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Wilson
zwischen gaga und dada



Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 11019
Wohnort: Swift Tuttle

Beitrag(#2154989) Verfasst am: 20.10.2018, 00:16    Titel: Antworten mit Zitat

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/negative-emotionen/-/id=660374/did=19462082/nid=660374/kw3u1a/index.html

Das Rätsel der negativen Emotionen
Über tierisches und menschliches Leiden

Von Thomas Metzinger
_________________
"als ob"
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smallie
Mädchen.



Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 2877

Beitrag(#2155305) Verfasst am: 23.10.2018, 00:44    Titel: Antworten mit Zitat

Wilson hat folgendes geschrieben:
https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/negative-emotionen/-/id=660374/did=19462082/nid=660374/kw3u1a/index.html

Das Rätsel der negativen Emotionen
Über tierisches und menschliches Leiden

Von Thomas Metzinger



Die Phänomenologie der Phraseologie zwinkern


Ach, schau an. Metzinger hat den Buddhismus entdeckt.

Metzinger hat folgendes geschrieben:
Wir sollten uns deshalb in der Praxis auf die Verminderung bewusst erlebten Leidens konzentrieren.

Eine gute Handlung und ein guter Bewusstseinszustand sind dann solche, die das Leiden nicht nur im betreffenden Erlebnissubjekt selbst minimieren, sondern auch in allen anderen leidensfähigen Wesen.

Mahayana/Bodhisattva-Tradition, oder?



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Vielleicht ist es ja so, dass wir alle tief in unserem Innern schon lange etwas ahnen und aus gutem Grund ein bestimmtes Risiko scheuen. Dieses Risiko hat Friedrich Nietzsche im 146. Aphorismus seines im Jahre 1886 erschienenen Werks Jenseits von Gut und Böse folgendermaßen beschrieben: „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

Bitte Roß und Reiter nennen, was "wir alle" ahnen und scheuen.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Leidensfähig ist nur ein Wesen, dass ein bewusstes Selbst besitzt, ein Individuum, das sich subjektiv auch als Individuum erlebt. Es muss die Fähigkeit besitzen, zu erleben, dass es selbst gerade leidet und dass das bewusste Leiden sein eigenes Leiden ist.

Ein Kind von drei oder sechs Monaten wäre demnach nicht leidensfähig.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Man sieht jetzt, dass die Erfindung des bewussten Leidens durch die Evolution auf unserem Planeten deshalb so extrem wirksam war, weil sie die selbstbewussten Tiere auf eine grausame Weise vorwärtstreibt. [...] Der Kern dieses entsetzlichen neurokomputationalen Programmiertricks besteht darin, dass die Wesen sich nicht von ihrem eigenen Schmerz und ihrer Angst distanzieren können, weil sie durch ihr Selbstmodell dazu gezwungen werden, sich mit ihrem Leiden zu identifizieren.

Naja, die Sache ist etwas vielschichtiger.

Wenn ich mich mit dem Zeh am Stuhl stoße, werde ich Autsch sagen und nächstesmal besser aufpassen. Wenn ich eine Verletzung habe, erinnert mich der Schmerz daran, mich ruhig zu halten und es nicht zu toll zu treiben. Das ist funktional.

Nicht funktional sind Krankheiten und durch Lebensumstände bestimmte Leiden. Die Gesichtskrebs-Epidemie bei tasmanischen Teufeln. Psychische Leiden bei allen, die so etwas wie eine Psyche haben. Robert Sapolsky kann ich nicht oft genug erwähnen: ein rangniedriger Primat ist ein kranker Primat.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Eine Präferenz, die alle Tiere haben, ist die nach möglichst vielen Nachkommen.

Da liegt Metzinger falsch. Tiere haben eine Präferenz für Sex. Nachkommen haben sie dabei nicht im Sinn.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Auch die 60 Milliarden Zuchttiere, die von Menschen erzeugt werden und in Fleischfabriken leiden, haben zum Beispiel eine Präferenz für maximale Lebenserwartung. Das bedeutet, dass sie einen von der Evolution fest eingebauten „Durst nach Dasein“ haben, sie wollen einfach so lange leben wie möglich. Auch wenn wir diese Tiere also schmerzlos töten, verletzen wir diese objektiv vorhandene Präferenz für maximale Lebensdauer.

Tiere fliehen vor möglichen Bedrohungen. Sie tun das instinktiv - nicht, weil sie sich denken, wenn ich jetzt weglaufe, dann lebe ich länger.

"Maximale Lebenserwartung" ist im Allgemeinen keine Größe, die einen evolutionären Vorteil bringt.


Metzinger hat folgendes geschrieben:
Die Phänomenologie der Transparenz führt auf der Ebene des Selbstmodells zur Phänomenologie der Identifikation und dies ist wichtig, um zu verstehen was Leiden wirklich ist.

So eine überkandidelte Labertasche. nee



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Weil nämlich auch unser Selbstmodell fast vollständig transparent ist, identifizieren wir uns mit seinem Inhalt, wir haben automatisch das Gefühl, dass wir uns selbst unendlich nah sind, in direktem Kontakt mit uns selbst. Wenn nun ein negativer Zustand in diesem Selbstmodell auftritt, dann wird er sofort kausal wirksam, weil wir uns direkt mit diesem Zustand identifizieren und ihn als einen unwiderruflich realen Teil unseres eigenen Selbst erleben müssen.

Spätestens seit Freud sollte klar sein, das "unser" Selbstmodell eben nicht vollständig transparent ist. Außer man ist bereits erleuchtet. Auf den Arm nehmen



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Eigentlich gibt es nichts Realeres, als die subjektive Qualität der Schmerzhaftigkeit in einem Schmerzerlebnis.

Es stimmt, daß Schmerz sehr deutlich ins Bewußtsein gelangt. Gilt aber für einen Orgasmus auch, der eine ähnliche subjektive Qualität hat.

Dem Hammer, der statt des Nagels den Daumen trifft, dem Sexpartner oder der eigenen Hand kommt aber ebensoviel Realität zu. Eigentlich noch mehr.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Ein Wesen, das sich nicht mit den Inhalten seines bewussten Selbstmodells identifizieren würde, weil es dieses Selbstmodell in seiner Ganzheit als ein inneres Bild erleben kann, ein solches Wesen würde nicht leiden.

Auch einen Buddha würde es schmerzen, wenn ich Daumenschrauben ansetze.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Wir brauchen eine evidenzbasierte Theorie des Leidens, die uns Hardware-unabhängige Abgrenzungskriterien liefert und die uns später möglicherweise sogar erlaubt die unterschiedlichen Qualitäten und Intensitäten des bewussten Leidens bei Mensch und Tier vielleicht einmal quantitativ zu erfassen.

Würde mich interessieren, worauf Metzinger hinaus will.

So? Das Leidensmaß von 100 Kühen oder 700 Hühnern ist gleich dem negativen Leidensmaß für den entgangenen Braten von 4000 Oktoberfestbesuchern? Errm. Das war eine unfaire Unterstellung.

Die evidenzbasierte Messung scheitert spätestens im Vergleich von Menschen, die Freude am Oktoberfest haben, zu jenen, die sich in Festzelten unwohl fühlen. Eine sehr individuelle Sache. Quantifiziere das, Herr Metzinger.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Das größte theoretische Problem ist nämlich das der „Leidensmetrik“: Wir haben einfach keine überzeugenden Instrumente, um qualitativ ganz unterschiedliche Formen des Leidens miteinander zu vergleichen oder in ihrer Stärke zu messen. Für eine rationale Ethik wäre dies jedoch dringend nötig.

Das hört sich an, als ob aufgrund dieses Mangels im Jahre 2018 keine rationale Ethik machbar wäre. Streite ich ab.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Historisch neu ist allerdings die Möglichkeit, dass die Menschheit als Ganze ihre Würde verliert.

Es soll im Amazonas noch einige Stämme geben, die keinen oder wenig Kontakt mit der Welt haben. Verlieren die auch ihre Würde, wenn die Welt den Klimawandel nicht eindämmt?

Kollektivstrafen und -verurteilungen, naja. Vermutlich bin ich nicht alleine, das für unethisch zu halten.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Die Gattung Homo sapiens scheint jedoch aus Gründen ihrer eigenen geistigen Struktur nicht adäquat reagieren zu können – und zwar auch, wenn ihre Mitglieder eine intellektuelle Einsicht in die zu erwartenden Folgen haben. Sehr bald kann man deshalb das Verhalten der Menschheit nicht mehr respektieren, und zwar, weil es sich ja auch dann nicht ändert, wenn wir sogar diese Tatsache selbst deutlich aussprechen können und auf der Ebene des eigenen Bewusstseins noch einmal klar und deutlich erleben.

Wir können uns selbst bald auch nicht mehr als rationale Personen ernst nehmen, weil wir vorsätzlich Tatsachen ignoriert und auf politischer Ebene unsere eigene Selbsttäuschung organisiert haben. Der Klimawandel könnte also dazu führen, dass wir auf eine historisch neue Weise unter dem Verlust unserer Würde leiden.

Bald?

Metzinger macht einen Fehler, wenn er den Menschen als rational versteht. Homo heuristicus wäre richtig, im Gegensatz zu einem Homo economicus.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Wer Mitglied einer Gattung ist, die sich vorsätzlich und wider besseres Wissen unethisch verhält, der kann diese Gattung weder in anderen Menschen noch in sich selbst respektieren.

Seit wann ist eine Gattung ein handelndes Subjekt?

Außerdem ist das eine säkular-intellektualisierte Variante der Erbsünde.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Leiden ist unvermeidlich und überwiegt in unserer Welt. Positive Bewusstseinszustände sind deutlich seltener, können aber wesentlich leichter vermieden oder beendet werden als negative Zustände.

Laut Metzinger gibt es keine Metrik des Leidens. Eine Lustmetrik dann sicher auch nicht. Und trotzdem behauptet er, Leiden überwiege. Wie kann er das ohne Metrik sagen?




(Alle Zitate aus dem Manuskript)
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fwo
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Beiträge: 23267
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Beitrag(#2155306) Verfasst am: 23.10.2018, 01:30    Titel: Antworten mit Zitat

@ smallie

Mann, da hast Du Dir aber richtig Mühe gegeben.


smallie hat folgendes geschrieben:
.....
Metzinger hat folgendes geschrieben:
Eine Präferenz, die alle Tiere haben, ist die nach möglichst vielen Nachkommen.

Da liegt Metzinger falsch. Tiere haben eine Präferenz für Sex. Nachkommen haben sie dabei nicht im Sinn.
....


Zwei Sätze weiter steht dann noch
Zitat:
Es gibt also bereits in der nichtmenschlichen Natur ein unfassbares Ausmaß an verletzten Präferenzen, von denen viele wahrscheinlich auch bewusst erlebt werden.

Bei dem Satz habe ich aufgehört, etwas zu diesem Unsinn schreiben zu wollen.

Die Tiere fangen sehr weit unter den Säugetieren, auch unter den Wirbeltieren an. Ich brauche aber gar nicht zu den Schwämmen hinunterzugehen, auch bei einem viel weiter entwickelten Insekt kann man mit großer Sicherheit sagen, dass wir hier einen "Bioautomaten" mit sehr wenigen Freiheitsgraden vor uns haben. Was bedeutet es da, von einer Präferenz zu sprechen?
Hat dann der Husqvarna Automower eine Präferenz für die Ladestation, die ich verletze, wenn ich den Strom dahin unterbreche?

Wir haben im Tierreich eine mit der Höhe der zerebralen Organisation ansteigende Menge der Freiheitsgrade und entsprechend eine immer komplexere Wahrnehmung und mehr Möglichkeiten der Reizbeantwortung beim Individuum. Zu dieser Zunahme in den Hierarchien der individuellen Verhaltenssteuerung macht sich Metzinger anscheinend sehr wenig Gedanken, so dass sich das Ganze liest wie eine gewaltig überzogene Vermenschlichung.
_________________
Ich glaube an die Existenz der Welt in der ich lebe.

The skills you use to produce the right answer are exactly the same skills you use to evaluate the answer. Isso.

Es gibt keinen Gott. Also: Jesus war nur ein Bankert und alle Propheten hatten einfach einen an der Waffel.
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Wilson
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Beiträge: 11019
Wohnort: Swift Tuttle

Beitrag(#2161939) Verfasst am: 07.01.2019, 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:
Wilson hat folgendes geschrieben:
https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/negative-emotionen/-/id=660374/did=19462082/nid=660374/kw3u1a/index.html

Das Rätsel der negativen Emotionen
Über tierisches und menschliches Leiden

Von Thomas Metzinger



Die Phänomenologie der Phraseologie zwinkern


Ach, schau an. Metzinger hat den Buddhismus entdeckt.

Metzinger hat folgendes geschrieben:
Wir sollten uns deshalb in der Praxis auf die Verminderung bewusst erlebten Leidens konzentrieren.

Eine gute Handlung und ein guter Bewusstseinszustand sind dann solche, die das Leiden nicht nur im betreffenden Erlebnissubjekt selbst minimieren, sondern auch in allen anderen leidensfähigen Wesen.

Mahayana/Bodhisattva-Tradition, oder?



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Vielleicht ist es ja so, dass wir alle tief in unserem Innern schon lange etwas ahnen und aus gutem Grund ein bestimmtes Risiko scheuen. Dieses Risiko hat Friedrich Nietzsche im 146. Aphorismus seines im Jahre 1886 erschienenen Werks Jenseits von Gut und Böse folgendermaßen beschrieben: „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

Bitte Roß und Reiter nennen, was "wir alle" ahnen und scheuen.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Leidensfähig ist nur ein Wesen, dass ein bewusstes Selbst besitzt, ein Individuum, das sich subjektiv auch als Individuum erlebt. Es muss die Fähigkeit besitzen, zu erleben, dass es selbst gerade leidet und dass das bewusste Leiden sein eigenes Leiden ist.

Ein Kind von drei oder sechs Monaten wäre demnach nicht leidensfähig.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Man sieht jetzt, dass die Erfindung des bewussten Leidens durch die Evolution auf unserem Planeten deshalb so extrem wirksam war, weil sie die selbstbewussten Tiere auf eine grausame Weise vorwärtstreibt. [...] Der Kern dieses entsetzlichen neurokomputationalen Programmiertricks besteht darin, dass die Wesen sich nicht von ihrem eigenen Schmerz und ihrer Angst distanzieren können, weil sie durch ihr Selbstmodell dazu gezwungen werden, sich mit ihrem Leiden zu identifizieren.

Naja, die Sache ist etwas vielschichtiger.

Wenn ich mich mit dem Zeh am Stuhl stoße, werde ich Autsch sagen und nächstesmal besser aufpassen. Wenn ich eine Verletzung habe, erinnert mich der Schmerz daran, mich ruhig zu halten und es nicht zu toll zu treiben. Das ist funktional.

Nicht funktional sind Krankheiten und durch Lebensumstände bestimmte Leiden. Die Gesichtskrebs-Epidemie bei tasmanischen Teufeln. Psychische Leiden bei allen, die so etwas wie eine Psyche haben. Robert Sapolsky kann ich nicht oft genug erwähnen: ein rangniedriger Primat ist ein kranker Primat.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Eine Präferenz, die alle Tiere haben, ist die nach möglichst vielen Nachkommen.

Da liegt Metzinger falsch. Tiere haben eine Präferenz für Sex. Nachkommen haben sie dabei nicht im Sinn.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Auch die 60 Milliarden Zuchttiere, die von Menschen erzeugt werden und in Fleischfabriken leiden, haben zum Beispiel eine Präferenz für maximale Lebenserwartung. Das bedeutet, dass sie einen von der Evolution fest eingebauten „Durst nach Dasein“ haben, sie wollen einfach so lange leben wie möglich. Auch wenn wir diese Tiere also schmerzlos töten, verletzen wir diese objektiv vorhandene Präferenz für maximale Lebensdauer.

Tiere fliehen vor möglichen Bedrohungen. Sie tun das instinktiv - nicht, weil sie sich denken, wenn ich jetzt weglaufe, dann lebe ich länger.

"Maximale Lebenserwartung" ist im Allgemeinen keine Größe, die einen evolutionären Vorteil bringt.


Metzinger hat folgendes geschrieben:
Die Phänomenologie der Transparenz führt auf der Ebene des Selbstmodells zur Phänomenologie der Identifikation und dies ist wichtig, um zu verstehen was Leiden wirklich ist.

So eine überkandidelte Labertasche. nee



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Weil nämlich auch unser Selbstmodell fast vollständig transparent ist, identifizieren wir uns mit seinem Inhalt, wir haben automatisch das Gefühl, dass wir uns selbst unendlich nah sind, in direktem Kontakt mit uns selbst. Wenn nun ein negativer Zustand in diesem Selbstmodell auftritt, dann wird er sofort kausal wirksam, weil wir uns direkt mit diesem Zustand identifizieren und ihn als einen unwiderruflich realen Teil unseres eigenen Selbst erleben müssen.

Spätestens seit Freud sollte klar sein, das "unser" Selbstmodell eben nicht vollständig transparent ist. Außer man ist bereits erleuchtet. Auf den Arm nehmen



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Eigentlich gibt es nichts Realeres, als die subjektive Qualität der Schmerzhaftigkeit in einem Schmerzerlebnis.

Es stimmt, daß Schmerz sehr deutlich ins Bewußtsein gelangt. Gilt aber für einen Orgasmus auch, der eine ähnliche subjektive Qualität hat.

Dem Hammer, der statt des Nagels den Daumen trifft, dem Sexpartner oder der eigenen Hand kommt aber ebensoviel Realität zu. Eigentlich noch mehr.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Ein Wesen, das sich nicht mit den Inhalten seines bewussten Selbstmodells identifizieren würde, weil es dieses Selbstmodell in seiner Ganzheit als ein inneres Bild erleben kann, ein solches Wesen würde nicht leiden.

Auch einen Buddha würde es schmerzen, wenn ich Daumenschrauben ansetze.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Wir brauchen eine evidenzbasierte Theorie des Leidens, die uns Hardware-unabhängige Abgrenzungskriterien liefert und die uns später möglicherweise sogar erlaubt die unterschiedlichen Qualitäten und Intensitäten des bewussten Leidens bei Mensch und Tier vielleicht einmal quantitativ zu erfassen.

Würde mich interessieren, worauf Metzinger hinaus will.

So? Das Leidensmaß von 100 Kühen oder 700 Hühnern ist gleich dem negativen Leidensmaß für den entgangenen Braten von 4000 Oktoberfestbesuchern? Errm. Das war eine unfaire Unterstellung.

Die evidenzbasierte Messung scheitert spätestens im Vergleich von Menschen, die Freude am Oktoberfest haben, zu jenen, die sich in Festzelten unwohl fühlen. Eine sehr individuelle Sache. Quantifiziere das, Herr Metzinger.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Das größte theoretische Problem ist nämlich das der „Leidensmetrik“: Wir haben einfach keine überzeugenden Instrumente, um qualitativ ganz unterschiedliche Formen des Leidens miteinander zu vergleichen oder in ihrer Stärke zu messen. Für eine rationale Ethik wäre dies jedoch dringend nötig.

Das hört sich an, als ob aufgrund dieses Mangels im Jahre 2018 keine rationale Ethik machbar wäre. Streite ich ab.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Historisch neu ist allerdings die Möglichkeit, dass die Menschheit als Ganze ihre Würde verliert.

Es soll im Amazonas noch einige Stämme geben, die keinen oder wenig Kontakt mit der Welt haben. Verlieren die auch ihre Würde, wenn die Welt den Klimawandel nicht eindämmt?

Kollektivstrafen und -verurteilungen, naja. Vermutlich bin ich nicht alleine, das für unethisch zu halten.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Die Gattung Homo sapiens scheint jedoch aus Gründen ihrer eigenen geistigen Struktur nicht adäquat reagieren zu können – und zwar auch, wenn ihre Mitglieder eine intellektuelle Einsicht in die zu erwartenden Folgen haben. Sehr bald kann man deshalb das Verhalten der Menschheit nicht mehr respektieren, und zwar, weil es sich ja auch dann nicht ändert, wenn wir sogar diese Tatsache selbst deutlich aussprechen können und auf der Ebene des eigenen Bewusstseins noch einmal klar und deutlich erleben.

Wir können uns selbst bald auch nicht mehr als rationale Personen ernst nehmen, weil wir vorsätzlich Tatsachen ignoriert und auf politischer Ebene unsere eigene Selbsttäuschung organisiert haben. Der Klimawandel könnte also dazu führen, dass wir auf eine historisch neue Weise unter dem Verlust unserer Würde leiden.

Bald?

Metzinger macht einen Fehler, wenn er den Menschen als rational versteht. Homo heuristicus wäre richtig, im Gegensatz zu einem Homo economicus.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Wer Mitglied einer Gattung ist, die sich vorsätzlich und wider besseres Wissen unethisch verhält, der kann diese Gattung weder in anderen Menschen noch in sich selbst respektieren.

Seit wann ist eine Gattung ein handelndes Subjekt?

Außerdem ist das eine säkular-intellektualisierte Variante der Erbsünde.



Metzinger hat folgendes geschrieben:
Leiden ist unvermeidlich und überwiegt in unserer Welt. Positive Bewusstseinszustände sind deutlich seltener, können aber wesentlich leichter vermieden oder beendet werden als negative Zustände.

Laut Metzinger gibt es keine Metrik des Leidens. Eine Lustmetrik dann sicher auch nicht. Und trotzdem behauptet er, Leiden überwiege. Wie kann er das ohne Metrik sagen?




(Alle Zitate aus dem Manuskript)


ich habe herrn metzinger mal eine e-mail mit link dazu geschickt.
er hat wohl keinen bock zu antworten. Sehr glücklich
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Grey
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Anmeldungsdatum: 07.03.2018
Beiträge: 1673
Wohnort: Raccoon City

Beitrag(#2161946) Verfasst am: 07.01.2019, 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Wilson hat folgendes geschrieben:
ich habe herrn metzinger mal eine e-mail mit link dazu geschickt.
er hat wohl keinen bock zu antworten. Sehr glücklich


Er hat wohl keine Lust seine Zeit damit zu verbringen, in einem für ihn unwichtigen Forum, mit Anonymus zu diskutieren. Smilie
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Wilson
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Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 11019
Wohnort: Swift Tuttle

Beitrag(#2161948) Verfasst am: 07.01.2019, 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Grey hat folgendes geschrieben:
Wilson hat folgendes geschrieben:
ich habe herrn metzinger mal eine e-mail mit link dazu geschickt.
er hat wohl keinen bock zu antworten. Sehr glücklich


Er hat wohl keine Lust seine Zeit damit zu verbringen, in einem für ihn unwichtigen Forum, mit Anonymus zu diskutieren. Smilie


ist ja nun klar, dass er ein vielbeschäftigter mensch ist. allerdings besteht über die gbs ja eine gewisse verbindung zum forum...
bestimmt landete meine mail im spamordner, dabei hatte ich sie seriös aufgezogen...
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smallie
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Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 2877

Beitrag(#2162221) Verfasst am: 08.01.2019, 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Wilson hat folgendes geschrieben:
ich habe herrn metzinger mal eine e-mail mit link dazu geschickt.

Das ist ja mal ein Kompliment. Cool



Wilson hat folgendes geschrieben:
er hat wohl keinen bock zu antworten. Sehr glücklich

Naja, mein Vorwurf an Metzinger, eine phrasendreschende Labertasche mit Erbsünden-Komplex zu sein, entspricht nicht wirklich den Gepflogenheiten eines akademischen Diskurses. Pfeifen

Eins wundert mich: Metzinger ist ja schon länger im Geschäft. Sollte ihn noch niemand auf die gröberen Ungereimtheiten in seinen Überlegungen hingewiesen haben?
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Marcellinus
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Anmeldungsdatum: 27.05.2009
Beiträge: 6748

Beitrag(#2162224) Verfasst am: 09.01.2019, 00:06    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:

Naja, mein Vorwurf an Metzinger, eine phrasendreschende Labertasche mit Erbsünden-Komplex zu sein, entspricht nicht wirklich den Gepflogenheiten eines akademischen Diskurses. Pfeifen

Eins wundert mich: Metzinger ist ja schon länger im Geschäft. Sollte ihn noch niemand auf die gröberen Ungereimtheiten in seinen Überlegungen hingewiesen haben?

Nun, zumindest bestätigt er das Diktum von Auguste Comte, daß die Philosophie die Aufgabe habe, zur Wissenschaft zu führen, oder zurückfallen werde zur Religion. Wenn ein Philosoph anfängt, von Spiritualität zu phantasieren, gibt das zu den schönsten Befürchtungen Anlaß.
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es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."

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Grey
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Anmeldungsdatum: 07.03.2018
Beiträge: 1673
Wohnort: Raccoon City

Beitrag(#2162295) Verfasst am: 09.01.2019, 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

smallie hat folgendes geschrieben:

Metzinger hat folgendes geschrieben:
Leiden ist unvermeidlich und überwiegt in unserer Welt. Positive Bewusstseinszustände sind deutlich seltener, können aber wesentlich leichter vermieden oder beendet werden als negative Zustände.

Laut Metzinger gibt es keine Metrik des Leidens. Eine Lustmetrik dann sicher auch nicht. Und trotzdem behauptet er, Leiden überwiege. Wie kann er das ohne Metrik sagen?


Ich kenne zwar kein Statistik dazu, aber gefühlt hat wohl jeder US-Amerikaner einen Psychotherapeuten. Und in Deutschland scheinen auch immer mehr Menschen einen Psychotherapeuten zu brauchen, zumindest stand das schon 2007 in diesem Artikel: https://www.welt.de/wissenschaft/article1405735/Immer-mehr-Deutsche-gehen-zum-Therapeuten.html
Unter irgendwas scheinen die jedenfalls zu leiden.
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smallie
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Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 2877

Beitrag(#2162390) Verfasst am: 09.01.2019, 23:16    Titel: Antworten mit Zitat

Grey hat folgendes geschrieben:
smallie hat folgendes geschrieben:

Metzinger hat folgendes geschrieben:
Leiden ist unvermeidlich und überwiegt in unserer Welt. Positive Bewusstseinszustände sind deutlich seltener, können aber wesentlich leichter vermieden oder beendet werden als negative Zustände.

Laut Metzinger gibt es keine Metrik des Leidens. Eine Lustmetrik dann sicher auch nicht. Und trotzdem behauptet er, Leiden überwiege. Wie kann er das ohne Metrik sagen?


Ich kenne zwar kein Statistik dazu, aber gefühlt hat wohl jeder US-Amerikaner einen Psychotherapeuten. Und in Deutschland scheinen auch immer mehr Menschen einen Psychotherapeuten zu brauchen, zumindest stand das schon 2007 in diesem Artikel: https://www.welt.de/wissenschaft/article1405735/Immer-mehr-Deutsche-gehen-zum-Therapeuten.html
Unter irgendwas scheinen die jedenfalls zu leiden.

Daraus schließt du, daß Menschen mehr leiden, als sie Freude haben? Wie?
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Religionskritik-Wiesbaden
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Beitrag(#2162909) Verfasst am: 13.01.2019, 01:11    Titel: Eat that question - Frank Zappa in his own words Antworten mit Zitat

Vielleicht findet ja Vrolijke hier,
was er suchte:

Zitat:
ARD - Eat that question - Frank Zappa in his own words Ein behutsames und genaues Porträt des legendären Musikers und Komponisten Frank Zappa. Das seltene und teils noch nie veröffentlichte Archivmaterial zeigt einen sensiblen und radikalen Künstler.


https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr-fernsehen/dokumentarfilm/1084622.xxl.mp4
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schtonk
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Anmeldungsdatum: 17.12.2013
Beiträge: 10663

Beitrag(#2162912) Verfasst am: 13.01.2019, 01:35    Titel: Antworten mit Zitat

http://www.nikel-art.de/Leben-und-Werke.aspx#change

Ganz unten ( 3x "weiter" klicken) ein Interview mit Dr. Johannes Hans A. Nikel, dem Gründer der Zeitschrift "Pardon".
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Anmeldungsdatum: 17.12.2013
Beiträge: 10663

Beitrag(#2162914) Verfasst am: 13.01.2019, 02:03    Titel: Re: Eat that question - Frank Zappa in his own words Antworten mit Zitat

Religionskritik-Wiesbaden hat folgendes geschrieben:
...

https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr-fernsehen/dokumentarfilm/1084622.xxl.mp4


Vielen Dank für diesen Link! Einige Versatzstücke daraus kannte ich schon, aber diese Produktion in ihrer Gesamtheit ist schon sehr gut.

Frank Zappa's Last Interview
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vrolijke
Bekennender Pantheist
Moderator



Anmeldungsdatum: 15.03.2007
Beiträge: 36128
Wohnort: Stuttgart

Beitrag(#2162933) Verfasst am: 13.01.2019, 11:45    Titel: Re: Eat that question - Frank Zappa in his own words Antworten mit Zitat

Religionskritik-Wiesbaden hat folgendes geschrieben:
Vielleicht findet ja Vrolijke hier,
was er suchte:

Zitat:
ARD - Eat that question - Frank Zappa in his own words Ein behutsames und genaues Porträt des legendären Musikers und Komponisten Frank Zappa. Das seltene und teils noch nie veröffentlichte Archivmaterial zeigt einen sensiblen und radikalen Künstler.


https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr-fernsehen/dokumentarfilm/1084622.xxl.mp4


Die Sendung habe ich mir natürlich angeschaut. Aber Danke. Die Sendung werde ich mir mal aufheben. Ich werde sie gelegentlich noch mal anschauen.

Zappa habe ich übrigens in den 70er Life in Frankfurt gesehen.
Es war das beste Konzert, das ich je gesehen habe.
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Glück ist kein Geschenk der Götter; es ist die Frucht der inneren Einstellung.
Erich Fromm

Sich stets als unschuldiges Opfer äußerer Umstände oder anderer Menschen anzusehen ist die perfekte Strategie für lebenslanges Unglücklichsein.

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