst am: 14.11.2003, 21:26    Titel: Antworten mit Zitat

Der Link von Martin Mitchell sollte ohne den abschließenden "." eingegeben werden:

http://www.lcc.gc.ca/en/themes/mr/ica/2000/html/apology.asp
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Xerxes
undefinierbar



Anmeldungsdatum: 19.07.2003
Beiträge: 253
Wohnort: Halle (Saale)

Beitrag(#53291) Verfasst am: 14.11.2003, 21:33    Titel: Antworten mit Zitat

Alle Links sollten jetzt wieder funktionieren. zwinkern
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The hypothetical cat unmistakably felt the heavy doctor.

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Martin Mitchell
„schwer (um)erziehbarer“ Senior anderer Kultur



Anmeldungsdatum: 25.09.2003
Beiträge: 1448
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Beitrag(#55886) Verfasst am: 21.11.2003, 06:18    Titel: *Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung* Antworten mit Zitat

Was denkt all Ihr Forumteilnehmer von dem Inhalt des hierunter von mir zitierten Artikel, und von der "Entschuldigung" die bis jetzt nur einigen wenigen deutschen Opfern von staatlicher und kirchlicher Gewalt gegeben wurde???

Ist das auch "Bullshit", das "keine Sau" in Deutschland "interessiert"? (wie angeben in zwei anonymen Beiträgen in dem Forum der RA-Kanzlei H.J. Kotz, @ http://www.ra-kotz.de, am 12.11.2003 um 12:28:35, und am 13.11.2003 um 10:09:25)?

Zusammenfassung, von Martin Mitchell aus Australien, von einem Artikel von der Journalistin Ingrid Müller-Münch, Frankfurter Rundschau (den er darauffolgend hier zitiert) … wie er es sieht aus der Ferne:

Einer von hunderttausenden deutschen angeblich 'minderwertigen' *Heimkinder* in den Jahren nach dem Kriege sowohl wie auch während der Nazi-Zeit erhält endlich … nach mehr als 50 Jahren … eine offizielle behördliche Entschuldigung, aber, für sein zerstörtes Leben, keine angemessene Entschädigung, sowie man sich das nach internationalen Normen und Bedingungen hätte vorstellen dürfen.

Also hier, noch eine weitere behördliche Entschuldigung bei noch einem anderen angeblich 'minderwertigen' Heimkind. Auch *davon* soll jeder wissen!


»Eine späte Entschuldigung für ein zerstörtes Leben
(Veröffentlicht am 15. Januar 2003 um 07:45:53 Uhr)

Eine späte Entschuldigung für ein zerstörtes Leben

Paul Brune wurde als Kind in Anstalten für Geisteskranke gequält / Erst Jahrzehnte später wird anerkannt, dass ihm Unrecht geschah

Von Ingrid Müller-Münch


Wie muss er sich am Dienstagnachmittag bloß vorgekommen sein, der Paul Brune, um den sein Lebtag lang kein Huhn und kein Hahn gekräht hat. Was ihm die Nonnen des Waisenhauses im westfälischen Lippstadt ebenso wie die braunen Nazi-Schwestern der "Anstalt für geisteskranke und geistesschwache Kinder" im sauerländischen Niedermarsberg immer wieder eingebleut haben. Damit wurde er klein gehalten, ebenso wie mit der fast rituell wiederholten Beschimpfung, bei ihm und seinesgleichen handele es sich um unnütze Brotfresser, Schmarotzer, Minderwertige. Ja, man verstieg sich sogar soweit, das Leben des Paul Brune als "lebensunwert" zu brandmarken. Eine Beurteilung amtlicherseits, die ihn beinahe um sein von ihm durchaus geliebtes, von anderen aber so gering geschätztes Leben gebracht hätte.

Bei diesem Paul Brune … einem Nichts und einem Niemand … entschuldigte sich am Dienstagnachmittag der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Wolfgang Schäfer, hochoffiziell in den Räumen des Düsseldorfer Landtags. Und zwar für das dem sehr geehrten Herrn Brune während der Nazizeit und auch danach "widerfahrene schlimme Unrecht". Paul Brune fuhr aus diesem Anlass extra in das Landtagsgebäude nach Düsseldorf. Ein kleiner Mann mit inzwischen schon leicht krummem Rücken, einem noch immer üppigen Lockenkopf und einer schleppenden Stimme, die daher rührt, dass Paul Brune so viele Jahres seines Lebens keinen Mucks von sich geben durfte. Sonst setzte es was auf den "Schwätzermund". Sonst wurden Kinder wie er voll bekleidet in einer mit kaltem Wasser gefüllten Badewanne untergetaucht. Solange, bis sie kaum noch Luft bekamen.

Genau hierfür entschuldigte man sich am Dienstag. Und noch für vieles mehr. Es war eine längst überfällige Geste, mit der Brune allerdings nicht mehr gerechnet hatte. Nach all den lebenslangen Kämpfen, die er ausgefochten hatte, trotz der vielen Steine, die man ihm allerorts in den Weg legte. Dabei hatte man ihm das Widersetzen doch eigentlich ausgetrieben, mit Hilfe von Zwangsjacken, in die man ihn steckte und die vom verkrusteten Blut der geschlagenen, verletzten Heimkinder schon ganz steif waren.

Die verbliebene Zähigkeit im Körper und in der Seele des Paul Brune ist das Erstaunlichste an der Lebensgeschichte dieses Menschen. Er, der wegen seiner Lebhaftigkeit und seines so wenig in die Grabesstille der Anstalten passenden Redebedürfnisses nach acht Jahren aus der "Idiotenschule" geflogen war, hat Germanistik und Philosophie studiert. Sein Staatsexamen gemacht. Doch wie es hierzu kam, wieso Paul Brune heute wie selbstverständlich Brecht zitiert oder auf berühmte Philosophen verweist, ist eine lange, eine traurige Geschichte. Und wer sie zuerst hört, der wird sie kaum glauben.

So ging es auch Brigitte Hermann vom Petitionsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags. Die Landtagsabgeordnete der Grünen las die 69 Seiten der Eingabe Brunes, mit der er schon viermal zuvor vergebens um eine Entschädigung gebeten hatte. Doch diesmal nahm man ihn ernst, recherchierte und konnte irgendwann nicht umhin, seine Schilderungen zu glauben. Was ihm die jetzige Entschuldigung und die höchstmögliche von der Härtefallkommission des Landes NRW zu bewilligende Entschädigung als überlebendes Opfer der Nazi-Euthanasie einbrachte.

Er bekommt nun etwa 260 Euro monatlich für ein ganzes zerstörtes Leben. Ein Leben, das eigentlich an dem Tag aufhörte normal zu schlagen, als sich seine Mutter, die Paula Brune, mit ihren drei jüngsten Kindern, darunter den noch nicht einmal einjährigen Paul, im Dorfteich ertränken wollte. Ihr Mann hatte sie, nachdem seine Frau von einem benachbarten Bauern schwanger war und Paul gebar, mit Fäusten, ja mit dem Hammer zur Raison bringen wollen. Bei ihrem Selbstmordversuch ertrank Pauls vierjähriger Halbbruder. Eine Schwester, Paul und die Mutter wurden gerettet. Paul kam, wie er später herausfand, "so nass und verdreckt, wie man mich aus dem Wasser gefischt hatte", sofort ins St.-Josef-Waisenhaus nach Lippstadt. Dort begann sein Leidensweg.

Von nun an hieß es stillsitzen, stillschweigen. Der kleine Paul hielt das nicht aus. Wenn keiner guckte, tanzte er herum, neckte die anderen Kinder, die stumm stundenlang auf ihren Stühlchen hockten. In seiner "Irrenhausakte" … wie er hartnäckig das Dokument bezeichnet, das die vielen ärztlichen Hauruckeinschätzungen seiner Person enthält … schlug sich sein Verhalten als "gemeingefährliche Umtriebe schon im frühkindlichen Alter" nieder. Später, im heimeigenen Horst-Wessel-Kindergarten, beschimpfte der Rektor, ein alter Nazi, den Jungen, der sich schon vor der Einschulung selbst das Lesen beigebracht hatte, vor der ganzen Klasse als "erblich minderwertig".

1943 lieferten ihn die Nonnen ins Irrenhaus nach Dortmund-Aplerbeck, von wo aus er kurz darauf ins St. Johannesstift nach Niedermarsberg verlegt wurde, einer "Anstalt für Geisteskranke, Schwachsinnige und Epileptiker". Er mache den Eindruck eines normal begabten Kindes, hieß es geradezu verwundert bei seiner Aufnahme. Trotzdem lautete die Diagnose: "gemeingefährliche Schizophrenie". Damals war das so etwas wie ein Todesurteil, denn die in Aplerbeck und Niedermarsberg von den Nazis eingerichteten "Kinderfachabteilungen" sollten sogenannte "erbkranke" oder behinderte Kinder zur Euthanasie, also zur amtlicherseits angeordneten und exekutierten Ermordung, auswählen. Auch der kleine Paul war hierfür vorgesehen, Anstaltspsychiater Heinrich Stolze hatte ihn als "lebensunwertes Leben" eingestuft. Paul rettete … so glaubt er heute … ein Test, ein fehlerfreies Diktat, bestehend aus kurzen Sätzen wie dem: "Wir rufen Heil Hitler" , und ein Aufsatz, in dem er schrieb: "Ich wohne in Deutschland. Der Führer wohnt in Deutschland. Die Soldaten helfen ihm. Wir haben jetzt Krieg mit den Russen und Engländern. Die schießen die Soldaten, weil die unsere Häuser kaputt machen."

Paul blieb, während viele, viele Kinder einfach so verschwanden. "In meiner Zeit", sagt Paul Brune, "von Anfang September 1943 bis Anfang der 50er Jahre sind hier 500 Kinder gestorben. Ganz zu schweigen von den Kindern, die 43/44 in die Vernichtungsanstalten geschickt wurden." Noch heute fragt er sich unentwegt, wie er diese Kinderhölle hat überleben können. Denn der kleine, gerade mal achtjährige Paul sah die Kinder seiner Station, die zu den "braunen" Schwester mit ihren Peitschen in die "Kinderfachabteilung" des Erdgeschosses verlegt wurden, nie wieder. Immer häufiger musste er im Gewand des Messdieners hinter dem Anstaltspfarrer und den Kindersärgen zum heimnahen Friedhof gehen.

Jahre später, als er all dem längst entronnen war, suchte er die Nonnen seines Waisenhauses auf, die ihn zur Euthanasie nach Dortmund-Aplerbeck abgeliefert hatten. Dort stieß er auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung. Der Anstaltspfarrer hat ihn, als er auch bei ihm anklingelte, "schlicht aus seiner Wohnung geworfen". Irgendwann erfuhr er dann, dass Psychiater Dr. Heinrich Stolze, dem er die Einstufung als "lebensunwertes Leben" verdankte, 1953 wegen seiner Mitwirkung am Euthanasie-Programm vom Landgericht Münster "wegen erwiesener Unschuld" freigesprochen worden war. Das Schwurgericht war, wie damals üblich, einem psychologischen Gutachten gefolgt, wonach Stolze für die Zeit seiner Taten einem "Irrtum über das Erlaubtsein seines Handelns" erlegen war.

Für Paul Brune war mit der Rettung seines Lebens seine stumpfsinnige Heimzeit allerdings längst nicht zu Ende. Weitere zehn Jahre verbrachte der Junge, dem später bei psychologischen Tests eine überdurchschnittliche Intelligenz nachgewiesen wurde, hinter den dicken Mauern der Niedermarsberger "Anstalt für geisteskranke und geistesschwache Kinder". Dort blieb auch nach 1945 alles beim Alten. Manch ein Kind, daran erinnert sich Paul Brune genau, starb auch weiterhin an den ihm durch Pfleger und Aufseherinnen zugefügten Verletzungen, an Tritten, Schlägen, Knebeln, durch Eintauchen in kochendes Wasser. Die Bilder der zerlumpten Gestalten, die all dies überlebten, bringen Paul Brune noch heute manche Nacht um den Schlaf. Dann sieht er sie wieder, diese Kinder mit ihren "hängenden Schultern, gekrümmten Rücken, apathischen Gesichtern, stumpfsinnigen Augen. Wir waren deprimierende Gestalten, denen das Interesse an der Welt ausgetrieben wurde." In seinem Fall ist das misslungen. Nach mehreren Fluchtversuchen, zeitweiliger Knechtsarbeit bei einem Bauern, einem Selbstmordversuch mit E 605 kam er zwar zunächst in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie in Münster, in den sogenannten "Schutthaufen". Diesmal hatte man ihm, "ruckzuck", einen Wasserkopf attestiert. Auch dort wehrte er sich. Dagegen, dass ihm ein Mitpatient seine Rotze ins Gesicht pustete, ein anderer ihn mit Kot beschmierte. Prompt bekam er die Quittung: er störe den Frieden der Abteilung, zeige keine "Krankheitseinsicht", sei einfach paranoid. Inzwischen war er 18 Jahre alt. Konnte Gedichte wie Goethes Erlkönig auswendig, rezitierte in seiner verlangsamten Sprache Schillers Zauberlehrling oder die Kraniche des Ibikus. All dies hatte er aufgeschnappt, geklaubt aus verstohlen gelesenen Büchern.

In Münster traf er zum ersten Mal auf Menschen, die sich nicht nur im Kasernenhofton miteinander verständigten, die miteinander redeten, diskutierten. Ein Priester, wegen Unzucht mit Minderjährigen dorthin eingewiesen, feilte mit ihm an seiner Aussprache, übte mit ihm die deutsche Grammatik, setzte sich in Briefen an das Vormundschaftsgericht für Paul ein. Und hatte Erfolg. Eines Tages wird Paul abgeholt, ist von nun an auf sich selbst gestellt.

Zunächst schlägt er sich bei Bauern als Hilfsarbeiter durch. Nutzt jede Minute für seine Bildung. "Von den Stunden der Verzweiflung bei diesem Bemühen will ich erst gar nicht reden." Es gelingt ihm, sein Abitur nachzumachen, Germanistik und Philosophie zu studieren. Er lernt Psychiater kennen, die entsetzt sind über das, was in seiner Krankenakte steht, die ihn ermuntern, für das ihm angetane Unrecht auf Entschädigung zu drängen. 1966 reicht er seine erste von insgesamt fünf Eingaben beim Petitionsausschuss ein. Erst die letzte, bei der ihn die Grünen-Politikerin Brigitte Hermann unterstützte, ist erfolgreich. Doch die unhaltbaren Diagnosen der Naziärzte haben ihn nicht nur um seine Kindheit, sondern auch um seinen Beruf gebracht. Als er 1978 seine Referendarzeit an einem Gymnasium beginnen will, schaltet sich das Bochumer Gesundheitsamt ein. "Ein ewiger Student? Eine soziale Drohne?" sinniert ein Amtsarzt schriftlich über Paul Brune und verweist in seinem Eifer, Brunes Referendarzeit zu verhindern, auf einen Eintrag, 1943 vom Nazirektor der Horst-Wessel-Schule vorgenommen. Danach sei Brune "das Schulbeispiel für asoziales Verhalten infolge Erbanlage". Und als reiche dies nicht aus, um Brune zu diskreditieren, fügt dieser Amtsarzt im Jahre 1978 noch hinzu: "Paul Brune stammt aus einer ehebrecherischen Beziehung der Mutter." Brune nahm dies nicht hin, wusste sich inzwischen zu wehren. Über das Verwaltungsgericht bekam er die Erlaubnis, sein Referendariat abzuschließen. Doch Lehrer werden durfte er nie. Irgendwie kann er das auch verstehen. "Man hat ja nicht wissen können, ob nicht doch an all dem, was da in meiner ,Irrenhausakte ' stand, etwas dran gewesen ist", sagt er, traurig, aber ohne jeden Zorn.

Zu seiner Familie hat er keinen Kontakt, obwohl er sie alle aufgesucht hat: die Halbgeschwister, seinen wirklichen Vater und seinen Stiefvater. Wie waren sie doch überrascht, ja fassungslos, dass der kleine Paul noch lebte! Keiner war jedoch wirklich an ihm interessiert. Als 21-Jähriger fuhr er zu seiner inzwischen auf dem Bauernhof einer Schwester lebenden Mutter. Die hat ihn sofort erkannt. "Was willst Du hier, was willst Du hier?", empfing sie ihn in Panik und wiederholte immer wieder: "Ich kann Dir nicht helfen. Woher weiß Du überhaupt, dass ich hier wohne?" Der Besuch war so deprimierend, dass Paul Brune ihn nie wiederholte.

Noch heute lebt er in einer mit philosophischen Werken, Literatur über die NS-Zeit, Romanen und Krimis vollgestopften Studentenbude im Bochumer Univiertel. Auf die Frage, ob er sich selbst als einen unglücklichen Menschen bezeichnen würde, schüttelt er heftig den Kopf. Um dann, zögernd und nachdenklich hinzuzufügen:: "Seltsamerweise nicht. Manchmal, da packt es mich allerdings schon. Vor allem des Nachts. Dann knipse ich die Lampe an, schnappe mir ein Buch und tauche einfach weg."

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Dokument erstellt am 14.01.2003 um 18:00:12 Uhr
Erscheinungsdatum 15.01.2003«
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nocquae
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Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 18183

Beitrag(#55909) Verfasst am: 21.11.2003, 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Auch wenn ich Entschuldigen jedwerder Art - so zurückhaltend sie auch immer geäußert werden - in dieser Sache gutheiße, war ich doch bislang immer der ansicht, dass der der Lippische Landesverband erst 1949 gegründet wurde, im Zuge der Angliederung der ehem "Freistaates Lippe" an das Land NRW ...
http://www.landesverband-lippe.de/
Mir scheint in diesem bestimmten Fall eigentlich keine spezielle Grundlage für soetwas gegeben zu sein, da der LV Lippe AFAIK nicht Rechtsnachfolger irgendeiner staatlichen oder privaten Organisation ist. Am Kopf kratzen
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In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher, als derjenige, der den Schmutz macht.
-- Kurt Tucholsky
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osmund
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Anmeldungsdatum: 19.11.2003
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Beitrag(#55920) Verfasst am: 21.11.2003, 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

wie kommst du nun auf den landesverband lippe-lemgo?

die rede war doch vom landschaftsverband westfalen lippe
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nocquae
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Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 18183

Beitrag(#55932) Verfasst am: 21.11.2003, 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Verlegen ich habe nur das lippe im namen gelesen und bin offenbar sofort darauf angesprungen Lachen
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-- Kurt Tucholsky
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Martin Mitchell
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Anmeldungsdatum: 25.09.2003
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Beitrag(#56268) Verfasst am: 22.11.2003, 00:35    Titel: *Gute Nachricht!* - *Öffentliche Entschuldigung* Antworten mit Zitat

Mal schnell antworten um die Sache richtig zu stellen:

(zusammengestellt und versandt von Martin Mitchell aus Australien)

Der "*Landschaftsverband Westfalen-Lippe*" war vorher der "*Provinzialverband Westfalen-Lippe*", und auch immer die *Aufsichtsbehörde* über die 'Jugendwohlfahrts-Einrichtungen' (ca 1922-1945) und auch die 'Jugendfürsorge-Einrichtungen' (ca 1945-1991), *und auch *die in privater (also, "kirchlicher") Trägerschaft* [und auch die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel (bei Bielefeld, in Westfalen) und ihre Teilanstalten in anderen Ländern Deutschlands (z.B. Freistatt in Niedersachsen) (mit denen sie private Verträge hatten) sind darin eingeschlossen], wo hunderttausende - wenn nicht sogar mehrere millionen - von deutschen Kindern schwerstens misshandelt und als Sklavenarbeiter ausgebeutet wurden (auch nach dem 2. Weltkrieg, für ungefähr vier Jahrzehnte von ca 1945-1985!) - und im Dritten Reich sogar umgebracht wurden. Das sind die Tatsachen! Ein Holocaust an deutschen Kindern von ungeheurem Umfang, einmalig in der deutschen Geschichte!
Und insbesondere die Kirchen wollen das natürlich noch immer verschweigen!
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