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Sprache und Diskriminierung
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kamelpeitsche
Weapon of Mass Discussion



Anmeldungsdatum: 15.11.2003
Beiträge: 4555
Wohnort: Devil's Dancefloor

Beitrag(#1303519) Verfasst am: 09.06.2009, 16:47    Titel: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

Wie schätzt ihr die Benutzung von Beschimpfungen ein, die sich auf eine Minderheitengruppe beziehen?

Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"
2. "Schwuchtel"
3. "Spasti"
4. "Schwachsinniger"

gebraucht?

Ich habe die Worte bewusst in dieser Reihenfolge angeordnet, da ich - und wohl die meisten - sie auch so geordnet immer weniger schlimm finden - obwohl alle vier einen diskriminierenden Hintergrund besitzen. "Schwachsinniger" bspw. wird, wenn es gebraucht wird, kaum mit dem bewussten Gedanken an geistig Minderbemittelte ausgesprochen. Von einer diskriminierenden Haltung des Gebrauchenden kann also zunächst keine Rede sein. Nimmt aber jemand das Wort "Schwuchtel" in den Mund, wie verhaltet ihr euch dann?
Ich frage dies mit dem Hintergrund, dass ich selber auf Grund angenommener Gewohnheit, vermute ich, lange Zeit "Schwuchtel" als Schimpfwort benutzt habe - gleichzeitig aber auf die Barrikaden ging, wenn mir gegenüber dezidiert homophobe Aussagen getätigt wurden.
Allgemein halte ich mich für einen relativ vorurteilsfreien (zumindets in Bezug auf Minderheiten) Menschen, bin aber dennoch mit vordergründig diskriminierenden Bezeichnungen teilweise schnell zur Hand. Ich würde für mich gerne anfangen, "aufzuschlüsseln", wieviel tatsächlich vorurteilsbehaftetes Unterbewusstsein bei der Benutzung solcher Wörter im Spiel ist, oder ob u.U. auch schlicht völlige Gedankenlosigkeit als Erklärung reicht.

Wie flucht ihr eigentlich?

P.S: An die Admins: Unter Firefox scheint's im Gegensatz zu meinem Standardbrowser zu funktionieren...
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Zuletzt bearbeitet von kamelpeitsche am 09.06.2009, 17:21, insgesamt einmal bearbeitet
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beefy
Be Vieh
Foren-Admin



Anmeldungsdatum: 24.09.2008
Beiträge: 5590
Wohnort: Land der abgehärteten Seelen

Beitrag(#1303528) Verfasst am: 09.06.2009, 17:00    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"
2. "Schwuchtel"
3. "Spasti"
4. "Schwachsinniger"


Als Idioten

Die deutsche Sprache ist dermaßen vielfältig, daß es leicht ist jemanden "politisch korrekt" zu beleidigen, ohne oben genannte Gruppen miteinzubeziehen.

Zitat:
Wie flucht ihr eigentlich?
In der Regel kommt irgendwas blaphemisches drin vor,sowie ein bis viele schmutzige Worte.Oder einfach "Scheiße!!!"
_________________
Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.
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fwo
leider wieder manchmal da



Anmeldungsdatum: 05.02.2008
Beiträge: 21838
Wohnort: nicht fest

Beitrag(#1303535) Verfasst am: 09.06.2009, 17:04    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

kamelpeitsche hat folgendes geschrieben:
....
Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"
2. "Schwuchtel"
3. "Spasti"
4. "Schwachsinniger"

gebraucht? ....

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.

fwo
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Ich glaube an die Existenz der Welt in der ich lebe.

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Es gibt keinen Gott. Also: Jesus war nur ein Bankert und alle Propheten hatten einfach einen an der Waffel.
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kalkant
registrierter User



Anmeldungsdatum: 16.08.2005
Beiträge: 698
Wohnort: München

Beitrag(#1303544) Verfasst am: 09.06.2009, 17:11    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

kamelpeitsche hat folgendes geschrieben:
Wie schätzt ihr die Benutzung von Beschimpfungen ein, die sich auf eine Minderheitengruppe beziehen?

Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"
2. "Schwuchtel"
3. "Spasti"
4. "Schwachsinniger"

gebraucht?



Hm, jedenfalls als unsympathischen Menschen, den ich nicht näher kennenlernen möchte.

Ich selber hab mir das Fluchen weitgehend abgewöhnt und versuche, etwaigen Ärger mit sachlichen Worten auszudrücken (auch mit sachlichen Argumenten kann man bei Bedarf laut werden).

Falls mein Ärger mal übermächtig wird behelfe ich mir meistens mit einem simplen "Scheiß" oder "Scheißdreck".
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kamelpeitsche
Weapon of Mass Discussion



Anmeldungsdatum: 15.11.2003
Beiträge: 4555
Wohnort: Devil's Dancefloor

Beitrag(#1303780) Verfasst am: 09.06.2009, 22:55    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

zefiro39 hat folgendes geschrieben:
kamelpeitsche hat folgendes geschrieben:
Wie schätzt ihr die Benutzung von Beschimpfungen ein, die sich auf eine Minderheitengruppe beziehen?

Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"
2. "Schwuchtel"
3. "Spasti"
4. "Schwachsinniger"

gebraucht?



Hm, jedenfalls als unsympathischen Menschen, den ich nicht näher kennenlernen möchte. [...]


Beurteilst du das dann so, sobald jemand das Wort "Spast" in den Mund nimmt?
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Zoff
auf eigenen Wunsch deaktiviert



Anmeldungsdatum: 24.08.2006
Beiträge: 21549

Beitrag(#1303791) Verfasst am: 09.06.2009, 23:12    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

kamelpeitsche hat folgendes geschrieben:
Wie schätzt ihr die Benutzung von Beschimpfungen ein, die sich auf eine Minderheitengruppe beziehen?

Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"
2. "Schwuchtel"
3. "Spasti"
4. "Schwachsinniger"

gebraucht?



Ich habe noch nie erlebt, dass jemand das Wort "Neger" als Schimpfwort gebraucht. "Schwuchtel" + "Spasti" ist mir noch geläufig, aber das muss so (maximal) in der 7. Klasse gewesen sein. Und "Schwachsinniger" hat, wie du ja schon selbst schreibst, mit wirklich behinderten Menschen eigentlich nichts zu tun.
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Spartacus Leto
Ist hier raus!



Anmeldungsdatum: 27.08.2005
Beiträge: 5659

Beitrag(#1303803) Verfasst am: 09.06.2009, 23:22    Titel: Antworten mit Zitat

Schwuchtel und Spasti sind mir als Beleidigung aus dem Munde Schwachsinniger* geläufig.
"Neger" hingegen ist mir noch als normale Bezeichung für Schwarze in Erinnerung, was sich mit dem Tode der Benutzer dieses Wortes in diesem Kontext dann irgendwann erledigte.

*Also Hip-Hop hörende Gängsta
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Bravopunk
Unvollender



Anmeldungsdatum: 08.03.2008
Beiträge: 25811
Wohnort: Edo

Beitrag(#1303804) Verfasst am: 09.06.2009, 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kenne da ein noch unsinnigeres Wort, welches als Beleidigung verfremdet wird. Das hört man derzeit, aber auch schon seit ein paar Jahren, in der jugendlichen Szene recht häufig. Ist scheinbar wohl angesagt. Aber ich empfinde es als vollkommen skandalös:

- Opfer

Da hab ich früher nie so drüber nachgedacht, als ich das die ersten paar mal gehört habe. Aber inzwischen werd ich richtig wütend, wenn ich so ne Göre einen anderen als "Opfer" beschimpfen höre. Es suggeriert, dass ein Opfer etwas schlechtes ist. Es verhöhnt denjenigen als irgendwie unterlegen. Scheint sogar irgendwie mit unserer Leistungsgesellschaft zusammenzuhängen. Auf jeden Fall gibt es diesem Wort eine Konnotation, die völlig am eigentlichen Sinn vorbei geht. Es führt dazu, dass man Opfer verachtet... dabei haben jene, die man mit recht so nennt, es schon schwer genug und es echt nicht auch noch verdient sie wegen ihrer Opferrolle zu verhöhnen und zu erniedrigen. Es beinhaltet irgendwie, dass ein Opfer keiner Hilfe bedarf, sondern eben veralbert werden muss, weil es ja so schwach ist, dass es sich zum Opfer hat machen lassen. Als ob das Absicht wäre!!! Ungustiöses im Blickfeld

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Ralf Rudolfy
registrierter User



Anmeldungsdatum: 11.12.2003
Beiträge: 26674

Beitrag(#1303896) Verfasst am: 10.06.2009, 08:03    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

Zoff hat folgendes geschrieben:
Und "Schwachsinniger" hat, wie du ja schon selbst schreibst, mit wirklich behinderten Menschen eigentlich nichts zu tun.

Sehe ich auch so. Wer jemanden als Spasti oder dergleichen beschimpft, der es im eigentlichen Sinn ja gar nicht ist, diskriminiert deswegen noch keinen richtigen Behinderten. Ich bin ja auch kein Tierfeind, wenn ich jemanden "blöder Affe" nenne.

Anders sieht die Sache natürlich aus, wenn ein richtiger Behinderter so beschimpft würde.
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beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 38403
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#1303912) Verfasst am: 10.06.2009, 08:45    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

Ralf Rudolfy hat folgendes geschrieben:
Zoff hat folgendes geschrieben:
Und "Schwachsinniger" hat, wie du ja schon selbst schreibst, mit wirklich behinderten Menschen eigentlich nichts zu tun.

Sehe ich auch so. Wer jemanden als Spasti oder dergleichen beschimpft, der es im eigentlichen Sinn ja gar nicht ist, diskriminiert deswegen noch keinen richtigen Behinderten. Ich bin ja auch kein Tierfeind, wenn ich jemanden "blöder Affe" nenne.

Anders sieht die Sache natürlich aus, wenn ein richtiger Behinderter so beschimpft würde.


Ich weiss nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein echter Spastiker verletzt fuehlt, wenn er mit anhoert, wie man einen Nichtspastiker als "Spasti" beschimpft. Ich glaube dem Selbstwertgefuehl eines Spastikers ist es sicher nicht foerderlich, wenn man seine Krankheit als abwertend gemeinte Beleidigung verwendet.

Warum haben viele Leute eigentlich so wenig Phantasie, wenn sie poebeln? zwinkern
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Evilbert
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Anmeldungsdatum: 16.09.2003
Beiträge: 42408

Beitrag(#1303940) Verfasst am: 10.06.2009, 10:09    Titel: Antworten mit Zitat

Bravopunk hat folgendes geschrieben:
Ich kenne da ein noch unsinnigeres Wort, welches als Beleidigung verfremdet wird. Das hört man derzeit, aber auch schon seit ein paar Jahren, in der jugendlichen Szene recht häufig. Ist scheinbar wohl angesagt. Aber ich empfinde es als vollkommen skandalös:

- Opfer

Da hab ich früher nie so drüber nachgedacht, als ich das die ersten paar mal gehört habe. Aber inzwischen werd ich richtig wütend, wenn ich so ne Göre einen anderen als "Opfer" beschimpfen höre. Es suggeriert, dass ein Opfer etwas schlechtes ist. Es verhöhnt denjenigen als irgendwie unterlegen. Scheint sogar irgendwie mit unserer Leistungsgesellschaft zusammenzuhängen. Auf jeden Fall gibt es diesem Wort eine Konnotation, die völlig am eigentlichen Sinn vorbei geht. Es führt dazu, dass man Opfer verachtet...


Yepp.
Und so ähnlich trifft das (bis hierhin) m.E. auch auf das Wort "Gutmensch" zu.
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kamelpeitsche
Weapon of Mass Discussion



Anmeldungsdatum: 15.11.2003
Beiträge: 4555
Wohnort: Devil's Dancefloor

Beitrag(#1304013) Verfasst am: 10.06.2009, 13:44    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

beachbernie hat folgendes geschrieben:

Ich weiss nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein echter Spastiker verletzt fuehlt, wenn er mit anhoert, wie man einen Nichtspastiker als "Spasti" beschimpft. Ich glaube dem Selbstwertgefuehl eines Spastikers ist es sicher nicht foerderlich, wenn man seine Krankheit als abwertend gemeinte Beleidigung verwendet.


Yepp, genau das ist mein Problem. Entweder ist es schlimm, das Wort "Spast" zu benutzen oder es ist es nicht - aber das sollte doch eigentlich nicht von der Gegenwart eines Spastikers abhängen müssen?


Zitat:
Warum haben viele Leute eigentlich so wenig Phantasie, wenn sie poebeln? zwinkern


Habe ich schon, aber Spasti lässt sich so toll betonen - eigentlich ein geiles Schimpfwort zwinkern
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VT_340
asymptotischer Hund



Anmeldungsdatum: 08.06.2006
Beiträge: 621
Wohnort: Essen

Beitrag(#1304064) Verfasst am: 10.06.2009, 15:50    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

fwo hat folgendes geschrieben:

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.


Stimmt! Mehr muss dazu nicht gesagt werden!
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Evilbert
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Anmeldungsdatum: 16.09.2003
Beiträge: 42408

Beitrag(#1304076) Verfasst am: 10.06.2009, 16:01    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

kamelpeitsche hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:

Ich weiss nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein echter Spastiker verletzt fuehlt, wenn er mit anhoert, wie man einen Nichtspastiker als "Spasti" beschimpft. Ich glaube dem Selbstwertgefuehl eines Spastikers ist es sicher nicht foerderlich, wenn man seine Krankheit als abwertend gemeinte Beleidigung verwendet.


Yepp, genau das ist mein Problem. Entweder ist es schlimm, das Wort "Spast" zu benutzen oder es ist es nicht - aber das sollte doch eigentlich nicht von der Gegenwart eines Spastikers abhängen müssen?



Wie was benutzt werden solte ist mE aber oft situationsabhängig.

"Spastiker" als Abwertung ist allerdings stets auch für Spastiker abwertend gemeint (hier wird eine Gruppe von Menschen negativ Bewertung) und sollte daher nicht benutzt werden, während "Du benimmst Dich wie ein Kindergartenkind" das nicht ist (ein Kindergartenkind ist halt in manchen Dingen nicht so weit, wird deshalb aber trotzdem nicht menschlich abgewertet).

Trotzdem kann sich ein Kind natürlich herabgesetzt fühlen, wenn es mithört, wie ich jemanden anderem, Erwachsenen sage "Du benimmst Dich wie ein Kind", man sollte also vermeiden, dies in Gegenwart von Kindern unnötigerweise zu tun.
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Effô Tisetti
Königsblau bis in den Tod



Anmeldungsdatum: 18.09.2003
Beiträge: 9877
Wohnort: 75

Beitrag(#1304082) Verfasst am: 10.06.2009, 16:12    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

VT_340 hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.


Stimmt! Mehr muss dazu nicht gesagt werden!


Ja, wenn die Kontextbindung nicht klar wäre. Der Kontext ist hier aber relativ eindeutig: Es geht um Beschimpfungen. "Neger" im Kontext einer Beschimpfung zu verwenden ist immer diskriminierend bzw. rassistisch.

Schwuchtel, Spasti und Neger werden mir in diesem Zusammenhang deshalb nicht über die Lippen kommen, weil dies nunmal mit sich bringt, die unabänderlichen Kennzeichen bestimmter Personengruppen zum Inhalt der Beschimpfung zu machen. Selbstverständlich diskriminiert man damit diese Personengruppen - egal ob anwesend oder nicht. Letztlich mache ich damit - mindestens in den Augen Fremder, die mich nciht so gut kennen - auch eine Aussage über mich. Und zwar eine, die mir nicht gefallen kann.

Bei "Schwachsinniger" sehe ich das nicht so eng, weil damit umgangssprachlich i.d.R. nicht (mehr) eine Form von geistiger Behinderung gemeint ist, sondern eher eine Aussage im Sinne von "Du redest/machst Unfug".
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"Die einfache Formel: Jesus ist stärker! hilft Menschen, sich aus der Fixierung völlig irrationaler Wertesysteme zu lösen."
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nocquae
diskriminiert nazis



Anmeldungsdatum: 16.07.2003
Beiträge: 18183

Beitrag(#1304104) Verfasst am: 10.06.2009, 16:30    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

Effô Tisetti hat folgendes geschrieben:
VT_340 hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.


Stimmt! Mehr muss dazu nicht gesagt werden!


Ja, wenn die Kontextbindung nicht klar wäre. Der Kontext ist hier aber relativ eindeutig: Es geht um Beschimpfungen. "Neger" im Kontext einer Beschimpfung zu verwenden ist immer diskriminierend bzw. rassistisch.

Schwuchtel, Spasti und Neger werden mir in diesem Zusammenhang deshalb nicht über die Lippen kommen, weil dies nunmal mit sich bringt, die unabänderlichen Kennzeichen bestimmter Personengruppen zum Inhalt der Beschimpfung zu machen. Selbstverständlich diskriminiert man damit diese Personengruppen - egal ob anwesend oder nicht. Letztlich mache ich damit - mindestens in den Augen Fremder, die mich nciht so gut kennen - auch eine Aussage über mich. Und zwar eine, die mir nicht gefallen kann.

Bei "Schwachsinniger" sehe ich das nicht so eng, weil damit umgangssprachlich i.d.R. nicht (mehr) eine Form von geistiger Behinderung gemeint ist, sondern eher eine Aussage im Sinne von "Du redest/machst Unfug".


Sehe ich ganz genauso. Die ursprüngliche Verbindung von „schwachsinnig“ zu dem, was die ICD „Intelligenzminderung“ nennt, ist eigentlich gar nicht mehr erhalten. Insofern kann man da nicht von Diskriminierung reden.

Ich bin aber der Ansicht, dass Beleidigungen grundsätzlich immer sehr viel über den Sprecher aussagen. Daher finde ich persönlich „kreative“ Beleidigungen am besten.
„Plattäugiger Hohlbeinschwinger“ habe ich jetzt zwar von Clever & Smart geklaut, aber das stellt IMO ein recht gutes Beispiel für eine Beleidigung dar: wenn ich mit einer Beleidigung schon eine Aussage über mich selbst mache, dann kann ich wenigstens versuchen, kreativ und komisch rüberzukommen.
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In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher, als derjenige, der den Schmutz macht.
-- Kurt Tucholsky
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tillich (epigonal)
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Anmeldungsdatum: 12.04.2006
Beiträge: 15462

Beitrag(#1304126) Verfasst am: 10.06.2009, 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Bravopunk hat folgendes geschrieben:
Ich kenne da ein noch unsinnigeres Wort, welches als Beleidigung verfremdet wird. Das hört man derzeit, aber auch schon seit ein paar Jahren, in der jugendlichen Szene recht häufig. Ist scheinbar wohl angesagt. Aber ich empfinde es als vollkommen skandalös:

- Opfer

Da hab ich früher nie so drüber nachgedacht, als ich das die ersten paar mal gehört habe. Aber inzwischen werd ich richtig wütend, wenn ich so ne Göre einen anderen als "Opfer" beschimpfen höre. Es suggeriert, dass ein Opfer etwas schlechtes ist. Es verhöhnt denjenigen als irgendwie unterlegen. Scheint sogar irgendwie mit unserer Leistungsgesellschaft zusammenzuhängen. Auf jeden Fall gibt es diesem Wort eine Konnotation, die völlig am eigentlichen Sinn vorbei geht. Es führt dazu, dass man Opfer verachtet... dabei haben jene, die man mit recht so nennt, es schon schwer genug und es echt nicht auch noch verdient sie wegen ihrer Opferrolle zu verhöhnen und zu erniedrigen. Es beinhaltet irgendwie, dass ein Opfer keiner Hilfe bedarf, sondern eben veralbert werden muss, weil es ja so schwach ist, dass es sich zum Opfer hat machen lassen. Als ob das Absicht wäre!!! Ungustiöses im Blickfeld

Das macht mich echt sauer. zornig

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Bravopunk
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Anmeldungsdatum: 08.03.2008
Beiträge: 25811
Wohnort: Edo

Beitrag(#1304161) Verfasst am: 10.06.2009, 17:35    Titel: Antworten mit Zitat

tillich (epigonal) hat folgendes geschrieben:
Bravopunk hat folgendes geschrieben:
Ich kenne da ein noch unsinnigeres Wort, welches als Beleidigung verfremdet wird. Das hört man derzeit, aber auch schon seit ein paar Jahren, in der jugendlichen Szene recht häufig. Ist scheinbar wohl angesagt. Aber ich empfinde es als vollkommen skandalös:

- Opfer

Da hab ich früher nie so drüber nachgedacht, als ich das die ersten paar mal gehört habe. Aber inzwischen werd ich richtig wütend, wenn ich so ne Göre einen anderen als "Opfer" beschimpfen höre. Es suggeriert, dass ein Opfer etwas schlechtes ist. Es verhöhnt denjenigen als irgendwie unterlegen. Scheint sogar irgendwie mit unserer Leistungsgesellschaft zusammenzuhängen. Auf jeden Fall gibt es diesem Wort eine Konnotation, die völlig am eigentlichen Sinn vorbei geht. Es führt dazu, dass man Opfer verachtet... dabei haben jene, die man mit recht so nennt, es schon schwer genug und es echt nicht auch noch verdient sie wegen ihrer Opferrolle zu verhöhnen und zu erniedrigen. Es beinhaltet irgendwie, dass ein Opfer keiner Hilfe bedarf, sondern eben veralbert werden muss, weil es ja so schwach ist, dass es sich zum Opfer hat machen lassen. Als ob das Absicht wäre!!! Ungustiöses im Blickfeld

Das macht mich echt sauer. zornig

Guter Artikel dazu


Stimmt. Wirklich gut. Smilie Trifft auch meine Gedanken dazu recht gut... nur besser ausformliert. Verlegen
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Kaguya-hime
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Anmeldungsdatum: 26.03.2008
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Beitrag(#1304169) Verfasst am: 10.06.2009, 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich verwende Begriffe 1-3 gerne und regelmaessig. Begriff 4 waere mir zu lang. Mir gegenueber empoert hat sich noch niemand ueber meine Wortwahl, aber vielleicht bewege ich mich in einem Umfeld, in dem die Leute einfach wichtigeres zu tun haben.
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fwo
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Anmeldungsdatum: 05.02.2008
Beiträge: 21838
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Beitrag(#1304285) Verfasst am: 10.06.2009, 21:12    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

Effô Tisetti hat folgendes geschrieben:
VT_340 hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.


Stimmt! Mehr muss dazu nicht gesagt werden!


Ja, wenn die Kontextbindung nicht klar wäre. Der Kontext ist hier aber relativ eindeutig: Es geht um Beschimpfungen. "Neger" im Kontext einer Beschimpfung zu verwenden ist immer diskriminierend bzw. rassistisch....

Ja, so ist das: Wer die Sprachregelung der PC nicht einhält, ist halt der Neger. Cool

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Ahriman
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Anmeldungsdatum: 31.03.2006
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Beitrag(#1304625) Verfasst am: 11.06.2009, 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

"Neger" ist für mich überhaupt nicht abwertend. Und ich möchte mal wissen, ob die Begriffe "Mestize", "Mulatte", "Quarterone" inzwischen auch schon von Idioten verboten worden sind.
beefy hat folgendes geschrieben:
Die deutsche Sprache ist dermaßen vielfältig, daß es leicht ist jemanden "politisch korrekt" zu beleidigen, ohne oben genannte Gruppen miteinzubeziehen.

Und so sagt man dann für Neger "dunkelhäutiger Mensch mit afrikanischen Ahnen"? Das und gar nichts anderes bedeutet für mich das Wort Neger, es ist demgemäß keinesfalls abwertend.
Besonders hirnrissig ist, wenn man solche Witze nicht mehr erzählen darf:
"Sie, hams des g'hört, die Bachleitner Kathi geht jetzt mit ei'm Neger!"
"Ah, naja, Hauptsach, es is koa Preiß net."
---
Und die Variante ist auch verboten?
"Sie, hams des g'hört, die Bachleitner Kathi geht jetzt mit ei'm Neger!"
"Ah - die kann das brauchen. Die war scho immer so blaß."
Zitat:

Ja, so ist das: Wer die Sprachregelung der PC nicht einhält, ist halt der Neger.

Würde mir endlich mal jemand erklären, was mit dem in letzter Zeit immer häufiger auftauchendem "PC" gemeint ist? Bisher war das die Bezeichnung für die gewöhnlichen Rechner. Ich finde es absolut idiotisch, eine solche allgemein gebräuchliche Abkürzung plötzlich für etwas völlig anderes zu verwenden.
Merke: Die Abk. für Abk. ist Abk.
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...und suche mich nicht in der Unterführung...
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Anmeldungsdatum: 05.02.2008
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Wohnort: nicht fest

Beitrag(#1304640) Verfasst am: 11.06.2009, 11:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
.....
Zitat:

Ja, so ist das: Wer die Sprachregelung der PC nicht einhält, ist halt der Neger.

Würde mir endlich mal jemand erklären, was mit dem in letzter Zeit immer häufiger auftauchendem "PC" gemeint ist? Bisher war das die Bezeichnung für die gewöhnlichen Rechner. Ich finde es absolut idiotisch, eine solche allgemein gebräuchliche Abkürzung plötzlich für etwas völlig anderes zu verwenden.
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Telliamed
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Anmeldungsdatum: 05.03.2007
Beiträge: 5125
Wohnort: Wanderer zwischen den Welten

Beitrag(#1304740) Verfasst am: 11.06.2009, 14:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß lediglich, dass es unter Jugendlichen solche abwertenden Bezeichnungen gibt, wie sie eingangs zitiert werden. Selbst bekomme ich sie im Umfeld kaum zu hören.

Nach dem Überfliegen des von @tillich(epigonal) eingebrachten Artikels frage ich mich allerdings, worin die Ursachen dafür bestehen, dass mit der Abwertung zum "Opfer" eine bisherige Grenze bei den Beschimpfungen deutlich überschritten wurde.

Es ist ja schon seit langem der Fall, dass sich Jugendliche untereinander bestätigen und gegenüber den Älteren abgrenzen wollen, wobei auf Schockwirkung gesetzt wird. Mittlerweile übt selbst das vergleichsweise harmlose "geil", weil überall zu hören, kaum noch schockierende Wirkung auf Ältere aus.


Wenn man nach Ursachen für das entwürdigende "Opfer" fragt, kann man sicher auch in Fettnäpfchen latschen.
Im Alter zwischen @Ahriman und den meisten Usern hier stehend, fühlte ich mich allerdings an den Teil einer Rede des Bürgermeisters von Wolfenbüttel erinnert, der sich vor einigen Wochen äußerte, als am hiesigen Schwanenteich ein 16jähriger von einem angetrunkenen Gleichaltrigen in Anwesenheit mehrerer Zeugen geschlagen wurde und verstarb: "Früher hat man nicht mehr zugetreten, wenn einer am Boden lag."

Würde es eine unzulässige Verallgemeinerung bedeuten, wenn man für die Herkunft der Bezeichnung "Opfer" ein Milieu von Jugendlichen ausmacht, in dem auch das "Abziehen" von Kleidungsstücken oder Elektronik durch Gleichaltrige und das Überschreiten von Grenzen bei körperlichen Gewaltanwendungen - wie in diesem Fall oder dem der Münchener U-Bahn-Schläger, weit über gewöhnliche Rempeleien hinaus - häufiger vorkommen?
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fwo
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Beitrag(#1304975) Verfasst am: 11.06.2009, 19:56    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
.....
Würde es eine unzulässige Verallgemeinerung bedeuten, wenn man für die Herkunft der Bezeichnung "Opfer" ein Milieu von Jugendlichen ausmacht, in dem auch das "Abziehen" von Kleidungsstücken oder Elektronik durch Gleichaltrige und das Überschreiten von Grenzen bei körperlichen Gewaltanwendungen - wie in diesem Fall oder dem der Münchener U-Bahn-Schläger, weit über gewöhnliche Rempeleien hinaus - häufiger vorkommen?

"Opfer" herabwürdigend habe ich noch gar nicht gehört.

Was mir allerdings zu diesem Thema in den Sinn kommt, ist dass es wohl bei jeder benachteiligten Gruppe nervende Individuen gibt, die ihre Benachteiligung zu ihrem eigenen Vorteil regelrecht als Kampfmittel benutzen. Da kenn ich diesen Bedeutungswandel, der dann allerdings durch die Spezifizierung Berufs-xxxx (Berufsvertriebener (in der x-ten Generation) Berufsbehinderter ...) gekennzeichnet ist und nicht allgemein benutzt wird sondern immer auf eine bestimmte Person bezogen ist. Das wird zum Teil dann allerdings überlagert von der Benutzung dieser Spezifizierung "Berufs-" für Funktionäre entsprechender Organisationen, die allerdings auch gerne nerven - weshalb sie ja gewählt wurden.

fwo
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Effô Tisetti
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Beitrag(#1305270) Verfasst am: 12.06.2009, 10:02    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

fwo hat folgendes geschrieben:
Effô Tisetti hat folgendes geschrieben:
VT_340 hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.


Stimmt! Mehr muss dazu nicht gesagt werden!


Ja, wenn die Kontextbindung nicht klar wäre. Der Kontext ist hier aber relativ eindeutig: Es geht um Beschimpfungen. "Neger" im Kontext einer Beschimpfung zu verwenden ist immer diskriminierend bzw. rassistisch....

Ja, so ist das: Wer die Sprachregelung der PC nicht einhält, ist halt der Neger. Cool


Ob "Neger", weiß ich nicht. Aber ganz sicher handelt es sich um jemanden, der meint, für ihn gäbe es eine ganz eigene, individuelle Sprache, die gefälligst von den Millionen PC-Geisterfahrer nicht missverstanden werden dürfe. Mögliche Unfälle sind ausnahmslos den PC-Faschisten anzulasten. Cool
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Effô Tisetti
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Beitrag(#1305274) Verfasst am: 12.06.2009, 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Telliamed hat folgendes geschrieben:
Würde es eine unzulässige Verallgemeinerung bedeuten, wenn man für die Herkunft der Bezeichnung "Opfer" ein Milieu von Jugendlichen ausmacht, in dem auch das "Abziehen" von Kleidungsstücken oder Elektronik durch Gleichaltrige und das Überschreiten von Grenzen bei körperlichen Gewaltanwendungen - wie in diesem Fall oder dem der Münchener U-Bahn-Schläger, weit über gewöhnliche Rempeleien hinaus - häufiger vorkommen?


Ich glaube ja. Ich verorte die Herkunft von "Opfer" v.a. ins Umfeld von diesem "Gangsta"-Rap-Zeuchs, wo Verbrechtertum und Asozialität als hip und cool vermarktet werden. Entsprechend ist das "Opfer" nicht hip und uncool. Also Anarchie im übelsten Sinn, weil ohne sozialverträgliche Werte. Aber nicht jeder Jugendliche, der so was hört oder die Musik gut findet, handelt tatsächlich danach. Ich glaube, dass "Opfer" eher als Synonym zu "Versager", "Loser" oder "Klassenarsch" gesehen werden muss. Interessant finde ich v.a., dass man mit der Bezeichnung "Opfer" eigentlich schon eine empathische Position eingenommen hat, diese aber in ihr Gegenteil verkehrt wird. Insofern stellt das natürlich eine krasse Verrohung der Sprache dar, die aber wahrscheinlich vielen jugendlichen Sprachanwendern gar nicht bewusst ist. Ich denke, dass auch diese Jugendlichen das Wort "Opfer" mit ganz anderer Bedeutung aufladen, wenn von den "Opfern des Nationalsozialismus" die Rede ist. Aber sicher wissen, tu ich das natürlich nich...
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Effô Tisetti
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Beitrag(#1305281) Verfasst am: 12.06.2009, 10:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ahriman hat folgendes geschrieben:
"Neger" ist für mich überhaupt nicht abwertend.


Im Kontext einer Beschimpfung ist das sehr wohl abwertend, weil Inhalt der Beschimpfung nicht die bloße Hautfarbe oder ethnische Herkunft ist, sondern diskriminierende Stereotypen.

Man muss mir auch mal erklären, wie sinnvoll es ist, jemanden als "Schwuchtel" zu beschimpfen, wenn man (angeblich) kein Homophober ist. Was bitteschön ist dann der Inhalt der Beschimpfung, wenn am Schwulsein doch nichts schlimmes oder verwerfliches ist? Und dann muss man womöglich auch noch explizit hinterherschicken, dass man "natürlich nix gegen Schwule" habe. Komplett von der Rolle Das ist doch kompletter Schwachfug. Warum sagt man dann nicht gleich "Du dummes Arschloch"?
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Beitrag(#1305285) Verfasst am: 12.06.2009, 10:42    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

kamelpeitsche hat folgendes geschrieben:
Wie schätzt ihr die Benutzung von Beschimpfungen ein, die sich auf eine Minderheitengruppe beziehen?

Wie beurteilt ihr jemanden, der das Wort

1. "Neger"

gebraucht?

Das Wort höre i. d. R. nicht als Beleidigung, sondern als "normale" Bezeichnung für Schwarze, vorwiegend jedoch von älteren Menschen. Ich selbst benutze es nicht, sonder sage - wenn es denn in irgendeiner Weise nötig ist - Schwarze. Ob das gerade noch angesagt ist oder man besser "Dunkelhäutige" sagen soll oder etwas anderes, ist mir relativ egal.
Ich beleidige damit niemanden (was ich auch gar nicht vorhabe) und wenn jemand Neger sagt, gehe ich auch nicht direkt davon aus, dass es abwertend gemeint ist. Denn letztlich ist die Frage, ob man Neger oder Schwarzer sagt doch irgendwo sinnbefreit.
Um nicht blöd angeguckt zu werden oder irgendwen unbewusst zu beleidigen vermeide ich das Wort jedoch.
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Beitrag(#1305291) Verfasst am: 12.06.2009, 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich erinnere mich noch deutlich daran, wie ich den Begriff "Neger" zum ersten Mal gehört habe, das war als Kleinkind beim Einkaufen mit meinen Eltern. Da waren zwei Amis in der Lebensmittelabteilung (die es wohl schon 25 Jahre nicht mehr gibt) von Karstadt (was es ja womöglich bald gar nicht mehr gibt) vor uns an der Kasse.

Keine Ahnung wie lange ich den dann noch benutzt habe, aber sicher ziemlich lange ohne mir was böses dabei zu denken, schließlich kannte ich ja gar keinen anderen und wäre auch nicht auf die Idee gekommen, dass das abwertend gemeint ist. Schulterzucken

Ich denke mal, dass ging meinen Eltern ähnlich...
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fwo
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Beitrag(#1305294) Verfasst am: 12.06.2009, 10:55    Titel: Re: Sprache und Diskriminierung Antworten mit Zitat

Effô Tisetti hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:
Effô Tisetti hat folgendes geschrieben:
VT_340 hat folgendes geschrieben:
fwo hat folgendes geschrieben:

Hoffentlich nicht danach: Wie der Gebrauch dieser Wörter zu bewerten ist, ist derart kontext- und auch personengebunden, dass eine allgemeine Bewertung dieser Wörter nach PC-Regeln sehr viel Unsinn erzeugt.


Stimmt! Mehr muss dazu nicht gesagt werden!


Ja, wenn die Kontextbindung nicht klar wäre. Der Kontext ist hier aber relativ eindeutig: Es geht um Beschimpfungen. "Neger" im Kontext einer Beschimpfung zu verwenden ist immer diskriminierend bzw. rassistisch....

Ja, so ist das: Wer die Sprachregelung der PC nicht einhält, ist halt der Neger. Cool


Ob "Neger", weiß ich nicht. Aber ganz sicher handelt es sich um jemanden, der meint, für ihn gäbe es eine ganz eigene, individuelle Sprache, die gefälligst von den Millionen PC-Geisterfahrer nicht missverstanden werden dürfe. Mögliche Unfälle sind ausnahmslos den PC-Faschisten anzulasten. Cool

Mir fällt dazu eine Geschichte ein, die sich ca Ende der 70er abspielte: PC als Wort gab es noch nicht, aber man war wahnsinnig emanzipiert und leicht moralisch entrüstbar.

In so einer Umgebung frozzelte ich einen kräftigen Machospruch und erntete promt gewaltige Entrüstung. Was mich etwas wunderte, denn eigentlich war ich der Meinung gewesen, die Satire wäre offensichtlich. Nachher löste sich das zu meinem Gelächter auf: Der Hauptentrüster zog mich beiseite, erklärte mir, dass "wir" ja insgeheim alle so dächten, dass man soetwas heute nicht mehr sage.

PC kam nachher auf - aber das ist die Geschichte, die ich sofort im Hinterkopf habe, wenn ich lautstarke PC-Befürworter höre. An Faschisten denke ich dabei nicht. Nur an Unsichere, auf Kontrolle ihrer Sprache bedachte.

fwo
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