Freigeisterhaus Foren-Übersicht www.artikeldrei.de
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   NutzungsbedingungenNutzungsbedingungen   BenutzergruppenBenutzergruppen   LinksLinks   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   KarteKarte   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Kanadische Politik...
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen   Drucker freundliche Ansicht    Freigeisterhaus Foren-Übersicht -> Politik und Geschichte
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Wilson
zwischen gaga und dada



Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 10932
Wohnort: Swift Tuttle

Beitrag(#2157372) Verfasst am: 15.11.2018, 20:14    Titel: Antworten mit Zitat

Kanada: Filme gegen Selbstmord
ARTE Reportage

https://www.arte.tv/de/videos/083569-000-A/kanada-filme-gegen-selbstmord/

Zitat:
Die jungen Leute von den First Nations zwischen 15 und 35 Jahren leiden unter den schwierigen Lebensbedingungen in den Reservaten sowie der noch immer tiefen Kluft zwischen traditioneller und moderner Lebensweise. Wapikoni will helfen, diese Traurigkeit zu überwinden: So nennt sich eine Hilfsorganisation mit einem Filmstudio auf Rädern.


Zitat:
Wer bin ich und was gelte ich in dieser Gesellschaft? An dieser Frage und an den möglichen Antworten zerbrechen viele junge Seelen – und eben 5 bis 6-mal mehr indianische als weiße

_________________
"als ob"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 40167
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2157378) Verfasst am: 15.11.2018, 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:
sehr gut hat folgendes geschrieben:
Indigenous women kept from seeing their newborn babies until agreeing to sterilization, says lawyer

Sterilizations happened as recently as 2017, Saskatchewan lawsuit alleges


@beachbernie
2017, really?


Speziell in Saskatchewan gab es in der Beziehung ziemliche üble Machenschaften.(Auch in British Columbia und in Alberta wurde zeitweise zwangssterilisiert) Der Grund war eine Provinzregierung, die offen an die "Rassenlehre" europaeiischer "Rassenkundler" (inklusive der der deutschen Nazis) anknüpfende "wissenschaftliche Forschung" förderte und deren Ergebnisse implementierte. Deshalb gab es so viele Zwangssterilisationen vor allem von indigenen Frauen.


Das war mir gar nicht bekannt, dass sich die europäische *Rassenkunde* auch in Amerika in dieser Form niedergeschlagen hat. Aber das waren ja nicht die einzigen rückständigen Teile der europäischen Kultur.

beachbernie hat folgendes geschrieben:
Zunaechst wurde das ganz offen als rassisch begründete Eugenik praktiziert und als diese Art von "Eugenik" nach dem Krieg aus bekannten Gründen in Verruf geriet wurden diese Programme unter anderem Etikett, nun aus angeblichen sozialen Gründen, weitergeführt. Es wurden weiter Zwangssterilisation vorgenommen unter dem Vorwand Nachwuchs verhindern zu muessen, dessen Eltern nicht in der Lage seien fuer diese Kinder zu sorgen. Es wurde allerdings nicht mehr so ganz offen praktiziert. Das Mittel der Wahl war nun Frauen, denen z.B. der Blinddarm entnommen wurde, ohne deren Einverständnis einzuholen waehrend der gleichen Operation zu sterilisieren und dies zu verschweigen. Deshalb gibt es auch keine verlässlichen Zahlen darueber wieviele Frauen auch noch nach dem Krieg betroffen waren. Viele dürften das selbst nie bemerkt haben, was mit ihnen gemacht wurde.

Nach den mir vorliegenden Informationen wurden diese Programme überwiegend in den 60ger Jahren eingestellt. Mancherorts liefen sie noch bis in die 70ger weiter und einzelne Ärzte führten solche, nun eigentlich illegalen Eingriffe auch in den 90ger Jahren noch durch (schliesslich wurden die an den Zwangssterilisationen beteiligten Ärzte nicht nur nie bestraft, sondern konnten unbehelligt bis zu ihrer Pensionierung weiterpraktizien!). Oft wurde dabei behauptet, dass es medizinische Gründe fuer den Eingriff gegeben haette, was im Einzelfall oft schwer zu widerlegen war.

Von Fällen bis 2017 ist mir konkret nichts bekannt und mich wuerde sehr interessieren, was genau der Hintergrund dieser Fälle ist, soweit sie existieren.

Alles in allem handelt es sich bei den fraglichen Vorgängen um einen recht hässlichen dunklen Fleck in der kanadischen Geschichte.


Eigentlich der exportierten europäischen Geschichte, welche ja leider auch in zahlreiche andere Regionen der Erde exportiert wurde.



Der "Wissenstransfer" funktionierte in dem Fall auch andersherum. "Rassenhygieniker" orientierten sich waehrend des 3.Reiches auch schon mal an "wissenschaftlicher Forschung", die vor allem in den 20ger Jahren vor allem in Saskatchewan durchgeführt wurde.
_________________
Achtung Triggerwarnung: Bei Halbzeitpausenrevoluzzern kann dieses posting möglicherweise Schnappatmung und Pickel auslösen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 40167
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2157379) Verfasst am: 15.11.2018, 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
beachbernie hat folgendes geschrieben:
Jetzt waere die Gelegenheit günstig die Saudis beim Wort zu nehmen, den Vertrag als "in beiderseitigem Einvernehmen" fuer aufgelöst zu erklaeren und anzukündigen auch künftig keine Rüstungsgüter an Saudi-Arabien zu liefern, solange sich die Menschenrechtssituation dort nicht erheblich verbessert hat.

"Solange sich die Menschenrechtssituation dort nicht erheblich verbessert hat". Bei einem Regime wie diesem kann man schlichtweg überhaupt nicht sicher sein, ob sie sich nicht wieder verschlechtert, auch wenn sie sich mal zufälligerweise verbessert hat. Solange in Saudi-Arabien dieses Regime an der Macht ist, gehören dorthin einfach keine Waffen geliefert.


Ich denke auch, dass eine dauerhafte Verbesserung der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien erst nach einem Regimewechsel und neuer, säkularer Verfassung moeglich sein wird.
_________________
Achtung Triggerwarnung: Bei Halbzeitpausenrevoluzzern kann dieses posting möglicherweise Schnappatmung und Pickel auslösen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Religionskritik-Wiesbaden
homo est creator Dei



Anmeldungsdatum: 04.11.2008
Beiträge: 9769
Wohnort: Wiesbaden

Beitrag(#2169123) Verfasst am: 06.03.2019, 01:10    Titel: Trudeau verliert weitere Ministerin Antworten mit Zitat

Trudeau verliert weitere Ministerin

https://www.faz.net/aktuell/politik/korruptionsaffaere-in-kanada-trudeau-verliert-weitere-ministerin-16072582.html
_________________
Derzeit ohne Untertitel
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 40167
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2177440) Verfasst am: 08.05.2019, 01:54    Titel: Antworten mit Zitat

In Kanada feiern zur Zeit die Gruenen einen Erfolg nach dem anderen.


Nachdem die "Greens" vorletzte Woche bei der Parlamentswahl der Provinz Prince Edward Island mit etwas ueber 30% zur zweitstärksten Partei aufstiegen und 8 von 26 Sitzen erringen konnten, gab es gestern bei der Nachwahl fuer einen Bundesparlamentssitz in Nanaimo eine faustdicke Überraschung als der gruene Kandidat Paul Manly mit ueber 37% und riesigem Vorsprung das Mandat gewann und zunaechst fuer die naechsten 6 Monate als zweiter Grüner neben der Parteichefin Elizabeth May in Ottawa sitzen wird.

In 6 Monaten steht bereits die naechste allgemeine Bundesparlamentswahl an und man verbindet angesichts der jüngsten Erfolge gerade bei den Grünen grosse Hoffnungen damit. Man hofft die Zeit als Kleinpartei ganz hinter sich lassen zu koennen und sich als neue Volkspartei fest etablieren zu koennen. Nun ja....man wird sehen muessen wie weit der derzeitige Höhenflug tragen wird.

Diese Entwicklung birgt natuerlich eine grosse Gefahr, dass naemlich die Stimmen auf der linken Seite des Parteienspektrums so stark zersplittert werden, dass aufgrund des Direktwahlverfahrens die kanadischen Konservativen zum grossen Nutzniesser werden und letztlich die Wahl im naechsten Herbst gewinnen könnten. Ich selbst werde wie immer taktisch, d.h. antikonservativ wählen und hoffe dass dies moeglichst viele fortschrittliche Kanadier genauso halten werden.

Andererseits koennten auch die Konservativen dieses Mal unter Stimmensplitting auf der rechten Seite leiden, da vor einigen Monaten der Rechtspopulist Maxime Bernier die konservative Partei verlassen hat und im Herbst mit seiner neugegründeten "People's Party of Canada" antreten wird.
_________________
Achtung Triggerwarnung: Bei Halbzeitpausenrevoluzzern kann dieses posting möglicherweise Schnappatmung und Pickel auslösen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Religionskritik-Wiesbaden
homo est creator Dei



Anmeldungsdatum: 04.11.2008
Beiträge: 9769
Wohnort: Wiesbaden

Beitrag(#2177447) Verfasst am: 08.05.2019, 08:06    Titel: Québec provoziert mit Laizitätsgesetz Antworten mit Zitat

Interessanter ist dies:
Zitat:
Québec provoziert mit Laizitätsgesetz


https://www.deutschlandfunk.de/religioese-symbole-quebec-provoziert-mit-laizitaetsgesetz.799.de.html?dram:article_id=446213

Zitat:
Doch Québec will jetzt einem Teil der Staatsangestellten das Tragen religiöser Symbole verbieten – zum Beispiel Polizisten und Lehrern.


Zitat:
Der frankophone Regierungschef der Provinz, François Legault, konterte mit einer persönlichen Stellungnahme:

„Laizität steht nicht im Gegensatz zur Religionsfreiheit. Jeder kann die Religion seiner Wahl weiter so praktizieren, wie er es will, aber es braucht Regeln.“

Legaults Gesetzesvorschlag zielt speziell auf Staatsbedienstete, die laut Provinzregierung Macht ausüben. Die Regierung zählt dazu unter anderem Polizisten, Staatsanwälte und Lehrer. Professoren, Erzieher oder Verwaltungsbeamte betrifft das Gesetz hingegen nicht. Zudem besagt eine Klausel, dass Angestellte, die sich bereits vor Verabschiedung des Gesetzes im Staatsdienst befinden, ihre religiösen Symbole vorerst weiter tragen dürfen – vorausgesetzt, sie werden weder befördert noch versetzt. In seiner Ansprache pries Legault das Gesetz als moderat – so wie die Kultur der Québecer.


Québec Ich liebe es...
_________________
Derzeit ohne Untertitel
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 40167
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2177564) Verfasst am: 09.05.2019, 01:10    Titel: Re: Québec provoziert mit Laizitätsgesetz Antworten mit Zitat

Religionskritik-Wiesbaden hat folgendes geschrieben:
Interessanter ist dies:
Zitat:
Québec provoziert mit Laizitätsgesetz


https://www.deutschlandfunk.de/religioese-symbole-quebec-provoziert-mit-laizitaetsgesetz.799.de.html?dram:article_id=446213

Zitat:
Doch Québec will jetzt einem Teil der Staatsangestellten das Tragen religiöser Symbole verbieten – zum Beispiel Polizisten und Lehrern.


Zitat:
Der frankophone Regierungschef der Provinz, François Legault, konterte mit einer persönlichen Stellungnahme:

„Laizität steht nicht im Gegensatz zur Religionsfreiheit. Jeder kann die Religion seiner Wahl weiter so praktizieren, wie er es will, aber es braucht Regeln.“

Legaults Gesetzesvorschlag zielt speziell auf Staatsbedienstete, die laut Provinzregierung Macht ausüben. Die Regierung zählt dazu unter anderem Polizisten, Staatsanwälte und Lehrer. Professoren, Erzieher oder Verwaltungsbeamte betrifft das Gesetz hingegen nicht. Zudem besagt eine Klausel, dass Angestellte, die sich bereits vor Verabschiedung des Gesetzes im Staatsdienst befinden, ihre religiösen Symbole vorerst weiter tragen dürfen – vorausgesetzt, sie werden weder befördert noch versetzt. In seiner Ansprache pries Legault das Gesetz als moderat – so wie die Kultur der Québecer.


Québec Ich liebe es...



Lustig. Ich wusste gar nicht, dass es diese merkwürdige Gesetzesinitiative immer noch gibt. In Quebec erspart man sich halt mal keine Peinlichkeit.

Ursruenglich entstand die Idee zu diesem Gesetz vor einigen Jahren als die damalige separatistische Provinzregierung zu ihrem Entsetzen feststellen musste, dass eine etwaige Sezession Quebecs von Kanada, die bis dahin noch moeglich erschien, in Umfragen zunehmend unpopulärer wurde. Dieser Trend sollte durch ein sogenanntes "Kulturgesetz" in Quebec umgedreht werden, das vorsah religioese Symbole in staatlichen Einrichtungen generell zu verbieten. Man kalkulierte, dass dies auf heftigsten Widerspruch seitens der Bundesregierung stossen und möglicherweise sogar durch das kanadische Verfassungsgericht kassiert werden wuerde und man auf diese Art einen Hebel in die Hand bekäme um Quebec von Kanada abzuspalten. Man hoffte ein solch offener Gegensatz zwischen Provinz und Bund wuerde ausreichend polarisierend wirken um eine Mehrheit in einem neuen Unabhaengigkeitsreferendum bekommen zu koennen.

Das ging schief.

Noch bevor sich der erhoffte Verfassungskoflikt entwickeln konnte, bekam man fuer die Provinzregierung voellig überraschend heftigsten Gegenwind aus Quebec selber. So erklaeren sich auch, die ansonsten unverständlichen Ausnahmen im neuen Gesetz fuer Erzieher und Uni-Professoren.

1. Mit Erziehern sind Kindergartenbetreuer gemeint, insbesondere muslimische Kindergärtnerinnen, die einen beachtlichen Teil des Kindergartenpersonals in Quebec stellen. Man muss nun wissen, dass die Versorgung mit bezahlbaren Kindergartenplaetzen in Quebec erheblich besser als in allen anderen kanadischen Provinzen ist, weshalb insbesondere die Eltern von kleinen Kindern, die eine harte erkämpfte soziale Errungenschaft in Gefahr sahen, auf die Barrikaden gingen. Die Regierung musste massenhafte Solidaritätsaktionen besorgter Eltern mit Erzieherinnen, die sich weigern das Kopftuch abzulegen, befürchten. Deshalb sind in der aktuellen Version des Gesetzes Erzieher ausdruecklich ausgenommen.

2. Erheblichen Widerstand gegen das geplante Gesetz gab es auch innerhalb der Universitäten der Provinz, insbesondere in der Universitaet von Montreal. Man erklärte dort nur lakonisch zum geplanten Gesetz, dass man es ignorieren werde, falls es je in Kraft treten sollte. Zur Begründung hiess es, dass das Lehrpersonal erwachsen genug waere um selbst zu entscheiden, was es weshalb anzieht und man sich hier jede Einmischung staatlicher Seite verbittet. Der Hintergrund war der, dass man gerade einen ganz besonders dicken Fisch zur Verstaerkung seines Lehrkörpers an Land gezogen hatte als man sich überraschend gegen scheinbar übermächtige Konkurrenz durchgesetzt hatte und einen renommierten indischen Wissenschaftler verpflichten konnte und dieser Mann war Sikh und trug einen Turban. Es ist wohl leicht nachzuvollziehen, dass man sich in Montreal nicht der Blamage aussetzen wollte den heissbegehrten Professor mit der Aufforderung er müsse seinen Turban abnehmen um unterrichten zu duerfen gleich bei seiner Ankunft wieder zu vergrätzen. Deshalb sind im neuen Gesetz auch Universitaetsprofessoren vom Verbot ausdruecklich ausgenommen.

Dass man ueberall dort, wo's Widerstand gab, den Schwanz eingezogen und den Gesetzesentwurf entsprechend geaendert hat, zeigt recht deutlich, dass es hier weder um Kultur noch um Laizismus geht, sondern einfach nur um ganz billigen Populismus.

Und wer das immer noch nicht glauben mag, der soll sich dieses Bild vom grossen Sitzungssaal des Provinzparlaments von Quebec mal anschauen:




All die tollen Reden gegen religioese Symbole und fuer Laizismus in staatlichen Einrichtungen fanden naemlich buchstäblich unterm Kreuz statt, das man sehr leicht und ohne umständliches Gesetzgebungsverfahren haette als erstes abhängen koennen, einfach indem das Parlament sein Hausrecht ausübt. Stattdessen war dieses Kreuz von Anfang an vom geplanten Gesetz ausgenommen, mit der lustigen Begruendung, dass es sich hierbei nicht um ein religioeses Symbol, sondern um ein essentielles Kulturgut Quebecs handeln wuerde, also so 'ne Art Nationalfolklore. Sehr glücklich

Nein. Ernstnehmen kann ich diesen Schildbuergerstreich in Quebec wirklich nicht.
_________________
Achtung Triggerwarnung: Bei Halbzeitpausenrevoluzzern kann dieses posting möglicherweise Schnappatmung und Pickel auslösen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Critic
oberflächlich



Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14808
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#2177567) Verfasst am: 09.05.2019, 02:16    Titel: Antworten mit Zitat

Immerhin scheint das "Kopftuchverbot" z.B. in Frankreich i.a. akzeptiert zu werden, auch von den Betreffenden ("Kopftuchdebatte: Frankreich etc."), es würde also wahrscheinlich keine großartigen Probleme in Kanada geben.


Das Kuriosum: Eines der Argumente für ein Verbot von Kopftüchern war, es handle sich dabei um ein "unterdrückerisches Symbol". Bis auf verschwindend geringe Fälle scheinen die Betreffenden aber wenig Probleme damit zu haben, das Kopftuch zu tragen oder nicht zu tragen. Jetzt würden natürlich die Verbotsbefürworter sagen, damit hätten sie den Frauen "die Freiheit vom Kopftuch" ermöglicht. Und diejenigen, die das etwas kritischer sehen, könnten entgegnen, etwaige Gewissenszwänge - oder gar Verwandte - o.ä. hätten offenbar kaum Eine daran gehindert, nicht zur Schule oder zur Arbeit im öffentlichen Dienst anzutreten, also könnte man wohl kaum vom Kopftuch als einem "unterdrückerischen Instrument" sprechen Am Kopf kratzen. (Und ansonsten kann man - bekanntermaßen - dem Christentum auch Dinge ankreiden.)

Insofern würde ich natürlich denken, daß auch ein Staat, der Neutralität darstellen will, sich selbst der Darstellung religiöser Symbole enthalten sollte, weil er ansonsten eine Religion bevorzugen würde. Ein Kruzifix an jeder Wand möchte ich z.B. auch nicht sehen, weil ich das Gefühl hätte, es gäbe da ein staatliches "Erziehungsziel". Da wird ja weithin sichtbar und losgelöst von einer Person etwas kommuniziert. Und auch nur Alice Schwarzer mag unterscheiden können, ob die Muslimin das Kopftuch aus den "richtigen" Gründen trägt.

Andererseits müßte man das nicht verbieten: Ja gut, es befremdet mich vielleicht auch, daß es z.B. orthodoxe Jüdinnen gibt, die nach der Heirat Perücken tragen, damit kein fremder Mann mehr ihr natürliches Haar sehen kann. Auch das könnte man ja durchaus "beurteilen", daß es aus einer patriarchalischen Tradition kommt. Aber solange es die individuelle Entscheidung der Betreffenden ist und sie nicht etwa von ihrem Mann oder Vater oder vom Gemeindegericht verhauen wird, wenn sie das nicht tut, geht mich das auch nichts an.

Andererseits: Es wurde auch sehr viel über Muslime gesprochen, aber seltener mit ihnen, was es damit auf sich hat. Haben beispielsweise Frauen, die kein Kopftuch tragen, in Gegenwart einer Muslimin, die ein Kopftuch trägt, das Gefühl, die verschleierte Frau schaue auf sie herab oder sie sollten irgendwie "missioniert" werden oder so etwas?
_________________
"Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"

Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
beachbernie
Von Kanada rausgepickte Rosine, feminism survivor



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 40167
Wohnort: Haida Gwaii

Beitrag(#2177568) Verfasst am: 09.05.2019, 02:37    Titel: Antworten mit Zitat

Critic hat folgendes geschrieben:
Immerhin scheint das "Kopftuchverbot" z.B. in Frankreich i.a. akzeptiert zu werden, auch von den Betreffenden ("Kopftuchdebatte: Frankreich etc."), es würde also wahrscheinlich keine großartigen Probleme in Kanada geben.


Das Kuriosum: Eines der Argumente für ein Verbot von Kopftüchern war, es handle sich dabei um ein "unterdrückerisches Symbol". Bis auf verschwindend geringe Fälle scheinen die Betreffenden aber wenig Probleme damit zu haben, das Kopftuch zu tragen oder nicht zu tragen. Jetzt würden natürlich die Verbotsbefürworter sagen, damit hätten sie den Frauen "die Freiheit vom Kopftuch" ermöglicht. Und diejenigen, die das etwas kritischer sehen, könnten entgegnen, etwaige Gewissenszwänge - oder gar Verwandte - o.ä. hätten offenbar kaum Eine daran gehindert, nicht zur Schule oder zur Arbeit im öffentlichen Dienst anzutreten, also könnte man wohl kaum vom Kopftuch als einem "unterdrückerischen Instrument" sprechen Am Kopf kratzen. (Und ansonsten kann man - bekanntermaßen - dem Christentum auch Dinge ankreiden.)

Insofern würde ich natürlich denken, daß auch ein Staat, der Neutralität darstellen will, sich selbst der Darstellung religiöser Symbole enthalten sollte, weil er ansonsten eine Religion bevorzugen würde. Ein Kruzifix an jeder Wand möchte ich z.B. auch nicht sehen, weil ich das Gefühl hätte, es gäbe da ein staatliches "Erziehungsziel". Da wird ja weithin sichtbar und losgelöst von einer Person etwas kommuniziert. Und auch nur Alice Schwarzer mag unterscheiden können, ob die Muslimin das Kopftuch aus den "richtigen" Gründen trägt.

Andererseits müßte man das nicht verbieten: Ja gut, es befremdet mich vielleicht auch, daß es z.B. orthodoxe Jüdinnen gibt, die nach der Heirat Perücken tragen, damit kein fremder Mann mehr ihr natürliches Haar sehen kann. Auch das könnte man ja durchaus "beurteilen", daß es aus einer patriarchalischen Tradition kommt. Aber solange es die individuelle Entscheidung der Betreffenden ist und sie nicht etwa von ihrem Mann oder Vater oder vom Gemeindegericht verhauen wird, wenn sie das nicht tut, geht mich das auch nichts an.

Andererseits: Es wurde auch sehr viel über Muslime gesprochen, aber seltener mit ihnen, was es damit auf sich hat. Haben beispielsweise Frauen, die kein Kopftuch tragen, in Gegenwart einer Muslimin, die ein Kopftuch trägt, das Gefühl, die verschleierte Frau schaue auf sie herab oder sie sollten irgendwie "missioniert" werden oder so etwas?


Ich glaube die Argumente fuer und wider ein Kopftuchverbot wurden hier im Forum schon zur Genüge ausgetauscht und meine Position dazu setze ich als bekannt voraus, deshalb werde ich mir das sparen dazu nochmal Stellung zu nehmen.

Bei diesem merkwürdigen Gesetz in Quebec geht es aber nur sehr vordergründig darum, deshalb habe ich auch kurz seine Geschichte nachgezeichnet. Man kann es eigentlich nur im Kontext der besonderen Stellung Quebecs innerhalb Kanadas sowie der Sezessionsbestrebungen in Quebec wirklich verstehen und dann merkt man, dass es hier weder um Saekularismus noch um Frauenbefreiung geht, sondern um taktische politische Winkelzüge, um kulturelle Idenditaet der Quebecer, die man instrumentalisieren will und natuerlich auch um einen populistischen Appell an die niederen Instinkte des Publikums.

Das wollte ich eigentlich nur herausarbeiten.

Selbst wer ein Verbot religioeser Kleidungsstücke aus den "richtigen Gruenden", also nicht aus unterschwelligem Rassismus heraus, befürwortet, der hat genuegend Anlass das zur Debatte stehende Gesetz in Quebec in seiner bezeichnenden Inkonsequenz sehr kritisch zu sehen.
_________________
Achtung Triggerwarnung: Bei Halbzeitpausenrevoluzzern kann dieses posting möglicherweise Schnappatmung und Pickel auslösen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Critic
oberflächlich



Anmeldungsdatum: 22.07.2003
Beiträge: 14808
Wohnort: Arena of Air

Beitrag(#2177569) Verfasst am: 09.05.2019, 02:57    Titel: Antworten mit Zitat

beachbernie hat folgendes geschrieben:
Selbst wer ein Verbot religioeser Kleidungsstücke aus den "richtigen Gruenden", also nicht aus unterschwelligem Rassismus heraus, befürwortet, der hat genuegend Anlass das zur Debatte stehende Gesetz in Quebec in seiner bezeichnenden Inkonsequenz sehr kritisch zu sehen.


Siehste, der Halbsatz ist bei meiner Einlassung sogar noch verlorengegangen, läßt sich aber auch aus der Kruzifix-Geschichte ableiten: Das Eine verbieten, aber das Andere erlauben (oder gar erzwingen wie in Bayern) ist dann auch nicht "weltanschaulich neutral".
_________________
"Die Pentagon-Gang wird in der Liste der Terrorgruppen geführt"

Dann bin ich halt bekloppt. Mit den Augen rollen

"Wahrheit läßt sich nicht zeigen, nur erfinden." (Max Frisch)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen   Drucker freundliche Ansicht    Freigeisterhaus Foren-Übersicht -> Politik und Geschichte Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6
Seite 6 von 6

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.



Disclaimer / Impressum


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group