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Was fällt euch zum Thema "Totalitarismus" ein?
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Skeptiker
linksunten



Anmeldungsdatum: 14.01.2005
Beiträge: 13933
Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#1343988) Verfasst am: 14.08.2009, 10:39    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
GermanHeretic hat folgendes geschrieben:
Tut das nicht in einem gewissen Maß jeder Begriff?

Ja. Nur gibt es durchaus Gründe, warum das beim Begriff "Totalitarismus" interessanter ist als beim Begriff "Schokoriegel".


Aber die Werbung für Schokoriegel, die ist doch total totalitär, oder? Schließlich erreicht sie jeden Haushalt und niemand kann sich ihr entziehen. noc

BTW: Ich hatte mal die Vision, dass das Kapital, zwecks Reparatur seiner Profitrate irgendwann so etwas einführen könnte wie Zwangskonsum ...-

Skeptiker
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"Ich verwarne Ihnen!" (Schiri)
"Ich danke Sie" (Willi Lippens)

Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. (Mark Twain)
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Yogosh
Leisetreter ...und Klugscheisser



Anmeldungsdatum: 19.03.2009
Beiträge: 2170
Wohnort: Berlin

Beitrag(#1343990) Verfasst am: 14.08.2009, 10:40    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht sollten wir aufhören darüber zu spekulieren wer wann wie wo den Begriff benutzen könnte und uns einfach darauf konzentrieren, wer den Begriff tatsächlich wie benutzt.

Wenn er von rechts tatsächlich affirmativ aufgegriffen wird während er auf linker Seite ja eher für Anfälle sorgt, fände ich das interessant.
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"If the King's English was good enough for Jesus Christ, it's good enough for the children of Texas!" - Miriam Amanda "Ma" Ferguson, Governor of Texas, als Begründung gegen Spanischunterricht
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Assarhaddon
registrierter User



Anmeldungsdatum: 02.09.2008
Beiträge: 362
Wohnort: Tübingen

Beitrag(#1343994) Verfasst am: 14.08.2009, 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Wenn das Selbst sozusagen zugeschüttet ist, dann kann es sich eben nicht mehr selbst bestimmen. Dann schützt Du das Fremdbestimmungsrecht.

Klar, wenn das Selbst "zugeschüttet" ist, muss ein Fremder bestimmen, was man zu tun hat. Natürlich nur, um der Fremdbestimmung entgegenzuwirken. Komplett von der Rolle

Skeptiker weiß halt, was Frauen wollen...
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Skeptiker
linksunten



Anmeldungsdatum: 14.01.2005
Beiträge: 13933
Wohnort: 129 Goosebumpsville

Beitrag(#1343997) Verfasst am: 14.08.2009, 10:50    Titel: Antworten mit Zitat

Assarhaddon hat folgendes geschrieben:
Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Wenn das Selbst sozusagen zugeschüttet ist, dann kann es sich eben nicht mehr selbst bestimmen. Dann schützt Du das Fremdbestimmungsrecht.

Klar, wenn das Selbst "zugeschüttet" ist, muss ein Fremder bestimmen, was man zu tun hat. Natürlich nur, um der Fremdbestimmung entgegenzuwirken. Komplett von der Rolle

Skeptiker weiß halt, was Frauen wollen...


So ist es! frech

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pewe
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Anmeldungsdatum: 20.01.2008
Beiträge: 3377

Beitrag(#1343998) Verfasst am: 14.08.2009, 10:51    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
Mir geht es darum, sozusagen eine Karte dieses Feldes zu zeichnen - und auch aufzuzeigen, wo dieses Feld Lücken und Unschärfen enthält.

Und das würde erfordern zunächst dem Gebrauch des Begriffs einen sinnvollen Kontext zu geben.
Also konkret, kann etwa mein Vater totalitär sein oder sollte ich hier nicht von autoritärem Verhalten sprechen, kann eine Bevormundung totalitär sein oder sollte ich nicht besser von einer mit Zwang durchgesetzten Bevormundung sprechen u.s.w. Bei ständiger Ausweitung des Begriffs ist es ja sogar möglich den Schulzwang als totalitär zu bezeichnen und ich frage mich eben, ob es nicht eben mehr Sinn macht, den Begriff auf ein politisch begrenztes Gebiet, was noch genauer zu bestimmen wäre, einzig anzuwenden.
(Wobei wir auch leicht OT sind denn es ging ja um Totalitarismus und nicht um totalitär)
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Tarvoc
Papst Tarvoc der Stæhlerne



Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 35524
Wohnort: Bonn

Beitrag(#1344099) Verfasst am: 14.08.2009, 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

pewe hat folgendes geschrieben:
Bei ständiger Ausweitung des Begriffs ist es ja sogar möglich den Schulzwang als totalitär zu bezeichnen.

Das ließe sich diskutieren. Mr. Green
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Yogosh
Leisetreter ...und Klugscheisser



Anmeldungsdatum: 19.03.2009
Beiträge: 2170
Wohnort: Berlin

Beitrag(#1344101) Verfasst am: 14.08.2009, 13:32    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:
pewe hat folgendes geschrieben:
Bei ständiger Ausweitung des Begriffs ist es ja sogar möglich den Schulzwang als totalitär zu bezeichnen.

Das ließe sich diskutieren. Mr. Green


Für so was haben wir schon einen thread: http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?t=27949
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Kramer
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Anmeldungsdatum: 01.08.2003
Beiträge: 28840

Beitrag(#1344124) Verfasst am: 14.08.2009, 14:02    Titel: Antworten mit Zitat

Tarvoc hat folgendes geschrieben:

Hm. Kann jemand z.B. Totalitarismus wollen, wenn er nicht einmal einen Begriff von Totalitarismus hat? Was hieße denn dann "Totalitarismus wollen"?


"Usurbegin. Der melakonesische Militärchef Bakko Chempesi hat den für Mittwoch anberaumten Militärputsch in der melakonesischen Hauptstadt Usurbegin abgesagt. Aus informierten Kreisen wird berichtet, dass der designierte Diktator Chempesi gegenüber seinen engsten Vertrauten Zweifel an seinem bisherigen Totalitarismusbegiff geäussert hätte."
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Tarvoc
Papst Tarvoc der Stæhlerne



Anmeldungsdatum: 01.03.2004
Beiträge: 35524
Wohnort: Bonn

Beitrag(#1344127) Verfasst am: 14.08.2009, 14:03    Titel: Antworten mit Zitat

Was will der Dichter uns damit sagen?
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Skeptiker
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Anmeldungsdatum: 14.01.2005
Beiträge: 13933
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Beitrag(#2155664) Verfasst am: 26.10.2018, 22:44    Titel: Totalitarismusdoktrin Antworten mit Zitat

Hiermit beziehe ich mich auf Tarvoc Beitrag im thread "Die Zeugen vor der Türe":
https://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=2155658#2155658

Die Totalitarismusdoktrin war noch nie eine Theorie, sondern immer nur eine Art Schema, welches aus der Intention entstanden war, Ungleiches oder gar Gegensätzliches in einen gemeinsamen, begrifflosen *Begriff* zu pressen und so politische Verwirrung zu stiften.

Siehe dazu auch:
"Die Totalitarismustheorie ist gescheitert"

Dazu auch einige ausgewählte Zitate aus einer Arbeit von Kirsten Knaack zum Thema:

Zitat:
Kritik am Totalitarismuskonzept

Nach Meinung Wippermanns (Jahrgang 1945) weise die Geschichte der Totalitarismusdiskussion Schwankungen auf, die eher politische als wissenschaftliche Ursachen gehabt hätten. Dies belege den „Doppelcharakter“ (Wippermann, S. 111) des Totalitarismus als Ideologie wie Theorie; die Stoßrichtung sei auf jeden Fall klar antikommunistisch. Die BRD hätte ein ‚demokratisches Totalitarismuskonzept‘ als Staatsverständnis, die Staatsideologie sei die eines ‚antitotalitären‘ Staates. Deutlich sei dies geworden v.a. ab den 70er Jahren durch exekutive und legislative Maßnahmen gegen Links. (...)

Während Wippermann eine Neuformulierung einer Totalitarismustheorie noch für sinnvoll hält, um kommunistische und faschistische Gesellschaften zu erklären und die Legitimation zur Verteidigung der parlamentarischen Demokratie gegenüber ihren Feinden zu geben (vgl. 2.1.1. dieser Arbeit), hält Kühnl das Totalitarismuskonzept von seiner Entstehung an für ein Kampfmittel gegen Links und als wissenschaftlich nicht haltbar. (...)

Inhaltliche Mängel gäbe es folgende: Die Darstellung, dass das Eingreifen der Massen ins historische Geschehen und die Demokratisierung von Staat und Gesellschaft Ursachen des Faschismus seien, sei unhaltbar. Ebenso sei es falsch, der kommunistischen wie der faschistischen Ideologie zu unterstellen, sie proklamiere ein „Paradies auf Erden“ oder „den Traum der klassenlosen Gesellschaft“ (Friedrich, S. 15, zit. nach Kühnl 1990, S. 135).

Real baue die faschistische Ideologie auf der Naturnotwendigkeit von Herrschaft und Unterordnung sowie dem ewigen Kampf der Völker und Rassen ums Dasein, das Recht des Stärkeren. Die kommunistische Ideologie baue hingegen real auf einer klassenlosen, auf Solidarität beruhenden Gesellschaftsordnung auf.

Die Behauptung, der Faschismus hätte die „zentrale Lenkung und Beherrschung der gesamten Wirtschaft“ (ebd.) gehabt, sei falsch, da der Faschismus die Organe der Lohnabhängigen und Mittelschichten zerschlug; die großen Industrie- und Bankkonzerne hatten ein hohes Maß an Selbtverwaltung und eine starke Machtposition im politischen und ökonomischen Herrschaftssystem.

Kühnl widerlegt ebenso die Behauptung, dass der Kommunismus wie der Faschismus „den Glauben an die Stelle der Vernunft“ (Friedrich, S. 54, zit. nach Kühnl 1990, S. 138) gesetzt hätte. Denn es sei der Faschismus gewesen, der die Irrationalität und Denunziation, Blut und Boden, Glaube und Gemüt vor Vernunft und Aufklärung gesetzt hätte, während der Kommunismus sich in der Tradition von Aufklärung, Vernunft und Wissenschaft befunden hätte. Zudem deckt Kühnl auf, dass Friedrich einige seiner Thesen durch verfälschte Marx- Zitate begründet.


http://www.hilfsschule-im-nationalsozialismus.de/seite-17.html


Letzten Endes sehen die meisten Kritiker die Totalitarismusdoktrin als ungeeignet an, um Faschismus zu identifizieren und seine Wiederkehr in anderer Gestalt (!) zu verhindern, da Faschismus mehr sei als nur (Herrschafts)Form. Deshalb auch folgende Warnung von Kühnl, zusammengefasst von Knaack:

Zitat:
Die latente Faschismusgefahr in der BRD

Laut Kühnl sei auch in der heutigen Gesellschaft der BRD die Gefahr einer Wiedererstarkung des Faschismus latent vorhanden, da die Sozialstruktur des Kapitalismus sich nicht wesentlich verändert habe.

Selbständiger Mittelstand und andere Sozialgruppen seien bedroht von sozialer Deklassierung; ökonomische Rezessionen verursachten immer wieder Krisenangst; autoritäre Mentalitäten seien weit verbreitet; ... ein jederzeit aktualisierbares Agressionspotential gegen Minderheiten sei beträchtlich; die herrschende Klasse könnte wieder in eine Lage geraten, in der ihr ein Bündnis mit dem Faschismus opportun erscheint.

Der Faschismus bestehe also weiter als Möglichkeit, solange der Kapitalismus besteht. Lösungsmöglichkeit sei nicht allein die Verstaatlichung der Wirtschaft, wenn sich die Menschen, wie das Beispiel der sozialistischen Länder zeige, nicht als Subjekte des Geschehens erführen. Zur Faschismusüberwindung sei dementsprechend ein Sozialismus mit einer Fundamentaldemokratisierung zu schaffen.


http://www.hilfsschule-im-nationalsozialismus.de/seite-20.html


Das heisst, dass die Menschen nicht Objekte, sondern gemeinsam & selbstorganisiert gestaltende und kommunizierende Subjekte sein sollten, was dem Kapitalismus - nicht nur in seiner faschistischen Variante - diametral entgegen steht.
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MadMagic
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Anmeldungsdatum: 12.06.2017
Beiträge: 178

Beitrag(#2155672) Verfasst am: 27.10.2018, 01:05    Titel: Re: Totalitarismusdoktrin Antworten mit Zitat

Skeptiker hat folgendes geschrieben:
Das heisst, dass die Menschen nicht Objekte, sondern gemeinsam & selbstorganisiert gestaltende und kommunizierende Subjekte sein sollten, was dem Kapitalismus - nicht nur in seiner faschistischen Variante - diametral entgegen steht.


ja, bei dem selbstorganisiert GESTALTEND da hapert es ein wenig fundamental.... Weshalb eigentlich?
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Wieder da zwinkern
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